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Die Modernisierung der bodengebundenen Luftverteidigung der Luftwaffe

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und das damit einhergehende tragische Leid der Zivilbevölkerung durch die massiven Angriffe aus der dritten Dimension unterstreichen die Bedeutung und Notwendigkeit einer umfassenden bodengebundenen Luftverteidigung, elementar für den Schutz der Bevölkerung, der kritischen Infrastruktur und zum Erhalt der eigenen Operationsfreiheit. Insbesondere kommt dem Schutz Deutschlands unter anderem als logistische Drehscheibe der NATO und Aufmarschraum für unsere Partner bei einem möglichen Konflikt an der Ostflanke eine besondere Bedeutung zu.

In heutigen und zukünftigen militärischen Auseinandersetzungen zwischen hochtechnologisierten Staaten ist mit massiven Angriffen aus der Luft weit hinter der Konfrontationslinie unter anderem mit ballistischen Raketen, weitreichenden Marschflugkörpern und sogenannten One-Way-Attack Unmanned Aerial Vehicles zu rechnen. Dabei hat sich in den Kriegen zwischen Russland und der Ukraine sowie des Irans und Israel gezeigt, dass derartige Angriffe mit unterschiedlichen und in enorm hohen Anzahlen von Wirkmitteln in einem koordinierten Ansatz erfolgen, um die bestehende Luftverteidigungsarchitektur zu (über-)sättigen. Quantität gemessen an der Realität ist nachgewiesenermaßen eine neue Qualität.

Dies stellt die bodengebundene Luftverteidigung vor große Herausforderungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des Warschauer Paktes richtete sich der Fokus der NATO primär auf das internationale Krisen- und Konfliktmanagement aus. In den Auslandseinsätzen der vergangenen Jahrzehnte standen die eingesetzten Kräfte keiner nennenswerten Bedrohung aus der Luft gegenüber. In der Folge reduzierten viele der NATO-Mitgliedstaaten, wie auch Deutschland, die Kräfteumfänge im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung, investierten nur wenig in deren Modernisierung oder gaben sie gleich ganz auf. Die NATO-Mitgliedstaaten haben entsprechend reagiert und der Auf- und Ausbau des gegenwärtigen integrierten Luftverteidigungsverbundes gehört zu den höchsten Prioritäten.

Dies gilt gleichermaßen für Deutschland. Die Bundeswehr hat neben allen anderen notwendigen Handlungsfeldern zur Stärkung der Landes- und Bündnisverteidigung der Modernisierung und der Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung die höchste Priorität eingeräumt. Die bereits im Jahr 2021 eingeleitete Modernisierung der Patriot-Einheiten, die Beschaffungsvorhaben aus dem Sondervermögen der Bundeswehr, hier insbesondere die Beschaffung des Arrow Weapon Systems for Germany (AWS-G), der Luftverteidigungssysteme (LVS) IRIS-T SLM und die Entwicklung des LVS Nah- und Nächstbereichsschutz (LVS NNbS) sowie die durch Deutschland initiierte European Sky Shield Initiative bilden hierfür die Grundlage. Die Bundeswehr wird auch weiterhin umfangreich in das Rückgrat unserer Luftverteidigung, das Waffensystem Patriot, investieren. Mit den laufenden und zukünftigen Modernisierungen bleibt das System bis weit in die 2040er-Jahre eines der modernsten und leistungsstärksten Systeme zur Luftverteidigung in Europa. Damit einhergehend werden auch die Voraussetzungen für den Erhalt und die Verbesserung der multinationalen Interoperabilität und damit dem Einsatz im multinationalen Verbund geschaffen. An die Seite von Patriot werden allerdings weitere leistungsstarke Systeme treten.

Mit dem Arrow-Luftverteidigungssystem hat die Bundeswehr Anfang Dezember 2025 die Anfangsbefähigung erreicht. Vorne der Launcher, hinten das Radarsystem. ©Bundeswehr/Francis Hildemann

Die im November 2024 mit Mittelstreckenraketen stattgefundenen russischen Angriffe auf die Ukraine offenbarten die Existenz eines neuen Raketentyps, die Oreschnik. Damit besteht Gewissheit, dass spätestens seit der Aufkündigung des INF-Vertrages Russland begonnen hat, sein Programm für die Entwicklung und Produktion präziser konventioneller, aber auch nuklearer Mittelstreckenraketen erneut aufleben zu lassen. Mittelstreckenraketen, die strategisch wichtige Ziele in der Tiefe erreichen können.

Im Rahmen der weiteren Fähigkeitsentwicklung des für Deutschland strategisch so bedeutsamen Waffensystems ist nach Abstimmung mit unseren israelischen und amerikanischen Partnern auch die Beschaffung und Integration weiterer zukünftiger Lenkflugkörper der Arrow-Familie beabsichtigt. Ziel ist es, das Potenzial des Systems weiter auszuschöpfen und sowohl Wirkungen im endo- als auch im exoatmosphärischen Bereich zu ermöglichen. Mit dem AWS-G erlangt Deutschland erstmals die Fähigkeit zur Frühwarnung vor und zur Bekämpfung von anfliegenden, weitreichenden Raketen. Damit ist der Schutz des gesamten Territoriums Deutschlands und der Bevölkerung nebst der hierin enthaltenen kritischen Infrastruktur vor dieser potenziellen Bedrohung gewährleistet. Darüber hinaus werden auch Führungseinrichtungen der NATO, Aufmarschräume und somit die logistische Drehscheibe für Verbündete in Deutschland geschützt. Dies trägt maßgeblich zum Erhalt der eigenen Operationsführung in einem möglichen Konflikt an der Ostflanke der NATO bei. Wie geplant konnte bereits im Dezember 2025 die Anfangsbefähigung des Systems hergestellt werden.

Das zukünftige Luftverteidigungssystem NNbS wird im Wesentlichen aus einer Mittelbereichskomponente und einer hochmobilen, gepanzerten Nächstbereichskomponente bestehen. Ergänzt wird es durch eine Befähigung zur Wirkung gegen small Unmanned Aircraft Systems sowie gegen Raketen, Artillerie und Mörser. Ohne einen solchen Systemverbund als System aus Systemen sind insbesondere der Schutz von Landoperationen kaum möglich. Der Entwicklungsvertrag für dieses System aus Systemen wurde Anfang des Jahres 2024 geschlossen.

Da das LVS Nah- und Nächstbereichsschutz in Teilen noch auf zu entwickelnden Komponenten basiert, bildet das in Gänze aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanzierte Luftverteidigungssystem IRIS-T Surface Launched Medium Range, kurz IRIS-T SLM, einen weiteren wesentlichen Baustein in der schnellen Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung Deutschlands. Dieses System wird bereits in der Ukraine mit beeindruckender Effektivität und großem Kampfwert eingesetzt. Der Effektor des IRIS-T SLM Systems ist eine Weiterentwicklung des Luft-Luft-Lenkflugkörpers IRIST, der auch bereits für den Einsatz durch den Eurofighter in die Luftwaffe eingeführt ist. Für die bodengestützte Variante mittlerer Reichweite wurde der Effektor um eine Zweiwege- Datenanbindung ergänzt sowie mit einem neuen, reichweitengesteigerten Feststoffraketentriebwerk und Navigationssystem ausgestattet.

Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM kommt zum Abfangen von unter anderem Hubschraubern, Kampfflugzeugen, unbemannten Luftfahrzeugen sowie Marschflugkörpern zum Einsatz. In Abwandlung zu den Systemen der Ukraine werden die Systeme für die Bundeswehr zur nahtlosen Integration in den Luftverteidigungsverbund der NATO befähigt.

Das neue Luftverteidigungssystem der Luftwaffe ist ein sehr agiles, hochmodernes System. Innerhalb von Minuten ist es nach dem Bezug seiner Stellung einsatzbereit und ebenso schnell wieder bereit zur Verlegung. Dank eines hohen Grades an Automatisierung bei gleichzeitig hoher Robustheit des Systems ist nur ein sehr geringer Personalansatz notwendig. In der Ukraine konnte es bereits mit einer sehr hohen Leistungsfähigkeit und Treffgenauigkeit überzeugen und hat sich als äußerst wirksam gegen tieffliegende Marschflugkörper und sogenannten One- Way-Attack-Drohnen vom Typ Shahed erwiesen. Als ein klares Signal der Zeitenwende gilt auch die Geschwindigkeit, mit der die Bundeswehr dieses System einführt. Nach dem Vertragsschluss zur Beschaffung im Jahr 2023 wurde bereits am 4. September 2024 das erste System an die Bundeswehr zur Qualifikation und Einsatzprüfung übergeben und das für die erste Feuereinheit vorgesehene Personal der Luftwaffe erreichte nach der entsprechenden Ausbildung die Initial Operational Capability.

Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM während der Übung „Spartan Arrow“ auf der Insel Kreta/Griechenland. ©Bundeswehr/Tom Twardy

Im Rahmen der geplanten Fähigkeitsentwicklung beim Waffensystem IRIS-T SLM aus dem Sofortprogramm ist neben einer Erhöhung der Anzahl der Feuereinheiten auch die Ergänzung um die Komponenten der bereits marktverfügbaren SLS-Variante (Surface Launched Short Range) für die kurze Reichweite sowie der sich in der Entwicklung befindlichen Surface Launched Extended Range (SLX) beabsichtigt. Damit verfügt das Luftverteidigungssystem IRIS-T SL absehbar über einen Effektormix, mit dem vom Nächstbereich bis zu einer Entfernung von circa 80 Kilometer gewirkt werden kann, eine vor dem Hintergrund der gestiegenen, quantitativen Herausforderungen elementare Befähigung.

Dieses System ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil der European Sky Shield Initiative (ESSI). ESSI wurde 2022 durch Deutschland zur rapiden Stärkung insbesondere des europäischen Pfeilers der NATO-Luftverteidigung ins Leben gerufen. Dies soll insbesondere durch die Beschaffung marktverfügbarer Luftverteidigungssysteme zur Schließung zeitkritischer Fähigkeitslücken erreicht werden. Weiterhin im Fokus stehen das Einsparen und Bündeln von Ressourcen durch Schaffung von industriellen, wirtschaftlichen und technologischen Synergien. Ein wesentlicher Treiber von ESSI ist die Erhöhung von Interoperabilität durch gemeinsame Beschaffung gleicher beziehungsweise zumindest kompatibler Systeme. Bislang wurden Beschaffungsverträge für das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM durch mehrere europäische Partnerländer geschlossen.

Über die ESSI eröffnet sich auch die Möglichkeit, operationelle Potenziale zu erschließen. Anstatt Doubletten in Ausbildungsstrukturen in Europa zu kreieren, besteht die Möglichkeit der Multinationalisierung der IRIS-T SL-Ausbildung am Ausbildungszentrum Flugabwehrraketen der Luftwaffe. Zu diesem Zweck hat der Inspekteur der Luftwaffe Anfang September 2023 die ESSI Air Chiefs nach Deutschland eingeladen, um dieses Vorhaben, das European Air and Missile Defense Training Center, vorzustellen. Die weitere Ausgestaltung befindet sich derzeit in der Umsetzung. Mit den skizzierten Projekten werden die Fähigkeiten der bodengebundenen Luftverteidigung der Bundeswehr quantitativ und qualitativ deutlich verbessert. Gleichzeitig ist sie mit den Weiterentwicklungsmöglichkeiten und absehbaren Leistungssteigerungen zukunftsfähig aufgestellt. Zudem werden die Möglichkeiten des Wirkens gemeinsam mit multinationalen Partnern im Verbund erheblich gestärkt. Damit leistet Deutschland einen weiteren wichtigen Beitrag zur Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO-Luftverteidigung und des Bündnisses insgesamt.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Hardthöhen-Kurier, 08.06.2026, www.hardthoehenkurier.de

Autoren: Oberst i.G. Dennis Krüger und Oberstleutnant Thomas Finkeldey, Kommando Luftwaffe

Loitering Munition: Truppe testet Kamikazedrohnen

Vier Kampfpanzer im Gelände finden und während der Fahrt mit Kamikazedrohnen angreifen: Diese Aufgabe galt es, beim zweiten Praxistest des Aufklärungs- und Wirkverbundes im April 2026 zu erfüllen. Eingesetzt wurden auch Soldatinnen und Soldaten, die ab 2027 mit der neuen Technik Teil der Brigade Litauen sein werden.

Fünf Monate nach dem ersten Test des Aufklärungs- und Wirkverbunds (AWV) im Dezember 2025 hat das Planungsamt der Bundeswehr das zweite Schießen auf dem Übungsplatz im thüringischen Ohrdruf durchgeführt. Der AWV ist ein System, bei dem Aufklärungsdrohnen und Systeme zur Bekämpfung intelligent zusammenarbeiten. Das Ziel dieser Vernetzung: den Gegner auf große Distanz mit den Aufklärungsdrohnen finden und umgehend mit der Loitering Munition (LM) bekämpfen. Mehr dazu finden Sie im Beitrag zu Loitering Munition.

Senkrecht in den Himmel geht es für eine der getesteten Varianten. So kann die Drohne auch auf engen Waldlichtungen oder in Häuserschluchten starten. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Damit der Aufklärungs- und Wirkverbund funktioniert, müssen nicht nur die einzelnen Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition jeweils für sich funktionieren, sondern auch als Gesamtsystem und unter Gefechtsbedingungen. Verbindendes Element der einzelnen Teilsysteme, die von unterschiedlichen Herstellern kommen und damit jeweils die hauseigene Software mitbringen, ist die bundeswehreigene Führungssoftware mit dem Namen Unmanned Management System (UMS).

Um die notwendige Einsatzreife dieses Gesamtsystems möglichst schnell zu erreichen, sei es notwendig, Praxistests wie in Ohrdruf gemeinsam mit den Herstellern durchzuführen, erläutert Tobias T., Leiter des Projekts im Planungsamt der Bundeswehr. Nur so sei eine zügige Fortentwicklung möglich, um den Aufklärungs- und Wirkverbund einsatzbereit in Litauen stationieren zu können. Dabei betont T.: „Dieses System wird nie fertig sein. Durch die rasante Entwicklung wird es ständig Updates geben, um die Teilsysteme zu verbessern und anzupassen. Entsprechend wurden die Kaufverträge auch gestaltet.“

Per Katapult wird eine weitere der getesteten Drohnen in die Luft befördert. Da dieser Start kaum Energie verbraucht, ist das System deutlich kompakter. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Ohne Datenverbindung kein Treffer

Verglichen mit der ersten Testung waren die Ansprüche an das gesamte System in Ohrdruf erheblich höher. Die Bediener kamen nicht von den Herstellerfirmen, sondern aus der Truppe. Dabei kannten einige der Soldatinnen und Soldaten das System erst wenige Tage und führten dennoch mehreren LMS gleichzeitig in der Luft. Erschwerend kam in der Übung hinzu, dass die Leopard-2-Panzer nicht standen, sondern in Fahrt getroffen werden sollten – natürlich ohne scharfen Gefechtskopf.

Ob Nebelkerzen oder Ausweichmanöver – die Panzerbesatzungen versuchen, kein leichtes Ziel zu bieten. ©Bundeswehr

Die Stellungen, aus denen die Drohnen auf dem hügeligen Gelände des Übungsplatzes in Ohrdruf gestartet wurden, waren nicht vorbereitet. Der Grund: Im Einsatzfall würden die Soldatinnen und Soldaten regelmäßig ihren Ort wechseln, um nicht selbst entdeckt zu werden. Das bedeutet, dass die gesamte Infrastruktur zur Sicherstellung der Datenverbindung im Gelände aufgebaut und betrieben werden musste. „Wir ziehen in Baumreihen, Scheunen und hinter Hügeln unter – ohne direkte Sicht auf das Zielgebiet. Das ist natürlich eine Herausforderung für die Datenlinks, die essenziell für das System sind. Entsprechend müssen wir lernen, wie wir damit umgehen, sowohl technisch als auch taktisch“, erklärt der Fachmann aus dem Planungsamt.

Mit den natürlichen Herausforderungen durch Gelände, Wetter und Entfernung war es aber nicht getan beim Schießen in Ohrdruf. Denn am Ende wird der Gegner alles dran setzen, sich vor den Angriffen der Kamikazedrohnen zu schützen. Ausweichmanöver der Panzerbesatzungen, Nebelkerzen und elektronische Gegenmaßnahmen stellten die Bediener und die Zielerfassungssoftware der LMS vor zusätzliche Herausforderungen.

Die Artilleristen, die mit dem AWV 2027 nach Litauen gehen, werden bereits jetzt eng mit eingebunden. Bis zu vier LMS führt ein Bediener an seiner Bodenkontrollstation gleichzeitig ins Ziel. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Arbeiten wie beim Schießen in Ohrdruf nachgewiesen mehrere unbemannte Systeme zusammen, könne man von einer Schwarmfähigkeit sprechen, die mit der weiteren Entwicklung des Aufklärungs- und Wirkverbunds immer stärker zum Tragen komme, so Oberstleutnant T. Am Ende sei hier die verfügbare Bandbreite der Datenverbindung der entscheidende Faktor.

Erste LMS-Batterie für Litauen

„Im Gegensatz zur klassischen Rohr- und Raketenartillerie können wir mit diesem Aufklärungs- und Wirkverbund über eine größere Entfernung schießen und auch fahrende Ziele bekämpfen“, erklärt Major Fabian S., Chef der ersten LMS-Batterie in der Geschichte der deutschen Artillerie. In dieser Funktion wird Major S. im kommenden Jahr mit seinen Männern und Frauen als 5. Batterie des Artilleriebataillons 455 der Panzerbrigade 45 in Litauen unterstellt werden. „Für uns ist es von großem Wert, so früh in die Entwicklung des AWVs eingebunden zu werden. Zum einen fließen unsere Rückmeldung direkt in die Weiterentwicklung ein. Zum anderen haben wir das Privileg, die taktischen Einsatzverfahren für das System mit zu entwickeln“, so der Batteriechef.

Vor dem Hintergrund der absehbaren Stationierung in Litauen sind die Erwartungen der Truppe auch entsprechend hoch. Eine große Reichweite, um den Feind möglichst tief im Raum zu bekämpfen sowie eine hohe Trefferquote seien unabdingbar, so Major S. Zudem müsse das System natürlich bei jedem Wetter funktionieren und auch unter hoher Belastung von den Soldatinnen und Soldaten sicher bedient werden können.

Neben der Batterie von Major S. wird das Artilleriebataillon 215 aus Augustdorf als zweiter Verband mit dem Aufklärungs- und Wirkverbund ausgestattet werden. Beide Batterien werden in ihren jeweiligen Bataillonen die klassische Rohrartillerie, bestehend aus Panzerhaubitzen 2000, ergänzen.

Bundeswehr nutzt Erfahrung der Ukraine

Dass die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Verteidigungskampf auch die Aufklärungs- und „Kamikazedrohnen“ nutzen, die für den Aufklärungs- und Wirkverbund vorgesehen sind, sei ein großer Vorteil, erklärt Oberstleutnant Tobias T. „Wir bekommen Einsatzberichte sowohl von den Unternehmen als auch von den ukrainischen Streitkräften. Das hilft uns natürlich sehr, wobei wir bei der Auswertung auch vorsichtig sein müssen, denn nicht immer sind alle Rahmenbedingungen wie Wetter oder Ausbildungsdauer der Bediener bekannt. Zudem unterscheiden sich die Systeme der Ukrainer in manchen Bauteilen zu denen, die wir kaufen.“

Eine Aufklärungsdrohne ist das Auge des AWVs. Ist ein Ziel gefunden, liefert sie Zieldaten und Bilder für die angreifenden Kamikazedrohnen. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Und auch mit Blick auf die Trefferquoten ist das tatsächliche Bild bei unbemannten Systemen trüber, als viele annehmen, die lediglich das Videomaterial aus der Ukraine von erfolgreichen Drohnenangriffen sehen. Das betreffe alle Systeme: sowohl billige FPV- Drohnen mit kurzer Reichweite als auch größere Systeme, betont der Fachmann vom Planungsamt. „Im Schnitt, über alle Systeme hinweg, können wir eine deutlich niedrigere Erfolgsquote erkennen. Umwelteinflüsse, elektronische Gegenmaßnahmen oder einfache Verbindungsabrisse sind an der Tagesordnung. Wenn der Aufklärungs- und Wirkverbund unter Gefechtsbedingungen mindestens eine Quote von eins zu vier erreiche – also eine von vier LMS ihr Ziel erreicht und auch tatsächlich zerstört – sei das gut, so die Einschätzung des Experten.

Aus dem mobilen Feuerleitstand heraus koordiniert die Führung der Batterie mithilfe des Unmanned Management Systems das Gefecht mit den Drohnen. ©Bundeswehr/Jana Neumann

Der erste Verbund von vielen

Die Entwicklung dieses Aufklärungs- und Wirkverbundes ist für die Bundeswehr allerdings nur ein erster Schritt hin zu einer ganzen Reihe von AWVs auf verschiedenen Ebenen in der Verbandsstruktur des Heeres. So ist der AWV, der für die Panzerbrigade 45 in Litauen geplant ist, auch dezidiert für den Einsatz auf Brigadeebene vorgesehen. Daraus leiten sich beispielsweise die Anforderung der Reichweite ab oder auch die Kampfaufträge für die Batterie.

Daneben gibt es bereits Projekte für einen AWV auf Divisionsebene mit entsprechend höherer Reichweite sowie einen AWV für kurze Reichweite auf Bataillonsebene, wo auch eine neuartige Software zum Tragen kommt. Bei letzterem würden die Stückkosten pro LMS auch deutlich sinken, erklärt Oberstleutnant T. „Insbesondere die geforderte Reichweite und die Fähigkeiten sind es, die ein System teuer macht. Darüber hinaus zahlt auch die Produktionsmenge auf die Reduzierung der Stückkosten ein. Ein System wird dann günstig, wenn die notwendige Stückzahl erreicht ist, sodass die Produktion industrialisiert werden kann.“

Unterm Strich ist der Projektleiter aus dem Planungsamt zufrieden mit dem Schießen in Ohrdruf. „Wir haben große Fortschritte gemacht. Einige Probleme, die wir zuvor erwartet haben, sind allerdings auch so eingetreten. Daher haben wir bereits die kommenden Tests in diesem Jahr schon darauf ausgerichtet, diese zu beheben.“

Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 20.05.2026, www.bundeswehr.de

Autor: Ole Henckel

Für den Verteidigungsfall – Heimatschutzkräfte sichern Bahnentladungen und Konvois

Die Heimatschutzdivision probt den Ernstfall: Mit der großangelegten Divisionsübung Vigilant Roland trainieren erstmals bundesweit mehr als 650 Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzes zeitgleich an mehreren Standorten in Deutschland den Schutz militärischer Verlegungen und verteidigungswichtiger Infrastruktur.

Das Schwere Maschinengewehr (SMG) im Kaliber 12,7 Millimeter ist fest in die Heimatschutzdivision integriert. Die Kräfte nutzen die Waffe mit dem Dreibein beispielsweise bei der Sicherung eines temporären Checkpoints. ©Bundeswehr/Lena Schiehandl

Deutschland ist zentrale logistische Drehscheibe für die Verlegung von NATO-Truppen an die Ostflanke des Bündnisgebiets. Die Funktionsfähigkeit dieser „Drehscheibe“ sicherzustellen, gehört zu den Kernaufgaben der Heimatschutzdivision.

Im Spannungs- und Verteidigungsfall schützen Heimatschutzkräfte deshalb kritische Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen, Bahnlinien, Brücken oder Energieanlagen. Ziel ist es, den Aufmarsch eigener und verbündeter Kräfte zu gewährleisten und Sabotage oder Angriffe auf kritische Infrastruktur abzuwehren.

Der Großteil der Heimatschutzdivision sind Reservistinnen und Reservisten. Damit zeigen die Kräfte, welche zentrale Rolle die Reserve künftig bei der Landes- und Bündnisverteidigung spielt. Für die erst 2025 aufgestellte Heimatschutzdivision ist Vigilant Roland, zu Deutsch Wachsamer Roland, die erste große Divisionsübung.

Realitätsnahes Übungsszenario

Geführt wird die Übung aus dem Divisionsgefechtsstand in Berlin-Tegel Nord. Im Schwerpunkt trainieren die Heimatschutzregimenter 3 aus Nienburg/Weser und 5 aus Ohrdruf. Unterstützt werden sie durch Kräfte der Heimatschutzregimenter 1 aus Roth, 4 aus Alt Duvenstedt und 6 aus Altengrabow.

Die Übung ist bewusst realitätsnah angelegt mit dem klaren Fokus auf Drohneneinsatz und -abwehr, letzteres auch mit scharfer Munition auf einem Übungsplatz. Parallel zu Vigilant Roland verlegt die Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg/Sachsen gerade tatsächlich Kräfte und Material. Heimatschützer sichern dabei Bahnentladungen, Bereitstellungsräume und logistische Knotenpunkte.

Künftig soll das Manöver halbjährlich mit wechselnden Schwerpunkten durchgeführt werden.

Bei der Entladung von Gefechtsfahrzeugen an der Rampe kann die Truppe auf die Kräfte der Heimatschutzdivision zählen. Die Sicherung von Objekten bedarf einer soliden und umfassenden Ausbildung, insbesondere vor dem Hintergrund der Drohnenabwehr. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Aufklärung aus der Luft

Ein wichtiger Teil der Heimatschutzübung findet auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen statt. Dort sichern Heimatschützer die Bahnentladung von Kettenfahrzeugen der Panzergrenadierbrigade 37 sowie anschließend einen Bereitstellungsraum – ein Gebiet, in dem sich die Truppe sammelt. Fahrzeuge, darunter Schützenpanzer Marder, Transportpanzer Fuchs und Panzerhaubitzen 2000, müssen im Schutze der Sicherungskräfte von den Waggons über die Entladerampe rollen.

In der Heimatschutzdivision werden Drohnen beispielsweise eingesetzt, um aus der Luft aufzuklären. Mit den Drohnen können die Kräfte am Tag und in der Nacht kämpfen. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Dabei besteht permanent die Gefahr eines Angriffs durch irreguläre Kräfte. Interessant: Die Entladung unter Sicherung wird das erste Mal nach 30 Jahren überhaupt wieder geübt. Als Neuerung müssen die Sicherungskräfte zusätzlich mit Angriffen durch UAVs, also Drohnen, klarkommen und professionell handeln.

Sicherung von Rast- und Versorgungsplätzen

Warum wird die Sicherung am Gleis geübt? Gerade Bahntransporte spielen bei der schnellen Verlegung großer Truppenverbände eine entscheidende Rolle. Die Sicherung solcher Umschlagpunkte zählt daher zu den wichtigsten Aufträgen der Heimatschutzdivision.

In Fritzlar und Schwarzenborn in Hessen trainieren Soldatinnen und Soldaten zusätzlich die Sicherung militärischer Kolonnen und eines sogenannten Convoy Support Centers. Diese Rast- und Versorgungsplätze dienen der Aufnahme von Marschkolonnen und deren Versorgung, beispielsweise mit Treibstoff und Munition. Während dieser kritischen Phase gelten Kolonnen als besonders schutzbedürftig.

Drohnenabwehr und schwere Waffen

Mit der Übung wird deutlich, wie umfassend und realitätsnah Drohnen mittlerweile in das Heer implementiert sind. „Drohnen sind Teil der DNA der Heimatschutzdivision. Wir integrieren sie seit unserem Bestehen intensiv in unseren Auftrag sowie in unsere Ausbildung“, erklärt der Kommandeur der Heimatschutzdivision, Generalmajor Andreas Henne.

Neben der Sicherung der Bahnentladung trainieren die Heimatschutzkräfte auch die Bekämpfung von Drohnen in der Luft mit dem Sturmgewehr. Dazu werden verschiedene Ziele wie diese gelbe Box verwendet, die je nach Schwierigkeitsgrad variieren. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Eine Drohne mit einem Sturmgewehr G36 zu bekämpfen, will geübt sein. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg steht zudem die Ausbildung an den eigenen schweren Waffen im Mittelpunkt. Geübt wird mit der Granatmaschinenwaffe sowie dem schweren Maschinengewehr Kaliber 12,7 Millimeter, kurz SMG, die den Heimatschutzkompanien zu Verfügung stehen. Dadurch steigern die Kräfte nicht nur ihre Feuerkraft, sondern insgesamt ihre Einsatz- und Verteidigungsfähigkeit.

Die Besonderheit: Heimatschutzkräfte sind die einzigen Kräfte des Heeres, die das SMG abgesessen auf Dreibein einsetzen und dies auch intensiv üben. Das verschafft der Truppe Flexibilität bei ihrem Sicherungsauftrag. Denn das SMG kann sowohl zerlegt und verstaut in einer Art Kraxe auf dem Rücken als auch in vielen Fahrzeugen schnell und unkompliziert an den Einsatzort gebracht werden.

Mit der Übung Vigilant Roland wird wieder die Sicherung militärischer Kolonnen geübt – eine Fähigkeit, die nach langer Zeit wieder wichtig geworden ist und um die Drohnenabwehr erweitert wird. ©Bundeswehr/Lena Schiehandl

Reservisten stärken Heimatschutz

Die Übung verdeutlicht auch die besondere Struktur der Heimatschutzdivision. Der Großteil der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten sind Reservistinnen und Reservisten. Sie bringen wertvolle Erfahrung aus ihren zivilen Berufen sowie aus militärischen Vorverwendungen mit. Sie sind fest in die Truppe integriert und unterstützen die Bundeswehr verlässlich im Heimatschutz.

Insbesondere im Rahmen von Vigilant Roland arbeiten sie eng mit aktiven Truppenteilen sowie mit zivilen Behörden und Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr, Bundespolizei und Rotes Kreuz zusammen. Dadurch entsteht derzeit ein vernetzter Heimatschutz, der militärische und zivile Fähigkeiten immer mehr miteinander verbindet.

Deutschland in Deutschland verteidigen

Insgesamt ist die Botschaft der Übung klar: Die Heimatschutzdivision verteidigt Deutschland in Deutschland. Denn während Kampftruppen an der NATO-Ostflanke eingesetzt würden, sorgt der Heimatschutz im Inland dafür, dass Nachschub, Verstärkung und Verlegung abgesichert werden. Die Heimatschutzdivision unterstützt damit die anderen Divisionen des Deutschen Heeres und stärkt die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und des Bündnisses bereits jetzt.

Impressionen:

Das klassische Gefechtsschießen gehört zur infanteristischen Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzes. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Heimatschützer üben den Einsatz und die Abwehr von Drohnen, hier mit einem Karton als Marker in der Luft, um die Drohne später zu bekämpfen. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Bei Vigilant Roland üben die Heimatschutzkräfte auch die Zusammenarbeit mit den Heeresfliegerkräften, etwa bei der schnellen Verbringung von Verwundeten mit einem Luftfahrzeug, hier mit dem Mehrzweckhubschrauber NH-90. ©Bundeswehr/Lena Schiehandl
Um möglichst realistische Bilder für die Heimatschützer zu schaffen, unterstützen Soldatinnen und Soldaten aus anderen Verbänden mit ihrer Expertise. Gemeinsam werden künstliche Wunden präpariert, die erstversorgt werden müssen. ©Bundeswehr/Carl Schulze
Wie gelingt es, Verwundete aus einem beschossenen Fahrzeug in einer unsicheren Umgebung zu bergen und sie nach der Erstversorgung zu evakuieren? Das trainieren die Heimatschützer nach einer intensiven Sanitätsausbildung in einer taktischen Lage. ©Bundeswehr/Carl Schulze

Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 26.05.2026, www.bundeswehr.de

Autor: Peter Müller

Multinational Brigade Latvia erreicht volle Einsatzfähigkeit

Was die deutsche Panzerbrigade 45 künftig für Litauen sein soll, ist die kanadisch geführte Multinational Brigade Latvia für den nördlichen Nachbarn Lettland: 2024 wurde beschlossen, auch die dort im Rahmen der NATO enhanced Forward Presence (eFP) stationierte Multinational Battlegroup zu einer Brigade auszubauen, um die Verteidigungsfähigkeit gegen mögliche russische Angriffe auf die baltischen Staaten zu stärken. Die Zielstärke beträgt 3.500 Mann, von denen Führungsnation Kanada rund 2.200 stellt.

Wie auch bei der Panzerbrigade 45 wurde die bisherige eFP-Battlegroup als ein Manöverelement in den neuen Großverband integriert. Daneben stellen die skandinavischen Nachbarn Dänemark und Schweden im jährlichen Wechsel ein zweites Bataillon. Im Januar 2025 entsandte Schweden als neuestes NATO-Mitglied erstmals 600 Soldatinnen und Soldaten seines Südskandinavischen Regiments (Södra skånska regementet) mit Schützenpanzern CV9040 und Kampfpanzern Strv 122 ins lettische Ādaži.

Multinational Brigade ist einsatzbereit, aber noch ausbaufähig

Schweden verlegte zudem Radhaubitzen Archer für das multinationale Artilleriebataillon der Brigade. Lettland beschafft hierfür 18 eigene Selbstfahrgeschütze dieses Typs. Ein drittes Manöverelement gibt es im Normalbetrieb nicht, jedoch stellt Kanada ein Hubschrauberbataillon mit bislang vier CH-146 Griffon (Bell 412) und zwei CH-147 Chinook sowie eine Aufklärungs-Eskadron. Hinzu kommen weitere multinationale Brigadeeinheiten für Logistik und Sanitätsdienst sowie ein Scharfschützenzug.

Schwedische Soldaten der kanadisch geführten Multinational Brigade Latvia während der Übung Oak Resolve im vergangenen Jahr.

Insgesamt sind derzeit 14 Nationen an der Brigade beteiligt. Größere Kontingente stellen unter anderem Italien, Polen und Spanien mit mechanisierten Kompanien für die bisherige eFP-Battlegroup. Seine Einsatzbereitschaft erreichte der Großverband nominell bereits mit der Übung Oak Resolve im Frühjahr 2025, jedoch soll der volle Aufwuchs erst in diesem Jahr abgeschlossen werden. Kanada hat bereits über 315 Millionen Euro in den Ausbau militärischer Infrastruktur an den Standorten Ādaži, Ceri und Lielvārde investiert und plant weitere 64 Millionen auszugeben.

Der Großteil davon ist für die Erweiterung des Luftstützpunkts in Lielvārde vorgesehen. Künftig sollen dort bis zu sechs Griffon und vier Chinook gleichzeitig operieren und auch Transportflugzeuge vom Typ CC-177 Globemaster II untergebracht werden können. Neben der Multinational Brigade unterhält Kanada enge Verbindungen zur einzigen aktiven Heeresbrigade des Gastgeberlands: Derzeit sind sechs kanadische Offiziere in diese integriert, darunter der stellvertretende Brigadekommandeur.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Soldat & Technik, 22.05.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Stefan Axel Boes

Bild: ©NATO Multinational Brigade Latvia

Panzerbrigade 21 entwickelt eigene Munitionsversorgungs-App

Moderne Kriegsführung verändert sich rasant. Drohnen, digitale Aufklärung und hochbewegliche Gefechtsführung erhöhen den Druck auf militärische Logistik. Ohne funktionierende Logistik hat der militärische Gegner bereits gewonnen. Für die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ ist deshalb klar: Einsatzbereitschaft endet nicht beim Kampfpanzer oder im Schützenloch – sie beginnt bei funktionierenden Versorgungssystemen. Genau dafür hat die Brigade gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr eine neue digitale Lösung entwickelt: „Uber Munition“, eine App-basierte Anwendung zur schnellen und nachvollziehbaren Munitionsversorgung im Gefecht.

„Wir sind es heute gewohnt, über Apps jederzeit verfolgen zu können, wo sich Paket oder Pizza gerade in der Zustellung befindet. Dieser technologische Fortschritt muss auch dem Militär Orientierung geben“, erklärt Oberst Tobias Aust, Kommandeur der Panzerbrigade 21, während der Abschlusserprobung des Innovationsprojekts. Dahinter stehe jedoch kein Komfortgedanke, sondern eine operative Notwendigkeit: „Aktuelle Kriegsbilder zeigen deutlich, dass schnelle und belastbare Logistik kriegsentscheidend ist. Wenn die Versorgung das Tempo der Kampftruppe nicht halten kann, steht vorne irgendwann die Waffe still.“

Innovation einfordern: Oberst Tobias Aust, Kommandeur der Panzerbrigade 21, erklärt in seinem Impulsvortrag, dass alle Abschnitte des Gefechts von aktuellen Kriegsbildern lernen müssen.

Die Brigade hatte Probleme mit dem Management von Versorgungsprozessen in eigenen Übungen wiederholt festgestellt. Prozesse, die im normalen Dienstbetrieb mit stationärer Infrastruktur und komplexer Verwaltungssoftware funktionieren, stoßen unter Gefechtsbedingungen schnell an ihre Grenzen. Auch das derzeitige Battle-Management-System für logistische Prozesse auf unterster Ebene ist bei den mittleren Kräften nicht adäquat nutzbar. Gerade bei beweglicher Gefechtsführung müsse Versorgung einfach, robust und schnell funktionieren – auch unter Zeitdruck, kurzer Ausbildung und laufenden Operationen.

Munition auf Fingertipp

„Mehr als einmal haben wir gezeigt, dass Logistik im Gefecht anders funktionieren muss als im Friedensbetrieb“, erklärt Aust. Die Logistik der Panzerbrigade 21 übt unter realitätsnahen Bedingungen, zuletzt auf dem Brigadeausbildungsplatz in Bergen, und erkennt dadurch auch entscheidende Probleme. Deshalb suche die Brigade gezielt nach eigenen Lösungen: „Wir üben realistisch, erkennen Probleme frühzeitig und arbeiten aktiv an Verbesserungen.“

Eine Lösung entstand direkt aus der Truppe. Die Logistikabteilung der Brigade entwickelte die Idee einer App-basierten Munitionsversorgung, stellte dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr die Idee vor. Zusammen mit allen Jägerbataillonen der Brigade wurde daraus eine App entwickelt – Uber Munition. Mehr als ein Jahr lang wurde die Anwendung gemeinsam getestet, angepasst und in Übungen erprobt.

Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten: Werden beispielsweise Panzerabwehrraketen vom Typ MELLS verschossen, kann der Verbrauch direkt digital durch den Führer des Gefechtsfahrzeuges erfasst werden. Mit einem Fingertippen erstellt die Führung der kämpfenden Einheit eine Anforderung über alle benötigten Versorgungsgüter und die zuständigen Logistiker können sofort neue Munition zuweisen Lieferung, Bearbeitungsstand und Übergabe bleiben dabei für alle Beteiligten nachvollziehbar. Ziel von Uber Munition ist ein schnell erlernbares und krisenfestes Werkzeug für die taktische Ebene im Gefecht, die ihren Fokus auf das Kämpfen legen soll – keine komplexe Verwaltungssoftware.

Logistiker der Panzerbrigade 21 erläutert dem Plenum mit dem Tablet in der Hand die Funktionen der App UberMun.

Panzerbrigade 21 ist zentraler Pfeiler der Landes- und Bündnisverteidigung

Die Abschlusserprobung des Projekts war erfolgreich. Zahlreichen Logistikexperten des Heeres wurde die App in einer Live-Vorführung vorgestellt und gemeinsam wichtige Meilensteine zur Weiterentwicklung erarbeitet. Bereits bei der nächsten Großübung der Brigade im Gefechtsübungszentrum Heer soll die Anwendung erneut eingesetzt werden. „Unser Ziel ist klar: Uber Munition wird genutzt um Lösungen für bestehende Herausforderungen zu finden“, so Aust.

Die Panzerbrigade 21 ist die erste Brigade des Deutschen Heeres, die der neuen Kräftekategorie Mittlere Kräfte zugeordnet ist. Mit ihren radbeweglichen, hochmobilen Verbänden ist sie in der Lage, schnell und flexibel im gesamten NATO-Einsatzraum zu verlegen. Hohe Mobilität, starke Feuerkraft und robuster Schutz machen den Großverband zu einem zentralen Pfeiler der Landes- und Bündnisverteidigung.

Pressemitteilung der Panzerbrigade 21

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Soldat & Technik, 09.06.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Hauptmann Till Hey

Bilder: ©Bundeswehr/Till Hey

28 Fernmeldekabinen für die SAP-Anbindung der Logistik

Im Einsatz und bei Übungen sind Logistiker häufig abseits fester Infrastruktur eingesetzt. Für den Zugriff auf digitale Services wie SAP werden dezentrale Arbeitsplätze benötigt, die die Bundeswehr gemeinsam mit dem IT-Dienstleister conet realisiert hat. Bei dem conet innovation day informierten Projektbeteiligte über das Vorhaben.

IT-Kabinen im Auslandseinsatz

Die mobilen IT-Kabinen basieren auf handelsüblichen Fernmeldekabinen FM 2, die bereits seit 1998 – damals im Kosovo-Einsatz mit Altverfahren und extrem geringen Datenraten von 7,6 Kilobit – für die Materialbewirtschaftung und Instandhaltung genutzt werden. Sie waren seither weltweit in zahlreichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr wie in Afghanistan, Bosnien, im Kongo und bei Übungen der NATO beziehungsweise EU Battle Groups im Einsatz.

Regeneration 28 SAP-Kabinen

Mit der schrittweisen Digitalisierung und der Ablösung der Altverfahren durch SAP ab dem Jahr 1999 entstand die Notwendigkeit, die Kabinen zu regenerieren. Der Übergang zu SAP begann zunächst als Improvisation der Truppe im Feld unter Nutzung einer alten Datenanlage mit 2 Mbit Übertragungsrate. Seit 2014 ist conet mit der Bereitstellung der Hard- und Software sowie der Instandhaltung beauftragt.

Derzeit verfügt die Bundeswehr über 28 voll einsatzfähige, auf SAP umgerüstete Kabinen sowie acht weitere im Zulauf. Der tatsächliche Bedarf in der Zielstruktur liegt bei rund 60 Einheiten. Um Leerstände zu vermeiden, werden die Kabinen zentral gepoolt und den Verbänden bedarfsgerecht für Übungen und Einsätze bereitgestellt. Da keine neuen Gehäuse produziert werden, greift man auf die Instandsetzung und Umrüstung alter, vorhandener Kabinenhüllen zurück.

Die SAP-Kabine wird mit einem 6×6 Logistik-Lkw an den Einsatzort gebracht und
aufgesessen betrieben.

Merkmale der mobilen Kabinen

Technisch fungieren die Einheiten als dezentraler IT-Service für die Logistik im Feld. Sie sind hochgradig mobil, mit einem Standard-10-Tonnen-Kran verladbar und für den Land-, Bahn-, See- und Lufttransport geeignet. Eine Kabine kann zwischen 10 und 15 Arbeitsplätze über abgesetzte Leitungen in einem Radius von bis zu acht Kilometern anbinden. Die Kabinen sind vollklimatisiert, stoßgedämpft, gegen ABC-Bedrohungen geschützt und mit eigener Stromversorgung (Netzersatzanlagen) ausgestattet.

Jede Kabine stellt eine eigene Unterdomäne dar, benötigt für den vollen SAP-Betrieb jedoch zwingend eine Netzanbindung an das zentrale Rechenzentrum der Bundeswehr. Eine vollkommen autarke SAP-Lösung ohne Serververbindung existiert trotz langjähriger Planungen noch nicht. Die Konnektivität wird flexibel über Satellitenkommunikation (wie Bundeswehr-Frequenzen über geostationäre Intel-Satelliten) oder zunehmend über zivile Internetverbindungen wie LTE-Netze im jeweiligen Einsatzland realisiert.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Europäische Sicherheit und Technik, 01.06.2026, www.esut.de

Autor: Gerhard Heiming

Bild: ©Gerhard Heiming

Personalveränderungen in militärischen und zivilen Spitzenpositionen – Mai 2026

Im Mai 2026 wurden folgende Personalmaßnahmen in Spitzenstellen wirksam:

Personalmaßnahmen in militärischen Spitzenstellen

Nachgeordnete Dienstellen:
Heer:

Oberst i.G. Karsten Krämer, zuletzt Referatsleiter Streitkräfte V 3 im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin, wird nun eingesetzt als Kommandeur Panzergrenadierbrigade 41 in Neubrandenburg.

Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen

Oberst Hans-Jürgen Neubauer, zuletzt Leiter Kompetenzzentrum Baumanagement in München, wird nun eingesetzt als Beauftragter des Geschäftsbereichs des BMVg für die Steuerung und Koordinierung der Strategischen Liegenschaftsreserve im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn.

Quelle:

Bundesministerium der Verteidigung
Autor: Presse- und Informationszentrum Personal

„Wenn Logistik entscheidet“ Treffen K NORDWEST mit BVL WESER EMS

Am 10.06.2026 führte die Kameradschaft Nordwest eine Informations- und Kohäsionsveranstaltung mit der Regionalgruppe Weser-Ems der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Garlstedt durch. Mit 35 Teilnehmenden aus beiden Gruppierungen war dies seit einiger Zeit wieder ein erfreulich gut besuchtes Event. Als Durchführungsort diente das Logistische Übungszentrum (LogÜbZ) an der Logistikschule der Bundeswehr (LogSBw). Der Leiter der LogÜbZ und Vorsitzende der Kameradschaft Nordwest, Oberst Christoph Schladt, informierte in einem 45 minütigen Vortrag über die Handlungsfelder der Schule und insbesondere über die Inhalte und aktuellen Entwicklungen im LogÜbZ.

Leiter LogÜbZ und Vorsitzender NORDWEST Oberst Christoph Schladt

Besonders plastisch wurde dies für die Teilnehmenden, durch die gerade stattfindende Übung BLUE CORE des Logistikbataillons 461 aus Waldürn. Hierdurch konnte man mit dem Blick nach links und rechts bereits während des Vortrages das LogÜbZ und die Übungstruppe live erleben. Daran anschließend wurde in drei Stationen auf ausgewählte Themen noch detaillierter eingegangen. Die Infrastruktur des LogÜbZ wurde durch einen Rundgang und Blick hinter die Kulissen gezeigt. Möglichkeiten der Übungssteuerung und -auswertung wurden durch eine Einweisung in die Zelle Transportsimulation erläutert. Ein weiteres Highlight war für die Teilnehmenden der Blick in die Zukunft und Weiterentwicklung durch die Präsentation des Projektes Augmented-Common-Operational-Picture ACOP. In dieses Projekt zur möglichen Einbindung von AR-Brillen und entsprechender Software ist das LogÜbZ gemeinsam mit der Bundeswehruniversität Hamburg und der Firma Hensoldt eingebunden.

Den Abschluss fand die Veranstaltung im Kasino „Roland Club“ der LogSBw. In gemeinsamer Runde mit interessantem Austausch, guten Gesprächen und Verfestigung der Netzwerke erfüllte der Tag damit einen weiteren wichtigen Aspekt der Arbeit in beiden Vereinigungen. Beide Vorstände waren sich einig, dass diese fruchtvolle Verbindung fortgeführt werden sollte und sprachen gegenseitige Einladungen zu weiteren Maßnahmen aus.

v.l. Regionalgruppensprecher Weser Ems Heiko Müller,

Ehrenpräsident der BVL Prof.Dr. Thomas Wimmer und

Geschäftsführer K NORDWEST Oberstlt a.D. Michael Janczyk

Der Vorstand der Kameradschaft Nordwest plant als nächstes zwei Veranstaltung, am 22. September Besuch der BLG in Bremerhaven unterstützt durch unser Mitglied Thomas Leiber und am 06. Oktober auf Einladung unseres Mitgliedes Carsten Leopold einen Besuch der Firma CHS-Container in Bremen.

Autor: © Oberst Christoph Schladt und Oberstlt a.D. Michael Janczyk

Fotos: © Kameradschaft NORDWEST