General Thomas übergibt das Logistikkommando

„Time to Say Goodbye“ und „Herzlich Willkommen“ – Der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, übergibt das Kommando über das Logistikkommando der Bundeswehr von Generalmajor Volker Thomas an Brigadegeneral Gerald Funke.


Generalmajor Thomas übergibt die Truppenfahne an Generalleutnant Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis. General Schelleis dankte General Thomas für seine geleisteten Dienste als Kommandeur des Logistikkommandos.
Quelle: Bundeswehr/Christoph Vietzke

Am 25. März 2021 übergab der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, die Truppenfahne und damit das Kommando über das Logistikkommando der Bundeswehr von Generalmajor Volker Thomas an Brigadegeneral Gerald Funke. Die Übergabe fand aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in einem erheblich verkleinerten Rahmen, ohne Gäste, statt. „Leider haben sich unsere Hoffnungen auf eine deutliche Verbesserung der „Pandemie-Lage“ nicht erfüllt“, so Generalmajor Thomas. „Vielmehr liege die 7-Tage-Inzidenz in Thüringen weiter auf einem hohen Niveau, in Erfurt stiegen die Infektionszahlen ebenfalls weiter an“, so der scheidende Kommandeur weiter. Vor diesem Hintergrund hat der Inspekteur der Streitkräftebasis entschieden, auf einen Appell anlässlich der Übergabe des Kommandos über das Logistikkommando der Bundeswehr zu verzichten. Generalmajor Volker Thomas bedauerte sehr, dass er sich nicht mehr persönlich von zahlreichen seiner Wegbegleiter verabschieden konnte. Er wird mit Ablauf des 31. März 2021 in den Ruhestand versetzt.

In fünf Jahren viel aufgebaut

Generalmajor Thomas hatte im Januar 2016 das Kommando über das Logistikkommando mit Sitz in Erfurt übernommen. In dieser Funktion war er nicht nur als Kommandeur verantwortlich für ca. 17.000 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern als General Bundeswehrlogistik gleichzeitig für die Weiterentwicklung des logistischen Systems der Bundeswehr. Wesentliche Meilensteine zur Stärkung der logistischen Unterstützung der Streitkräfte waren die Aufstellung neuer Dienststellen, wie das Logistikregiment 1 in Burg, das Logistikbataillon 163 in Delmenhorst sowie die demnächst beginnende Wiederinbetriebnahme von Material- und Munitionslagern in ganz Deutschland. Darüber hinaus wurde als wirksames Zeichen logistischer Zusammenarbeit mit europäischen Partnernationen das Projekt „Netzwerk Europäischer Logistikknoten (EU-Log-Hubs)“ im Rahmen der Permanent Structured Cooperation (PESCO (Permanent Structured Cooperation)) gestartet und mit Leben gefüllt. Hierzu wurde u.a. ein Koordinierungszentrum des multinationalen logistischen Netzwerkes (Joint Coordination Center – JCC) beim Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven eingerichtet und ein Logistikknoten in Pfungstadt in Dienst gestellt. Ein weiteres Beispiel der multinationalen Zusammenarbeit ist die Aufstellung eines multinationalen Ausbildungszentrums an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren die Kooperation mit der Wirtschaft umfassend ausgeweitet, um die logistische Unterstützung der Streitkräfte auch durch Leistungen Dritter nachhaltig zu stärken.

Eng verbunden mit der Region

Generalleutnant Schelleis übergibt Brigadegeneral Funke die Truppenfahne des Logistikkommandos der Bundeswehr. General Schelleis wünscht General Funke viel Glück und Erfolg als Kommandeur des Logistikkommandos.
Quelle: Bundeswehr/Christoph Vietzke

Besonders gekennzeichnet waren die vergangenen Jahre durch das gute Verhältnis zur Stadt Erfurt, dem Land Thüringen und seiner Bevölkerung. Das Logistikkommando der Bundeswehr hat sich bei mehreren Tagen der Bundeswehr auf dem Erfurter Domplatz dem Interesse der Bevölkerung gestellt.
Brigadegeneral Gerald Funke ist in Erfurt kein Unbekannter. Von 2015 bis 2016 war er bereits Stellvertretender Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr und zuletzt Unterabteilungsleiter Planung I im Bundesministerium der Verteidigung. „Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe und die Menschen hier“, so der neue Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, Brigadegeneral Gerald Funke.
Generalmajor Thomas schaut zurück auf 43 Dienstjahre, in denen er von der Pike auf mit der Logistik verbunden war und in nationalen wie internationalen höchsten Kommandobehörden wie auch im ISAF (International Security Assistance Force) Einsatz in Afghanistan gedient hat. Mit ihm verlässt ein überaus erfahrener Logistiker die Bundeswehr.

Quelle: https://www.bundeswehr.de

Text: Christian Wolf
Bilder: Christoph Vietzke

Ratschlastspanner in Anwendung

Ein Partnerunternehmen stellt sich vor – Dolezych GmbH & Co. KG

Dolezych ist international einer der führenden Hersteller und Entwickler von Produkten der Seil-, Hebe-, Anschlag- und Ladungssicherungstechnik. Mit moderner Technologie und immer neuen Innovationen hat sich das Unternehmen zu einem der größten Anbieter Europas entwickelt. Neben einem qualitativ hervorragenden Produkt bietet der Dortmunder Mittelständler das Wissen um dessen sichere Anwendung und Handhabung. Komplettiert wird das Portfolio des Familienunternehmens durch einen Prüf- und Wartungsservice sowie ein umfangreiches Seminarangebot. Und weil die optimale Lösung für den Kunden im Mittelpunkt steht, erfolgt die freundliche und kompetente Beratung produktbereichsübergreifend.

In Folge lesen Sie einen Erfahrungsbericht und eine Produktdarstellungen aus dem Portfolio von Dolezych, das Produkt findet bereits im Einsatz in MALI Verwendung. [Red]

Ladungssicherung extrem: DoNova® PowerLash schützt Leben und Ladung
Ein Anwenderbericht zur textilen Kette aus Mali
Die textile Zurrkette DoNova® PowerLash aus der Hochleistungsfaser Dyneema® überzeugt Anwender auf Anhieb. Ihr geringes Gewicht (bis zu 85% leichter als leistungsäquivalente Zurrketten aus Stahl), die Schonung von Ladegütern und Schutz vor Verletzungen (durch ihr weiches textiles Material) sowie ihre gleichzeitige Robustheit (besonders abriebfest) machen das System so beliebt. Mit ganz neuen und vor allem extremen Herausforderungen wurde das DEKRA-zertifizierte System aus textiler Kette DoNova® PowerLash 25/8 (LC 10.000 daN) mit Gabelkopfhaken und speziell entwickeltem Ratschlastspanner in Mali konfrontiert. Die Firma ITO Mali SARL, Tochterunternehmen der ITO FRANKFURT, testete dort die in Anlehnung an DIN EN 12195-2/3 entwickelte Kette im Rahmen ihrer logistischen Aufgaben auf insgesamt 13.340 Kilometern.
Extremste Einsatzbedingungen
Für die Transporte wurden Sattelzugmaschinen mit Auflieger und Lkw mit Tiefbettanhänger genutzt. Vor der Erprobung wurden Fahrer und Konvoibegleiter theoretisch und praktisch in Aufbau und Einsatz der textilen Kette eingewiesen, dann ging es los. Die größte Herausforderung: Der desolate Zustand der Straßen im Einsatzgebiet. Ausgedehnte Schlaglöcher, vollständig aufgelöster Streckenbelag und unterspülte oder komplett weggerissene Straßenabschnitte prägen das Bild der seit Jahrzehnten nicht instandgesetzten Straßen. Die latente Bedrohung durch Terrorismus erfordert jedoch ungeachtet des Straßenzustands oft hohe Geschwindigkeiten. Dadurch entstehen hochfrequente und -dynamische Belastungen, die auf Ladegut und Ladungssicherungsmittel einwirken. Hinzu kommen extreme klimatische Bedingungen, bei denen sich Monate mit Starkregen mit Trocken- und Hitzeperioden abwechseln. Temperaturspitzen von bis zu 50°C sind in Mali keine Seltenheit.

Fahrer und Konvoibegleiter bei der praktischen Einweisung
Fahrer und Konvoibegleiter bei der praktischen Einweisung

 

 

 

 

Desolater Zustand der Straßen im Einsatzgebiet MALI
Desolater Zustand der Straßen im Einsatzgebiet MALI

100% Zufriedenheit
Trotz dieser extremsten Beanspruchungen wurden zu keinem Zeitpunkt des Tests Ausfälle, Defekte oder relevante Abnutzungen an den getesteten Systemkomponenten festgestellt. Mehr noch: Die Anwender zeigten sich sehr zufrieden mit dem geringen Gewicht und der dadurch wesentlich erleichterten Anbringung der textilen Zurrketten an Fahrzeug und Ladegut. Ein Nachspannen der Zurrketten war nur in wenigen Fällen und dann auch nur über wenige Zentimeter erforderlich, sodass aufgrund der Bedrohungslage gefährliche Stopps vermieden werden konnten. Zudem lobten sie die Flexibilität des Systems insgesamt, das auch problemlos über Fahrzeug- bzw. Ladegutteile gelegt werden konnte ohne Beschädigungen zu verursachen. Besonders hervorgehoben wurde die hohe Zuverlässigkeit des Dyneema®-Materials – erreicht durch die einzigartige Kombination von Festigkeit und Flexibilität.

Anhänger auf Tieflader, verzurrt mit Dolezych Produkten
Anhänger auf Tieflader, verzurrt mit Dolezych Produkten

ITO Mali SARL: „Die textile Kette empfiehlt sich uneingeschränkt für die Ladungssicherung im robusten Einsatz und/oder zur Ladungssicherung empfindlichen und einsatzwichtigen Materials.“

Federleichte Ladungssicherung
Die textile Zurrkette DoNova® PowerLash überzeugt in allen Belangen
Eine Zurrkette aus Textilfasern und dennoch genauso leistungsfähig wie hochfester Stahl? Das klingt zunächst unglaublich. Wer die DoNova® PowerLash aus der Hochleistungsfaser Dyneema® (UHMWPE-Faser) selbst testet, ist jedoch schnell von den Vorzügen des Systems überzeugt. Aber welche unternehmerischen und anwendungsrelevanten Vorteile bietet diese textile Kette des Ladungssicherungsmittel-Herstellers Dolezych eigentlich genau?

Federleicht im Vergleich zu Stahlketten
Federleicht im Vergleich zu Stahlketten

Bei der Schwerlastladungssicherung plagt sich der Anwender typischerweise mit schweren Stahlketten herum, deren Anbringung zeit- und kraftraubend ist. Zudem muss er darauf achten, dass durch die Kette keine Beschädigungen an der Ladung verursacht werden.
Bei diesen Herausforderungen des täglichen Arbeitens zeigt die textile Zurrkette DoNova® PowerLash (LC 10.000 daN und LC 16.000 daN) ihre Stärke. Durch ihr geringes Gewicht vereinfacht und beschleunigt sie die Handhabung enorm. Ein Meter der textilen Kette wiegt gerade einmal 0.6 kg, sodass auch längere Zurrketten von nur einer Person montiert werden können. Je nach System lassen sich bis zu beeindruckende 85% Gewicht gegenüber einer schweren Standard-Zurrkette aus Stahl einsparen. Dieses Plus an Arbeitsergonomie sorgt dafür, dass Ausfallzeiten von Mitarbeitern wegen z. B. Rückenproblemen reduziert werden.
Der beachtliche Gewichtsvorteil macht die DoNova® PowerLash gerade interessant für die Nutzung in der Luft- und Schifffahrt. In der Luftfracht führt die Leichtigkeit der textilen Kette zu einer Senkung des Kraftstoffverbrauchs und ermöglicht eine höhere Zuladung. Das schnellere Handling spart Liegeplatzgebühren bei maritimen Anwendungen. Die Eigenschaften der Dyneema®-Faser wie Verschleißfestigkeit oder UV- und Salzwasserbeständigkeit sind hier zusätzlich von Vorteil.
Zeit und Geld lassen sich auch einsparen, weil wegen des weichen textilen Kettenmaterials auf oberflächenschonende Hilfsmittel wie Beschichtungen und Schläuche verzichtet werden kann. Überzeugen kann die DoNova® PowerLash außerdem durch ihre besondere Abriebfestigkeit. Sie ist, gemessen am Gewicht, 15 Mal fester als Qualitätsstahl und damit besonders langlebig. Die Mehrlagigkeit und Redundanz des Systems sorgt darüber hinaus für erhöhte Sicherheit.

Ratschlastspanner in Anwendung
Ratschlastspanner in Anwendung

Eine potenzielle Ablegereife lässt sich im Gegensatz zu Stahlketten übrigens durch eine einfache Sichtprüfung erkennen, da das Kriterium hier die Beschädigung des Gurtbandes ist und z. B. keine elektromagnetische Rissprüfung durchgeführt werden muss. Auch die Reparatur der textilen Zurrkette ist unkompliziert. Sie erfolgt durch einfachen Austausch des beschädigten Kettenglieds durch den Hersteller – ein Fall, der jedoch seit Markteinführung im Herbst 2016 noch nicht vorgekommen ist.

NDL BOXER ordnungsgemäß verzurrt mit DoNova®
NDL BOXER ordnungsgemäß verzurrt mit DoNova®

„Hard Facts“ zur textilen Kette DoNova®:
– 0,6 kg Gewicht pro Meter
– Bis zu 85% leichter als Stahl
– Gemessen am Gewicht 40% fester als Aramidfasern und 15x fester als Qualitätsstahl
– Chemikalienbeständig
– Schnittunempfindlich und besonders abriebfest

Text: ITO Mali SARL und Dolezych

Bildquelle: ITO Mali SARL

Ein neues Logistikbataillon geht an den Start

Erst kürzlich wurde das Logistikregiment 1 neu aufgestellt. Jetzt verstärkt das Logistikbataillon 163 die mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis. Der Kernauftrag des Bataillons ist Reception, Staging and Onward Movement (RSOM).

Hafenumschlag ist eine Fähigkeit im Spektrum des neu aufgestellten RSOM (Reception, Staging, Onward Movement) -Bataillons Logistikbataillon 163.
Quelle: Bundeswehr/Roland Alpers

Kürzlich hat die Bundeswehr ein neues Logistikbataillon (LogBtl 163) am Standort Delmenhorst in Dienst gestellt. Unter der Führung von Oberstleutnant Tobias Schmidt wird es Teil des ebenfalls neu aufgestellten Logistikregiments 1. Gemeinsam verstärken sie die mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis und werden neue Aufgaben, insbesondere im multinationalen Umfeld, wahrnehmen.
Zukünftig wird das Bataillon im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung zu einem Dreh- und Angelpunkt während des Aufmarsches im Einsatzgebiet für die  eingesetzten NATO-Kräfte. Personal und Material der entsprechenden Nation werden durch die Kameradinnen und Kameraden an See-, Flughäfen und Entladebahnhöfen im Einsatzgebiet, den sogenannten Ports of Debarkation (POD) aufgenommen. Dann in Sammelräumen, den sogenannten Staging Areas, zusammengeführt, versorgt
und somit für den weiteren Einsatz vorbereitet. Den Weitermarsch der NATO-Kräfte in ihre Einsatzräume unterstützt das Logistikbataillon 163 mit Servicepunkten entlang der Marschstraßen. Das Logistikbataillon 163 ist somit ein starker und zuverlässiger Dienstleister für unsere Partnernationen im Rahmen eines komplexen Prozesses. Dieser nennt sich Reception, Staging and Onward Movement (RSOM). Für diesen Auftrag stehen dem Bataillon sechs Kompanien mit jeweils unterschiedlichen
Fähigkeiten zur Verfügung, welche durch multinationale Beiträge ergänzt werden können. Gemeinsam bewältigen sie die vielfältigen Aufgaben, wie Luft-, Hafen- und Eisenbahnumschlag, den Betrieb von Sammelräumen und Servicepunkten und die Durchführung von Transporten.

Spezialisten für den gemeinsamen Auftrag

Soldatinnen und Soldaten beim Luftumschlag Quelle: Bundeswehr

Die Stabs- und Versorgungskompanie ist für den Aufbau und Betrieb des Bataillonsgefechtsstandes zuständig. Sie gewährleistet die Eigenversorgung des Bataillons. Zusätzlich unterstützt sie die Instandhaltung innerhalb des Bataillons. Mit den Verkehrsführungstrupps (Movement Control Teams) und der Aufnahmezentrale Einsatzgebiet (Theatre Reception Centre) verfügt sie zudem über Fähigkeiten, die den RSOM-Prozess direkt unterstützen. Die Umschlagkompanie Luft betreibt bis zu
vier Luftumschlagpunkte für die Abfertigung von jeweils bis zu 1.000 Soldaten und die Entladung von 500 Tonnen Luftfracht täglich. Hierbei arbeitet die Kompanie eng mit anderen militärischen und zivilen Behörden bzw. Dienststellen, wie z.B. Zoll, Flughafenamt und anderen Dienstleistern, zusammen. Die Umschlagkompanie Land/See betreibt jeweils bis zu zwei Eisenbahn- bzw. Hafenumschlagpunkte mit der Kapazität zur Entladung von 2.500 Tonnen Gütern oder 500 Fahrzeugen pro Tag. Der Einsatz der Sammelraumunterstützungskompanie erfolgt zugweise. Diese Züge sind für den Aufbau und Betrieb von Sammelräumen, den sogenannten Staging Areas zuständig. In diesen werden Personal und Material der Verbände nach Ankunft im Einsatzgebiet zusammengeführt, versorgt, vorübergehend untergebracht und für den Weitermarsch vorbereitet. Für die eintreffende Truppe wird somit der Rahmen geschaffen, um sich voll und ganz auf die Herstellung der Einsatzbereitschaft konzentrieren zu können. Der Einsatz der Servicepunktkompanie erfolgt ebenfalls zugweise. Diese sind für die Einrichtung von Rastmöglichkeiten für marschierende Einsatzkräfte zuständig. Hier versorgen sie die Truppe u.a. mit Kraftstoff, Wasser und Verpflegung. Auch Ruhemöglichkeiten für Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer sowie sanitätsdienstliche Unterstützung stellen sie bei Bedarf bereit. Darüber hinaus unterstützen sie bei der Bergung und Instandsetzung ausgefallener Fahrzeuge. Die Transportkompanie führt Transporte von Versorgungsgütern aller Art, einschließlich Gefahrgut, Container-/ und COPY-BOOK Schwerlasttransporte sowie Personentransporte im Einsatzraum des Bataillons durch, im Schwerpunkt von den POD zu den Sammelräumen.

 

Vorbereitung auf künftige Verantwortung

Im kommenden Jahr kommt es für das neue RSOM-Bataillon darauf an, das neu zuversetzte Personal auszubilden und zu einer homogenen Truppe zu formen. Hierfür dienen u.a. ein RSOM-Workshop und eine Planübung am Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre (JCTC) der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt. Aber auch die „grüne“ Ausbildung darf nicht vernachlässigt werden. Im Herbst 2021 geht das junge Bataillon gemeinsam auf den Truppenübungsplatz Putlos zur Schießausbildung. Dies folgt der Vorgabe von Generalmajor Volker Thomas, Kommandeur Logistikkommando der Bundeswehr, „Das blaue (logistische) Handwerk beherrschen und das Grüne (allgemeinmiltärische) können“. Für das Jahr 2022 steht die Zertifizierung (offizielle Bescheinigung der Einsatzbereitschaft) des Logistikbataillons 163 durch den Kommandeur LogKdoBw an.

 

Bahnverladung ist eine wichtige Fähigkeit im RSOM (Reception, Staging, Onward Moevement-Bataillon.
Quelle: Bundeswehr/Sebastian Wilke

 

Generalmajor Volker Thomas, Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, befestigt das Fahnenband des LogBtl 163.
Quelle: Bundeswehr/Konstantin Wulfert

Quelle:

Mit freundlicher Genehmigung durch: Logistikkommando der Bundeswehr, Abteilung Führung, Sachgebiet Informationsarbeit

Text: Christian Wolf

Data Governance Office im Hauptprozessanteil Logistik – Vom Nutzen der Daten

[Anm. d. Red.: DieserArtikel schließt eine dreiteilige Serie zum Thema Datenmanagement ab. Siehe auch Newsletter Januar 2019 und Infoheft 51]

Sie kennen die Situation? Ihre Ehefrau, Ihr Ehemann, Ihre Kinder, Ihre Eltern haben bald Geburtstag. Ihr Finger fährt federartig mit elegantem Schwung über das Display des Smartphones, um den Warenkorb mit den letzten Geschenkartikeln zu füllen. Ein Klick noch und der Einkaufsbummel ist beendet – die freudigen Gesichter Ihrer Liebsten vor Augen sind Sie erleichtert, denn Sie haben dieses Jahr frühzeitig begonnen, die Geschenke zu kaufen. Die Anzeige sagt Ihnen „Vielen Dank für Ihren Einkauf! Ihre Ware wird in voraussichtlich 1-3 Werktagen zugstellt.“ Heute ist die Sendung bereits 4 Tage überfällig. Ihre Leichtigkeit von vor 7 Tagen schwindet. Sie fragen sich, was los ist, wo bleiben die Geschenke, ist meine Adresse richtig hinterlegt? War der Liefertermin korrekt, d.h. sind die Verfügbarkeitsinformationen richtig gewesen?

Die Rückkopplung zu dem Unternehmen, das hinter der Verkaufsplattform steht, wird unvermeidlich. Womöglich kaufen Sie die Geschenke an anderer Stelle und stornieren Ihre Bestellung. Das betroffene Unternehmen muss interne Prüfungen durchführen, das Problem identifizieren, ggf. selbst Artikel Retour setzen oder bleibt auf den Waren im schlechtesten Fall sitzen. Es entstehen für das Unternehmen Kosten, weil Daten nicht korrekt waren. Für Sie entstehen Unannehmlichkeiten, im schlechtesten Fall können Sie Ihr Ziel, Ihre Liebsten zum Geburtstag zu überraschen, nicht erreichen.

Die wenigsten von uns können behaupten, dass wir solche Erfahrungen in der nahen Vergangenheit gemacht haben. Die Online-Shops (E-Commerce) und logistischen Unternehmen sind in Fragen der Datenhaltung meist zuverlässig, die dahinterliegenden IT-Systeme und Organisationen auf solche Herausforderungen im Umfeld Big Data[1] eingestellt. Doch was genau heißt das: Darauf eingestellt sein? Und was bedeutet das mit Blick auf die Logistik der Bundeswehr?

Logistische Prozesse als Bedarfsträger von Daten

Die Bundeswehr stützt sich für die Bewältigung fachlicher Aufgabenstellungen in der Logistik und darüber hinaus auf integrative[2] Prozesse. Als konkrete Bedarfsträger von Daten treten in der Logistik vier Geschäftsprozesse (GP) auf

  • GP Materialbewirtschaftung (MatBew),
  • GP Instandhaltung und Fertigung (IHF),
  • GP Verkehr und Transport (VuT),
  • GP rüstungsbezogene logistische Führung[3] (LogFü).

Der darüber hinaus existierende GP Technisch-Logistisches Management (TLM) hat mit Bezug auf das Datenmanagement in der Logistik eine besondere Rolle. Er beschreibt als Teil seiner Aufgabe die Bereitstellung der für die Nutzung von Produkten im Logistischen System der Bundeswehr (LogSysBw) erforderlichen Daten. Dabei hat er die logistischen Prozesse zu reflektieren, die Anforderungen an die produktbezogenen Daten der nutzenden Prozesse zusammenzuführen, zu konsolidieren und zu harmonisieren – der Blick geht dabei immer von der Rüstung beginnend in das LogSysBw und zurück in die Rüstung. Die Operationalisierung der produktbezogenen Daten erfolgt als Gegenstand der logistischen Prozesse (Was soll bewirtschaftet werden? Was soll instandgehalten werden?) in den Geschäftsobjekten[4] der logistischen GP. Kernelement der Konsolidierung und Harmonisierung von Daten in der Logistik sind die Spezifikationen und Standards der S-Serie der ILS[5]-Spezifikationen (auch ILS-Suite genannt) im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Industrie. Für die Sicherstellung der logistischen Interoperabilität im Bündnisrahmen der NATO bildet die Katalogisierung die Harmonisierungs- und Konsolidierungsbasis. Sie greift für deutsche Hersteller jedoch bereits auf die Vorgaben der S2000M[6] als Teil der ILS-Suite zurück.

Abbildung 1: Logistische Prozesse als Bedarfsträger von Daten

Die Identifizierung der erforderlichen Daten ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Realisierung IT-gestützter Prozesse. Mit Hilfe von Informationsobjekten werden an einzelnen Arbeitsschritten innerhalb des Prozessmodells die dort erforderlichen Informationen[7] hinterlegt. Über das Informationsobjektmapping erfolgt im Rahmen der Realisierung die Identifizierung der Anforderungen an die Daten, die zur Bereitstellung der Informationen erforderlich sind. Die Datenmodellierung ist somit unmittelbarer Bestandteil der Prozessmodellierung[8].

Abbildung 2: Datenmodellierung als Teil der Prozessmodellierung

Die auf diese Weise festgestellten Datenbedarfe und -anforderungen sind regelmäßig Grundlage für die Definition von Qualitätsanforderungen an die Daten. Darüber hinaus bestimmen sie in der Logistik die Forderungsgrundlagen für die Bereitstellung produktbezogener Daten, die im Rahmen der Rüstungsprojekte beauftragt und durch die Industrie an die Bundeswehr geliefert werden müssen. Die hierzu erforderlichen Konsolidierungs- und Harmonisierungsmaßnahmen werden durch den GP TLM sichergestellt.

Mit Hilfe der Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien (SASPF) werden die integrativen Prozesse dort mit IT unterstützt, wo dies effizient und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist oder die Aufgabenstellung im Gesamtverbund des LogSysBw dies zwingend erfordert. Im integrativen System SASPF arbeiten derzeit über 60.000 Nutzer, mehr als 50 % bewegen sich in logistischen Prozessen – sie nutzen, produzieren und ändern Daten.

Daten stellen somit zugleich „Lebensader“ wie auch Output IT-gestützter logistischer Prozesse dar. Sie müssen Qualität[9] haben, d.h. für ihre Aufgabe im Prozess geeignet sein. Die Qualität von logistischen Daten ist im Kontext mit der starken Abstützung auf IT-gestützte Prozesse eine Voraussetzung, um den logistischen Auftrag erfüllen zu können. Sie ist Enabler für die fortschreitende Digitalisierung in der Bundeswehr. Mit dem Maß der Abstützung auf IT-gestützte Prozesse steigt somit der Nutzen wie auch die Bedeutung der Daten. Nur Daten mit Qualität haben einen Nutzen.

Die Logistik der Bundeswehr stützt sich in hohem Maße auf IT-gestützte Prozesse in SASPF ab. Um den erforderlichen Nutzen der Daten zu erreichen, bedarf es einer Organisation und eines Rahmenwerks, welche die notwendigen Maßnahmen im Datenmanagement anweisen, koordinieren, überwachen und durchsetzen kann. Dabei sind die verschiedenen Player im Prozess- und IT-Management zu berücksichtigen und zu verknüpfen. Diese Aufgabe übernimmt das Data Governance als organisatorisches Kernelement des Datenmanagements.

Data Governance als Kernkomponente im Datenmanagement

Data Governance ist ein Organisationskonzept. Es legt fest, welche Entscheidungen im Umgang mit Daten zu treffen sind und wer sie trifft. Darunter fällt die Definition von Rollen, Verantwortlichkeiten und Rechten im Umgang mit Daten in der Organisation. Data Governance schafft somit Richtlinien und Regeln für den Umgang mit Daten und sichert zugleich deren Einhaltung.

Abbildung 3: Datenmanagementrahmenwerk in der Bundeswehr als Zieldimension der Agenda Nutzung Teilprojekt Datenmanagement

Ziel ist, durch eine angemessene Qualität der Daten den bestmöglichen Nutzen (Prozessqualität) aus dem „Gut“ Daten zu erhalten. Dabei geht es nicht nur um die störungsfreie Nutzung der IT-gestützten Prozesse. Auch die Entscheidungsfindung in einem auf IT stark abgestützten Unternehmen basiert zu großen Teilen auf Daten. Somit erhöht die Qualität der Daten auch die Qualität der Entscheidungsfindung.

Data Governance ist die Kernkomponente des Datenmanagements. In der Bundeswehr besteht die Data Governance Organisation bereits seit 2012. Eine durchgängige organisatorische Umsetzung sowie die Schaffung der erforderlichen Regelungslandschaft erfolgte jedoch nur im Hauptprozessanteil Logistik (HP(A) Log). Die aktuellen Revisionen im Rahmen der Agenda Nutzung Teilprojekt Datenmanagement haben daher organisatorisch kaum Einfluss auf die Logistik. Die Data Governance Organisation SASPF wird künftig bestehen aus

  • dem Data Governance Office SASPF bei BAAINBw G (Projekt SASPF),
  • den Data Governance Offices der HP(A)/HP,
  • den Datenqualitätsmanagement-Beauftragten (DQM-Beauftragten) in den Organisationsbereichen.

Abbildung 4: Data Governance Organisation gem. Agenda Nutzung TP Datenmanagement

Die Anforderungen an den Aufbau der Data Governance Offices der HP(A)/HP ist identisch und beinhaltet folgende Komponenten/Rollen:

  • Grundlagen
  • Vorgaben/Konzeption,
  • Informationsarchitekt,
  • Technischer Data Steward,
  • Datenqualität und Lage,

 

  • Geschäftsobjektverantwortung
  • Geschäftsobjektverantwortlicher,
  • Data Analyst.

Abbildung 5: Organisation Data Governance Office HP(A) Log gem. Agenda Nutzung TP Datenmanagement

Während im Bereich Grundlagen vor allem die konzeptionelle Ausgestaltung und als neue Elemente künftig die Lage zur Datenqualität sowie die Überwachung des Datenmodells (durch den Informationsarchitekten) wahrgenommen wird, betrachtet der Bereich der Geschäftsobjektverantwortung die konkreten Geschäftsobjekte, in denen die Speicherung und Verarbeitung der Daten erfolgt. Hierbei nimmt der Geschäftsobjektverantwortliche (nach aktueller Regelungslage noch Stammdatenobjektverantwortlicher) mit Unterstützung durch den Data Analyst folgende Kernaufgaben zu seinem Geschäftsobjekt wahr:

  • Überwachung der Datenqualität und Vorgaben zu Datenqualitätsanforderungen,
  • Vorgaben und Dokumentation im Metadatenmanagement,
  • Vorgaben und Dokumentation zu Pflegeprozessen.

Die Arbeit der Data Governance Organisation beschränkte sich in der Vergangenheit stark auf die Stammdaten. Dieser Fokus wird mit der Neuausrichtung im Rahmen der Agenda Nutzung aufgehoben. Nunmehr stehen die Geschäftsobjekte als Datenrepräsentanz aller geschäftsrelevante Daten (umfasst Stammdaten, Bewegungsdaten etc.) im Fokus des Data Governance.

Wirkverbund Datenmanagement Logistik

Zur Operationalisierung des komplexen organisatorischen und inhaltlichen Zusammenspiels aus Prozess- und Datenmanagement sind im HP(A) Log die drei gestaltenden Kernelemente

  • Data Governance,
  • Standards und Spezifikationen[10] sowie
  • Katalogisierung[11]

als Wirkverbund in der Gruppe Datenmanagement Logistik im Logistikkommando der Bundeswehr (LogKdoBw) zusammengefasst. Sie stellen damit in enger Verzahnung mit dem Prozessmanagement, im Schwerpunkt dem GP TLM, ein System aus kurzfristiger operativer Handlungs- und langfristiger Steuerungsfähigkeit dar.

Abbildung 6: Wirkverbund Gruppe Datenmanagement Logistik im LogKdoBw

Zielbild

Mit der Agenda Nutzung TP Datenmanagement ist das gesamte Datenmanagement SASPF und im Kern die Data Governance Organisation kontinuierlich im Fluss. Die laufenden Veränderungen müssen in das Regelungsmanagement überführt und als Grundlage für die tägliche Arbeit konsolidiert werden. Kern hierbei ist: Organisation und ihre Prozesse müssen umgesetzt und gelebt werden – eine Managementaufgabe.

Laufende und geplante IT-Projekte, bei denen insb. der HP(A) Log seit 2015 als Bedarfsträger auftritt, sollen für

  • die Implementierung eines ganzheitlichen Metadatenmanagements,
  • qualitätssichernde Standardschnittstellen,
  • Datenvalidierung und Konsolidierung nach Geschäftsregeln zur aktiven Steuerung der prozessbezogenen Datenqualität,
  • Workflowgestützte, rollenbezogene, priorisierte Datenpflege,
  • Datenqualitätslage zur kontinuierlichen Überwachung der prozessbezogenen Datenqualität

die erforderliche IT-Unterstützung schaffen.

Als strategische Zielsetzung in der Logistik, einschließlich der Umsetzung aller erforderlichen IT-Maßnahmen im Datenmanagement, steht die nachhaltige Verzahnung mit der Rüstungsindustrie und Beschaffungsprojekten auf Basis der ILS-Suite im Fokus. Standardisierung, (haushälterische) Planbarkeit für Rüstungsverträge und IT-Anpassungen, hoher Automatisierungsgrad im Datenfluss, Ausweitung der Lebenszyklusbetrachtung von Produkten auf ihre Daten und darüber liegende Prozesse sowie eine deutlich verbesserte Verfügbarkeit von Daten sind wesentliche Handlungsmotivation für dieses Zielbild. Nur so kann die erforderliche Datenqualität in einem hochagilen Umfeld von Big Data erreicht werden und die logistischen Prozesse ihre volle Wirkung entfalten.

Exkurs: Einordnung des Data Governance in Standards des IT-Management

Vergleicht man das in diesem Artikel skizzierte Data Governance mit den Empfehlungen der IT-Infrastructure Library (ITIL), die innerhalb des Geschäftsbereichs des BMVg als Standard des IT-Managements genannt werden[12], so kann man das Data Governance als eine aus der Perspektive der Datenqualität stammende spezielle Ausgestaltung der in den ITIL-Standards genannten Empfehlungen verstehen. Das Data Governance berücksichtigt alle Lebenszyklusphasen von IT, betrachtet Sachverhalte in einer e2e[13]-Sicht und fokussiert sich ebenso wie ITIL auf die Kernelemente Utility[14] und Warranty[15]. Das übergreifende Management von SASPF erfolgt über das Customer Center of Expertise SASPF/SinN[16] (CCoE). Grundlage des CCoE sind neben dem Customer Product Management[17] (CPM) und Vorgehensmodellen der SAP zur Einführung und zum Betrieb von SAP vor allem die Standards nach ITIL. Eine Integration des Data Governance a la HP(A) Log in das IT-Management SASPF bzw. in das IT-Management der Bundeswehr ist somit sichergestellt.

 

Schlusswort

Hiermit endet die Darstellung der drei Aufgabenbereiche der Gruppe Datenmanagement Logistik innerhalb der Abteilung Planung des Logistikkommandos der Bundeswehr.

Ausgehend vom Thema „ILS-Spezifikationen und Standards – Aktuelle Entwicklungen und Chancen für Rüstungsprojekte“ über die „Katalogisierung im Rahmen des AC/135 – eine nationale und internationale Aufgabe“ bildet dieser Artikel mit der Darstellung des „Data Governance Office im Hauptprozessanteil Logistik – Vom Nutzen der Daten“ die Klammer über die Daten im Hauptprozess Logistik und damit dem Auftrag der Gruppe.

Die Erfüllung der drei Aufgabenbereiche erfordert eine hohe spezialisierte Ausbildung der 162 zivilen und militärischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gruppe in den entsprechenden Verfahren. Diese Ausbildung findet üblicherweise parallel zur täglichen Arbeit in monatelanger Einzelausbildung am Arbeitsplatz statt, da die Regenerationsrate eine lehrgangsgebundene Ausbildung nicht begründet.

Autoren: Oberstleutnant Manfred Klaffus und Oberstleutnant Heiko Saß, LogKdo Bw, Abteilung Planung III DatMgmt Log

 

[1] Bezeichnet Datenmengen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit (z. B. zu groß, zu komplex, zu schnelllebig, zu schwach strukturiert) nicht mit manuellen und herkömmlichen Methoden der Datenverarbeitung ausgewertet werden können.

[2] Die integrativen Prozesse umfassen die organisationsunabhängige Gesamtheit der fachlichen Abläufe eines Aufgabengebiets, einschließlich der Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zu anderen integrativen Prozessen, vgl. A-520/1 Prozesslandkarte, Rollenkonzept und Implementierung des Prozessmanagements.

[3] Betrifft die Arbeitsvorgänge Logistikprozess überwachen und steuern, Logistische Unterstützung planen und befehlen und Maßnahmenbereich Materialwirtschaft (MatWi) bearbeiten.

[4] Der Begriff Geschäftsobjekt wird im Rahmen der Agenda Nutzung Teilprojekt (TP) Datenmanagement und des IT-Projektes Master Data Governance (MDG) eingeführt und umfasst jedes eindeutig bestimmbare Objekt, welches zur Speicherung oder Verarbeitung geschäftsrelevanter Daten verwendet wird, z. B. Stammdatenobjekte wie Materialstamm, Bewegungsdatenobjekte wie die Umlagerungsbestellung.

[5] Integrated Logistics Support.

[6] ASD/AIA S2000M (International Specification for Material Management) – Die Anwendung der S2000M für den automatisierten Datenaustausch mit Auftragnehmern ist für die Beschaffung bereits seit vielen Jahren angewiesen. Aufgrund des vollautomatischen Datenaustausches wird dieses Verfahren durch die Katalogisierungsstelle der Bundeswehr (KatStBw) für die nationale Katalogisierung immer angestrebt.

[7] Daten sind Symbole und Zeichen (Syntax) und für die maschinelle Verarbeitung erforderlich. Informationen sind in einem konkreten Bedeutungskontext interpretierte und verknüpfte Daten (Aufgabe, Rolle etc.) (Semantik). So kann aus einer Zahlenfolge in Abhängigkeit des Verwendungskontextes eine Kontonummer oder eine Postleitzahl interpretiert werden. Die subjektive Interpretation von Informationen über kognitive Fähigkeiten führt zu Wissen.

[8] Die von der Bundeswehr im Rahmen der Prozessmodellierung angewandte Methode ARIS (Architektur integrierter Informationssysteme) nutzt zur Systematisierung die Prozess- bzw. Steuerungs-, die Daten-, die Funktions-, die Leistungs- und die Organisationssicht auf einen Prozess.

[9] Datenqualität (Erfüllung der Qualitätskriterien) liegt immer vor, wenn die Daten für ihren Verwendungszweck (Prozess) geeignet sind.

[10] Eingehende Beschreibung erfolgte bereits in cpm-Verlag, Ausgabe 1-2019 (S. 43-47) und „blauer Bund e.V.“ – Beitrag vom 7. Januar 2019.

[11] Eingehende Beschreibung erfolgte in cpm-Verlag, Ausgabe 2-2019.

[12] Vgl. IT-Strategie v. 02.12.2015 oder K-3107/2 IT-Service Management Ausrüstung & Nutzung.

[13] End-to-End: bedeutet in der Bundeswehr die Sicherstellung der konsistenten Zusammenarbeit verschiedener Anwendungen und Systeme mit dem Ziel, durchgängige Geschäftsprozesse zu gewährleisten, einschließlich des dazu erforderlichen Änderungsmanagements. Ziel ist, eine Gesamtsicht auf die an einem Prozess beteiligten Systeme aus der Perspektive des Nutzers herzustellen, vgl. A1-945/0-7001.

[14] Brauchbarkeit, Nützlichkeit, Nutzen.

[15] Gewährleistung, Zusicherung, Garantie.

[16] A1-945/0-7001 Customer Center of Expertise Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien/Systeme in Nutzung.

[17] A-1500/3 Customer Product Management.

Defender Europe 20: Die US-amerikanische Großübung in Europa 2020

Transportkolonnen in der Nacht auf deutschen Autobahnen, lange Güterzüge, die durch deutsche Bahnhöfe gen Osten rollen, Panzer auf Binnenschiffen im Ruhrgebiet: Wenn die Amerikaner im kommenden Jahr mit Defender Europe 20 die Verfahren zur Verlegung von umfangreichen Kräften aus den USA nach Osteuropa üben, wird Deutschland aufgrund seiner geo-strategischen Lage im Herzen Europas zur logistischen Drehscheibe. Mit der Übung geben die USA ein deutliches Bekenntnis zur Sicherheit Europas und gleichzeitig zeigt die Übung auch, dass europäische Partner gemeinsame Vorhaben verlässlich unterstützen und umsetzen.

Mit der amerikanischen Übung soll die schnelle Verlegbarkeit größerer Truppenteile über den Atlantik und durch Europa geübt werden. Nach den Erfahrungen der nunmehr fünften Rotation von Atlantic Resolve, bei der die Amerikaner eine Brigade mit ihren Fahrzeugen und ihrer Ausrüstung für einen Aufwuchs ihrer Streitkräfte an der Ostflanke der NATO sorgen, wird nun erstmals die Verlegung einer Division geübt. Mit allein schon 26.000 us-amerikanischen Soldatinnen und Soldaten ist diese Verlegung mehr als fünfmal so groß wie die bewährten Rotationen. Während die US-Streitkräfte einen Großteil der Verlegung ihrer Fahrzeuge, Geräte und Ausrüstung eigenständig organisieren, nutzen sie im Transitland Deutschland die Unterstützung durch die Streitkräftebasis – den sogenannten „Host Nation Support“.

Weitere Informationen zu Defender Europe 20 finden sie hier:

Bildquelle: Bundeswehr/Alpers

Vom Eisenbahnausbesserungswerk Jülich zum Mechatronikzentrum der Bundeswehr

In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht der militärhistorische Arbeitskreis des Ausbildungszentrum Technik Landsysteme (ehemals technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Herres für Technik) aus Aachen Publikationen rund um die Militärgeschichte.

Nun ist der Band XIII mit dem Titel „Vom Eisenbahnausbesserungswerk Jülich zum Mechatronikzentrum der Bundeswehr“ fertiggestellt worden und wird ausschließlich unseren Mirgliedern als Download angeboten.

Zum Download …

Anwenderforum Rüstung und Nutzung Rü.Net 2019: VJTF 2023 – Herausforderungen, Chancen und Risiken

Das Anwenderforum Rüstung u. Nutzung (Rü.Net) in enger inhaltlicher Abstimmung mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) geht am 04. und 05. September in Vallendar bei Koblenz in die Wiederholung.

Nach Absprache mit dem BAAINBw wurde über diese Hochwertveranstaltung das Label „VJTF 2023 -Herausforderungen, Chancen u. Risiken“ gesetzt. Als Keynotespeaker sind bereits Generalmajor Gert Friedrich Nultsch, militärischer Vizepräsident des Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung in der Bundeswehr und der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, Wolfgang Hellmich (MdB), bekannt.

Vorrangige Themen werden sein:

  • System Panzergrenadier
  • Bewegliche Unterbringung im Einsatz
  • Sicherstellung von Transport- und Unterstützungsaufgaben im Bereich des Heeres und der Streitkräftebasis
  • Digitalisierung Meldewesen Materielle Einsatzbereitschaft
  • Optimierung Ersatzteil/Austauschteil Versorgung
  • Aufbau 30 Tage Einsatzvorrat
  • Zulassungproblematik EMAR/DEMAR

Die Rü.Net wird durch ein exklusives Plenum eröffnet. Neben den erwähnten Vortragenden wird auch ein Vertreter des Stabes VJTF (BAAINBw) eine Keynote halten. Im Schwerpunkt werden die Abteilungen „Kampf“, „Landunterstützung“, „Luft“ und „Technische, logistische und wirtschaftliche Querschnittsaufgaben“ vertreten sein. Am zweiten Tag wird in Fachpanels umgegliedert. Chairmen der Abteilungen Kampf/Landunterstützung und Luft werden hier durch das anspruchsvolle Programm führen.

Weitere Informationen und die Anmeldemodalitäten zu dieser Veranstaltung finden Sie hier.

Die Logistik hinter Trident Juncture 2018

Ohne Logistik fliegt nichts, schwimmt nichts, fährt nichts. Der Erfolg der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 (TRJE 2018) hing somit maßgeblich von dieser Unterstützungsleistung ab. Das Logistikkommando der Bundeswehr (LogKdoBw), insbesondere mit den Kräften der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis aber auch des Logistikzentrums der Bundeswehr (LogZBw) und der Logistikschule der Bundeswehr (LogSBw) haben einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Etwa 50.000 Soldatinnen und Soldaten beteiligten sich 2018 an der größten gemeinsame NATO-Übung seit dem Ende des Kalten Krieges. Mit allen 29 NATO-Staaten sowie Finnland und Schweden war es darüber hinaus das umfassendste Manöver in diesem Zeitraum. Die Bundeswehr war mit etwa 8.500 Soldaten, 4.000 Fahrzeugen und 750 Containern der zweitgrößte Truppensteller im Übungsland Norwegen. Kern war eine Volltruppenübung im Zeitraum vom 25. Oktober bis zum 7. November 2018. Das Ziel war es, neben der Zertifizierung der NATO Response Force Hauptquartiere, die strategische Verlegung einer Kampftruppenbrigade sowie die Interoperabilität zwischen den teilnehmenden Kräften der NRF 2019 und besonders der „Very High Readiness Joint Task Force 2019“ zu üben. Nie zuvor in der Geschichte der Bundeswehr wurde Personal und Material in einer solchen Größenordnung bei einer NATO-Übung außerhalb Deutschlands eingesetzt.

Mehrere Fahrzeuge vom Typ Hägglund BV 206 vom Gebirgsjägerbataillon 232 werden im Rahmen der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 in RØROS/NORWEGEN entladen
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Die Aufgabe der Logistik der Streitkräftebasis (SKB) war dabei die strategische Verlegung der deutschen Kräfte, deren anschließende Versorgung sowie die Versorgung verbündeter Einheiten und Verbände. Bereits im September waren die Logistiker der SKB vor Ort in Norwegen. Sie organisierten und betrieben u.a. einen Teil des Hafens in Fredrikstad, südlich von Oslo. Gleichzeitig wurde der Ort für die Unterbringung der Logistiktruppen und die Koordination der logistischen Leistungen in einer Zeltstadt nahe des Flughafens Gardermoen, nördlich von Oslo, erkundet und anschließend übernommen. Damit stellten sie die Aufnahme von Personal und Material in Norwegen sicher.

In der Nacht vom 5. auf den 6. September verließ das erste Roll-on-Roll-off-Schiff (RoRo), die ARK GERMANIA, den Verladehafen in Emden. Über 200 Fahrzeuge, darunter Sattelzugmaschinen, Dingos und Straßentankwagen sowie Container und einige das Material begleitende Soldaten waren an Bord. Hierzu waren im Vorfeld umfassende Transportplanungen durch das LogZBw in Wilhelmshaven notwendig.

Das Roll on Roll off-Schiff im Hafen von Emden. Innerhalb kürzester Zeit werden die Fahrzeuge auf dem Schiff verstaut.
Quelle: Bundeswehr/Christoph Vietzke

Der Verlegeplan

 Über Straße, Schiene, per Luft- und per Seetransport erreichten Personal und Material ihren Bestimmungsort. Das Joint Logistic Support Group Headquarter (JLSG HQ) des Joint Forces Command NEAPEL (JFC NP) hat in Verbindung mit der Host Nation Vorgaben für die Verlegung der multinational zusammengesetzten übenden Truppe festgelegt. Auf dieser Basis erstellte das LogKdoBw im Auftrag des Einsatzführungskommandos und mit allen beteiligten Organisationsbereichen der Bundeswehr einen nationalen Verlegeplan, den das LogZBw im engen Zusammenwirken mit den Truppenstellern umgesetzt hat. Der Verlegeplan umfasste u.a. die Festlegung des Beladehafens (Seaport of Embarcation (SPOE)) in Deutschland sowie die Entscheidung darüber, auf welchen Wegen Fahrzeuge und Container vom Heimatstandort an den Zielort in Norwegen gelangen. Ob dies im Eisenbahn- oder Straßentransport, per Spedition oder auf eigener Achse erfolgte, hing u.a. von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und zeitlichen Vorgaben ab. Der effiziente Ablauf bei TRJE 2018 war das Ergebnis der engen Zusammenarbeit des LogZBw mit den jeweiligen Truppenstellern, dem Kommando Territoriale Aufgaben, den Landesbehörden und der gewerblichen Wirtschaft.

Im SPOE mussten die jeweiligen Transportdokumente überprüft und das Material anschließend durch den Zoll überprüft werden. Auch hier ist stets eine enge Abstimmung mit der Schiffsagentur, der Hafengesellschaft und den verantwortlichen Zollbeamten notwendig. Unterstützt wurde das LogZBw im Seehafen durch die mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis. Das Logistikbataillon 161 aus dem niedersächsischen Delmenhorst verfügt hierfür über eine Hafenumschlagkompanie. Deren Aufgabe ist es, die Be- und Entladung von militärischem Klein-, Großgerät und Containern auf bzw. vom Schiff sowie die Hafenorganisation sicherzustellen. Für TRJE 2018 war diese Kompanie drei Monate in Emden und im Entladehafen in Fredrikstad im Einsatz.

Die Fahrzeuge werden sicher am Boden verzurrt. Beim sogenannten Laschen werden die Spanngurte am Fahrzeug und am Schiff befestigt.
Quelle: Bundeswehr/Christoph Vietzke

Die Verlegung über den Seeweg

Am 5. September 2019 begann der Seetransport von Fahrzeugen und Containern nach Norwegen. Hierfür nutzte die Bundeswehr den zusammen mit Dänemark geschlossenen Kooperationsvertrag mit der Reederei Det Forenede Dampskibs-Selskab (DFDS), auf Deutsch: Die Vereinigte Dampfschiff-Gesellschaft. Mit vier RoRo-Schiffen, die insgesamt 13 Verlegungen durchführten, wurden alle Fahrzeuge und Container in den Zielhafen (Seaport of Debarkation – SPOD) nach Fredrikstad transportiert. Diese Verschiffung des gesamten Materials dauerte etwa sechs Wochen. An Bord übernahm jeweils ein sogenannter „Supercargo“ die Verantwortung für das Be- und Entladen des Materials. Der Supercargo war in diesem Fall ein reservedienstleistender Stabsoffizier, welcher berufliche Erfahrungen als Schifffahrtskapitän bzw. Lotse mitbrachte. Er vertrat während der Verlegung die Interessen der Bundeswehr in ihrer Eigenschaft als Befrachter und überwachte die Einhaltung der im Chartervertrag festgelegten Bedingungen. Zudem ist ein Supercargo Ansprechpartner der Schiffscrew in bundeswehrspezifischen Angelegenheiten.

Die Soldaten der Hafenumschlagkompanie vom Logistikbataillon 161 entladen den Kampfpanzer Leopard 2 der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) vom dänischen Roll on Roll off-Schiff Ark Germania.
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Eintreffen im Übungsraum

Mit der Aufnahme des Materials im Hafen von Fredrikstad und des Personals am Flughafen in Gardermoen begann in Norwegen die Weiterverlegung in den Übungsraum. Es erfolgte eine logistische Zwischenversorgung mit Kraftstoff und Verpflegung und die Weiterverlegung der Truppenteile in den jeweiligen Übungsraum. Eine enge Verbindung zwischen militärischer Hafen- bzw. Flughafenorganisation, den zuständigen lokalen Stellen, zivilen Vertragspartnern, und Behörden ist dabei unverzichtbar, um den reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Die Fahrzeuge und Container wurden, wie zuvor in Emden, von den Soldaten der 6. Kompanie vom Schiff gelöscht und auf einer Staufläche abgestellt. Dabei wurde bereits die Marschordnung der darauffolgenden Verlegung berücksichtigt. Im Einsatzgebiet angekommen, erfolgte der abschließende logistische Prozessschritt der Integration der multinationalen Verbände zu einer homogenen Streitkraft. Um diesen Prozess ab der Ankunft in der Host Nation Norwegen bewältigen zu können, bedurfte es einer intensiven Koordination durch das JLSG HQ. Das JLSG HQ ist ein multinationaler Stab, der im Falle der Übung TRJE 2018 aus 145 Soldatinnen und Soldaten aus insgesamt zwölf Nationen bestand. Den Kern dieses JLSG HQ bildeten dabei Soldaten des Joint Force Command NEAPEL und des 1. Deutsch/Niederländischen Korps aus Münster. Die Aufgabe des JLSG HQ ist es, ein umfassendes und einheitliches logistisches Lagebild aufzubauen und logistische Leistungen zu koordinieren. Darüber hinaus bewältigte das JLSG HQ unter der Führung von Brigadegeneral Darko Pintaric (Kroatien) die komplexe Aufgabe der Organisation der Hin- und Rückverlegung. Zur Umsetzung der Aufgaben beim Aufmarsch in Norwegen verfügte die JLSG über logistische Truppen. Hierzu gehörten zwei RSOM-Bataillone und weitere spezialisierte Einheiten. Deutschland hat der JLSG sowohl national geführte logistische Truppen auf Zusammenarbeit angewiesen, als auch Logistikkräfte unmittelbar unterstellt.

Norwegische Feldjäger begleiten die Fahrzeugkolonne nach der Entladung durch die Hafenumschlagkompanie des Logistikbataillon 161 im Rahmen der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 im Hafen von Fredrikstad /Norwegen
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Versorgung vor Ort 

Die Versorgung der insgesamt etwa 8.800 deutschen Soldatinnen und Soldaten wurde vom Unterstützungsverband Deutsche Kräfte (UstgVbd DEU Kr) in Gardermoen sichergestellt. Dieser wiederum wurde durch ein Führungselement vom Kommando SKB geführt. Den größten Teil des Verbandes machten die etwa 800 Logistiker im LogBtl UstgVbd aus, das seinerseits überwiegend aus Angehörigen des LogBtl 172 bestand, die von Angehörigen weiterer Verbände der mobilen Logistiktruppen der SKB ergänzt wurden. Nahezu täglich sorgten sie für den Umschlag von Containern und Materiallieferungen. Neben Instandsetzungs- und Transportleistungen sowie Ersatzteilen, Kraftstoff, Verpflegung und Wasser stellte der Verband auch Waren des täglichen Bedarfs wie Zahnbürsten, Schokolade oder Duschgel – insgesamt mehr als 100 verschiedene Artikel für die deutschen Soldaten aber auch verbündete Kräfte bereit. Insgesamt wurden in Versorgungstransporten etwa 1,1 Mio. Liter Kraftstoff und 1.000 Paletten Wasserflaschen von Gardermoen nach Rena (180 km nördlich Oslo) und in die umliegenden Einsatzorte transportiert.

Die Soldaten verwalten die Lagerung von Verpflegung, Wasser und Waren des täglichen Bedarfs im Camp des deutschen National Support Element (NSE)
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

So wurde in Gardermoen eine der wichtigsten logistischen Schaltzentralen, die Basis Einsatzzentrale Logistik des logistischen Unterstützungsverbandes für die deutschen Soldaten in Norwegen betrieben. Der Luftumschlagszug des LogBtl 171 war ebenfalls dem LogBtl UstgVbd zugeordnet und in Gardermoen eingesetzt. Dieser war für die Passagierabfertigung der über den Flughafen Gardermoen ein- und ausreisenden Übungsteilnehmer aller beteiligten Nationen verantwortlich. Während der Volltruppenübung unterstützte der Verband die im Gefecht befindliche deutsche VJTF-Brigade. Die dauerhafte Unterstützung mit Schwerlasttransporten war ebenfalls Aufgaben dieses Verbandes.

Die Soldaten vom Gebirgsjägerbataillon 232 betanken ein Fahrzeug vom Typ Waffenträger Wiesel TOW am zentralen Betankungspunkt.
Quelle: Bundeswehr/ Carsten Vennemann

Folgerungen

 Die Übung TRJE 2018 war eine logistische Herausforderung. In einem umfassenden Ansatz wurden die logistischen Abläufe und Verfahren im Rahmen einer Übung, in der die Bündnisverteidigung im Vordergrund stand, erstmalig erprobt. Die hier gesammelten Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung der logistischen Konzepte für deutsche Beiträge zur Bündnisverteidigung ein.

Eine erste wesentliche Erkenntnis ist, dass für die logistische Bewältigung eines Einsatzes der VJTF/NRF eine eng aufeinander abgestimmte und präzise ineinandergreifende logistische Führungsorganisation erforderlich ist. Das Verständnis der klaren Abgrenzung der Verantwortung des Kontingentführers als dem Führer im Einsatz von der Basis Einsatzzentrale Logistik als zentrales Koordinierungs- und Steuerungselement für die logistische Leistungserbringung ist weiterzuentwickeln.

Die gelungene Verlegung großer Truppenteile unter Übungsbedingungen, die kontinuierliche logistische Unterstützung der übenden Truppe vor Ort sowie die gute Zusammenarbeit mit den multinationalen Partnern hat die derzeitige Ausbildung und Weiterbildung des logistischen Personals sowohl hinsichtlich seiner konzeptionellen Ansätze als auch hinsichtlich der neuen Ausrichtung der Ausbildung auf Landes- und Bündnisverteidigung bestätigt. Die frühzeitigen Koordinierungsbesprechungen mit den Movement Control Teams, verantwortlich für die Durchführung von Personal- und Materialtransporten, und den NATO-Partnern, haben sich bewährt. Sie waren ein Schlüssel zum Erfolg und trugen zu einem nahezu reibungslosen Deployment und Re-Deployment bei. Insgesamt hat das LogBtl 161 1.819 Container, 7.805 Rad- und 169 Kettenkraftfahrzeuge umgeschlagen und dabei in der Summe 47 Schiffe be- und entladen bzw. andere Nationen dabei unterstützt. Der internationale Erfahrungsaustausch führte auch auf dieser Ebene zu einer einheitlichen Sichtweise und bildet eine wertvolle Basis für zukünftige Übungen und Einsätze.

Es wurden aber auch Verbesserungs- und Weiterentwicklungspotenziale, und dies nicht nur in der Logistik, erkannt. So hat der Aufmarsch des deutschen Kräftedispositivs gezeigt, dass in einem Szenario der Bündnisverteidigung bereits in frühen Phasen (Phasen „Mount“ und „Deploy“) ein „Aufmarschführendes Kommando“ erforderlich ist. Die Zusammenziehung der Kräfte an den Aufkommensorten, die Verlegung von dort zu den jeweiligen See- und Flughäfen sowie die dann anschließende strategische Verlegung in den Einsatz- bzw. Übungsraum bringt bereits Aufgaben mit sich, die für die vergangenen und gegenwärtigen Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht im gleichen Maße erbracht werden mussten. Das Ziel einer abgestimmten Verlegung großer Mengen an Personal und Material binnen kurzer Zeit sowie die Gewährleistung einer jederzeitigen Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen der Bedrohungslage oder auf andere Herausforderungen erfordern eine einheitliche operative Führung der verlegenden Truppe bereits in diesen frühen Phasen.

TRJE 2018 hat gezeigt, dass sich multinationale Ansätze in der Logistik in Ergänzung zu nationalen Versorgungsprozessen bewähren. Hier ist zuvorderst die Kooperation in der JLSG zu nennen, die anteilig ausgewählten Unterstützungsleistungen in den Bereichen Umschlag, Transport sowie Kraftstoffbereitstellung für das gesamte multinationale Übungskontingent koordiniert und sichergestellt hat.

Abgestellte Straßentankwagen (STW) stehen am Betankungspunkt und Betriebsstoffumschlagplatz, betrieben durch den Nachschubzug Kraftstoff der 1. Kompanie des Logistikbataillons 172, im Camp des deutschen National Support Element (NSE).
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Vollständig national erfolgte hingegen die Versorgung der übenden Truppe mit Ersatzteilen. Hierfür konnte ein ambivalentes Fazit gezogen werden. Auch wenn sich die Verfahren und Prinzipien als leistungsfähig und tragfähig erwiesen haben, hat die Übung den hohen und vielfältigen Ersatzteilbedarf deutlich gemacht, den ein Kontingent dieser Größenordnung verursacht. Um den zum Teil schwer prognostizierbaren Bedarf zu decken, wurde durch LogKdoBw in Ergänzung zu den Ersatzteillagern vor Ort eine robuste und leistungsfähige Verbindung zwischen Einsatz- bzw. Übungsraum und Deutschland etabliert. Damit jedoch diese Verfahren volle Wirksamkeit entfalten und der im Einsatzfall, gegebenenfalls im Gefecht stehenden Truppe, Ersatzteile in kurzer Frist zur Verfügung gestellt werden können, ist die Logistik auf vorhandene Lagerbestände in der Zentrallogistik angewiesen. Der zentral in der Bundeswehr zu lagernde Bestand an Ersatzteilen ist den Forderungen für die Versorgung der Truppe in einem Landes- und Bündnisverteidigungs-Szenario anzupassen. Dies ist ein weiterer Anknüpfungspunkt für die Weiterentwicklung und Optimierung der logistischen Basis Inland als Rückgrat einer Operation eines Einsatzes im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung.

Insgesamt war TRJE 2018 – auch aus logistischer Sicht – ein voller Erfolg. Die logistischen Kräfte aus unterschiedlichen Verbänden der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis sind zu einem gemeinsamen Verband zusammengewachsen. Hierauf aufbauend wird das LogBtl UstgVbd auch die bevorstehenden Aufgaben für VJTF 2019 erfolgreich bewältigen können. Die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten waren eindrucksvoll und die Fähigkeit des logistischen Systems, Operationen dieser Größenordnung zu unterstützen, wurde nachhaltig unter Beweis gestellt.

 

Autor: Logistikkommando der Bundeswehr

 

PESCO – Network of LogHubs in Europe and Support to Operations

Anmerkung der Redaktion: Über die Kick-off Veranstaltung zu PESCO in Zypern berichteten wir bereits in unserem Newsletter April 2019. Link

  1. Einordnung

Das Projekt „Network of LogHubs in Europe and Support to Operations“ ist eines der priorisierten Projekte der ständigen strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) der Europäischen Union. Mit 15 teilnehmenden Staaten ist es nach „Military Mobility“ zweitgrößtes der zurzeit 34 Projekte. Es stammt aus der ersten PESCO-Welle vom März 2018 und stellt eine Synopse von ursprünglich drei unterschiedlichen Vorschlägen aus Deutschland, Frankreich und Zypern dar. Diese drei Nationen haben seither gemeinsam die Koordinierung des ambitionierten Vorhabens übernommen. Die Projektteilnehmer wollen, gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen sowie der Ägide von PESCO, ihre logistischen Fähigkeiten weiterentwickeln, Verfahren abstimmen und zusammen Wege finden, um den logistischen Herausforderungen der Zukunft besser gerecht zu werden. Es soll zudem auch der europäische Pfeiler innerhalb der Nato im Bereich der Logistik gestärkt und vor allem praktischer Nutzen gezogen werden. Leistungsstarke zumeist bilaterale logistische Zusammenarbeit existiert natürlich auch schon heute, gleichwohl beabsichtigen die beteiligten Nationen, diese Schritt für Schritt auf eine permanentere und strukturiertere Grundlage zu stellen. Die multinationale Abstimmung im Projekt verläuft derzeit vielversprechend. Zwei Drittel der Länder haben bei den letzten Expertengesprächen im Februar 2019 die Bereitstellung eines eigenen logistischen Beitrags angekündigt. Darüber hinaus plant die überwiegende Zahl der Teilnehmer ebenfalls die Nutzung von Leistungen der Partner und entsprechender Infrastruktur ein. Damit sind gute Voraussetzungen für die anstehenden Gespräche, Ende Juni 2019 in Frankreich, geschaffen.

 

Abbildung 1 – Verlegung © Bundeswehr/Marco Dorow

  1. Zielsetzung

Das Projektziel besteht in der Einrichtung eines europäischen Logistiknetzwerkes durch die gemeinsame Nutzung logistischer Einrichtungen oder auch Knoten (LogHubs) und in der gleichzeitigen Erweiterung der logistischen Kooperation der Partnernationen insgesamt. In einer schrittweisen Umsetzung soll ein Netzwerk aus verbindlich gesicherten logistischen Leistungen entstehen, welches im Zielzustand eine effiziente, verlässliche und für den Einsatz robuste logistische Unterstützung für die teilnehmenden Nationen gewährleistet. Die Komplementarität des Vorgehens im Rahmen des nordatlantischen Bündnisses und der Europäischen Union – Stichworte „single set of forces“, „Enablement of SACEUR‘s AOR“ – ist angelegt und ermöglicht dabei auch die Unterstützung betont ressortgemeinsamer Ansätze. Keine der beteiligten Nationen kann und wird es sich leisten können, Doppelstrukturen aufzubauen. Im Visier ist das gesamte Aufgabenspektrum, also die Unterstützung von Einsätzen, einsatzgleichen Verpflichtungen im Rahmen von EU sowie NATO, Assurance Maßnahmen und Übungen, genauso wie der multi- oder bi-nationale Grundbetrieb.

Abbildung 2 – Projektübersicht © Bundeswehr/LogKdoBw

Was bedeutet das nun konkret? Es geht im Kern darum, wie zukünftig mehr Vorteile aus gemeinsamer Nutzung von stationärer Infrastruktur und strategischen Verlegerouten gewonnen werden können, um:

  • Kräfte zeitgerecht gemäß den Vorgaben zu verlegen,
  • die Unterstützung bereits verlegter Kräfte zu verbessern und
  • Kräfte im Transit besser zu unterstützen.

Ein besonders geeignetes Anwendungsgebiet sind die Rotationen der VJTF und EUBG. Versorgungsgüter, Fahrzeuge und Gerät von Einheiten und Verbänden, insbesondere in multinationaler Einsatzgliederung, können in den Stand-by Phasen zentral in LogHubs gelagert, gewartet und für den Weitertransport bereitgehalten werden. Gleichzeitig können die strategischen Transportträger priorisiert und optimal beladen werden, um mehr Material in kürzerer Zeit in ein Einsatz- oder Übungsgebiet zu verlegen. Durch zukünftig vorgesehene Vorausstationierung werden die logistische Leistungserbringung multinational besser abgesprochen, Lasten geteilt, Verantwortlichkeiten frühzeitig festgelegt und insbesondere vorgegebene Verlegezeiten zweckmäßig eingehalten. Zur Verdeutlichung und Verwendung bei der multinationalen Gremienarbeit hat das Logistikkommando der Bundeswehr Daten der VJTF 2019, NRF- und EUBG-Rotationen unter signifikanter deutscher Beteiligung sowie Leistungsdaten der Übung TRIDENT JUNCTURE 2018 dezidiert ausgewertet und Vignetten logistischer Anforderungen modelliert. Dies ermöglicht, insbesondere bei der Beschreibung der Leistungsparameter des deutschen LogHubs, eine praxisnahe und nachvollziehbare Herleitung und schafft auch die Voraussetzungen für einen belastbaren militärischen Ratschlag für den deutschen Projektbeitrag.

Abbildung 3 – Torpedoverladung © Bundeswehr/Hermann

In den angesprochenen Anwendungsfällen bei Stand-by Verpflichtungen geht es zumeist um Landoperationen und Landsysteme. Eine dahingehende Reduzierung des Projekts greift aber viel zu kurz. In den Einrichtungen des Netzwerkes im Mittelmeerraum können beispielsweise Lenkflugkörper und Torpedos der Marinen der Partnernationen gelagert werden. Ein aufwendiger Luft- oder Seetransport entfällt und auch ein sehr kurzfristiger Auftrags- oder Missionswechsel seegehender Einheiten kann rasch unterstützt werden. Fristen und Wartungsarbeiten werden, ebenso wie bei der oben skizzierten Vorausstationierung, durch mobile Instandsetzungskommandos vorgenommen, wobei die erforderliche Infrastruktur in den jeweiligen LogHubs bereitzustellen sein wird. Weiterhin stehen Transporte aller Art in die Einsatzgebiete bzw. Aufkommensorte einsatzgleicher Verpflichtungen sowie Unterstützungs-leistungen im Zuge humanitärer Krisenlagen im Fokus. Der gemeinsam koordinierte strategische Transport aus den Hubs des Netzwerks in ein Einsatzgebiet trägt absehbar zur Verringerung der Kosten für die beteiligten Nationen bei. Weil es bei Logistik immer auch um Planung und Antizipation geht und es im Interesse der Nationen ist, die Anzahl der Unbekannten oder der Planungsannahmen in der Entwicklung von logistischen Plänen und Konzepten möglichst gering zu halten, sind dies Ansätze, die absehbar Mehrwert generieren und die Zielrichtung von PESCO deutlich unterstreichen.

  1. Was beschreibt einen LogHub im Sinne des Projekts?

Dieser Fragestellung hatte sich Deutschland bereits in einem ersten, rein nationalen ministeriellen Konzept angenommen, welches es nun mit den Projektnationen fortzuentwickeln und in das zu etablierende Netzwerk einzuweben gilt. Ein LogHub, bereits in gemeinsamer Definition der Projektteilnehmer, ist eine nationale logistische Einrichtung, die als Teil eines Netzwerks dauerhaft oder zeitlich begrenzt logistische Leistungen für andere teilnehmende Nationen anbietet bzw. erbringt, um logistische Bedarfe und Forderungen zu decken. Ein solcher Hub kann dabei durch multinationale Elemente temporär verstärkt werden.

Abbildung 4 – Was beschreibt einen LogHub © Bundeswehr/LogKdoBw

Die Elemente Lagerung, Transport, Umschlag und Materialerhaltung stellen die Grundfunktionalitäten dar, wobei nicht alle LogHubs jede Funktionalität werden bieten können oder müssen. Jedwedes Angebot der Nationen ist willkommen, um zunächst allen Nationen die sichtbare Beteiligung im Projekt zu ermöglichen, Erfahrungen und Erkenntnisse zu verdichten und somit die Hubs und das Netzwerk sukzessive bedarfsoptimiert und gemeinsam auszugestalten. Es wird durchaus möglich sein, dass einzelne Nationen auch Angebote über die beschriebenen Grundfunktionalitäten hinaus einbringen. Die LogHubs werden unter Hoheit der bereitstellenden Nation verbleiben, temporäre personelle Entsendungen der jeweiligen Nutzer sind wie angesprochen möglich. Die Örtlichkeiten orientieren sich an den Handlungsmöglichkeiten und dem Willen der jeweiligen Nation. Bewährte nationale logistische Systeme und ihre jeweiligen Prozesse werden beibehalten. An der robusten Folgeversorgung von Kräften im Einsatz wird nicht herumexperimentiert. Dieses sehen im Übrigen alle Projektteilnehmer so. Gleichwohl wird untersucht, IT-gestützte Verfahren und Web-Applikationen der Bedarfsträger und Anbietenden zweckmäßig zusammenzubringen sowie zu vernetzen, um insbesondere die Planung und Koordinierung logistischer Leistungserbringung der Projektnationen zu erleichtern.

  1. Multinationale Projektarbeit

Expertentreffen

Die ersten Expertengespräche Ende September 2018 in Berlin markierten den multinationalen Start des Projekts. Im Zuge dieser Auftaktveranstaltung konnte wesentlicher Informationsbedarf der Teilnehmer gedeckt und insbesondere der Netzwerkgedanke der LogHubs vermittelt werden. Die Einigung auf die gemeinsame Definition eines LogHubs war beispielsweise ein Ergebnis. Die aktive Teilnahme hochrangiger Vertreter des Militärstabes der Europäischen Union (EU MS) sowie der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) hat sich besonders bewährt und wird beibehalten.

Die Nationen deuteten bereits in Berlin an, sich aktiv einbringen zu wollen und logistische Dienstleistungen bereitzustellen, gleichwohl waren wenige Teilnehmer schon zu diesem Zeitpunkt mandatiert, konkrete Angebote abzugeben. Unabhängig von einem eigenen sichtbaren Beitrag, hat die Masse der Teilnehmer die Möglichkeiten und Chancen auch als Nutzer des Netzwerks erkannt, ein entscheidender Aspekt, wenn das Prinzip von Angebot und Nachfrage und die Erwartung eines lernenden Systems verwirklicht werden soll.

Abbildung 5 – Gruppenbild Expertengespräche © Bundeswehr/Schöne

Nachdem beim „Kickoff“ in Deutschland somit ein gemeinsames Projektverständnis erarbeitet und ein erster Zeitplan der Projektarbeit identifiziert worden ist, konnte bei den folgenden Gesprächen im Februar 2019 auf Zypern daran nahtlos angeknüpft werden. Die Tagung erbrachte zahlreiche Willenserklärungen der beteiligten Nationen hinsichtlich der Etablierung eigener LogHubs, so dass bereits jetzt deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmer mit logistischen Knotenpunkten im Netzwerk vertreten sein will. Darüber hinaus konnte mit Litauen der fünfzehnte aktive Teilnehmerstaat im Projekt begrüßt werden. Weitere und möglichst sichtbare Beiträge der beteiligten Länder, also zusätzliche Flaggenstöcke in der Welt der LogHubs in Europa, sind für die nächsten Gespräche in Paris angekündigt.

Arbeitspakete

Herzstück der Projektarbeit sind zurzeit sieben Arbeitspakete, die in einem multinationalen Ansatz gemeinsam bestritten werden. Die bereits in Berlin identifizierten Handlungsstränge sind in Limassol inhaltlich abgegrenzt und mit Zeitlinien verklammert worden. Damit liegen synchronisierte Meilensteine für die weitere Projektarbeit vor, deren Erreichbarkeit überprüfbar ist und darüber hinaus das jeweilige Engagement nachvollziehbar werden lässt. Die projektkoordinierenden Nationen übernehmen dabei Moderatorenaufgaben und haben jeweils zunächst eine erste Gestaltungschance. Eine detaillierte Vorstellung der einzelnen Pakete ist jetzt und hier entbehrlich. Worum geht es aber kurz und knapp bei den einzelnen Enden, die im Sinne der zu Beginn dargestellten Zielsetzung zusammengebunden werden sollen? Die Projektsteuerung beinhaltet zuvorderst das Management des Vorhabens und die Erstellung und Fortschreibung des Projektplans sowie die kontinuierliche Identifizierung von Regelungsbedarf.

 

Abbildung 6 – Multinationale Arbeitspakete © Bundeswehr/LogKdoBw

Darüber hinaus sind die Bezugspunkte und Abhängigkeiten zu anderen Projekten, wie z.B. „Military Mobility“ und mehreren EDA-Vorhaben, z.B. in den Bereichen Zollwesen, Gefahrgut und Grenzübertritte, kontinuierlich zu begleiten. Insgesamt gilt es in diesem Paket weiter aufmerksam und vernetzt zu bleiben, um bei den zahlreichen Initiativen und Projekten den Überblick zu behalten, Mehrarbeit weiter zu vermeiden und Chancen sowie Risiken frühzeitig zu erkennen. Im Aufgabenbereich Konzept sowie beim Thema Management werden Grundlagen, Einordnung und insbesondere die fähigkeitsorientierte Ausgestaltung der LogHubs und des Netzwerkes erarbeitet. Das Konzept wird letztendlich das gemeinsame Erklärstück und Referenzdokument bilden. Hier werden die Anknüpfpunkte für die etwaigen Verfahrensbeschreibungen und die IT-Werkzeuge der Durchführung der logistischen Leistungserbringung abzubilden sein. Ferner steht die Entwicklung eines Fähigkeitskataloges des Netzwerkes an, also was steht an logistischen Leistungen wo und wann zur Verfügung und spiegelt so die Beiträge der einzelnen Nationen wieder. Die durch Frankreich federführend übernommenen Pakete fokussieren auf Themenfelder im strategischen Transport. Zypern hat sich der Thematik der Finanzausstattung angenommen und betrachtet dabei solche Projektanteile, für die gegebenenfalls gemeinschaftlich bereitgestellte Finanzmittel eingesetzt werden können.

  1. Deutscher Beitrag

Als koordinierende Nation wird Deutschland seiner besonderen Verantwortung gerecht, indem es den deutschen LogHub in Pfungstadt/Hessen sowie darüber hinaus einen nationalen Zugangspunkt in Form eines Stabselements am Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven etabliert. Das sind Voraussetzungen, um Konzept, Narrativ und Vorleistung weiter glaubhaft präsentieren und so andere Nationen als Nutzer und/ oder Leistungserbringer gewinnen bzw. bestärken zu können.

Für das Leistungsspektrum und den Ertüchtigungsbedarf des DEU LogHubs gibt es keine Blaupause. Hier waren Logistikkommando der Bundeswehr und Logistikzentrum der Bundeswehr im engen Schulterschluss gefordert, tragfähige konzeptionelle Sollvorgaben zu erarbeiten, die Leistungsspektrum und Anforderungen quantifiziert beschreiben, um somit die planerischen Grundlagen für die Aufstellung des DEU LogHub zu legen.

Abbildung 7 – Aufwuchs deutscher Beitrag (c)Bundeswehr/LogKdoBw

Den vorgesehenen deutschen Beitrag kennzeichnet die Bereitstellung logistischer Leistungen in zwei Stufen: Ab 2020 werden Leistungen im Rahmen der Verlegung von Material in Einsatzgebiete, Übungsräume und im Zuge Einsatzgleicher Verpflichtungen sowie ab 2024 die Zwischenlagerung und Vorausstationierung von Material, insbesondere im Rahmen von Stand-by Verpflichtungen angeboten. Damit ist auch das Angebot an die Partnernationen verbunden, den Zugangspunkt in Wilhelmshaven für eigene Managementaufgaben im Netzwerk zu nutzen, sollte die Fähigkeit national noch nicht aufgebaut sein. Das sogenannte Joint Coordination Center kann so in die Lage versetzt werden, zunächst als Portal des deutschen LogHubs, so dann in multinationaler Perspektive, als möglicher „Trusted Agent“ des gemeinsamen Fähigkeitskataloges, in eine herausfordernde Aufgabe hineinzuwachsen. In diesem Themenbereich stehen zeitnah weitere Abstimmungen der teilnehmenden Länder an.

Abbildung 8 – Materiallager © Bundeswehr/R. Alpers

Durch das Erweitern des Auftrags des Bundeswehrdepots Süd am Standort Pfungstadt werden die dargestellten Funktionalitäten des deutschen LogHubs schrittweise aufgebaut und multinational zur Verfügung gestellt. Hierzu wird die Dienststelle mit Personal verstärkt, in den nächsten Jahren infrastrukturell in signifikantem Maß ertüchtigt und mit zusätzlichen Fähigkeiten ausgestattet, insbesondere für den multinationalen Materialumschlag.

Neben den unmittelbar mit dem deutschen LogHub verknüpften Ressourcen, werden auch die mittelbaren Bedarfe, konkret die Notwendigkeit zur Einrichtung von Kompensationslagerflächen, nicht aus dem Blick verloren. Die sich durch absehbare multinationale Verdrängungseffekte im bestehenden Materiallager Pfungstadt einstellenden Auswirkungen auf die ortsfesten logistischen Einrichtungen (oIE) der Bundeswehr, wurden untersucht und bei den Ableitungen für die zukünftige Ausrichtung „olE 2019+“ mitberücksichtigt.

  1. Schlussbetrachtung

Die Liste der am Projekt teilnehmenden Nationen ist lang und weitere Interessenten, welche die Projektschritte aufmerksam beobachten, sind vorhanden. Die reine Zahl der Partner allein, macht die Projektarbeit komplex, aber im besten Sinne interessant und gerade bezüglich des vielbeschworenen 360Grad Ansatzes umso glaubwürdiger. Nationen haben natürlich eigene Interessen, unterschiedliche Ressourcenlagen und spezielle logistische Bedarfe. Hinzu treten die jeweiligen nationalen logistischen Systeme mit ihren Verfahren und IT-Tools. Das alles unter einen Hut bzw. auf einen hohen gemeinsamen Nenner zu bringen ist nicht einfach, hat aber besonderen Reiz. Gleiches gilt für das Format PESCO, welches aufgrund der bindenden Verpflichtungen für die teilnehmenden Nationen eine andere Qualität und Verbindlichkeit als frühere Kooperationsformen hat. Drei Linien leiten die eigene Projektarbeit: Zunächst steht die Entwicklung von Fähigkeiten, die universell einsetzbar sind und das logistische System unabhängig von der Operation oder dem Einsatzort verbessern, im Vordergrund. Die Überzeugung, dass eine Duplizierung von Anstrengungen nicht zielführend ist, sondern, dass die Projektergebnisse Vorteile bieten müssen und so letztendlich zur Zielerreichung aller beteiligten Nationen beitragen, ist eine weitere Maxime. Schließlich muss das, was in der Projektarbeit verabschiedet wird, am Ende des Tages den Kräften im und für den Einsatz nutzen. Wenn das Netzwerk seine Zielstruktur eingenommen hat, kann es das verbindende Element als integraler Teil der Transportkette zwischen den entsendenden Nationen in jedwedes Einsatzgebiet darstellen – quasi von der strategischen Verlegung zur „Reception“.

Abbildung 9 – Das Netzwerk (schematisch) © Bundeswehr/LogKdoBw

Bis dahin steht allen Beteiligten am Projekt noch einiges an Engagement, Kompromissbereitschaft und vor allem Arbeit bevor. Auch hier gilt: „Miteinander reden hilft“ und genau dafür bildet dieses Projekt einer permanenten und strukturierten Zusammenarbeit in Europa einen fruchtbaren Boden und sehr ansprechende Perspektiven.

Autoren:

  • Oberst i.G. Henning Weeke, Fregattenkapitän
  • Frank Hallmann; Logistikkommando der Bundeswehr

Abbildungen: Bundeswehr

Der neue Customer Produkt Management (CPM) 2018 aus Sicht des Projektelements Logistik

Der neue Customer Produkt Management (CPM) 2018 aus Sicht des Projektelements Logistik und die Auswirkungen auf das Ausbildungszentrum Technik/Landsysteme (AusbZTLS)

1.  Änderungen zwischen CPM (nov.) und CPM 2018

Am 6. Juni 2018 wurde der neue CPM erlassen. Damit ist er nach dem Verfahren zur Entwicklung und Beschaffung von Wehrmaterial (EBMat), das bis zum Jahr 2001 galt, das vierte Verfahren, das zum Ziel hat, die Rüstung schneller und effektiver zu gestalten. Schon im Vorwort vom CPM (nov.) aus dem Jahr 2013 hieß es, dass sich „der …CPM grundsätzlich bewährt“[1] hat. Jedoch ist er in der konkreten Umsetzung “charakterisiert durch fehlendes Fähigkeitsmanagement, einen langwierigen Abstimmungs- und Entscheidungsprozess, zunehmende Beschaffungskosten, zersplitterte Verantwortlichkeiten und Kompetenzbereiche und daraus resultierend intransparente Prozesse und schwerfällige Kommunikationsstrukturen, immer noch zu langsam“[2]. Generell setzte der CPM (nov.) auf klare Verantwortlichkeiten, verbunden mit eindeutigen Entscheidungskompetenzen, einem weitgehenden Verzicht auf Mitzeichnungen und reduzierten Schnittstellen. Wesentlicher Schritt war die Einrichtung des Planungsamtes als einziger Bedarfsträger und der integrierten Projektteams (IPT), in denen alle Beteiligten an einem Tisch zusammenarbeiten und gemeinsam das Projekt voranbringen.

Der CPM 2018 bleibt auf dieser Linie und bringt Ergänzungen. Diese resultieren aus der Agenda Rüstung und nehmen die bisherigen Vereinfachungen, die durch Erlasse geregelt waren, in den CPM als Abweichungen vom Basisverfahren auf. Im Einzelnen sind das:

  • das Verfahren zur Beschaffung handelsüblicher IT-Technik,
  • das vereinfachte Verfahren für Beschaffungen bis 500.000,- €,
  • Sofortinitiativen für den Einsatz und
  • multinationale Projekte.

Zusätzlich wird die neue Schnittstelle durch die Errichtung des Organisationsbereichs (OrgBereich) Cyber- und Informationsraum abgebildet. Eine weitere wesentliche Änderung ist, dass die vorher eher nebenbei erwähnten Projektelemente alle ein eigenes Kapitel bekommen haben. In diesen werden konkrete Vorgaben für die Einbringung in das jeweilige CPM-Dokument gemacht.

2.    Projektelement Logistik

In den folgenden Ausführungen wird auf das Projektelement Logistik eingegangen, da dieses wie bisher auch das Hauptaugenmerk des Ausbildungszentrums Technik Landsysteme (AusbZTLS) ist. Allen Projektelementen gemeinsam ist, dass die Forderungen schon in das CPM-Dokument Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung (FFF) einzubringen sind. Im Kapitel Verfahrensübergreifende Anteile ist erwähnt, dass wesentliche Forderungen an die Logistik unter Beteiligung der fachlich zuständigen Stellen einzubringen sind. Für Landsysteme des Heeres wird dies durch das Amt für Heeresentwicklung (AHEntwg) mit den Bevollmächtigten Vertretern des Heeres (BV H) erarbeitet. Dies erfolgt amtsintern und bezüglich technisch-logistischer Forderungen wird das jeweilige CPM – Dokument an den Bereich Technik / Logistik des AusbZTLS zur Mitprüfung weitergeleitet. Dort ist die Fachexpertise gebündelt, um die technisch-logistische Beratung der jeweiligen BV aller OrgBereiche zu leisten. Für andere Landsysteme wird das AusbZTLS durch die BV der anderen OrgBereiche entsprechend beteiligt.

Weiterhin ist eine wesentliche neue Forderung, dass die nach dem CPM beschafften Lösungen alle „bruchfrei im Logistischen System der Bundeswehr (LogSysBw)“[3] abzubilden sind. Die Umsetzung ist in einem zum LogSysBw kompatiblen Projektbezogenem Logistischen Konzept (PLK) festzuhalten und fortzuschreiben. Außerdem wird auf weitere Regelungen zum Beispiel der Bereichsweisung „Ausplanung und Ausgestaltung des Projektelements Logistik verwiesen, in denen ergänzende Hinweise und Verfahren für das BAAINBw beschrieben sind.

Schon in den ersten Schritten in einem Projekt sind Forderungen an die Logistik zwingend aufzunehmen, um die Rahmenbedingungen festzulegen. Dies beginnt mit den Forderungen des Bedarfsträgers, der diese im Priorisierten Forderungskatalog festlegen muss. So kann es zum Beispiel erforderlich sein, um die Einsatzfähigkeit im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung sicherzustellen, dass die Instandsetzung eines Systems so weit vorn wie möglich sicherzustellen ist. Diese Forderungen haben Auswirkungen auf die auszuwählenden Lösungen und erhebliche Konsequenzen beim Abschätzen eines realistischen Finanzrahmens für die Beschaffung. Und somit werden schon in der Analysephase I erhebliche Auswirkungen auf den späteren Lebensweg des Produkts festgelegt. Umso wichtiger ist es, hier durch den Bedarfsträger realistische Forderungen aufzustellen, die später auch funktionieren können.

Für die Analysephase 2 ist explizit gefordert, dass bei der Erarbeitung der Lösungsvorschläge die jeweiligen Lösungswege unter Berücksichtigung der Logistik zu erarbeiten sind. Hier können auch die ersten Logistic Support Analysis beauftragt werden, um so Risiken und mögliche Kostentreiber früh zu identifizieren. Konkret heißt das, dass jeder Lösungsvorschlag mit einem eigenen PLK betrachtet werden muss. Bei dem Projekt HUSAR wurde dieses beispielsweise durchgeführt. Die Folgekosten bei Ankauf einer ausländischen Lösung nur mit Firmeninstandsetzung können eben deutlich anders sein als bei einer nationalen Lösung mit militärischer Instandsetzung. Daher ist es richtig, schon so früh die PLK zu erarbeiten und zu vergleichen.

In der Realisierungsphase ist das PLK fortzuschreiben und zu verfeinern. Im Rahmen der Integrierten Nachweisführung ist für die technisch-logistische Einsatzprüfung auf die Fachexpertise der technischen bzw. logistischen Schulen / Zentren der OrgBereiche und / oder anderer geeigneter Einrichtungen zurückzugreifen. Dies erfolgt durch die bzw. den jeweiligen BV OrgBereich im Rahmen des IPT.

Bild 1 (IPT)

Insgesamt ist festzustellen, dass der Anteil Logistik im CPM 2018 deutlich an Gewicht gewonnen hat und damit die Erfahrungen aus den Rüstungsprojekten der letzten Jahre eingeflossen sind. Dem Projektleiter (PL) und den BV der OrgBereiche werden zahlreiche Regelungen und Hilfen angeboten, um qualifizierte Aussagen zu treffen.

3.    Möglichkeiten des AusbZTLS bei der Zuarbeit im Projektelement Logistik / Projektbezogenen Logistischen Konzept

In der Analysephase Teil 1 wird durch das AusbZTLS die fachliche Kompetenz über den BV des künftigen Nutzers eingebunden. Auch im IPT bei den Entscheidungen zur Logistik wirkt das AusbZTLS beratend mit. Wohlgemerkt, beratend – die Entscheidungen werden durch die jeweiligen Verantwortlichen im IPT getroffen.

Bild 2 (CPM)

Es ist sinnvoll, bei der Erstellung des CPM – Dokuments FFF, das AusbZTLS in folgende Zuarbeiten einzubeziehen:

  • Beschreibung der Funktionalen Forderung mit dem SOLL-Nutzungsprofil entlang des Projektelements Logistik,
  • Forderung an die Verfügbarkeit der Fähigkeit,
  • Im Rahmen der Kostenabschätzung: Einbeziehen der technisch-logistischen Anforderungen aus den Projektelementen,
  • Zuarbeit beim Risikoabschätzung/-management,
  • Einbringen und Bewerten der logistischen Forderungen im Priorisierten Forderungskatalog.

Durch die Einbindung des AusbZTLS kann hier schon darauf hingewiesen werden, welche anderen Folgen bei einer bestimmten Entscheidung des PL berücksichtigt werden müssen. Wenn man sich beispielsweise für eine rein industrielle Instandsetzung entscheidet, bedeutet das im Umkehrschluss, dass eine größere Umlaufreserve vorzuhalten ist, da sich die Verfügbarkeit des Produkts reduziert. Ebenso sind dann Haushaltsmittel für das Halten der Fachexpertise in den Firmen vorzuhalten, damit auch nach einer mehrjährigen Nutzung u.a. bei technischen Problemen beraten werden kann oder Ausbildungen zum Beispiel nach Produktänderungen für die Truppe durchgeführt werden können.

In der Analysephase Teil 2 wird das Projektelement Logistik fortgeschrieben, ggf. verfeinert und für jeden Lösungsvorschlag ein PLK erstellt. Beim Erstellen der PLK hat das AusbZTLS einen erheblichen Anteil. Besonders wichtig ist die Umsetzung der „strategischen“ Entscheidung des PL in die Verfeinerungen eines PLK, um alle logistischen Punkte anzusprechen und zu bewerten. Durch die Einbindung der fachlich zuständigen Stellen durch den PL erfolgt somit die Bewertung der Lösungsvorschläge im Kontext von technisch – wirtschaftlichen und technisch – logistischen Abhängigkeiten. Das AusbZTLS kann bei den Lösungsvorschlägen Aussagen zur Nutzung unter den Aspekten Logistik, Personal und Ausbildung von Instandsetzungspersonal sowie der Infrastruktur aus logistischer Sicht beitragen. Hier können auch organisatorische Maßnahmen (z.B. Anpassung der Sollorganisation, neue Identifizierungsnummern im Tätigkeitsinformationsverfahren (TIV-Id)) einfließen. Damit ist die Basis für eine funktionierende Logistik gelegt.

Die Realisierungsphase erfordert vom AusbZTLS die Mitarbeit in den Gremien, die der Erstellung und Finalisierung aller produktspezifischen Konzepte dienen. Durch ständige Anpassung des PLK an die Änderungen, die sich im Rahmen der Realisierung ergeben, bleibt es aktuell und ermöglicht auch zukünftig eine Abschätzung der notwendigen Mittel zur Erreichung der Einsatzreife. Weiterhin können in amtsseitigen Untersuchungen auch schon einige Konzepte des jeweiligen Lösungsvorschlags früh betrachtet und bewertet werden, damit spätere, kostentreibende Änderungen vermieden werden. Die Umsetzung der Maßnahmen in den jeweiligen OrgBereichen der künftigen Nutzer wird durch die zuständigen BV veranlasst und überwacht. So ist die in der Regelung geforderte Einbindung der fachlich zuständigen Stellen durch den PL gewährleistet.

Im Rahmen der Integrierten Nachweisführung plant der PL die Prüfung einsatzwichtiger Funktionen unter Berücksichtigung des SOLL-Nutzungsprofils. Dazu dienen einerseits Leistungsnachweise des Herstellers, aber auch Untersuchungen an den Wehrtechnischen Dienststellen. Die Prüfung einsatzwichtiger Funktionen wird durch den künftigen Nutzer durchgeführt. Dazu gehören einerseits eine taktische Einsatzprüfung, aber auch eine technisch – logistische Einsatzprüfung. Die integrierte Nachweisführung bedarf einer genauen Planung und Vorbereitung. Hier unterstützt das AusbZTLS von der Ausgestaltung des Prüfprogramms bis zum Benennen der Voraussetzungen für die technisch – logistische Einsatzprüfung.

Für Landsysteme ist dies der Kernauftrag des Bereichs Technik / Logistik des AusbZTLS. Hier werden bei der Einsatzprüfung die logistischen Forderungen der FFF sowie die Verfeinerungen der Auswahlentscheidung bzw. des PLK mit dem gelieferten Produkt verglichen.

Die Prüfpunkte sind im Einzelnen:

  • Konstruktion und Prüfbarkeit,
  • Sonderwerkzeug, Meß- und Prüfmittel,
  • Ersatzteile,
  • Verpackung / Konservierung,
  • Hüllen und Transportcontainer,
  • Infrastruktur,
  • Instandsetzung– und Prüfanweisungen (dargestellt in der Interaktiven Elektronischen Technischen Dokumentation (IETD)) und
  • Darstellung in Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien (SASPF) und Softwarepflege und –änderung (SWPÄ).

Mit den Ergebnissen der Nachweisführung wird dem jeweiligen Inspekteur bzw. Präsidenten eine Empfehlung zur Übernahme des Produkts ausgesprochen. Dies ist unter anderem für den PL die Voraussetzungen zum Erteilen einer Genehmigung zur Nutzung und dient dem Feststellen der Einsatzreife.

Auch in der Nutzungsphase ist das AusbZTLS weiter in der Projekt- / Produktarbeit eingebunden. Die zu leistenden beratenden Tätigkeiten sind:

  • Koordinieren/Weiterführen der Bearbeitung der Projektelemente,
  • Maßnahmen zum Erhalt der Einsatzreife auch bei PÄ / PV und
  • Koordinieren der IHF-Maßnahmen in Abstimmung mit den BV.

Wie in allen anderen Fällen erfolgt die Einbindung durch die jeweiligen BV. Die dafür notwendigen Fachleute hält der Bereich Technik / Logistik vor, um auch bei schon lang eingeführten Produkten eine qualifizierte Bewertung abgeben zu können. Ist eine militärische Instandsetzung und somit eine Ausbildungsdurchführung am AusbZTLS vorhanden, sind auch im Bereich Lehre / Ausbildung Kenner der Produkte, die ebenfalls hinzugezogen werden. Durch diese Beratung hat der PL ein von der Firma unabhängiges Instrument zur technischen Bewertung.

4.    Zusammenfassung

Im neuen CPM wird die Bedeutung der Projektelemente deutlich stärker hervorgehoben. Der PL ist aufgefordert, zeitgerecht und sehr früh die fachlich zuständigen Stellen einzubinden und in die Projektarbeit zu integrieren. Dieses erfordert auch eine gründliche Planung der jeweiligen Arbeitsschritte. Aber bei einer entsprechenden Umsetzung wird die Logistik dann auch nicht mehr der „Bremsklotz“ und „Kostentreiber“ sein, als der sie oft empfunden wird.

Bei der frühzeitigen Berücksichtigung aller Voraussetzungen wird dann das Ziel aller Rüster erreicht werden: Der Truppe zum richtigen Zeitpunkt das benötigte Gerät einsatzreif zur Verfügung zu stellen.

Autor: Oberstleutnant Dipl.-Ing. Jörg-Peter Meier, Dezernatsleiter FüFä/Aufkl/EloKa am AusbZTLS, Ber Techn/Log

[1] CPM (nov.) vom 12.11.12

[2] CPM (nov.) vom 12.11.12

[3] A-1500/3, S. 71