Als mobiles Hauptquartier steht der Brigadegefechtsstand im Fokus gegnerischer Aufklärung. Deshalb muss er regelmäßig „springen“ – also schnell den Standort wechseln. Der Service Delivery Point (SDP), ein IT-Verbund auf Rädern, folgt, um die Führung verbunden zu halten. Dieses Zusammenspiel trainiert die Bundeswehr jährlich beim Gelben Merkur.
Im modernen Gefecht ist Verlegefähigkeit, also die Befähigung zum raschen Ortswechsel, nicht bloß eine Option, sondern eine taktische Notwendigkeit. Nur so bleibt die Führung geschützt und die Truppe handlungsfähig. Damit im Ernstfall jeder Handgriff beim „Sprung“ von Gefechtsständen und SDPs sitzt, trainiert die Bundeswehr dieses hochkomplexe Verfahren jährlich im Rahmen der IT-Übung Gelber Merkur. Die Übung ist so angelegt, dass sie die Bedingungen des modernen Gefechtsfelds so realitätsnah wie möglich abbildet.

Das Ziel: Im Ernstfall soll die Truppe nach Alarmierung schnell reagieren, verlegefähig sein und unter allen Bedingungen eine sichere Führungs- und Kommunikationsfähigkeit gewährleisten.
Die diesjährige Übung Gelber Merkur fand vom 8. bis 22. Mai 2026 bundesweit statt. Insgesamt wurden rund 1.200 Soldatinnen und Soldaten mit Militärfahrzeugen eingesetzt. Sie bewegten sich sowohl im Einzelmarsch als auch in Kolonnen durch die Übungsräume.
Simulation von Gefechtsbedingungen
Das diesjährige Übungsszenario: Fiktive, mit Deutschland verbündete Staaten werden vom feindlichen Bund „OCCASUS“ angegriffen, feindliche Kräfte bewegen sich bereits auf eigenem Territorium. Die Bundeswehr ist aktiv in die Landes- und Bündnisverteidigung eingebunden. Sie muss ihre Gefechtsstände und SDPs immer wieder verlegen und dabei die Führungsfähigkeit sicherstellen.

Dazu gehören:
- Schnelle Standortwechsel: Die Brigadegefechtsstände und die zugehörigen SDPs müssen oft unter Zeitdruck und schwierigen Wetterbedingungen verlegt werden. Häufige und spontane Ortswechsel sind die Regel und Marschstrecken von mehreren Dutzend Kilometern keine Seltenheit.
- Begrenzte Ruhezeiten: Die übenden Soldatinnen und Soldaten arbeiten unter hoher Belastung. Wenig Schlaf und ständig wechselnde Anforderungen: Motivation und Durchhaltefähigkeit der Truppe werden gezielt auf die Probe gestellt.
- Schneller Auf- und Abbau: Am neuen Standort angekommen, muss der SDP in kürzester Zeit einsatzbereit sein. Dazu gehören der Aufbau von Richtfunk- und Satellitenanlagen, die Einrichtung lokaler Netzwerke sowie das Herstellen aller notwendigen IT-Verbindungen.
- Herstellen und Absichern der Verbindungen: Die Kommunikation zwischen Gefechtsstand, SDP und Betriebsführungseinrichtung muss jederzeit funktionieren – auch unter simulierten Störungen und Cyberangriffen, die im Rahmen der Übung eingespielt werden.
- Drohnenabwehr: 2026 werden bei der Übung erstmalig auch Szenarien der Drohnenabwehr mitgeübt und beispielsweise Netzwerfer-Drohnen oder Sensorik zur Signalerfassung der Drohnen bereitgestellt. Im Übungsbetrieb wird unter Mithilfe von Polizeikräften der reibungslose und störungsfreie Übungsablauf sichergestellt.
Kurz erklärt:
Was ist ein Service Delivery Point?
Ein Service Delivery Point ist ein mobiler IT-Verbund der Bundeswehr, der für die Anforderungen eines Gefechtsstandes konzipiert ist. Während der Übung Gelber Merkur besteht ein SDP aus: terrestrischen Übertragungssystemen (z. B. Richtfunk), SatCom-Anlagen, mobilen Kommunikationssystemen, lokalen verlegefähigen Netzwerken und Kabelbautrupps für die Anbindung vor Ort.
Welche Aufgaben hat ein Service Delivery Point?
Ein SDP stellt alle wesentlichen IT-Services wie Telefonie, E-Mail, Datenverkehr sowie Anbindung an das übergeordnete Kernnetz bereit. Im Gefecht folgt der SDP dem Gefechtsstand und muss für dessen Bewegungen flexibel sein, um die durchgehende Führungsfähigkeit sicherzustellen.
Wie viele Soldaten und Soldatinnen betreiben einen Service Delivery Point?
Ein SDP wird von 20 bis 40 Soldatinnen und Soldaten betrieben.
Wie unterscheidet sich der große SDP vom kleinen SDP?
Hauptsächlich unterscheiden sich die großen SDPs durch ihre Anzahl an Richtfunk- und strategischen Hochfrequenztrupps sowie in der Größe der SatCom-Anlagen von den kleineren Versionen, welche taktische Richtfunksysteme beinhalten. Auch bei der Anzahl der Kabeltrupps und dem Vorhandensein eines zellularen Netzes gibt es Unterschiede.
Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundeswehr, 21.05.2026, www.bundeswehr.de
Autorin: Pia Martino