Die Modernisierung der bodengebundenen Luftverteidigung der Luftwaffe

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und das damit einhergehende tragische Leid der Zivilbevölkerung durch die massiven Angriffe aus der dritten Dimension unterstreichen die Bedeutung und Notwendigkeit einer umfassenden bodengebundenen Luftverteidigung, elementar für den Schutz der Bevölkerung, der kritischen Infrastruktur und zum Erhalt der eigenen Operationsfreiheit. Insbesondere kommt dem Schutz Deutschlands unter anderem als logistische Drehscheibe der NATO und Aufmarschraum für unsere Partner bei einem möglichen Konflikt an der Ostflanke eine besondere Bedeutung zu.

In heutigen und zukünftigen militärischen Auseinandersetzungen zwischen hochtechnologisierten Staaten ist mit massiven Angriffen aus der Luft weit hinter der Konfrontationslinie unter anderem mit ballistischen Raketen, weitreichenden Marschflugkörpern und sogenannten One-Way-Attack Unmanned Aerial Vehicles zu rechnen. Dabei hat sich in den Kriegen zwischen Russland und der Ukraine sowie des Irans und Israel gezeigt, dass derartige Angriffe mit unterschiedlichen und in enorm hohen Anzahlen von Wirkmitteln in einem koordinierten Ansatz erfolgen, um die bestehende Luftverteidigungsarchitektur zu (über-)sättigen. Quantität gemessen an der Realität ist nachgewiesenermaßen eine neue Qualität.

Dies stellt die bodengebundene Luftverteidigung vor große Herausforderungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des Warschauer Paktes richtete sich der Fokus der NATO primär auf das internationale Krisen- und Konfliktmanagement aus. In den Auslandseinsätzen der vergangenen Jahrzehnte standen die eingesetzten Kräfte keiner nennenswerten Bedrohung aus der Luft gegenüber. In der Folge reduzierten viele der NATO-Mitgliedstaaten, wie auch Deutschland, die Kräfteumfänge im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung, investierten nur wenig in deren Modernisierung oder gaben sie gleich ganz auf. Die NATO-Mitgliedstaaten haben entsprechend reagiert und der Auf- und Ausbau des gegenwärtigen integrierten Luftverteidigungsverbundes gehört zu den höchsten Prioritäten.

Dies gilt gleichermaßen für Deutschland. Die Bundeswehr hat neben allen anderen notwendigen Handlungsfeldern zur Stärkung der Landes- und Bündnisverteidigung der Modernisierung und der Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung die höchste Priorität eingeräumt. Die bereits im Jahr 2021 eingeleitete Modernisierung der Patriot-Einheiten, die Beschaffungsvorhaben aus dem Sondervermögen der Bundeswehr, hier insbesondere die Beschaffung des Arrow Weapon Systems for Germany (AWS-G), der Luftverteidigungssysteme (LVS) IRIS-T SLM und die Entwicklung des LVS Nah- und Nächstbereichsschutz (LVS NNbS) sowie die durch Deutschland initiierte European Sky Shield Initiative bilden hierfür die Grundlage. Die Bundeswehr wird auch weiterhin umfangreich in das Rückgrat unserer Luftverteidigung, das Waffensystem Patriot, investieren. Mit den laufenden und zukünftigen Modernisierungen bleibt das System bis weit in die 2040er-Jahre eines der modernsten und leistungsstärksten Systeme zur Luftverteidigung in Europa. Damit einhergehend werden auch die Voraussetzungen für den Erhalt und die Verbesserung der multinationalen Interoperabilität und damit dem Einsatz im multinationalen Verbund geschaffen. An die Seite von Patriot werden allerdings weitere leistungsstarke Systeme treten.

Mit dem Arrow-Luftverteidigungssystem hat die Bundeswehr Anfang Dezember 2025 die Anfangsbefähigung erreicht. Vorne der Launcher, hinten das Radarsystem. ©Bundeswehr/Francis Hildemann

Die im November 2024 mit Mittelstreckenraketen stattgefundenen russischen Angriffe auf die Ukraine offenbarten die Existenz eines neuen Raketentyps, die Oreschnik. Damit besteht Gewissheit, dass spätestens seit der Aufkündigung des INF-Vertrages Russland begonnen hat, sein Programm für die Entwicklung und Produktion präziser konventioneller, aber auch nuklearer Mittelstreckenraketen erneut aufleben zu lassen. Mittelstreckenraketen, die strategisch wichtige Ziele in der Tiefe erreichen können.

Im Rahmen der weiteren Fähigkeitsentwicklung des für Deutschland strategisch so bedeutsamen Waffensystems ist nach Abstimmung mit unseren israelischen und amerikanischen Partnern auch die Beschaffung und Integration weiterer zukünftiger Lenkflugkörper der Arrow-Familie beabsichtigt. Ziel ist es, das Potenzial des Systems weiter auszuschöpfen und sowohl Wirkungen im endo- als auch im exoatmosphärischen Bereich zu ermöglichen. Mit dem AWS-G erlangt Deutschland erstmals die Fähigkeit zur Frühwarnung vor und zur Bekämpfung von anfliegenden, weitreichenden Raketen. Damit ist der Schutz des gesamten Territoriums Deutschlands und der Bevölkerung nebst der hierin enthaltenen kritischen Infrastruktur vor dieser potenziellen Bedrohung gewährleistet. Darüber hinaus werden auch Führungseinrichtungen der NATO, Aufmarschräume und somit die logistische Drehscheibe für Verbündete in Deutschland geschützt. Dies trägt maßgeblich zum Erhalt der eigenen Operationsführung in einem möglichen Konflikt an der Ostflanke der NATO bei. Wie geplant konnte bereits im Dezember 2025 die Anfangsbefähigung des Systems hergestellt werden.

Das zukünftige Luftverteidigungssystem NNbS wird im Wesentlichen aus einer Mittelbereichskomponente und einer hochmobilen, gepanzerten Nächstbereichskomponente bestehen. Ergänzt wird es durch eine Befähigung zur Wirkung gegen small Unmanned Aircraft Systems sowie gegen Raketen, Artillerie und Mörser. Ohne einen solchen Systemverbund als System aus Systemen sind insbesondere der Schutz von Landoperationen kaum möglich. Der Entwicklungsvertrag für dieses System aus Systemen wurde Anfang des Jahres 2024 geschlossen.

Da das LVS Nah- und Nächstbereichsschutz in Teilen noch auf zu entwickelnden Komponenten basiert, bildet das in Gänze aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanzierte Luftverteidigungssystem IRIS-T Surface Launched Medium Range, kurz IRIS-T SLM, einen weiteren wesentlichen Baustein in der schnellen Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung Deutschlands. Dieses System wird bereits in der Ukraine mit beeindruckender Effektivität und großem Kampfwert eingesetzt. Der Effektor des IRIS-T SLM Systems ist eine Weiterentwicklung des Luft-Luft-Lenkflugkörpers IRIST, der auch bereits für den Einsatz durch den Eurofighter in die Luftwaffe eingeführt ist. Für die bodengestützte Variante mittlerer Reichweite wurde der Effektor um eine Zweiwege- Datenanbindung ergänzt sowie mit einem neuen, reichweitengesteigerten Feststoffraketentriebwerk und Navigationssystem ausgestattet.

Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM kommt zum Abfangen von unter anderem Hubschraubern, Kampfflugzeugen, unbemannten Luftfahrzeugen sowie Marschflugkörpern zum Einsatz. In Abwandlung zu den Systemen der Ukraine werden die Systeme für die Bundeswehr zur nahtlosen Integration in den Luftverteidigungsverbund der NATO befähigt.

Das neue Luftverteidigungssystem der Luftwaffe ist ein sehr agiles, hochmodernes System. Innerhalb von Minuten ist es nach dem Bezug seiner Stellung einsatzbereit und ebenso schnell wieder bereit zur Verlegung. Dank eines hohen Grades an Automatisierung bei gleichzeitig hoher Robustheit des Systems ist nur ein sehr geringer Personalansatz notwendig. In der Ukraine konnte es bereits mit einer sehr hohen Leistungsfähigkeit und Treffgenauigkeit überzeugen und hat sich als äußerst wirksam gegen tieffliegende Marschflugkörper und sogenannten One- Way-Attack-Drohnen vom Typ Shahed erwiesen. Als ein klares Signal der Zeitenwende gilt auch die Geschwindigkeit, mit der die Bundeswehr dieses System einführt. Nach dem Vertragsschluss zur Beschaffung im Jahr 2023 wurde bereits am 4. September 2024 das erste System an die Bundeswehr zur Qualifikation und Einsatzprüfung übergeben und das für die erste Feuereinheit vorgesehene Personal der Luftwaffe erreichte nach der entsprechenden Ausbildung die Initial Operational Capability.

Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM während der Übung „Spartan Arrow“ auf der Insel Kreta/Griechenland. ©Bundeswehr/Tom Twardy

Im Rahmen der geplanten Fähigkeitsentwicklung beim Waffensystem IRIS-T SLM aus dem Sofortprogramm ist neben einer Erhöhung der Anzahl der Feuereinheiten auch die Ergänzung um die Komponenten der bereits marktverfügbaren SLS-Variante (Surface Launched Short Range) für die kurze Reichweite sowie der sich in der Entwicklung befindlichen Surface Launched Extended Range (SLX) beabsichtigt. Damit verfügt das Luftverteidigungssystem IRIS-T SL absehbar über einen Effektormix, mit dem vom Nächstbereich bis zu einer Entfernung von circa 80 Kilometer gewirkt werden kann, eine vor dem Hintergrund der gestiegenen, quantitativen Herausforderungen elementare Befähigung.

Dieses System ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil der European Sky Shield Initiative (ESSI). ESSI wurde 2022 durch Deutschland zur rapiden Stärkung insbesondere des europäischen Pfeilers der NATO-Luftverteidigung ins Leben gerufen. Dies soll insbesondere durch die Beschaffung marktverfügbarer Luftverteidigungssysteme zur Schließung zeitkritischer Fähigkeitslücken erreicht werden. Weiterhin im Fokus stehen das Einsparen und Bündeln von Ressourcen durch Schaffung von industriellen, wirtschaftlichen und technologischen Synergien. Ein wesentlicher Treiber von ESSI ist die Erhöhung von Interoperabilität durch gemeinsame Beschaffung gleicher beziehungsweise zumindest kompatibler Systeme. Bislang wurden Beschaffungsverträge für das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM durch mehrere europäische Partnerländer geschlossen.

Über die ESSI eröffnet sich auch die Möglichkeit, operationelle Potenziale zu erschließen. Anstatt Doubletten in Ausbildungsstrukturen in Europa zu kreieren, besteht die Möglichkeit der Multinationalisierung der IRIS-T SL-Ausbildung am Ausbildungszentrum Flugabwehrraketen der Luftwaffe. Zu diesem Zweck hat der Inspekteur der Luftwaffe Anfang September 2023 die ESSI Air Chiefs nach Deutschland eingeladen, um dieses Vorhaben, das European Air and Missile Defense Training Center, vorzustellen. Die weitere Ausgestaltung befindet sich derzeit in der Umsetzung. Mit den skizzierten Projekten werden die Fähigkeiten der bodengebundenen Luftverteidigung der Bundeswehr quantitativ und qualitativ deutlich verbessert. Gleichzeitig ist sie mit den Weiterentwicklungsmöglichkeiten und absehbaren Leistungssteigerungen zukunftsfähig aufgestellt. Zudem werden die Möglichkeiten des Wirkens gemeinsam mit multinationalen Partnern im Verbund erheblich gestärkt. Damit leistet Deutschland einen weiteren wichtigen Beitrag zur Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO-Luftverteidigung und des Bündnisses insgesamt.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Hardthöhen-Kurier, 08.06.2026, www.hardthoehenkurier.de

Autoren: Oberst i.G. Dennis Krüger und Oberstleutnant Thomas Finkeldey, Kommando Luftwaffe

Arrow 4 – Luftwaffe setzt weiter auf israelische Raketenabwehr

Die Bundeswehr plant bereits den nächsten Sprung in der Luftverteidigung: Mit dem israelischen Abwehrsystem Arrow 4 soll Deutschland künftig auch die letzte Lücke des Luftraums verteidigen können. Arrow 4 soll nach Angaben von Generalleutnant Lutz Kohlhaus – der die Absicht der Luftwaffe heute in Berlin verkündete – in Höhen oberhalb des Patriot-Systems, aber unterhalb von Arrow 3 zum Einsatz kommen.

Generalleutnant Lutz Kohlhaus verkündete heute in Berlin die Absicht der deutschen Luftwaffe, Arrow 4 aus Israel zu beschaffen.
Bild: CPM / Navid Linnemann / Blauer Bund

Auf dem heute begonnenen Ground Based Air Defence (GBAD) Summit in Berlin gab der stellvertretende Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Lutz Kohlhaus, bekannt, dass die Bundeswehr bereits jetzt plane, das israelische Raketenabwehrsystem Arrow 4 zu beschaffen. Das ist nur folgerichtig, da das gegenwärtig von den USA und Israel entwickelte System dieselben Radare und Abschussgeräte wie das von Deutschland beschaffte Luftverteidigungssystem Arrow 3 nutzt.

Technologische Weiterentwicklung – Arrow 4

Das Arrow-4-System wird eine Weiterentwicklung der bewährten Arrow-Serie von Israel Aerospace Industries dar. Es wird seit vergangenem Jahr von Israel und den USA entwickelt, um nicht nur den aktuellen, sondern auch zukünftigen Bedrohungen durch Hyperschallraketen effektiv begegnen zu können. Für die israelischen Entwickler stehen iranische Langstreckenraketen im Fokus, doch auch eine potenzielle Bedrohung aus Russland soll durch Arrow 4 bekämpft werden können. Mit verbesserten Sensoren, erhöhter Reichweite und einer optimierten Zielverfolgung soll Arrow 4 eine robuste Fähigkeit zur Abwehr von Angriffen in großer Höhe und über weite Distanzen bieten. Arrow 4 wird zudem mit Winglets ausgestattet sein, die es dem Abfangflugkörper ermöglichen, im Flug Manöver durchzuführen. Diese sind beispielsweise notwendig, wenn auch die Bedrohung selbst eine Manövrierfähigkeit im Flug besitzt.

Der Arrow 4 Interceptor erhöht erneut die Fähigkeiten des israelischen Raketenabwehrsystems.
Bild: IAI / Blauer Bund

Integration in die Bundeswehrstruktur

Beim GBAD Summit von CPM sprach Generalleutnant Kohlhaus von seiner kürzlich erfolgten Israel-Reise: „Wir haben dort gesehen, dass auch Israel sich einem Mengenproblem stellen muss. Auch dort sind die Lenkflugkörper gerade der leistungsfähigen Systeme Arrow 3, Arrow 2 begrenzt.“

Das von Israel genutzte Luftverteidigungssystem Arrow 2 solle nach seinen Angaben durch den Nachfolger Arrow 4 ersetzt werden. „Wir haben uns entschieden“, erklärte Generalleutnant Kohlhaus, „Arrow 4 zu beschaffen, das ist eine offizielle Luftwaffenforderung.“

Neben dem Vorteil, dass dieser Lenkflugkörper mit den gleichen Radar- und Startgeräten verschossen werden kann wie Arrow 3, betrachtet Kohlhaus es auch als „kostengünstige Erweiterung“ der eigenen Fähigkeiten. Wörtlich sagte er: „Damit ist die Bundeswehr künftig in der Lage – beginnend mit der Heeresflugabwehr bis zu Arrow 3 – das gesamte Höhenspektrum abzudecken.“

Start einer Arrow 3 in Israel
Bild: IAI / Blauer Bund

Stärkung der Luftverteidigungskapazitäten insgesamt

Die geforderte Beschaffung von Arrow 4 reiht sich ein in eine umfassende Modernisierung der deutschen Luftverteidigung. Angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch ballistische Raketen und andere Luftangriffe – wie sie in der Ukraine tagtäglich zu beobachten ist – wird die Fähigkeit der bodengebundenen Luftverteidigung immer bedeutender. Arrow 4 und Arrow 3 sollen bestehende bzw. gerade ankommende Systeme wie Patriot und IRIS-T SLM.

„Das heißt nicht“, dämpfte Generalleutnant Kohlhaus den eigenen Enthusiasmus, „dass wir genug von allem haben. Natürlich nicht: Wir haben zu wenig von allem, aber das gesamte Höhenspektrum ist dann abdeckbar.“

Zuerst erschienen in CPM Defence-Network am 07. Mai 2025

Autor: Navid Linnemann

Symbolbild: Das Bild zeigt ein deutsches PAT-RIOT-System während einer Übung, bei der Neubeschaffung wird auf Sattelzüge zurückgegriffen. Blauer Bund

Bundeswehr erhält neue PATRIOT-Luftverteidigungssysteme

Die Bundeswehr beschafft insgesamt vier neue Flugabwehrraketensysteme des Typs PATRIOT. Ein entsprechender Vertrag wurde gestern im Beschaffungsamt der Bundeswehr mit dem Hersteller Raytheon geschlossen. Zuvor hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages das Vorhaben gebilligt. Der Kauf dieser Waffensysteme dient in Teilen gleichzeitig der Wiederbeschaffung der an die Ukraine abgegebenen Feuereinheiten.

„Es wird nicht nur das an die Ukraine abgegebene Material in kürzester Zeit ersetzt, die neuen PATRIOT-Systeme gehören zur aktuellsten Version des bewährten Luft- und Raketenabwehrsystems“, betont der verantwortliche Projektleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw. Vom Angebotseingang im BAAINBw über die parlamentarische Billigung hin zur Unterzeichnung wurden weniger als zehn Monate benötigt.

Symbolbild: Das Bild zeigt ein deutsches PAT-RIOT-System während einer Übung, bei der Neubeschaffung wird auf Sattelzüge zurückgegriffen. Blauer Bund
Symbolbild: Das Bild zeigt ein deutsches PAT-RIOT-System während einer Übung, bei der Neubeschaffung wird auf Sattelzüge zurückgegriffen – ©Bundeswehr/Lars Koch

Jede der Feuereinheiten besteht aus einem Gefechtsstand, den Startgeräten zum Verschuss der PATRIOT-Lenkflugkörper sowie den Radargeräten und weiterem Material. Der Vertrag beinhaltet neben weiteren Unterstützungsleistungen auch die zugehörigen Ersatzteile.

PATRIOT, die Kurzbezeichnung steht für „Phased Array Tracking Radar for Intercept on Target“, zählt zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt. Das Waffensystem wird derzeit von acht europäischen Staaten zur Abwehr von gegnerischen Marschflugkörpern, ballistischen Raketen sowie feindlichen Drohnen und Flugzeugen eingesetzt. Auf eine Entfernung von etwa 100 Kilometern und bis in Höhen von 30 Kilometern können die Abwehrraketen in einer gedachten Kuppel um die Stellung Ziele treffen – abhängig vom eingesetzten Lenkflugkörper.

Text: PIZ AIN

Für die Bundeswehr wird das Skyranger 30-System mit einem Boxer realisiert. ©Rheinmetall Electronics GmbH Blauer Bund

Mobile Flugabwehr: Bundeswehr beschafft neue „Flak-Panzer“

Mit der Beschaffung des Flugabwehrkanonenpanzers, kurz „Flak-Panzer“, des Typs Skyranger 30 schließt die Bundeswehr eine Fähigkeitslücke im Bereich der mobilen Abwehr unbemannter Luftfahrzeugsysteme (Counter-Unmanned Aircraft System, C-UAS). Ein entsprechender Vertrag wurde Ende Februar 2024 im Beschaffungsamt der Bundeswehr mit der Firma Rheinmetall Electronics GmbH unterzeichnet. In der Vorwoche hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages das Vorhaben gebilligt.

Die Präsidentin des BAAINBw und Vertreter der Firma Rheinmetall Electronics GmbH unterzeichneten am 27. Februar den Beschaffungsvertrag für 19 neue Flak-Panzer. Blauer Bund
Die Präsidentin des BAAINBw und Vertreter der Firma Rheinmetall Electronics GmbH unterzeichneten am 27. Februar den Beschaffungsvertrag für 19 neue
Flak-Panzer. ©Bundeswehr/Dirk Bannert

Der nun geschlossene Vertrag sieht die Beschaffung eines Prototyps sowie von 18 Serienfahrzeugen des neuen Flak-Panzers vor. Die Lieferung des Prototyps soll bereits Ende 2024 erfolgen. Die Seriengeräte werden nach erfolgreicher Qualifikation ab Anfang 2026 erwartet. Zusätzlich besteht die Option für die Beschaffung 30 weiterer Systeme. Basis wird das gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug Boxer sein, auf dem die Komponenten zur Flugabwehr installiert werden.

Das Teilsystem des Luftverteidigungssystems im Nah- und Nächstbereichsschutz wird zunächst mit einer Maschinenkanone im Kaliber 30 Millimeter und dem Lenkflugkörper Stinger ausgestattet. Später soll außerdem ein weiterer Lenkflugkörper ergänzt werden, um die Abwehrfähigkeit gegen Angriffe aus der Luft zu verstärken. Der neue Panzer ist so aufgebaut, dass er ohne großen Aufwand mit bereits bestehenden Komponenten der Luftverteidigung kombiniert und in deren Einheiten komplett integriert werden kann.

Für die Bundeswehr wird das Skyranger 30-System mit einem Boxer realisiert. ©Rheinmetall Electronics GmbH Blauer Bund
Für die Bundeswehr wird das Skyranger 30-System mit einem Boxer realisiert. ©Rheinmetall Electronics GmbH

Mit der Beschaffung des Skyranger 30 wird langfristig die Lücke, die durch die Ausmusterung des Flugabwehrkanonenpanzers Gepard entstanden war, geschlossen.

Text: PIZ AIN

Eine Visualisierung zeigt das geplante Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz. Blauer Bund

Neues Luftverteidigungssystem für mittlere Distanzen

Um eine Fähigkeitslücke in der bodengebundenen Luftverteidigung zu schließen, beauftragte das Beschaffungsamt der Bundeswehr Ende Januar 2024 die Arbeitsgemeinschaft Nah- und Nächstbereichsschutz mit einem entsprechenden Entwicklungsauftrag. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Unternehmen Rheinmetall Electronics, Diehl Defence und Hensoldt Sensors.

Aufgrund eines Vertragswertes über 25 Millionen Euro wurde das Vorhaben zuvor durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gebilligt.

Das Vorhaben „Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz“, kurz LVS NNbS, soll den Schutz von bewegten Truppen der Landstreitkräfte gegen Angriffe aus der Luft sicherstellen. Zusätzlich ist es auch für den sogenannten Raumschutz, wie zum Beispiel kritische Infrastruktur geeignet.

Eine Visualisierung zeigt das geplante Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz. Blauer Bund
Eine Visualisierung zeigt das geplante Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz. – ©ARGE NNbS GbR

Kern des nun beauftragten Entwicklungsvorhabens ist die Optimierung der Luftverteidigung bis zu 40 km Reichweite sowie die Entwicklung von hochmobilen Komponenten. Diese sollen die Fähigkeit besitzen, Landstreitkräften im Gefecht folgen zu können um diese vor Angriffen aus der Luft zu schützen. Der Fokus liegt auf der Modularität und der Vernetzung auch zu anderen Luftverteidigungssystemen der NATO.

Neben der Einbindung von bereits in anderen Teilstreitkräften eingesetzter Waffensysteme, sollen später auch schnell verfügbare Einzelkomponenten in das Gesamtsystem NNbS eingebunden werden können. Das erhöht die Wirksamkeit der nationalen und internationalen Luftverteidigung signifikant.

Nach derzeitiger Planung sollen die Prototypen ab 2027 qualifiziert werden, um die Serienproduktion ab 2028 zu ermöglichen.

Text: PIZ AIN