Im Rahmen des Projektmanagements muss das BAAINBw weitreichende Entscheidungen bei der Beschaffung und Nutzung von Wehrmaterial fällen. Um einen praktischen Bezug zum System herzustellen und die Nutzerseite mit ihren Herausforderungen – sowohl taktisch als auch logistisch – kennenzulernen, besuchte das Referat K5.2 – Schützenpanzer Anfang Juni 2025 die Truppe.
Zunächst begleitete das Referat eine Ausbildung des Führernachwuchses am Schützenpanzer (SPz) Puma an der Panzertruppenschule in Munster. Bei einem Besuch an der Technischen Schule des Heeres in Aachen stand mit der Technisch-Logistischen Einsatzprüfung (TLEP) ein wichtiger Punkt im Rahmen der Einführung von Landsystemen im Fokus.
Diese gemachten Erfahrungen sollen gewinnbringend in das Beschaffungsvorhaben, insbesondere in Bezug auf die Schnittstellen SPz Puma und SPz Schakal (SPz Rad), eingebracht werden.
Ausbildung Turm- und Bedienstände sowie WA MELLS am SPz Puma an der PzTrS in Munster
Die Panzertruppenschule (PzTrS) in Munster bildet im Schwerpunkt alle Kräfte der Panzer- und Panzergrenadiertruppen aus. Teil dieser Ausbildungen ist die Schießlehrerausbildung in der IX. Inspektion. Ziel ist es, den Führernachwuchs am Ende als Schießlehrer zu befähigen. BAAINBw K5.2, vertreten durch die stellvertretende (stv.) Projektleiterin SPz Schakal, Technische Oberregierungsrätin (TORR’in) Dr. Melanie Rohe, hat in der finalen Ausbildungswoche das Schulschießen mit den abschließenden Prüfungen der Trainingsteilnehmer begleitet.
„Am ersten Tag der Ausbildung begann der Dienst direkt früh um 06:30 Uhr mit der Vorbereitung für den Marsch: dem Technischen Dienst, auch TD genannt.“, erklärt die stv. Projektleiterin. Im Anschluss haben die beiden Ausbilder – Oberstabsfeldwebel Christian und Oberstabsfeldwebel Andy – eine Einweisung in den Marsch, den Marschbefehl, gegeben. Ein Teil der Maßnahmen zur Koordinierung sind z.B. Marschgeschwindigkeit, Marschfrequenz (Funk) sowie Fahrzeugkennzeichnung (Marschkredit).

Nach dem Marsch begann die Vorbereitung des Schulschießens. Diese umfasst das Justieren der Waffenanlage (WA) – Maschinenkanone 30 mm (MK30) –, das Anschießen der Schützenpanzer und dabei das Ermitteln der Systemfehlerwerte. „All diese Tätigkeiten wurden den Teilnehmern detailliert erklärt und gezeigt.“, so Rohe.
Um die Marschzeiten an den folgenden Ausbildungstagen einzusparen, verbleiben die SPz Puma auf der Schießbahn. „Natürlich sind die SPz nicht alleine geblieben, sondern wurden von einer Ausbildungsgruppe als sogenannte Panzerwache beaufsichtigt.“, ergänzt Rohe. Für den Rest hieß es um 16:30 Uhr Dienstschluss.
An den drei Folgetagen fanden mehrere unterschiedliche Schießübungen mit der MK30 und der Sekundärwaffe, dem Maschinengewehr 4 (MG4), statt. Dabei haben sich die Waffenbediener gegenseitig beobachtet und bewertet. Diese Bewertungen wurden dann durch die Ausbilder benotet, schließlich war es eine Prüfung zum Schießlehrer.
Die Schießausbildung wurde unter verschiedenen Bedingungen und Einsatzszenarien durchgeführt. Es wurden unterschiedliche Ziele, Entfernungen, Munitionssorten und Zeitansätze angewendet. Am Ende des Tages war es wichtig, die geforderten Zielscheiben zu treffen und das Verhalten des Schützen dabei zu bewerten.

Nach den Schießtagen wurde in die PzTrS zurückverlegt sowie der Technische Dienst am Schützenpanzer durchgeführt. Ergänzend erfolgte die schießtechnische Nachbereitung wie z.B. das Reinigen des Rohres, der Ausbau sowie das Zerlegen der Sekundärwaffe MG4.

„Ein weiterer spannender Teil der Ausbildung ist das Schießen mit dem mehrrollenfähigen leichten Lenkflugkörpersystem – kurz MELLS genannt. Das sieht man auch nicht alle Tage.“, beschreibt Rohe mit Begeisterung. Es ist vorgesehen, dass jeder angehende Schießlehrer einmal einen scharfen Schuss MELLS abgegeben hat. Dies bedeutet, 8 Lenkflugkörper bei 8 Teilnehmern. Geschossen wurde auf ausrangierte Panzerwannen auf mehrere Kilometer Entfernung.

„Da der SPz Schakal mit den gleichen Turm- und Bedienständen wie der SPz Puma ausgestattet sein wird, war es erkenntnisreich zu sehen, wie diese funktionieren, wirken und eingesetzt werden. Diese Erfahrungen nimmt das BAAINBw mit in das Projekt Radschützenpanzer auf Basis des Gepanzerten Transportkraftfahrzeugs (GTK) Boxer auf.“, so das Fazit der stv. Projektleiterin.
Technisch-Logistische Einsatzprüfung an der TSH in Aachen
Ergänzend zur Ausbildung in Munster besuchte TORR’in Rohe ein paar Tage später die Technische Schule des Heeres in Aachen.
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Kommandeur der TSH – Oberst Kurjahn – wurde sie durch den Leiter des Bereiches Technik/Logistik – Oberst Engel – in dessen Schwerpunkte der Technisch-Logistischen Einsatzprüfung (TLEP) im Rahmen der integrierten Nachweisführung von Militärfahrzeugen und Waffensystemen eingewiesen. Die an der Erreichung der Einsatz- und Versorgungsreife orientierte Rüstungs- und Nutzungsbegleitung von Landsystemen und Munition – von der Planung bis zur Verwertung – ist DER Kernauftrag der Bereiches Technik/Logistik. Die integrierte Nachweisführung dient unter anderem dazu, die an das Produkt vertraglich gestellten Forderungen in der Realität zu überprüfen. Für die TLEP als ein Anteil dieser Nachweisführung bedeutet dies, die durch den Auftragnehmer für ein Produkt vorgestellten Vorschriften, Dokumentationen, Sonderwerkzeuge, Mess- und Prüfmittel und Ersatzteillisten hinsichtlich ihrer Eignung für die vorgesehene logistische Strategie zu bewerten.
„Danach ging es ans Eingemachte!“, berichtet Rohe. Oberleutnant Andreas, Oberfähnrich Simon und Stabskorporal Patrick wiesen in ihre umfangreichen Tätigkeiten bei der TLEP ein und zeigten die Herausforderungen beim SPz Puma, z.B. bei der WA MELLS.
Als praktisches Beispiel wurde der Vertreterin vom BAAINBw ein Teil des Sonderwerkzeugsatzes (SdWzS) des SPz Puma vorgestellt und eine kurze Einweisung in die Mess- und Prüfmittel gegeben. Dabei wurde insbesondere ein Augenmerk auf das Kabelprüfgerät für die WA MELLS gelegt.

„Das wird auch ein wesentlicher Anteil beim zukünftigen System der Mittleren Kräfte sein, dem SPz Schakal. Daher ist es auch wichtig einen Überblick über den Sonderwerkzeugsatz und die TLEP zu erhalten, denn auch die TLEP ist ein elementarer Bestandteil der Nachweisführung.“, betont Rohe.
Mithilfe der technischen Dokumentationen und den Prüfanweisungen konnte TORR’in Rohe z.B. die Sensoren und Kabel an der WA MELLS unter Anleitung auf Funktionalität und Vorschriftsmäßigkeit prüfen.

„Fazit: zwei sehr gelungene Veranstaltungen!“, lobt Rohe die Besuche bei der PzTrS und TSH. „Solche Erfahrungen können in allen Bereichen des Projektmanagements gewinnbringend und zielführend bei der Einführung, insbesondere des SPz Schakal, genutzt werden.“
So ein Austausch hat enorme Vorteile:
- Verständnis für die Herausforderungen der Nutzer
- Netzwerken mit den zuständigen Fachverantwortlichen
- Austausch über die Erfahrungswerte und Schnittstellen anderer Projekte
- Systemverständnis für das Waffensystem zwecks Entscheidungsfindung im Projektmanagement
„Ein weiterer Vorteil der Truppenbesuche ist es, einen praktischen Bezug zur Nutzerseite herzustellen und den Einsatz des Wehrmaterials in der Nutzung zu erleben.“
Erstveröffentlichung in YNSIDE, 21.10.2025
Titel: Ganz nah an der Truppe: Beschaffungsamt on Tour
Autoren: Dr. Melanie Rohe und Hauptmann Robert Winkler





















