Als mobiles Hauptquartier steht der Brigadegefechtsstand im Fokus gegnerischer Aufklärung. Deshalb muss er regelmäßig „springen“ – also schnell den Standort wechseln. Der Service Delivery Point (SDP), ein IT-Verbund auf Rädern, folgt, um die Führung verbunden zu halten. Dieses Zusammenspiel trainiert die Bundeswehr jährlich beim Gelben Merkur.
Im modernen Gefecht ist Verlegefähigkeit, also die Befähigung zum raschen Ortswechsel, nicht bloß eine Option, sondern eine taktische Notwendigkeit. Nur so bleibt die Führung geschützt und die Truppe handlungsfähig. Damit im Ernstfall jeder Handgriff beim „Sprung“ von Gefechtsständen und SDPs sitzt, trainiert die Bundeswehr dieses hochkomplexe Verfahren jährlich im Rahmen der IT-Übung Gelber Merkur. Die Übung ist so angelegt, dass sie die Bedingungen des modernen Gefechtsfelds so realitätsnah wie möglich abbildet.
Das Ziel: Im Ernstfall soll die Truppe nach Alarmierung schnell reagieren, verlegefähig sein und unter allen Bedingungen eine sichere Führungs- und Kommunikationsfähigkeit gewährleisten.
Die diesjährige Übung Gelber Merkur fand vom 8. bis 22. Mai 2026 bundesweit statt. Insgesamt wurden rund 1.200 Soldatinnen und Soldaten mit Militärfahrzeugen eingesetzt. Sie bewegten sich sowohl im Einzelmarsch als auch in Kolonnen durch die Übungsräume.
Simulation von Gefechtsbedingungen
Das diesjährige Übungsszenario: Fiktive, mit Deutschland verbündete Staaten werden vom feindlichen Bund „OCCASUS“ angegriffen, feindliche Kräfte bewegen sich bereits auf eigenem Territorium. Die Bundeswehr ist aktiv in die Landes- und Bündnisverteidigung eingebunden. Sie muss ihre Gefechtsstände und SDPs immer wieder verlegen und dabei die Führungsfähigkeit sicherstellen.
Schnelle Standortwechsel: Die Brigadegefechtsstände und die zugehörigen SDPs müssen oft unter Zeitdruck und schwierigen Wetterbedingungen verlegt werden. Häufige und spontane Ortswechsel sind die Regel und Marschstrecken von mehreren Dutzend Kilometern keine Seltenheit.
Begrenzte Ruhezeiten: Die übenden Soldatinnen und Soldaten arbeiten unter hoher Belastung. Wenig Schlaf und ständig wechselnde Anforderungen: Motivation und Durchhaltefähigkeit der Truppe werden gezielt auf die Probe gestellt.
Schneller Auf- und Abbau: Am neuen Standort angekommen, muss der SDP in kürzester Zeit einsatzbereit sein. Dazu gehören der Aufbau von Richtfunk- und Satellitenanlagen, die Einrichtung lokaler Netzwerke sowie das Herstellen aller notwendigen IT-Verbindungen.
Herstellen und Absichern der Verbindungen: Die Kommunikation zwischen Gefechtsstand, SDP und Betriebsführungseinrichtung muss jederzeit funktionieren – auch unter simulierten Störungen und Cyberangriffen, die im Rahmen der Übung eingespielt werden.
Drohnenabwehr: 2026 werden bei der Übung erstmalig auch Szenarien der Drohnenabwehr mitgeübt und beispielsweise Netzwerfer-Drohnen oder Sensorik zur Signalerfassung der Drohnen bereitgestellt. Im Übungsbetrieb wird unter Mithilfe von Polizeikräften der reibungslose und störungsfreie Übungsablauf sichergestellt.
Kurz erklärt:
Was ist ein Service Delivery Point?
Ein Service Delivery Point ist ein mobiler IT-Verbund der Bundeswehr, der für die Anforderungen eines Gefechtsstandes konzipiert ist. Während der Übung Gelber Merkur besteht ein SDP aus: terrestrischen Übertragungssystemen (z. B. Richtfunk), SatCom-Anlagen, mobilen Kommunikationssystemen, lokalen verlegefähigen Netzwerken und Kabelbautrupps für die Anbindung vor Ort.
Welche Aufgaben hat ein Service Delivery Point?
Ein SDP stellt alle wesentlichen IT-Services wie Telefonie, E-Mail, Datenverkehr sowie Anbindung an das übergeordnete Kernnetz bereit. Im Gefecht folgt der SDP dem Gefechtsstand und muss für dessen Bewegungen flexibel sein, um die durchgehende Führungsfähigkeit sicherzustellen.
Wie viele Soldaten und Soldatinnen betreiben einen Service Delivery Point?
Ein SDP wird von 20 bis 40 Soldatinnen und Soldaten betrieben.
Wie unterscheidet sich der große SDP vom kleinen SDP?
Hauptsächlich unterscheiden sich die großen SDPs durch ihre Anzahl an Richtfunk- und strategischen Hochfrequenztrupps sowie in der Größe der SatCom-Anlagen von den kleineren Versionen, welche taktische Richtfunksysteme beinhalten. Auch bei der Anzahl der Kabeltrupps und dem Vorhandensein eines zellularen Netzes gibt es Unterschiede.
Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 21.05.2026, www.bundeswehr.de
BLG LOGISTICS ist der Logistik-Architekt für maßgeschneiderte Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit Erfahrung und Expertise, globaler Präsenz und modernster Technologie bewegen die BLG-Experten Güter aller Art effizient, nachhaltig und zuverlässig – von der Produktions- und Distributions- bis hin zur Seehafenlogistik und der einsatzkritischen Versorgung von Streitkräften.
Als Seehafen- und Logistikdienstleister mit einem internationalen Netzwerk profitiert das Unternehmen von einer fast 150-jährigen Unternehmensgeschichte. Mehr als 11.000 Mitarbeitende übernehmen täglich die Verantwortung für die reibungslose Logistik hochwertiger Produkte. Für die Kunden aus Industrie, Militär, der SVI und dem Handel gestalten die BLG-Experten die Logistik, indem sie mit hoher Fachkompetenz innovative, hochkomplexe und zukunftsfähige Lösungen entwickeln und umsetzen.
Publicly owned – privatly managed
Und das aus Tradition: Im Februar 1877 gründeten 65 Kaufleute BLG LOGISTICS als „BREMER LAGERHAUS-GESELLSCHAFT –Aktiengesellschaft von 1877-„. Heute ist die BLG Gruppe mit fast 100 Standorten und Niederlassungen in Europa, Amerika, Afrika und
Asien präsent. Dabei ist die BLG immer noch eng verbunden mit dem Anteilseigner, der Stadt Bremen. Geführt wird das Unternehmen nach privatwirtschaftlichen Kennzahlen und hanseatischen Werten.
„Wir machen Logistik einfach – und machen mehr als nur unseren Job: Wir denken immer einen Schritt weiter und entwickeln innovative Logistiklösungen dort, wo sie gebraucht werden. Innovation ist seit jeher die Triebfeder unserer Entwicklung. Dabei blicken wir stolz auf langjährige Partnerschaften und neue Leuchtturmprojekte. Kein Weg ist zu weit, keine Ladung zu schwer, keine Aufgabe zu komplex”, erklärt Thomas Leiber, Geschäftsführer der BLG Project Logistics GmbH.
In drei operativen Geschäftsbereichen bietet das Unternehmen seinen Kunden aus Industrie und Handel umfangreiche logistische Dienstleistungen an – vom routinierten Entladen bis zur hochkomplexen Greenfield-Entwicklung. Die BLG-Geschäftsbereiche AUTOMOBILE und CONTAINER sind führend in Europa. Der Geschäftsbereich CONTRACT gehört zu den wichtigsten deutschen Anbietern.
Der Geschäftsbereich CONTRACT macht aus komplexen Projekten verlässliche Logistiklösungen für nationale und internationale Unternehmen aus den Branchen Automotive, Industrie, Handel und Energie.
Zu diesen Lösungen zählt ein breites Spektrum kundenspezifischer Dienstleistungen in der Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik sowie in der Retouren- und Ersatzteillogistik. Dies können hochautomatisierte Logistikzentren oder manuelle Inhouse
Abwicklungen sein.
Die EUROGATE-Gruppe, an der BLG LOGISTICS zu 50 Prozent beteiligt ist, ist Europas
führender, reedereiunabhängiger Containerterminal-Betreiber. Das Unternehmen betreibt im Netzwerk Seeterminals an der Nordsee, im Mittelmeerraum und am Atlantik mit hervorragenden Verbindungen ins europäische Hinterland.
Der BLG-Geschäftsbereich AUTOMOBILE ist der führende Technik- und Logistikdienstleister für die internationale Automobilindustrie. Im gesamten AUTOMOBILE-Netzwerk hat BLG LOGISTICS 2024 etwa 4,4 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen, transportiert oder technisch bearbeitet.
Der Autoterminal Bremerhaven gehört mit über 1,3 Mio. umgeschlagenen Fahrzeugen pro Jahr zu den größten Autohäfen der Welt. Alle namhaften Autoreeder bedienen Bremerhaven regelmäßig und jedes Jahr laufen mehr als 1.000 CarCarrier das Terminal an. Bremerhaven ist aber auch ein Knotenpunkt für High & Heavy Güter. Alles, was groß und schwer ist, wird hier professionell auf den Weg gebracht.
Die Zeitenwende an der Kaje – Fähigkeitsaufbau für Einsatz- und Bündnisfähigkeit
Die sicherheitspolitische Zeitenwende macht den BLG AutoTerminal Bremerhaven zu einer logistischen Drehscheibe von strategischer Bedeutung. Der BLG AutoTerminal in Bremerhaven und die Containerterminals an der Stromkaje gelten europaweit als führend im Umschlag von rollender Ladung und Containern. Mit einem Umschlagsvolumen von rund 1 Mio. Tonnen High und Heavy Gütern und 4,4 Mio. Standardcontainern (TEU) pro Jahr gehören die Terminals zu den größten ihrer Art in Europa. Neben PKW sowie weiteren selbstfahrenden oder rollbaren Einheiten wie Traktoren, Lkw, Baumaschinen, Schwergütern und Breakbulk werden auf dem RoRo-Terminal Bremerhaven seit vielen Jahrzehnten auch militärische Landfahrzeuge, Großgeräte und komplette Zugsysteme umgeschlagen.Die Abläufe sind auf präzise Taktung, hohe Verfügbarkeit und robuste Redundanzen ausgelegt. Seit Jahrzehnten ist Bremerhaven ein verlässlicher Partner der US-Streitkräfte und der NATO, insbesondere bei strategischen Verlegungen, Übungsrotationen und Host Nation Support-Aufgaben.
In den kommenden sechs Jahren wird in Bremerhaven die bereits etablierte und leistungsfähige Hafeninfrastruktur gezielt modernisiert und zu einem modernen Militärhafen mit ausgeprägtem Dual-Use-Profil weiterentwickelt, um die Bündnispartner auch zukünftig wirksam unterstützen zu können. Der Bund investiert in den kommenden Jahren rund 1,35 Milliarden Euro in den Hafen von Bremerhaven, wodurch der Standort zu einem strategischen Hub militärischer Logistik ausgebaut wird. Diese Investitionen stärken Bremerhaven als zentralen Dreh- und Angelpunkt eines tief ins Binnenland reichenden multimodalen Transportnetzes, das schnelle Kräfteverlegungen ebenso ermöglicht wie die Unterstützung nationaler Alarmierungs- und Verstärkungsmaßnahmen.
Über Bremerhaven hinaus verfügt BLG LOGISTICS über ein Terminal-Netzwerk an mehr als 20 europaweiten Standorten. Die Terminals befinden sich an der See, an Flüssen und im Binnenland. Über intermodale Verkehrsanbindungen per LKW, Bahn oder Binnenschiff sind die Terminals miteinander vernetzt. Damit können sowohl industrielle Großprojekte als auch militärische Verlege- und Versorgungsvorhaben mit hoher Verlässlichkeit, Flexibilität und Durchhaltefähigkeit unterstützt werden.
Die Zeitenwende verlangt Fähigkeiten, die im Alltag effizient sind und in der Krise belastbar bleiben. Das IT-Dienstleistungsunternehmen Materna stärkt digitale Souveränität, resiliente Infrastrukturen und sichere Verwaltungsprozesse als Fundament staatlicher Handlungsfähigkeit. Resilienz entsteht durch geschützte Datenräume, vertrauenswürdige Plattformen und kontrollierbare Technologien, einschließlich verantwortungsvoll eingesetzter künstlicher Intelligenz. Als familiengeführtes Unternehmen steht Materna für Kontinuität, langfristige Investitionen und verlässliche Umsetzung in sicherheitskritischen Umgebungen.
Logistik ist das operative Rückgrat. Moderne Steuerungs- und Planungssysteme schaffen Echtzeittransparenz über Transportwege, Bestände und Infrastrukturzustände. Dadurch werden Priorisierung, Kapazitätsmanagement und Ressourcensteuerung präziser.
Mit der Lösung myleo / dsc digitalisiert Materna bereits heute komplexe Logistikprozesse durchgängig in Echtzeit und schafft die Schnittstelle zu Kernsystemen der Bundeswehr. Die Plattform vernetzt Partner entlang der Supply Chain, automatisiert Transportvergaben und zentralisiert die Zusammenarbeit mit Speditionen. Sie schafft Sichtbarkeit zwischen Zulieferern, Verladern und Warenempfängern, reduziert Medienbrüche und macht Leistung messbar. Künstliche Intelligenz unterstützt die Analyse von Prozessdaten, ermöglicht ereignisbasierte Steuerung und berechnet Zeitfenster dynamisch. Für Yard- und Hoflogistik werden Check-in und Check-out Prozesse digital orchestriert, was Durchlaufzeiten senkt und die Planbarkeit erhöht.
Besonders sensibel ist die sanitätsdienstliche Versorgung. Digitale Planung macht Transportmittel, Behandlungskapazitäten und Materialbestände transparent und stärkt die Versorgungssicherheit in zivilmilitärischen Strukturen. Mit geeigneter C2 Software und taktisch ausgerichtetem Routing lassen sich Versorgungswege härten und in der Lage schnell anpassen, um Schutz zu gewährleisten.
Resilienz endet nicht am Kasernen- oder Werkstor. Materna unterstützt die Steuerung des Verkehrs auf deutschen Autobahnen, vernetzt Verkehrszentralen, standardisiert Abläufe und automatisiert Prozesse, um Verkehrslagen schneller zu erkennen, auch entlang Baustellen wirksam zu steuern, und militärischen Transporten ggf. Vorrang zu ermöglichen.
Belastbare Entscheidungen brauchen aktuelle Lagebilder. Digitale Meldeketten erfassen Beobachtungen mediengestützt mit Orts- und Zeitbezug, priorisieren automatisch und verdichten Informationen zu einem konsistenten Lagebild. Die Lösung SecurePIM ermöglicht einen geschützten mobilen Informationsaustausch zwischen Einsatzkräften und Lagezentren. Die Lösung für mobile Endgeräte ist im Geschäftsbereich des BMVg, in der Bundeswehr sowie bei der BWI etabliert und bietet die Möglichkeit zum ultramobilen Arbeiten bis zur Einstufung „VS-NfD“ bzw. „NATO-Restricted“.
Kritische Infrastrukturen wie Energie, Verkehr, Kommunikation, Gesundheit und Logistik müssen auch in Krisen stabil bleiben. Dafür braucht es frühzeitige Störungserkennung, robust ausgelegte Prozesse, digitalen Liegenschaftsschutz und konsequente Cybersicherheit, klaren Rollen und geschützten Datenaustausch. Materna unterstützt von der Resilienzplanung über umfassenden Liegenschaftsschutz mit Hilfe KI-gestützter Kameratechnik, Drohnendetektion, dynamischer Missionsplanung für eigene Drohnen und digitalen Zwillingen von Liegenschaften für Echtzeit-Steuerungsmöglichkeiten und die Verschränkung von Resilienz mit Geschäftsprozessen.
Souveräne Militärlogistik entsteht durch dauerhafte Partnerschaft zwischen Staat und verantwortungsbewussten Unternehmen. Materna steht für praxiserprobte Lösungen, langjährige Expertise im Umfeld der Bundeswehr, Rüstungsindustrie, der inneren Sicherheit und im KRITIS-Umfeld hinsichtlich sicherem Betrieb und kontinuierlicher Weiterentwicklung, damit Resilienz zur strategischen Stärke wird. Dabei stehen Sicherheit, Tempo und Nachvollziehbarkeit im Mittelpunkt.
Kampfkraft entsteht nicht allein an der Front. Versorgung, Verwundetentransport und Instandsetzung sichern maßgeblich die Beweglichkeit und die Durchhaltefähigkeit der Kampftruppe im Einsatz. Die multinationale Übung Freedom Shield in Litauen mit rund 2.900 Soldatinnen und Soldaten zeigt, wie Logistik und Sanität die Truppe nachhaltig unterstützen.
Ein SAR-Hubschrauber landet zur Aufnahme eines verletzten Soldaten. Bei der Übung wird trainiert, Verwundete nach der Erstversorgung direkt weiter zu transportieren.
Der Blick in die Ukraine beweist, dass sich Einsatzbereitschaft nicht nur daran zeigt, ob Kräfte kämpfen können, sondern auch, ob sie über längere Zeit handlungsfähig bleiben. Unterstützungskräfte schaffen dafür die Voraussetzungen. Sie sorgen dafür, dass ausgefallenes Material wieder verfügbar wird, Verwundete versorgt werden und Abläufe auch unter Belastung weiter funktionieren.
Die multinationale Übung Freedom Shield macht sichtbar, welche Bedeutung diese Fähigkeiten für einen einsatzbereiten Großverband haben. Soldatinnen und Soldaten aus acht NATO-Staaten trainieren im litauischen Pabradė das Zusammenwirken vieler Fähigkeiten: Führung, Schutz, Beweglichkeit, logistische Prozesse, Instandsetzung und sanitätsdienstliche Versorgung. Die Übung zeigt, dass beispielsweise Logistik und Sanität nicht nachgelagerte Bereiche sind, sondern von Beginn an mitgedacht werden und in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung einen wesentlichen Beitrag zur Durchhaltefähigkeit der Panzerbrigade 45 „Litauen“ leisten.
Logistik hält die Truppen beweglich
Wenn ein Fahrzeug während der Übung ausfällt, ermöglicht nicht nur die Reparatur selbst die weitere Einsatzfähigkeit. Entscheidend ist auch, ob der Schaden richtig bewertet und das Fahrzeug bei Bedarf an die passende Instandsetzung übergeben wird. Kleinere Schäden können häufig durch die Truppe selbst behoben werden. Wo jedoch die eigenen Möglichkeiten an Grenzen stoßen, kommt die logistische Fachexpertise des Unterstützungsbereichs ins Spiel.
Ein Instandsetzungssoldat bereitet ein gerade eingetroffenes Ersatzteil für den Einbau vor. Mit einem Hebegeschirr wird das Bauteil aufgenommen, bevor es verbaut wird.
Bei Freedom Shield übernimmt das schwere Logistikbataillon 467 diese weiterführende Instandsetzung. Die Soldatinnen und Soldaten kümmern sich um Schadmaterial, welches nicht mehr unmittelbar durch die Truppe instandgesetzt werden kann. Dazu gehören insbesondere die Hauptwaffensysteme der Panzerbrigade 45, also Kampfpanzer Leopard 2 und Schützenpanzer Puma. Aber auch weitere Systeme landen bei den Logistikprofis: gepanzerte Pioniermaschinen, Hydraulikanlagen, Kommunikationstechnik, Stromerzeugeraggregate oder gepanzerte und ungepanzerte Radfahrzeuge. Für die Instandsetzung wird auf gelagerte oder gelieferte Ersatzteile zurückgegriffen. Zusätzlich können mit einem 3D-Drucker vor Ort kleine Ersatz- oder Hilfsteile kurzfristig und direkt hergestellt werden.
Bei Freedom Shield wird einmal mehr sichtbar, dass Logistik nicht neben dem Gefecht herläuft, sondern ein aktiver Teil dessen ist. Die eingesetzten Logistikkräfte sorgen dafür, dass ausgefallenes Material nicht dauerhaft aus dem Betrieb herausfällt. Gerade in modernen Gefechten ist diese Fähigkeit entscheidend, da Beweglichkeit und Durchhaltefähigkeit der Truppe auch davon abhängen, dass Schäden nicht nur schnell festgestellt, sondern auch schnellstmöglich behoben werden können.
Zwei Instandsetzungssoldaten arbeiten an der Kette eines Panzers. Technische Unterstützung vor Ort ist unverzichtbar, um schweres Gerät nach Schäden schnell wieder nutzbar zu machen.
Die Rettungskette von Beginn an
Auch die sanitätsdienstliche Unterstützung ist bei Freedom Shield von Beginn an Teil der Übung. Unter realistischen Bedingungen wird trainiert, wie Verwundete erstversorgt, gesammelt und für den Weitertransport vorbereitet werden. Dabei geht es nicht allein um Sanitätsfachpersonal – die Rettungskette beginnt schon früher. Denn die Rettungskette beginnt nicht erst mit der Übernahme durch den Sanitätsdienst, sondern unmittelbar nach der Verwundung und muss somit von Beginn an mitgeplant und ausgebildet werden.
Auch Soldatinnen und Soldaten der Truppe müssen wissen, wie sie in den ersten Minuten nach einer Verwundung handeln müssen. In einem Gefecht mit einer großen Anzahl Verwundeter können Sanitätskräfte nicht überall gleichzeitig sein. Deshalb werden werden auch die kämpfenden Kräfte darin ausgebildet, erste lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, Blutungen zu stoppen, Verwundete zu stabilisieren und Zeit zu gewinnen, bis das Sanitätsfachpersonal übernimmt.
Mit der Ausbildung ist die Arbeit des Sanitätspersonals jedoch nicht abgeschlossen. Die Expertinnen und Experten begleiten die Truppe auch im weiteren Übungsgeschehen, geben Rückmeldungen, machen Verbesserungsvorschläge und wirken als Schiedsrichter mit. Damit trägt die Sanitätsausbildung nicht nur zur medizinischen Versorgung bei, sondern auch zur nachhaltigen Handlungsfähigkeit der Kampftruppe: Wer weiß, was in den ersten Minuten nach einer Verwundung zu tun ist, kann Kameradinnen und Kameraden helfen, bis die professionelle Versorgung übernimmt. Durch die weitere Begleitung des Sanitätsdienstes wird die Truppe Schritt für Schritt handlungssicherer und kann das Gelernte mit in den eigenen Verband nehmen.
Ein Verwundeter trifft am Sammelpunkt ein und wird für die weitere Versorgung vorbereitet. Der Schiedsrichter (l.) begleitet die Situation und bewertet, wie die Kräfte den Übergang zur Role 1 umsetzen.
Freedom Shield macht sichtbar, dass moderne Gefechte nicht allein durch Feuerkraft, Beweglichkeit und Führung getragen werden. Eine Brigade braucht ebenso Kräfte, die Material wieder verfügbar machen, Verwundete versorgen, Abläufe absichern und Ausfälle ausgleichen. Logistik und Sanitätsdienst stehen beispielhaft für Unterstützungsleistungen, ohne die ein Verband nicht über längere Zeit durchhaltefähig bliebe. Unterstützung wirkt oft im Hintergrund, entscheidet aber unmittelbar darüber, ob ein Gefecht fortgeführt werden kann.
Wenn Fahrzeuge ausfallen, müssen sie zurück in die Nutzung gebracht werden. Wenn Menschen verwundet werden, muss Hilfe sofort beginnen. Erst das Zusammenspiel von Kampftruppe, Führung und Unterstützung macht aus einzelnen Fähigkeiten ein durchhaltefähiges Gesamtsystem.
Oder kurz gesagt: Ohne Unterstützung kein modernes Gefecht.
Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 18.06.2026, www.bundeswehr.de
Im Zeitraum 27. – 29.10.2026 führt das ZMSBw in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) seine 65. Internationale Tagung für Militärgeschichte (ITMG) in Berlin durch. Vor dem Hintergrund der sich grundlegend gewandelten sicherheitspolitischen Lage in der Welt, steht die diesjährige Tagung unter dem Titel: „Kriegsbilder und Kriegserwartungen. Vergangenheit und imaginierte Zukünfte von „Future War(fare)“.
Nach dem Ende des Kalten Krieges ist rasch deutlich geworden, dass die erhoffte „Friedensdividende“ ausgeblieben ist. Davon zeugen das Scheitern der Vereinten Nationen in Somalia, der von der Weltgemeinschaft nicht verhinderte Völkermord in Ruanda und die fast die gesamten 1990er Jahre umspannenden Kriege in Ex-Jugoslawien. Trugen die gewalttätig ausgetragenen Auseinandersetzungen in den 1990er Jahren Merkmale von „Neuen Kriegen“, so ist bereits mit den Tschetschenienkriegen, dem Georgienkrieg, der russischen Annexion von Krim und Donbass und dem Angriff auf die Ukraine sowie zuletzt mit dem Armenisch-Aserbaidschanischen Krieg deutlich geworden, dass auch der machtpolitisch begründete Staatenkrieg noch immer auf der weltpolitischen Tagesordnung steht.
Dieser wird jedoch nicht mehr nur konventionell geführt. Unter dem Schlagwort „hybride Kriegführung“ finden sich zahlreiche Varianten von teils militärischen, teils nicht-kinetischen Angriffen, etwa die agitatorische und praktische Nutzung von Politikfeldern wie Migration, die Verbreitung von demokratiegefährdenden Narrativen ohne faktenbasierten Hintergrund, aber auch Sabotageangriffe auf zivile Infrastrukturen und die Zivilbevölkerung bis hin zu staatlich angeordneten Mordanschlägen auf missliebige Personen im Ausland. Schließlich zeigt sich eine Renaissance des nuklearen Denkens, die einerseits in der Tradition des Kalten Krieges steht, andererseits als Drohkulisse ihrerseits Teil des Hybridkrieges ist.
Die prognostizierte Form eines möglichen Krieges der Zukunft, das Kriegsbild also, ist Ausdruck gegenwärtiger Zukunftserwartungen. Zugleich basieren Kriegsbilder auf vergangenen Erfahrungen. Sie tragen oftmals einen militärisch-technischen Charakter, und sie beschreiben die angenommene konkrete Realisierung eines zukünftigen Krieges („Future Warfare“). Teilweise deckungsgleich, teilweise abweichend zu diesen Vorstellungen über das Geschehen in einem künftigen Krieg sind Erwartungen in Politik, Medien und Gesellschaft, aber auch in den professionellen Fachgemeinschaften, welche Konflikte überhaupt Gefahr laufen, kriegerisch ausgetragen zu werden. Ursache, Anlass und Gegenstand potentieller Kriege stehen im Mittelpunkt von medial und wissenschaftlich erörterten Kriegserwartungen. Bei derartigen Diskussionen um den „Future War“ geht es weniger um das Kampfgeschehen als vielmehr um Implikationen für lokale, regionale oder internationale Konstellationen, Staaten und Individuen.
Die Rückkehr des zwischenstaatlichen Krieges nach Europa gibt Anlass, Vorstellungen von Krieg, Kriegführung und Kriegserwartung auf den Prüfstand zu stellen, zu historisieren und gegenwärtige Denkmuster darüber zu beleuchten. Mit der ITMG 2026 wendet sich das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr daher in einem interdisziplinären Ansatz und in vergleichender Perspektive den wissenschaftlichen Diskussionen über den Krieg und der Kriegführung der Zukunft zu.
Forschungsperspektiven
Zeitlich soll die Spannweite der Betrachtung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart reichen; räumlich einen Fokus auf Europa, Asien, Nordamerika einschließlich von Schauplätzen im Hohen Norden, der Tiefsee oder dem Weltraum einnehmen; disziplinär sind Beiträge von der Geschichtswissenschaft über Politik- und Sozialwissenschaften bis zu Fragen der Technik und Ethik wie einer Rezeptionsgeschichte aus der Film- und Literaturwissenschaft erbeten.
Für mehr Informationen – z.B. Veranstaltungsort und Anmeldung – besuchen Sie die Internetseite des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: www.zms.bundeswehr.de
Seit dem Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran steht die Straße von Hormus im Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Blockade dieses wichtigen Handelsweges hat massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, was etwa an den hohen Energiepreisen spürbar ist.
Neu ist die Nutzung der Blockade wichtiger maritimer Handelswege in militärischen Auseinandersetzungen jedoch nicht, wie drei ältere Beispiele verdeutlichen: Großbritannien initiierte nach Wiederaufnahme der Kämpfe mit Frankreich im Jahr 1803 eine Blockade französischer Häfen, auf die Napoleon mit der Kontinentalsperre antwortete (1806–1813), die USA blockierten die Südstaaten-Konföderation im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–65) und der Suezkanal blieb als Folge des Sechstagekrieges von 1967 zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten bis 1975 geschlossen.
Nordseeblockade im Ersten Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg blockierte Großbritannien mit Schiffen und Seeminen die Zugänge zur Nordsee im Ärmelkanal und im Nördlichen Atlantik bzw. am Südrand des arktischen Eismeeres. Die Operationen der Royal Navy und die diese durchführenden Kommandos trugen die Namen „Dover Patrol“ (Abriegelung des Ärmelkanals) und „Northern Patrol“ (Abriegelung des nördlichen Atlantiks zwischen Island, Schottland und den Lofoten). Ziel war es, das wirtschaftlich von Importen abhängige Deutsche Reich vom Zugang zum Atlantik abzuschneiden und mittelfristig Unruhen unter der Bevölkerung auszulösen. Die geostrategisch günstige Lage spielte Großbritannien dabei in die Hände, das zudem die größere Kriegsflotte besaß.
Die Folgen dieser Blockade bekam das Deutsche Reich in Form von Lebensmittel- und Rohstoffknappheit zu spüren. Zwar konnten einzelne deutsche Schiffe, darunter Hilfskreuzer und das Handels-U-Boot „Deutschland“, die Blockade durchbrechen, aber die Einfuhren konnten den Bedarf bei weitem nicht decken. Im Winter 1916/17 brach aufgrund der Mangelversorgung eine Hungersnot im Deutschen Reich aus, der sogenannte Steckrüben- oder auch Kohlrübenwinter, nachdem auch die noch neutralen USA – kurz vor dem eigenen Kriegseintritt – den Handel mit dem künftigen Kriegsgegner gestoppt hatten.
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges starben mehrere hunderttausend Menschen im Deutschen Reich an Unterernährung, was letztlich zur Niederlage beitrug. Denn die Mangelversorgung führte immer wieder zu Protesten und Streiks, die auch die Produktion von Rüstungsgütern beeinträchtigten, die im totalen, technisierten Krieg essentiell waren. Neben Lebensmitteln fehlten auch Heizmaterial und Hygienemittel – bspw. war Seife rationiert und musste ebenfalls über Seifenkarten bezogen werden –, was die Effekte der Unterernährung verstärkte und zu weiteren gesundheitlichen Folgen führte. Letztere wurden im Frühjahr 1918 nochmals durch die erste Welle der Spanischen Grippe verstärkt, die zusätzliche Menschenleben kostete.
Kampf gegen die Blockade
Das Kaiserreich versuchte – neben dem Einsatz von Blockadebrechern – mit verschiedenen Maßnahmen, die Blockade zu beenden. Damit verbundene Ziele der deutschen Marine waren die Störung des britischen Handels und die Vernichtung zumindest von Teilen der Royal Navy. Am 31. Mai und 1. Juni 1916 fand die Skagerrakschlacht statt, die größte Seeschlacht im Ersten Weltkrieg. Die zahlenmäßig stärkeren Briten hatten auch die höheren Verluste zu verzeichnen, doch endete die Schlacht unentschieden, ohne den vorherigen Status zu ändern. Die Royal Navy war weiterhin in der Lage, die Blockade aufrecht zu erhalten, und die Kaiserliche Marine war zu einem weiteren Versuch einer maritimen Entscheidungsschlacht nicht bereit.
Zweimal erklärte das Deutsche Reich zudem den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, der sich nicht nur gegen die gegnerischen Seestreitkräfte, sondern auch die feindliche und neutrale Handelsschifffahrt richtete; das erste Mal ab Februar 1915. Im Mai 1915 wurde im Zuge dieser Kriegsführung der auch zum Transport von Waffen genutzte britische Passagierdampfer „Lusitania“ von einem deutschen U-Boot versenkt. Dabei starben auch über 100 Amerikaner, so dass die US-Regierung mit dem Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten drohte. Deutschland nahm den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zurück. Im Frühjahr 1917, nachdem das Deutsche Reich erneut den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärt hatte, um die weiterhin bestehende Seeblockade der Briten zu brechen, traten die USA in den Krieg ein, was endgültig zur Niederlage der Mittelmächte beitrug.
Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften, 05.06.2026, www.zms.bundeswehr.de
Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und das damit einhergehende tragische Leid der Zivilbevölkerung durch die massiven Angriffe aus der dritten Dimension unterstreichen die Bedeutung und Notwendigkeit einer umfassenden bodengebundenen Luftverteidigung, elementar für den Schutz der Bevölkerung, der kritischen Infrastruktur und zum Erhalt der eigenen Operationsfreiheit. Insbesondere kommt dem Schutz Deutschlands unter anderem als logistische Drehscheibe der NATO und Aufmarschraum für unsere Partner bei einem möglichen Konflikt an der Ostflanke eine besondere Bedeutung zu.
In heutigen und zukünftigen militärischen Auseinandersetzungen zwischen hochtechnologisierten Staaten ist mit massiven Angriffen aus der Luft weit hinter der Konfrontationslinie unter anderem mit ballistischen Raketen, weitreichenden Marschflugkörpern und sogenannten One-Way-Attack Unmanned Aerial Vehicles zu rechnen. Dabei hat sich in den Kriegen zwischen Russland und der Ukraine sowie des Irans und Israel gezeigt, dass derartige Angriffe mit unterschiedlichen und in enorm hohen Anzahlen von Wirkmitteln in einem koordinierten Ansatz erfolgen, um die bestehende Luftverteidigungsarchitektur zu (über-)sättigen. Quantität gemessen an der Realität ist nachgewiesenermaßen eine neue Qualität.
Dies stellt die bodengebundene Luftverteidigung vor große Herausforderungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des Warschauer Paktes richtete sich der Fokus der NATO primär auf das internationale Krisen- und Konfliktmanagement aus. In den Auslandseinsätzen der vergangenen Jahrzehnte standen die eingesetzten Kräfte keiner nennenswerten Bedrohung aus der Luft gegenüber. In der Folge reduzierten viele der NATO-Mitgliedstaaten, wie auch Deutschland, die Kräfteumfänge im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung, investierten nur wenig in deren Modernisierung oder gaben sie gleich ganz auf. Die NATO-Mitgliedstaaten haben entsprechend reagiert und der Auf- und Ausbau des gegenwärtigen integrierten Luftverteidigungsverbundes gehört zu den höchsten Prioritäten.
Dies gilt gleichermaßen für Deutschland. Die Bundeswehr hat neben allen anderen notwendigen Handlungsfeldern zur Stärkung der Landes- und Bündnisverteidigung der Modernisierung und der Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung die höchste Priorität eingeräumt. Die bereits im Jahr 2021 eingeleitete Modernisierung der Patriot-Einheiten, die Beschaffungsvorhaben aus dem Sondervermögen der Bundeswehr, hier insbesondere die Beschaffung des Arrow Weapon Systems for Germany (AWS-G), der Luftverteidigungssysteme (LVS) IRIS-T SLM und die Entwicklung des LVS Nah- und Nächstbereichsschutz (LVS NNbS) sowie die durch Deutschland initiierte European Sky Shield Initiative bilden hierfür die Grundlage. Die Bundeswehr wird auch weiterhin umfangreich in das Rückgrat unserer Luftverteidigung, das Waffensystem Patriot, investieren. Mit den laufenden und zukünftigen Modernisierungen bleibt das System bis weit in die 2040er-Jahre eines der modernsten und leistungsstärksten Systeme zur Luftverteidigung in Europa. Damit einhergehend werden auch die Voraussetzungen für den Erhalt und die Verbesserung der multinationalen Interoperabilität und damit dem Einsatz im multinationalen Verbund geschaffen. An die Seite von Patriot werden allerdings weitere leistungsstarke Systeme treten.
Die im November 2024 mit Mittelstreckenraketen stattgefundenen russischen Angriffe auf die Ukraine offenbarten die Existenz eines neuen Raketentyps, die Oreschnik. Damit besteht Gewissheit, dass spätestens seit der Aufkündigung des INF-Vertrages Russland begonnen hat, sein Programm für die Entwicklung und Produktion präziser konventioneller, aber auch nuklearer Mittelstreckenraketen erneut aufleben zu lassen. Mittelstreckenraketen, die strategisch wichtige Ziele in der Tiefe erreichen können.
Im Rahmen der weiteren Fähigkeitsentwicklung des für Deutschland strategisch so bedeutsamen Waffensystems ist nach Abstimmung mit unseren israelischen und amerikanischen Partnern auch die Beschaffung und Integration weiterer zukünftiger Lenkflugkörper der Arrow-Familie beabsichtigt. Ziel ist es, das Potenzial des Systems weiter auszuschöpfen und sowohl Wirkungen im endo- als auch im exoatmosphärischen Bereich zu ermöglichen. Mit dem AWS-G erlangt Deutschland erstmals die Fähigkeit zur Frühwarnung vor und zur Bekämpfung von anfliegenden, weitreichenden Raketen. Damit ist der Schutz des gesamten Territoriums Deutschlands und der Bevölkerung nebst der hierin enthaltenen kritischen Infrastruktur vor dieser potenziellen Bedrohung gewährleistet. Darüber hinaus werden auch Führungseinrichtungen der NATO, Aufmarschräume und somit die logistische Drehscheibe für Verbündete in Deutschland geschützt. Dies trägt maßgeblich zum Erhalt der eigenen Operationsführung in einem möglichen Konflikt an der Ostflanke der NATO bei. Wie geplant konnte bereits im Dezember 2025 die Anfangsbefähigung des Systems hergestellt werden.
Das zukünftige Luftverteidigungssystem NNbS wird im Wesentlichen aus einer Mittelbereichskomponente und einer hochmobilen, gepanzerten Nächstbereichskomponente bestehen. Ergänzt wird es durch eine Befähigung zur Wirkung gegen small Unmanned Aircraft Systems sowie gegen Raketen, Artillerie und Mörser. Ohne einen solchen Systemverbund als System aus Systemen sind insbesondere der Schutz von Landoperationen kaum möglich. Der Entwicklungsvertrag für dieses System aus Systemen wurde Anfang des Jahres 2024 geschlossen.
Da das LVS Nah- und Nächstbereichsschutz in Teilen noch auf zu entwickelnden Komponenten basiert, bildet das in Gänze aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanzierte Luftverteidigungssystem IRIS-T Surface Launched Medium Range, kurz IRIS-T SLM, einen weiteren wesentlichen Baustein in der schnellen Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung Deutschlands. Dieses System wird bereits in der Ukraine mit beeindruckender Effektivität und großem Kampfwert eingesetzt. Der Effektor des IRIS-T SLM Systems ist eine Weiterentwicklung des Luft-Luft-Lenkflugkörpers IRIST, der auch bereits für den Einsatz durch den Eurofighter in die Luftwaffe eingeführt ist. Für die bodengestützte Variante mittlerer Reichweite wurde der Effektor um eine Zweiwege- Datenanbindung ergänzt sowie mit einem neuen, reichweitengesteigerten Feststoffraketentriebwerk und Navigationssystem ausgestattet.
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM kommt zum Abfangen von unter anderem Hubschraubern, Kampfflugzeugen, unbemannten Luftfahrzeugen sowie Marschflugkörpern zum Einsatz. In Abwandlung zu den Systemen der Ukraine werden die Systeme für die Bundeswehr zur nahtlosen Integration in den Luftverteidigungsverbund der NATO befähigt.
Das neue Luftverteidigungssystem der Luftwaffe ist ein sehr agiles, hochmodernes System. Innerhalb von Minuten ist es nach dem Bezug seiner Stellung einsatzbereit und ebenso schnell wieder bereit zur Verlegung. Dank eines hohen Grades an Automatisierung bei gleichzeitig hoher Robustheit des Systems ist nur ein sehr geringer Personalansatz notwendig. In der Ukraine konnte es bereits mit einer sehr hohen Leistungsfähigkeit und Treffgenauigkeit überzeugen und hat sich als äußerst wirksam gegen tieffliegende Marschflugkörper und sogenannten One- Way-Attack-Drohnen vom Typ Shahed erwiesen. Als ein klares Signal der Zeitenwende gilt auch die Geschwindigkeit, mit der die Bundeswehr dieses System einführt. Nach dem Vertragsschluss zur Beschaffung im Jahr 2023 wurde bereits am 4. September 2024 das erste System an die Bundeswehr zur Qualifikation und Einsatzprüfung übergeben und das für die erste Feuereinheit vorgesehene Personal der Luftwaffe erreichte nach der entsprechenden Ausbildung die Initial Operational Capability.
Im Rahmen der geplanten Fähigkeitsentwicklung beim Waffensystem IRIS-T SLM aus dem Sofortprogramm ist neben einer Erhöhung der Anzahl der Feuereinheiten auch die Ergänzung um die Komponenten der bereits marktverfügbaren SLS-Variante (Surface Launched Short Range) für die kurze Reichweite sowie der sich in der Entwicklung befindlichen Surface Launched Extended Range (SLX) beabsichtigt. Damit verfügt das Luftverteidigungssystem IRIS-T SL absehbar über einen Effektormix, mit dem vom Nächstbereich bis zu einer Entfernung von circa 80 Kilometer gewirkt werden kann, eine vor dem Hintergrund der gestiegenen, quantitativen Herausforderungen elementare Befähigung.
Dieses System ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil der European Sky Shield Initiative (ESSI). ESSI wurde 2022 durch Deutschland zur rapiden Stärkung insbesondere des europäischen Pfeilers der NATO-Luftverteidigung ins Leben gerufen. Dies soll insbesondere durch die Beschaffung marktverfügbarer Luftverteidigungssysteme zur Schließung zeitkritischer Fähigkeitslücken erreicht werden. Weiterhin im Fokus stehen das Einsparen und Bündeln von Ressourcen durch Schaffung von industriellen, wirtschaftlichen und technologischen Synergien. Ein wesentlicher Treiber von ESSI ist die Erhöhung von Interoperabilität durch gemeinsame Beschaffung gleicher beziehungsweise zumindest kompatibler Systeme. Bislang wurden Beschaffungsverträge für das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM durch mehrere europäische Partnerländer geschlossen.
Über die ESSI eröffnet sich auch die Möglichkeit, operationelle Potenziale zu erschließen. Anstatt Doubletten in Ausbildungsstrukturen in Europa zu kreieren, besteht die Möglichkeit der Multinationalisierung der IRIS-T SL-Ausbildung am Ausbildungszentrum Flugabwehrraketen der Luftwaffe. Zu diesem Zweck hat der Inspekteur der Luftwaffe Anfang September 2023 die ESSI Air Chiefs nach Deutschland eingeladen, um dieses Vorhaben, das European Air and Missile Defense Training Center, vorzustellen. Die weitere Ausgestaltung befindet sich derzeit in der Umsetzung. Mit den skizzierten Projekten werden die Fähigkeiten der bodengebundenen Luftverteidigung der Bundeswehr quantitativ und qualitativ deutlich verbessert. Gleichzeitig ist sie mit den Weiterentwicklungsmöglichkeiten und absehbaren Leistungssteigerungen zukunftsfähig aufgestellt. Zudem werden die Möglichkeiten des Wirkens gemeinsam mit multinationalen Partnern im Verbund erheblich gestärkt. Damit leistet Deutschland einen weiteren wichtigen Beitrag zur Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO-Luftverteidigung und des Bündnisses insgesamt.
Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Hardthöhen-Kurier, 08.06.2026, www.hardthoehenkurier.de
Autoren: Oberst i.G. Dennis Krüger und Oberstleutnant Thomas Finkeldey, Kommando Luftwaffe
Vier Kampfpanzer im Gelände finden und während der Fahrt mit Kamikazedrohnen angreifen: Diese Aufgabe galt es, beim zweiten Praxistest des Aufklärungs- und Wirkverbundes im April 2026 zu erfüllen. Eingesetzt wurden auch Soldatinnen und Soldaten, die ab 2027 mit der neuen Technik Teil der Brigade Litauen sein werden.
Fünf Monate nach dem ersten Test des Aufklärungs- und Wirkverbunds (AWV) im Dezember 2025 hat das Planungsamt der Bundeswehr das zweite Schießen auf dem Übungsplatz im thüringischen Ohrdruf durchgeführt. Der AWV ist ein System, bei dem Aufklärungsdrohnen und Systeme zur Bekämpfung intelligent zusammenarbeiten. Das Ziel dieser Vernetzung: den Gegner auf große Distanz mit den Aufklärungsdrohnen finden und umgehend mit der Loitering Munition (LM) bekämpfen. Mehr dazu finden Sie im Beitrag zu Loitering Munition.
Damit der Aufklärungs- und Wirkverbund funktioniert, müssen nicht nur die einzelnen Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition jeweils für sich funktionieren, sondern auch als Gesamtsystem und unter Gefechtsbedingungen. Verbindendes Element der einzelnen Teilsysteme, die von unterschiedlichen Herstellern kommen und damit jeweils die hauseigene Software mitbringen, ist die bundeswehreigene Führungssoftware mit dem Namen Unmanned Management System (UMS).
Um die notwendige Einsatzreife dieses Gesamtsystems möglichst schnell zu erreichen, sei es notwendig, Praxistests wie in Ohrdruf gemeinsam mit den Herstellern durchzuführen, erläutert Tobias T., Leiter des Projekts im Planungsamt der Bundeswehr. Nur so sei eine zügige Fortentwicklung möglich, um den Aufklärungs- und Wirkverbund einsatzbereit in Litauen stationieren zu können. Dabei betont T.: „Dieses System wird nie fertig sein. Durch die rasante Entwicklung wird es ständig Updates geben, um die Teilsysteme zu verbessern und anzupassen. Entsprechend wurden die Kaufverträge auch gestaltet.“
Verglichen mit der ersten Testung waren die Ansprüche an das gesamte System in Ohrdruf erheblich höher. Die Bediener kamen nicht von den Herstellerfirmen, sondern aus der Truppe. Dabei kannten einige der Soldatinnen und Soldaten das System erst wenige Tage und führten dennoch mehreren LMS gleichzeitig in der Luft. Erschwerend kam in der Übung hinzu, dass die Leopard-2-Panzer nicht standen, sondern in Fahrt getroffen werden sollten – natürlich ohne scharfen Gefechtskopf.
Die Stellungen, aus denen die Drohnen auf dem hügeligen Gelände des Übungsplatzes in Ohrdruf gestartet wurden, waren nicht vorbereitet. Der Grund: Im Einsatzfall würden die Soldatinnen und Soldaten regelmäßig ihren Ort wechseln, um nicht selbst entdeckt zu werden. Das bedeutet, dass die gesamte Infrastruktur zur Sicherstellung der Datenverbindung im Gelände aufgebaut und betrieben werden musste. „Wir ziehen in Baumreihen, Scheunen und hinter Hügeln unter – ohne direkte Sicht auf das Zielgebiet. Das ist natürlich eine Herausforderung für die Datenlinks, die essenziell für das System sind. Entsprechend müssen wir lernen, wie wir damit umgehen, sowohl technisch als auch taktisch“, erklärt der Fachmann aus dem Planungsamt.
Mit den natürlichen Herausforderungen durch Gelände, Wetter und Entfernung war es aber nicht getan beim Schießen in Ohrdruf. Denn am Ende wird der Gegner alles dran setzen, sich vor den Angriffen der Kamikazedrohnen zu schützen. Ausweichmanöver der Panzerbesatzungen, Nebelkerzen und elektronische Gegenmaßnahmen stellten die Bediener und die Zielerfassungssoftware der LMS vor zusätzliche Herausforderungen.
Arbeiten wie beim Schießen in Ohrdruf nachgewiesen mehrere unbemannte Systeme zusammen, könne man von einer Schwarmfähigkeit sprechen, die mit der weiteren Entwicklung des Aufklärungs- und Wirkverbunds immer stärker zum Tragen komme, so Oberstleutnant T. Am Ende sei hier die verfügbare Bandbreite der Datenverbindung der entscheidende Faktor.
Erste LMS-Batterie für Litauen
„Im Gegensatz zur klassischen Rohr- und Raketenartillerie können wir mit diesem Aufklärungs- und Wirkverbund über eine größere Entfernung schießen und auch fahrende Ziele bekämpfen“, erklärt Major Fabian S., Chef der ersten LMS-Batterie in der Geschichte der deutschen Artillerie. In dieser Funktion wird Major S. im kommenden Jahr mit seinen Männern und Frauen als 5. Batterie des Artilleriebataillons 455 der Panzerbrigade 45 in Litauen unterstellt werden. „Für uns ist es von großem Wert, so früh in die Entwicklung des AWVs eingebunden zu werden. Zum einen fließen unsere Rückmeldung direkt in die Weiterentwicklung ein. Zum anderen haben wir das Privileg, die taktischen Einsatzverfahren für das System mit zu entwickeln“, so der Batteriechef.
Vor dem Hintergrund der absehbaren Stationierung in Litauen sind die Erwartungen der Truppe auch entsprechend hoch. Eine große Reichweite, um den Feind möglichst tief im Raum zu bekämpfen sowie eine hohe Trefferquote seien unabdingbar, so Major S. Zudem müsse das System natürlich bei jedem Wetter funktionieren und auch unter hoher Belastung von den Soldatinnen und Soldaten sicher bedient werden können.
Neben der Batterie von Major S. wird das Artilleriebataillon 215 aus Augustdorf als zweiter Verband mit dem Aufklärungs- und Wirkverbund ausgestattet werden. Beide Batterien werden in ihren jeweiligen Bataillonen die klassische Rohrartillerie, bestehend aus Panzerhaubitzen 2000, ergänzen.
Bundeswehr nutzt Erfahrung der Ukraine
Dass die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Verteidigungskampf auch die Aufklärungs- und „Kamikazedrohnen“ nutzen, die für den Aufklärungs- und Wirkverbund vorgesehen sind, sei ein großer Vorteil, erklärt Oberstleutnant Tobias T. „Wir bekommen Einsatzberichte sowohl von den Unternehmen als auch von den ukrainischen Streitkräften. Das hilft uns natürlich sehr, wobei wir bei der Auswertung auch vorsichtig sein müssen, denn nicht immer sind alle Rahmenbedingungen wie Wetter oder Ausbildungsdauer der Bediener bekannt. Zudem unterscheiden sich die Systeme der Ukrainer in manchen Bauteilen zu denen, die wir kaufen.“
Und auch mit Blick auf die Trefferquoten ist das tatsächliche Bild bei unbemannten Systemen trüber, als viele annehmen, die lediglich das Videomaterial aus der Ukraine von erfolgreichen Drohnenangriffen sehen. Das betreffe alle Systeme: sowohl billige FPV- Drohnen mit kurzer Reichweite als auch größere Systeme, betont der Fachmann vom Planungsamt. „Im Schnitt, über alle Systeme hinweg, können wir eine deutlich niedrigere Erfolgsquote erkennen. Umwelteinflüsse, elektronische Gegenmaßnahmen oder einfache Verbindungsabrisse sind an der Tagesordnung. Wenn der Aufklärungs- und Wirkverbund unter Gefechtsbedingungen mindestens eine Quote von eins zu vier erreiche – also eine von vier LMS ihr Ziel erreicht und auch tatsächlich zerstört – sei das gut, so die Einschätzung des Experten.
Die Entwicklung dieses Aufklärungs- und Wirkverbundes ist für die Bundeswehr allerdings nur ein erster Schritt hin zu einer ganzen Reihe von AWVs auf verschiedenen Ebenen in der Verbandsstruktur des Heeres. So ist der AWV, der für die Panzerbrigade 45 in Litauen geplant ist, auch dezidiert für den Einsatz auf Brigadeebene vorgesehen. Daraus leiten sich beispielsweise die Anforderung der Reichweite ab oder auch die Kampfaufträge für die Batterie.
Daneben gibt es bereits Projekte für einen AWV auf Divisionsebene mit entsprechend höherer Reichweite sowie einen AWV für kurze Reichweite auf Bataillonsebene, wo auch eine neuartige Software zum Tragen kommt. Bei letzterem würden die Stückkosten pro LMS auch deutlich sinken, erklärt Oberstleutnant T. „Insbesondere die geforderte Reichweite und die Fähigkeiten sind es, die ein System teuer macht. Darüber hinaus zahlt auch die Produktionsmenge auf die Reduzierung der Stückkosten ein. Ein System wird dann günstig, wenn die notwendige Stückzahl erreicht ist, sodass die Produktion industrialisiert werden kann.“
Unterm Strich ist der Projektleiter aus dem Planungsamt zufrieden mit dem Schießen in Ohrdruf. „Wir haben große Fortschritte gemacht. Einige Probleme, die wir zuvor erwartet haben, sind allerdings auch so eingetreten. Daher haben wir bereits die kommenden Tests in diesem Jahr schon darauf ausgerichtet, diese zu beheben.“
Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 20.05.2026, www.bundeswehr.de
Die Heimatschutzdivision probt den Ernstfall: Mit der großangelegten Divisionsübung Vigilant Roland trainieren erstmals bundesweit mehr als 650 Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzes zeitgleich an mehreren Standorten in Deutschland den Schutz militärischer Verlegungen und verteidigungswichtiger Infrastruktur.
Deutschland ist zentrale logistische Drehscheibe für die Verlegung von NATO-Truppen an die Ostflanke des Bündnisgebiets. Die Funktionsfähigkeit dieser „Drehscheibe“ sicherzustellen, gehört zu den Kernaufgaben der Heimatschutzdivision.
Im Spannungs- und Verteidigungsfall schützen Heimatschutzkräfte deshalb kritische Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen, Bahnlinien, Brücken oder Energieanlagen. Ziel ist es, den Aufmarsch eigener und verbündeter Kräfte zu gewährleisten und Sabotage oder Angriffe auf kritische Infrastruktur abzuwehren.
Der Großteil der Heimatschutzdivision sind Reservistinnen und Reservisten. Damit zeigen die Kräfte, welche zentrale Rolle die Reserve künftig bei der Landes- und Bündnisverteidigung spielt. Für die erst 2025 aufgestellte Heimatschutzdivision ist Vigilant Roland, zu Deutsch Wachsamer Roland, die erste große Divisionsübung.
Realitätsnahes Übungsszenario
Geführt wird die Übung aus dem Divisionsgefechtsstand in Berlin-Tegel Nord. Im Schwerpunkt trainieren die Heimatschutzregimenter 3 aus Nienburg/Weser und 5 aus Ohrdruf. Unterstützt werden sie durch Kräfte der Heimatschutzregimenter 1 aus Roth, 4 aus Alt Duvenstedt und 6 aus Altengrabow.
Die Übung ist bewusst realitätsnah angelegt mit dem klaren Fokus auf Drohneneinsatz und -abwehr, letzteres auch mit scharfer Munition auf einem Übungsplatz. Parallel zu Vigilant Roland verlegt die Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg/Sachsen gerade tatsächlich Kräfte und Material. Heimatschützer sichern dabei Bahnentladungen, Bereitstellungsräume und logistische Knotenpunkte.
Künftig soll das Manöver halbjährlich mit wechselnden Schwerpunkten durchgeführt werden.
Ein wichtiger Teil der Heimatschutzübung findet auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen statt. Dort sichern Heimatschützer die Bahnentladung von Kettenfahrzeugen der Panzergrenadierbrigade 37 sowie anschließend einen Bereitstellungsraum – ein Gebiet, in dem sich die Truppe sammelt. Fahrzeuge, darunter Schützenpanzer Marder, Transportpanzer Fuchs und Panzerhaubitzen 2000, müssen im Schutze der Sicherungskräfte von den Waggons über die Entladerampe rollen.
Dabei besteht permanent die Gefahr eines Angriffs durch irreguläre Kräfte. Interessant: Die Entladung unter Sicherung wird das erste Mal nach 30 Jahren überhaupt wieder geübt. Als Neuerung müssen die Sicherungskräfte zusätzlich mit Angriffen durch UAVs, also Drohnen, klarkommen und professionell handeln.
Sicherung von Rast- und Versorgungsplätzen
Warum wird die Sicherung am Gleis geübt? Gerade Bahntransporte spielen bei der schnellen Verlegung großer Truppenverbände eine entscheidende Rolle. Die Sicherung solcher Umschlagpunkte zählt daher zu den wichtigsten Aufträgen der Heimatschutzdivision.
In Fritzlar und Schwarzenborn in Hessen trainieren Soldatinnen und Soldaten zusätzlich die Sicherung militärischer Kolonnen und eines sogenannten Convoy Support Centers. Diese Rast- und Versorgungsplätze dienen der Aufnahme von Marschkolonnen und deren Versorgung, beispielsweise mit Treibstoff und Munition. Während dieser kritischen Phase gelten Kolonnen als besonders schutzbedürftig.
Drohnenabwehr und schwere Waffen
Mit der Übung wird deutlich, wie umfassend und realitätsnah Drohnen mittlerweile in das Heer implementiert sind. „Drohnen sind Teil der DNA der Heimatschutzdivision. Wir integrieren sie seit unserem Bestehen intensiv in unseren Auftrag sowie in unsere Ausbildung“, erklärt der Kommandeur der Heimatschutzdivision, Generalmajor Andreas Henne.
Auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg steht zudem die Ausbildung an den eigenen schweren Waffen im Mittelpunkt. Geübt wird mit der Granatmaschinenwaffe sowie dem schweren Maschinengewehr Kaliber 12,7 Millimeter, kurz SMG, die den Heimatschutzkompanien zu Verfügung stehen. Dadurch steigern die Kräfte nicht nur ihre Feuerkraft, sondern insgesamt ihre Einsatz- und Verteidigungsfähigkeit.
Die Besonderheit: Heimatschutzkräfte sind die einzigen Kräfte des Heeres, die das SMG abgesessen auf Dreibein einsetzen und dies auch intensiv üben. Das verschafft der Truppe Flexibilität bei ihrem Sicherungsauftrag. Denn das SMG kann sowohl zerlegt und verstaut in einer Art Kraxe auf dem Rücken als auch in vielen Fahrzeugen schnell und unkompliziert an den Einsatzort gebracht werden.
Die Übung verdeutlicht auch die besondere Struktur der Heimatschutzdivision. Der Großteil der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten sind Reservistinnen und Reservisten. Sie bringen wertvolle Erfahrung aus ihren zivilen Berufen sowie aus militärischen Vorverwendungen mit. Sie sind fest in die Truppe integriert und unterstützen die Bundeswehr verlässlich im Heimatschutz.
Insbesondere im Rahmen von Vigilant Roland arbeiten sie eng mit aktiven Truppenteilen sowie mit zivilen Behörden und Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr, Bundespolizei und Rotes Kreuz zusammen. Dadurch entsteht derzeit ein vernetzter Heimatschutz, der militärische und zivile Fähigkeiten immer mehr miteinander verbindet.
Deutschland in Deutschland verteidigen
Insgesamt ist die Botschaft der Übung klar: Die Heimatschutzdivision verteidigt Deutschland in Deutschland. Denn während Kampftruppen an der NATO-Ostflanke eingesetzt würden, sorgt der Heimatschutz im Inland dafür, dass Nachschub, Verstärkung und Verlegung abgesichert werden. Die Heimatschutzdivision unterstützt damit die anderen Divisionen des Deutschen Heeres und stärkt die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und des Bündnisses bereits jetzt.
Was die deutsche Panzerbrigade 45 künftig für Litauen sein soll, ist die kanadisch geführte Multinational Brigade Latvia für den nördlichen Nachbarn Lettland: 2024 wurde beschlossen, auch die dort im Rahmen der NATO enhanced Forward Presence (eFP) stationierte Multinational Battlegroup zu einer Brigade auszubauen, um die Verteidigungsfähigkeit gegen mögliche russische Angriffe auf die baltischen Staaten zu stärken. Die Zielstärke beträgt 3.500 Mann, von denen Führungsnation Kanada rund 2.200 stellt.
Wie auch bei der Panzerbrigade 45 wurde die bisherige eFP-Battlegroup als ein Manöverelement in den neuen Großverband integriert. Daneben stellen die skandinavischen Nachbarn Dänemark und Schweden im jährlichen Wechsel ein zweites Bataillon. Im Januar 2025 entsandte Schweden als neuestes NATO-Mitglied erstmals 600 Soldatinnen und Soldaten seines Südskandinavischen Regiments (Södra skånska regementet) mit Schützenpanzern CV9040 und Kampfpanzern Strv 122 ins lettische Ādaži.
Multinational Brigade ist einsatzbereit, aber noch ausbaufähig
Schweden verlegte zudem Radhaubitzen Archer für das multinationale Artilleriebataillon der Brigade. Lettland beschafft hierfür 18 eigene Selbstfahrgeschütze dieses Typs. Ein drittes Manöverelement gibt es im Normalbetrieb nicht, jedoch stellt Kanada ein Hubschrauberbataillon mit bislang vier CH-146 Griffon (Bell 412) und zwei CH-147 Chinook sowie eine Aufklärungs-Eskadron. Hinzu kommen weitere multinationale Brigadeeinheiten für Logistik und Sanitätsdienst sowie ein Scharfschützenzug.
Schwedische Soldaten der kanadisch geführten Multinational Brigade Latvia während der Übung Oak Resolve im vergangenen Jahr.
Insgesamt sind derzeit 14 Nationen an der Brigade beteiligt. Größere Kontingente stellen unter anderem Italien, Polen und Spanien mit mechanisierten Kompanien für die bisherige eFP-Battlegroup. Seine Einsatzbereitschaft erreichte der Großverband nominell bereits mit der Übung Oak Resolve im Frühjahr 2025, jedoch soll der volle Aufwuchs erst in diesem Jahr abgeschlossen werden. Kanada hat bereits über 315 Millionen Euro in den Ausbau militärischer Infrastruktur an den Standorten Ādaži, Ceri und Lielvārde investiert und plant weitere 64 Millionen auszugeben.
Der Großteil davon ist für die Erweiterung des Luftstützpunkts in Lielvārde vorgesehen. Künftig sollen dort bis zu sechs Griffon und vier Chinook gleichzeitig operieren und auch Transportflugzeuge vom Typ CC-177 Globemaster II untergebracht werden können. Neben der Multinational Brigade unterhält Kanada enge Verbindungen zur einzigen aktiven Heeresbrigade des Gastgeberlands: Derzeit sind sechs kanadische Offiziere in diese integriert, darunter der stellvertretende Brigadekommandeur.
Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Soldat & Technik, 22.05.2026, www.soldat-und-technik.de