Auswertung Kriege Dritter: Lernen für die Bundeswehr

Die systematische „Auswertung Kriege Dritter“ – das heißt Kriege ohne eigene Beteiligung – begleitet Streitkräfte seit Jahrhunderten. Sie schafft Verständnis für die Dynamik bewaffneter Konflikte und ermöglicht die Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten.

Carl von Clausewitz beschreibt diesen Zusammenhang eindringlich: „Im Kriege ist alles sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig.“ (Clausewitz, Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz, hg. von Marie von Clausewitz, 1832-34) Seine Aussage verdeutlicht, wie schnell grundlegende Abläufe unter realen Bedingungen an Grenzen stoßen und warum moderne Streitkräfte Krisen und Kriege aufmerksam beobachten müssen.

Lange war die Einsatzauswertung der Bundeswehr auf internationales Krisenmanagement, Einsätze im Inland und Übungen ausgerichtet. Missionen wie KFOR (NATO-Mission im Kosovo), ISAF (NATO-Mission in Afghanistan) oder MINUSMA (UN-Mission in Mali) sowie die Hilfeleistungen z.B. im Kontext des Starkregenereignisses im Ahrtal prägten Methodik und Fokus. Mit dem völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine änderte sich diese Grundlage. Das Bundesministerium der Verteidigung erweiterte den Auftrag der Einsatzauswertung um ein neues Handlungsfeld – die Auswertung Kriege Dritter – und führte dafür die operationelle Auswertung ein. Gemäß Osnabrücker Erlass liegt die Verantwortung für die fachliche Auswertung und Weiterentwicklung der Fähigkeiten in den Bereichen Logistik, ABC-Abwehr, Feldjägerwesen und Zivil-Militärische Zusammenarbeit bei den jeweiligen Fähigkeitskommandos.

Für den Bereich Sanitätsdienst trägt das Unterstützungskommando der Bundeswehr (UstgKdoBw) diese Verantwortung in enger Zusammenarbeit mit dem Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (KdoGesVersBw). Das UstgKdoBw nimmt hierbei eine besondere Rolle ein. Es sichtet und bewertet kontinuierlich rund 250 offene Quellen, analysiert Entwicklungen und leitet fähigkeitsbezogene Beobachtungen unmittelbar an die zuständigen Kommandos weiter. Querschnittliche Beobachtungen sowie alle sanitätsdienstlichen Aspekte werden im UstgKdoBw, im engen Zusammenwirken mit dem KdoGesVersBw, selbst ausgewertet und anschließend in konzeptionelle Prozesse überführt.

Ergänzt wird diese Arbeit durch die Einbindung in multinationale Auswertenetzwerke, die Teilnahme an internationalen Lessons-Learned-Konferenzen und den kontinuierlichen Austausch mit Partnern in NATO und EU. Auf diese Weise entsteht ein integriertes Lagebild, das Entwicklungen sowie internationale Erfahrungen verbindet und diese für die Weiterentwicklung der Bundeswehr nutzbar macht.

Drohnen – der neue Akteur im Gefechts- und Informationsraum

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Kämpfe im Nahen Osten zeigen, wie stark Drohnen das Gefechtsfeld verändert haben. Sie ermöglichen mit lückenloser Aufklärung die Erzeugung eines nahezu gläsernen Gefechtsfeldes mit permanenter Bedrohung durch präzise Waffenwirkung. Bewegungen, Materialströme und Verwundetenversorgung werden schneller erkannt und gezielt bekämpft. Besonders betroffen ist der Sanitätsdienst. Mehrfach wurde dokumentiert, dass kriegsvölkerrechtliche Schutzzeichen, wie z.B. das rote Kreuz, keinen Schutz bieten, sondern gegnerischen Kräften inzwischen eher als Orientierung dienen. Weiterhin ist zu verzeichnen, dass Drohnen gezielt zur Terrorisierung der ukrainischen Zivilbevölkerung genutzt werden.

Der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr hat deshalb auf die bestehende Regelungslage explizit hingewiesen: Truppenführer ab Brigadeebene können – nach Beratung mit dem Leitenden Sanitätsoffizier und dem Rechtsberater – das Abtarnen oder Nichtführen des Schutzzeichens anordnen, wenn dies aus militärischen Gründen erforderlich ist. Der völkerrechtliche Schutz bleibt bestehen, doch die Truppe erhält zusätzliche Handlungsspielräume für die Versorgung unter Bedrohung.

Parallel dazu zeigt die Auswertung, dass die Abwehr von Klein(st)drohnen weiterentwickelt werden muss. Drohnen wirken nicht nur an der Front, sondern prägen Logistik, militärpolizeiliche Einsätze, ABC-Abwehr und Sanitätsdienst im rückwärtigen Raum – ein zentrales Lernfeld der operationellen Auswertung. Erste Erprobungen im Unterstützungsbereich liefern Hinweise auf mögliche Verfahren und Mittel, ohne bereits konzeptionelle Festlegungen zu treffen. Auf operativer Ebene wird ein übergreifender Ansatz zur Drohnenabwehr entwickelt.

Soldatinnen und Soldaten werden immer wieder von Klein- und Kleinstdrohnen überrascht, hier soll das Projekt „Drohnenabwehr aller Truppen“ vom Cyber Innovation Hub der Bundeswehr Abhilfe schaffen. ©Bundeswehr/Denise Czaja

Der rückwärtige Raum als Teil des Operationsraums

Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass neben logistischen Knotenpunkten und Verkehrsinfrastruktur sowie insbesondere Energieanlagen auch Krankenhäuser gezielt angegriffen werden. Für das Bundesgebiet gilt:

• Die Rolle Deutschlands als Drehscheibe eines strategischen Aufmarschs von NATO-Kräften rückt in den Fokus des gegnerischen Interesses.
• Hubs, logistische Korridore und Patiententransportachsen benötigen erhöhten Schutz.
• Landes- und Bündnisverteidigung beginnt nicht erst an der Grenze, sondern bereits im Inland.

Die Übung BRAVE BLUE hat in den Jahren 2024 und 2025 diese Entwicklung praktisch bestätigt. Sie zeigte, wie anspruchsvoll es ist, logistische Systeme in einem potenziellen Einsatzland unter Nutzung begrenzt vorhandener Infrastruktur aufzubauen sowie gleichzeitig den Schutz gegen Drohnen und hybride Bedrohungen zu gewährleisten. Die dort gewonnenen Erkenntnisse fließen in nationale Logistikplanungen ein und werden durch die Prozesse sowie Methoden der operationellen Auswertung weiter begleitet.

Übung BRAVE BLUE, Erkenntnisse fließen in nationale Logistikplanungen ein. ©Bundeswehr/Susanne Hähnel

Die Rettungskette unter Kriegsbedingungen – was sich ändert

Bilder aus der Ukraine und aus urbanen Lagen im Nahen Osten verdeutlichen, dass die Rettungskette ein empfindliches, aber entscheidendes System ist. Hohe Verwundetenzahlen, zeitkritische Versorgung und ständige Bedrohung erfordern robuste, durchhaltefähige Strukturen. Drei Kernpunkte prägen in diesem Zusammenhang die Weiterentwicklung:

• Massenanfälle an Verwundeten: Szenare, in denen Deutschland im Rahmen der NATO-Patientensteuerung durchschnittlich um die 1.000 Patientinnen und Patienten pro Tag aus dem Einsatzraum übernimmt, sind realistisch. Die Bewältigung eines solchen Patientenaufkommens ist eine gesamtstaatliche Aufgabe und kann nur im Zusammenspiel von zivilen und militärischen Akteuren gelingen.
• Schutz und Struktur: Sanitätseinrichtungen werden zunehmend unterirdisch angelegt – in Kellerräumen, Schutzbauten oder improvisierten Deckungsräumen. Diese Praxis wird bereits in Ausbildungen, wenn möglich, abgebildet.
• Ausbildung und Verfahren: Die sanitätsdienstliche Ausbildung wird umfangreich erweitert. Ab 2026 erhöht sich die Anzahl der Stundenzahlen und Ausbildungsthemen der Ersthelfer- und Combat-Medic-Ausbildung deutlich. Um die Erstversorgung unter Bedrohung zu stärken, werden z.B. vermehrt Ausbildungsanteile aus der Tactical Combat Casualty Care (TCCC) vermittelt oder die Anwendung gewisser Medikamente zur Schmerzstillung schon im Bereich der Einsatz-Ersthelfer trainiert und verortet.

Aus diesen Erkenntnissen entstehen Konzepte beziehungsweise werden bestehende weiterentwickelt, wie beispielsweise für das Medical Component Command (MedCC) und die Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation (PaSTBO) in der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV), welche die gesamte Rettungskette von der Erstversorgung bis zur Rehabilitation als Verbundsystem betrachten.

Die Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation (PaSTBO) in der Landes- und Bündnisverteidigung. ©Bundeswehr

Logistik unter Bedrohung – Verlagerung in geschützte Räume

First Person View (FPV)-Drohnen, Artilleriewirkung und hybride Angriffe führen dazu, dass logistische Elemente in der Ukraine zunehmend in geschützte Bereiche verlagert werden: Tunnel, Tiefgaragen, verstärkte Unterstände und improvisierte Deckungsräume
Sie dienen nicht nur der Lagerung, sondern auch dem Aufenthalt von Personal und der geschützten Durchführung logistischer Abläufe. Der Unterstützungsbereich leitet daraus ab, dass geschützte logistische „Enklaven“ künftig in Hub-, Cluster- und Drehscheibenkonzepte integriert werden sollten.

Digitalisierung, verteilte Gefechtsstände und KI

Zeitgleich gewinnen verteilte, vernetzte Gefechtsstände an Bedeutung. Bei der Testreihe MULTIPLE HIGHLANDER wurden Clusterkonzepte erprobt, die Gefechtsstände bestehender Infrastruktur räumlich trennen, technisch härten und digital vernetzen. Diese Strukturen erschweren die Aufklärung und erhöhen die Führungsfähigkeit. Erste Anwendungen künstlicher Intelligenz für Lagebilder, Analyse und Planung wurden getestet. Sie zeigen Potenzial, erfordern aber weitere Erprobungen in größeren Übungsszenarien.

Zivile Partner als tragende Säulen der Gesamtstaatlichen Verteidigung

Die Erkenntnisse aus der Ukraine und dem Nahen Osten machen deutlich, dass die Bundeswehr allein die hierfür notwendigen militärischen Unterstützungskapazitäten im Inland bei einem LV/BV-Szenario nicht vorhalten kann. Das Einbringen erheblicher ziviler Ressourcen ist dringend erforderlich. Die Bundeswehr wird zum „supported command“. Die anerkannten Hilfsorganisationen (HiOrg), das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die Medizinischen Taskforces und das zivile Gesundheitswesen bilden tragende Säulen im Verbundsystem aus:

• Transport- und Behandlungskapazitäten,
• Katastrophenhilfs- und Zivilschutzstrukturen,
• Betreuungs- und Unterstützungsleistungen,
• Schnittstellen zu kommunalen und staatlichen Behörden.

Ohne diese zivilen Partner und deren angemessene Finanzierung im Frieden ist eine durchhaltefähige Rettungskette im Bündnisfall nicht realisierbar. Der Unterstützungsbereich bildet hierbei die Schnittstelle zwischen militärischen und zivilen Akteuren.

MEDIC QUADRIGA – Umsetzung der Lehren in der Praxis

Die Übung MEDIC QUADRIGA im ersten Quartal 2026 zeigt exemplarisch, wie Erkenntnisse aus der Auswertung Kriege Dritter praktisch umgesetzt werden. Sie bildet die gesamte Rettungskette eines LV/BV-Szenarios realitätsnah ab – von der Erstversorgung über Stabilisierung und Transport bis zur Behandlung in deutschen Traumazentren. Im Mittelpunkt stehen:

• das Medical Component Command des UstgKdoBw,
• die Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation (PaSTBO),
• die enge Zusammenarbeit mit HiOrg, BBK, Ländern, Kommunen und Kliniken.

MEDIC QUADRIGA verknüpft Erkenntnisse, konzeptionelle Weiterentwicklung und zivil-militärische Zusammenarbeit und zeigt, wie gesamtstaatliche Verteidigung in der Praxis funktionieren kann. Die Übung wird damit zum Blick in die Zukunft – nicht als theoretische Absicht, sondern als geübte Realität.

Trotz der sichtbaren Fortschritte zeigt die Auswertung ein wiederkehrendes strukturelles Muster: Erkenntnisse werden schnell gewonnen, doch ihre Umsetzung verlangt in vielen Bereichen mehr Zeit, als es die sicherheitspolitische Dynamik eigentlich erfordern würde. Dies wird insbesondere dort deutlich, wo einsatznahe Erfahrungen bereits belastbare Lösungen aufzeigen. So belegen internationale Fallstudien die Wirksamkeit transfusionsmedizinischer Verfahren wie der Vollblutspende oder innovativer Produkte wie Spray Dried Plasma, deren Einführung jedoch an umfangreiche Studienlagen, notwendige Zulassungsverfahren und ressortübergreifende Abstimmungsprozesse gebunden ist. Auch bei unbemannten Systemen sind operative Vorteile und Ausbildungsbedarfe klar erkennbar.

Die zeitgerechte Umsetzung wird jedoch durch geltende zivile Zulassungsbestimmungen, ausbildungsrechtliche Anforderungen und komplexe Beschaffungswege herausgefordert. In ähnlicher Weise zeigt sich, dass die politisch intendierte Beschleunigung im Rahmen der Zeitenwende zwar Orientierung gibt, die praktische Wirksamkeit jedoch maßgeblich von strukturellen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen abhängt. Unverändert wird zudem deutlich, dass das Handlungsfeld „Auswertung Kriege Dritter“ trotz der inzwischen gewonnenen Erkenntnisse noch nicht strukturell und personell hinterlegt ist. Die erforderlichen Analysekapazitäten werden weiterhin aus dem laufenden Betrieb abgedeckt, was fachlich gelingt, jedoch die Grenzen einer dauerhaften und systemisch verankerten Bearbeitung deutlich macht.

In der Gesamtschau wird damit deutlich, dass die Bundeswehr wesentliche Erkenntnisse frühzeitig generiert, ihre Überführung in Fähigkeiten jedoch an systemische Rahmenbedingungen geknüpft bleibt. Diese müssen perspektivisch weiterentwickelt werden, um Erkenntnisgewinn, Fähigkeitsentwicklung und Einsatzrealität langfristig wirksam zu verzahnen.

Fazit: Wer überleben will, muss den Himmel beherrschen

Die Auswertung Kriege Dritter hat sich zu einem zentralen und unverzichtbaren Instrument der Weiterentwicklung der Bundeswehr entwickelt. Sie zeigt, wie moderne Konflikte geführt werden, welche Fähigkeiten entscheidend sind und welche Strukturen widerstandsfähig sein müssen. Übungen wie MEDIC QUADRIGA machen sichtbar, wie diese Erkenntnisse bereits heute mit militärischen und zivilen Partnern umgesetzt werden. Der Ukrainekrieg verdeutlicht, dass Drohnen das Gefechtsfeld prägen, dass der rückwärtige Raum durch den technischen Fortschritt noch verwundbarer geworden und zusätzlich in den feindlichen Fokus gerückt ist.
Die Rettungskette muss als integriertes System gedacht werden. Logistik, ABC-Abwehr, Feldjägerwesen und Sanitätsdienst stehen in diesem Zusammenhang gleichermaßen vor großen Herausforderungen. Für die Bundeswehr bedeutet das, Schutz, Führung, Versorgung und medizinische Behandlung konsequent im gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Verbund weiterzuentwickeln.
Die zentrale Lehre lässt sich klar formulieren: Wer im modernen Gefecht überleben will, muss den Himmel beherrschen. Entscheidend ist die Fähigkeit, Luftüberlegenheit herzustellen und damit die Grundlage zu schaffen, um dimensionsübergreifende – letale wie nicht letale – Effekte wirksam einzusetzen. Erst diese Kontrolle ermöglicht es, eigene Kräfte zur Operationsführung zu befähigen. Dies schließt die Rettungskette vom Gefechtsfeld bis in das Heimatland ausdrücklich ein. Beide Faktoren prägen Durchhaltefähigkeit, Wehrfähigkeit und die Zukunft der Gesamtverteidigung Deutschlands.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Hardthöhen-Kurier, 28.05.2026, www.hardthoehenkurier.de

Autor: Autorenteam Unterstützungskommando der Bundeswehr

Loitering Munition: Truppe testet Kamikazedrohnen

Vier Kampfpanzer im Gelände finden und während der Fahrt mit Kamikazedrohnen angreifen: Diese Aufgabe galt es, beim zweiten Praxistest des Aufklärungs- und Wirkverbundes im April 2026 zu erfüllen. Eingesetzt wurden auch Soldatinnen und Soldaten, die ab 2027 mit der neuen Technik Teil der Brigade Litauen sein werden.

Fünf Monate nach dem ersten Test des Aufklärungs- und Wirkverbunds (AWV) im Dezember 2025 hat das Planungsamt der Bundeswehr das zweite Schießen auf dem Übungsplatz im thüringischen Ohrdruf durchgeführt. Der AWV ist ein System, bei dem Aufklärungsdrohnen und Systeme zur Bekämpfung intelligent zusammenarbeiten. Das Ziel dieser Vernetzung: den Gegner auf große Distanz mit den Aufklärungsdrohnen finden und umgehend mit der Loitering Munition (LM) bekämpfen. Mehr dazu finden Sie im Beitrag zu Loitering Munition.

Senkrecht in den Himmel geht es für eine der getesteten Varianten. So kann die Drohne auch auf engen Waldlichtungen oder in Häuserschluchten starten. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Damit der Aufklärungs- und Wirkverbund funktioniert, müssen nicht nur die einzelnen Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition jeweils für sich funktionieren, sondern auch als Gesamtsystem und unter Gefechtsbedingungen. Verbindendes Element der einzelnen Teilsysteme, die von unterschiedlichen Herstellern kommen und damit jeweils die hauseigene Software mitbringen, ist die bundeswehreigene Führungssoftware mit dem Namen Unmanned Management System (UMS).

Um die notwendige Einsatzreife dieses Gesamtsystems möglichst schnell zu erreichen, sei es notwendig, Praxistests wie in Ohrdruf gemeinsam mit den Herstellern durchzuführen, erläutert Tobias T., Leiter des Projekts im Planungsamt der Bundeswehr. Nur so sei eine zügige Fortentwicklung möglich, um den Aufklärungs- und Wirkverbund einsatzbereit in Litauen stationieren zu können. Dabei betont T.: „Dieses System wird nie fertig sein. Durch die rasante Entwicklung wird es ständig Updates geben, um die Teilsysteme zu verbessern und anzupassen. Entsprechend wurden die Kaufverträge auch gestaltet.“

Per Katapult wird eine weitere der getesteten Drohnen in die Luft befördert. Da dieser Start kaum Energie verbraucht, ist das System deutlich kompakter. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Ohne Datenverbindung kein Treffer

Verglichen mit der ersten Testung waren die Ansprüche an das gesamte System in Ohrdruf erheblich höher. Die Bediener kamen nicht von den Herstellerfirmen, sondern aus der Truppe. Dabei kannten einige der Soldatinnen und Soldaten das System erst wenige Tage und führten dennoch mehreren LMS gleichzeitig in der Luft. Erschwerend kam in der Übung hinzu, dass die Leopard-2-Panzer nicht standen, sondern in Fahrt getroffen werden sollten – natürlich ohne scharfen Gefechtskopf.

Ob Nebelkerzen oder Ausweichmanöver – die Panzerbesatzungen versuchen, kein leichtes Ziel zu bieten. ©Bundeswehr

Die Stellungen, aus denen die Drohnen auf dem hügeligen Gelände des Übungsplatzes in Ohrdruf gestartet wurden, waren nicht vorbereitet. Der Grund: Im Einsatzfall würden die Soldatinnen und Soldaten regelmäßig ihren Ort wechseln, um nicht selbst entdeckt zu werden. Das bedeutet, dass die gesamte Infrastruktur zur Sicherstellung der Datenverbindung im Gelände aufgebaut und betrieben werden musste. „Wir ziehen in Baumreihen, Scheunen und hinter Hügeln unter – ohne direkte Sicht auf das Zielgebiet. Das ist natürlich eine Herausforderung für die Datenlinks, die essenziell für das System sind. Entsprechend müssen wir lernen, wie wir damit umgehen, sowohl technisch als auch taktisch“, erklärt der Fachmann aus dem Planungsamt.

Mit den natürlichen Herausforderungen durch Gelände, Wetter und Entfernung war es aber nicht getan beim Schießen in Ohrdruf. Denn am Ende wird der Gegner alles dran setzen, sich vor den Angriffen der Kamikazedrohnen zu schützen. Ausweichmanöver der Panzerbesatzungen, Nebelkerzen und elektronische Gegenmaßnahmen stellten die Bediener und die Zielerfassungssoftware der LMS vor zusätzliche Herausforderungen.

Die Artilleristen, die mit dem AWV 2027 nach Litauen gehen, werden bereits jetzt eng mit eingebunden. Bis zu vier LMS führt ein Bediener an seiner Bodenkontrollstation gleichzeitig ins Ziel. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Arbeiten wie beim Schießen in Ohrdruf nachgewiesen mehrere unbemannte Systeme zusammen, könne man von einer Schwarmfähigkeit sprechen, die mit der weiteren Entwicklung des Aufklärungs- und Wirkverbunds immer stärker zum Tragen komme, so Oberstleutnant T. Am Ende sei hier die verfügbare Bandbreite der Datenverbindung der entscheidende Faktor.

Erste LMS-Batterie für Litauen

„Im Gegensatz zur klassischen Rohr- und Raketenartillerie können wir mit diesem Aufklärungs- und Wirkverbund über eine größere Entfernung schießen und auch fahrende Ziele bekämpfen“, erklärt Major Fabian S., Chef der ersten LMS-Batterie in der Geschichte der deutschen Artillerie. In dieser Funktion wird Major S. im kommenden Jahr mit seinen Männern und Frauen als 5. Batterie des Artilleriebataillons 455 der Panzerbrigade 45 in Litauen unterstellt werden. „Für uns ist es von großem Wert, so früh in die Entwicklung des AWVs eingebunden zu werden. Zum einen fließen unsere Rückmeldung direkt in die Weiterentwicklung ein. Zum anderen haben wir das Privileg, die taktischen Einsatzverfahren für das System mit zu entwickeln“, so der Batteriechef.

Vor dem Hintergrund der absehbaren Stationierung in Litauen sind die Erwartungen der Truppe auch entsprechend hoch. Eine große Reichweite, um den Feind möglichst tief im Raum zu bekämpfen sowie eine hohe Trefferquote seien unabdingbar, so Major S. Zudem müsse das System natürlich bei jedem Wetter funktionieren und auch unter hoher Belastung von den Soldatinnen und Soldaten sicher bedient werden können.

Neben der Batterie von Major S. wird das Artilleriebataillon 215 aus Augustdorf als zweiter Verband mit dem Aufklärungs- und Wirkverbund ausgestattet werden. Beide Batterien werden in ihren jeweiligen Bataillonen die klassische Rohrartillerie, bestehend aus Panzerhaubitzen 2000, ergänzen.

Bundeswehr nutzt Erfahrung der Ukraine

Dass die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Verteidigungskampf auch die Aufklärungs- und „Kamikazedrohnen“ nutzen, die für den Aufklärungs- und Wirkverbund vorgesehen sind, sei ein großer Vorteil, erklärt Oberstleutnant Tobias T. „Wir bekommen Einsatzberichte sowohl von den Unternehmen als auch von den ukrainischen Streitkräften. Das hilft uns natürlich sehr, wobei wir bei der Auswertung auch vorsichtig sein müssen, denn nicht immer sind alle Rahmenbedingungen wie Wetter oder Ausbildungsdauer der Bediener bekannt. Zudem unterscheiden sich die Systeme der Ukrainer in manchen Bauteilen zu denen, die wir kaufen.“

Eine Aufklärungsdrohne ist das Auge des AWVs. Ist ein Ziel gefunden, liefert sie Zieldaten und Bilder für die angreifenden Kamikazedrohnen. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Und auch mit Blick auf die Trefferquoten ist das tatsächliche Bild bei unbemannten Systemen trüber, als viele annehmen, die lediglich das Videomaterial aus der Ukraine von erfolgreichen Drohnenangriffen sehen. Das betreffe alle Systeme: sowohl billige FPV- Drohnen mit kurzer Reichweite als auch größere Systeme, betont der Fachmann vom Planungsamt. „Im Schnitt, über alle Systeme hinweg, können wir eine deutlich niedrigere Erfolgsquote erkennen. Umwelteinflüsse, elektronische Gegenmaßnahmen oder einfache Verbindungsabrisse sind an der Tagesordnung. Wenn der Aufklärungs- und Wirkverbund unter Gefechtsbedingungen mindestens eine Quote von eins zu vier erreiche – also eine von vier LMS ihr Ziel erreicht und auch tatsächlich zerstört – sei das gut, so die Einschätzung des Experten.

Aus dem mobilen Feuerleitstand heraus koordiniert die Führung der Batterie mithilfe des Unmanned Management Systems das Gefecht mit den Drohnen. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Der erste Verbund von vielen

Die Entwicklung dieses Aufklärungs- und Wirkverbundes ist für die Bundeswehr allerdings nur ein erster Schritt hin zu einer ganzen Reihe von AWVs auf verschiedenen Ebenen in der Verbandsstruktur des Heeres. So ist der AWV, der für die Panzerbrigade 45 in Litauen geplant ist, auch dezidiert für den Einsatz auf Brigadeebene vorgesehen. Daraus leiten sich beispielsweise die Anforderung der Reichweite ab oder auch die Kampfaufträge für die Batterie.

Daneben gibt es bereits Projekte für einen AWV auf Divisionsebene mit entsprechend höherer Reichweite sowie einen AWV für kurze Reichweite auf Bataillonsebene, wo auch eine neuartige Software zum Tragen kommt. Bei letzterem würden die Stückkosten pro LMS auch deutlich sinken, erklärt Oberstleutnant T. „Insbesondere die geforderte Reichweite und die Fähigkeiten sind es, die ein System teuer macht. Darüber hinaus zahlt auch die Produktionsmenge auf die Reduzierung der Stückkosten ein. Ein System wird dann günstig, wenn die notwendige Stückzahl erreicht ist, sodass die Produktion industrialisiert werden kann.“

Unterm Strich ist der Projektleiter aus dem Planungsamt zufrieden mit dem Schießen in Ohrdruf. „Wir haben große Fortschritte gemacht. Einige Probleme, die wir zuvor erwartet haben, sind allerdings auch so eingetreten. Daher haben wir bereits die kommenden Tests in diesem Jahr schon darauf ausgerichtet, diese zu beheben.“

Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 20.05.2026, www.bundeswehr.de

Autor: Ole Henckel

Kampf in der Zukunft – Wie das Heer zukünftig kämpft

Wie kämpft das Heer in der Zukunft? Wie stellt es sich dem Gefecht, um zu gewinnen? Das zeigt die Lehr- und Versuchsübung in der „Hauptstadt des Heeres“. In Munster führen Soldatinnen und Soldaten verschiedener Verbände vor, wie das Gefecht zukünftig aussehen wird und wie sie kämpfen, um zu gewinnen.

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster, der „Hauptstadt des Heeres“ zeigt, wie die Soldatinnen und Soldaten des Heeres in Zukunft kämpfen werden

Das Gefecht auf der Schießbahn 3 in Munster beginnt mit einem Surren. Dieses unverkennbare Geräusch ist ein bestimmendes Merkmal der „neuen“ Art zu kämpfen. Drohnen sind dabei längst nicht mehr nur Aufklärungsmittel, auch findet der Erstkontakt zum Gegner zukünftig meist unbemannt statt.

Eine Stimme aus dem Off erklärt zu Beginn der Übung die Phasen der Operationsführung.
„Erstens: Aufbau und dauerhafter Erhalt des eigenen Schutzschirmes durch vernetzte Sensorik, weitreichendes Feuer, Flugabwehr, Elektromagnetischen Kampf sowie KI-gestützte Datenverarbeitung.
Zweitens: Stören, Sättigen oder zeitweises Niederhalten des gegnerischen Schutzschirmes durch koordinierte Effekte aus allen Dimensionen.
Drittens: Die bewegliche Operationsführung, geprägt durch Feuer und Bewegung. In dieser Phase entscheiden Mobilität, Abstandsfähigkeit Duellfähigkeit und präzise Wirkung über den Erfolg des Gefechtes.“

Diese Anmoderation benennt das neue Strukturmerkmal auf dem Gefechtsfeld, den Schutzschirm und die sich überlagernden Schutzschirme der Konfliktparteien.

Neues Kriegsbild

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster verfolgen an mehreren Tagen der Bundeskanzler, der Verteidigungsminister und der Generalinspekteur, die Mitglieder des Verteidigungsausschusses, die Heeresführung und Schulkommandeure. Angereist sind auch Vertreter verschiedener Organisationsbereiche, forschender und testender Einheiten, des Cyber Innovation Hub und der Rüstungsindustrie.

Um die Sicherheit der NATO, Europas und somit auch Deutschlands stand es noch nie so ernst. Russland ist die Hauptbedrohung für den euro-atlantischen Raum. Es rüstet auf, in einem Tempo, das es so, noch nie gab. Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine wurden die russischen Streitkräfte massiv ausgebaut. Damit sind ebenfalls neue Militärstrukturen entstanden, die strikt gegen den Westen ausgerichtet sind. Zahlen wie 1,5 Millionen aktive russische Soldaten oder etwa 400.000 zum Einsatz gebrachte Drohnen im letzten Jahr in der Ukraine kennzeichnen diese Entwicklung.

Der Krieg in der Ukraine hat ein Kriegsbild gezeigt, auf das sich die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einstellen. Es wurden Technologiesprünge und folgend Entwicklungen sichtbar, denen das Heer folgt und die es vorantreibt. Zukünftig entscheidet in Kriegen die Beherrschung sehr großer Datenmengen auch über Sieg oder Niederlage. Künstliche Intelligenz nimmt dabei einen immer größer werdenden Raum ein.

Der Auftrag bleibt, der Kampf ändert sich

Der Auftrag bleibt, aber zukünftige Gefechte werden anders aussehen

Raum halten und Raum nehmen, auch gegen feindlichen Widerstand ist der unveränderte Kernauftrag der Streitkräfte. Doch wie dies geschieht, unterliegt einem strikten Wandel. Das Gefechtsfeld wird transparent. Lückenlos erfassen Aufklärungsmittel und Sensoren Bewegungen. Diese Informationen werden nahezu in Echtzeit verarbeitet. Somit erfolgt unmittelbar nach der Aufklärung der Waffeneinsatz. Die Zeit zwischen Erkennen und Bekämpfen schrumpft auf ein Minimum. Auch der massenweise Einsatz kostengünstiger vernetzter und häufig unbemannter Systeme verändert die Gefährdung der Soldatinnen und Soldaten signifikant. Zudem wirken Drohnen nicht mehr isoliert, sondern im Verbund. Mit dem Ergebnis, dass Sichtbarkeit zur Verwundbarkeit wird.

Der Schutzschirm ist zentral für die Operationsführung und vernetzt alle Ebenen, Aufklärung und Wirkung, vom Einzelsystem bis zum großen Gefechtsverbund. Er wird gespeist aus einer Vielzahl von Sensoren und arbeitet KI-gestützt. Aus allen Richtungen entsteht ein nahezu lückenloses Echtzeit-Lagebild. Bedrohungen werden sofort erkannt und die Soldaten reagieren. Allerdings hängt seine Schutzwirkung davon ab, wie schnell und korrekt riesige Datenmengen gewonnen und verarbeitet werden können. Es gilt der Grundsatz: Wer Informationen schneller gewinnt, verarbeitet und präzise in Wirkung umsetzt, gewinnt.

Der Schutzschirm wird Voraussetzung für das Gefecht

Sensorik und Schutzschirme sind die Grundlage für den Einsatz der Kampftruppe. Wer schneller Daten verarbeitet, transportiert und auswertet, gewinnt.

Dieser Grundsatz gilt aber auch für den Gegner, sodass ohne einen eigenen Schutzschirm auf dem Gefechtsfeld kaum Bewegungen oder Durchhaltefähigkeit möglich sind. Erst wenn der eigene Schutzschirm steht und der gegnerische Schutzschirm gestört oder zerstört ist, entsteht die Möglichkeit dem Gegner ernsthafte Verluste zuzuführen.

Das kleine Heidedorf inmitten der Schießbahn ist das strategische Ziel der Operation. Zum Aufbau des Schutzschirmes sind das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM sowie das Flugabwehrsystem Skyranger 30 in Stellung gegangen. Die Uranos KI-Ausstattung nutzt Drohnen, Bodenkontrollstationen und Künstliche Intelligenz. Sie sammelt Daten, die in der Luft und am Boden aufgezeichnet werden und erstellt ein Echtzeit-Lagebild. Die Aufklärungssysteme FALKE und Twister, die bodengebundene Drohne Gereon oder das unbemannte Kettenfahrzeug Themis tragen mit ihren Daten zum Schutzschirm bei. Parallel geht in Heidedorf der Roboter Ziesel mit dem adaptiertem Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystem MELLS in Stellung und bekämpft unbemannt die ersten gegnerischen Ziele.

Es gelten selbstverständlich die bisherigen Einsatzgrundsätze. So tragen auch weit vor Operationsbeginn eingesetzte Fernspähkräfte nach wie vor mit ihren Informationen dazu bei, den Schutzschirm des Gegners zu schwächen oder gar zu stören.

Feuer und Bewegung zur Entscheidung

Die Loitering Munition Systeme, sogenannte Kamikazedrohnen, ändern das Gefecht grundlegend. Vergleichsweise kostengünstig bekämpfen sie präzise gegnerischer Ziele auf sehr große Entfernung.
Wenn der Schutzschirm steht, schlägt die Zeit für die hochbewegliche Operationsführung. Angriffsschwung ist die Grundlage des Erfolges.

Die Entscheidung bringt nach wie vor der Kampf: Doch es gilt, den eigenen Schutzschirm aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Dieser Schutz wird zur Voraussetzung jeder Operation. Zusätzlich muss der gegnerische Schutzschirm gestört, niedergehalten, abgenutzt und schließlich durchdrungen werden. Aus „die letzten 100 Meter gehören dem Heer“ wird „die letzten 5.000 Meter gehören dem Heer“. Die gegnerischen Sensorsysteme sind gesättigt und der Schutzschirm des Gegners wird geschwächt – gute Voraussetzungen, um die Entscheidung im Kampf zu suchen.

In Munster gehen Geschütze der Artillerie in Stellung. Raketenwerfer MARS, Radhaubitze RC 155, Panzerhaubitze 2000 und der Mehrfachraketenwerfer PULS bereiten mit ihrem weitreichenden Feuer den Einsatz der Panzertruppen sowie der schweren Infanterie vor. Die abstandsfähigen Systeme schwächen den gegnerischen Schutzschirm aus sehr großer Distanz. Auch hier kommen neue Systeme zum Einsatz. Über Heidedorf fliegt die Loitering Munition, umgangssprachlich Kamikazedrohne mithilfe eines eigenen Antriebs in den Einsatzraum und kreist dort eine gewisse Zeit in der Luft. Eigene Sensoren und eine intelligente Software erkennen selbstständig Ziele und identifizieren einen feindlichen Kampfpanzer oder Gefechtsstand. Der Bediener entscheidet schließlich, das Flugobjekt samt Sprengladung gegen das Ziel einzusetzen. Auch ganze Drohnenschwärme werden zukünftig eingesetzt, um die Sensorik des Gegners zu stören, zu überlasten oder sogar zu bekämpfen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, eine schnelle Reaktionsfähigkeit sowie eine präzise Bekämpfung mit einer meist höheren Reichweite als Artilleriegranaten.

Mittlere und Schwere Kräfte mit Angriffsschwung

Der schwere Waffenträger Infanterie (gelbe Flagge) und der Radschützenpanzer Schakal (grüne Flagge) werden zukünftig in Gefechten zur Verfügung stehen

Die Ausweitung und Überlagerung der Schutzschirme folgen den Grundsätzen des Verzögerungsgefechtes, mal in Feind- oder die eigene Richtung mit fortwährendem Einsatz von Drohnen zur Aufklärung oder zum Kampf. Die Entscheidung über Sieg oder Niederlage sucht der militärische Führer jedoch im direkten Kampf, dazu werden Mittlere und Schwere Kräfte massiert mit Angriffsschwung und dem Willen zum Sieg eingesetzt: Feuer und Bewegung mit Aufklärung voraus.

Kampfpanzer Leopard und Schützenpanzer Puma stehen für Präzision und Schlagkraft. Panzergrenadiere wechseln in der Ortschaft ihre Kampfweise und bekämpfen den Gegner im urbanen Gelände. Die Leoparden kämpfen darüber hinaus auf große Entfernungen und sichern die Flanken. Weitreichende Feuerunterstützung aus einem gemischten Schwarm Kampfhubschrauber Tiger und dem leichten Kampfhubschrauber H145M zerschlagen auf große Entfernung den feindlichen Gegenstoß.

Das Gefecht um Heidedorf hat vielfältige Waffensysteme gezeigt, solche, die das Heer schon hat und solche, die in den kommenden Jahren in die Truppe kommen sollen. Systeme, die zusammen operieren, mit dem Ziel einen eigenen Schutzschirm aufzubauen, den gegnerischen zu durchdringen und im dynamischen Gefecht die Entscheidung herbeizuführen.

Wie das Heer künftig kämpfen wird, um gewinnen zu können, ist Ausgangspunkt und Triebfeder für den Weg, den es eingeschlagen hat. Mit dem Ziel das Heer neu aufzustellen. „Wir wissen, was wir dazu brauchen, wie wir uns dazu organisieren müssen und was wir dazu ausbilden müssen. Der Campaign Plan Heer 2035+ ist dafür der operative Handlungsrahmen“, so der Inspekteur.

Dynamische Schau neuer Aufklärungs- und Waffensysteme

Gepanzerte Verbände am Boden werden nach wie vor durch fliegende Verbände unterstützt und kämpfen im Verbund
Der GTK Boxer ist die bereits bewährte Plattform für die Mittleren Kräfte. Der Schakal (Hintergrund) vereint die GTK Plattform mit dem Waffenturm des Schützenpanzers Puma.
Der FALKE, ein ferngeführtes Aufklärungssystem, luftgestützt und für kurze Entfernungen trägt mit seinen Informationen zum Ausbau des Schutzschirmes bei
Auch für den Transport von Verwundeten werden bodengebundene Roboter eingesetzt
Waffenmix: Weitreichende Waffen, indirektes Feuer vom Boden oder aus der Luft, also Schlagkraft und Entschlossenheit sind der Schlüssel zum Erfolg
Pioniere unterstützen mit ihrer Panzerschnellbrücke Leguan das Gefecht. So können Gefechtsfahrzeuge Gewässer überqueren.
In zukünftigen Gefechten sind Drohnen in jeder Phase des Gefechts eingebunden. Sie sind geradezu allgegenwärtig.
Drohne, Roboter, Raketenwerfer: Wie das Heer kämpfen wird, steht im Campaign Plan 2035+
Der Boxer-Brückenleger kombiniert die hohe Mobilität und Geländegängigkeit des Boxer-Fahrmoduls mit dem Missionsmodul zur Verlegung von Brücken
Die Radhaubitze RCH 155 kombiniert Feuerkraft und Reichweite des Artillerie-Geschütz-Moduls mit dem Schutz und der Mobilität des Radpanzers Boxer
Die Aufklärungsdrohne Twister ist der Nachfolger des Systems ALADIN. Sie kann senkrecht aus dem Stand starten.
Die fernbedienbare Waffenanlage Midgard 40 hat die Granatmaschinenwaffe 40 Millimeter adaptiert

Erstveröffentlichung in YNSIDE, 30.04.2026

Bilder: ©Bundeswehr/Marco Dorow

Anforderungen an den Einsatz von Drohnen und Loitering Munition im Heer

Aktuelle Konflikte und Kriege werden zunehmend durch Unbemannte Systeme (UxS) sowie Loitering Munition (LM) geprägt (UxS ist eine übergreifende Bezeichnung für unbemannte Plattformen in allen Dimensionen: Land, Luft oder Wasser). Dies zeigt sich vor allem im Krieg Russlands gegen die Ukraine, bei der eine Mehrheit der Ausfälle und aller verwundeten und gefallenen Soldaten durch eben jene Systeme verursacht und taktische Erfolge auf beiden Seiten erzielt werden.

Mit der Operation „Spider Web“, bei der bewaffnete small Unmanned Aircraft Systems (sUAS, ≤ 25kg) durch bemannte Kräfte tief ins russische Hinterland verbracht wurden, errangen die ukrainischen Streitkräfte einen spektakulären Erfolg. Diese spezielle Taktik ist so alt wie das Trojanische Pferd – die hierfür eingesetzten Sensoren und Effektoren sind es jedoch nicht. In den vergangenen zehn Jahren haben unbemannte Dual-use-Produkte eine enorme technologische Entwicklung vollzogen. Hierdurch können beispielsweise einfache wie günstige bewaffnete sUAS mittlerweile strategische Langstreckenbomber mit einem erheblichen finanziellen Wert und langen Entwicklungs- wie Bauzeiten zerstören, noch bevor diese zum Einsatz kommen.

Diese nicht mehr ganz so neuen unbemannten Mittel der Kriegsführung haben also eine deutliche Relevanz. Jedoch haben weder UxS noch LM die Kriegsführung von Landstreitkräften revolutioniert. Vielmehr wird diese vor allem technologisch getriebene Entwicklung als Evolution verstanden, bei der UxS/LM als ein unterstützendes Mittel einen zusätzlichen Baustein in der Operation verbundener (bemannter) Kräfte darstellen.

Für die Beantwortung der zentralen Frage dieses Artikels – Welche Anforderungen werden an den Einsatz von UxS/LM im Heer gestellt? – ist es wichtig, einen begrenzenden Rahmen aufzustellen. Auch wenn die technologische Innovation bei UxS/LM rasant ist, wird für die Beantwortung der zentralen Frage davon ausgegangen, dass UxS/LM weder heute, noch in den kommenden 15 Jahren in der Lage sein werden, ganz ohne bemannte Kräfte vor Ort Raum zu nehmen und zu halten und damit die Kernkompetenz von Landstreitkräften abzubilden.

Bevor die Anforderungen an UxS/LM dargestellt werden, wird zunächst der Gefechtsraum der Zukunft (bis 2040) umschrieben. Dies soll dem Leser einen Eindruck vermitteln wie Landstreitkräfte in den kommenden 15 Jahren kämpfen werden und welche Rolle UxS/LM hierbei einnehmen. Diesem Gefechtsbild folgend werden anschließend entlang der Trends der Heeresentwicklung die Anforderungen für den Einsatz von UxS/LM hergeleitet. Abschließend werden hieraus wesentliche Folgerungen in einem Fazit zusammengefasst.

Gefechtsraum der Zukunft (bis 2040)

Bereits heute werden Operationen von Landstreitkräften durch Fähigkeiten dominiert, welche eine hohe Abstandsfähigkeit als gemeinsames Element aufweisen. Dies sind in der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) vor allem Sensoren und Effektoren der Luftverteidigung, des elektromagnetischen Kampfes sowie Aufklärungs- und Wirkungsverbünde (AWV) großer Reichweite, wie sie durch die Heeresaufklärungstruppe, die Artillerietruppe oder die Heeresflieger auf Divisions- und Korpsebene abgebildet werden.

Zusammenfassend tragen diese Fähigkeiten unter dem Begriff Anti-Access/Area-Denial (A2AD) zu einem operativen Effekt bei, der dem Gegner den Zugang zu einem Raum verwehrt beziehungsweise erschwert, indem eine Konzentration von Kräften ohne frühzeitige Aufklärung und Bekämpfung nicht mehr möglich ist. Der Gefechtsraum der Zukunft wird demzufolge nahezu transparent. Zukünftig wird das Ringen um diesen operativen Effekt die Operationen von Landstreitkräften bestimmen. Wer als erstes die A2AD-Fähigkeiten des jeweils anderen anhaltend niederringen kann, wird erfolgreich die Voraussetzungen für eine hochbewegliche Operation verbundener Kräfte auf der Ebene von Großverbänden schaffen.

Bild 1: Der Gefechtsraum der Zukunft ist nahezu transparent. © Bundeswehr/Terberger

Landstreitkräfte bringen hierbei ihre oben genannten Fähigkeiten auf der Divisions- und Korpsebene mittels des Targeting Prozesses auf der operativen und damit multidimensionalen Ebene ein. Zukünftig wird der AWV auf Divisions- und Korpsebene durch neue unbemannte Sensoren und Effektoren deutlich mehr Fähigkeiten in den Targeting-Prozess einbringen können und die Geometrie des Gefechtsfeldes auf allen taktischen Führungsebenen verändern, indem sie zu einer deutlich erweiterten Abstandsfähigkeit beitragen.

Auch auf der Ebene der Kampfbrigaden und darunter werden UxS/LM künftig dazu beitragen, einen gleichwertigen Gegner bereits auf Abstand und ohne Sichtkontakt abzunutzen, um das direkte Duell weitestgehend zu vermeiden bzw. hinauszuzögern. Zusammenfassend kann hieraus abgeleitet werden, dass der Erstkontakt mit einem gleichwertigen Gegner zukünftig weitestgehend unbemannt erfolgen wird.

Die eingesetzten bemannten Kräfte sollen von der Ausführung einfacher, monotoner und gefährlicher Aufträge („dull, dirty and dangerous jobs“) durch den Einsatz von Unmanned Ground Systems (UGS) und UAS entlastet werden. Darüber hinaus sollen sie bei der Versorgung mit Gütern (Munition, Betriebsstoff, Verpflegung und Materialtransport) sowie beim Transport von Verwundeten auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden.

Anforderungen von UxS und LM

Im folgenden Abschnitt werden entlang der Trends der Heeresentwicklung die Anforderungen an UxS/LM hergeleitet.

Robustheit: Durch den Einsatz von Mitteln des elektromagnetischen Kampfes durch gegnerische Kräfte kann die Verbindung zwischen Bediener und UxS/LM gestört oder unterbrochen werden. In Abhängigkeit von der Fähigkeit des Gegners, das elektromagnetische Umfeld (EMU) zu seinen Gunsten zu formen und damit eigenen Kräften die Nutzung des EMU zu verwehren oder einzuschränken, steigt der Bedarf an hochautomatisierten Funktionalitäten der UxS/LM.

Die Erhöhung des Schutzes bedeutet eine Erhöhung der Durchsetzungsfähigkeit eigener Systeme, gerade im Hinblick auf gegnerische A2/AD Maßnahmen. UxS/LM müssen in Abhängigkeit zum Auftrag bzw. zur Größe des Systems skalierbar geschützt sowie gegen einen elektromagnetischen Puls (EMP) gehärtet, die Navigations-Systeme resilient sowie GNSS (Global Navigation Satellite System) unabhängig ausgelegt, die Führungsanbindung verschlüsselt und störungsresilient ausgeplant sein.

Einfachheit (Betrieb, Wartung und Instandsetzung): In Bezug auf die Bedienung von UxS/LM muss auf die Standardisierung einer einheitlichen Ergonomie sowie der Benutzeroberfläche der Bodenkontrollstation hingewirkt werden. Die Bedienung muss intuitiv sein, um den Ausbildungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Umfangreiche Nachschulungen bei Systemupdates oder separate Lehrgänge für die Erstausbildung an verschiedenen Systemen sind möglichst zu vermeiden. Vielmehr muss eine Typeneinweisung möglichst dezentral im Verband erfolgen.

Um die logistischen Anforderungen möglichst gering zu halten, gilt es, die Bandbreite der in die Streitkräfte eingeführten Plattformen möglichst gering zu halten, um so eine zu große Vielfalt und Komplexität an instand zuhaltenden UxS zu verhindern und die Versorgbarkeit einzelner Module bzw. Instandhaltung auch unter Gefechtsbedingungen sicher gewährleisten zu können. Nur so kann gewährleistet werden, dass bereits beschaffte Systeme den Innovationszyklen im Gefechtsraum folgen können und damit effektiv und für Truppe verfügbar bleiben.

Autarkie: Die Bundeswehr muss Eigentümer der Systeme sein. Bei Innovation von Hard- sowie Software und in Bezug auf die anfallenden Daten muss die Bundeswehr unabhängig von den ursprünglichen Herstellern den Weiterentwicklungszyklen schnell folgen können. Hierfür bedarf es maximaler Flexibilität und der Vermeidung von herstellergebundenen Insellösungen. Die Bundeswehr muss bspw. selbst bestimmen dürfen, welche Anwendungen im Rahmen einer offenen Systemarchitektur auf UxS/LM aufgespielt werden oder welche Gefechtsköpfe samt Zünder verwendet werden, ohne dafür gleich ein komplett neues System beschaffen zu müssen.

Abstandsfähigkeit: Wie bereits bei der Umschreibung des Gefechtsfelds der Zukunft dargestellt, kommt der Abstandsfähigkeit zukünftig eine Schlüsselrolle zu. Mit dem Einsatz von UxS/LM im Rahmen eines AWV muss es grundsätzlich möglich sein, die Aufklärungsreichweiten und -dichten zu vergrößern und die Präzision und Wirkungsreichweite, insbesondere gegen bewegliche Ziele, zu erhöhen, um den Kampf auf Abstand zu führen und damit Wirkung in der Tiefe (WidT) zu ermöglichen.

Bild 2: Gesamtsystem PD-100 Black Hornet: zwei UAS, eine Bodenkontrollstation sowie ein Auswertemonitor. © Bundeswehr/Neumann

Hierbei entstehen auf den unterschiedlichen taktischen Führungsebenen in Bezug auf zu erzielende Reichweiten (Siehe Grafik 1) ungleiche Anforderungen für Sicht- und Datenverbindungen. Je größer die Reichweite, desto häufiger wird es keine direkte Sicht- oder Datenverbindung (Line of Sight (LOS)) geben können. Teilweise kann die Sicht- und Datenverbindung durch Hindernisse temporär unterbrochen werden (Non-Line-of-Sight, NLOS). Hier müssen UxS/LM durch Automatisierung einsatzfähig bleiben. Bei großen Reichweiten außerhalb einer dauerhaften direkten Sicht- und Datenverbindung wird indirekte Funkkommunikation mittels Repeater, Satellit oder ähnlichem sichergestellt (Beyond Line of Sight, BLOS).

Automatisierung: Der Einsatz von UxS/LM bedingt sowohl in der Steuerung der Systeme als auch in der Verarbeitung der Sensordaten den vermehrten Einsatz spezialisierter und effizienter Softwareunterstützung zur Automatisierung. Ob die Automatisierung durch den Einsatz von klassischen Algorithmen und Verfahren der Datenanalyse erfolgt oder durch die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI), deren Modell zum Beispiel durch maschinelles Lernen erstellt wurde, ist in Abhängigkeit von den Eingangsdaten und den benötigten Ausgangsdaten zu entscheiden.

Um dem erhöhten Datenaufkommen Rechnung tragen zu können und den Einsatz von UxS/LM auch in einem umkämpften EMU zu gewährleisten, muss die Datenreduktion bzw. Auswertung/Klassifizierung von Sensordatensätzen bereits auf dem UxS/LM, also nah an der Datenquelle, erfolgen (Edge-Computing). Es sind nur Daten oder Informationen zu übertragen, die für die Weiterverarbeitung beziehungsweise für die Bewertung des Lagebildes zwingend erforderlich sind (zum Beispiel vorausgewertetes Standbild/Videosequenz).

Gleiches gilt für die Steuerung und Überwachung der UxS/LM. Hier sind soweit möglich standardisierte Schnittstellen und Datenformate zu nutzen. Um zukünftig mehrere UxS/LM durch einen Bediener gleichzeitig im Schwarmeinsatz bedienen beziehungsweise kontrollieren zu lassen, um beispielsweise die A2AD-Fähigkeiten eines gleichwertigen Gegners zu übersättigen, bedarf es insgesamt hochautomatisierter Systeme. Jedoch bleibt der Mensch auch zukünftig verantwortlich, einzelne Systeme oder einen Schwarm von UxS/LM in bestimmten rechtlichen sowie operativen Grenzen zum Einsatz zu bringen.

Virtualisierung: Um den Einsatz von Algorithmen oder KI verantworten zu können, bedarf es einer digitalen Simulation. Eingesetzte KI-Software muss den Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit genügen sowie für den Einsatz zertifiziert und freigegeben sein. Ein selbstständiges Weiterlernen auf dem UxS/LM ist somit ausgeschlossen und aufgrund der beschränkten Rechenleistung sowie der verfügbaren Energie nicht effizient. Entwicklung, Anlernen, Überprüfung und Zertifizierung von KI-Software sind zeit-, daten- und rechenintensiv. Daher ist ein möglichst breiter Einsatz einer KI-Software auf den genutzten UxS/LM anzustreben. Zudem sollten umfangreiche Teile der praktischen Ausbildung der Bediener von UxS/LM digital simuliert werden.

Vernetzung: Jedes UxS/LM muss in der Lage sein, sich aufwandsarm und „on demand“ in den Informations- und Kommunikationsverbund Land (IuKVbuLa) zu integrieren. UxS tragen als Relais dazu bei, den IuKVbuLa flächendeckender und resilienter auszubringen (Netzverdichtung und Reichweitenerhöhung).

Bild 3: Subsysteme einer Loitering Munition. © AMDC/Seitschek

Agilität: UxS müssen mit der operativen Geschwindigkeit der Truppengattungen, die sie zum Einsatz bringen, schritthalten können. Daher werden bisher vorwiegend UAS und LM im bodennahen Luftraum zum Einsatz gebracht. UGS zur unmittelbaren Kampfunterstützung müssen so konzipiert sein, dass sie bspw. den Panzertruppen selbstständig in der geforderten Geschwindigkeit und Geländegängigkeit folgen können.

Interoperabilität: Bereits bei Beschaffung von UxS/LM ist auf eine internationale Standardisierung zu achten, um den Einsatz dieser Systeme im Rahmen von LV/BV aber auch im Internationalen Krisenmanagement (IKM) zusammen mit Bündnispartnern handhabbar zu machen. Eine isolierte Integration in ein nationales Mesh-Netzwerk führt schnell zu einer unklaren Lage und ggf. zum Abschuss durch bspw. Counter-UAS/Counter-LM Systeme verbündeter Partner. Standardisierte Schnittstellen und Datenformate sind international abzustimmen.

Kaltstartfähigkeit: Die Ukraine setzt derzeit weit mehr als 1.000 UAS/LM verschiedener Kategorien pro Tag ein. Nicht alle Systeme sind Hightech-Systeme zur Durchführung komplexer Missionen, die Wirkung in der Tiefe des Gegners erzielen. Quantität und damit Masse wird vor allem durch Lowtech und damit auch Lowcost Systeme erzielt. Hieraus lässt sich ableiten, dass es einer Mischung aus High- und Lowtech-Systemen bedarf.

Nimmt man den täglichen Verbrauch der ukrainischen Streitkräfte als Maß, wird schnell klar, dass selbst bei einem Vorrat für nur 30 Gefechtstage eine niedrige fünfstellige Anzahl an sUAS/LM ständig in den Beständen der Bundeswehr allein für das Heer vorgehalten werden muss. Darüber hinaus muss die Industrie in der Lage sein, die Produktion im Sinne einer Kaltstartfähigkeit ebenso schnell auszuweiten.

Da im Verteidigungsfall zu erwarten ist, dass es zu Engpässen bei dem Zukauf von zum Beispiel Batterien oder Motoren für LMS seitens der Industrie kommt, müssen diese über entsprechende Vorräte im Vorhinein verfügen. Hierfür bedarf es entsprechender Vorhalteverträge mit der Bundeswehr, um Sicherheiten für die Industrie zu schaffen. Fest verbunden mit der Forderung zu Quantität ist eine Grundbefähigung zum Fliegen von sUAS/LM aller Soldaten des Feldheeres. Andernfalls kann das Feldheer die Masse der Systeme in einem Verteidigungsfall gar nicht zum Einsatz bringen.

Fazit

Die Rolle von UxS/LM auf dem Gefechtsfeld der Zukunft und die daran geknüpften Anforderungen zeigen ein vielfältiges und komplexes Bild. Um diesem umfangreichen wie auch vielfältigen Bedarf Herr zu werden, bedarf es einer Familie verschiedener UxS/LM für unterschiedliche Zwecke in allen Dimensionen. Hierbei ist dem modularen Plattformgedanken verstärkt Rechnung zu tragen, vergleichbar mit dem MOSA (Modular Open System Approach) Prinzip der U.S. Army. Zwar gilt es nun schnell zu sein und markverfügbares Material zu beschaffen.

Jedoch ist im gleichen Maße auch darauf zu achten, dass das Feldheer nicht mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme überlastet wird: Ausbildung, Betrieb, Wartung und Instandhaltung sowie Integration in den IuKVbuLa sind an Standards auszurichten. Wesentlich für das Erreichen dieses übergeordneten Ziels ist die Definition von Schnittstellen und Datenformaten im Rahmen einer offenen Architektur, um eine modulare Konzeption von UxS/LM entlang einzelner Subsysteme des UxS/LM zu entwickeln (Bild 3).

Erstveröffentlichung im Hardthöhenkurier, 13.01.2026, www.hardthoehenkurier.de

Autor: Oberstleutnant Bernd Terberger

 

Mercedes-Benz Zetros, der erste Fahrzeugtyp, den ARX Robotics mit digitalen Systemen ausstatten wird. Blauer Bund

Daimler Truck und ARX Robotics planen Partnerschaft im Bereich Defence-Mobilität

  • Partnerschaft für digitale Vernetzung und damit höhere Einsatzfähigkeiten im Defence-Fahrzeugbereich.
  • KI-Software-Integration: Betriebssystem von ARX Robotics soll digitale Fähigkeiten der Fahrzeuge von Mercedes-Benz Special Trucks erhöhen.
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie durch Innovationspartnerschaften.

Leinfelden-Echterdingen / München – Daimler Truck und ARX Robotics, eines der führenden Unternehmen für unbemannte autonome Landsysteme mit Sitz in München, planen eine strategische Partnerschaft. Hierfür haben die Unternehmen nun eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist, gemeinsam die nächste Generation der digitalen Entwicklung im Bereich militärischer Fahrzeuge voranzutreiben.

Die Unternehmen wollen künftig Robotik- und KI-Technologien von ARX Robotics in Fahrzeugplattformen von Daimler Truck integrieren und so eine höhere Vernetzung, Einsatzfähigkeit und Effizienz der Fahrzeuge erreichen. Speziell die militärischen Fahrzeugvarianten der Baureihen Unimog und Zetros, die die Organisationseinheit Mercedes-Benz Special Trucks in Wörth am Rhein entwickelt, produziert und vertreibt, sollen durch Sensorik- und Software-Module und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für ein breiteres Aufgabenspektrum befähigt werden können. Im Vordergrund steht dabei neben der Vernetzung die Bedienung durch Teleoperation und das autonome Fahren im freien Gelände. Die neuen digitalen Möglichkeiten basieren auf dem innovativen Mithra OS-Betriebssystem von ARX Robotics. In enger Zusammenarbeit wollen die beiden Unternehmen die Technologie basierend auf Erfahrungswerten stetig weiterentwickeln.

V.l.n.r.: Daniel Zittel, Head of Defence Sales, Mercedes-Benz Special Trucks; Marc Wietfeld, Mitbegründer und CEO von ARX Robotics. Daimler Truck und ARX Robotics planen Partnerschaft im Bereich Defence-Mobilität blauer Bund
V.l.n.r.: Daniel Zittel, Head of Defence Sales, Mercedes-Benz Special Trucks; Marc Wietfeld, Mitbegründer und CEO von ARX Robotics.
Daimler Truck und ARX Robotics planen Partnerschaft im Bereich Defence-Mobilität

Daniel Zittel, Head of Defence Sales, Mercedes-Benz Special Trucks: „Derzeit investieren und wachsen wir im Defence-Bereich, um Kundenbedürfnisse noch besser zu erfüllen und spezialisierte Lösungen für militärische Aufgaben anzubieten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ARX Robotics, einem der führenden Startups für autonome Bodensysteme. Digitalisierung und KI werden eine Schlüsselrolle im Verteidigungsbereich spielen, insbesondere bei der Cyberabwehr, der Verteidigungslogistik und der internationalen Zusammenarbeit.“

Marc Wietfeld, Mitbegründer und CEO von ARX Robotics: „Die Zukunft von Landstreitkräften ist softwaredefiniert, denn nur so können sie im Bedarfsfall eng vernetzt agieren. Moderne Fahrzeuge sollten deshalb die aktuellen Software- und KI-Module aufnehmen können, um auch weiterhin ein effizienter Teil der NATO-Streitkräfte zu sein. Die Lösungen von ARX Robotics können in Verbindung mit den Offroad-Fahrzeugen von Mercedes-Benz Special Trucks für deutlich mehr Effizienz im Defence-Fahrzeugbereich sorgen. Unser geplantes Gemeinschaftsprojekt verfolgt einen europäischen Ansatz und zielt darauf ab, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie zu stärken.“

 

Integration des Mithra OS-Betriebssystems in Zetros und Unimog

Die Fahrzeugflotten sollen durch Ausstattungserweiterungen und die Integration des Betriebssystems Mithra OS die Fähigkeit erhalten, sich mit anderen softwaredefinierten Systemen, wie beispielsweise kompatiblen Fahrzeugen oder Drohnen, zu vernetzen. Das vereinfacht ein koordiniertes Vorgehen der verschiedenen Einheiten. Besonders wichtig ist das bei sogenannten Multi-Domain-Operationen, also Einsätzen bei denen gleichzeitig am Boden und in der Luft agiert wird.

Missionsplanungs- und Operationstablet von ARX Robotics. Blauer Bund
Missionsplanungs- und
Operationstablet von ARX Robotics

Technologisches Kernstück ist der ARX Core, die zentrale Computing- und Networkingeinheit, die in den Fahrzeugen verbaut werden soll und die Einbindung von verschiedenen Sensoren, Kameras und Funksystemen unterstützt. Damit ist Objekterkennung und schnelle Datenerfassung und -übermittlung in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz möglich. Die Fahrzeuge sollen dadurch beispielsweise in die Lage versetzt werden, autonom den besten Weg im Gelände zu einem definierten Standort zu finden, Minenräumungen ferngesteuert durchzuführen oder Verletzte aus Risikobereichen zu evakuieren, ohne dabei Besatzungsmitglieder in Gefahr zu bringen.

In einem ersten Schritt werden gemeinsame Prototypen vom Typ Mercedes-Benz Zetros mit den digitalen Systemen von ARX Robotics ausgestattet. Nach der technischen Implementierung in das Gesamtfahrzeug wollen die Partner unterschiedliche Einsatzszenarien erproben und weitere Fahrzeugtypen, wie beispielsweise auch den Unimog, für umfassende Vernetzung, Teleoperation und autonomes Fahren im freien Gelände befähigen.

Mercedes-Benz Zetros, der erste Fahrzeugtyp, den ARX Robotics mit digitalen Systemen ausstatten wird. Blauer Bund
Mercedes-Benz Zetros, der erste Fahrzeugtyp, den ARX Robotics mit digitalen Systemen ausstatten wird.

Auch Nachrüstung bestehender Flotten möglich

Um zur Erneuerung der NATO-Fahrzeugflotte bestmöglich beizutragen, verfolgen ARX Robotics und Mercedes-Benz Special Trucks den Ansatz, bestehende und neue Fahrzeuge gleichermaßen mit digitalen Fähigkeiten auszustatten, beziehungsweise diese nachzurüsten. Das zweigleisige Vorgehen ermöglicht eine schnellere Umsetzung der Modernisierung und eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen.

 

Über ARX Robotics

ARX Robotics ist eines der führenden deutschen Defense Tech-Startups. Das Unternehmen entwickelt autonome unbemannte Bodensysteme mit skalierbaren Hardwarekomponenten und Softwarearchitekturen. Mit seinen innovativen, modularen Plattformen nutzt ARX Robotics Software-Defined Defence und Robotik um Produktivität, Effizienz und Sicherheit in verschiedenen Branchen neu zu gestalten. Mit seinem System ARX Mithra OS digitalisiert ARX bestehende militärische Systeme und Fahrzeugflotten und transformiert sie in Software- und KI-gestützte, vernetzte System. ARX-Systeme werden derzeit von sechs europäischen Streitkräften beschafft oder getestet. ARX Robotics wird von renommierten Investoren wie Project A Ventures und dem Nato Innovation Fund unterstützt.

 

Über Mercedes-Benz Special Trucks

Innerhalb des Gesamtkonzerns Daimler Truck ist Mercedes-Benz Special Trucks als Geschäftsbereich für Sonderfahrzeuge verantwortlich für das Defence-Geschäft sowie unter anderem für die Segmente Feuerwehr und Katastrophenschutz. Mercedes-Benz Special Trucks bietet vom hochgeländegängigen Unimog und Zetros über die Lkw-Baureihen Atego, Actros und Arocs bis hin zu Schwerlastzugmaschinen eine große Bandbreite an Komplettfahrzeugen für militärische Anwendungen an. An den Produktionsstandorten in Wörth am Rhein und Molsheim (Frankreich) produziert Mercedes-Benz Special Trucks in hohen Stückzahlen für Großaufträge und setzt auch individuelle Kundenwünsche mit speziellen Sonderausstattungen um.

Ansprechpartner:
Lukas Hettmannsperger, +49 (0) 170 387 1112, lukas.hettmannsperger@daimlertruck.com
Ulrike Burkhart, +49 (0) 1608613757, ulrike.burkhart@daimlertruck.com

Text und Fotos: Daimler Truck