Loitering Munition: Truppe testet Kamikazedrohnen

Vier Kampfpanzer im Gelände finden und während der Fahrt mit Kamikazedrohnen angreifen: Diese Aufgabe galt es, beim zweiten Praxistest des Aufklärungs- und Wirkverbundes im April 2026 zu erfüllen. Eingesetzt wurden auch Soldatinnen und Soldaten, die ab 2027 mit der neuen Technik Teil der Brigade Litauen sein werden.

Fünf Monate nach dem ersten Test des Aufklärungs- und Wirkverbunds (AWV) im Dezember 2025 hat das Planungsamt der Bundeswehr das zweite Schießen auf dem Übungsplatz im thüringischen Ohrdruf durchgeführt. Der AWV ist ein System, bei dem Aufklärungsdrohnen und Systeme zur Bekämpfung intelligent zusammenarbeiten. Das Ziel dieser Vernetzung: den Gegner auf große Distanz mit den Aufklärungsdrohnen finden und umgehend mit der Loitering Munition (LM) bekämpfen. Mehr dazu finden Sie im Beitrag zu Loitering Munition.

Senkrecht in den Himmel geht es für eine der getesteten Varianten. So kann die Drohne auch auf engen Waldlichtungen oder in Häuserschluchten starten. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Damit der Aufklärungs- und Wirkverbund funktioniert, müssen nicht nur die einzelnen Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition jeweils für sich funktionieren, sondern auch als Gesamtsystem und unter Gefechtsbedingungen. Verbindendes Element der einzelnen Teilsysteme, die von unterschiedlichen Herstellern kommen und damit jeweils die hauseigene Software mitbringen, ist die bundeswehreigene Führungssoftware mit dem Namen Unmanned Management System (UMS).

Um die notwendige Einsatzreife dieses Gesamtsystems möglichst schnell zu erreichen, sei es notwendig, Praxistests wie in Ohrdruf gemeinsam mit den Herstellern durchzuführen, erläutert Tobias T., Leiter des Projekts im Planungsamt der Bundeswehr. Nur so sei eine zügige Fortentwicklung möglich, um den Aufklärungs- und Wirkverbund einsatzbereit in Litauen stationieren zu können. Dabei betont T.: „Dieses System wird nie fertig sein. Durch die rasante Entwicklung wird es ständig Updates geben, um die Teilsysteme zu verbessern und anzupassen. Entsprechend wurden die Kaufverträge auch gestaltet.“

Per Katapult wird eine weitere der getesteten Drohnen in die Luft befördert. Da dieser Start kaum Energie verbraucht, ist das System deutlich kompakter. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Ohne Datenverbindung kein Treffer

Verglichen mit der ersten Testung waren die Ansprüche an das gesamte System in Ohrdruf erheblich höher. Die Bediener kamen nicht von den Herstellerfirmen, sondern aus der Truppe. Dabei kannten einige der Soldatinnen und Soldaten das System erst wenige Tage und führten dennoch mehreren LMS gleichzeitig in der Luft. Erschwerend kam in der Übung hinzu, dass die Leopard-2-Panzer nicht standen, sondern in Fahrt getroffen werden sollten – natürlich ohne scharfen Gefechtskopf.

Ob Nebelkerzen oder Ausweichmanöver – die Panzerbesatzungen versuchen, kein leichtes Ziel zu bieten. ©Bundeswehr

Die Stellungen, aus denen die Drohnen auf dem hügeligen Gelände des Übungsplatzes in Ohrdruf gestartet wurden, waren nicht vorbereitet. Der Grund: Im Einsatzfall würden die Soldatinnen und Soldaten regelmäßig ihren Ort wechseln, um nicht selbst entdeckt zu werden. Das bedeutet, dass die gesamte Infrastruktur zur Sicherstellung der Datenverbindung im Gelände aufgebaut und betrieben werden musste. „Wir ziehen in Baumreihen, Scheunen und hinter Hügeln unter – ohne direkte Sicht auf das Zielgebiet. Das ist natürlich eine Herausforderung für die Datenlinks, die essenziell für das System sind. Entsprechend müssen wir lernen, wie wir damit umgehen, sowohl technisch als auch taktisch“, erklärt der Fachmann aus dem Planungsamt.

Mit den natürlichen Herausforderungen durch Gelände, Wetter und Entfernung war es aber nicht getan beim Schießen in Ohrdruf. Denn am Ende wird der Gegner alles dran setzen, sich vor den Angriffen der Kamikazedrohnen zu schützen. Ausweichmanöver der Panzerbesatzungen, Nebelkerzen und elektronische Gegenmaßnahmen stellten die Bediener und die Zielerfassungssoftware der LMS vor zusätzliche Herausforderungen.

Die Artilleristen, die mit dem AWV 2027 nach Litauen gehen, werden bereits jetzt eng mit eingebunden. Bis zu vier LMS führt ein Bediener an seiner Bodenkontrollstation gleichzeitig ins Ziel. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Arbeiten wie beim Schießen in Ohrdruf nachgewiesen mehrere unbemannte Systeme zusammen, könne man von einer Schwarmfähigkeit sprechen, die mit der weiteren Entwicklung des Aufklärungs- und Wirkverbunds immer stärker zum Tragen komme, so Oberstleutnant T. Am Ende sei hier die verfügbare Bandbreite der Datenverbindung der entscheidende Faktor.

Erste LMS-Batterie für Litauen

„Im Gegensatz zur klassischen Rohr- und Raketenartillerie können wir mit diesem Aufklärungs- und Wirkverbund über eine größere Entfernung schießen und auch fahrende Ziele bekämpfen“, erklärt Major Fabian S., Chef der ersten LMS-Batterie in der Geschichte der deutschen Artillerie. In dieser Funktion wird Major S. im kommenden Jahr mit seinen Männern und Frauen als 5. Batterie des Artilleriebataillons 455 der Panzerbrigade 45 in Litauen unterstellt werden. „Für uns ist es von großem Wert, so früh in die Entwicklung des AWVs eingebunden zu werden. Zum einen fließen unsere Rückmeldung direkt in die Weiterentwicklung ein. Zum anderen haben wir das Privileg, die taktischen Einsatzverfahren für das System mit zu entwickeln“, so der Batteriechef.

Vor dem Hintergrund der absehbaren Stationierung in Litauen sind die Erwartungen der Truppe auch entsprechend hoch. Eine große Reichweite, um den Feind möglichst tief im Raum zu bekämpfen sowie eine hohe Trefferquote seien unabdingbar, so Major S. Zudem müsse das System natürlich bei jedem Wetter funktionieren und auch unter hoher Belastung von den Soldatinnen und Soldaten sicher bedient werden können.

Neben der Batterie von Major S. wird das Artilleriebataillon 215 aus Augustdorf als zweiter Verband mit dem Aufklärungs- und Wirkverbund ausgestattet werden. Beide Batterien werden in ihren jeweiligen Bataillonen die klassische Rohrartillerie, bestehend aus Panzerhaubitzen 2000, ergänzen.

Bundeswehr nutzt Erfahrung der Ukraine

Dass die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Verteidigungskampf auch die Aufklärungs- und „Kamikazedrohnen“ nutzen, die für den Aufklärungs- und Wirkverbund vorgesehen sind, sei ein großer Vorteil, erklärt Oberstleutnant Tobias T. „Wir bekommen Einsatzberichte sowohl von den Unternehmen als auch von den ukrainischen Streitkräften. Das hilft uns natürlich sehr, wobei wir bei der Auswertung auch vorsichtig sein müssen, denn nicht immer sind alle Rahmenbedingungen wie Wetter oder Ausbildungsdauer der Bediener bekannt. Zudem unterscheiden sich die Systeme der Ukrainer in manchen Bauteilen zu denen, die wir kaufen.“

Eine Aufklärungsdrohne ist das Auge des AWVs. Ist ein Ziel gefunden, liefert sie Zieldaten und Bilder für die angreifenden Kamikazedrohnen. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Und auch mit Blick auf die Trefferquoten ist das tatsächliche Bild bei unbemannten Systemen trüber, als viele annehmen, die lediglich das Videomaterial aus der Ukraine von erfolgreichen Drohnenangriffen sehen. Das betreffe alle Systeme: sowohl billige FPV- Drohnen mit kurzer Reichweite als auch größere Systeme, betont der Fachmann vom Planungsamt. „Im Schnitt, über alle Systeme hinweg, können wir eine deutlich niedrigere Erfolgsquote erkennen. Umwelteinflüsse, elektronische Gegenmaßnahmen oder einfache Verbindungsabrisse sind an der Tagesordnung. Wenn der Aufklärungs- und Wirkverbund unter Gefechtsbedingungen mindestens eine Quote von eins zu vier erreiche – also eine von vier LMS ihr Ziel erreicht und auch tatsächlich zerstört – sei das gut, so die Einschätzung des Experten.

Aus dem mobilen Feuerleitstand heraus koordiniert die Führung der Batterie mithilfe des Unmanned Management Systems das Gefecht mit den Drohnen. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Der erste Verbund von vielen

Die Entwicklung dieses Aufklärungs- und Wirkverbundes ist für die Bundeswehr allerdings nur ein erster Schritt hin zu einer ganzen Reihe von AWVs auf verschiedenen Ebenen in der Verbandsstruktur des Heeres. So ist der AWV, der für die Panzerbrigade 45 in Litauen geplant ist, auch dezidiert für den Einsatz auf Brigadeebene vorgesehen. Daraus leiten sich beispielsweise die Anforderung der Reichweite ab oder auch die Kampfaufträge für die Batterie.

Daneben gibt es bereits Projekte für einen AWV auf Divisionsebene mit entsprechend höherer Reichweite sowie einen AWV für kurze Reichweite auf Bataillonsebene, wo auch eine neuartige Software zum Tragen kommt. Bei letzterem würden die Stückkosten pro LMS auch deutlich sinken, erklärt Oberstleutnant T. „Insbesondere die geforderte Reichweite und die Fähigkeiten sind es, die ein System teuer macht. Darüber hinaus zahlt auch die Produktionsmenge auf die Reduzierung der Stückkosten ein. Ein System wird dann günstig, wenn die notwendige Stückzahl erreicht ist, sodass die Produktion industrialisiert werden kann.“

Unterm Strich ist der Projektleiter aus dem Planungsamt zufrieden mit dem Schießen in Ohrdruf. „Wir haben große Fortschritte gemacht. Einige Probleme, die wir zuvor erwartet haben, sind allerdings auch so eingetreten. Daher haben wir bereits die kommenden Tests in diesem Jahr schon darauf ausgerichtet, diese zu beheben.“

Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 20.05.2026, www.bundeswehr.de

Autor: Ole Henckel

Für den Verteidigungsfall – Heimatschutzkräfte sichern Bahnentladungen und Konvois

Die Heimatschutzdivision probt den Ernstfall: Mit der großangelegten Divisionsübung Vigilant Roland trainieren erstmals bundesweit mehr als 650 Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzes zeitgleich an mehreren Standorten in Deutschland den Schutz militärischer Verlegungen und verteidigungswichtiger Infrastruktur.

Das Schwere Maschinengewehr (SMG) im Kaliber 12,7 Millimeter ist fest in die Heimatschutzdivision integriert. Die Kräfte nutzen die Waffe mit dem Dreibein beispielsweise bei der Sicherung eines temporären Checkpoints. ©Bundeswehr/Lena Schiehandl

Deutschland ist zentrale logistische Drehscheibe für die Verlegung von NATO-Truppen an die Ostflanke des Bündnisgebiets. Die Funktionsfähigkeit dieser „Drehscheibe“ sicherzustellen, gehört zu den Kernaufgaben der Heimatschutzdivision.

Im Spannungs- und Verteidigungsfall schützen Heimatschutzkräfte deshalb kritische Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen, Bahnlinien, Brücken oder Energieanlagen. Ziel ist es, den Aufmarsch eigener und verbündeter Kräfte zu gewährleisten und Sabotage oder Angriffe auf kritische Infrastruktur abzuwehren.

Der Großteil der Heimatschutzdivision sind Reservistinnen und Reservisten. Damit zeigen die Kräfte, welche zentrale Rolle die Reserve künftig bei der Landes- und Bündnisverteidigung spielt. Für die erst 2025 aufgestellte Heimatschutzdivision ist Vigilant Roland, zu Deutsch Wachsamer Roland, die erste große Divisionsübung.

Realitätsnahes Übungsszenario

Geführt wird die Übung aus dem Divisionsgefechtsstand in Berlin-Tegel Nord. Im Schwerpunkt trainieren die Heimatschutzregimenter 3 aus Nienburg/Weser und 5 aus Ohrdruf. Unterstützt werden sie durch Kräfte der Heimatschutzregimenter 1 aus Roth, 4 aus Alt Duvenstedt und 6 aus Altengrabow.

Die Übung ist bewusst realitätsnah angelegt mit dem klaren Fokus auf Drohneneinsatz und -abwehr, letzteres auch mit scharfer Munition auf einem Übungsplatz. Parallel zu Vigilant Roland verlegt die Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg/Sachsen gerade tatsächlich Kräfte und Material. Heimatschützer sichern dabei Bahnentladungen, Bereitstellungsräume und logistische Knotenpunkte.

Künftig soll das Manöver halbjährlich mit wechselnden Schwerpunkten durchgeführt werden.

Bei der Entladung von Gefechtsfahrzeugen an der Rampe kann die Truppe auf die Kräfte der Heimatschutzdivision zählen. Die Sicherung von Objekten bedarf einer soliden und umfassenden Ausbildung, insbesondere vor dem Hintergrund der Drohnenabwehr. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Aufklärung aus der Luft

Ein wichtiger Teil der Heimatschutzübung findet auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen statt. Dort sichern Heimatschützer die Bahnentladung von Kettenfahrzeugen der Panzergrenadierbrigade 37 sowie anschließend einen Bereitstellungsraum – ein Gebiet, in dem sich die Truppe sammelt. Fahrzeuge, darunter Schützenpanzer Marder, Transportpanzer Fuchs und Panzerhaubitzen 2000, müssen im Schutze der Sicherungskräfte von den Waggons über die Entladerampe rollen.

In der Heimatschutzdivision werden Drohnen beispielsweise eingesetzt, um aus der Luft aufzuklären. Mit den Drohnen können die Kräfte am Tag und in der Nacht kämpfen. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Dabei besteht permanent die Gefahr eines Angriffs durch irreguläre Kräfte. Interessant: Die Entladung unter Sicherung wird das erste Mal nach 30 Jahren überhaupt wieder geübt. Als Neuerung müssen die Sicherungskräfte zusätzlich mit Angriffen durch UAVs, also Drohnen, klarkommen und professionell handeln.

Sicherung von Rast- und Versorgungsplätzen

Warum wird die Sicherung am Gleis geübt? Gerade Bahntransporte spielen bei der schnellen Verlegung großer Truppenverbände eine entscheidende Rolle. Die Sicherung solcher Umschlagpunkte zählt daher zu den wichtigsten Aufträgen der Heimatschutzdivision.

In Fritzlar und Schwarzenborn in Hessen trainieren Soldatinnen und Soldaten zusätzlich die Sicherung militärischer Kolonnen und eines sogenannten Convoy Support Centers. Diese Rast- und Versorgungsplätze dienen der Aufnahme von Marschkolonnen und deren Versorgung, beispielsweise mit Treibstoff und Munition. Während dieser kritischen Phase gelten Kolonnen als besonders schutzbedürftig.

Drohnenabwehr und schwere Waffen

Mit der Übung wird deutlich, wie umfassend und realitätsnah Drohnen mittlerweile in das Heer implementiert sind. „Drohnen sind Teil der DNA der Heimatschutzdivision. Wir integrieren sie seit unserem Bestehen intensiv in unseren Auftrag sowie in unsere Ausbildung“, erklärt der Kommandeur der Heimatschutzdivision, Generalmajor Andreas Henne.

Neben der Sicherung der Bahnentladung trainieren die Heimatschutzkräfte auch die Bekämpfung von Drohnen in der Luft mit dem Sturmgewehr. Dazu werden verschiedene Ziele wie diese gelbe Box verwendet, die je nach Schwierigkeitsgrad variieren. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Eine Drohne mit einem Sturmgewehr G36 zu bekämpfen, will geübt sein. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg steht zudem die Ausbildung an den eigenen schweren Waffen im Mittelpunkt. Geübt wird mit der Granatmaschinenwaffe sowie dem schweren Maschinengewehr Kaliber 12,7 Millimeter, kurz SMG, die den Heimatschutzkompanien zu Verfügung stehen. Dadurch steigern die Kräfte nicht nur ihre Feuerkraft, sondern insgesamt ihre Einsatz- und Verteidigungsfähigkeit.

Die Besonderheit: Heimatschutzkräfte sind die einzigen Kräfte des Heeres, die das SMG abgesessen auf Dreibein einsetzen und dies auch intensiv üben. Das verschafft der Truppe Flexibilität bei ihrem Sicherungsauftrag. Denn das SMG kann sowohl zerlegt und verstaut in einer Art Kraxe auf dem Rücken als auch in vielen Fahrzeugen schnell und unkompliziert an den Einsatzort gebracht werden.

Mit der Übung Vigilant Roland wird wieder die Sicherung militärischer Kolonnen geübt – eine Fähigkeit, die nach langer Zeit wieder wichtig geworden ist und um die Drohnenabwehr erweitert wird. ©Bundeswehr/Lena Schiehandl

Reservisten stärken Heimatschutz

Die Übung verdeutlicht auch die besondere Struktur der Heimatschutzdivision. Der Großteil der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten sind Reservistinnen und Reservisten. Sie bringen wertvolle Erfahrung aus ihren zivilen Berufen sowie aus militärischen Vorverwendungen mit. Sie sind fest in die Truppe integriert und unterstützen die Bundeswehr verlässlich im Heimatschutz.

Insbesondere im Rahmen von Vigilant Roland arbeiten sie eng mit aktiven Truppenteilen sowie mit zivilen Behörden und Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr, Bundespolizei und Rotes Kreuz zusammen. Dadurch entsteht derzeit ein vernetzter Heimatschutz, der militärische und zivile Fähigkeiten immer mehr miteinander verbindet.

Deutschland in Deutschland verteidigen

Insgesamt ist die Botschaft der Übung klar: Die Heimatschutzdivision verteidigt Deutschland in Deutschland. Denn während Kampftruppen an der NATO-Ostflanke eingesetzt würden, sorgt der Heimatschutz im Inland dafür, dass Nachschub, Verstärkung und Verlegung abgesichert werden. Die Heimatschutzdivision unterstützt damit die anderen Divisionen des Deutschen Heeres und stärkt die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und des Bündnisses bereits jetzt.

Impressionen:

Das klassische Gefechtsschießen gehört zur infanteristischen Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzes. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Heimatschützer üben den Einsatz und die Abwehr von Drohnen, hier mit einem Karton als Marker in der Luft, um die Drohne später zu bekämpfen. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Bei Vigilant Roland üben die Heimatschutzkräfte auch die Zusammenarbeit mit den Heeresfliegerkräften, etwa bei der schnellen Verbringung von Verwundeten mit einem Luftfahrzeug, hier mit dem Mehrzweckhubschrauber NH-90. ©Bundeswehr/Lena Schiehandl
Um möglichst realistische Bilder für die Heimatschützer zu schaffen, unterstützen Soldatinnen und Soldaten aus anderen Verbänden mit ihrer Expertise. Gemeinsam werden künstliche Wunden präpariert, die erstversorgt werden müssen. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Wie gelingt es, Verwundete aus einem beschossenen Fahrzeug in einer unsicheren Umgebung zu bergen und sie nach der Erstversorgung zu evakuieren? Das trainieren die Heimatschützer nach einer intensiven Sanitätsausbildung in einer taktischen Lage. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 26.05.2026, www.bundeswehr.de

Autor: Peter Müller

Multinational Brigade Latvia erreicht volle Einsatzfähigkeit

Was die deutsche Panzerbrigade 45 künftig für Litauen sein soll, ist die kanadisch geführte Multinational Brigade Latvia für den nördlichen Nachbarn Lettland: 2024 wurde beschlossen, auch die dort im Rahmen der NATO enhanced Forward Presence (eFP) stationierte Multinational Battlegroup zu einer Brigade auszubauen, um die Verteidigungsfähigkeit gegen mögliche russische Angriffe auf die baltischen Staaten zu stärken. Die Zielstärke beträgt 3.500 Mann, von denen Führungsnation Kanada rund 2.200 stellt.

Wie auch bei der Panzerbrigade 45 wurde die bisherige eFP-Battlegroup als ein Manöverelement in den neuen Großverband integriert. Daneben stellen die skandinavischen Nachbarn Dänemark und Schweden im jährlichen Wechsel ein zweites Bataillon. Im Januar 2025 entsandte Schweden als neuestes NATO-Mitglied erstmals 600 Soldatinnen und Soldaten seines Südskandinavischen Regiments (Södra skånska regementet) mit Schützenpanzern CV9040 und Kampfpanzern Strv 122 ins lettische Ādaži.

Multinational Brigade ist einsatzbereit, aber noch ausbaufähig

Schweden verlegte zudem Radhaubitzen Archer für das multinationale Artilleriebataillon der Brigade. Lettland beschafft hierfür 18 eigene Selbstfahrgeschütze dieses Typs. Ein drittes Manöverelement gibt es im Normalbetrieb nicht, jedoch stellt Kanada ein Hubschrauberbataillon mit bislang vier CH-146 Griffon (Bell 412) und zwei CH-147 Chinook sowie eine Aufklärungs-Eskadron. Hinzu kommen weitere multinationale Brigadeeinheiten für Logistik und Sanitätsdienst sowie ein Scharfschützenzug.

Schwedische Soldaten der kanadisch geführten Multinational Brigade Latvia während der Übung Oak Resolve im vergangenen Jahr.

Insgesamt sind derzeit 14 Nationen an der Brigade beteiligt. Größere Kontingente stellen unter anderem Italien, Polen und Spanien mit mechanisierten Kompanien für die bisherige eFP-Battlegroup. Seine Einsatzbereitschaft erreichte der Großverband nominell bereits mit der Übung Oak Resolve im Frühjahr 2025, jedoch soll der volle Aufwuchs erst in diesem Jahr abgeschlossen werden. Kanada hat bereits über 315 Millionen Euro in den Ausbau militärischer Infrastruktur an den Standorten Ādaži, Ceri und Lielvārde investiert und plant weitere 64 Millionen auszugeben.

Der Großteil davon ist für die Erweiterung des Luftstützpunkts in Lielvārde vorgesehen. Künftig sollen dort bis zu sechs Griffon und vier Chinook gleichzeitig operieren und auch Transportflugzeuge vom Typ CC-177 Globemaster II untergebracht werden können. Neben der Multinational Brigade unterhält Kanada enge Verbindungen zur einzigen aktiven Heeresbrigade des Gastgeberlands: Derzeit sind sechs kanadische Offiziere in diese integriert, darunter der stellvertretende Brigadekommandeur.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Soldat & Technik, 22.05.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Stefan Axel Boes

Bild: ©NATO Multinational Brigade Latvia

Panzerbrigade 21 entwickelt eigene Munitionsversorgungs-App

Moderne Kriegsführung verändert sich rasant. Drohnen, digitale Aufklärung und hochbewegliche Gefechtsführung erhöhen den Druck auf militärische Logistik. Ohne funktionierende Logistik hat der militärische Gegner bereits gewonnen. Für die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ ist deshalb klar: Einsatzbereitschaft endet nicht beim Kampfpanzer oder im Schützenloch – sie beginnt bei funktionierenden Versorgungssystemen. Genau dafür hat die Brigade gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr eine neue digitale Lösung entwickelt: „Uber Munition“, eine App-basierte Anwendung zur schnellen und nachvollziehbaren Munitionsversorgung im Gefecht.

„Wir sind es heute gewohnt, über Apps jederzeit verfolgen zu können, wo sich Paket oder Pizza gerade in der Zustellung befindet. Dieser technologische Fortschritt muss auch dem Militär Orientierung geben“, erklärt Oberst Tobias Aust, Kommandeur der Panzerbrigade 21, während der Abschlusserprobung des Innovationsprojekts. Dahinter stehe jedoch kein Komfortgedanke, sondern eine operative Notwendigkeit: „Aktuelle Kriegsbilder zeigen deutlich, dass schnelle und belastbare Logistik kriegsentscheidend ist. Wenn die Versorgung das Tempo der Kampftruppe nicht halten kann, steht vorne irgendwann die Waffe still.“

Innovation einfordern: Oberst Tobias Aust, Kommandeur der Panzerbrigade 21, erklärt in seinem Impulsvortrag, dass alle Abschnitte des Gefechts von aktuellen Kriegsbildern lernen müssen.

Die Brigade hatte Probleme mit dem Management von Versorgungsprozessen in eigenen Übungen wiederholt festgestellt. Prozesse, die im normalen Dienstbetrieb mit stationärer Infrastruktur und komplexer Verwaltungssoftware funktionieren, stoßen unter Gefechtsbedingungen schnell an ihre Grenzen. Auch das derzeitige Battle-Management-System für logistische Prozesse auf unterster Ebene ist bei den mittleren Kräften nicht adäquat nutzbar. Gerade bei beweglicher Gefechtsführung müsse Versorgung einfach, robust und schnell funktionieren – auch unter Zeitdruck, kurzer Ausbildung und laufenden Operationen.

Munition auf Fingertipp

„Mehr als einmal haben wir gezeigt, dass Logistik im Gefecht anders funktionieren muss als im Friedensbetrieb“, erklärt Aust. Die Logistik der Panzerbrigade 21 übt unter realitätsnahen Bedingungen, zuletzt auf dem Brigadeausbildungsplatz in Bergen, und erkennt dadurch auch entscheidende Probleme. Deshalb suche die Brigade gezielt nach eigenen Lösungen: „Wir üben realistisch, erkennen Probleme frühzeitig und arbeiten aktiv an Verbesserungen.“

Eine Lösung entstand direkt aus der Truppe. Die Logistikabteilung der Brigade entwickelte die Idee einer App-basierten Munitionsversorgung, stellte dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr die Idee vor. Zusammen mit allen Jägerbataillonen der Brigade wurde daraus eine App entwickelt – Uber Munition. Mehr als ein Jahr lang wurde die Anwendung gemeinsam getestet, angepasst und in Übungen erprobt.

Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten: Werden beispielsweise Panzerabwehrraketen vom Typ MELLS verschossen, kann der Verbrauch direkt digital durch den Führer des Gefechtsfahrzeuges erfasst werden. Mit einem Fingertippen erstellt die Führung der kämpfenden Einheit eine Anforderung über alle benötigten Versorgungsgüter und die zuständigen Logistiker können sofort neue Munition zuweisen Lieferung, Bearbeitungsstand und Übergabe bleiben dabei für alle Beteiligten nachvollziehbar. Ziel von Uber Munition ist ein schnell erlernbares und krisenfestes Werkzeug für die taktische Ebene im Gefecht, die ihren Fokus auf das Kämpfen legen soll – keine komplexe Verwaltungssoftware.

Logistiker der Panzerbrigade 21 erläutert dem Plenum mit dem Tablet in der Hand die Funktionen der App UberMun.

Panzerbrigade 21 ist zentraler Pfeiler der Landes- und Bündnisverteidigung

Die Abschlusserprobung des Projekts war erfolgreich. Zahlreichen Logistikexperten des Heeres wurde die App in einer Live-Vorführung vorgestellt und gemeinsam wichtige Meilensteine zur Weiterentwicklung erarbeitet. Bereits bei der nächsten Großübung der Brigade im Gefechtsübungszentrum Heer soll die Anwendung erneut eingesetzt werden. „Unser Ziel ist klar: Uber Munition wird genutzt um Lösungen für bestehende Herausforderungen zu finden“, so Aust.

Die Panzerbrigade 21 ist die erste Brigade des Deutschen Heeres, die der neuen Kräftekategorie Mittlere Kräfte zugeordnet ist. Mit ihren radbeweglichen, hochmobilen Verbänden ist sie in der Lage, schnell und flexibel im gesamten NATO-Einsatzraum zu verlegen. Hohe Mobilität, starke Feuerkraft und robuster Schutz machen den Großverband zu einem zentralen Pfeiler der Landes- und Bündnisverteidigung.

Pressemitteilung der Panzerbrigade 21

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Soldat & Technik, 09.06.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Hauptmann Till Hey

Bilder: ©Bundeswehr/Till Hey

28 Fernmeldekabinen für die SAP-Anbindung der Logistik

Im Einsatz und bei Übungen sind Logistiker häufig abseits fester Infrastruktur eingesetzt. Für den Zugriff auf digitale Services wie SAP werden dezentrale Arbeitsplätze benötigt, die die Bundeswehr gemeinsam mit dem IT-Dienstleister conet realisiert hat. Bei dem conet innovation day informierten Projektbeteiligte über das Vorhaben.

IT-Kabinen im Auslandseinsatz

Die mobilen IT-Kabinen basieren auf handelsüblichen Fernmeldekabinen FM 2, die bereits seit 1998 – damals im Kosovo-Einsatz mit Altverfahren und extrem geringen Datenraten von 7,6 Kilobit – für die Materialbewirtschaftung und Instandhaltung genutzt werden. Sie waren seither weltweit in zahlreichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr wie in Afghanistan, Bosnien, im Kongo und bei Übungen der NATO beziehungsweise EU Battle Groups im Einsatz.

Regeneration 28 SAP-Kabinen

Mit der schrittweisen Digitalisierung und der Ablösung der Altverfahren durch SAP ab dem Jahr 1999 entstand die Notwendigkeit, die Kabinen zu regenerieren. Der Übergang zu SAP begann zunächst als Improvisation der Truppe im Feld unter Nutzung einer alten Datenanlage mit 2 Mbit Übertragungsrate. Seit 2014 ist conet mit der Bereitstellung der Hard- und Software sowie der Instandhaltung beauftragt.

Derzeit verfügt die Bundeswehr über 28 voll einsatzfähige, auf SAP umgerüstete Kabinen sowie acht weitere im Zulauf. Der tatsächliche Bedarf in der Zielstruktur liegt bei rund 60 Einheiten. Um Leerstände zu vermeiden, werden die Kabinen zentral gepoolt und den Verbänden bedarfsgerecht für Übungen und Einsätze bereitgestellt. Da keine neuen Gehäuse produziert werden, greift man auf die Instandsetzung und Umrüstung alter, vorhandener Kabinenhüllen zurück.

Die SAP-Kabine wird mit einem 6×6 Logistik-Lkw an den Einsatzort gebracht und
aufgesessen betrieben.

Merkmale der mobilen Kabinen

Technisch fungieren die Einheiten als dezentraler IT-Service für die Logistik im Feld. Sie sind hochgradig mobil, mit einem Standard-10-Tonnen-Kran verladbar und für den Land-, Bahn-, See- und Lufttransport geeignet. Eine Kabine kann zwischen 10 und 15 Arbeitsplätze über abgesetzte Leitungen in einem Radius von bis zu acht Kilometern anbinden. Die Kabinen sind vollklimatisiert, stoßgedämpft, gegen ABC-Bedrohungen geschützt und mit eigener Stromversorgung (Netzersatzanlagen) ausgestattet.

Jede Kabine stellt eine eigene Unterdomäne dar, benötigt für den vollen SAP-Betrieb jedoch zwingend eine Netzanbindung an das zentrale Rechenzentrum der Bundeswehr. Eine vollkommen autarke SAP-Lösung ohne Serververbindung existiert trotz langjähriger Planungen noch nicht. Die Konnektivität wird flexibel über Satellitenkommunikation (wie Bundeswehr-Frequenzen über geostationäre Intel-Satelliten) oder zunehmend über zivile Internetverbindungen wie LTE-Netze im jeweiligen Einsatzland realisiert.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Europäische Sicherheit und Technik, 01.06.2026, www.esut.de

Autor: Gerhard Heiming

Bild: ©Gerhard Heiming

Kampf in der Zukunft – Wie das Heer zukünftig kämpft

Wie kämpft das Heer in der Zukunft? Wie stellt es sich dem Gefecht, um zu gewinnen? Das zeigt die Lehr- und Versuchsübung in der „Hauptstadt des Heeres“. In Munster führen Soldatinnen und Soldaten verschiedener Verbände vor, wie das Gefecht zukünftig aussehen wird und wie sie kämpfen, um zu gewinnen.

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster, der „Hauptstadt des Heeres“ zeigt, wie die Soldatinnen und Soldaten des Heeres in Zukunft kämpfen werden

Das Gefecht auf der Schießbahn 3 in Munster beginnt mit einem Surren. Dieses unverkennbare Geräusch ist ein bestimmendes Merkmal der „neuen“ Art zu kämpfen. Drohnen sind dabei längst nicht mehr nur Aufklärungsmittel, auch findet der Erstkontakt zum Gegner zukünftig meist unbemannt statt.

Eine Stimme aus dem Off erklärt zu Beginn der Übung die Phasen der Operationsführung.
„Erstens: Aufbau und dauerhafter Erhalt des eigenen Schutzschirmes durch vernetzte Sensorik, weitreichendes Feuer, Flugabwehr, Elektromagnetischen Kampf sowie KI-gestützte Datenverarbeitung.
Zweitens: Stören, Sättigen oder zeitweises Niederhalten des gegnerischen Schutzschirmes durch koordinierte Effekte aus allen Dimensionen.
Drittens: Die bewegliche Operationsführung, geprägt durch Feuer und Bewegung. In dieser Phase entscheiden Mobilität, Abstandsfähigkeit Duellfähigkeit und präzise Wirkung über den Erfolg des Gefechtes.“

Diese Anmoderation benennt das neue Strukturmerkmal auf dem Gefechtsfeld, den Schutzschirm und die sich überlagernden Schutzschirme der Konfliktparteien.

Neues Kriegsbild

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster verfolgen an mehreren Tagen der Bundeskanzler, der Verteidigungsminister und der Generalinspekteur, die Mitglieder des Verteidigungsausschusses, die Heeresführung und Schulkommandeure. Angereist sind auch Vertreter verschiedener Organisationsbereiche, forschender und testender Einheiten, des Cyber Innovation Hub und der Rüstungsindustrie.

Um die Sicherheit der NATO, Europas und somit auch Deutschlands stand es noch nie so ernst. Russland ist die Hauptbedrohung für den euro-atlantischen Raum. Es rüstet auf, in einem Tempo, das es so, noch nie gab. Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine wurden die russischen Streitkräfte massiv ausgebaut. Damit sind ebenfalls neue Militärstrukturen entstanden, die strikt gegen den Westen ausgerichtet sind. Zahlen wie 1,5 Millionen aktive russische Soldaten oder etwa 400.000 zum Einsatz gebrachte Drohnen im letzten Jahr in der Ukraine kennzeichnen diese Entwicklung.

Der Krieg in der Ukraine hat ein Kriegsbild gezeigt, auf das sich die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einstellen. Es wurden Technologiesprünge und folgend Entwicklungen sichtbar, denen das Heer folgt und die es vorantreibt. Zukünftig entscheidet in Kriegen die Beherrschung sehr großer Datenmengen auch über Sieg oder Niederlage. Künstliche Intelligenz nimmt dabei einen immer größer werdenden Raum ein.

Der Auftrag bleibt, der Kampf ändert sich

Der Auftrag bleibt, aber zukünftige Gefechte werden anders aussehen

Raum halten und Raum nehmen, auch gegen feindlichen Widerstand ist der unveränderte Kernauftrag der Streitkräfte. Doch wie dies geschieht, unterliegt einem strikten Wandel. Das Gefechtsfeld wird transparent. Lückenlos erfassen Aufklärungsmittel und Sensoren Bewegungen. Diese Informationen werden nahezu in Echtzeit verarbeitet. Somit erfolgt unmittelbar nach der Aufklärung der Waffeneinsatz. Die Zeit zwischen Erkennen und Bekämpfen schrumpft auf ein Minimum. Auch der massenweise Einsatz kostengünstiger vernetzter und häufig unbemannter Systeme verändert die Gefährdung der Soldatinnen und Soldaten signifikant. Zudem wirken Drohnen nicht mehr isoliert, sondern im Verbund. Mit dem Ergebnis, dass Sichtbarkeit zur Verwundbarkeit wird.

Der Schutzschirm ist zentral für die Operationsführung und vernetzt alle Ebenen, Aufklärung und Wirkung, vom Einzelsystem bis zum großen Gefechtsverbund. Er wird gespeist aus einer Vielzahl von Sensoren und arbeitet KI-gestützt. Aus allen Richtungen entsteht ein nahezu lückenloses Echtzeit-Lagebild. Bedrohungen werden sofort erkannt und die Soldaten reagieren. Allerdings hängt seine Schutzwirkung davon ab, wie schnell und korrekt riesige Datenmengen gewonnen und verarbeitet werden können. Es gilt der Grundsatz: Wer Informationen schneller gewinnt, verarbeitet und präzise in Wirkung umsetzt, gewinnt.

Der Schutzschirm wird Voraussetzung für das Gefecht

Sensorik und Schutzschirme sind die Grundlage für den Einsatz der Kampftruppe. Wer schneller Daten verarbeitet, transportiert und auswertet, gewinnt.

Dieser Grundsatz gilt aber auch für den Gegner, sodass ohne einen eigenen Schutzschirm auf dem Gefechtsfeld kaum Bewegungen oder Durchhaltefähigkeit möglich sind. Erst wenn der eigene Schutzschirm steht und der gegnerische Schutzschirm gestört oder zerstört ist, entsteht die Möglichkeit dem Gegner ernsthafte Verluste zuzuführen.

Das kleine Heidedorf inmitten der Schießbahn ist das strategische Ziel der Operation. Zum Aufbau des Schutzschirmes sind das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM sowie das Flugabwehrsystem Skyranger 30 in Stellung gegangen. Die Uranos KI-Ausstattung nutzt Drohnen, Bodenkontrollstationen und Künstliche Intelligenz. Sie sammelt Daten, die in der Luft und am Boden aufgezeichnet werden und erstellt ein Echtzeit-Lagebild. Die Aufklärungssysteme FALKE und Twister, die bodengebundene Drohne Gereon oder das unbemannte Kettenfahrzeug Themis tragen mit ihren Daten zum Schutzschirm bei. Parallel geht in Heidedorf der Roboter Ziesel mit dem adaptiertem Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystem MELLS in Stellung und bekämpft unbemannt die ersten gegnerischen Ziele.

Es gelten selbstverständlich die bisherigen Einsatzgrundsätze. So tragen auch weit vor Operationsbeginn eingesetzte Fernspähkräfte nach wie vor mit ihren Informationen dazu bei, den Schutzschirm des Gegners zu schwächen oder gar zu stören.

Feuer und Bewegung zur Entscheidung

Die Loitering Munition Systeme, sogenannte Kamikazedrohnen, ändern das Gefecht grundlegend. Vergleichsweise kostengünstig bekämpfen sie präzise gegnerischer Ziele auf sehr große Entfernung.
Wenn der Schutzschirm steht, schlägt die Zeit für die hochbewegliche Operationsführung. Angriffsschwung ist die Grundlage des Erfolges.

Die Entscheidung bringt nach wie vor der Kampf: Doch es gilt, den eigenen Schutzschirm aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Dieser Schutz wird zur Voraussetzung jeder Operation. Zusätzlich muss der gegnerische Schutzschirm gestört, niedergehalten, abgenutzt und schließlich durchdrungen werden. Aus „die letzten 100 Meter gehören dem Heer“ wird „die letzten 5.000 Meter gehören dem Heer“. Die gegnerischen Sensorsysteme sind gesättigt und der Schutzschirm des Gegners wird geschwächt – gute Voraussetzungen, um die Entscheidung im Kampf zu suchen.

In Munster gehen Geschütze der Artillerie in Stellung. Raketenwerfer MARS, Radhaubitze RC 155, Panzerhaubitze 2000 und der Mehrfachraketenwerfer PULS bereiten mit ihrem weitreichenden Feuer den Einsatz der Panzertruppen sowie der schweren Infanterie vor. Die abstandsfähigen Systeme schwächen den gegnerischen Schutzschirm aus sehr großer Distanz. Auch hier kommen neue Systeme zum Einsatz. Über Heidedorf fliegt die Loitering Munition, umgangssprachlich Kamikazedrohne mithilfe eines eigenen Antriebs in den Einsatzraum und kreist dort eine gewisse Zeit in der Luft. Eigene Sensoren und eine intelligente Software erkennen selbstständig Ziele und identifizieren einen feindlichen Kampfpanzer oder Gefechtsstand. Der Bediener entscheidet schließlich, das Flugobjekt samt Sprengladung gegen das Ziel einzusetzen. Auch ganze Drohnenschwärme werden zukünftig eingesetzt, um die Sensorik des Gegners zu stören, zu überlasten oder sogar zu bekämpfen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, eine schnelle Reaktionsfähigkeit sowie eine präzise Bekämpfung mit einer meist höheren Reichweite als Artilleriegranaten.

Mittlere und Schwere Kräfte mit Angriffsschwung

Der schwere Waffenträger Infanterie (gelbe Flagge) und der Radschützenpanzer Schakal (grüne Flagge) werden zukünftig in Gefechten zur Verfügung stehen

Die Ausweitung und Überlagerung der Schutzschirme folgen den Grundsätzen des Verzögerungsgefechtes, mal in Feind- oder die eigene Richtung mit fortwährendem Einsatz von Drohnen zur Aufklärung oder zum Kampf. Die Entscheidung über Sieg oder Niederlage sucht der militärische Führer jedoch im direkten Kampf, dazu werden Mittlere und Schwere Kräfte massiert mit Angriffsschwung und dem Willen zum Sieg eingesetzt: Feuer und Bewegung mit Aufklärung voraus.

Kampfpanzer Leopard und Schützenpanzer Puma stehen für Präzision und Schlagkraft. Panzergrenadiere wechseln in der Ortschaft ihre Kampfweise und bekämpfen den Gegner im urbanen Gelände. Die Leoparden kämpfen darüber hinaus auf große Entfernungen und sichern die Flanken. Weitreichende Feuerunterstützung aus einem gemischten Schwarm Kampfhubschrauber Tiger und dem leichten Kampfhubschrauber H145M zerschlagen auf große Entfernung den feindlichen Gegenstoß.

Das Gefecht um Heidedorf hat vielfältige Waffensysteme gezeigt, solche, die das Heer schon hat und solche, die in den kommenden Jahren in die Truppe kommen sollen. Systeme, die zusammen operieren, mit dem Ziel einen eigenen Schutzschirm aufzubauen, den gegnerischen zu durchdringen und im dynamischen Gefecht die Entscheidung herbeizuführen.

Wie das Heer künftig kämpfen wird, um gewinnen zu können, ist Ausgangspunkt und Triebfeder für den Weg, den es eingeschlagen hat. Mit dem Ziel das Heer neu aufzustellen. „Wir wissen, was wir dazu brauchen, wie wir uns dazu organisieren müssen und was wir dazu ausbilden müssen. Der Campaign Plan Heer 2035+ ist dafür der operative Handlungsrahmen“, so der Inspekteur.

Dynamische Schau neuer Aufklärungs- und Waffensysteme

Gepanzerte Verbände am Boden werden nach wie vor durch fliegende Verbände unterstützt und kämpfen im Verbund
Der GTK Boxer ist die bereits bewährte Plattform für die Mittleren Kräfte. Der Schakal (Hintergrund) vereint die GTK Plattform mit dem Waffenturm des Schützenpanzers Puma.
Der FALKE, ein ferngeführtes Aufklärungssystem, luftgestützt und für kurze Entfernungen trägt mit seinen Informationen zum Ausbau des Schutzschirmes bei
Auch für den Transport von Verwundeten werden bodengebundene Roboter eingesetzt
Waffenmix: Weitreichende Waffen, indirektes Feuer vom Boden oder aus der Luft, also Schlagkraft und Entschlossenheit sind der Schlüssel zum Erfolg
Pioniere unterstützen mit ihrer Panzerschnellbrücke Leguan das Gefecht. So können Gefechtsfahrzeuge Gewässer überqueren.
In zukünftigen Gefechten sind Drohnen in jeder Phase des Gefechts eingebunden. Sie sind geradezu allgegenwärtig.
Drohne, Roboter, Raketenwerfer: Wie das Heer kämpfen wird, steht im Campaign Plan 2035+
Der Boxer-Brückenleger kombiniert die hohe Mobilität und Geländegängigkeit des Boxer-Fahrmoduls mit dem Missionsmodul zur Verlegung von Brücken
Die Radhaubitze RCH 155 kombiniert Feuerkraft und Reichweite des Artillerie-Geschütz-Moduls mit dem Schutz und der Mobilität des Radpanzers Boxer
Die Aufklärungsdrohne Twister ist der Nachfolger des Systems ALADIN. Sie kann senkrecht aus dem Stand starten.
Die fernbedienbare Waffenanlage Midgard 40 hat die Granatmaschinenwaffe 40 Millimeter adaptiert

Erstveröffentlichung in YNSIDE, 30.04.2026

Bilder: ©Bundeswehr/Marco Dorow

Ukrainekrieg: Weitere Automatisierung von Kampf und Logistik

Die Ukraine strebt an, die gesamte Logistik an der Front im Krieg gegen die russische Invasion von unbemannten Systemen übernehmen zu lassen. Das ist eine Folge der durch die zunehmende Drohnenkriegführung entlang der Frontlinien entstandenen „Kill Zone“ mit ständiger Bedrohung aller Truppenbewegungen und des ohnehin bestehenden Personalmangels der ukrainischen Streitkräfte. Wie Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow Mitte April erklärte, würden dazu im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 25.000 unbemannte Bodenfahrzeuge (UGV) bestellt, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.

Allein im März hätten die Streitkräfte über 9.000 UGV-Einsätze zu Logistik- und Evakuierungszwecken durchgeführt, so Fedorow. Kurz zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Zahl unbemannter Mission in den vergangenen drei Monaten mit über 22.000 angegeben. Besonders hatte er auf den ersten Fall hingewiesen, in dem eine befestigte russische Stellung in der Oblast Charkow nur durch unbemannte Luft- und Bodensysteme eingenommen worden sei. Russische Soldaten hätten dabei ein Pappschild mit der Aufschrift „Wir wollen uns ergeben“ gezeigt und seien von Drohnen in Gefangenschaft geleitet worden.

Ukraine nutzt gezielt gegnerische Truppenstärke ab

Obwohl sicherlich ein Einzelfall, stellt dies auch den Grundsatz in Frage, dass Gelände letztlich immer noch nur von menschlichen Soldaten besetzt und gehalten werden kann. Deutlich wird mittlerweile, dass selbst Russland bei seinen personellen Ressourcen für Offensivoperationen an Grenzen stößt. Im März hatte es netto sogar etwas Gelände verloren. Russischen Militärbloggern zufolge ist die Ukraine von einer Strategie der Geländeverteidigung zur gezielten Abnutzung der gegnerischen Truppenstärke übergegangen, wobei teilweise bis zu 70 Drohnen gegen einen einzelnen Soldaten eingesetzt würden.

Ein bewaffnetes unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) in der Ukraine

Diese Situation trägt auch zu einer Erklärung dafür bei, dass Russland im vergangenen Monat zum wiederholten Mal seine Rekrutierungsziele für den Ukrainekrieg nicht erreicht hat. Militärblogger beklagen zudem weiterhin, dass selbst wertvolle Spezialisten an der Front für Sturmangriffe „verheizt“ würden. Insgesamt könne man die jetzige Kriegführung nur noch anderthalb bis zwei Jahre ohne eine zumindest teilweise allgemeine Mobilmachung durchhalten. Auch hinter der Front müsse man die vorhandenen Ressourcen auf die Abwehr von Langstrecken-Drohnenangriffen konzentrieren, die mittlerweile ernsthafte Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes haben.yH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==

Dagegen setzt die Ukraine konsequent weiter auf die Automatisierung des Krieges und hat im vergangenen Jahr sogar Männern im Alter von 18 bis 22 Jahren wieder die Ausreise erlaubt. Umgekehrt haben Fronteinheiten seit Beginn des Jahres laut Verteidigungsminister Fedorow durch ein elektronisches Beschaffungssystem über 181.000 Drohnen, UGV und Systeme zur elektronischen Kampfführung im Wert von mehr als 14 Milliarden Hryvnia (266 Millionen Euro) direkt von den Herstellern erhalten. Sein Ministerium habe zudem bereits begonnen, UGV-Aufträge für 2027 zu erteilen, um die langfristige Versorgung sicherzustellen.

Erstveröffentlichung in Soldat&Technik, 29. April 2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Stefan Axel Boes

Bild: Ukrainische Armee

Praxisnaher Service für Verteidigungstechnologien mit umfassender Betreuung über den gesamten Lebenszyklus

Ihr leistungsfähiger Systemintegrator für Hydraulik, Pneumatik, Schmiertechnik und Rohrsysteme sowie Mechanikservice an wehrtechnischen Geräten.

„Vogel Gruppe“ ist die Dachmarke der Industrie-Hydraulik Vogel & Partner GmbH mit den Tochterunternehmen Vogel Druckluft-Technik GmbH und Wetzel Zylinderservice GmbH. Seit 1990 sind wir ISO-9001 zertifizierter Vertriebs- und Servicepartner für Industrie und Handwerk und bieten Produkte und Services rund um Hydraulik, Pneumatik, Schmiertechnik, Rohrsysteme, Druckluft sowie Fluidtechnischen Anlagenbau in Kooperation mit unseren Hauptvertriebspartnern Parker Hannifin, SKF und Festo.

Ein Netzwerk von 11 Standorten mit über 110 Kollegen bestehend aus einem umfassenden Spektrum hochwertiger Produkte, unser technisches Know-How und unsere umfassende Branchenkenntnis garantieren Ihnen, dass Sie auch morgen auf einen leistungsstarken Partner bauen können. Da die Probleme der Fluidtechnik nicht immer mit Standardbauteilen abgedeckt werden können, bieten wir Ihnen neben unseren namhaften Vertragspartnern auch Produkte anderer Hersteller an und garantieren Ihnen damit für jeden Fall eine optimale Beratung.

Einsatzfähige Rohrleitungssysteme für Öl, Luft oder Fett aus geeigneten Werkstoffen als Einzel- oder Serienfertigung sowie montagefertige Kits. ©Vogel-Gruppe

Für Projekte im Verteidigungsbereich setzt die Vogel Gruppe auf ein Qualitätsmanagement, das auf ISO 9001:2015 basiert und um die für militärische Anwendungen relevanten Anforderungen aus AQAP 2110/2113/2130/2131 erweitert wurde. Damit stellen wir sicher, dass Entwicklung, Fertigung und Dokumentation den Erwartungen von Auftraggebern und Behörden entsprechen.

Unsere Schwerpunkte liegen in der Bereitstellung von normgerechten Schlauchleitungen (nach VG 95922-2, VG 95924-1, VG 95924-2 und VG 95938), Transport- und Prüfsystemen sowie Werkzeug- und Montagesätzen, die speziell für militärische Anwendungen entwickelt und zugelassen sind. Viele unserer Produkte verfügen über NATO-Stocknummern (NSN) und werden in enger Abstimmung mit Beschaffungsämtern wie dem BAAINBw eingesetzt.

Wir erledigen für Sie die Herstellung von Spezialwerkzeug, die mechanische Reparatur von Bundeswehr-Material, das Beschriften und Signieren von Material, die Durchführung von AIT-Kennzeichnungen für die Bundeswehr sowie die Beratung der öffentlichen Auftraggeber vor Ort. Schadgerätelager sind vorhanden. Zu unseren Vertragspartnern zählen die NSPA, das BAAINBw sowie weitere Bundeswehr-Dienststellen. Durch die Kooperation mit den Produktweltmarktführern Parker Hannifin, Festo und SKF verstärken wir dieses Portfolio als zertifizierte Vertriebspartner erheblich.

NATO-konforme Schlauchleitungen für Hydraulik- und Pneumatikanwendungen nach VG genormt, druckgeprüft und dokumentiert. ©Vogel-Gruppe

Als Partner von Parker Hannifin bieten wir zusätzlich Zugriff auf einen der weltweit führenden Anbieter von Motion- und Control-Technologien mit einem breiten Spektrum an Lösungen für Hydraulik, Pneumatik, Filtration, Korrosionsschutz, Elektrifizierung und Condition Monitoring. Mit Produktions- und Entwicklungsstandorten weltweit sowie einer langen Historie in der Belieferung der Verteidigungsindustrie bietet Parker Technologien, die heute in nahezu allen NATO-Ländern im Einsatz sind.

Unsere Zusammenarbeit mit SKF Lubrication ermöglicht uns und unseren Kunden einen uneingeschränkten Zugriff auf alle modernen Schmiertechniklösungen, genauso wie Lösungen im Bereich pneumatischer und elektrischer Automatisierungslösungen unserer Festo-Experten.

Neben einem mobilen Service inkl. Wartung und Reparatur, auf Wunsch auch vor Ort, bieten wir Ihnen u.a. Full-Service-Verträge für eine Vielzahl unserer Systemlösungen an. Von einbaufertigen Modulen über Spezialanfertigungen liefern wir Ihnen unsere Produkte weltweit. Unser Störungsdienst sorgt innerhalb Deutschlands dafür, dass Ihre Anlagen einwandfrei betrieben werden können. Gerne unterstützen wir Sie auch bei der Überprüfung der Konformität Ihrer Anlagen, Maschinen und Systeme bzgl. BetrSichV und DGUV. Wir werden auch in Zukunft unser Produkt- und Dienstleistungsportfolio kontinuierlich erweitern, um den Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden.

Weitere Informationen zu unseren Produkten und Dienstleistungen im wehrtechnischen Bereich erhalten Sie unter:

Industrie-Hydraulik Vogel & Partner GmbH
Laugkfeld 21
01968 Senftenberg

Tel.: 0800 770 90 90
info@vogel-gruppe.de
https://www.vogel-gruppe.de/branchenloesungen/wehrtechnik-defence

Ihr direkter Ansprechpartner für Wehrtechnik:
Herr Matthias Vogel
Geschäftsführung
m.vogel@vogel-gruppe.de

NATO-Annahmen über sowjetische Angriffsplanungen im Norden Skandinaviens

Im Jahr 1968 herrschte zwischen NATO und Warschauer Pakt der Kalte Krieg. Der sowjetischen Aufklärung war nicht verborgen geblieben, dass die Flugplätze in Nordnorwegen eine viel größere Kapazität hatten, als für die Luftwaffe des Landes erforderlich war.

Um die Basen ihrer Atom-U-Boote im Murmansk-Fjord und die Flugplätze der strategischen Bomber auf der Kola-Halbinsel vor Luftangriffen der NATO zu schützen, würde daher die Sowjetunion zu Beginn eines Krieges oder präemptiv versuchen, die norwegische Atlantikküste und die norwegischen Flugplätze in eigene Hände zu bekommen. Die realen damaligen sowjetischen Planungen kennen wir auch heute nicht. Aber wir haben heute Zugang zu den nach Ende des (ersten) Ost-West-Konflikts veröffentlichten Feindlagebeurteilungen der NATO darüber. Die hier abgebildete Karte zeigt die Annahme des Allied Command Europe Mobile Force Anfang 1968.

Die Allied Mobile Force (AMF) war ein 1960 in Dienst gestellter multinationaler mobiler Eingreifverband der NATO. Dessen Analysten entwarfen auf einer Karte mögliche Angriffsoptionen der Sowjets auf Nordnorwegen, in Varianten mit und ohne dabei Gebiete der neutralen Staaten Finnland und Schweden zu besetzen.

Der angenommene Vormarsch der Sowjets

Die Karte zeigt zu Lande vier angenommene Vormärsche der Sowjets durch zwei Divisionen. Eine sowjetische Mot. Schützendivision (MSD) ist zu diesem Zeitpunkt ungefähr 14.500 Mann stark. Der von der 341. MSD auszuführende Hauptstoß im Süden (A) zielte über das finnische Rovaniemi und das schwedische Kiruna auf den norwegischen Hafen Narvik und sollte damit den Raum nördlich davon abschneiden. Den wiederum sollten weitere Angriffe (B, C und D) dieser Division und der 45. MSD fächerartig besetzen. Die Optionen B, C und D hätten ohne Verletzung der Neutralität Schwedens realisiert werden können, D auch ohne Finnlands Gebiet zu queren. Das Besetzen dieses weiten Raumes war keine einfache Aufgabe, denn abgesehen von der gut ausgebauten Straße zwischen Kiruna und Narvik und der an der Grenze bei Kirkenes beginnenden Europastraße E6 hemmte die von Seen und deren Zuflüssen geprägte Landschaft die Bewegungsmöglichkeiten der Angreifer, wie die Wehrmacht schon 1941 bis 1944 hatte erfahren müssen. Aufgrund der brettflachen Landschaft in der Finnmark und Lappland war Luftherrschaft eine zwingende Voraussetzung für die sowjetischen Angriffsbewegungen. Luft- und Seeanlandungen sollten die genannten Angriffsziele schon in den ersten Stunden des Krieges nehmen – und bis zum Eintreffen der Hauptkräfte zu Lande halten. Sollten Luftlandungen auf norwegischen und ggf. auch schwedischen Flugplätze nicht erfolgreich sein, hatten die Sowjets deren Verminung aus der Luft vorgesehen.

Angriffsszenarien in Nordnorwegen, 1968, ©Bundeswehr/Daniela Heinecke

Amerikanische Analyse aus den 1980ern

Eine weitere, amerikanische Analyse aus den früheren 1980er Jahren ähnelt grundsätzlich der aus dem Jahr 1968, zeigt aber Änderungen in Details, auch in den weiterhin angenommenen vier taktischen Angriffskeilen der Sowjets: Der nördlichste Vormarsch war über die Europastraße E6 von der Grenze bei Kirkenes bis Lakselv und bis zu dem nahen großen Flugplatz Banak geplant. Die südlich anschließende Vormarschachse verlief durch Finnisch-Lappland über Inari zur norwegischen Stadt Karasjok. Der dritte Angriffskeil sollte über das finnische Sodankylä und das norwegische Skibotn-Tal Tromsø erreichen. Der südlichste taktische Stoß sollte wie 1968 angenommen über Kemijärvi, Rovaniemi und Kiruna auf Narvik zielen. Die von amerikanischen Analysten befürchtete Überquerung des im Winter zugefrorenen Bottnischen Meerbusens durch sowjetische Panzerkolonnen verwiesen die mit dem Gelände und den Wetterbedingungen vertrauten Skandinavier ins Reich der Fantasie.

„Gibraltar des Nordens“

Die Eroberung der Hauptstädte Finnlands, Schwedens und Norwegens waren laut amerikanischer Bewertung Anfang der 1980er Jahre nicht Ziel der Angriffe. Wichtiger waren die Åland-Inseln. Das „Gibraltar des Nordens“ hätte den Sowjets als ideales Sprungbrett zur Landung an der schwedischen Küste gedient. Das neutrale Schweden sahen sowjetische Operationsplaner nicht nur als Durchmarschgebiet, sondernmaßen vor allem dessen Luftwaffe eine hohe Schlagkraft bei, die es auszuschalten galt. NATO-Analysten nahmen daher an, dass noch vor der eigentlichen sowjetischen Offensive so genannte Speznaz-Teams mit U-Booten an Schwedens Küste angelandet werden, die nicht nur die Flugplätze angreifen, sondern den Überraschungseffekt nutzend Piloten in ihren Wohnungen töten sollten.

Erstveröffentlichung im Intranet der Bundeswehr (YNSIDE), 10.03.2026

Autor: Oberstleutnant Dr. Klaus Storkmann, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Scipio Appia – Logistisches Lagebild und Entscheidungsunterstützung

Scipio Appia ist eine digitale Mittelschicht zwischen ERP, NATO-Systemen und Gefechtsfeld, die logistische Ebenen 1 und 2 in ein durchgängiges Lagebild integriert.

Die Fähigkeit moderner Streitkräfte, Operationen erfolgreich durchzuführen, hängt unmittelbar von der Leistungsfähigkeit ihrer Logistik ab. Im Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung
entscheidet nicht allein die Verfügbarkeit von Waffensystemen über die Einsatzbereitschaft, sondern vor allem die Fähigkeit, Munition, Ersatzteile, Treibstoff und Instandsetzung rechtzeitig
zur kämpfenden Truppe zu bringen.

Das logistische System der Bundeswehr bildet hierfür den strukturellen Rahmen. Während auf strategischer Ebene zentrale, nationale IT Systeme wie SASPF oder NATO-Systeme wie LOGFAS die Planung und Verwaltung logistischer Ressourcen unterstützen, entsteht auf den taktischen Ebenen der Logistik, insbesondere logistische Ebenen (LogE) 1 und 2, eine strukturelle Fähigkeitslücke.

Die LogE 1 und 2 sind geprägt durch hohe Dynamik, kurze Entscheidungszyklen und häufig wechselnde Organisationsstrukturen der (Groß-) Verbände im Einsatz. In Verbänden, etwa auf
Brigade- oder Bataillonsebene, müssen logistische Bedarfe, verfügbare Bestände und Transportkapazitäten kontinuierlich abgestimmt werden. Gleichzeitig bleiben die eingesetzten
IT-Systeme primär auf strategische Prozesse ausgelegt und sind für die operative Realität auf Gefechtsfeldebene nicht geeignet.

Das Resultat ist ein fragmentiertes Lagebild. Informationen über Bedarfe, Bestände oder Transportbewegungen werden über heterogene Kanäle wie Funk, Excel Tabellen, Sitaware Chat oder mündliche Abstimmung kommuniziert. Ein durchgängiges logistisches Lagebild (RLP) über alle Ebenen hinweg existiert nicht. In der Folge muss händisch und über Drehstuhl-Schnittstellen Information zusammengeführt und ausgewertet werden. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren und der Prozess ist nur bedingt bis nicht kriegstauglich.

Recognized Logistic Picture (RLP): Das RLP zeigt die Einsatzbereitschaft eigener Einheiten (I, III, V, PAX) sowie laufende (grün) und vorgeschlagene (rot) Nachschubmissionen an, ©Scipio

Logistische Kräfte sind heute selbst Teil des Gefechtsfelds und müssen ihre Operationen schneller, verteilter und resilienter durchführen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die digitale Unterstützung logistischer Prozesse entscheidend an Bedeutung. Hier setzt Scipio Appia an. Appia ist ein logistisches Entscheidungs- und Führungssystem für die LogE 1 und 2 mit der
Brigade als Endnutzer im Schwerpunkt. Sie wurde speziell für den Zweck entwickelt, die bestehende Fähigkeitslücke zwischen SASPF, LOGFAS auf strategischer Ebene und der operativen Realität auf Brigadeebene komplementär zu schließen.

Technisch fungiert Appia als digitale Integrations- und Abstraktionsschicht zwischen bestehenden Systemen. Daten aus ERP-Systemen (bspw. SASPF), LOGFAS oder C2/C4I können über Schnittstellen bi-direktional integriert und in einem RLP zusammengeführt werden. Das System ermöglicht dadurch erstmals eine kontinuierliche, taktisch nutzbare Darstellung logistischer Informationen: Bedarfe von Einheiten, verfügbare Bestände, Prioritäten, Transportmittel und Versorgungskorridore & -routen können in Echtzeit zusammengeführt und für Planungs- und Führungsentscheidungen genutzt werden.

Appia ist spezifisch für die Anforderungen der Umgebung LogE 1 und 2 entwickelt. Das System kann auf einem Feldserver im Brigadegefechtsstand gehostet und via gehärtete Tablets/Laptops
bedient werden. Dabei sind die Funktionen unabhängig der Netzverbindung nutzbar, damit die Brigade offline in “congested” als auch “contested” Umgebungen handlungsfähig ist.

Mithilfe von KI ermöglicht Appia eine dynamische Planung und Steuerung von Nachschubbewegungen sowie die Optimierung logistischer Transportketten zwischen Depots, Versorgungspunkten im Einsatzgebiet und den versorgten Truppenteilen. Dadurch können Versorgungszeiten verkürzt, Transportkapazitäten effizienter eingesetzt und logistische Entscheidungen frühzeitig in den militärischen Führungsprozess eingebunden werden.

Appia ist seit Beginn der Entwicklung als multinationale, interoperable Plattform konzipiert. In multinationalen Operationen können unterschiedliche nationale Appia-Instanzen über eine
gemeinsame Daten- und Entscheidungsstruktur miteinander verbunden werden. Damit unterstützt Appia nicht nur nationale logistische Prozesse, sondern auch die Interoperabilität innerhalb von NATO-Verbänden, komplementär zu LOGFAS.

Im Kontext der digitalen Transformation der Streitkräfte und der zunehmenden Vernetzung militärischer Systeme stellt Appia somit einen neuen Ansatz für logistische Führung dar: ein durchgängiges Recognized Logistics Picture, das strategische Planungssysteme mit der operativen Realität des Gefechtsfelds verbindet.

Damit adressiert Appia eine zentrale Voraussetzung moderner Operationsführung: die Fähigkeit, logistische Informationen effizient, verlässlich und entscheidungsrelevant verfügbar zu machen und damit die Einsatzbereitschaft der Truppe zu erhöhen.

Scipio Networks GmbH | Julie-Wolfthorn-Straße 1 | 10115 Berlin

Autor: Tim Birkhofer