zukünftige Handlungsfelder fürdie Logistik der Bundeswehr

Entwicklungen des LogSyBw im Rahmen des Fähigkeitsprofils am Beispiel SKB

Dieser Beitrag ist der Auftakt einer 6-teiligen Artikelserie. Teil 1 & 2 finden sie in diesem Newsletter, die Fortsetzung folgt im April. [Red.]

1.1 Zielkorridor Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV)

Die Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) ist wesentliche Bezugsgröße der Entwicklungslinien des Logistischen Systems der Bundeswehr (LogSysBw). Das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr (FPBw) spiegelt in seinen Iterationsschritten seit 2018 diesen Ansatz wider und setzt Wegmarken für die planerische Umsetzung in den militärischen Organisationsbereichen. Zahlreiche multinationale Übungen, nationale Truppenübungsplatzaufenthalte und Neuansätze in der Ausbildung, insbesondere beim Führungsnachwuchs, sind sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung zu einem „New normal LV/BV“. Erörterungen über die zukünftige Führungsorganisation der Bundeswehr treten hinzu.

Die Dimensionen im Fähigkeitsprofil der Bundeswehr
Abb. 1: Fähigkeitsprofil der Bundeswehr

Parallel zu dieser modernen Rückbesinnung zum „Gefecht der verbundenen Waffen“ bzw. der Befähigung zu einem Multi-Domain-Battle – der nahtlosen Verknüpfung aller Domänen zu einem dynamischen Operationsraum – gilt es, in unveränderter Qualität Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen sowie innerstaatliche subsidiäre Leistungen technisch-logistischer Unterstützung verlässlich und durchhaltefähig zu unterstützen bzw. zu erbringen. Fähigkeitsforderungen, Ausrüstungsfragen und Strukturanpassungen für das LogSysBw folgen genau diesen geänderten Rahmenbedingungen und gehen mit gestiegenen Anforderungen und Erwartungshaltungen der Bedarfsträger einher. Zudem ist die logistische Drehscheibe Deutschland auszugestalten und europäische und transatlantische Partner mit Host Nation Support (HNS) wirksam zu unterstützen. Die Übung DEFENDER 20 (DEF 20) hat einen intensiven Vorgeschmack gegeben. DEF 20 hat bestätigt, dass sich die Erbringung logistischer Leistungen immer auch im Bündnisrahmen vollzieht und Fähigkeiten erforderlich macht, deren Dimension nur wenigen wirklich bewusst ist und deren Grundlagen im Rahmen der Zwischenschritte des Fähigkeitsprofils konsequent abzubilden sind.

Die Vorbereitung auf Einsatzrealität umfasst heute und morgen also nicht nur die Einsätze im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements, sondern erfordert, sozusagen als zweite Seite der gleichen Medaille, gleichzeitig die Erfordernisse von LV/BV.

Die multinational eingebettete deutsche Präsenz im Baltikum und die Teilhabe – oftmals als Führungsnation – an NRF (NATO Response Force) / VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) Rotationen sind deutliches Zeichen einer gewachsenen Rolle Deutschlands. Dies fordert ganz besonders die Fähigkeiten und Aufstellung der Logistik. In der jüngsten Vergangenheit wurde vieles auf den Weg gebracht, damit der Auftrag unter der Orientierung LV/BV besser wahrgenommen werden kann. Prominent festzumachen ist dies an der Entscheidung zur Wiederinbetriebnahme von acht logistischen Lagereinrichtungen sowie den In-Dienststellungen des Logistikregiments 1 und des Logistikbataillons 163. Diese erfreulichen Maßnahmen sind sichtbarer und glaubwürdiger Ausdruck der Konzentration auf diese anspruchsvollste Aufgabe für die Bundeswehr. Weitere werden folgen und müssen mit einer hinreichenden materiellen Ausstattung und Führungsfähigkeit des Aufgabenbereichs Logistik einhergehen.

Haus der Logistik
Abb. 2: Haus der Logistik

Um in dieser Großwetterlage zu bestehen, bedarf es für das Logistikkommando der Bundeswehr eines ganzheitlichen Ansatzes von Führung, Weiterentwicklung und Veränderungsmanagement sowie auch zukünftig zweckmäßiger Formulierung der „3a“. Der Kitt der diese Elemente fest zusammenhält, besteht aus einem entsprechenden „Mindset“ und inneren Wertekompass. Es gilt für die klugen Köpfe, geschickten Hände und fachlich hochqualifizierten logistischen Kräfte von heute und morgen, tragfähige und nachhaltig erfolgreiche Bedingungen zu erhalten und neu zu schaffen, damit sie ihr Können und ihre Talente bestmöglich zur Entfaltung und Wirkung bringen können. Das Haus der Logistik ist unter dieser Maßgabe weiter zu ertüchtigen und stets auf seine Statik hin zu überprüfen. Der Bauplan ist vorhanden und wird im Weiteren skizziert.

 

1.2 Entwicklungslinien Logistikzentrum der Bundeswehr (LogZBw)

Das Logistikzentrum der Bundeswehr ist mit seinen ortsfesten logistischen Einrichtungen (oIE) das Rückgrat der logistischen Unterstützung deutscher Streitkräfte im gesamten Aufgabenspektrum und im Betrieb Inland. Mit der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung und den daraus resultierenden, deutlich gestiegenen, Wirkungsforderungen an die Logistik, ergibt sich besonders signifikanter Bedarf im Rahmen der Lagerung, Disposition und Bereitstellung. Der vorrangig identifizierte Handlungsstrang, eingepreist in die Rahmenbedingungen des FPBw, besteht in der Schaffung robusterer Strukturen und der Anpassung von Kapazitäten und Fähigkeiten. Es gilt die ortsfesten Lagerkapazitäten in Quantität und Qualität zu stärken. Das Logistikkommando der Bundeswehr wird, nach in 2019 erfolgter ministerieller Entscheidung, acht Munitions- und Materiallager ab 2021 sukzessive wieder in Betrieb nehmen. Durch die Wiederinbetriebnahme dieser Lager lässt sich zukünftig die zeitgerechte Bereitstellung von Ersatzteilen und Munition bedarfsgerechter sicherstellen. Ein personeller Aufwuchs sowie Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe sind dazu vorgesehen. Die Alimentierung von rund 580 neuen zivilen und militärischen Dienstposten ist gebilligt und eingeleitet. Darüber hinaus wird das LogZBw ab April 2021 mit einer angepassten Führungsstruktur auf die komplexeren Anforderungen ausgerichtet und in seinen Binnenstrukturen punktuell verstärkt, um ein gesteigertes Maß an Robustheit und Reaktionsfähigkeit zu erzielen. Diese Maßnahmen sind wichtige Bausteine, die allerdings zusätzlicher Ergänzungen bedürfen. Absehbar sind nochmalige Erweiterungen der Kapazitäten bestehender Lagereinrichtungen vorzunehmen, die Kooperationen mit der Wirtschaft auszubauen und an Mehrwert orientierte multinationale Lösungen zu entwickeln. Parallel werden die Chancen der Digitalisierung und Möglichkeiten des technischen Fortschritts zweckmäßig zu nutzen und diese schnell und wirksam in die logistischen Strukturen und Verfahren einzubringen sein. Verstärkt werden die skizzierten Maßnahmen durch die aufbauorganisatorische Abbildung und Stärkung der Rolle des National Movement Coordination Centre (NMCC).

Wirkung des Logistischen Systems
Abb. 3: Wirkung des Logistischen Systems

1.3 Entwicklungslinien mobile Logistiktruppen der Streitkräftebasis (mobLogTr SKB)

Ein realistischer Umfang der mobLogTr SKB ist seit Beginn der Arbeiten am FPBw strikt mit einer Leistungsanalyse des LogSysBw und den zu erwartenden logistischen Bedarfen der Systemverbünde abgeleitet worden. Die ausplanbaren militärischen Kräfte sind indes nicht für alle Aufgaben hinreichend. Die Aufgaben für HNS im Rahmen der „Logistischen Drehscheibe“ Deutschland, für die etwa zwei Verbandsäquivalente bereitgestellt werden müssten, sind daher in einer Kooperation mit der Wirtschaft wahrzunehmen. Die mobLogTr SKB gewährleisten dem gegenüber im Kern die logistische Unterstützung in den jeweiligen Einsatzgebieten bzw. den Joint Operation Areas/JOA. Die Versorgungswege im Inland und im Einsatzgebiet werden hierzu nach dem Prinzip einer belastbaren Kette verknüpft, die unter Einbeziehung militärischer und ziviler Einrichtungen sowie Leistungserbringer, die logistische Basis Inland und die Logistische Basis im Einsatz funktional und möglichst robust verbindet. Die mobLogTr SKB betreiben im Einsatzgebiet ein Netzwerk aus „logistischen Knoten“ zur Unterstützung aller Bedarfsträger. Dieses Netzwerk ist flexibel, agil und muss teils redundant gespannt sein. Zudem sind sogenannte „Plug-In“-Optionen vorzusehen, um auch verbündete Kräfte und gewerbliche Dienstleister effektiv einweben zu können. Die komplexe Führung eines solchen logistischen Netzwerkes erfordert bei NRF bzw. LV/BV eine logistische und truppendienstliche Führung auf Regimentsebene, die erst jüngst wieder etabliert werden konnte. Ergänzend zu ihrer logistischen Führungsfunktion werden die beiden aufzustellenden Regimentsstäbe auch als Stab Nationale Unterstützungskräfte (NUK- Logistik, ABC, Feldjäger, Sanität) bereitstehen. Das durch die Regimentsebene als Kerngeschäft zu orchestrierende logistische Netzwerk bei LV/BV, besteht aus einem eher stationären Anteil mit anteilig „schweren“ Logistikbataillonen (LogBtl) im rückwärtigen Bereich eines Einsatzgebietes (JOA) und „leichten“, taktisch beweglichen LogBtl als Knoten, die den Anschluss zu den Einsatzräumen der Teilstreitkräfte halten. Eine sachgerechte Aufgabenwahrnehmung für bis zu zwei Einsatzgebiete macht bis 2027 die Anzahl von einem RSOM Btl sowie sechs leichten und zwei schweren LogBtl, nebst zwei LogRgtStäben und einem SpezPiRgt erforderlich. Die glaubwürdige Vorbereitung auf die umfangreichen Aufgaben im gesamten Spektrum erfordert zudem eine zielorientierte Einbindung der Logistikkräfte, im Sinne eines „Train as you Fight“, u.a. bei der Ersatzteilversorgung und Instandsetzung von Systemen der Bundeswehr.

zukünftige Handlungsfelder fürdie Logistik der Bundeswehr
Abb. 4: zukünftige Handlungsfelder

1.4 Entwicklungslinien Logistikschule der Bundeswehr (LogSBw)

Die Logistikschule der Bundeswehr ist eine hervorragende Ausbildungseinrichtung, die ihr Leistungsvermögen als „Einsatzschule“ für Logistik zukünftig noch weiter schärfen wird. Die Modernisierung der lehrgangsgebundenen Aus- und Weiterbildung bleibt Daueraufgabe und entscheidendes Attraktivitätskriterium. Die nochmals verstärkte Ausrichtung auf LV/BV in Lehre und Ausbildung, bei gleichzeitiger Vorbereitung von Personal für laufende Einsätze und unter Anwendung und Weiterentwicklung moderner und attraktiver Ausbildungsformen (Kompetenzorientierte Ausbildung/KOA), stellen dabei die maßgeblichen Handlungsschwerpunkte dar. Zukünftig wird die LogSBw noch deutlicher Anteile multinationaler Logistik ansprechen, um mit dem Joint Logistic Support Group Training Centre (JCTC) die strahlkräftige Plattform für entsprechende Ausbildungen zu bilden. Der Weg zu der „Einsatzschule Logistik“ wird auch in den anderen Bereichen konsequent und zügig weiter beschritten und folgt einem umfassenden Ansatz, von erfolgreichen und weiterzuführenden Schulungen für die laufenden Einsätze, über die paarweisen Gefechtsstandübungen der Logistik- und Versorgungsbataillone von SKB und Heer in Stabilisierungsoperationen, hin zum Bestehen in Operationen verbundener Kräfte. Letzteres gleichwohl in einem zeitgemäßen, hybriden und so äußerst komplexen Umfeld, weshalb sich jegliche Diskussion über ein „Vorne und Hinten“, ggf. verklammert mit Ausrüstungsfragen, verschließen sollte. Zeitnah soll eine Übungsumgebung „Logistische Unterstützung im Einsatz“ etabliert werden, um die konsequente Abbildung für den jüngst vom Generalinspekteur nochmals sehr deutlich hervorgehobenen „Auftrag Landes- und Bündnisverteidigung“ in Ausbildungen und Übungen auch mit Volltruppe bestmöglich sicher zu stellen.

 

1.5 Entwicklungslinien Zentrum Kraftfahrwesen der Bundeswehr (ZKfWBw)

Das Zentrum Kraftfahrwesen der Bundeswehr (ZKfWBw) ist zentraler Dienstleister der Bundeswehr und trägt entscheidend zum sicheren Kraftfahrbetrieb im Grundbetrieb, in Übungen und den Einsätzen bei. Für den Erhalt dieser verantwortungsreichen Rolle ist eine wirksame und zukunftsorientierte Weiterentwicklung unabdingbar. Der bewährte und ressourcenschonende Einsatz von Simulatoren wird durch weitere zukunftsweisende Komponenten, wie z.B. Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) zu ergänzen sein. Die schrittweise Realisierung von Systemen mit automatisierten Fahrfunktionen führt zur Notwendigkeit einer neuen, bisher nicht vorhandenen Fähigkeit bezüglich der Bewertung von System- und Verhaltenssicherheit. Diese Fähigkeit hat strategische Relevanz. Zur nachhaltigen Aufgabenwahrnehmung und um dem technischen Fortschritts angemessen Rechnung zu tragen, ist die schrittweise Etablierung eines „Technologiezentrums Kraftfahrwesen“ vorzusehen. Damit erhält die Bundeswehr einen notwendigen und attraktiven Exzellenzort zur Bewertung der System- und Verhaltenssicherheit von neuen Fahrzeugtechnologien. Weitere Verbesserungen ergeben sich durch die Verfügbarmachung zusätzlicher Fahrschulplattformen.

In der nachfolgenden Beitragsserie werden die angesprochenen Pfeiler des „Hauses der Logistik“ bezüglich ausgewählter Entwicklungslinien der Weiterentwicklung näher betrachtet und vorgestellt. Ein Beitrag zu Ausrüstung und Ausstattung der Logistik am Beispiel der SKB ergänzt dieses Vorgehen.

Text und Grafiken: Autorenteam LogKdoBw

Bezugspunkte und Handlungsfelder

Entwicklungslinien Logistikzentrum der Bundeswehr

Dieser Beitrag ist der Zweite einer 6-teiligen Artikelserie. Teil 1 & 2 finden sie in diesem Newsletter, die Fortsetzung folgt im April. [Red.]

2.1 Bezugspunkte für die Weiterentwicklung

Das Logistikzentrum der Bundeswehr ist mit seinen ortsfesten logistischen Einrichtungen (oIE) das Rückgrat der logistischen Unterstützung deutscher Streitkräfte in den Einsätzen, bei Übungen und im Betrieb Inland. Darüber hinaus nimmt es Aufgaben im Rahmen des Host Nation Support wahr und trägt so wirksam zu einer leistungsstarken und glaubwürdigen „Logistischen Drehscheibe Deutschland“ innerhalb der Allianz bei. Für die Unterstützung von Einsätzen im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements ist das Logistikzentrum und sein nachgeordneter Bereich zweckmäßig und aufgabenorientiert aufgestellt. Bei der laufenden Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) und den deutlich gestiegenen Wirkungsforderungen an die Logistik, ergeben sich jedoch durch den signifikant gestiegenen Kapazitätsbedarf im Rahmen der werterhaltenden Lagerung insbesondere für die olE erhebliche Herausforderungen. Der vorrangig identifizierte Handlungsbedarf besteht in der Schaffung robusterer Strukturen sowie der Anpassung der Kapazitäten und Fähigkeiten.

Bezugspunkte und Handlungsfelder
Abb. 5: Bezugspunkte und Handlungsfelder

Hierzu sind die Kapazitäten und Fähigkeiten an den gestiegenen Bedarfen der Truppe aller Teilstreitkräfte und MilOrg-Bereiche auszurichten und dabei der Schutz eigener Einrichtungen, die Cybersicherheit sowie die Reaktion- und Durchhaltefähigkeit der Leistungserbringung auszubauen. Im Kern kommt es darauf an, die Robustheit in allen Planungskategorien zu verdichten und so das Rückgrat zu stärken. Neben diesen zuvorderst nach innen gerichteten Maßnahmen, sind zielgerichtete und bedarfsdeckende Kooperationen mit der Wirtschaft und eine an Mehrwert orientierte multinationale Zusammenarbeit, für die umfassende Zielerreichung unabdingbar, um den deutlich gestiegenen Anforderungen perspektivisch noch besser gerecht werden zu können.

Parallel gilt es, die Chancen der Digitalisierung und Möglichkeiten des technischen Fortschritts zu nutzen und wirksam in die logistischen Strukturen und Verfahren einzubringen. In diesem Bereich besteht schon zu lange signifikanter Nachholbedarf, der durchaus erkannt, gleichwohl zukünftig noch deutlicher mit hinreichender Ressourcenallokation zu verklammern ist. Eine nachhaltige und stringente Steigerung der Robustheit war und ist absehbar nur durch eine orchestrierte und zielorientierte Projektarbeit zu erreichen. Hierzu wurde die interdisziplinäre Projektorganisation „olE 2019+“ ins Leben gerufen. Sie vereint Expertise aus den Fähigkeits- und Planungskategorien, abgestimmte und harmonisierte Arbeits-/Zeitpläne sowie klare Verantwortlichkeiten, um bestmöglich und vor allem rasch zu greifbaren Ergebnissen und spürbaren Verbesserungen zu gelangen. Eine, an dieser Stelle nicht detailliert dargestellte, Maßnahme besteht in der zeitnahen Stabsanpassung des Logistikzentrums der Bundeswehr in Wilhelmshaven. Durch eine Binnenoptimierung, deren Umsetzung im April 2021 ihren Abschluss findet, werden truppendienstliche Führung und fachliche Steuerung wo erforderlich angepasst und im Zuge einer angepassten Stabsstruktur dienstpostenneutral umgesetzt. In zahlreichen Fachabteilungen besteht gegenüber der derzeitigen Struktur derweil kein Anpassungsbedarf, sodass diese Elemente zunächst unverändert bleiben. Die Maßnahmen werden mit Augenmaß und insbesondere unter Mitnahme und Teilhabe der Angehörigen des Logistikzentrums sowie der Beteiligungsgremien implementiert.

 

2.2 Wiederinbetriebnahme von Lagereinrichtungen und Ansätze der Kooperation

Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen Deutschlands haben sich nachhaltig geändert, sodass die Bundeswehr bereits mit verschiedenen Trendwenden reagiert hat. Die Entwicklung hin zu mehr Personal und besonders Material bedeutet nicht nur einen erhöhten Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur, sondern auch an Personal, gerade auch für die Logistik. Bisher orientierten sich die Kapazitäten für die Bevorratung von Material und Munition hauptsächlich an den Erfordernissen des internationalen Krisenmanagements. Dies brachte in der Vergangenheit eine entsprechende Ausrichtung auf möglichst effiziente Strukturen und Dislozierung logistischer Einrichtungen mit sich. Jetzt gilt es, den adressierten neuen Erfordernissen gerecht zu werden, das logistische System der Bundeswehr zu stärken und die ortsfesten Lagerkapazitäten in Quantität und Qualität zu erhöhen. Das Logistikzentrum der Bundeswehr wird nach der Entscheidung des BMVg aus dem Januar 2019 acht Munitions- und Materiallager ab 2021 sukzessive wieder in Betrieb nehmen. Die Liegenschaften sind identifiziert und die Dienstpostenumfänge kommuniziert, sodass diese Schritt für Schritt in die Führungsverantwortung des Logistikzentrums der Bundeswehr zurückkehren. Durch die Wiederinbetriebnahme der Lager lässt sich zukünftig die zeitgerechte Bereitstellung von Ersatzteilen und Versorgungsgütern sowie Munition bedarfsgerechter sicherstellen. Ein personeller Aufwuchs sowie Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe sind dazu erforderlich. Die Alimentierung von rund 580 neuen zivilen und militärischen Dienstposten ist entsprechend eingeleitet. Darüber hinaus müssen aufgrund des signifikanten Kapazitätsaufwuchses auch im Bereich Munition die Lagerungs- und Instandhaltungsfähigkeiten deutlich erhöht werden, sodass bestehende Bereiche mit militärischen Führungs- und Fachpersonal zu verstärken sind.

Die bereits angelaufenen Infrastrukturmaßnahmen dienen sowohl der Renovierung bestehender als auch der Wiederinbetriebnahme der acht Liegenschaften, wobei sich in Teilen auch erhebliche Neubaumaßnahmen in der Planung bzw. zum Teil bereits in der Umsetzung befinden. Aufgrund der derzeitigen und absehbar auf Jahre anhaltenden Auslastung der Bauverwaltungen der Länder und der Bauindustrie, sind für die Infrastrukturbedarfsdeckung allerdings durchaus längere Zeitansätze zu veranschlagen, weshalb eine konzertiert ausgestaltete Planungsarbeit unerlässlich ist. Die drei Munitions- und fünf Materiallager sind im Zuge des Projekts „oIE 2019+“ auf den schrittweisen Zufluss von Versorgungsgütern vorzubereiten, wobei auch hier – soweit wie möglich – bereits moderne, konventionelle Lagertechnik nach Industriestandard eingesetzt wird. Die gewonnenen zusätzlichen Lagerkapazitäten tragen künftig zu einer angemessenen Kapazitätsdeckung und einer erhöhten Qualität der logistischen Prozesse für die Bundeswehr bei. In der Projektorganisation „olE 2019+“ wirken Vertreter aus dem LogKdoBw, dem KdoSKB, dem Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr, dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr sowie dem Planungsamt der Bundeswehr sehr eng und interdisziplinär zusammen. Unterstützung erhalten die Teilprojekte, je nach Abhängigkeit der Arbeitsschwerpunkte in den jeweiligen Arbeitspaketen, durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

Wiederinbetriebnahme von Lagern (Material)
Abb. 6: Wiederinbetriebnahme von Lagern (Material)

Im Zuge einer vergleichenden Betrachtung von elf grundsätzlich geeigneten Liegenschaften wurde auf der Basis einer Nutzwertanalyse des LogKdoBw durch die Leitung BMVg im Januar 2019 entschieden, dass die Schließungen des Materiallagers Hardheim (Baden-Württemberg), des Munitionsdepots Altheim (Baden-Württemberg), des Munitionslagers Lorup (Niedersachsen), des Materiallagers Königswinter (Nordrhein-Westfalen) und des Materiallagers Ladelund (Schleswig-Holstein) aufgehoben werden. Ebenso wurde auf die vorgesehene Abgabe des Materiallagers Huchenfeld (Baden-Württemberg) verzichtet. Zusätzlich werden mit dem Munitionsdepot Kriegsfeld (Rheinland-Pfalz) und dem Materiallager Bargum (Schleswig-Holstein) zwei Liegenschaften wieder in Betrieb genommen, die bereits an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zurückgegeben worden waren. Wesentliche Entscheidungskriterien der vergleichenden Betrachtung waren die logistischen Kapazitäten, die Kosten für die infrastrukturelle Ertüchtigung und den Betrieb der Liegenschaft sowie weitere liegenschafts- und standortbezogene Aspekte, wie bestehende Konversionsinteressen und Umweltbedingungen.

Wiederinbetriebnahme von Lagern (Munition)
Abb. 7: Wiederinbetriebnahme von Lagern (Munition)

Die erforderlichen Organisationsgrundlagen für die Wiederinbetriebnahme wurden geschaffen, sodass ab 2021 die ersten Lager wieder ihren Betrieb aufnehmen und in das logistische System integriert werden. Die Wiederinbetriebnahme aller acht Lager erfolgt bis 2029. Details der Planungen berücksichtigen dabei auch, wie viel Material oder Munition in den jeweiligen Einrichtungen absehbar künftig werterhaltend gelagert werden soll. Bisher wird beispielsweise Munition eher nach ökonomischen Gesichtspunkten bewirtschaftet. Die Bereitstellung der Munition für die VJTF macht jedoch deutlich, dass Munition anteilig nach operativen Vorgaben (Konfiguration/Zeit) gelagert und vorgehalten werden muss. Bei den Materiallagern spielen betriebswirtschaftliche Aspekte gleichwohl bei der Lagertechnik nach Industriestandard weiterhin eine bedeutende Rolle, um sowohl die bestehende, aber insbesondere die neue bis zu 8 m hohe Infrastruktur, effizient nutzen zu können.

Aufgrund der hohen Belegung in der Bestandsinfrastruktur wird das Logistikzentrum der Bundeswehr seine „neuen“ 8 Lagereinrichtungen so schnell wie möglich logistisch nutzen, sobald die erforderlichen und im Umfang sehr unterschiedlichen Maßnahmen zur infrastrukturellen Ertüchtigung der Liegenschaften durchgeführt worden sind und das für den Betrieb benötigte Fachpersonal zur Verfügung steht. Die „neuen“ Einrichtungen werden jeweils den übergeordneten Bundeswehrdepots und Munitionsversorgungszentren bzw. dem Materialwirtschaftszentrum Bundeswehr truppen- und fachdienstlich zugeteilt, ohne dass sich die Anzahl an Depots bzw. Munitionsversorgungszentren erhöht.

Parallel zu den dargestellten Wiederinbetriebnahmen werden Ansätze und Maßnahmen einer quantitativen Steigerung durch Verdichtung und Ertüchtigung bestehender Lagereinrichtungen sowie Kooperation mit Dritten vorangetrieben, wobei nach zwei erfolgreichen Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen aktuell die Vergabe für die Kooperation für den Anteil Übungs- und Manövermunition durch das LogKdoBw vorbereitet wird und das gleiche Vorgehen für den Anteil Material nach ministerieller Entscheidung vorgesehen ist. Nur durch diesen Mix an Lösungsmöglichkeiten können die Anforderungen erfüllt werden.

Gleichwohl steht das Logistikzentrum der Bundeswehr aufgrund jahrelanger Reduzierung und Optimierung auf Internationales Krisenmanagement (IKM) und damit einhergehender Ausgabenreduzierung in den ortsfesten logistischen Einrichtungen (olE) vor der Herausforderung, bestehenden Investitionsrückstau schnellstmöglich abzubauen und sowohl die neuen Lager als auch die Kooperationsprojekte friktionsfrei in das logistische System zu integrieren, um der stärkeren Akzentuierung auf Landesverteidigung/Bündnisverteidigung (LV/BV) zukünftig noch besser gerecht werden zu können. Diese höchst anspruchsvolle Aufgabe ist bei den Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilbeschäftigten des Logistikzentrums der Bundeswehr und seines nachgeordneten Bereichs in guten und bewährten Händen, sodass auch dieser Strukturwandel erfolgreich gemeistert werden wird.

 

2.3 Digitalisierung und moderne Lagertechnik

In der weiteren Betrachtung der eingangs aufgeführten Bezugspunkte, und unter Beachtung der demographischen Entwicklung und der damit prognostisch immer schwieriger zu rekrutierenden personellen Ressourcen, muss die digitale Transformation weiter vorangetrieben werden. Ziel ist es, im Bereich der ortsfesten logistischen Einrichtungen, derzeit noch bestehende manuelle Prozesse digital wirksamer zu unterstützen, sodass der zukünftig zur Verfügung stehende Personalkörper seine vielfältigen Aufgaben effizienter durchführen kann.

Darüber hinaus bedarf die überalterte Lagertechnik, die in keiner Weise vergleichbar mit dem in großen Logistikunternehmen vorhandenen Stand der Technik ist, einer weitgehenden Modernisierung und letztlich auch stärkeren Digitalisierung. In zielorientierten Abstimmungen wurden zukunftsfähige Lösungen gefunden, die zum Teil in den bestehenden Materiallagereinrichtungen bereits umgesetzt sind. Diese gilt es flächendeckend in allen Materiallagereinrichtungen als Standard zu implementieren.

Parameter der Digitalisierung in der Zentrallogistik
Abb. 8: Digitalisierung vorantreiben

Die „Automatische Identifizierungstechnik“-Zielausstattung (AIT-ZA) soll durch eine organisationsübergreifende Ausstattung mit einer standardisierten IT-Lösung (Hardware und Software), im Schwerpunkt den Geschäftsprozess der Materialbewirtschaftung, in den Lagereinrichtungen aller logistischen Ebenen der Bundeswehr, effizienter und effektiver gestalten. Durch den Einsatz von Handscannern, Etikettendruckern und der Übertragungsfähigkeit in SASPF bzw. zukünftig S4/HANA, sollen „händische Eingaben“ reduziert sowie Verbesserungen in puncto Standardisierung- und Zeitersparnis erzeugt werden. Der Roll-Out der AIT-ZA mit 3500 Handscannern und 1600 Druckern, ist hierzu bereits erfolgt und wird weiter ausgefächert und mit der Etablierung einer hinreichenden WLAN-Landschaft in den Dienststellen verknüpft. Darauf aufbauend wird bei der Automatisierung der Lagertechnik oder dem „Tracking von Bauteilen während der Instandsetzung in den ortsfesten Instandhaltungseinrichtungen (oIHE)“ ein weiterer Effizienzansatz generiert. Dieses Vorgehen kann mit weiteren innovativen Technologien, unter Nutzung von z.B. „5G“ oder des unbemannten innerbetrieblichen Transports verstetigt werden. Eine vorhandene moderne Technik bildet zudem eine wesentliche Grundlage für Attraktivität der Berufsbilder innerhalb der Streitkräfte.

 

2.4 Multinationale Kooperation – Beispiel PESCO

Die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (SSZ/ PESCO) zwischen den Mitgliedsländern der Europäischen Union bildet den Rahmen für das zweitgrößte Projekt „Network of Logistic Hubs in Europe and Support to Operations“ (Nw LogHubs EUR). Zusammen mit Frankreich und Zypern koordiniert Deutschland das Projekt. Die 15 Projektteilnehmer und 4 Beobachterländer wollen ihre logistischen Fähigkeiten weiterentwickeln, um den logistischen Herausforderungen der Zukunft besser gerecht zu werden. Ziel ist es, ein robustes europäisches Netzwerk bestehend aus logistischen Knotenpunkten (Logistic Hubs) der Partnernationen aufzubauen und über Europa zu spannen, um so die Teilnehmer im Grundbetrieb, bei Übungen und insbesondere im Rahmen LV/BV sowie bei Einsätzen wirksam zu unterstützen.

Es wird dabei insbesondere auch der europäische Pfeiler innerhalb der NATO im Bereich der Logistik gestärkt und praktischer Nutzen gezogen werden. Ein „Logistic Hub“ (LogHub) ist eine nationale Einrichtung, die als Knotenpunkt dauerhaft oder zeitlich begrenzt logistische Leistungen für teilnehmende Nationen anbietet und erbringt. Zu den vier Grundfunktionalitäten gehören Transport, Umschlag, Materialerhaltung und Lagerung. Nicht jede Funktionalität kann oder muss dabei durch jede Nation angeboten werden.

Multinationale Zusammenarbeit am Beispiel PESCO
Abb. 9: Multinationale Zusammenarbeit am Beispiel PESCO

Der deutsche LogHub befindet sich im hessischen Pfungstadt und hat mit der Fähigkeit ‚MN Umschlag/Transport‘ Ende 2020 seine Anfangsbefähigung erreicht. Ende 2024 wird dieser seine Zielbefähigung einnehmen, indem zusätzlich Lagerungsmöglichkeiten, einschließlich werterhaltender Maßnahmen, für unsere Partner angeboten werden. In zwei Anwendungsfällen im Baltikum konnten Netzwerk und LogHubs, im Rahmen der Folgeversorgung der multinationalen Battle Group bei Enhanced Forward Presence und bei der Verlegung des deutschen Beitrags zum Verstärkten Air Policing, ihren Mehrwert und die zukünftige Ausgestaltung aufzeigen. Weitere Anwendungsfälle, auch im Mittelmeerraum, sind geplant. Deutschland übernimmt mit dem Logistikkommando der Bundeswehr eine Taktgeberrolle in der Ausgestaltung der multinationalen Logistik in der Bundeswehr. Die Erwartungshaltung unserer Freunde und Partner ist, auch durch das zentrale Wirken im Framework Nation Concept (Cluster Logistik), gestiegen. Es kommt weiter darauf an, verlässlich, geduldig, aber genauso proaktiv und nachhaltig, begonnene Projekte zu gestalten, diese weiterhin mit personellen und materiellen Ressourcen zu hinterlegen und sie gemeinsam mit den beteiligten Nationen schrittweise zum Erfolg und letztendlich konkretem Nutzen zu führen.

 

2.5 Schlussbetrachtung

Mit dem Projekt „olE 2019+“ werden alle olE – die bestehenden und die wieder in Betrieb zu nehmenden – in einem ganzheitlichen Ansatz weiterentwickelt und zum Teil auch ausgebaut, um der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung und der damit notwendigen Robustheit sowie dem Zuwachs an Material und Munition zukünftig gerecht werden zu können. Die ersten Inbetriebnahmen im Jahr 2021 sind, gepaart mit den aufgezeigten parallel voranzutreibenden nachhaltigen Kooperations- und Modernisierungsmaßnahmen, entscheidende Schritte für eine bedarfsgerechte Versorgung und damit wesentlicher Beitrag für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.

Text und Grafiken: Autorenteam LogKdoBw

Ratschlastspanner in Anwendung

Ein Partnerunternehmen stellt sich vor – Dolezych GmbH & Co. KG

Dolezych ist international einer der führenden Hersteller und Entwickler von Produkten der Seil-, Hebe-, Anschlag- und Ladungssicherungstechnik. Mit moderner Technologie und immer neuen Innovationen hat sich das Unternehmen zu einem der größten Anbieter Europas entwickelt. Neben einem qualitativ hervorragenden Produkt bietet der Dortmunder Mittelständler das Wissen um dessen sichere Anwendung und Handhabung. Komplettiert wird das Portfolio des Familienunternehmens durch einen Prüf- und Wartungsservice sowie ein umfangreiches Seminarangebot. Und weil die optimale Lösung für den Kunden im Mittelpunkt steht, erfolgt die freundliche und kompetente Beratung produktbereichsübergreifend.

In Folge lesen Sie einen Erfahrungsbericht und eine Produktdarstellungen aus dem Portfolio von Dolezych, das Produkt findet bereits im Einsatz in MALI Verwendung. [Red]

Ladungssicherung extrem: DoNova® PowerLash schützt Leben und Ladung
Ein Anwenderbericht zur textilen Kette aus Mali
Die textile Zurrkette DoNova® PowerLash aus der Hochleistungsfaser Dyneema® überzeugt Anwender auf Anhieb. Ihr geringes Gewicht (bis zu 85% leichter als leistungsäquivalente Zurrketten aus Stahl), die Schonung von Ladegütern und Schutz vor Verletzungen (durch ihr weiches textiles Material) sowie ihre gleichzeitige Robustheit (besonders abriebfest) machen das System so beliebt. Mit ganz neuen und vor allem extremen Herausforderungen wurde das DEKRA-zertifizierte System aus textiler Kette DoNova® PowerLash 25/8 (LC 10.000 daN) mit Gabelkopfhaken und speziell entwickeltem Ratschlastspanner in Mali konfrontiert. Die Firma ITO Mali SARL, Tochterunternehmen der ITO FRANKFURT, testete dort die in Anlehnung an DIN EN 12195-2/3 entwickelte Kette im Rahmen ihrer logistischen Aufgaben auf insgesamt 13.340 Kilometern.
Extremste Einsatzbedingungen
Für die Transporte wurden Sattelzugmaschinen mit Auflieger und Lkw mit Tiefbettanhänger genutzt. Vor der Erprobung wurden Fahrer und Konvoibegleiter theoretisch und praktisch in Aufbau und Einsatz der textilen Kette eingewiesen, dann ging es los. Die größte Herausforderung: Der desolate Zustand der Straßen im Einsatzgebiet. Ausgedehnte Schlaglöcher, vollständig aufgelöster Streckenbelag und unterspülte oder komplett weggerissene Straßenabschnitte prägen das Bild der seit Jahrzehnten nicht instandgesetzten Straßen. Die latente Bedrohung durch Terrorismus erfordert jedoch ungeachtet des Straßenzustands oft hohe Geschwindigkeiten. Dadurch entstehen hochfrequente und -dynamische Belastungen, die auf Ladegut und Ladungssicherungsmittel einwirken. Hinzu kommen extreme klimatische Bedingungen, bei denen sich Monate mit Starkregen mit Trocken- und Hitzeperioden abwechseln. Temperaturspitzen von bis zu 50°C sind in Mali keine Seltenheit.

Fahrer und Konvoibegleiter bei der praktischen Einweisung
Fahrer und Konvoibegleiter bei der praktischen Einweisung

 

 

 

 

Desolater Zustand der Straßen im Einsatzgebiet MALI
Desolater Zustand der Straßen im Einsatzgebiet MALI

100% Zufriedenheit
Trotz dieser extremsten Beanspruchungen wurden zu keinem Zeitpunkt des Tests Ausfälle, Defekte oder relevante Abnutzungen an den getesteten Systemkomponenten festgestellt. Mehr noch: Die Anwender zeigten sich sehr zufrieden mit dem geringen Gewicht und der dadurch wesentlich erleichterten Anbringung der textilen Zurrketten an Fahrzeug und Ladegut. Ein Nachspannen der Zurrketten war nur in wenigen Fällen und dann auch nur über wenige Zentimeter erforderlich, sodass aufgrund der Bedrohungslage gefährliche Stopps vermieden werden konnten. Zudem lobten sie die Flexibilität des Systems insgesamt, das auch problemlos über Fahrzeug- bzw. Ladegutteile gelegt werden konnte ohne Beschädigungen zu verursachen. Besonders hervorgehoben wurde die hohe Zuverlässigkeit des Dyneema®-Materials – erreicht durch die einzigartige Kombination von Festigkeit und Flexibilität.

Anhänger auf Tieflader, verzurrt mit Dolezych Produkten
Anhänger auf Tieflader, verzurrt mit Dolezych Produkten

ITO Mali SARL: „Die textile Kette empfiehlt sich uneingeschränkt für die Ladungssicherung im robusten Einsatz und/oder zur Ladungssicherung empfindlichen und einsatzwichtigen Materials.“

Federleichte Ladungssicherung
Die textile Zurrkette DoNova® PowerLash überzeugt in allen Belangen
Eine Zurrkette aus Textilfasern und dennoch genauso leistungsfähig wie hochfester Stahl? Das klingt zunächst unglaublich. Wer die DoNova® PowerLash aus der Hochleistungsfaser Dyneema® (UHMWPE-Faser) selbst testet, ist jedoch schnell von den Vorzügen des Systems überzeugt. Aber welche unternehmerischen und anwendungsrelevanten Vorteile bietet diese textile Kette des Ladungssicherungsmittel-Herstellers Dolezych eigentlich genau?

Federleicht im Vergleich zu Stahlketten
Federleicht im Vergleich zu Stahlketten

Bei der Schwerlastladungssicherung plagt sich der Anwender typischerweise mit schweren Stahlketten herum, deren Anbringung zeit- und kraftraubend ist. Zudem muss er darauf achten, dass durch die Kette keine Beschädigungen an der Ladung verursacht werden.
Bei diesen Herausforderungen des täglichen Arbeitens zeigt die textile Zurrkette DoNova® PowerLash (LC 10.000 daN und LC 16.000 daN) ihre Stärke. Durch ihr geringes Gewicht vereinfacht und beschleunigt sie die Handhabung enorm. Ein Meter der textilen Kette wiegt gerade einmal 0.6 kg, sodass auch längere Zurrketten von nur einer Person montiert werden können. Je nach System lassen sich bis zu beeindruckende 85% Gewicht gegenüber einer schweren Standard-Zurrkette aus Stahl einsparen. Dieses Plus an Arbeitsergonomie sorgt dafür, dass Ausfallzeiten von Mitarbeitern wegen z. B. Rückenproblemen reduziert werden.
Der beachtliche Gewichtsvorteil macht die DoNova® PowerLash gerade interessant für die Nutzung in der Luft- und Schifffahrt. In der Luftfracht führt die Leichtigkeit der textilen Kette zu einer Senkung des Kraftstoffverbrauchs und ermöglicht eine höhere Zuladung. Das schnellere Handling spart Liegeplatzgebühren bei maritimen Anwendungen. Die Eigenschaften der Dyneema®-Faser wie Verschleißfestigkeit oder UV- und Salzwasserbeständigkeit sind hier zusätzlich von Vorteil.
Zeit und Geld lassen sich auch einsparen, weil wegen des weichen textilen Kettenmaterials auf oberflächenschonende Hilfsmittel wie Beschichtungen und Schläuche verzichtet werden kann. Überzeugen kann die DoNova® PowerLash außerdem durch ihre besondere Abriebfestigkeit. Sie ist, gemessen am Gewicht, 15 Mal fester als Qualitätsstahl und damit besonders langlebig. Die Mehrlagigkeit und Redundanz des Systems sorgt darüber hinaus für erhöhte Sicherheit.

Ratschlastspanner in Anwendung
Ratschlastspanner in Anwendung

Eine potenzielle Ablegereife lässt sich im Gegensatz zu Stahlketten übrigens durch eine einfache Sichtprüfung erkennen, da das Kriterium hier die Beschädigung des Gurtbandes ist und z. B. keine elektromagnetische Rissprüfung durchgeführt werden muss. Auch die Reparatur der textilen Zurrkette ist unkompliziert. Sie erfolgt durch einfachen Austausch des beschädigten Kettenglieds durch den Hersteller – ein Fall, der jedoch seit Markteinführung im Herbst 2016 noch nicht vorgekommen ist.

NDL BOXER ordnungsgemäß verzurrt mit DoNova®
NDL BOXER ordnungsgemäß verzurrt mit DoNova®

„Hard Facts“ zur textilen Kette DoNova®:
– 0,6 kg Gewicht pro Meter
– Bis zu 85% leichter als Stahl
– Gemessen am Gewicht 40% fester als Aramidfasern und 15x fester als Qualitätsstahl
– Chemikalienbeständig
– Schnittunempfindlich und besonders abriebfest

Text: ITO Mali SARL und Dolezych

Bildquelle: ITO Mali SARL

Ein Kommando für Deutschland

Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin ist im Katastrophenfall für den Einsatz der Bundeswehr im Inland zuständig: Es ist erprobt und routiniert bei Naturkatastrophen wie Hochwasser, Waldbränden oder Schneemengen, aber seit diesem Jahr ist es auch unentbehrlich im Kampf gegen die Pandemie Covid-19. Wie unterstützt die Dienststelle ganz Deutschland bei der Beherrschung des Virus und seinen Auswirkungen?

Unterstützung durch Transportlogistik

Im Februar 2020 lieferte die Bundesrepublik tonnenweise Schutzkleidung an China, um dem Land im Kampf gegen die Lungenkrankheit Covid-19 beizustehen. Kurze Zeit später suchte man auch hier händeringend nach den gleichen Artikeln. Wer konnte eine schnelle Beschaffung und Verteilung der Güter organisieren? Die Bundeswehr ist für Deutschland ein starker Helfer, damit die Krankenhäuser und Behörden leistungsfähig bleiben. Als das Verteidigungsministerium seine Reservisten einberief und den Normalbetrieb der Truppe auf ein Minimum herunterfuhr, wurde stattdessen im Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr (KdoTerrAufgBw) der Schalter auf Hochbetrieb gelegt – mit einer Einschränkung: Viel und schnell helfen, aber mit so wenig Händen wie möglich. Um ihren Kernauftrag weiter zu garantieren, musste die Truppe ihre Ansteckungsrate geringhalten. Auch wenn der Feind unsichtbar ist, gilt bis heute: Mit Abstand am besten.

Helfende Hände

Helfen auf Antrag

„Wenn die Bundeswehr gebraucht wird und rechtlich darf, steht sie zur Verfügung“, versichert Generalmajor Carsten Breuer, Kommandeur des KdoTerrAufgBw. Seit 2013 ist das Kommando die Leitstelle der Katastrophenhilfe der Bundeswehr im Inland – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Noch im Frühjahr führte das KdoTerrAufgBw die internationale Verlegeübung DEFENDER EUROPE 2020 taktisch, musste aber nach deren weitestgehendem Abbruch auf die Pandemie reagieren und die Führung des „Einsatzkontingent Hilfeleistungen Corona“ übernehmen. Dessen Struktur, mit vier regionalen Führungsstäben in Ost, West, Süd und Nord, wurde kurzfristig aus Divisionsstäben des Heeres und Kommandobehörden der Marine und Luftwaffe gebildet. Insgesamt stehen der Bundeswehr, unter Verantwortung des Nationalen Territorialen Befehlshabers, Generalleutnant Schelleis, circa 15.000 Soldaten zur Verfügung, dazu weitere 17.000 des Sanitätsdienstes. In der Berliner Julius-Leber-Kaserne werden die Krisenhelfer geführt, denn dort wird über deren Einsatz entschieden. Die Operationszentrale mit über 40 Soldaten – jeder Arbeitsplatz im Abstand von 1,5 Meter – ist ihr Zentrum: Hier gehen alle Lagemeldungen und zivilen Hilfsanträge aus den Landeskommandos und Berlin ein. Täglich kommen neue Anträge dazu, auf dem Höhepunkt der Pandemie waren es mehr als 20 pro Tag. Bis heute beläuft sich die Antragszahl auf über 600 (Stand: Anfang Juni), wovon mehr als die Hälfte nach rechtlicher und technischer Prüfung positiv beantwortet werden konnte.

Lagezentrum während der CORONA-Krise

Schwerpunkt: Von Material zu Personal

Derzeit lockert Deutschland seine Beschränkungen, aber für das KdoTerrAufgBw ist der Auftrag nicht beendet: „Bei uns dreht sich weiterhin alles um die Bewältigung der Corona-Pandemie. Von Entspannung kann immer noch keine Rede sein. Wir leisten mit über 150 gleichzeitigen Einsätzen (Stand: Anfang Juni) weiterhin einen großen Beitrag zur Unterstützung des öffentlichen Lebens“, sagt Breuer. Auch wenn die Bevölkerung vermehrt in den Alltag zurückkehrt, bleibt die Bundeswehr mit derzeit rund 700 Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. Zu Beginn der Pandemie lag der Fokus der Hilfeleistungsanfragen auf der Bereitstellung von Sanitätspersonal und -material. Dazu kam die Bereitstellung von Lagerungsmöglichkeiten, die Herstellung von Desinfektionsmitteln oder die Unterstützung von Abstrichstellen und Flüchtlingseinrichtungen. Derzeit liegt der Hilfeschwerpunkt auf der Unterstützung von Pflegeeinrichtungen oder der Mitarbeit in Gesundheitsämtern zur Nachverfolgung von Infektionsketten. Oft werden „Helfende Hände“ bei Essenausgaben, oder für Boten- oder Telefondiensten nachgefragt. „Mit fast 200 Soldaten bildet die Unterstützung in 35 Alten- und Pflegeheimen zu Spitzenzeiten die größte Unterstützungsmaßnahme der Bundeswehr“, sagt Breuer anerkennend und dankt allen Kräften.

Soldaten vom Hubschraubergeschwader 64 stellen gemeinsam mit Mitarbeitern vom Deutschen Roten Kreuz den Rahmen der Typ-2-Zelte in Doberlug-Kirchhain auf im Rahmen der Amtshilfe der Bundeswehr in der Zeit der Corona-Krise, am 09.04.2020.

 

Soldaten vom Wachbataillon transportieren fertige Schränke während des Aufbaus vom Behelfskrankenhaus auf dem Messegelände in Berlin im Rahmen der Amtshilfe der Bundeswehr in der Zeit der Corona-Krise, am 15.04.2020.

Vor der Krise ist nach der Krise

Vor und während Covid-19 hat sich gezeigt, dass die zivil-militärische Zusammenarbeit gut funktioniert und institutionalisiert ist. Beispiele dafür waren die Hilfseinsätze bei der Schneekatastrophe und der Borkenkäferbekämpfung 2019. Die bisherige Bilanz im laufenden Hilfseinsatz gilt ebenfalls als positiv, doch darauf will sich Breuer nicht ausruhen: „Wir haben ein hohes Maß an Effektivität und Effizienz erreicht, das kann aber noch besser werden“, so der 55-Jährige. Möglichkeiten und Potenzial besteht besonders im Feld der Digitalisierung. Ein gemeinsamer Informationsraum und der standardisierte Austausch zwischen den zivilen und militärischen Stellen, könnte die Leistung steigern. Dazu ist technische Kompatibilität nötig, um schneller und sicherer zu beraten und entscheiden zu können. „Ein Projekt dazu ist bereits gestartet“, so Breuer. Dazu gilt es Resilienz aufzubauen und Abläufe zu optimieren sowie Kräfte und Material bereitzuhalten, denn diese Krise wird nicht die letzte Krise in Deutschland sein. Für die Bundeswehr ist Covid-19 eine Herausforderung in der die positive Wahrnehmung durch die Bevölkerung steigt: „Wenn ich die Truppe im Hilfseinsatz besuche, versichern mir alle Beteiligten, dass die Einsätze eine echte Entlastung bringen und einen besonderen Mehrwert darstellen“, sagt Breuer zufrieden. Dennoch ist die Krise weder überstanden noch ein Ende absehbar: „Fest steht, wir können uns noch nicht zurücklehnen. Wir müssen bewerten wie sich die Lage entwickelt und die Reserven für Hilfe vor Ort bereithalten. Wir werden weiter gebraucht. Wir dienen Deutschland. Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Autor: Michael Fuckner

E-Fuels als klimafreundliche Alternative

Synthetisch hergestellte flüssige Kraftstoffe können eine gute Ergänzung zur Elektromobilität sein, weil sie die Autos von heute sauberer machen – und auch in schweren Lkw, Flugzeugen und Schiffen einsetzbar sind.

Mit ihrem Klimapaket will die Bundesregierung der Energie- und Verkehrswende auf die Sprünge helfen. Doch dreht sie tatsächlich an den richtigen Stellschrauben? Geht es nach der Politik, führt der Hauptweg insbesondere in der Mobilität über eine vermehrte Elektrifizierung. Sieben bis zehn Millionen E-Fahrzeuge sollen bis zum Jahr 2030 auf deutschen Straßen rollen, denen dann bestenfalls eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Um das zu erreichen, richtet der Gesetzgeber gerade neue milliardenschwere Fördertöpfe ein.

Eine echte Verkehrswende werde allerdings nur gelingen, wenn man an den Bestand heranginge, also an die rund 63 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das betonen Kritiker des „All electric“-Ansatzes seit Langem – und sie finden immer mehr Gehör. Ihr Lösungsvorschlag: E-Fuels.

E-Fuels sind mittels Fischer-Tropsch-Synthese (FT-Synthese) – einem Verfahren, das bereits Anfang des letzten Jahrhunderts entwickelt wurde – synthetisch aus Wasser, CO2 und Grünstrom hergestellte Kraft- und Brennstoffe. Per Elektrolyse wird zunächst Wasserstoff produziert. Aus CO2, entnommen zum Beispiel aus der Atmosphäre oder aus Industrieabgasen, wird in einem Reinigungsprozess das benötigte Kohlenstoffmonoxid extrahiert. Diese beiden Vorgänge und die darauffolgende eigentliche FT-Synthese benötigen Strom. Am Ende des Power-to-Liquid-Pfades steht ein flüssiger, treibhausgasneutraler Brennstoff, der zu gängigen Kraftstoffen wie Benzin, Diesel, Kerosin, Schwer- oder Heizöl raffiniert werden kann.

E-Fuels werden durch Hydrierung von Kohlenstoffmonoxid hergestellt, in einem bereits 1925 von zwei deutschen Chemikern entwickelten Verfahren namens Fischer-Tropsch-Synthese. Um die dafür notwendigen Grundstoffe aus Wasser und der Atmosphäre zu extrahieren sowie für die eigentliche FT-Synthese wird Solar- und Windenergie eingesetzt. Das Resultat des Power-to-Liquid-Verfahrens sind flüssige, treibhausgasneutrale Brennstoffe, die zu konventionellen Kraftstoffen raffiniert werden.

Die Kompatibilität mit bestehenden technischen Systemen bietet aus Sicht der E-Fuels-Befürworter neben der Klimaverträglichkeit viele praktische Vorteile gegenüber rein elektrischen Systemen. So lassen sich E-Fuels in allen herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sowie in den etwa fünf Millionen deutschen Ölheizungen einsetzen, und das in beliebig großen Beimischungen bis zu 100 Prozent. Gleiches gilt für die Logistik. Die Autos von heute können E-Fuels über die bestehenden Tankstellen beziehen. Der Tankvorgang unterscheidet sich nicht von dem für Benzin und Diesel, und dank ihrer hohen Energiedichte erzielen E-Fuels vergleichbar hohe Reichweiten.

„Mit E-Fuels ist also kein Technologiewechsel erforderlich, um klimaneutrale Mobilität herzustellen. Die Verbraucher sparen Umstellungskosten und müssen sich nicht umgewöhnen. Daher sind auch keine Akzeptanzprobleme zu erwarten“, resümiert Elmar Kühn, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti). „Von immenser Bedeutung ist zudem, dass mit diesen ,Power Fuels‘ eine saubere Energiealternative für den Schwerlastverkehr auf der Straße, für die Luftfahrt und für Schiffe gefunden ist. Auch der chemischen Industrie bietet sich mit E-Fuels ein echter Ölersatz für die Prozesse.“

Eine E-Fuels-Industrie lässt sich aber nicht im Alleingang aufbauen. Um die benötigten Mengen herzustellen, kommt es auf internationale Kooperation an. Grundgedanke: Deutschland liefert die Technologie in die sonnen- und windreichen Länder der Erde, die dann die E-Fuels produzieren und in die ganze Welt exportieren. Dazu müsse die Politik zunächst die Grundlagenforschung in diesem Bereich massiv unterstützen und Pilotprojekte fördern, im Kleinen wie im industriellen Maßstab, so die Kernforderung aus den Wirtschaftszweigen, die E-Fuels für unverzichtbar in der Energiewende halten. Dann entstünden neue Chancen für die Wirtschaft – und neue Jobs. Auf der Regulierungsseite schließlich gelte es, den Rahmen so zu setzen, dass Klimaschutzeffekte von E-Fuels auf die Treibhausgas-Minderungsquoten für erneuerbare Kraftstoffe angerechnet werden könnten.

Dazu hat ein breites Bündnis aus Wirtschaftsverbänden und einzelnen Unternehmen aus Energiewirtschaft und Autoindustrie – die „Power-to-X-Allianz“ – ein Konzept erarbeitet. Power to X (PtX) steht als Oberbegriff für die Technologien zur Speicherung erneuerbarer Energien. Konkreter Vorschlag der PtX-Allianz: Über ein von der Bundesregierung aufgelegtes Marktanreizprogramm sollen in den Jahren 2021 bis 2025 PtX-Erzeugungsanlagen in einer Größenordnung von zusammen fünf Gigawatt Leistung entstehen. Dabei soll die Förderung nach einem Mechanismus erfolgen, der gezielt den CO2-Vermeidungseffekt von PtX-Technologien incentiviert. Für jede Tonne CO2 aus fossilen Energieträgern, die durch die Nutzung von erneuerbaren, mittels PtX-Technologien hergestellten Energieträgern vermieden wird, gäbe es einen Innovationsbonus. Dabei sind nicht nur E-Fuels, also im Power-to-Liquids(PtL)-Verfahren hergestellte flüssige Energieträger denkbar, sondern auch gasförmige (Power-to-Gas, PtG) oder Wärmeenergie (Power-to-Heat, PtH).

Und die Kosten? Verschiedene Studien kommen zu dem Schluss, dass E-Fuels bereits mittelfristig zu einem Preis von rund einem Euro je Liter hergestellt werden können. Zwar seien die Umwandlungsverluste im Vergleich zur direkten Stromnutzung hoch, was die Kosten erst einmal treibe. Im Systemvergleich würden E-Fuels gegenüber einer Vollelektrifizierung aber spürbar besser abschneiden, vor allem weil auf bestehende Strukturen zugegriffen würde. In der deutschen Wirtschaft scheint das zunehmend zu überzeugen. So hat die Deutsche-Post-DHL-Gruppe gerade erklärt, zusammen mit dem Energiekonzern Total in die E-Fuels-Wirtschaft einsteigen zu wollen. „Synthetische Kraftstoffe sind in fünf bis zehn Jahren massenmarkttauglich“, schätzt Thomas Ogilvie, Arbeitsdirektor und Vorstand für Personal und Corporate Incubations bei der Deutschen Post DHL.

„Die Politik benötigt konkrete Handlungsempfehlungen, damit klimaneutrale E-Fuels zu bezahlbaren Preisen und flächendeckend verfügbar sind“, bilanziert Elmar Kühn und kündigt konkrete Maßnahmen an: 2020 will sein Verband den Verkauf von E-Fuels in Deutschland an öffentlichen Tankstellen starten. „Mit unserem Markteinführungsprogramm machen wir E-Fuels für den Verbraucher und den Politiker erlebbar.“

Autor: Rainer Wieck

Illustration: Christine Zander, www.artldesign.de

Erstveröffentlichung: BVL Magazin Eins 2020

Neu eingeführtes Videoendoskop IPLEX RT für Heer und SKB

Der Zustand der bisher vorhandenen Prüfmittel zur Begutachtung von Waffenrohren entsprach veralteter Ausrüstung und Technik. Des Weiteren war es nicht für den kaliberübergreifend Einsatz geeignet. Die Fähigkeitslücken lagen hier bei der Betrachtung der Kaliber 4,6 mm und 12,7 mm. Die bis dahin verwendeten Prüfmittel, Endoskop alt, waren aus logistischer Sicht zu dem nicht mehr versorgbar und instandsetzbar.

Um die Fähigkeitslücken zu decken und einer vorhandenen Obsoleszenz entgegen zu wirken, wurde aus technischer und wirtschaftlicher Sicht eine Neubeschaffung notwendig. Eine Modernisierung und kaliberübergreifende Zusammenfassung der geforderten Fähigkeiten wurde mit Einführung des neuen Videoendoskop IPLEX RT der Firma OLYMPUS im II. Quartal 2019 sichergestellt.

Das Videoendoskop IPLEX RT dient zur Inspektion und Beurteilung des Innenraums von Waffenrohren in dem Kaliber 4,6mm bis 35mm, ohne das zu untersuchende Objekt zu beschädigen.

Videoendoskop IPLEX RT

Eingesetzt wird es im Bereich der technischen Materialprüfungen und Instandhaltungsarbeiten an infanteristischen Waffensystemen. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Bewertung von Waffenrohren. Aus technischer Sicht hat das Videoendoskop IPLEX RT gegenüber den veralteten starren, glasoptischen Endoskopen den gravierenden Vorteil, dass es digital und kaliberübergreifend anzuwenden ist und die Möglichkeiten einer reproduzierbaren und zielgenauen Inspektion bietet.

Hauptgerät:

Das Hauptgerät ist über ein Universalkabel fest mit der Bedieneinheit verbunden. Über den Griff kann das System tragbar, eigenständig stehend oder über das im Hauptgerät eingelassenes Gewinde, mit einem gerätespezifischen Stativ befestigt, eingesetzt werden. Ein Trageriemen dient zum Tragen am Körper.

Für gute Sichtbarkeit und Bilddarstellung verfügt das Hauptgerät über einen 6,5-Zoll Monitor. Ein weiterer Vorteil ist der netzunabhängige Einsatz. Hierfür ist auf der Rückseite ein Batteriefach zur Aufnahme für einen Lithium-Ionen-Akku vorhanden. Für den Netzbetrieb wird das Hauptgerät mittels eines Netzteils an eine Stromquelle angeschlossen.

Zusätzlich kann ein USB-Stick zur Speicherung von Bildern, in JPEG-Format und Videomaterial in MPEG-Format eingesetzt werden.

Hauptgerät Vorderseite

 

Hauptgerät Rückseite

Bedieneinheit:

Die ergonomisch gestaltete Bedieneinheit ist über das Universalkabel fest mit dem Hauptgerät und dem Einführungsteil verbunden. Ein schneller Zugriff auf alle benötigten Menübefehle ist über Tasten, Hebel oder Joystick möglich. Im oberen Bereich befinden sich Bedienelemente für den Betrieb des Systems. Die Helligkeit des Monitors kann in 10 Stufen eingestellt werden, ein Hebel zur Einstellung des Zooms dient zur Vergrößerung des angezeigten Bildes. Die Darstellung kann maximal den fünffachen Wert der ursprünglichen Größe anzeigen. Über einen Joystick ist es möglich, das Objektiv am Ende des Einführungsteils kontrolliert zu bewegen.

Durch Betätigung verschiedener Bedienknöpfe können Bilder vergrößert, eingefroren oder als Ganzes auf dem 6,5“ LCD-Monitor angezeigt, sowie kurze Videosequenzen aufgezeichnet werden.

Bedieneinheit

Einführungsteil:

Das Einführungsteil besteht aus einem speziell verarbeiteten Wolfram-Außengeflecht und ist mit der Bedieneinheit fest verbunden. Auf seiner Länge von zwei Metern sind weiße und orangene Markierungen als Längenindex angebracht.

Der vordere Bereich des Einführungsteils ist beweglich (Winkeltrieb) und kann mit dem Joystick der Bedieneinheit gesteuert werden.

Einführungsteil mit Aufnahme für Objektiv

Objektiv:

Zur Verfügung stehen zwei Objektive, sie ermöglichen unterschiedliche Begutachtungen. Für eine lineare Betrachtung, im Rohrinneren, dient ein Objektiv zur Vorwärtsansicht. Im Rahmen einer Betrachtung z.B. einer Gasabnahmebohrung, wird das Objektiv mit Seitenansicht eingesetzt.

Objektive für Vorwärtsansicht und Seitenansicht

Einsatz:

Durch das Videoendoskop IPLEX RT ist das Prüfpersonal befähigt, Bildmaterial des zu prüfenden Geräts zu erstellen, zu dokumentieren und bei fortschreitendem Verschleiß als Referenz zu nutzen. Darüber hinaus kann das erstellte Bildmaterial auch zur Kommunikation, zum Zweck des Erfahrungsaustausches und in der Ausbildung zweckdienlich eingesetzt werden. Das Übertragen auf nicht systemgebundene Darstellungsmedien (z.B. Beamer oder externe Monitore) ist möglich.

Wesentliche Vorteile sind Möglichkeiten eines netz-, ortsunabhängigem und ergonomischem Arbeiten bei gleichzeitig hoher Betrachtungsqualität. So können Waffenrohrinnenbetrachtungen in einer sehr guten Qualität durchgeführt werden.

Betrachtungsbeispiele:

Durch eine gerades Objektiv ist die Betrachtung nach vorne gegeben. Hierdurch wird der Gesamteindruck des Rohrinneren bei hoher Licht- und Bildqualität ermöglicht. Aufbauchungen können somit gut erkannt werden.

Waffenrohr MG3 (Polygonrohr mit Rohraufbauchung)
Waffenrohr Gewehr G95k mit Objektiv gerade (hier leichte Auswaschungen im Bereich der Gasabnahmebohrung)

Durch ein Objektiv mit Seitenansicht können seitliche Schäden wie z.B. Feldausbrüche, Ausbröckelungen oder Abplatzungen aber auch Auswaschungen der Gasabnahmebohrungen bei Gasdruckladern erkannt und Dokumentiert werden. 

Waffenrohr MG5 (hier seitliche Ausbröckelungen / Auswaschungen)

 Ausstattung und Verpackung:

Verpackung

Ausstattung

Fazit:

Die neue Verpackung sowie der Beladungsplan ermöglichen eine übersichtliche und einfache Verstauung, einen sicheren Transport sowie einen schnellen und unkomplizierten Einsatz. Bedingt durch den vorhandenen Lithium-Ionen-Akku ist die Möglichkeit gegeben für einen autarken und mobilen Betrieb. Im Vergleich zu Endoskop alt wird auch ein besseres Verstaukonzept erzielt. Mit einem Gesamtgewicht von 12Kg und den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten gegenüber Endoskop alt, wurde hier zielführend und zukunftsorientiert eine Beschaffung durchgeführt. Die Nutzer von SKB und Heer haben mit dieser Prüfausstattung auf lange Sicht eine qualifizierte- und materialoptimierende Prüfausstattung die auch an Neusystemen, wie SPz PUMA, genutzt werden können.

Die Sicherheit der Schützen und Bediener von Waffen und infanteristischen Waffensystemen ist stark optimiert, ja fast perfektioniert worden.

Videoendoskop IPLEX RT (neu)
Endoskop alt mit Verpackung und Transportmittel

Autoren und Bilder: AusbZTLS, Ber Techn/Log, Dez W, OStFw Boyn, Hptm Habakuk, Hptm Knur

80 mittlere geschützte Sanitätsfahrzeuge beauftragt

Die Bundeswehr bekommt weitere Sanitätsfahrzeuge. Der Vertrag über die Herstellung und Lieferung von 80 mittleren geschützten Sanitätsfahrzeugen wurde kürzlich im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr unterschrieben. Das Fahrzeug auf Basis des Eagle 6×6 soll im Sanitätsdienst der Bundeswehr und in der Marine eingesetzt werden.

Das geschützte, allradangetriebene Radfahrzeug dient vor allem der mobilen, sanitätsdienstlichen Erstversorgung. Egal ob vor Ort oder zwischen verschiedenen Behandlungseinrichtungen, der Eagle wird als Bindeglied im sogenannten qualifizierten Verwundetentransport eingesetzt. Die Fahrzeuge werden ab 2021 in der Truppe erwartet.

Den Fuhrpark sinnvoll erweitert

„Das neue Fahrzeug ergänzt die leichten und schweren geschützten Sanitätsfahrzeuge Eagle IV BAT und GTK Boxer. Es ermöglicht zukünftig ein neues Niveau in der bodengebundenen sanitätsdienstlichen Versorgung“, weiß Oberstleutnant Klaus Krickl vom Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr. Und es erfüllt alle aktuellen Anforderungen: Schutz, Mobilität, sanitätsdienstliche Funktionalität und Transportkapazität – bei einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 20 Tonnen.

Viel Platz für medizinisches Fachpersonal und die Patienten

In dem Sanitätsfahrzeug können bis zu zwei liegende Personen aller medizinischen Schweregrade transportiert werden. Der Innenraum bietet dem Fachpersonal ausreichenden Platz für die rettungsmedizinische Überwachung und den Erhalt der Vitalfunktionen. Je nach Auftrag wird das Fahrzeug mit unterschiedlich medizinisch geschultem Personal besetzt. Während zwei Notfallsanitäter in der Einsatzvariante „Rettungstrupp“ alleine die Versorgung der Verwundeten übernehmen, ist in der Variante „Beweglicher Arzttrupp“ ein Notarzt mit an Bord.

Bestmöglicher Schutz für die Insassen

Das Sanitätsfahrzeug sichert und erweitert die Fähigkeit der bodengestützten sanitätsdienstlichen Unterstützung in der Bundeswehr. Der Eagle stellt nicht nur die hochmoderne sanitätsdienstliche Versorgung der Patienten sicher. Die Insassen können sich auch auf den bestmöglichen Schutz verlassen. Die Panzerung schützt gegen Minen und improvisierte Sprengfallen, sogenannte IED.

Drei Achsen für höchste Mobilität

Bei der Planung lag der Fokus auf einer sehr hohen operativen sowie taktischen Mobilität. Gleichzeitig sollen die zu behandelnden Personen besonders schonend transportiert werden. Dies ist speziell bei Fahrten im Gelände eine besondere Herausforderung. Möglich wird dies durch eine besondere Fahrwerkskonstruktion mit einem verlängerten Fahrgestell mit dritter Achse.

Wieder eine Fähigkeitslücke geschlossen

Der erfolgreiche Vertragsschluss im Rahmen der Projektrealisierung schließt eine weitere Fähigkeitslücke. Die gemeinsam erarbeiteten Erfahrungen im Vertrags- und Projektmanagement können auch in zukünftigen Projekten erfolgreich übernommen und angewendet werden.

Autor: Wolfgang Schmittinger, BAAINBw U4.2, Bildquelle: Kai Weber, GDELS

Greenliner 2020: Neue Mobilität für die Truppe

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat gemeinsam mit der Abteilung Ausrüstung des Bundesministeriums der Verteidigung die Weichen dafür gestellt, dass der Lkw Greenliner noch in diesem Jahr an die Truppe ausgeliefert wird. Insgesamt 700 Fahrzeuge erhält das Deutsche Heer ab September als Full-Service-Paket. Grundlage dafür ist die gerade erteilte Freigabe zur Nutzung.

„Damit wird die ungeschützte militärische Fahrzeugflotte der Bundeswehr weiter vorangetrieben“, erklärt Oberstleutnant Jan Woywod, Projektleiter BwFuhrparkservice im BAAINBw. Der Mobilitätsservice für die Truppe wird so weiter ausgebaut: Das Fahrzeug dient dem Transport von Personen und Material, es wird aber auch im Einsatz genutzt, um die Truppe mittels eines eingebauten Funksystems zu führen.

Der Name „Greenliner“ entstand im Jahr 2006 im Zuge der Beschaffung der ersten grünen Fahrzeugflotte seitens der BundeswehrFuhrparkService GmbH (BwFPS). Durchgesetzt hat sich der Name bei der ersten Serie im Jahr 2008, die wie der Wolf auf der G-Klasse von Mercedes-Benz basiert. Die handelsübliche Mobilität wird „Silberlinge“ genannt, weil die ersten Fahrzeuge im Jahre 2003 in Silbern ausgeliefert wurden.


Allradantrieb, Klimaanlage, Kältepakete, Automatikschaltung: Das neue Fahrzeug können die Soldaten in verschiedenen Klimazonen nutzen.
Bundeswehr/Sirko Bednarski

Das Beschaffungsprojekt Greenliner begann im August 2019. Mindestens 300 Fahrzeuge sollen noch 2020 an die Truppe übergeben werden. „Allen Beteiligten war von Anfang an klar, dass es ein Kampf gegen die Uhr werden würde“, erläutert Stefan Pauly. Der Technische Regierungsamtmann ist im BAAINBw in der Projektleitung der Fahrzeugfamilie Wolf tätig und unterstützt die technische Realisierung des Fahrzeugs maßgeblich. Mit den 300 Fahrzeugen soll das derzeitige Fehl im Deutschen Heer ausgeglichen werden, um für die Schnelle Eingreiftruppe VJTF 2023 notwendiges Gerät zu liefern.

Stresstest für Mensch und Maschine

Die Anpassung des Greenliners an die aktuellen militärischen Bedarfsforderungen, also das, was die Truppe an Fähigkeiten für Lkw gefordert hat, nahm das BAAIN gemeinsam mit dem Zentrum für Kraftfahrwesen der Bundeswehr, der BwFPS, Daimler sowie der Knapp Service GmbH vor. Hersteller des Fahrzeuges ist die Mercedes-Benz G GmbH in Graz, Österreich. Die militärischen Sonderausstattungen werden in Koblenz eingebaut.

Mit der Projektstartbesprechung im August 2019 begann der Marathon gegen die Zeit. In der ersten von zahlreichen Besprechungen wurde der Arbeits- und Zeitplan festgelegt. Das Ziel war, am Ende des Jahres 2019 das erste Serienmodell in Koblenz bereitzustellen, um anschließend die erforderlichen Testreihen wie z. B. zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) vorzunehmen, die Zertifizierung der neuen Reifen oder aber die Prüfung der Geräuschmessung durchzuführen.


Der Greenliner – hier noch ohne Flecktarn – wird zahlreichen Tests unterzogen, von der Geräuschmessung bis zur Reifenzertifizierung
Mercedes-Benz, Guido Monreal

Im November 2019 wurde das erste Serienfahrzeug bestellt. Kurz vor Weihnachten wurde der Lkw von Graz nach Koblenz überführt und mit der geforderten Flecktarnlackierung sowie dem Einbausatz „Fu 2“ versehen. Dahinter verbergen sich zwei Funkkreise mit verschiedenen Frequenzen. Im Januar und Februar 2020 fanden zahlreiche zusätzliche Testreihen mit dem Fahrzeug statt. Im Februar gab es die letzte Projektbesprechung. Die abschließenden Papiere wurden befüllt, um die Voraussetzung für die Freigabe zur Nutzung zu schaffen. Durch die BwFPS können die handelsüblichen Fahrzeuge mit militärischer Sonderausstattung an die nutzenden Truppenteile ab September 2020 übergeben werden.

Platz für 4 Personen mit Ausrüstung

Der Greenliner verfügt über einen 6-Zylinder-Motor mit einer Leistung von 135 Kilowatt, Allradantrieb und Automatikgetriebe. Für Übungen und Einsätze ist der Greenliner gleichermaßen geeignet. Während der Fahrt sind Differentiale steuerbar. So wird eine hohe Geländegängigkeit ermöglicht, da die Traktion dem Gelände entsprechend angepasst werden kann. Auch die Nutzung in unterschiedlichen Klimazonen ist durch eine leistungsfähige Klimaanlage und ein Kältepaket mit Standheizung gewährleistet.

Der Projektleiter für die Fahrzeugfamilie Wolf, Technischer Regierungsoberamtsrat Peter Kropp, erläutert, was den Greenliner ausmacht: Die Kabine des Greenliners biete in ihrer Grundkonfiguration vier Soldaten mitsamt ihrer Ausrüstung Platz. Die militärische Sonderausstattung bestehe unter anderem aus Halterungen für Waffen und Gerät, Tarnbeleuchtung, Blendschutz für Scheiben, Scheinwerfer und Spiegel, Fremdstartsteckdose und dem Einbausatz Funk Fu 2. Alles konnte zeitgerecht integriert werden, um die Freigabe zur Nutzung „Greenliner 2020“ zu erteilen. „Aufgrund der ausgezeichneten Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte das schlagkräftige Projektteam den Zeitplan trotz aller Herausforderungen halten – damit steht der Auslieferung an die Truppe nichts mehr im Weg.“

Autor: OTL Sirko Bednarski BAAINBw E3.2

Vertragsunterzeichnung „Mobile Feldküche“ erfolgt

Am 24. März 2020 erfolgte die Vertragsunterzeichnung für das Projekt „Mobile Feldküche“ durch die Vizepräsidentin des BAAINBw, Annette Lehnigk-Emden. Die dazugehörige 25-Mio-Vorlage war am 4. März 2020 durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gebilligt worden.


Erhalten bald einen neuen Arbeitsplatz: die Teams der Feldküchen
Bundeswehr/Kevin Schrief

Nach der Entscheidung über die Vergabeart und der Veröffentlichung im Februar 2019 erfolgte die Vergabe im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens mit Teilnahmewettbewerb, den eine in Deutschland ansässige Firma für sich entscheiden konnte.

Der Beschaffungsrahmenvertrag sieht die Konstruktion, Herstellung und Lieferung von bis zu 400 Gesamtsystemen „Mobile Feldküche“ vor. Dazu zählen neben Ersatzteilerstausstattungen auch die Erstellung und Lieferung von Dokumentationen und Materialgrundlagen, die Durchführung von Ausbildungen, Managementleistungen sowie Transporten zu Einsatzprüfungen und Erprobungen.

Erstlieferung schon dieses Jahr – Serienbeschaffung ab 2022

Das erste Seriengerät soll im Juli dieses Jahres geliefert werden. Unmittelbar darauf schließt sich die integrierte Einsatzprüfung an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt und der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Trier an. Die Kälte- und Hitzeerprobung wird an den US-amerikanischen Testeinrichtungen Cold Regions Test Center in Fort Greely, Alaska und am Yuma Proving Ground in Arizona stattfinden. Nach erfolgreichem Abschluss der Tests wird im Jahr 2022 die Serienbeschaffung mit der vereinbarten Festbeauftragung von 85 Systemen starten. Weitere Systeme „Mobile Feldküche“ können als Bestellleistungen abgerufen werden.

Das seit den 1980er Jahren genutzte System „Taktische Feldküche 250 Mann“ wurde unter den Vorgaben der Landesverteidigung in Mitteleuropa mit Abstützung auf vorhandene Infrastruktur entwickelt und entspricht nicht mehr den weltweiten Einsatzerfordernissen und Einsatzgegebenheiten. Darüber hinaus können die Hygienevorschriften und die Anforderungen der aktuellen lebensmittelrechtlichen Gesetze nicht mehr eingehalten werden. Zudem erfüllt das Altsystem nicht die militärische Forderung zur Trennung von Funktionalität und Mobilität. Hinzu kommen die Außerdienststellung und zunehmende Aussonderung der bisherigen Trägerfahrzeuge und das daraus resultierende Wegbrechen der Mobilität.

Fähigkeitslücke wird geschlossen

Die dadurch entstehende Fähigkeitslücke soll durch das Projekt „Mobile Feldküche“ geschlossen werden. Dabei handelt es sich um ein mobiles System zur Lagerung, Vor-/Zubereitung und Abgabe von Verpflegung für bis zu 250 Verpflegungsteilnehmer im Rahmen der weltweit beweglichen Operationsführung in verschiedenen Klimazonen und Temperaturbereichen, auch in unbefestigtem Gelände.

Das System wird eingerüstet in zwei 20 Fuß-Container mit modularem Aufbau. Durch die Verwendung dieser standardisierten Container ist eine Trennung von Funktionalität und Mobilität sichergestellt. Die Besatzung besteht aus drei Soldaten oder Soldatinnen. Für das System ist sowohl der auf- als auch abgesetzte Betrieb gefordert. Außerdem wird eine systemimmanente Autarkie verlangt, das heißt vier Betriebszyklen müssen innerhalb von 24 Stunden selbstständig durchlaufen werden können. Aus diesem Grund sind alle notwendigen Geräte, Betriebsstoffe, Verpflegungstypen und Ausstattungen mitzuführen.

Die Mobile Feldküche: ein komplexes System

An den vielfältigen Forderungen ist erkennbar, dass die Mobile Feldküche mehr ist, als ein ins Feld gestellter Küchenwagen. Ein vergleichbares System ist am Markt nicht verfügbar. Um die Forderungen zu erfüllen, muss ein innovatives System- und Energiekonzept entworfen und umgesetzt werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei der Entwurf des Zubehörcontainers. Dieser muss vergleichsweise große Lasten und Volumina aufnehmen können. Dazu gehören z.B. ein Stromerzeugeraggregat, die Heiz- und Klimaanlage, eine Batterie zur Notstromversorgung, Tanks für 3.000 Liter Frisch- und 800 Liter Abwasser, alle Zubehör- und Ausstattungsteile und ein Kühlraum mit einer Kapazität von 2 Kubikmeter für die Gruppenverpflegung von 250 Soldatinnen und Soldaten.


Entwurf der mobilen Feldküche, Zubehörcontainer (links) und Küchencontainer mit Verbindungsschleuse
Kärcher Futuretech GmbH

Einsatz im Rahmen VJTF 2023 geplant

Das Projekt „Mobile Feldküche“ schließt damit die Fähigkeitslücke zwischen der Verpflegungszubereitung mittels der persönlichen Ausstattung des Soldaten (Individualverpflegung) und der Versorgung in einem Feldlager oder Einsatzinfrastruktur. Das Vorhaben leistet einen wichtigen Beitrag zur Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte bei Einsätzen und humanitärer Unterstützung im In- und Ausland.

Die ersten Gesamtsysteme sollen bereits im Rahmen der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) 2023 zum Einsatz kommen.

Autor: Thomas Stork, TROAR, Projektmanagement BAAINBw U3.1

Teile des Bundesvorstandes des bB

„Blauer Bund e.V.“ stellt hochkarätige Informationsveranstaltung auf die Beine!

Ein Stimmungsbild von Herrn Oberstleutnant Roman Schlosser, Redakteur im blauer Bund e.V.

Der Verein veranstaltete am 07. und 08. November 2019 die Mitgliederversammlung und eine zentrale Informationsveranstaltung für Logistikfachleute innerhalb und außerhalb der Bundeswehr sowie interessierte Gäste in der Donnerberg-Kaserne in ESCHWEILER.

Die rund 200 Besucher setzten sich aus Mitgliedern aller Teilstreitkräfte (TSK)/Organisationsbereiche (OrgBer), aus allen Dienstgradgruppen sowie zahlreiche zivilen Logistikern, Rüstungsfachleuten, Wehrtechnikern, Firmenvertretern und weiteren Gästen zusammen. Bemerkenswert ist die hohe Anzahl an (Noch-)Nichtmitgliedern, die das Weiterbildungsangebot dankbar angenommen hatten. Am Ausbildungszentrum Technik Landsysteme (AusbZTLS) in der Donnerberg-Kaserne konnte der Präsident, GenMaj Volker Thomas, zur jährlichen Mitgliederversammlung und Informationsveranstaltung begrüßen. Zwei Tage lang trugen hochrangige Entscheidungsträger aus militärischer Führung der Streitkräfte und TSK/OrgBer, zivilen Bundesbehörden, Logistik und Rüstung, aber auch aus dem militärischen Anteilen von NATO/EU und den Ausbildungseinrichtungen zu aktuellen, zukunftsweisenden Themen vor.

Zuvor jedoch wurde in der Mitgliederversammlung die Bilanz des vergangenen Jahres gezogen und über Neuerungen informiert.

Der Präsident des bB, GenMaj Thomas, bei der Begrüßung

Mitgliederversammlung: Informationsmedien und Netzwerk machen den „blauer Bund e.V.“ (bB) interessant.

Der Präsident blickte auf eine positive Entwicklung zurück und freut sich über den erneuten Anstieg der Mitglieder auf nun über 1.150. Vor allem der Zuwachs an „jungen“ Mitgliedern sei sehr willkommen und es gelte diesen künftig auszubauen und „die Jungen“ im Verein einzubinden. Das gebotene Netzwerk sei in dieser Gemeinschaft ein wertvolles Gut, das viele Vorteile im täglichen Berufsleben biete und den bB attraktiv mache. Weiter ging GenMaj Thomas auf den sehr gelungenen neuen Web-Auftritt des bB ein. Endgeräte unabhängig und in modernem Design wurden heuer rund 150 Artikel eingestellt. Zusammen mit den Vereinsmedien Info-Heft und Newsletter handelt es sich um das Aushängeschild des Vereins. Den anwesenden Partnerfirmen empfahl der Präsident die Möglichkeit, freie Stellen auf der Web-Seite anzubieten, intensiver zu nutzen. Sei doch die Suche nach qualifizierten Bewerbern die Herausforderung der Zukunft für alle Arbeitgeber.

Der Vizepräsident, Oberst a.D. Schaprian, führte gemeinsam mit dem Präsidenten durch die Veranstaltung

Die folgenden zwölf Einzelvorträge mit dem Leitthema „Deutschland als (logistische) Drehscheibe für kollektive Verteidigung im Bündnis“ waren geprägt von erfreulicher Offenheit und höchst aktuell. An der Vielzahl der gestellten Fragen konnte man das große Interesse an den Inhalten ablesen.

In einem kurzen Grußwort ging der Präsident des bB auf die Großübung DEFENDER EUROPE 20 ein und führte so zum Leitthema hin. Die von den USA initiierte Übung quer durch Europa wird von den DEU SK mit mehr als 1400 Logistikkräften unterstützt, um den fast 50.000 Soldaten mit ihrem Großgerät unter anderem den Durchmarsch durch DEU zu ermöglichen.

Im Grußwort des Gastgebers ging BrigGen Cohrs, Kommandeur des AusbZTLS, auf die Verbundenheit mit dem bB ein und stellte den Stellenwert des persönlichen Kontakts und der Kameradschaft im Verein, bei allen Veränderungen der heutigen modernen Zeit heraus.

Oberst a.D. Freiling, Vizepräsident im VdRBw

Ein weiteres Grußwort richtete Oberst d.R. Freiling, Vizepräsident im Verband der Reservisten an das Auditorium. Er lobte dabei den bB für die Beiträge und gemeinsame Mitarbeit im Beirat der Reservisten.

Oberst Meyer: „NATO 3.0 heißt 29 for 29, @360°, 24/7.“

Den thematischen Aufschlag machte Oberst i.G. Meyer, Deutscher Militärischer Vertreter im Militärausschuss der NATO und EU, aus strategischer Sicht im Bündnis gab er eine Standortbestimmung.

Oberst i.G. Meyer

Er stellte dar, dass die Bedrohungen wie Terror, Migration und Hybride Konflikte weiterhin Bestand hätten, die Wahrnehmung durch die einzelnen Mitgliedsstaaten, z.B. zur Bedrohung durch Russland sich unterschieden. Der Strategiewandel der NATO drückt sich aus in „29 for 29“ also der Aussage „Ein Angriff auf einen Alliierten erfordert immer eine strategische Antwort.“ Dem Ansatz des Wirkens in jeder Richtung, „@360°“ und der schnellen Reaktionsfähigkeit „24/7“. Realisiert werden soll der Ansatz auch durch die NATO Readiness Initiative. Mit dem Schlagwort 30/30/30/30 sind hier zusätzlich zur NATO Response Force (NRF) vorgesehene Kräfte im Ansatz von 30 Bataillonen, 30 Kampfflieger-Staffeln, 30 Kampfschiffen innerhalb von 30 Tagen einsatzbereit, gemeint. Diese Ressourcen sind wichtige Optionen des SACEUR und für die Verlegung solcher Kräfte ist Military Mobility eine wichtige Voraussetzung. Das PESCO Projekt zu Military Mobility mit den 24 europäischen Mitgliedsstaaten sei ein sehr gutes Instrument dafür und Zeichen der Zusammenarbeit zwischen NATO und EU.

Als nächster BrigGen Seifert, stv Kommandeur des Multinationalen Kommando Operative Führung, aus Sicht eines Joint Support and Enabeling Command (JSEC) vor.

BrigGen Seifert

Seinen Ausführungen war zu entnehmen, dass das JSEC im „Rückwärtigen Gebiet“, also nicht im Operationsgebiet der NATO-Truppen, für die Führung einer Joint Logistics Support Group (JLSG) zuständig ist. Die für die NATO-Folgekräfte zu erbringenden Aufgaben dazu sind zivile und Militärische Sicherheit, Schutz der Truppen, Durchmarsch der Folgekräfte, Training und Integration sowie Steuern von Host Nation Support (HNS) und Infrastrukturmaßnahmen. Alle Maßnahmen dienen dazu die Folgekräfte rechtzeitig zur Wirkung bringen zu können. Das JSEC wächst derzeit auf und soll bis IV./2021 die volle Einsatzbereitschaft erreicht haben.

Nun ging der Staffelstab an GenLt Schelleis, Inspekteur der SKB und Nationaler Territorialer Befehlshaber (NatTerrBefh), aus dieser Zweitrolle legte er auch den Fokus auf das Leitthema.

GenLt Schelleis

Er beleuchtete zunächst die Aufgabe des NatTerrBefh, der als nationaler Ansprechpartner eines JSEC im rückwärtigen Raum dient und aus einem Territorialkommando (TerrKdoBw), gespeist aus dem Kdo SKB, heraus die Funktionsfähigkeit der Drehscheibe Deutschland sicher stellt. Das TerrKdoBw hält auch Verbindung zu Bundesbehörden und zivilen Dienstleistern, um z.B. die Aufgaben Aufmarschführung der Bundeswehr oder Transit Alliierter zu bewerkstelligen. Die Abstimmung mit den Verantwortlichen der verschiedenen Verkehrswege sei, vor dem Hintergrund des Ziels für Military Mobility mit 5 Tagen Vorbereitungszeit auszukommen, eine besondere Herausforderung. Die Zusammenarbeit mit zivilen Dienstleistern sei auch deshalb erforderlich, weil ein hoher Anteil der Kräfte aus der SKB, die Gleiches leisten könnten, schon mit den ersten Kräften der NRF in Einsatzgebiete verlegen und so in Deutschland beim Transit von Folgekräften nicht mehr zu Verfügung stehen. GenLt Schelleis erläuterte die Herausforderungen an der bevorstehenden Übung DEFENDER EUR 20 und schloss mit der Feststellung, dass HNS in Deutschland eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei.

Der Schließende des ersten Tages war Herr Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Herr Christoph Unger

Zunächst erläuterte er die Zuständigkeiten bei der integrierten Hilfeleistung im föderalen Bundesstaat, die von den Kommunen für Alltagsereignisse, über die Länder bei Regionalen Katastrophenlagen, bis hin zum Bund bei kriegerischen Konflikten und Lagen mit nationaler Bedeutung sowie der Katastrophenhilfe reichen. Das BBK, welches dem Ressort des BMI angehört, hat ein vielfältiges Aufgabenspektrum, das für den Anteil Zivile Verteidigung auf den Säulen Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktionen, Zivilschutz, Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft sowie Unterstützung der Streitkräfte fußt. Bei der Unterstützung der Streitkräfte hat die NATO Mindestvoraussetzungen wie Aufrechterhaltung der Regierungsfunktion, Versorgung mit Energie/Nahrung/Wasser/Kommunikation/von Verletzten, Umgang mit Flüchtlingen und resiliente zivile Verkehrssysteme, formuliert. Herr Unger stellte fest, dass für die Zivile Verteidigung bestehende Regelungen angepasst werden müssten und insbesondere die Versorgung der Bevölkerung noch mit Leistungserbringern zu hinterlegen sei.

Gesprächsrunde am Gesellschaftsabend

Der Gesellschaftsabend kam bei allen Teilnehmern sehr gut an und beförderte das Kennenlernen und einen regen Austausch. Den würdigen Rahmen nutzte der Präsident, um besondere Auszeichnungen vorzunehmen. So wurde einem verdienten Mitglied im Bundesvorstand, Herrn Oberstlt a.D. Steibel, die Ehrenmitgliedschaft im bB verliehen und einem weiteren verdienten Mitglied, nämlich Oberstlt a.D. Laux, die Ehrennadel des bB verliehen. Drei Ehrungen zur 25-jährigen Mitgliedschaft wurden ebenfalls vor Ort vorgenommen. Die Empfänger waren BrigGen Lungershausen, Oberst a.D. Selbert und OStFw a.D. Matheis. Die durchgeführte Sammlung zu Gunsten des Soldatenhilfswerkes ergab knapp 1000€.

Oberstlt a.D. Steibel wird Ehrenmitglied
Oberstlt a.D. Laux wird die Ehrennadel verliehen
GenMaj Thomas ehrt drei mal zur 25-jährigen Mitgliedschaft. v.li BrigGen Lungershausen, Oberst a.D. Selbert und OStFw a.D. Matheis

Der zweite Tag wurde von GenMaj Breuer, Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben (Kdo TerrAufgBw), zum Thema „Unterstützung der Drehscheibe DEU durch das KdoTerrAufg“ begonnen.

GenMaj Breuer: „Nur aus Strukturen heraus ist HNS verlässlich zu leisten.“

GenMaj Breuer

Er führte aus, dass die Aufgabe HNS deutlich mehr als Logistik umfasst und auch Themen wie SanVersorgung, Militärische Sicherheit, Diplomatische Vorgänge, GeoInformation und andere bedacht werden müssen. HNS ist keine neue Erfindung, sondern in Deutschland Alltagsgeschäft, welches in 2019 zu knapp 1000 Anträgen anderer Nationen geführt hat. Aus der OPZ im KdoTerrAufgBw und den 16 Lagezentren in den Ländern, wird die Unterstützung durch vorhandene verfügbare Ressourcen gesteuert. Hier setzt GenMaj Breuer Kritik an, wenn er die Verlässlichkeit der Unterstützung im großen Stil ausschließlich durch verfügbare Ressourcen in Zweifel stellt. Nur aus Strukturen heraus sei HNS verlässlich zu leisten. Auch das KdoTerrAufgBw selbst erreiche bei mehreren Vorfällen an Hilfeleistung bei Katastrophen/Notfällen die Grenze des Machbaren.

Im engen Schulterschluss mit dem KdoTerrAufgBw agiert das Logistikkommando der Bundeswehr (LogKdoBw), zu dem GenMaj Thomas, Kommandeur des LogKdoBw, vortrug.

Er machte klar, dass HNS für das LogKdoBw vielfältige Aufgaben in Planung und Durchführung mit sich bringt. Doch dazu seien erforderliche Weisungen, Aufmarschpläne, Operationspläne und andere Dokumente zeitgerecht zu erstellen.

GenMaj Thomas: „Mit den PESCO LogHubs ist ein wichtiger Schritt getan. Die aktuell größte Herausforderung ist die Führungsorganisation.“

GenMaj Thomas beschrieb die Zuständigkeiten für Planungsprodukte bei strategischer Verlegung und zeigte auf, dass die National Detailed Deployment Plans (NDDP) aus seinem Kommando eine wichtige Grundlage für die Multinational Detailed Deployment Plans (MNDDP) sind und somit Garant einer erfolgreichen Verlegung. Um einen Maßstab für die Durchführung zu bekommen, zeigte er auf, dass schon bei der Übung DEFENDER EUR 20 Personal in Stärke 1400 aus seinem Kommando unterstützen wird. Sorge mache auch die unzureichende Lagerkapazität, die dringend erhöht werden müsse. Ein Abstützen auf privatwirtschaftliche Leistungserbringer für HNS sei ebenfalls unabdingbar.

Noch stärker aus der Sicht des Durchführenden berichtete Oberstlt Dr. Henschke, Kommandeur des Logistikbataillons 172.

Oberstlt Dr. Henschke

Er stellte dar, dass die Gleichrangigkeit von Stabilisierungsoperationen und Landes-/Bündnisverteidigung in der Truppe angekommen sei. Nämlich in der Form, dass die bisher existierenden Einsatzpausen jetzt mit Zeiten von anhaltender Bereitschaftsverpflichtung, z.T. mit Vorwarnzeiten von nur 48 Stunden gefüllt würden. Die Situation für diese NRF sei auch deshalb herausfordernd, weil das zukünftige Operationsgebiet unbekannt sei, ein Sachverhalt, mit dem man lernen müsse, wieder umzugehen. Eine Konstante hat Oberstlt Dr. Henschke auf der Durchführungsebene aus den durchlaufenen Großübungen ausgemacht: Zeit ist immer der kritische Faktor! Neben den auffälligen Schwächen bei den eigenen Führungsmitteln, wo er sich schnell Verbesserung wünsche, zieht er doch auch ein sehr positives Fazit. Er Lobt den Zusammenhalt und die Kreativität seiner Unterstellten und ist stolz auf die Vielzahl von Dingen die gut funktionieren.

Als nächster referierte Oberst Schellhase, Stv Abteilungsleiter Kampf im Bundesamt für Ausrüstung Information und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw).

Oberst Schellhase

Zunächst warb er für seinen Bereich, der häufig in der öffentlichen Kritik steht, indem er die Rahmenbedingungen der Beschaffung erläuterte. So zeigte er auf, dass im Vergleich zu einem Versandhaus mit rund 60.000 Artikeln im BAAINBw ca. 2.000.000 Artikel im Bestand geführt werden. Nach dem Hinweis auf die angespannte Personalsituation, schilderte er die Grundzüge der Beschaffung nach CPM und daraus erwachsende, einschränkende Faktoren. Mit dem Zielbild Rüstungsmanagement zeigte er die Bemühungen des BAAINBw sich weiter zu entwickeln und zu verbessern.

Im folgenden Teil berichtete BrigGen Denk, Kommandeur der Logistikschule der Bundeswehr, über aktuelles aus seiner Ausbildungseinrichtung. Zunächst zeigte er die Neuausrichtung der Offizierausbildung der Logistikoffiziere auf, die weniger verschult und mit mehr Praxis und Truppengattungsbindung zu weniger Abbrechern führen soll. Der erste Durchgang des neuen Fahnenjunker-Lehrganges soll im I./2021 beginnen und mit je 80 Teilnehmern an der LogSBw und dem AusbZTLS stattfinden. Weiter informierte er über die Individual- und Teamausbildung am JCTS sowie der Schwerpunktaufgabe der Unterstützung des I. DEU/NDL Korps in 2020/2021. Zuletzt zeigte er das Aufgabenpaket des LogÜbZ mit den Anteilen Ausbildung des Stab LogRgt und Ausbildung des RSOM Btl.

Die beiden Kommandeure der Ausbildungseinrichtungen. li BrigGen Denk, re BrigGen Cohrs

Den Abschluss bildete BrigGen Cohrs, Kommandeur des AusbZTLS, der gleichfalls über aktuelles aus seiner Ausbildungseinrichtung informierte. Anfangs erklärte er die Situation zur Infrastruktur, der personellen Ausstattung und den Fortschritten zur Kompetenzorientierten Ausbildung an seinem Zentrum. Weiter machte er deutlich, welche wichtige und sinnvolle Rolle der Bereich Technik/Logistik bei der Nachweisführung zur Beschaffung von Wehrmaterial habe und weit entfernt von einer Rolle als „Spielverderber“ liege. Dann zeigte er die Zeitlinie auf, wie die Instandhaltungsfähigkeiten zum SPz PUMA bis 2023 aufgebaut werden sollen und schloss mit dem Ausblick auf das AusbZTLS 2030+, für das Fragestellungen zu den Bereichen Ressourcen, Technologie, Rahmenbedingungen und Ausbildung beantwortet werden müssten.

In seinem Schlusswort stellte GenMaj Thomas fest, dass der angesprochene Verbesserungsbedarf aus den Vorträgen der sichtbare Bereich des Eisberges sei, aber auch die gelösten Probleme und die Kreativität in der Lösungsfindung überwiegen würden. Letztlich sprach er sich bei komplexen Dingen für die nötige strategische Geduld aus.

Weiter hege er die Hoffnung, die Mitglieder des Vereins im Jahre 2020 am 05. und 06. November an der Logistikschule der Bundeswehr wieder begrüßen zu dürfen. Es gäbe schließlich Grund zum Feiern, da der bB 30-jähriges Bestehen feiert und so forderte der Präsident auf, für die Teilnahme zu werben.

Zum Schluss galt der Dank dem Gastgeber, BrigGen Cohrs und dem Team des AusbZTLS für die gelungene Unterstützung im Rahmen der Weiterbildungsmaßnahme.

Die „Macher“ im Hintergrund, li Oberstlt Küppenbender, re StFw Paul

Fazit: Die diesjährige Mitgliederversammlung und zentrale Informationsveranstaltung des „blauer Bund e.V.“ war wieder eine gelungene Sache, die Messlatte hängt sehr hoch.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr in GARLSTEDT!