Panzerbrigade 21 entwickelt eigene Munitionsversorgungs-App

Moderne Kriegsführung verändert sich rasant. Drohnen, digitale Aufklärung und hochbewegliche Gefechtsführung erhöhen den Druck auf militärische Logistik. Ohne funktionierende Logistik hat der militärische Gegner bereits gewonnen. Für die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ ist deshalb klar: Einsatzbereitschaft endet nicht beim Kampfpanzer oder im Schützenloch – sie beginnt bei funktionierenden Versorgungssystemen. Genau dafür hat die Brigade gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr eine neue digitale Lösung entwickelt: „Uber Munition“, eine App-basierte Anwendung zur schnellen und nachvollziehbaren Munitionsversorgung im Gefecht.

„Wir sind es heute gewohnt, über Apps jederzeit verfolgen zu können, wo sich Paket oder Pizza gerade in der Zustellung befindet. Dieser technologische Fortschritt muss auch dem Militär Orientierung geben“, erklärt Oberst Tobias Aust, Kommandeur der Panzerbrigade 21, während der Abschlusserprobung des Innovationsprojekts. Dahinter stehe jedoch kein Komfortgedanke, sondern eine operative Notwendigkeit: „Aktuelle Kriegsbilder zeigen deutlich, dass schnelle und belastbare Logistik kriegsentscheidend ist. Wenn die Versorgung das Tempo der Kampftruppe nicht halten kann, steht vorne irgendwann die Waffe still.“

Innovation einfordern: Oberst Tobias Aust, Kommandeur der Panzerbrigade 21, erklärt in seinem Impulsvortrag, dass alle Abschnitte des Gefechts von aktuellen Kriegsbildern lernen müssen.

Die Brigade hatte Probleme mit dem Management von Versorgungsprozessen in eigenen Übungen wiederholt festgestellt. Prozesse, die im normalen Dienstbetrieb mit stationärer Infrastruktur und komplexer Verwaltungssoftware funktionieren, stoßen unter Gefechtsbedingungen schnell an ihre Grenzen. Auch das derzeitige Battle-Management-System für logistische Prozesse auf unterster Ebene ist bei den mittleren Kräften nicht adäquat nutzbar. Gerade bei beweglicher Gefechtsführung müsse Versorgung einfach, robust und schnell funktionieren – auch unter Zeitdruck, kurzer Ausbildung und laufenden Operationen.

Munition auf Fingertipp

„Mehr als einmal haben wir gezeigt, dass Logistik im Gefecht anders funktionieren muss als im Friedensbetrieb“, erklärt Aust. Die Logistik der Panzerbrigade 21 übt unter realitätsnahen Bedingungen, zuletzt auf dem Brigadeausbildungsplatz in Bergen, und erkennt dadurch auch entscheidende Probleme. Deshalb suche die Brigade gezielt nach eigenen Lösungen: „Wir üben realistisch, erkennen Probleme frühzeitig und arbeiten aktiv an Verbesserungen.“

Eine Lösung entstand direkt aus der Truppe. Die Logistikabteilung der Brigade entwickelte die Idee einer App-basierten Munitionsversorgung, stellte dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr die Idee vor. Zusammen mit allen Jägerbataillonen der Brigade wurde daraus eine App entwickelt – Uber Munition. Mehr als ein Jahr lang wurde die Anwendung gemeinsam getestet, angepasst und in Übungen erprobt.

Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten: Werden beispielsweise Panzerabwehrraketen vom Typ MELLS verschossen, kann der Verbrauch direkt digital durch den Führer des Gefechtsfahrzeuges erfasst werden. Mit einem Fingertippen erstellt die Führung der kämpfenden Einheit eine Anforderung über alle benötigten Versorgungsgüter und die zuständigen Logistiker können sofort neue Munition zuweisen Lieferung, Bearbeitungsstand und Übergabe bleiben dabei für alle Beteiligten nachvollziehbar. Ziel von Uber Munition ist ein schnell erlernbares und krisenfestes Werkzeug für die taktische Ebene im Gefecht, die ihren Fokus auf das Kämpfen legen soll – keine komplexe Verwaltungssoftware.

Logistiker der Panzerbrigade 21 erläutert dem Plenum mit dem Tablet in der Hand die Funktionen der App UberMun.

Panzerbrigade 21 ist zentraler Pfeiler der Landes- und Bündnisverteidigung

Die Abschlusserprobung des Projekts war erfolgreich. Zahlreichen Logistikexperten des Heeres wurde die App in einer Live-Vorführung vorgestellt und gemeinsam wichtige Meilensteine zur Weiterentwicklung erarbeitet. Bereits bei der nächsten Großübung der Brigade im Gefechtsübungszentrum Heer soll die Anwendung erneut eingesetzt werden. „Unser Ziel ist klar: Uber Munition wird genutzt um Lösungen für bestehende Herausforderungen zu finden“, so Aust.

Die Panzerbrigade 21 ist die erste Brigade des Deutschen Heeres, die der neuen Kräftekategorie Mittlere Kräfte zugeordnet ist. Mit ihren radbeweglichen, hochmobilen Verbänden ist sie in der Lage, schnell und flexibel im gesamten NATO-Einsatzraum zu verlegen. Hohe Mobilität, starke Feuerkraft und robuster Schutz machen den Großverband zu einem zentralen Pfeiler der Landes- und Bündnisverteidigung.

Pressemitteilung der Panzerbrigade 21

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Soldat & Technik, 09.06.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: Hauptmann Till Hey

Bilder: ©Bundeswehr/Till Hey

28 Fernmeldekabinen für die SAP-Anbindung der Logistik

Im Einsatz und bei Übungen sind Logistiker häufig abseits fester Infrastruktur eingesetzt. Für den Zugriff auf digitale Services wie SAP werden dezentrale Arbeitsplätze benötigt, die die Bundeswehr gemeinsam mit dem IT-Dienstleister conet realisiert hat. Bei dem conet innovation day informierten Projektbeteiligte über das Vorhaben.

IT-Kabinen im Auslandseinsatz

Die mobilen IT-Kabinen basieren auf handelsüblichen Fernmeldekabinen FM 2, die bereits seit 1998 – damals im Kosovo-Einsatz mit Altverfahren und extrem geringen Datenraten von 7,6 Kilobit – für die Materialbewirtschaftung und Instandhaltung genutzt werden. Sie waren seither weltweit in zahlreichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr wie in Afghanistan, Bosnien, im Kongo und bei Übungen der NATO beziehungsweise EU Battle Groups im Einsatz.

Regeneration 28 SAP-Kabinen

Mit der schrittweisen Digitalisierung und der Ablösung der Altverfahren durch SAP ab dem Jahr 1999 entstand die Notwendigkeit, die Kabinen zu regenerieren. Der Übergang zu SAP begann zunächst als Improvisation der Truppe im Feld unter Nutzung einer alten Datenanlage mit 2 Mbit Übertragungsrate. Seit 2014 ist conet mit der Bereitstellung der Hard- und Software sowie der Instandhaltung beauftragt.

Derzeit verfügt die Bundeswehr über 28 voll einsatzfähige, auf SAP umgerüstete Kabinen sowie acht weitere im Zulauf. Der tatsächliche Bedarf in der Zielstruktur liegt bei rund 60 Einheiten. Um Leerstände zu vermeiden, werden die Kabinen zentral gepoolt und den Verbänden bedarfsgerecht für Übungen und Einsätze bereitgestellt. Da keine neuen Gehäuse produziert werden, greift man auf die Instandsetzung und Umrüstung alter, vorhandener Kabinenhüllen zurück.

Die SAP-Kabine wird mit einem 6×6 Logistik-Lkw an den Einsatzort gebracht und
aufgesessen betrieben.

Merkmale der mobilen Kabinen

Technisch fungieren die Einheiten als dezentraler IT-Service für die Logistik im Feld. Sie sind hochgradig mobil, mit einem Standard-10-Tonnen-Kran verladbar und für den Land-, Bahn-, See- und Lufttransport geeignet. Eine Kabine kann zwischen 10 und 15 Arbeitsplätze über abgesetzte Leitungen in einem Radius von bis zu acht Kilometern anbinden. Die Kabinen sind vollklimatisiert, stoßgedämpft, gegen ABC-Bedrohungen geschützt und mit eigener Stromversorgung (Netzersatzanlagen) ausgestattet.

Jede Kabine stellt eine eigene Unterdomäne dar, benötigt für den vollen SAP-Betrieb jedoch zwingend eine Netzanbindung an das zentrale Rechenzentrum der Bundeswehr. Eine vollkommen autarke SAP-Lösung ohne Serververbindung existiert trotz langjähriger Planungen noch nicht. Die Konnektivität wird flexibel über Satellitenkommunikation (wie Bundeswehr-Frequenzen über geostationäre Intel-Satelliten) oder zunehmend über zivile Internetverbindungen wie LTE-Netze im jeweiligen Einsatzland realisiert.

Erstveröffentlichung auf der Internetseite von Europäische Sicherheit und Technik, 01.06.2026, www.esut.de

Autor: Gerhard Heiming

Bild: ©Gerhard Heiming