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Kampf in der Zukunft – Wie das Heer zukünftig kämpft

Wie kämpft das Heer in der Zukunft? Wie stellt es sich dem Gefecht, um zu gewinnen? Das zeigt die Lehr- und Versuchsübung in der „Hauptstadt des Heeres“. In Munster führen Soldatinnen und Soldaten verschiedener Verbände vor, wie das Gefecht zukünftig aussehen wird und wie sie kämpfen, um zu gewinnen.

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster, der „Hauptstadt des Heeres“ zeigt, wie die Soldatinnen und Soldaten des Heeres in Zukunft kämpfen werden

Das Gefecht auf der Schießbahn 3 in Munster beginnt mit einem Surren. Dieses unverkennbare Geräusch ist ein bestimmendes Merkmal der „neuen“ Art zu kämpfen. Drohnen sind dabei längst nicht mehr nur Aufklärungsmittel, auch findet der Erstkontakt zum Gegner zukünftig meist unbemannt statt.

Eine Stimme aus dem Off erklärt zu Beginn der Übung die Phasen der Operationsführung.
„Erstens: Aufbau und dauerhafter Erhalt des eigenen Schutzschirmes durch vernetzte Sensorik, weitreichendes Feuer, Flugabwehr, Elektromagnetischen Kampf sowie KI-gestützte Datenverarbeitung.
Zweitens: Stören, Sättigen oder zeitweises Niederhalten des gegnerischen Schutzschirmes durch koordinierte Effekte aus allen Dimensionen.
Drittens: Die bewegliche Operationsführung, geprägt durch Feuer und Bewegung. In dieser Phase entscheiden Mobilität, Abstandsfähigkeit Duellfähigkeit und präzise Wirkung über den Erfolg des Gefechtes.“

Diese Anmoderation benennt das neue Strukturmerkmal auf dem Gefechtsfeld, den Schutzschirm und die sich überlagernden Schutzschirme der Konfliktparteien.

Neues Kriegsbild

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster verfolgen an mehreren Tagen der Bundeskanzler, der Verteidigungsminister und der Generalinspekteur, die Mitglieder des Verteidigungsausschusses, die Heeresführung und Schulkommandeure. Angereist sind auch Vertreter verschiedener Organisationsbereiche, forschender und testender Einheiten, des Cyber Innovation Hub und der Rüstungsindustrie.

Um die Sicherheit der NATO, Europas und somit auch Deutschlands stand es noch nie so ernst. Russland ist die Hauptbedrohung für den euro-atlantischen Raum. Es rüstet auf, in einem Tempo, das es so, noch nie gab. Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine wurden die russischen Streitkräfte massiv ausgebaut. Damit sind ebenfalls neue Militärstrukturen entstanden, die strikt gegen den Westen ausgerichtet sind. Zahlen wie 1,5 Millionen aktive russische Soldaten oder etwa 400.000 zum Einsatz gebrachte Drohnen im letzten Jahr in der Ukraine kennzeichnen diese Entwicklung.

Der Krieg in der Ukraine hat ein Kriegsbild gezeigt, auf das sich die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einstellen. Es wurden Technologiesprünge und folgend Entwicklungen sichtbar, denen das Heer folgt und die es vorantreibt. Zukünftig entscheidet in Kriegen die Beherrschung sehr großer Datenmengen auch über Sieg oder Niederlage. Künstliche Intelligenz nimmt dabei einen immer größer werdenden Raum ein.

Der Auftrag bleibt, der Kampf ändert sich

Der Auftrag bleibt, aber zukünftige Gefechte werden anders aussehen

Raum halten und Raum nehmen, auch gegen feindlichen Widerstand ist der unveränderte Kernauftrag der Streitkräfte. Doch wie dies geschieht, unterliegt einem strikten Wandel. Das Gefechtsfeld wird transparent. Lückenlos erfassen Aufklärungsmittel und Sensoren Bewegungen. Diese Informationen werden nahezu in Echtzeit verarbeitet. Somit erfolgt unmittelbar nach der Aufklärung der Waffeneinsatz. Die Zeit zwischen Erkennen und Bekämpfen schrumpft auf ein Minimum. Auch der massenweise Einsatz kostengünstiger vernetzter und häufig unbemannter Systeme verändert die Gefährdung der Soldatinnen und Soldaten signifikant. Zudem wirken Drohnen nicht mehr isoliert, sondern im Verbund. Mit dem Ergebnis, dass Sichtbarkeit zur Verwundbarkeit wird.

Der Schutzschirm ist zentral für die Operationsführung und vernetzt alle Ebenen, Aufklärung und Wirkung, vom Einzelsystem bis zum großen Gefechtsverbund. Er wird gespeist aus einer Vielzahl von Sensoren und arbeitet KI-gestützt. Aus allen Richtungen entsteht ein nahezu lückenloses Echtzeit-Lagebild. Bedrohungen werden sofort erkannt und die Soldaten reagieren. Allerdings hängt seine Schutzwirkung davon ab, wie schnell und korrekt riesige Datenmengen gewonnen und verarbeitet werden können. Es gilt der Grundsatz: Wer Informationen schneller gewinnt, verarbeitet und präzise in Wirkung umsetzt, gewinnt.

Der Schutzschirm wird Voraussetzung für das Gefecht

Sensorik und Schutzschirme sind die Grundlage für den Einsatz der Kampftruppe. Wer schneller Daten verarbeitet, transportiert und auswertet, gewinnt.

Dieser Grundsatz gilt aber auch für den Gegner, sodass ohne einen eigenen Schutzschirm auf dem Gefechtsfeld kaum Bewegungen oder Durchhaltefähigkeit möglich sind. Erst wenn der eigene Schutzschirm steht und der gegnerische Schutzschirm gestört oder zerstört ist, entsteht die Möglichkeit dem Gegner ernsthafte Verluste zuzuführen.

Das kleine Heidedorf inmitten der Schießbahn ist das strategische Ziel der Operation. Zum Aufbau des Schutzschirmes sind das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM sowie das Flugabwehrsystem Skyranger 30 in Stellung gegangen. Die Uranos KI-Ausstattung nutzt Drohnen, Bodenkontrollstationen und Künstliche Intelligenz. Sie sammelt Daten, die in der Luft und am Boden aufgezeichnet werden und erstellt ein Echtzeit-Lagebild. Die Aufklärungssysteme FALKE und Twister, die bodengebundene Drohne Gereon oder das unbemannte Kettenfahrzeug Themis tragen mit ihren Daten zum Schutzschirm bei. Parallel geht in Heidedorf der Roboter Ziesel mit dem adaptiertem Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystem MELLS in Stellung und bekämpft unbemannt die ersten gegnerischen Ziele.

Es gelten selbstverständlich die bisherigen Einsatzgrundsätze. So tragen auch weit vor Operationsbeginn eingesetzte Fernspähkräfte nach wie vor mit ihren Informationen dazu bei, den Schutzschirm des Gegners zu schwächen oder gar zu stören.

Feuer und Bewegung zur Entscheidung

Die Loitering Munition Systeme, sogenannte Kamikazedrohnen, ändern das Gefecht grundlegend. Vergleichsweise kostengünstig bekämpfen sie präzise gegnerischer Ziele auf sehr große Entfernung.
Wenn der Schutzschirm steht, schlägt die Zeit für die hochbewegliche Operationsführung. Angriffsschwung ist die Grundlage des Erfolges.

Die Entscheidung bringt nach wie vor der Kampf: Doch es gilt, den eigenen Schutzschirm aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Dieser Schutz wird zur Voraussetzung jeder Operation. Zusätzlich muss der gegnerische Schutzschirm gestört, niedergehalten, abgenutzt und schließlich durchdrungen werden. Aus „die letzten 100 Meter gehören dem Heer“ wird „die letzten 5.000 Meter gehören dem Heer“. Die gegnerischen Sensorsysteme sind gesättigt und der Schutzschirm des Gegners wird geschwächt – gute Voraussetzungen, um die Entscheidung im Kampf zu suchen.

In Munster gehen Geschütze der Artillerie in Stellung. Raketenwerfer MARS, Radhaubitze RC 155, Panzerhaubitze 2000 und der Mehrfachraketenwerfer PULS bereiten mit ihrem weitreichenden Feuer den Einsatz der Panzertruppen sowie der schweren Infanterie vor. Die abstandsfähigen Systeme schwächen den gegnerischen Schutzschirm aus sehr großer Distanz. Auch hier kommen neue Systeme zum Einsatz. Über Heidedorf fliegt die Loitering Munition, umgangssprachlich Kamikazedrohne mithilfe eines eigenen Antriebs in den Einsatzraum und kreist dort eine gewisse Zeit in der Luft. Eigene Sensoren und eine intelligente Software erkennen selbstständig Ziele und identifizieren einen feindlichen Kampfpanzer oder Gefechtsstand. Der Bediener entscheidet schließlich, das Flugobjekt samt Sprengladung gegen das Ziel einzusetzen. Auch ganze Drohnenschwärme werden zukünftig eingesetzt, um die Sensorik des Gegners zu stören, zu überlasten oder sogar zu bekämpfen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, eine schnelle Reaktionsfähigkeit sowie eine präzise Bekämpfung mit einer meist höheren Reichweite als Artilleriegranaten.

Mittlere und Schwere Kräfte mit Angriffsschwung

Der schwere Waffenträger Infanterie (gelbe Flagge) und der Radschützenpanzer Schakal (grüne Flagge) werden zukünftig in Gefechten zur Verfügung stehen

Die Ausweitung und Überlagerung der Schutzschirme folgen den Grundsätzen des Verzögerungsgefechtes, mal in Feind- oder die eigene Richtung mit fortwährendem Einsatz von Drohnen zur Aufklärung oder zum Kampf. Die Entscheidung über Sieg oder Niederlage sucht der militärische Führer jedoch im direkten Kampf, dazu werden Mittlere und Schwere Kräfte massiert mit Angriffsschwung und dem Willen zum Sieg eingesetzt: Feuer und Bewegung mit Aufklärung voraus.

Kampfpanzer Leopard und Schützenpanzer Puma stehen für Präzision und Schlagkraft. Panzergrenadiere wechseln in der Ortschaft ihre Kampfweise und bekämpfen den Gegner im urbanen Gelände. Die Leoparden kämpfen darüber hinaus auf große Entfernungen und sichern die Flanken. Weitreichende Feuerunterstützung aus einem gemischten Schwarm Kampfhubschrauber Tiger und dem leichten Kampfhubschrauber H145M zerschlagen auf große Entfernung den feindlichen Gegenstoß.

Das Gefecht um Heidedorf hat vielfältige Waffensysteme gezeigt, solche, die das Heer schon hat und solche, die in den kommenden Jahren in die Truppe kommen sollen. Systeme, die zusammen operieren, mit dem Ziel einen eigenen Schutzschirm aufzubauen, den gegnerischen zu durchdringen und im dynamischen Gefecht die Entscheidung herbeizuführen.

Wie das Heer künftig kämpfen wird, um gewinnen zu können, ist Ausgangspunkt und Triebfeder für den Weg, den es eingeschlagen hat. Mit dem Ziel das Heer neu aufzustellen. „Wir wissen, was wir dazu brauchen, wie wir uns dazu organisieren müssen und was wir dazu ausbilden müssen. Der Campaign Plan Heer 2035+ ist dafür der operative Handlungsrahmen“, so der Inspekteur.

Dynamische Schau neuer Aufklärungs- und Waffensysteme

Gepanzerte Verbände am Boden werden nach wie vor durch fliegende Verbände unterstützt und kämpfen im Verbund
Der GTK Boxer ist die bereits bewährte Plattform für die Mittleren Kräfte. Der Schakal (Hintergrund) vereint die GTK Plattform mit dem Waffenturm des Schützenpanzers Puma.
Der FALKE, ein ferngeführtes Aufklärungssystem, luftgestützt und für kurze Entfernungen trägt mit seinen Informationen zum Ausbau des Schutzschirmes bei
Auch für den Transport von Verwundeten werden bodengebundene Roboter eingesetzt
Waffenmix: Weitreichende Waffen, indirektes Feuer vom Boden oder aus der Luft, also Schlagkraft und Entschlossenheit sind der Schlüssel zum Erfolg
Pioniere unterstützen mit ihrer Panzerschnellbrücke Leguan das Gefecht. So können Gefechtsfahrzeuge Gewässer überqueren.
In zukünftigen Gefechten sind Drohnen in jeder Phase des Gefechts eingebunden. Sie sind geradezu allgegenwärtig.
Drohne, Roboter, Raketenwerfer: Wie das Heer kämpfen wird, steht im Campaign Plan 2035+
Der Boxer-Brückenleger kombiniert die hohe Mobilität und Geländegängigkeit des Boxer-Fahrmoduls mit dem Missionsmodul zur Verlegung von Brücken
Die Radhaubitze RCH 155 kombiniert Feuerkraft und Reichweite des Artillerie-Geschütz-Moduls mit dem Schutz und der Mobilität des Radpanzers Boxer
Die Aufklärungsdrohne Twister ist der Nachfolger des Systems ALADIN. Sie kann senkrecht aus dem Stand starten.
Die fernbedienbare Waffenanlage Midgard 40 hat die Granatmaschinenwaffe 40 Millimeter adaptiert

Erstveröffentlichung in YNSIDE, 30.04.2026

Bilder: ©Bundeswehr/Marco Dorow

Neue Publikation: Technikwissen und Wissenstechniken. Militär, Wissen und Technik seit der Hochmoderne

Technik war und ist eine zentrale Triebkraft militärischer Transformation. Der Blick der Forschung war jedoch lange auf Rüstung, Forschung und Entwicklung beschränkt. Dieses Buch wählt einen anderen Ansatz – es rückt die Kategorie Wissen ins Zentrum: das Wissen über Technik und Techniken des Wissens im militärischen Kontext.

Unter den Leitbegriffen Technikwissen und Wissenstechniken untersuchen die Beiträge des Bandes Wissensformen der Militärtechnik in ihren Verschränkungen in deutschen Streitkräften seit dem späten 19. Jahrhundert. Das Buch ermöglicht ein neues Verständnis dafür, wie Militär nicht nur Technik nutzt, sondern aktiv Wissensordnungen produziert. So eröffnen sich neue sozial- und geschichtswissenschaftliche Perspektiven auf die Verflechtung von Technik, Wissen, Militär und Krieg.

Das Buch

Der von Christian Kehrt, Markus Pöhlmann und Frank Reichherzer herausgegebene Band versammelt 15 Beiträge, die epochal und thematisch ein breites Feld beleuchten: vom Kriegsschiffbau Mitte des 19. Jahrhunderts über die „Dicke Bertha“ im Ersten Weltkrieg bis zum Computereinsatz bei Nachrichtendiensten in den 1970er-Jahren und von der Kartografie im Deutschen Kaiserreich über Technikspionage im Zweiten Weltkrieg bis zu Visionen über Kybernetik in der NATO. Eine Auswahlbibliografie ermöglicht einen Einstieg in das Feld von Wissen, Technik und Militär.

Angaben zum Buch

Technikwissen und Wissenstechniken. Konstellationen von Militär, Wissen und Technik seit der Hochmoderne. Hrsg. im Auftrag der Technischen Universität Braunschweig und des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr von Christian Kehrt, Markus Pöhlmann und Frank Reichherzer. Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg 2026 (= Beiträge zur Militärgeschichte, 85), 310 Seiten, 39,95 EUR, ISBN 978-3-11-138052-0; E-Book im EPUB-Format: 39,95 Euro, ISBN 978-3-11-138116-9

Weitere Informationen zum Buch finden sie auf der Website des ZMSBw.

Quelle: Pressestelle ZMSBw/Bildrechte: ZMSBw

Ukrainekrieg: Weitere Automatisierung von Kampf und Logistik

Die Ukraine strebt an, die gesamte Logistik an der Front im Krieg gegen die russische Invasion von unbemannten Systemen übernehmen zu lassen. Das ist eine Folge der durch die zunehmende Drohnenkriegführung entlang der Frontlinien entstandenen „Kill Zone“ mit ständiger Bedrohung aller Truppenbewegungen und des ohnehin bestehenden Personalmangels der ukrainischen Streitkräfte. Wie Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow Mitte April erklärte, würden dazu im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 25.000 unbemannte Bodenfahrzeuge (UGV) bestellt, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.

Allein im März hätten die Streitkräfte über 9.000 UGV-Einsätze zu Logistik- und Evakuierungszwecken durchgeführt, so Fedorow. Kurz zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Zahl unbemannter Mission in den vergangenen drei Monaten mit über 22.000 angegeben. Besonders hatte er auf den ersten Fall hingewiesen, in dem eine befestigte russische Stellung in der Oblast Charkow nur durch unbemannte Luft- und Bodensysteme eingenommen worden sei. Russische Soldaten hätten dabei ein Pappschild mit der Aufschrift „Wir wollen uns ergeben“ gezeigt und seien von Drohnen in Gefangenschaft geleitet worden.

Ukraine nutzt gezielt gegnerische Truppenstärke ab

Obwohl sicherlich ein Einzelfall, stellt dies auch den Grundsatz in Frage, dass Gelände letztlich immer noch nur von menschlichen Soldaten besetzt und gehalten werden kann. Deutlich wird mittlerweile, dass selbst Russland bei seinen personellen Ressourcen für Offensivoperationen an Grenzen stößt. Im März hatte es netto sogar etwas Gelände verloren. Russischen Militärbloggern zufolge ist die Ukraine von einer Strategie der Geländeverteidigung zur gezielten Abnutzung der gegnerischen Truppenstärke übergegangen, wobei teilweise bis zu 70 Drohnen gegen einen einzelnen Soldaten eingesetzt würden.

Ein bewaffnetes unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) in der Ukraine

Diese Situation trägt auch zu einer Erklärung dafür bei, dass Russland im vergangenen Monat zum wiederholten Mal seine Rekrutierungsziele für den Ukrainekrieg nicht erreicht hat. Militärblogger beklagen zudem weiterhin, dass selbst wertvolle Spezialisten an der Front für Sturmangriffe „verheizt“ würden. Insgesamt könne man die jetzige Kriegführung nur noch anderthalb bis zwei Jahre ohne eine zumindest teilweise allgemeine Mobilmachung durchhalten. Auch hinter der Front müsse man die vorhandenen Ressourcen auf die Abwehr von Langstrecken-Drohnenangriffen konzentrieren, die mittlerweile ernsthafte Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes haben.yH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==

Dagegen setzt die Ukraine konsequent weiter auf die Automatisierung des Krieges und hat im vergangenen Jahr sogar Männern im Alter von 18 bis 22 Jahren wieder die Ausreise erlaubt. Umgekehrt haben Fronteinheiten seit Beginn des Jahres laut Verteidigungsminister Fedorow durch ein elektronisches Beschaffungssystem über 181.000 Drohnen, UGV und Systeme zur elektronischen Kampfführung im Wert von mehr als 14 Milliarden Hryvnia (266 Millionen Euro) direkt von den Herstellern erhalten. Sein Ministerium habe zudem bereits begonnen, UGV-Aufträge für 2027 zu erteilen, um die langfristige Versorgung sicherzustellen.

Erstveröffentlichung in Soldat&Technik, 29. April 2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Stefan Axel Boes

Bild: Ukrainische Armee

Neue Ausgabe: „Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung“ 2/2026

Skagerrak im Video: Die neue Ausgabe der „Militärgeschichte“ enthält erstmals eine animierte Karte, die den Beitrag zur Schlacht vor dem Skagerrak begleitet. Zudem geht es um den US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, die Geschichte der Reichsarmee und die Schlacht bei Ridgeway. Ein weiterer Beitrag fängt die letzten Tage der DDR in Skizzen ein.

Skagerrakschlacht

Vor 110 Jahren fand eine der berühmtesten Schlachten der Marinegeschichte statt. 250 Kriegsschiffe der Royal Navy und der Kaiserlichen Marine trafen am 31. Mai 1916 in der Schlacht vor dem Skagerrak aufeinander. Während die Armeen bereits seit Beginn des Ersten Weltkrieges intensive Gefechte geführt hatten, hatten die Marinen bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht die in sie gesetzten hohen Erwartungen als potenziell kriegsentscheidende High-Tech-Waffe erfüllt. Dieser Tatsache wollte der damalige Chef der Hochseeflotte, Vizeadmiral Reinhard Scheer, entgegenwirken und führte die Kaiserliche Marine in eine Seeschlacht, die zwar zu den größten der Geschichte zählt, aber am Ende ohne wirklichen Sieger blieb, wie Christian Jentzsch aufzeigt.

Bei den Gefechten im Skagerrak kam zweimal das klassische Marinemanöver „Crossing the T“ zum Einsatz, das es einem der Widersacher ermöglichte, die volle Breitseite der Bordartillerie gegen die feindlichen Schiffe einzusetzen. Wer sich schon immer gefragt hat, wie dieses Manöver konkret abläuft, erhält in unserem aktuellen Video und begleitend zum Beitrag einen detaillierten Einblick in den Gefechtsverlauf als animierte Karte.

250 Jahre Unabhängigkeit der USA

Am 4. Juli 1776 verfügten die USA mit der Declaration of Independence ihre Unabhängigkeit. Die damals 13 nordamerikanischen Kolonien sagten sich von Großbritannien los. Dabei war der bereits seit 1775 andauernde Unabhängigkeitskrieg Teil eines größeren Kriegskomplexes, wie Volker Depkat in seinem Beitrag schildert. Den Unabhängigkeitskrieg prägte dabei vor allem die internationale Dimension – an ihm waren am Ende vier Nationen beteiligt und er wurde mit regulären Armeen und europäischer Strategie und Taktik geführt. Die USA gelten seither als die älteste konstitutionelle Demokratie der modernen Welt.

Schlacht von Ridgeway

Auch andere Nationen strebten nach Freiheit und Unabhängigkeit. Knapp hundert Jahre nach dem Amerikanischen Revolutionskrieg folgte eine weitere Schlacht auf amerikanischem Boden, die als erste Schlacht der kanadischen Militärgeschichte gilt: die Schlacht bei Ridgeway. Am 2. Juni 1866 wollten Mitglieder der Fenian Brotherhood Teile der britischen Kolonien in Kanada erobern, um diese gegen die Freiheit Irlands zu „tauschen“, das zu dieser Zeit Teil des Vereinigten Königreichs war, aber ebenfalls eher den Status einer Kolonie hatte. Wie erfolgreich sie bei diesem Unterfangen waren und welche Bedeutung die Schlacht wiederum für die kanadischen Streitkräfte hatte, beleuchtet Björn Mielbrandt in unserer Rubrik „Militärgeschichte im Bild“.

Militär in Skizzen

1989/90 waren die letzten Tage der DDR bereits gezählt. Doch die offizielle Propagandamaschinerie der Sowjetunion lief zunächst noch weiter. Hier wurde in der Regel ein positives Bild des sowjetischen Militärs als „Sieger des Weltkrieges“ gezeichnet. Der Beitrag von Michael Paterson (Skizzen) und Klaus Storkmann (Text) zeigt indes auf, dass die Realität oftmals von diesen Darstellungen abwich. Der Brite Paterson reiste in den letzten Monaten ihres Bestehens durch die DDR und durch Ost-Berlin und hielt seine Eindrücke in Skizzen fest, die erstmals in der aktuellen Ausgabe der ZMG veröffentlicht werden. Sie machen ein Stück Alltags-Militärgeschichte der DDR sichtbar. Begleitet werden die Zeichnungen durch Einordnungen von Klaus Storkmann, der die Skizzen fachlich in ihren zeitgenössischen Kontext einbettet.

Die Reichsarmee

Zwischen 962 und 1806, also über 800 Jahre lang, existierte das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation). Etwa die Hälfte dieser Zeit verfügte dieses auch über eine Armee, die Reichsarmee, die sich an zahlreichen Kriegen beteiligte. Zu den bedeutendsten Einsätzen gehören der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697), der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) und der Siebenjährige Krieg (1756-1763). Doch als wie schlagkräftig erwies sich die Kontingentarmee, die auf einer losen föderalen Ordnung basierte, in den dortigen Gefechten? Robert Riemer beleuchtet in seinem Beitrag genauer, ob es sich bei der Reichsarmee um eine ernstzunehmende Streitmacht oder, wie oftmals konstatiert, doch eher um einen Papiertiger handelte.

Die Ausgabe finden Sie kostenlos zum Download auf unserer Website.

Quelle: Pressestelle ZMSBw/Bildrechte: SKA/IMZBw

Im September 2025 und Dezember 2025 sowie Januar 2026 wurden folgende Personalmaßnahmen in Spitzenstellen wirksam:

Ruhestand

Brigadegeneral Kay Brinkmann, zuletzt Chef des Stabes EUROCORPS in Straßburg Cedex/FRA, wurde in den Ruhestand versetzt.

Generalleutnant Alfons Mais, zuletzt Inspekteur des Heeres im Heereskommando in Strausberg, wurde in den Ruhestand versetzt.

Brigadegeneral Michael Volkmer, zuletzt Abteilungsleiter Informationstechnik im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz, wurde in den Ruhestand versetzt.

Brigadegeneral Peter Webert, zuletzt Kommandeur Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr und Leiter Geoinformationsdienst der Bundeswehr im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen, wurde in den Ruhestand versetzt.

Nachmeldung

Generalmajor Wilhelm Grün, zuletzt Deputy Chief of Staff Support im Joint Force Command in Neapel/ITA, wurde in den Ruhestand versetzt.

Personalmaßnahmen in militärischen Spitzenstellen

Bundesministerium der Verteidigung
Oberst i.G. Jonas Uhrlau, zuletzt Referatsleiter Streitkräfteangelegenheiten im Büro des Generalinspekteurs der Bundeswehr im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin, wird nun als Leiter Gesamtkonzeption und Planung militärische Verteidigung im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin eingesetzt.

Kommando Heer

Generalmajor Maik Keller, zuletzt Deputy Commander NATO Security Assistance and Training for Ukraine (NSATU) im Headquarter NSATU in Wiesbaden, wird nun als Chef des Stabes im Kommando Heer in Strausberg eingesetzt.

NATO und EU

Generalmajor Ulf Häussler, zuletzt Director Operations and Plannings im Internationalen Militärstab der NATO in Brüssel/BEL, wird nun als Deputy Commander NATO Security Assistance and Training for Ukraine (NSATU) im Headquarter NSATU in Wiesbaden eingesetzt.

Brigadegeneral Oliver Prost, zuletzt Unterabteilungsleiter MEO I im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin, ist nun, im Streitkräfteamt in Bonn eingesetzt.

Zentrum für Geoinformationsdienst der Bundeswehr

Flottillenadmiral Dr. Sabine Reppin, zuletzt Referatsleiterin IC III 7 im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin, wird nun als Kommandeurin Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr und Leiterin Geoinformationsdienst der Bundeswehr im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen eingesetzt.

Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung

Flottillenadmiral Christian Bock, zuletzt Unterabteilungsleiter SK I im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin, wird nun als Leiter Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding eingesetzt.

Oberst i.G. Michael Jäger, zuletzt Referatsleiter IC II 6 im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin, wird nun als Abteilungsleiter Informationstechnik im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz eingesetzt.

Personalmaßnahmen in zivilen Spitzenstellen

Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

Direktor beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) Dr. Eric Danners, bisher Abteilungsleiter VII des BAPersBw in Düsseldorf, wird als Abteilungsleiter V des BAPersBw in Sankt Augustin eingesetzt.

 

Quelle:

Bundesministerium der Verteidigung
Autor: Presse- und Informationszentrum Personal