Rüstungsbericht 2020

Dr_Hans_Christoph_Atzpodien

Beitrag der Wirtschaft zur Umsetzung der Agenda Rüstung

Die Agenda Rüstung, die von der früheren Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Jahr 2014 initiiert wurde, fand in ihrer generellen Zielsetzung von Anfang an die Unterstützung von Seiten der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Traditionell war die Vergabepraxis der Bundeswehr durch viele alte „Einkaufszöpfe“ und lange Entscheidungsprozesse geprägt, bei Großvorhaben nicht zuletzt auch durch den Projektablauf selbst und die Neigung des Bestellers, nach Vertragsschluss bei den technischen Anforderungen immer wieder nachzulegen. Dies hatte in etlichen Programmen negative Auswirkungen auf den Abarbeitungs-Ablauf, die teilweise noch bis heute nachwirken. Insofern war der Aufbau eines modernisierten Rüstungsmanagements auf Seiten des BMVg immer auch im Interesse der Lieferanten-Seite. Allerdings fehlt es aus Industrie-Sicht bis heute an etlichen Ecken und Enden an einer konsequenten Umsetzung der mit der Agenda Rüstung verfolgten Modernisierungsabsicht. 

Bild: Autor Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V.

Zur Förderung dieser Zielsetzung haben wir als Industrieverband schon seit Längerem fünf einfache Empfehlungen ausgesprochen, die es hier kurz zu beschreiben gilt. Sie bilden aus unserer Sicht nach wie vor den entscheidenden Beitrag zur Umsetzung der Agenda Rüstung:

Empfehlung Nr. 1: Weniger kleinteilig vergeben und alle Möglichkeiten des Vergaberechts zum Wohl der Bedarfsträger kreativer anwenden

Mit der EU-Direktive 2009/81/EG, die anschließend in deutsches Recht übernommen wurde, wurde die Grundlage für grenzüberschreitende, europaweite Ausschreibungen und einen entsprechenden Wettbewerb auch beim Einkauf von Verteidigungsgütern gelegt. Dabei wurden jedoch einige Ausnahmen – teilweise zwingend, teilweise fakultativ – berücksichtigt. Wenn keine der zwingenden Ausnahmen greift (wie z.B. bei bi- oder multinationalen Kooperationsvorhaben), ist es möglich, insbesondere aus Gründen der nationalen Sicherheit wegen der Betroffenheit wesentlicher Sicherheitsinteressen (Art. 346 AEUV) die Beschaffung auf einen nationalen Umgriff zu beschränken. Diese Möglichkeit wurde und wird ausweislich der zwischenzeitlichen Berichte der EU-Kommission von einigen EU-Ländern recht extensiv genutzt. Deutschland hat im Sinne eines europäischen Musterschülers hiervon zunächst nur sehr wenig Gebrauch gemacht. Erst in diesem Jahr wurde mit dem Gesetz zur beschleunigten Beschaffung im Bereich Verteidigung und Sicherheit eine offizielle Abkehr von dieser restriktiven Linie eingeläutet, allerdings nur in Bezug auf sogenannte nationale Schlüsseltechnologien, wie sie im überarbeiteten Strategiepapier der Bundesregierung zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie vom 12.02.2020 definiert werden.

Aber auch über Art. 346 AEUV hinaus gibt es legale Möglichkeiten, das bestehende Vergaberecht für Ausrüstungsgüter der Bundeswehr so anzuwenden, dass am Ende unsere Soldatinnen und Soldaten ihre Ausrüstung schneller bekommen, als dies bei einem Verfahren nach „Schema F“ der Fall wäre. Zu denken ist hier an die Bündelung von Einzelvergaben zu größeren und damit wirtschaftlichen Losen, an Rahmenverträge mit sachgerechteren und längeren Laufzeiten, an die Fortsetzung bestehender Serien (wenn auch mit Modifikationen) und an Ausnahmen aufgrund nachgewiesener besonderer Dringlichkeit.

Ein derartiges Vorgehen setzt aber den durchgängigen Willen der Beschaffungsverwaltung voraus, solche Wege unter Nutzung der Ausnahme- und Gestaltungsmöglichkeiten zu beschreiten und hinreichende Begründungen in die erforderliche Dokumentation aufzunehmen, um unnötige Nachprüfungsverfahren zu vermeiden. Das häufig zu hörende Gegenargument, man begebe sich hier mangels ausreichenden Wettbewerbs zu sehr in die Hände bestimmter Hersteller, kann schon deshalb nicht überzeugen, weil im Bereich der Beschaffung von Rüstungsgütern seit mehr als 60 Jahren das sog. öffentliche Preisrecht gilt, dass dem öffentlichen Auftraggeber jede gewünschte Transparenz im Hinblick auf die Angemessenheit von Leistung und Gegenleistung gewährt.

Empfehlung Nr. 2: Alle Bundeswehr-Vertragsbedingungen für Vergaben unter 25 Mio. € radikal standardisieren und dabei die Inhalte mit der Industrie im Sinne ausgewogener und beiderseits akzeptabler Musterbedingungen aushandeln

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr schließt nach eigenem Bekunden rd. 12.000 Verträge pro Jahr, 94 % davon mit einem Einzelvolumen unter 500 T€ (brutto). Bei diesen rund 11.000 Verträgen/Jahr werden jeweils neben vorformulierten Mustervertragsbedingungen zum Beispiel ABBV und die ZVB/BMVg aus dem Jahr 2000/2001 zugrunde gelegt, die als Spezialvorschriften zusätzlich zur VOL/B zur Anwendung kommen. Diese Vertragsbedingungen enthalten u.a. keine angemessenen Regelungen zur Deckelung der Gesamthaftung des Lieferanten und verdienen damit nicht das Prädikat der Ausgewogenheit.

Der Einstieg in die Aushandlung ausgewogener Vertragsbedingungen wurde in den Jahren 2018 und 2019 zwischen der Bundeswehr-Beschaffungsverwaltung und dem BDSV bzw. seinen Mitgliedshäusern anhand des Vertragsmusters „B070“ gemacht. Hierbei handelt es sich um eine Klausel-Sammlung von Bundeswehr-Einkaufsbedingungen, die spezifisch nur für den Vergabebereich mit Volumina zwischen 500 T€ und 25 Mio. € gedacht sind. Nach mehr als 12-monatiger Verhandlung konnte hierzu im Dezember 2019 ein beiderseits akzeptables Ergebnis konstatiert werden. Umso verwunderlicher war es aus Industrie-Sicht, dass die Beschaffungsverwaltung im Jahr 2020 dennoch gerade im sensiblen Bereich der Haftungsbegrenzungen eine von der gefundenen Einigung abweichende Handhabung praktiziert hat. Die hoffentlich klärenden Gespräche dazu dauern derzeit noch an.

Beide Seiten – Bundeswehr-Beschaffung und Industrie – wissen, dass sie bei einvernehmlich ausgehandelten und entsprechend standardmäßig ausgehandelten Vertragsbedingen bei niedrig-wertigen Beschaffungsvolumina eine Menge an zeitlichem, personellem und auch Kosten-Aufwand einsparen können. Gemessen daran und an der immer wieder beklagten Personalknappheit im Bereich der Bundeswehr-Beschaffung erstaunt es über die Jahre immer wieder, wie lange es braucht, um einem einmal erreichten, gemeinsamen Verständnis und Ergebnis in der Umsetzung zum Durchbruch zu verhelfen. Dieser Durchbruch ist aus Industrie-Sicht bei der Standardisierung der Vertragsbedingungen leider noch nicht erreicht, was die Zielerreichung der Agenda Rüstung in weite Ferne zu rücken scheint.

Empfehlung Nr. 3: Bei Großvorhaben die Kreativität der Industrie besser nutzen durch funktionale Leistungsbeschreibung im Vergabeverfahren (wettbe-werblicher Dialog) und damit individualisierte „Goldrand-Lösungen“ vermeiden

Der CPM 2018 (CPM = Customer Product Management) sieht als Regelprozess vor, dass bei Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr zunächst die erforderlichen Fähigkeitsanforderungen an neues Gerät definiert werden, dann eine Marktsichtung durchgeführt und schließlich das ausgewählte Gerät auch tatsächlich – möglichst im Wettbewerb – beschafft wird. Bei Großvorhaben passt dieser Prozess in der Regel nicht, weil Marktsichtung und Vergabe nicht wirklich getrennt werden können. Hier wird bislang üblicherweise ein Verhandlungsverfahren angewandt, bei dem die Bundeswehr-Beschaffung zunächst das zu beauftragende Gerät spezifiziert (abgeleitet aus den Fähigkeitsanforderungen) und diese Spezifikation sodann an einige dafür präqualifizierte Bieter gibt. Diese sind dann in der Regel gehalten, als erstes einen verbindlichen Preis für die von der Beschaffungsverwaltung spezifizierte Leistung zuzusichern, was im Einzelfall einer objektiven Unmöglichkeit nahekommen kann.

Ursprüngliche Intention des CPM-Prozesses war es, neben der Beschleunigung des Beschaffungsprozesses durch Reduzierung der einzelnen Phasen und durch klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten im Zuge des Beschaffungsvorgangs die Fähigkeitserwartungen der Bundeswehr und die Möglichkeiten und Angebote des Marktes im Sinne einer iterativen Kosten-Nutzen-Optimierung aneinander „abzuschleifen“, das heißt ein Optimum an Nutzen bei möglichst geringen Beschaffungskosten zu erreichen. Dies gelingt aber nicht, wenn die maßgebliche Messlatte die von der Beschaffungsverwaltung entwickelte Eigenspezifikation des zu beschaffenden Geräts ist. Dann kommt es unweigerlich zu Budgetüberschreitungen, wie es gerade bei einem jüngst zur Vergabe gekommenen Großvorhaben passiert ist.

Bei anderen, auch staatlichen Beschaffungsstellen hat sich längst die funktionale Forderungs- und Leistungsbeschreibung in der Anfrage- und Ausschreibungspraxis eingebürgert. Diese überlässt es den aufgeforderten industriellen Anbietern, mittels ihrer Erfahrung und Kreativität entsprechende Vorschläge zu unterbreiten, die dann im Wege eines wettbewerblichen Dialoges Schritt für Schritt zu einer Auslese unter den Bietern führen, welche wiederum am Ende auf Basis der letztgültigen Spezifikation ein finales Angebot abgeben. Die Randbedingungen des wettbewerblichen Dialoges sind in § 18 der Vergabeverordnung und genauer in § 13 VSVgV beschrieben. Leider ist dadurch festgelegt, dass der wettbewerbliche Dialog nur für solche besonders komplexen Vorhaben gedacht ist, bei denen die Vergabestelle nicht ausreichend in der Lage ist, die technischen Spezifikationen zur Erfüllung ihrer zuvor definierten Fähigkeitsanforderungen zu beschreiben. Dieser Fall ist nach dem Selbstverständnis der Bundeswehr-Beschaffung nahezu ausgeschlossen, so dass der wettbewerbliche Dialog in der Bundeswehr schon definitorisch so gut wie gar nicht zur Anwendung kommt. Für die zügige und effiziente Beschaffung von Großgerät ist dies nicht zuträglich. Eine weitere Hürde sind aber auch die jeweils sehr speziellen deutschen Entwurfs- und Bau-Normen, die es nahezu unmöglich machen, dass sich die Bundeswehr mit Gerät versorgt, welches marktgängig und für andere europäische Streitkräfte gut genug ist.

Empfehlung Nr. 4: Verträge so schreiben, dass in ihnen alles abschließend geregelt wird, was geregelt werden muss, damit man den Vertrag während der gesamten Abwicklung möglichst nicht mehr zur Hand nehmen muss

Dies klingt eigentlich selbstverständlich, ist es aber nicht. Allein wegen der oft hohen Komplexität der Materie fällt es schwer, alle Eventualitäten und zum Beispiel alle mitgeltenden Vorschriften sauber zu erfassen und bereits im Angebot und bei Vertragsschluss in den Vertrag einzubinden. Die Vertragserfüllung kann nur auf dem Stand der Technik und der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung erfolgen. Unvorhersehbare, aber erforderliche Änderungen der technischen Leistungsperimeter, der Konfiguration oder der rechtlichen Rahmenbedingungen müssen durch ein im Vertrag verankertes Änderungsverfahren mit möglichst kurzen Entscheidungsprozessen Berücksichtigung finden, in dem Zeitplan, Kosten und Preis entsprechend angepasst werden,

Empfehlung Nr. 5: Instandhaltung von Großgerät nicht „insourcen“, sondern „outsourcen“ (und zwar im Wege sog. „Performance-based Contracts“, wie sie mit ausländischen Kunden schon seit Langem funktionieren)

Das Thema sog. „Performance-based Contracts“ ist auch in der Bundeswehr kein neues Thema. Es gibt sogar einige Bereiche, in denen solche Verträge bereits zur Anwendung kommen (besonders bei der Instandhaltung fliegenden Geräts, wie zum Beispiel Eurofighter und Hubschrauber NH 90).

Vor diesem Hintergrund wirbt die Industrie dafür, die Erfahrungen aus bestehenden Verträgen dieser Art zu nutzen und den Kreis des Geräts, das zur Instandhaltung in die Hände der Hersteller gelegt wird, mutig zu erweitern. Auf Seiten der Industrie bestehen ausreichende Erfahrungen darüber, was für die einzelnen Phasen der Instandhaltung – deren Übernahme, deren Durchführung und deren Übergabe an einen Dritten bei Vertragsende – zu regeln ist. Hinzu kommt insbesondere aus Verträgen mit ausländischen Kunden die gewonnene Erfahrung, dass aufgrund solcher Gestaltungen die Verfügbarkeitswerte des Geräts in der Regel höher liegen als dies innerhalb der Bundeswehr derzeit der Fall ist.

Zusammenfassend sei noch einmal hervorgehoben, dass sich bei allen diesen Gestaltungen die Bundeswehr-Beschaffung und die ihr gegenüberstehende Industrie in Partnerschaft, Transparenz und gegenseitiger Wertschätzung begegnen können, ohne es dabei an wirtschaftlicher Effizienz für beide Seiten fehlen zu lassen. Über allem muss das Interesse der Soldatinnen und Soldaten stehen, von ihrer Beschaffungsverwaltung und der dahinterstehenden Industrie im Sinne der Agenda Rüstung zeitgerecht mit dem besten, für sie verfügbaren Material ausgestattet zu werden.

 

Autor und Bild: Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. (BDSV), Berlin

WiSENT 2 – Eine Plattform für verschiedene Missionen

Der von der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) von Grund auf neu entwickelte WiSENT 2 ist die derzeit modernste und erste multifunktionale Fahrzeugplattform in der Klasse der schweren gepanzerten Unterstützungsfahrzeuge.
Bereits fünf Nationen, darunter mit Kanada, Norwegen und Ungarn drei NATO-Staaten, haben den WiSENT 2 als ihre neue Kernplattform für die Zukunft ausgewählt und führen ihn seit 2015 in ihre Streitkräfte ein. Das Fahrzeug bietet unerreichte Vielseitigkeit und überragende Leistungsdaten und ist damit FFGs Spitzenkandidat für die Nachfolge des in die Jahre gekommenen Pionierpanzer Dachs der Bundeswehr.

Eine Plattform – mehrrollenfähig und modular
Basierend auf dem bewährten Chassis des KPz Leopard 2, bietet die modulare Auslegung des WiSENT 2 und die Verwendung von moderner CAN-Bus Technologie dem Nutzer bisher unerreichte operationelle Flexibilität bei hoher logistischer Gleichheit mit dem Leopard 2. Unterschiedliche Fähigkeiten können so auf einem gemeinsamen Grundfahrzeug vereint werden, welches in kürzester Zeit mittels spezifischer Mission-Kits für die jeweils gewünschte Einsatzrolle als Pionier-, Berge-, Minenräum- und Brückenpanzer ausgerüstet werden kann.

Ein zentrales Hydraulikmodul, kombiniert mit intuitiver Fahrzeugbedienung über interaktive Touchscreen Displays, bildet dabei das Herzstück der WiSENT 2-Fahrzeugarchitektur. Alle hydraulischen Hauptkomponenten sind zentral in einem Hydraulikmodul als eine leicht austauschbare Einheit (LAE) im Hydraulikraum zusammengefasst, mühelos zugänglich und einfach zu warten. Sofern ein Wechsel der Einsatzrolle mittels der o. a. Mission-Kits durchgeführt wird, erkennt das Fahrzeug die bestehende Konfiguration automatisch, ohne dass eine Neuprogrammierung von Systemparametern notwendig ist („Plug & Play“).
Standardmäßig verfügt die WiSENT 2-Plattform über eine leistungsfähige Hauptwinde mit 40 t konstanter Zugkraft im Einzelzug. Neben der bordeigenen Trenn- und Schweißausrüstung und einer Vielzahl an mitgeführten Werkzeugen kann der WiSENT 2 entweder mit einer konventionellen Auxiliary Power Unit (APU) oder mit einem batteriebasierten Auxilliary Power Boost (APB) System ausgerüstet werden. Dies erlaubt im Einsatz längerfristige, nahezu geräuschlose Bereitschaftszeiträume (Silent Watch), ohne dass dafür das Haupttriebwerk laufen muss.
Ein hoch geschützter gemeinsamer Kampfraum sichert der dreiköpfigen Besatzung jederzeit die uneingeschränkte direkte Kommunikation untereinander, die Möglichkeit gegenseitiger Unterstützung und Hilfeleistung in Notsituationen unter Schutz sowie die fortgesetzte Einsatzfähigkeit des Fahrzeugs auch bei Ausfall eines Besatzungsmitglieds.

WiSENT 2 als Pionierpanzer
In der Pionierpanzervariante ermöglichen ein mehrteiliger Hochleistungsbaggerarm mit einer Reichweite von 9,4 m eine Förderleistung von mehr als 260 m3/h und ein Standard Baggerlöffel mit 1,3 m3 Fassungsvermögen eine Grabtiefe von über 4 m. Der gepanzerte Baggerarm verfügt über eine hydraulische Schnellkupplung für die Aufnahme von alternativen Löffeln oder Werkzeugen wie Greifern, Hämmern, oder Scheren etc. Der Werkzeugwechsel kann halbautomatisch unter Schutz durchgeführt werden, was insbesondere beim Einsatz in feindlicher urbaner Umgebung von Vorteil ist.


Je nach kundenspezifischen Anforderungen an das Pioniersystem stehen für den WiSENT 2 verschiedene Räumschildtypen zur Auswahl, vom einfachen Räumschild bis zum verstellbaren Pionierschild mit variablem Schnitt-, Neigungs- und Schiebewinkel.
Für taktisches Minenräumen kann der WiSENT 2 statt des Räumschildes mit einem Mine Breaching System (MBS) ausgerüstet werden, das aus einem Minenpflug mit Magnetsignaturduplikatoren und einem automatischen Gassenmarkierungssystem zur Kenntlichmachung der geräumten Spur für nachfolgende Einheiten besteht. Ergänzend kann der WiSENT 2 auch Minengassensprengsysteme wie z.B. das Plofadder Mine Clearing Line Charge (MCLIC) System verbringen.
Mit einem weiteren Kit erhält der WiSENT 2 die zusätzliche Fähigkeit, mittels der hydraulischen Schnellkupplung des Baggerarms taktische Kurzbrücken mitführen und verlegen zu können.

Höchstes Schutzniveau
Bereits das Grundfahrzeug bietet sehr hohen Schutz gegen Minen und ballistische Bedrohungen. Dieses hohe Schutzniveau kann durch den Anbau verschiedener optionaler Zusatzschutzsysteme gegen Bedrohungen wie Rocket Propelled Grenades (RPG) oder Improvised Explosive Devices (IED) weiter gesteigert werden.
Weitere Schutzoptionen umfassen ABC Schutzsysteme, Klimaanlage und/oder individuelle Kühlsysteme für die Besatzungsmitglieder (Chiller), vollautomatische Brandunterdrückungs- und Feuerlöschanlagen, sowie verschiedene 360°- Sensorlösungen für Tag und Nacht.
Optionale Wurfanlagen für den Einsatz von Nebelmitteln oder Sprenggranaten zum Selbstschutz sowie verschiedene ferngesteuerte Waffenstationen vervollständigen das Schutzkonzept des WiSENT 2.

Logistische Gleichheit und Aufwuchspotenzial
Das ausgereifte Chassis des Leopard 2 garantiert höchste Mobilität und Fahrleistungen inklusive der Tiefwat- und Tauchfähigkeiten ebenso wie ein hohes Maß an logistischer Gleichheit mit der Kampfpanzerflotte.
Die gemeinsame Fahrzeugplattform aller WiSENT 2-Konfigurationen reduziert ferner den Bedarf an spezifischen Teilen und Sonderwerkzeugen ebenso wie den Bedarf an spezieller Ausbildung.
Der WiSENT 2 ist bereits standardmäßig mit dem MLC 80 Fahrwerk und Antriebsstrang des KPz Leopard 2 A7V mit verstärkten Drehstäben und hydraulischen Anschlagsdämpfern sowie neuer Gleiskette und neuen Seitenvorgelegen mit stärkerem Drehmoment ausgestattet und bietet damit Aufwuchspotential für die Zukunft.
Die auf CAN-Bus-Architektur basierende Plattform erlaubt darüber hinaus die schnelle Integration von verschiedenen kundenspezifischen C4ISTAR Systemen und ermöglicht so die schnelle Anpassung des WiSENT 2 auch an zukünftige Einsatzszenarien im Wirkverbund.
Aktuell bewährt sich der WiSENT 2 u. a. im Einsatz bei der NATO Enhanced Forward Presence (eFP).

 

Quelle:

Text und Bilder: FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH

Neu eingeführtes Videoendoskop IPLEX RT für Heer und SKB

Der Zustand der bisher vorhandenen Prüfmittel zur Begutachtung von Waffenrohren entsprach veralteter Ausrüstung und Technik. Des Weiteren war es nicht für den kaliberübergreifend Einsatz geeignet. Die Fähigkeitslücken lagen hier bei der Betrachtung der Kaliber 4,6 mm und 12,7 mm. Die bis dahin verwendeten Prüfmittel, Endoskop alt, waren aus logistischer Sicht zu dem nicht mehr versorgbar und instandsetzbar.

Um die Fähigkeitslücken zu decken und einer vorhandenen Obsoleszenz entgegen zu wirken, wurde aus technischer und wirtschaftlicher Sicht eine Neubeschaffung notwendig. Eine Modernisierung und kaliberübergreifende Zusammenfassung der geforderten Fähigkeiten wurde mit Einführung des neuen Videoendoskop IPLEX RT der Firma OLYMPUS im II. Quartal 2019 sichergestellt.

Das Videoendoskop IPLEX RT dient zur Inspektion und Beurteilung des Innenraums von Waffenrohren in dem Kaliber 4,6mm bis 35mm, ohne das zu untersuchende Objekt zu beschädigen.

Videoendoskop IPLEX RT

Eingesetzt wird es im Bereich der technischen Materialprüfungen und Instandhaltungsarbeiten an infanteristischen Waffensystemen. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Bewertung von Waffenrohren. Aus technischer Sicht hat das Videoendoskop IPLEX RT gegenüber den veralteten starren, glasoptischen Endoskopen den gravierenden Vorteil, dass es digital und kaliberübergreifend anzuwenden ist und die Möglichkeiten einer reproduzierbaren und zielgenauen Inspektion bietet.

Hauptgerät:

Das Hauptgerät ist über ein Universalkabel fest mit der Bedieneinheit verbunden. Über den Griff kann das System tragbar, eigenständig stehend oder über das im Hauptgerät eingelassenes Gewinde, mit einem gerätespezifischen Stativ befestigt, eingesetzt werden. Ein Trageriemen dient zum Tragen am Körper.

Für gute Sichtbarkeit und Bilddarstellung verfügt das Hauptgerät über einen 6,5-Zoll Monitor. Ein weiterer Vorteil ist der netzunabhängige Einsatz. Hierfür ist auf der Rückseite ein Batteriefach zur Aufnahme für einen Lithium-Ionen-Akku vorhanden. Für den Netzbetrieb wird das Hauptgerät mittels eines Netzteils an eine Stromquelle angeschlossen.

Zusätzlich kann ein USB-Stick zur Speicherung von Bildern, in JPEG-Format und Videomaterial in MPEG-Format eingesetzt werden.

Hauptgerät Vorderseite

 

Hauptgerät Rückseite

Bedieneinheit:

Die ergonomisch gestaltete Bedieneinheit ist über das Universalkabel fest mit dem Hauptgerät und dem Einführungsteil verbunden. Ein schneller Zugriff auf alle benötigten Menübefehle ist über Tasten, Hebel oder Joystick möglich. Im oberen Bereich befinden sich Bedienelemente für den Betrieb des Systems. Die Helligkeit des Monitors kann in 10 Stufen eingestellt werden, ein Hebel zur Einstellung des Zooms dient zur Vergrößerung des angezeigten Bildes. Die Darstellung kann maximal den fünffachen Wert der ursprünglichen Größe anzeigen. Über einen Joystick ist es möglich, das Objektiv am Ende des Einführungsteils kontrolliert zu bewegen.

Durch Betätigung verschiedener Bedienknöpfe können Bilder vergrößert, eingefroren oder als Ganzes auf dem 6,5“ LCD-Monitor angezeigt, sowie kurze Videosequenzen aufgezeichnet werden.

Bedieneinheit

Einführungsteil:

Das Einführungsteil besteht aus einem speziell verarbeiteten Wolfram-Außengeflecht und ist mit der Bedieneinheit fest verbunden. Auf seiner Länge von zwei Metern sind weiße und orangene Markierungen als Längenindex angebracht.

Der vordere Bereich des Einführungsteils ist beweglich (Winkeltrieb) und kann mit dem Joystick der Bedieneinheit gesteuert werden.

Einführungsteil mit Aufnahme für Objektiv

Objektiv:

Zur Verfügung stehen zwei Objektive, sie ermöglichen unterschiedliche Begutachtungen. Für eine lineare Betrachtung, im Rohrinneren, dient ein Objektiv zur Vorwärtsansicht. Im Rahmen einer Betrachtung z.B. einer Gasabnahmebohrung, wird das Objektiv mit Seitenansicht eingesetzt.

Objektive für Vorwärtsansicht und Seitenansicht

Einsatz:

Durch das Videoendoskop IPLEX RT ist das Prüfpersonal befähigt, Bildmaterial des zu prüfenden Geräts zu erstellen, zu dokumentieren und bei fortschreitendem Verschleiß als Referenz zu nutzen. Darüber hinaus kann das erstellte Bildmaterial auch zur Kommunikation, zum Zweck des Erfahrungsaustausches und in der Ausbildung zweckdienlich eingesetzt werden. Das Übertragen auf nicht systemgebundene Darstellungsmedien (z.B. Beamer oder externe Monitore) ist möglich.

Wesentliche Vorteile sind Möglichkeiten eines netz-, ortsunabhängigem und ergonomischem Arbeiten bei gleichzeitig hoher Betrachtungsqualität. So können Waffenrohrinnenbetrachtungen in einer sehr guten Qualität durchgeführt werden.

Betrachtungsbeispiele:

Durch eine gerades Objektiv ist die Betrachtung nach vorne gegeben. Hierdurch wird der Gesamteindruck des Rohrinneren bei hoher Licht- und Bildqualität ermöglicht. Aufbauchungen können somit gut erkannt werden.

Waffenrohr MG3 (Polygonrohr mit Rohraufbauchung)
Waffenrohr Gewehr G95k mit Objektiv gerade (hier leichte Auswaschungen im Bereich der Gasabnahmebohrung)

Durch ein Objektiv mit Seitenansicht können seitliche Schäden wie z.B. Feldausbrüche, Ausbröckelungen oder Abplatzungen aber auch Auswaschungen der Gasabnahmebohrungen bei Gasdruckladern erkannt und Dokumentiert werden. 

Waffenrohr MG5 (hier seitliche Ausbröckelungen / Auswaschungen)

 Ausstattung und Verpackung:

Verpackung

Ausstattung

Fazit:

Die neue Verpackung sowie der Beladungsplan ermöglichen eine übersichtliche und einfache Verstauung, einen sicheren Transport sowie einen schnellen und unkomplizierten Einsatz. Bedingt durch den vorhandenen Lithium-Ionen-Akku ist die Möglichkeit gegeben für einen autarken und mobilen Betrieb. Im Vergleich zu Endoskop alt wird auch ein besseres Verstaukonzept erzielt. Mit einem Gesamtgewicht von 12Kg und den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten gegenüber Endoskop alt, wurde hier zielführend und zukunftsorientiert eine Beschaffung durchgeführt. Die Nutzer von SKB und Heer haben mit dieser Prüfausstattung auf lange Sicht eine qualifizierte- und materialoptimierende Prüfausstattung die auch an Neusystemen, wie SPz PUMA, genutzt werden können.

Die Sicherheit der Schützen und Bediener von Waffen und infanteristischen Waffensystemen ist stark optimiert, ja fast perfektioniert worden.

Videoendoskop IPLEX RT (neu)
Endoskop alt mit Verpackung und Transportmittel

Autoren und Bilder: AusbZTLS, Ber Techn/Log, Dez W, OStFw Boyn, Hptm Habakuk, Hptm Knur

Zuwachs für die militärische Fahrzeugfamilie

Die Bundeswehr erhält über 500 neue LKWs vom Typ „WLS (Wechselladersystem)“. Der dazugehörige Vertrag zur Herstellung und Lieferung wurde am 18. Juni 2020 im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz unterschrieben. Vertragspartner ist die Firma Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV). Insgesamt kann das BAAINBw auf Grundlage des geschlossenen Vertrages bis zu 4.000 Fahrzeuge beschaffen. In einer ersten Tranche sollen 540 Wechselladersysteme der Zuladungsklasse 15 Tonnen zulaufen. „Mit diesem Vertrag knüpft das BAAINBw an die Erfolgsgeschichte der ungeschützten Transportfahrzeuge‚ UTF mil an.“, so OTL Bischof , der zuständige Projektleiter beim BAAINBw. Die Fahrzeuge sind hochmobil, geländegängig und allradgetrieben, können Ladungen von bis zu 15 Tonnen transportieren und sind mit der bewährten Wechselladerpritsche des schon eingeführten Systems MULTI ausgestattet. Dank dieser Wechselladereinrichtung kann das Be- und Entladen von Versorgungsgütern ohne weitere Unterstützung durch Umschlagmittel wie Krane oder Gabelstapler erfolgen.

Bild: WLS „Wechselladersystem“ geschützt, ungeschützt

Die Fahrerhäuser, die je nach Bedrohungslage in einer geschützten (umgangssprachlich: gepanzerten) oder ungeschützten (also ungepanzerten) Variante wechselweise aufgesetzt werden können, sind als 3-Mann-Fahrerhaus ausgeführt und nach den neuesten ergonomischen Erkenntnissen ausgestattet. In der geschützten Variante bieten sie den Insassen Schutz gegen Sprengstoffanschläge, Beschuss mit Handfeuerwaffen sowie die Wirkung von ABC-Waffen. Das Volumen des Vertrages von über 350 Millionen Euro beinhaltet neben der Lieferung der Fahrzeuge und des Zubehörs auch die Schulung des technischen Personals der Bundeswehr.

 

Copyright und Bilder: Bundeswehr/BAAINBw

80 mittlere geschützte Sanitätsfahrzeuge beauftragt

Die Bundeswehr bekommt weitere Sanitätsfahrzeuge. Der Vertrag über die Herstellung und Lieferung von 80 mittleren geschützten Sanitätsfahrzeugen wurde kürzlich im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr unterschrieben. Das Fahrzeug auf Basis des Eagle 6×6 soll im Sanitätsdienst der Bundeswehr und in der Marine eingesetzt werden.

Das geschützte, allradangetriebene Radfahrzeug dient vor allem der mobilen, sanitätsdienstlichen Erstversorgung. Egal ob vor Ort oder zwischen verschiedenen Behandlungseinrichtungen, der Eagle wird als Bindeglied im sogenannten qualifizierten Verwundetentransport eingesetzt. Die Fahrzeuge werden ab 2021 in der Truppe erwartet.

Den Fuhrpark sinnvoll erweitert

„Das neue Fahrzeug ergänzt die leichten und schweren geschützten Sanitätsfahrzeuge Eagle IV BAT und GTK Boxer. Es ermöglicht zukünftig ein neues Niveau in der bodengebundenen sanitätsdienstlichen Versorgung“, weiß Oberstleutnant Klaus Krickl vom Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr. Und es erfüllt alle aktuellen Anforderungen: Schutz, Mobilität, sanitätsdienstliche Funktionalität und Transportkapazität – bei einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 20 Tonnen.

Viel Platz für medizinisches Fachpersonal und die Patienten

In dem Sanitätsfahrzeug können bis zu zwei liegende Personen aller medizinischen Schweregrade transportiert werden. Der Innenraum bietet dem Fachpersonal ausreichenden Platz für die rettungsmedizinische Überwachung und den Erhalt der Vitalfunktionen. Je nach Auftrag wird das Fahrzeug mit unterschiedlich medizinisch geschultem Personal besetzt. Während zwei Notfallsanitäter in der Einsatzvariante „Rettungstrupp“ alleine die Versorgung der Verwundeten übernehmen, ist in der Variante „Beweglicher Arzttrupp“ ein Notarzt mit an Bord.

Bestmöglicher Schutz für die Insassen

Das Sanitätsfahrzeug sichert und erweitert die Fähigkeit der bodengestützten sanitätsdienstlichen Unterstützung in der Bundeswehr. Der Eagle stellt nicht nur die hochmoderne sanitätsdienstliche Versorgung der Patienten sicher. Die Insassen können sich auch auf den bestmöglichen Schutz verlassen. Die Panzerung schützt gegen Minen und improvisierte Sprengfallen, sogenannte IED.

Drei Achsen für höchste Mobilität

Bei der Planung lag der Fokus auf einer sehr hohen operativen sowie taktischen Mobilität. Gleichzeitig sollen die zu behandelnden Personen besonders schonend transportiert werden. Dies ist speziell bei Fahrten im Gelände eine besondere Herausforderung. Möglich wird dies durch eine besondere Fahrwerkskonstruktion mit einem verlängerten Fahrgestell mit dritter Achse.

Wieder eine Fähigkeitslücke geschlossen

Der erfolgreiche Vertragsschluss im Rahmen der Projektrealisierung schließt eine weitere Fähigkeitslücke. Die gemeinsam erarbeiteten Erfahrungen im Vertrags- und Projektmanagement können auch in zukünftigen Projekten erfolgreich übernommen und angewendet werden.

Autor: Wolfgang Schmittinger, BAAINBw U4.2, Bildquelle: Kai Weber, GDELS

Greenliner 2020: Neue Mobilität für die Truppe

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat gemeinsam mit der Abteilung Ausrüstung des Bundesministeriums der Verteidigung die Weichen dafür gestellt, dass der Lkw Greenliner noch in diesem Jahr an die Truppe ausgeliefert wird. Insgesamt 700 Fahrzeuge erhält das Deutsche Heer ab September als Full-Service-Paket. Grundlage dafür ist die gerade erteilte Freigabe zur Nutzung.

„Damit wird die ungeschützte militärische Fahrzeugflotte der Bundeswehr weiter vorangetrieben“, erklärt Oberstleutnant Jan Woywod, Projektleiter BwFuhrparkservice im BAAINBw. Der Mobilitätsservice für die Truppe wird so weiter ausgebaut: Das Fahrzeug dient dem Transport von Personen und Material, es wird aber auch im Einsatz genutzt, um die Truppe mittels eines eingebauten Funksystems zu führen.

Der Name „Greenliner“ entstand im Jahr 2006 im Zuge der Beschaffung der ersten grünen Fahrzeugflotte seitens der BundeswehrFuhrparkService GmbH (BwFPS). Durchgesetzt hat sich der Name bei der ersten Serie im Jahr 2008, die wie der Wolf auf der G-Klasse von Mercedes-Benz basiert. Die handelsübliche Mobilität wird „Silberlinge“ genannt, weil die ersten Fahrzeuge im Jahre 2003 in Silbern ausgeliefert wurden.


Allradantrieb, Klimaanlage, Kältepakete, Automatikschaltung: Das neue Fahrzeug können die Soldaten in verschiedenen Klimazonen nutzen.
Bundeswehr/Sirko Bednarski

Das Beschaffungsprojekt Greenliner begann im August 2019. Mindestens 300 Fahrzeuge sollen noch 2020 an die Truppe übergeben werden. „Allen Beteiligten war von Anfang an klar, dass es ein Kampf gegen die Uhr werden würde“, erläutert Stefan Pauly. Der Technische Regierungsamtmann ist im BAAINBw in der Projektleitung der Fahrzeugfamilie Wolf tätig und unterstützt die technische Realisierung des Fahrzeugs maßgeblich. Mit den 300 Fahrzeugen soll das derzeitige Fehl im Deutschen Heer ausgeglichen werden, um für die Schnelle Eingreiftruppe VJTF 2023 notwendiges Gerät zu liefern.

Stresstest für Mensch und Maschine

Die Anpassung des Greenliners an die aktuellen militärischen Bedarfsforderungen, also das, was die Truppe an Fähigkeiten für Lkw gefordert hat, nahm das BAAIN gemeinsam mit dem Zentrum für Kraftfahrwesen der Bundeswehr, der BwFPS, Daimler sowie der Knapp Service GmbH vor. Hersteller des Fahrzeuges ist die Mercedes-Benz G GmbH in Graz, Österreich. Die militärischen Sonderausstattungen werden in Koblenz eingebaut.

Mit der Projektstartbesprechung im August 2019 begann der Marathon gegen die Zeit. In der ersten von zahlreichen Besprechungen wurde der Arbeits- und Zeitplan festgelegt. Das Ziel war, am Ende des Jahres 2019 das erste Serienmodell in Koblenz bereitzustellen, um anschließend die erforderlichen Testreihen wie z. B. zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) vorzunehmen, die Zertifizierung der neuen Reifen oder aber die Prüfung der Geräuschmessung durchzuführen.


Der Greenliner – hier noch ohne Flecktarn – wird zahlreichen Tests unterzogen, von der Geräuschmessung bis zur Reifenzertifizierung
Mercedes-Benz, Guido Monreal

Im November 2019 wurde das erste Serienfahrzeug bestellt. Kurz vor Weihnachten wurde der Lkw von Graz nach Koblenz überführt und mit der geforderten Flecktarnlackierung sowie dem Einbausatz „Fu 2“ versehen. Dahinter verbergen sich zwei Funkkreise mit verschiedenen Frequenzen. Im Januar und Februar 2020 fanden zahlreiche zusätzliche Testreihen mit dem Fahrzeug statt. Im Februar gab es die letzte Projektbesprechung. Die abschließenden Papiere wurden befüllt, um die Voraussetzung für die Freigabe zur Nutzung zu schaffen. Durch die BwFPS können die handelsüblichen Fahrzeuge mit militärischer Sonderausstattung an die nutzenden Truppenteile ab September 2020 übergeben werden.

Platz für 4 Personen mit Ausrüstung

Der Greenliner verfügt über einen 6-Zylinder-Motor mit einer Leistung von 135 Kilowatt, Allradantrieb und Automatikgetriebe. Für Übungen und Einsätze ist der Greenliner gleichermaßen geeignet. Während der Fahrt sind Differentiale steuerbar. So wird eine hohe Geländegängigkeit ermöglicht, da die Traktion dem Gelände entsprechend angepasst werden kann. Auch die Nutzung in unterschiedlichen Klimazonen ist durch eine leistungsfähige Klimaanlage und ein Kältepaket mit Standheizung gewährleistet.

Der Projektleiter für die Fahrzeugfamilie Wolf, Technischer Regierungsoberamtsrat Peter Kropp, erläutert, was den Greenliner ausmacht: Die Kabine des Greenliners biete in ihrer Grundkonfiguration vier Soldaten mitsamt ihrer Ausrüstung Platz. Die militärische Sonderausstattung bestehe unter anderem aus Halterungen für Waffen und Gerät, Tarnbeleuchtung, Blendschutz für Scheiben, Scheinwerfer und Spiegel, Fremdstartsteckdose und dem Einbausatz Funk Fu 2. Alles konnte zeitgerecht integriert werden, um die Freigabe zur Nutzung „Greenliner 2020“ zu erteilen. „Aufgrund der ausgezeichneten Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte das schlagkräftige Projektteam den Zeitplan trotz aller Herausforderungen halten – damit steht der Auslieferung an die Truppe nichts mehr im Weg.“

Autor: OTL Sirko Bednarski BAAINBw E3.2

Vertragsunterzeichnung „Mobile Feldküche“ erfolgt

Am 24. März 2020 erfolgte die Vertragsunterzeichnung für das Projekt „Mobile Feldküche“ durch die Vizepräsidentin des BAAINBw, Annette Lehnigk-Emden. Die dazugehörige 25-Mio-Vorlage war am 4. März 2020 durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gebilligt worden.


Erhalten bald einen neuen Arbeitsplatz: die Teams der Feldküchen
Bundeswehr/Kevin Schrief

Nach der Entscheidung über die Vergabeart und der Veröffentlichung im Februar 2019 erfolgte die Vergabe im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens mit Teilnahmewettbewerb, den eine in Deutschland ansässige Firma für sich entscheiden konnte.

Der Beschaffungsrahmenvertrag sieht die Konstruktion, Herstellung und Lieferung von bis zu 400 Gesamtsystemen „Mobile Feldküche“ vor. Dazu zählen neben Ersatzteilerstausstattungen auch die Erstellung und Lieferung von Dokumentationen und Materialgrundlagen, die Durchführung von Ausbildungen, Managementleistungen sowie Transporten zu Einsatzprüfungen und Erprobungen.

Erstlieferung schon dieses Jahr – Serienbeschaffung ab 2022

Das erste Seriengerät soll im Juli dieses Jahres geliefert werden. Unmittelbar darauf schließt sich die integrierte Einsatzprüfung an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt und der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Trier an. Die Kälte- und Hitzeerprobung wird an den US-amerikanischen Testeinrichtungen Cold Regions Test Center in Fort Greely, Alaska und am Yuma Proving Ground in Arizona stattfinden. Nach erfolgreichem Abschluss der Tests wird im Jahr 2022 die Serienbeschaffung mit der vereinbarten Festbeauftragung von 85 Systemen starten. Weitere Systeme „Mobile Feldküche“ können als Bestellleistungen abgerufen werden.

Das seit den 1980er Jahren genutzte System „Taktische Feldküche 250 Mann“ wurde unter den Vorgaben der Landesverteidigung in Mitteleuropa mit Abstützung auf vorhandene Infrastruktur entwickelt und entspricht nicht mehr den weltweiten Einsatzerfordernissen und Einsatzgegebenheiten. Darüber hinaus können die Hygienevorschriften und die Anforderungen der aktuellen lebensmittelrechtlichen Gesetze nicht mehr eingehalten werden. Zudem erfüllt das Altsystem nicht die militärische Forderung zur Trennung von Funktionalität und Mobilität. Hinzu kommen die Außerdienststellung und zunehmende Aussonderung der bisherigen Trägerfahrzeuge und das daraus resultierende Wegbrechen der Mobilität.

Fähigkeitslücke wird geschlossen

Die dadurch entstehende Fähigkeitslücke soll durch das Projekt „Mobile Feldküche“ geschlossen werden. Dabei handelt es sich um ein mobiles System zur Lagerung, Vor-/Zubereitung und Abgabe von Verpflegung für bis zu 250 Verpflegungsteilnehmer im Rahmen der weltweit beweglichen Operationsführung in verschiedenen Klimazonen und Temperaturbereichen, auch in unbefestigtem Gelände.

Das System wird eingerüstet in zwei 20 Fuß-Container mit modularem Aufbau. Durch die Verwendung dieser standardisierten Container ist eine Trennung von Funktionalität und Mobilität sichergestellt. Die Besatzung besteht aus drei Soldaten oder Soldatinnen. Für das System ist sowohl der auf- als auch abgesetzte Betrieb gefordert. Außerdem wird eine systemimmanente Autarkie verlangt, das heißt vier Betriebszyklen müssen innerhalb von 24 Stunden selbstständig durchlaufen werden können. Aus diesem Grund sind alle notwendigen Geräte, Betriebsstoffe, Verpflegungstypen und Ausstattungen mitzuführen.

Die Mobile Feldküche: ein komplexes System

An den vielfältigen Forderungen ist erkennbar, dass die Mobile Feldküche mehr ist, als ein ins Feld gestellter Küchenwagen. Ein vergleichbares System ist am Markt nicht verfügbar. Um die Forderungen zu erfüllen, muss ein innovatives System- und Energiekonzept entworfen und umgesetzt werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei der Entwurf des Zubehörcontainers. Dieser muss vergleichsweise große Lasten und Volumina aufnehmen können. Dazu gehören z.B. ein Stromerzeugeraggregat, die Heiz- und Klimaanlage, eine Batterie zur Notstromversorgung, Tanks für 3.000 Liter Frisch- und 800 Liter Abwasser, alle Zubehör- und Ausstattungsteile und ein Kühlraum mit einer Kapazität von 2 Kubikmeter für die Gruppenverpflegung von 250 Soldatinnen und Soldaten.


Entwurf der mobilen Feldküche, Zubehörcontainer (links) und Küchencontainer mit Verbindungsschleuse
Kärcher Futuretech GmbH

Einsatz im Rahmen VJTF 2023 geplant

Das Projekt „Mobile Feldküche“ schließt damit die Fähigkeitslücke zwischen der Verpflegungszubereitung mittels der persönlichen Ausstattung des Soldaten (Individualverpflegung) und der Versorgung in einem Feldlager oder Einsatzinfrastruktur. Das Vorhaben leistet einen wichtigen Beitrag zur Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte bei Einsätzen und humanitärer Unterstützung im In- und Ausland.

Die ersten Gesamtsysteme sollen bereits im Rahmen der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) 2023 zum Einsatz kommen.

Autor: Thomas Stork, TROAR, Projektmanagement BAAINBw U3.1