Neue Technologie – Schießtraining mit einem autonomen Roboter

Es regnet in Strömen auf der Schießbahn in Hammelburg. Während die „Infanteriesonne“ scheint, liegen Scharfschützen konzentriert in Stellung. Etwa 500 Meter entfernt bewegt sich ein Auto – daneben zwei Figuren, die auf den ersten Blick wie Menschen wirken. Doch es sind Roboter. Und sie reagieren, wenn sie getroffen werden.

Ein Blick in die Zukunft. Gemeinsam mit der Industrie testet die Infanterieschule in Hammelburg autonome Roboter. Diese Systeme können, wenn sie richtig eingesetzt werden, das militärische Training realitätsnaher machen als je zuvor.

Was hier passiert, ist kein gewöhnliches Schießtraining. Es ist ein Blick in die Zukunft der Ausbildung. Gemeinsam mit Unternehmen testet die Infanterieschule des Heeres in Hammelburg Technologien, die militärisches Training realitätsnäher machen sollen als je zuvor.
Oberstleutnant N., Inspektionschef der IV. Inspektion an der Infanterieschule, bildet mit seiner Inspektion unter anderem Scharfschützen und Schießlehrer aus. Er sieht dabei große Chancen: „Der Zielbau auf unseren Schießbahnen ist ja oft relativ starr. Hier kann ich Ziele darstellen, die sich frei bewegen, taktische Aufträge abarbeiten und sogar in Deckung gehen.“

Simulation ganzer Feindformationen

Die Scharfschützen mit ihren Spottern beobachten konzentriert das Zielfeld. Mit dem Einsatz von autonomen Robotern können deutlich komplexere Lagen eingespielt werden, die den Schützen einiges mehr abverlangen könnten als bisher.

Die autonomen Zielroboter reagieren auf Treffer, weichen aus und können ganze Feindformationen simulieren – vom einzelnen Schützen bis zum Fahrzeug. Für die Soldatinnen und Soldaten bedeutet das eine neue Dimension des Trainings: „Das ist für die Schützen schon erheblich anspruchsvoller. Ich habe Ziele, die diagonal auf mich zufahren, die stehen bleiben oder Deckung suchen.“
Noch steht der Einsatz solcher Systeme in der Bundeswehr jedoch am Anfang. Der Inspektionschef erkennt das Potenzial – aber auch die Notwendigkeit, die Ausbildung darauf abzustimmen: „Gute Ausbildung bringt die Truppe voran. Aber man muss schon ein gewisses Level erreicht haben.“

Das heißt, die beste Technik bringt nichts, wenn die Ausbilder sie nicht methodisch und didaktisch sinnvoll einbetten können. Im Kern bleibt es daher immer die Aufgabe erfahrenen und motivierten Ausbildungspersonals, die moderne Technik gewinnbringend zu integrieren.

Was die Technik kann

Es ist für die schießende Truppe wichtig, bereits ein gewisses Ausbildungsniveau erreicht zu haben. Erst dann bringt der Einsatz von neuen Technologien und Szenarien die Soldatinnen und Soldaten wirklich voran.

Ein Fachmann erklärt, was die Maschinen so besonders macht: „Die Roboter, die hier in Hammelburg heute getestet werden, verwenden Künstliche Intelligenz, um ‚pattern of life‘ zu replizieren – also typische menschliche Verhaltensmuster. Basierend auf den Absichten der Ausbilder treffen die Roboter Entscheidungen in Echtzeit: Sie weichen aus, gehen flankierend oder überschlagend vor.“

Die Roboter sind nicht an feste Schießstände gebunden. Ein 3D-Scan des Geländes reicht, um innerhalb weniger Stunden ein realistisches Szenario aufzubauen: „Uns reicht im Prinzip eine grüne Wiese oder ein Parkplatz. Wir ,vermappen‘ das Areal, legen Sicherheitsparameter fest und programmieren die Roboter. Danach läuft das Szenario – ob mit einem Fahrzeug oder mit 50 Feinddarstellern gleichzeitig.“
Das System erkennt Treffer – sogar zwischen Fahrzeug und Fahrer – und kann Wärmequellen simulieren. Auf diese Weise können Wärmebildgeräte realistisch eingesetzt werden.

Wenn die Zielscheibe denkt

Das Ziel ist es, militärisches Training künftig von statischen Übungen zu dynamischen Gefechtsszenarien weiterzuentwickeln. Durch intelligente, mobile Zielroboter, die sich autonom bewegen und realistische Verhaltensmuster simulieren, könnte bald genau dies möglich werden. Durch den Einsatz von autonomen Zielsystemen soll es zusätzlich möglich sein, die Ausbildung nach dem Grundsatz „Training as a Service“ zu optimieren. Statt teurer Anschaffungen könnten Streitkräfte oder Behörden ganze Trainingsszenarien buchen. In Deutschland werden Systeme derzeit im Rahmen von Test- und Ausbildungsprojekten mit der Bundeswehr erprobt.

Oberstleutnant N. denkt schon einen Schritt weiter: „Wenn wir in Zukunft Panzerabwehr oder Gefechtsübungen mit autonomen Zielen trainieren könnten – das würde uns taktisch ganz neue Möglichkeiten eröffnen.“ Noch sind die Grenzen des Systems nicht vollständig ausgelotet. Doch die Vorstellung, dass Soldaten bald gegen Ziele üben, die selbstständig reagieren und taktisch handeln, ist längst keine Vision mehr – sie rollt bereits über die Schießbahnen von Hammelburg.

Erstveröffentlichung in YNSIDE, 19.11.2025

Titel: Neue Technologie – Schießtraining mit einem autonomen Roboter

Autor: Hauptmann Simon Hofmann

Bilder: ©Bundeswehr/Benjamin Bendig

Neugestaltung der Einsatzunterstützung

Neugestaltung der Einsatzunterstützung zur Erzielung von Überlegenheit in einem umkämpften logistischen Einsatzumfeld

Zusammenfassung des 21st Theater Sustainment Command White Paper

Das US-Heer befindet sich in einem Prozess weitreichender Umgestaltungen, um großangelegte Kampfoperationen in einem umkämpften logistischen Einsatzumfeld gegen strategische Gegner führen zu können. In diesem Zusammenhang steht die Einsatzunterstützung vor noch nie dagewesenen Herausforderungen:

Soldiers with the 24th Composite Truck Company and Task Force Spartan work together to change tires on an M1000 Heavy Equipment Transporter semitrailer 24 December 2021 during Operation Provider Caravan in Saudi Arabia. Blauer Bund
Soldiers with the 24th Composite Truck Company and Task Force Spartan work together to change tires on an M1000 Heavy Equipment Transporter semitrailer 24 December 2021 during Operation Provider Caravan in Saudi Arabia. © Sgt. 1st Class Mary S. Katzenberger, U.S. Army
  1. Die Strategie Russlands und Chinas, den Zugang zu und die Nutzung von kritischen Gebieten / Räumen zu verwehren, macht die umkämpfte Projektion von Macht in allen Dimensionen erforderlich, und zwar vom Entstehungsort bis zur taktischen Ebene. Die Siegtheorie unserer Gegner beruht darauf, örtlich begrenzte Erfolge zu erzielen, politische Unterstützung zu schwächen bzw. zu untergraben sowie militärische Reaktion zu hemmen, um so die eigenen strategischen Ziele zu erreichen.

 

  1. Das umkämpfte logistische Einsatzumfeld erfordert ein anpassungsfähiges logistisches System, das künstliche Intelligenz nutzt, um schneller, als der Feind angreift, auf Lageänderungen zu reagieren, wie auch eine vernetzte logistische Architektur, die verschiedene Optionen zur Sicherstellung der Einsatzunterstützung schafft und dazu eine Vielzahl kombinierter und unbemannter Transportmöglichkeiten nutzt.

 

  1. In großangelegten Kampfoperationen trägt die Seite den finalen Sieg davon, die über eine sichere beständige Durchhaltefähigkeit verfügt. Letzten Endes wird jeder Krieg zu einem Abnutzungskrieg. Die Seite, die den Gegner in mehrere Zwangslagen bringen, an kritischen Punkten die Zusammenfassung operativer Wirkungen über längere Zeit aufrechterhalten und die eigene Kampfkraft schneller als der Gegner wiederherstellen kann, wird siegen.

 

  1. Bündnisverteidigung erfordert Bündnislogistik. Verbündete sind unsere größte Stärke. In Zeiten, in denen wir aktiven Bedrohungen von Gegnern ausgesetzt sind, welche die regelbasierte Weltordnung ablehnen, sind wir gemeinsam stärker. Kriegsführung im Bündnis erfordert den Aufbau von Partnering-Fähigkeiten, abgestimmte Planungen, Interoperabilität und Übereinstimmung.
Spc. Alex Parrack assists loading Multiple Integrated Laser Engagement System equipment onto a M1075A1 Palletized Load System truck at the National Training Center on Fort Irwin, Calif. Blauer Bund
Spc. Alex Parrack assists loading Multiple Integrated Laser Engagement System equipment onto a M1075A1 Palletized Load System truck at the National Training Center on Fort Irwin, Calif. © Sgt. Taylor Cleveland/Mississippi Army National Guard

Wir haben die Gelegenheit, aktuelle Eventualfalloperationen mittels einer Einsatzmentalität dazu zu nutzen, die Einsatzlogistik des Heeres grundlegend zu verändern. Die Welt wird immer unbeständiger und unsicherer, und wir müssen uns neu aufstellen, um diese Herausforderung zu meistern.

Text: MAJ Chris Ingram, Strategist, 21st Theater Sustainment Command
Approved by MG Ronald Ragin, Commanding General, 21st Theater Sustainment Command

Künstliche Intelligenz im Konvoi: Rheinmetall erringt auf der ELROB 2024 den ersten Platz

Künstliche Intelligenz

Rheinmetall hat erneut seine Kompetenz im Themenfeld Künstliche Intelligenz unter Beweis gestellt. So konnte es einen bedeutenden Erfolg im Zusammenhang mit dem Vorhaben Interoperable Robotic Convoy (InterRoC) erzielen. Bei dem Wettbewerb European Land Robot Trial 2024 (ELROB) errang das Rheinmetall-InterRoc-Team bestehend aus dem Bereich Forschung & Technologie der Rhein­metall Landsysteme GmbH und der Rheinmetall Canada Inc. in der Kategorie „Automatisierter Konvoi“ den ersten Platz. Dabei bewährte sich die Kombination aus HX-LKW und integriertem Autonomie-Kit PATH.

Das Rheinmetall Autonomie-Kit PATH („PATH A-Kit“) ist ein KI-gestütztes Navi­gationssystem, das sich in nahezu jedes Fahrzeug installieren lässt. Es hat sich schon mehrfach in Versuchen in diversen Plattformen bewährt, darunter in der Robotik-Fahrzeug­familie Mission Master. Erst letztes Jahr war es bei den 2023 Estonia Unmanned Ground Systems Autonomy Trials erfolg­reich im Einsatz. Bei der ELROB 2024 steuerte das PATH A-Kit zwei der hochmobilen HX-Logi­stik­­fahrzeuge im Rahmen des Konvoi-Szenarios. Beide HX-Fahrzeuge waren zudem mit einem Drive-by-Wire System ausgestattet.

Die ELROB ist einer der anspruchsvollsten offenen, internationalen Wettbewerbe im Bereich Robotik, Sensorik und Autonomie. Alle zwei Jahre treten Teilnehmer von Universitäten sowie zivilen und militärischen Herstellern miteinander in den Wettstreit. Dabei sollen die Fähigkeiten moderner Roboter erprobt werden. Dieses Jahr erfolgte die 12. Ausgabe. Sie fand vom 24. bis zum 28. Juni an der Wehrtechnischen Dienststelle WTD 41 in Trier statt. 19 Teams nahmen teil. Die Rheinmetall-Tochtergesell­schaften Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS) und Rheinmetall Canada traten in einem taktischen Leader-Follower-Szenario und einem aktuellen realen Szenario an.

Die Schwierigkeitsstufe der diesjährigen zu bewältigenden Aufgaben wurde im Vergleich zum Wettbewerb 2022 erheblich gesteigert. So mussten die autonom fahrenden Lkw und der Konvoi-Kommandant unter anderem auf dynamische Hindernisse, Alternativrouten sowie verschiedene elektromagnetische Störer reagieren. Alle Aufgaben konnten aber vorbildlich durch das System gelöst werden.

Die HX-Fahrzeuge mussten elf verschiedene Hindernisse auf einem 6 km langen Rundkurs überwinden. Zu den schwierigsten Herausforderungen gehörten schmale Wege, Übergänge zwischen Straßen- und Gelän­defahrten, das Navigieren durch offene und dichte Wälder, Kommunikationsstörungen, Rückwärts­fahrten und das Umfahren von Hindernissen. „Die Strecke war sehr anspruchsvoll. Die Organisatoren haben fantastische Arbeit geleistet, um den Wettbewerb zu einem realistischen militärischen Szenario zu machen, und unsere Leistung zeigt, dass das Rheinmetall PATH-A-Kit für reale Anwendungsfälle bereit ist“, so Paul Rocco, Geschäftsführer von Rheinmetall Provectus. Das Unternehmen wurde 2019 von Rheinmetall Canada übernommen.

Die Wettbewerbsausrichter überraschten das Rheinmetall-Team auch, indem sie ein Auto in dessen Konvoi einbrachten. Dieses zwang den nachfolgenden Lkw zu verlangsamen und um das bewegliche Hindernis herum zu navigieren. Der Konvoi wurde außerdem aufgelöst, sodass das Team den nach­folgenden Lkw auf einem parallelen Weg fernsteuern und den Konvoi neu konfigurieren musste, um den ferngesteuerten Lkw zum neuen Konvoi-Führer zu machen. „Das ELROB-Szenario 2024 war erheblich anspruchsvoller als z.B das Szenario bei der ELROB-Teilnahme 2022“, so kommentiert es Sebastian Elze, der u. a. für das autonome Gesamtsystem InterRoC verantwortliche Projektleiter aus dem Bereich Forschung & Technologie der Rheinmetall Landsysteme.

Trotz dieser Herausforderungen absolvierte das Team den größten Teil der Strecke im Konvoi Modus ohne GPS, da das Gelände mit dichtem Laub bewachsen war. „Dies ist das erste Mal, dass wir diese neue spezifische Fähigkeit demonstriert haben, die ein bedeutendes Upgrade für das PATH A-Kit darstellt“, sagte Luc Brunet, Direktor für Robotik und autonome Systeme bei Rheinmetall Provectus. „Wir waren in der Lage, nahtlos zwischen GPS-fähigen und GPS-freien Umgebungen zu wechseln, ohne dass es zu einer Beeinträchtigung der Funktionalität oder zu einer spürbaren Veränderung des Betriebs kam.“

Obwohl es sich bei ELROB um eine Veranstaltung ohne Wettbewerbscharakter handelt, die ausschließlich auf Forschung und Entwicklung ausgerichtet ist, fand am Ende des Versuchs eine Preisverleihung statt. So soll den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben werden, Feedback und Erkenntnisse von den Juroren zu erhalten. In diesem Jahr erhielt Rheinmetall den Preis für die beste Konvoi-Leistung, eine Premiere für das Unternehmen und ein wichtiger Meilenstein für das PATH A-Kit.

Neben den bewerteten Szenarien konnte der Bereich autonomes Fahren den vielen Besuchern – unter anderem Generale und weitere Militärangehörige aus diversen Ländern, Vertreter des Bundesministe­riums der Verteidigung, des Bundesamtes für Ausrüstung Informationstechnik und Nutzung der Bun­deswehr (BAAINBw) und der WTD41 – zusätzlich auf dem freien Präsentationsgelände demonstriert werden. Die Fahrzeuge im Wettbewerb, die auch ausgestellt wurden und für Vorführungsfahrten zur Verfügung standen, fanden bei den Besuchern sehr starken Zuspruch und erregten großes Interesse

Der Bereich Forschung & Technologie der Rheinmetall Landsysteme GmbH aus Unterlüß nahm bereits 2022 im Rahmen des Projektes InterRoC im Bereich automatisierter Konvoi erstmalig als Team InterRoC an diesem Event teil. Damals erreichte er mit einem vom BAAINBw beigestellten und durch die Rheinmetall Landsysteme GmbH integrierten amerikanischen Autonomie-Kit direkt den 2. Platz.

Das Projekt InterRoC wurde vor vier Jahren gestartet, um die Kundenforderungen an zukünftige auto­nome Logistikfahrzeuge ableiten zu können. Es wird kontinuierlich vom BAAINBw durch Ergänzungsauf­träge in Bezug auf die Systemfähigkeiten erweitert. Unter anderem umfasst es zwei militärische HX2-Lkw, die mit Autonomie-Kits und Drive-by-Wire ausgerüstet sind, und sich gegenseitig in einem Leader-Follower-Prinzip folgen. Im Hinblick auf die ELROB 2024 wurde das von Rheinmetall Canada Inc. entwickelte Autonomie-Kit PATH zusätzlich in die Fahrzeuge eingerüstet, sodass die Teilnahme am Wettbewerb mit einer kompletten „Rheinmetall-Lösung“ erfolgen konnte.

 

Quelle: Rheinmetall AG (Bild und text)