Neue „Mobile Feldküche“ zur Erprobung an der LogSBw

Logistikschule der Bundeswehr: Erprobungsstelle für die Feldküchen der Zukunft

Die Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt ist eine der ersten Dienststellen, an der das neue System „Mobile Feldküche“, einer Einsatzprüfung unterzogen wird. Lebensmittelrechtliche Gesetze und Hygienevorschriften, sowie die verschiedenen klimatischen Bedingungen in den weltweiten Einsatzgebieten, machen ein Umdenken und Umrüsten auf neue Technik nötig. Die Dienststelle der Streitkräftebasis, bildet unter anderem Feldköche in der Bundeswehr aus und hat den Auftrag, das neu konzipierte Arbeitsgerät auf Herz und Nieren zu prüfen.

Gulaschkanone war gestern

Mag sich manch einer noch an die gute, alte „Gulaschkanone“ erinnern: Die „Mobile Feldküche“ ist ein ganz anderes Kaliber.
In zwei 20 Fuß-Containern mit modularem Aufbau, findet der Nutzer ein in sich geschlossenes System. Autark, mit Notstromversorgung, eigenem Frisch- und Abwassersystem sowie Heiz- und Kühleinrichtungen. Von der Lebensmittellagerung, über Vor- und Zubereitung und Speisenausgabe für bis zu 250 Verpflegungsteilnehmende, alle Aspekte müssen bedacht werden, um die Genehmigung zur Nutzung vergeben zu können. Am 9. November 2020 wurde das erste Seriengerät an die Logistikschule der Bundeswehr, kurz LogSBw, geliefert. Kapitänleutnant Robert Eyhorn, der maßgeblich an dieser Erprobung beteiligt ist, erzählt: „Wir haben am Tag der Anlieferung bis 21 Uhr aufgebaut. Erst jetzt, wo alles angeschlossen ist, sieht man wo es hakt. Nun gilt es, die Kinderkrankheiten zu erkennen und zu beheben.“

Startschuss für die Erprobung

Die Ausbildung zur Erprobung an den standardisierten Containern, wird durch zwei Experten der Herstellerfirma sichergestellt. In einem Zeitraum von etwa sechs Wochen ab Aufbau werden die unterschiedlichsten Prüfschleifen für Bedienung, Technik, Beprobung von Trinkwasser und Sanität durchlaufen. Dann schließt sich der erste Teil der taktisch-, technisch-, logistischen Einsatzprüfung und der Fachaufsichtsbesuch der obersten Behörde des Sanitätsdienstes, dem Kommando Sanitätsdienst, an.
Der vorläufige Höhepunkt des Projekts „Mobile Feldküche“ findet in der Zeit vom 15. Januar 2021 bis 4. Februar 2021 in Ravatn/Skytebane, in Norwegen statt. Hier wird die Neuheit auf Ihre Kältetauglichkeit geprüft. „Eigentlich,“ bedauert Eyhorn, „sollten die Kälte- und auch Hitzeerprobung in den USA stattfinden. Leider hat uns bei dieser Planung Corona einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.“ Insgesamt 15 Soldatinnen und Soldaten, sowie zivile Mitarbeitende, verschiedener Dienststellen der Bundeswehr werden nach der in Garlstedt abgeschlossenen Ausbildung unter einsatzähnlichen Bedingungen einen bedeutenden Schritt gehen. Hier zeigt sich, ob noch Änderungen oder eventuelle Verbesserungen vorgenommen werden müssen. Die Hitzeerprobung soll im Sommer 2021 stattfinden. Der Ort hierfür steht allerdings noch nicht fest.

Geplanter Einsatz: VJTF

Die Streitkräfte von heute bedienen sich modernster Technik, um auch im Einsatz und Gelände die Versorgung für die Truppe zu sichern. Mit der „Mobilen Feldküche“ etabliert die Bundeswehr ein System, das in vergleichbarer Form nicht am Markt verfügbar ist. Die Fähigkeitslücke zwischen der Verpflegungszubereitung mittels der persönlichen Ausstattung und der Versorgung in einem Feldlager oder Einsatzgebiet, kann hierdurch geschlossen werden. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte.
Eine in Deutschland ansässige Firma hat im letzten Jahr die öffentliche Ausschreibung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, gewonnen. Die Firma entspricht den militärischen Anforderungen zur Trennung von Funktionalität und Mobilität an das Gerät. Nach und nach sollen die seit 1989 genutzten Taktischen Feldküchen ausgetauscht werden. Der Beschaffungsrahmen umfasst bis zu 400 Feldküchen. Die ersten Gesamtsysteme sollen während einer Großübung der Very High Readiness Joint Task Force, kurz VJTF, im Jahr 2023 zum Einsatz kommen.

Quelle:

  • Text:  WebRedaktion LogSBw Carmen Meis
  • Bilder: LogSBw, Petra Reiter

Logistische Unterstützung von Operationen der Streitkräfte in den Phasen Bereitstellung, Verlegung und logistische Versorgung

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen einer 3-teiligen Artikelreihe und wird im kommenden Informationsheft und Newsletter des bB fortgesetzt. (Red.)

Teil 1: Beitrag Logistikkommando der Bundeswehr in der Phase Bereitstellung

Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und der Ausbruch des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine bildeten im Jahr 2014 eine Zäsur in der internationalen Sicherheitspolitik. Als Reaktion auf die damit einhergehende veränderte Bedrohungslage hat die NATO ihr Verständnis zum Einsatz von Streitkräften angepasst. Die Priorisierung von Operationen im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements (IKM) konnte unter den veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen nicht mehr aufrechterhalten werden. Der Auftrag und die Befähigung zur Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) wurde deutlich stärker akzentuiert und auch für die Bundeswehr wieder strukturbestimmend. Die deutschen Streitkräfte werden schrittweise befähigt, schnell und kampfkräftig im gesamten Bündnisgebiet in einem 360° Ansatz zum Einsatz kommen zu können. Dieses wird u.a. auch durch die Gestellung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), für welche Deutschland als bedeutender Truppensteller wiederholt im Jahr 2023 gemeinsam mit Norwegen und den Niederlanden die Führungsverantwortung tragen wird, deutlich sichtbar.

Um die Bündnisverpflichtungen vollumfänglich erfüllen zu können, bedarf es neben durchsetzungsfähiger Kampftruppen gleichzeitig auch einer robusten, agilen, schnell verlegbaren, adaptiven, modularen und durchhaltefähigen logistischen Unterstützung. Die stärkere Akzentuierung der Landes- und Bündnisverteidigung wirkt sich somit auch wesentlich auf das Logistische System der Bundeswehr (LogSysBw) aus, da dieses in der Vergangenheit hauptsächlich auf den eher statischen Einsatz, z.B. aus Feldlagern heraus, im Rahmen kleinerer Einsätze mit planbaren und im Umfang deutlich geringeren Verbräuchen ausgerichtet war.

Ein Szenar Landes- und Bündnisverteidigung unterscheidet sich von diesen Einsätzen jedoch deutlich. Beispielhaft seien die bei LV/BV im Vergleich zu IKM-Einsätzen kurzen Reaktionszeiten, die hohen Verbräuche (z.B. Munition, Betriebsstoff, Ersatzteile), der damit einhergehende große Bedarf an zentraler und dezentraler Lagerungskapazität sowie die Notwendigkeit hoher Mobilität und Verlegefähigkeit der mobilen Logistikkräfte der SKB (mobLogTr SKB) genannt.

Damit sind Anpassungen des LogSysBw unausweichlich, da sich sowohl die Zahl der Aufträge als auch deren Bandbreite deutlich erhöht hat. Im Rahmen der dafür notwendigen Anpassungen des LogSysBw hat sich sehr frühzeitig herauskristallisiert, dass die notwendigen Kapazitäten und Fähigkeiten nicht alleine durch eigene, militärische wie zivile, Kräfte der Bundeswehr bereitgestellt werden können. Vielmehr ist es notwendig, das LogSysBw in ausgewählten Bereichen durch Leistungen multinationaler Partner und durch Kooperationen mit der Wirtschaft zu ergänzen.

Ferner gilt es zu beachten, dass die logistische Unterstützung entlang der gesamten Prozesskette robust und durchhaltefähig gewährleistet werden muss. Gedanklich kann eine derartige Prozesskette als logistische Operation betrachtet werden, welche sich in die Phasen Bereitstellung, Verlegung und der logistischen Versorgung im Einsatz unterteilt. Die drei oben abgebildeten Säulen des LogSysBw wirken sich dabei in den Phasen in unterschiedlicher Gewichtung aus.

Jede Phase einer logistischen Operation und der damit einhergehende Beitrag aus Sicht des Logistikkommandos der Bundeswehr (LogKdoBw) soll Inhalt eines Teils einer dreiteiligen Artikelserie sein. In diesem ersten Teil soll auf ausgewählte Aspekte der Phase Bereitstellung eingegangen werden, wozu es einer mehrschichtigen Betrachtungsweise bedarf.

Zunächst einmal geht der Blick auf die eigenen Kapazitäten der Bundeswehr. Diese werden im Fähigkeitsprofil der Bundeswehr in insgesamt 3 Zwischenschritten (2023, 2027, 2031) definiert, wobei planerisch bereits Anpassungen resultierend aus den Herausforderungen bzgl. der LV/BV erfolgt sind und weiter fortgeschrieben werden. Dabei stehen aus Sicht der logistischen Unterstützung die ortsfesten logistischen Lager- und Instandhaltungs-einrichtungen sowie die mobLogKr SKB im Mittelpunkt.

Der Bereich der Lagerhaltung erfuhr mit der Reduzierung der Streitkräfte in den vergangenen zwei Jahrzehnten und der Fokussierung auf IKM-Einsätze deutliche Einschnitte, welche letztendlich zu einer Bereitstellungslogistik (geringe Lagerbestände, Just-in-time Lieferung durch Industrie) führte. Dieser effizienzbasierte Ansatz war in der Vergangenheit auf Grund der reduzierten und in der Regel langfristig planbaren Bedarfe im Rahmen einzelner, eher kleinerer Einsätze im Rahmen des IKM grundsätzlich tragfähig. Für die Einsätze innerhalb von LV/BV und der damit verbundenen deutlich höheren Bedarfe, u.a. in den Bereichen Mengen- und Einzelverbrauchsgüter, wie z.B. bei Ersatz- und Austauschteilen, sowie schnellerer Reaktionszeiten (Bspl. VJTF 2-7 Tage) ist es zwingend erforderlich, schnellstmöglich den Schritt von der Bereitstellungs- zur Bevorratungslogistik (hohe Lagerbestände, eigene Handlungsfähigkeit) zu vollziehen, damit das LogSysBw wieder über die so notwendige „Pufferwirkung“ und „Robustheit“, eine schnelle Reaktionsfähigkeit und Ad-hoc Befähigung sowie Autarkie und auch Flexibilität verfügt.Um kurzfristig bereits für die VJTF 2023 eine „Pufferwirkung“ im LogSysBw zu schaffen, wird derzeit beispielsweise ein 30-Tage-Einsatzvorrat für Ersatz-/Austauschteile (ET/AT) für die in der VJTF eingeplanten Fähigkeiten aufgebaut. Damit soll eine angemessene materielle Durchhaltefähigkeit der VJTF für einen autarken Betrieb von mindestens 30 Tagen gewährleistet werden. Dieser Ansatz ist in weiteren Schritten für die gesamten Streitkräfte auf Basis der Ergebnisse des Fähigkeitsprofils sowie auf Basis von anzunehmenden Nutzungsprofilen für Einsatzszenare innerhalb der LV/BV auszuweiten. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr wird auf Grundlage dieser Ergebnisse sukzessive die notwendigen Beschaffungsvorgänge einleiten, so dass durch diesen Ansatz ein stufenweiser Aufbau eines 30-Tage-Einsatzvorrates für die Streitkräfte gewährleistet werden kann. Die bedarfsgerechte Bereitstellung von Lagerkapazitäten innerhalb des LogSysBw (Basis-/Einsatzlogistik) wird zwischen dem LogKdoBw eng mit den Organisationsbereichen/Teilstreitkräften abgestimmt.

Für die Steigerung der „Robustheit“ der ortsfesten logistischen Einrichtungen sind insgesamt die Kapazitäten und Fähigkeiten zu stärken, die Reaktionsfähigkeit zu erhöhen, der Schutz zu verbessern sowie die Durchhaltefähigkeit zu erhöhen.

Für die bundeswehreigenen Kapazitäten konnte daher im Rahmen des Projektes „ortsfeste logistische Einrichtungen 2019+“ mit der Entscheidung der stufenweisen Reaktivierung und Wiederinbetriebnahme von drei Munitionslagereinrichtungen und fünf Materiallagern ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung eingeleitet werden. Diese Maßnahme kann jedoch nur einen Teilbeitrag leisten, um die benötigten Lagerkapazitäten über alle Versorgungsgüter zur Verfügung zu stellen. Um den Gesamtbedarf wirklich decken zu können, werden auch Neubauten von Lagerinfrastruktur wie z.B. Munitionslagerhäuser sowie Kooperationen mit der Wirtschaft ergänzend notwendig sein.

Mögliche Kooperationen mit der Wirtschaft hat das LogKdoBw im Rahmen seines Projektes „Zukunftsorientierung Kooperationen in der Logistik“ im Fachpanel 2 „Materialbewirtschaftung und Lagerung“ bereits in enger Zusammenarbeit mit Vertretern aus der Wirtschaft erörtert. Darauf aufbauend konnten bereits drei Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden, welche nach Auswertung und Feststellung der Wirtschaftlichkeit noch im Jahr 2020 einer Leitungsentscheidung bzgl. ihrer Umsetzung zugeführt werden sollen.

Auch im Rahmen der Multinationalen Zusammenarbeit werden Kapazitäten für eine gemeinsame Lagerung und damit Bevorratung geschaffen. Das Projekt „Network of LogHubs in Europe and Support to Operations“ als Teil der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit PESCO (Permanent Structurized Cooperation) in Europa hat das Ziel, in Zusammenarbeit mit einer Vielzahl europäischer Staaten ein Netzwerk logistischer Hubs in ganz Europa zu etablieren, um Lagerkapazitäten und weitere Leistungen für die Streitkräfte der verbündeten Staaten bereit zu stellen. Deutschland wird sich dabei mit einem eigenen Hub in Pfungstadt beteiligen, welcher bereits ab diesem Jahr stufenweise Leistungen zur Verfügung stellen wird. Damit können ab 2020 Umschlagleistungen und ab 2024 zusätzlich signifikante Lagerungs- und Instandsetzungskapazitäten multinational bereitgehalten werden. Die damit angestrebte gemeinsame Nutzung nationaler Ressourcen macht somit eine Vorausstationierung von Material möglich und kann damit auch die Phase der Verlegung entlasten. Um ein derartig umfangreiches Netzwerk steuern zu können, bedarf es auch eines leistungsfähigen Steuerungselementes. Für die Umsetzung des DEU Anteils am Gesamtprojekt wurde das Koordinations- und Steuerungselement als Joint Coordination Centre als sogenannter „Trusted Agent“ des Projekts im Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven eingerichtet.

Mit einer reinen Kapazitätserhöhung zur zentralen Bevorratung von Material und Munition kann und wird die notwendige Qualität der Bereitstellung von Versorgungsgütern aller Art jedoch allein nicht erreicht werden können. Besonders die Notwendigkeit einer schnellen Bereitstellung in einem Alarmierungsfall macht es erforderlich, dass Vorkommissionierungen erfolgen sowie Rufbereitschaften und Alarmierungspläne wieder zum festen Bestandteil einer Depotorganisation gehören müssen. Nur so wird die notwendige Ausgabebereitschaft ggf. auch 24/7 gewährleistet und die Reaktionszeit insgesamt auf das notwendige Maß reduziert werden können. Insgesamt ist die Robustheit der ortsfesten logistischen Lagereinrichtungen in vier Teilbereichen „Kapazitäten und Fähigkeiten“ – „Schutz“ – „Reaktionsfähigkeit“ und „Durchhaltefähigkeit“ zu steigern.

Neben ortsfesten Einrichtungen bedarf es zur Gewährleistung einer durchhaltefähigen und robusten logistischen Unterstützung auch hoch mobiler Logistikkräfte, welche für den Bereich der Basislogistik durch die mobLogTr SKB in Verantwortung des LogKdoBw als Truppensteller bereitgestellt werden. Dabei gilt es hervorzuheben, dass diese im Falle eines Einsatzes im Rahmen LV/BV mit zu den Kräften der „ersten Stunde“ zählen. Diese Kräfte verlegen sehr frühzeitig in ein Einsatzgebiet. Diese sehr frühe Verlegung ist notwendig, da nur so eine zügige Aufnahme der Streitkräfte im Einsatzgebiet sowie der rasche Aufbau einer Versorgung im Einsatz sichergestellt werden kann. Damit stehen die mobLogTr SKB grundsätzlich nicht im Inland beispielsweise für die Gewährleistung von logistischen Unterstützungsleistungen im Rahmen von Host Nation Support oder zur logistischen Unterstützung der Verlegung von eigenen Kräften zur Verfügung.

Zur Bereitstellung der benötigten Anzahl an mobLogTr SKB muss die Domäne Unterstützung im Rahmen des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr grundsätzlich einen deutlichen Aufwuchs erfahren. Für den Bereich der mobLogTr SKB ist es daher Absicht, neben den heutigen Kräften (sechs Logistikbataillone und ein Spezialpionierregiment) noch bis zu vier weitere Bataillone, ein RSOM-Bataillon (Reception, Staging and Onward Movement) sowie die Stäbe zweier Logistikregimenter aufzustellen, um den Anforderungen der logistischen Unterstützung im Rahmen LV/BV gerecht werden zu können. Bereits dieses Jahr beginnt zum 01.10.2020 die Aufstellung des RSOM-Bataillons sowie des Stabs und der Stabskompanie Logistikregiment 1. Die nähere Betrachtung des RSOM Prozesses und die Beteiligung des DEU Bataillons werden u.a. Inhalt des nächsten Teils der Artikelserie sein, da sie der Phase Verlegung zuzurechnen sind.

Auch die materielle Ausstattung spielt im Rahmen der Phase Bereitstellung eine entscheidende Rolle. Einheiten und Verbände sind materiell zu 100% auszustatten und aufzustellen, um einsatzbereit zu sein. Dies gilt auch für die Verstärkungsreserve. Nur durch einen stärkeren und nachhaltigen materiellen Aufwuchs der Domäne Unterstützung wird es gelingen, eine adäquate „Voll“-Ausstattung zu erreichen. Um den Anforderungen von LV/BV gerecht werden zu können, sind Vollausstattungen zwingend. Erste Schritte dafür wurden eingeleitet und erste Erfolge sind bereits sichtbar. Als Beispiel sei hierfür exemplarisch ein erster Zulauf von Schwerlasttransportern 70 t genannt.

Neben dem oftmals im Fokus stehenden Großgerät gilt es jedoch genauso, die SOLL-gerechte Ausstattung mit den benötigten Sonderwerkzeugsätzen und Prüfmitteln, Nachtsichtgeräten, persönlicher Schutzausstattungen sowie Führungsmitteln konsequent voranzutreiben. Hier besteht unverändert großer Handlungsbedarf.

Für alle Bereiche gilt jedoch, dass eine Fähigkeit erst real wird, wenn die Strukturen auch entsprechend personell hinterlegt sind und wenn auch die Ausbildung und damit in letzter Konsequenz das „Mindset“ des Personals auf die neue Aufgabe ausgerichtet ist. Aus diesem Grund wurden die Lehrgänge an der Logistikschule der Bundeswehr wieder mehr auf das Szenar LV/BV fokussiert. Darüber hinaus schaffen Leitfäden und Übungen in der Truppenausbildung wieder Bilder, an denen die Truppe sich ausrichten und vorbereiten kann. Diese bereits in 2017 begonnenen Anstrengungen werden kontinuierlich und konsequent auch in Zukunft fortgesetzt.

Die genannten Maßnahmen der Phase Bereitstellung müssen jedoch lange vor einem Einsatzbefehl für die Streitkräfte abgeschlossen sein, um so die Voraussetzungen zu schaffen, dass zum Zeitpunkt des Einsatzbefehls alle benötigten Fähigkeiten und Mittel vollumfänglich verfügbar sind.

Vor allem der Schritt von der mehr als zwei Jahrzehnte vorherrschenden Bereitstellungslogistik zu einer Bevorratungslogistik kann durchaus als Mammutaufgabe bezeichnet werden. Gleiches gilt für die Ausstattung mit neuem und auftragsorientiertem Material und Gerät.

Die notwendigen Lagefeststellungen sind bereits erfolgt. Nun gilt es, koordiniert und priorisiert die daraus abgeleiteten Maßnahmen umzusetzen. Doch dies bedarf Zeit und Geduld sowie eine gehörige Portion an gegenseitigem Vertrauen und Verlässlichkeit, da in vielen Bereichen auch die Industrie ein wesentlicher Bestandteil, z.B. bei der Herstellung von Gerät und Ersatzteilen, ist. In diesem Zusammenhang ist der über die jeweiligen Zwischenziele des Fähigkeitsprofiles schrittweise Aufbau eines 30-Tage-Einsatzvorrates ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn insgesamt ein langer Weg vor uns liegt, welcher u.a. auch einen großen Umfang an Ressourcen (Personal, Finanzmittel etc.) erfordert, ist dieser zum Aufbau einer glaubwürdigen Befähigung zur Landes- und Bündnisverteidigung jedoch alternativlos.

Herausgeber: Logistikkommando der Bundeswehr, Abteilung Planung I 1 Konzeption

 

 

Neu eingeführtes Videoendoskop IPLEX RT für Heer und SKB

Der Zustand der bisher vorhandenen Prüfmittel zur Begutachtung von Waffenrohren entsprach veralteter Ausrüstung und Technik. Des Weiteren war es nicht für den kaliberübergreifend Einsatz geeignet. Die Fähigkeitslücken lagen hier bei der Betrachtung der Kaliber 4,6 mm und 12,7 mm. Die bis dahin verwendeten Prüfmittel, Endoskop alt, waren aus logistischer Sicht zu dem nicht mehr versorgbar und instandsetzbar.

Um die Fähigkeitslücken zu decken und einer vorhandenen Obsoleszenz entgegen zu wirken, wurde aus technischer und wirtschaftlicher Sicht eine Neubeschaffung notwendig. Eine Modernisierung und kaliberübergreifende Zusammenfassung der geforderten Fähigkeiten wurde mit Einführung des neuen Videoendoskop IPLEX RT der Firma OLYMPUS im II. Quartal 2019 sichergestellt.

Das Videoendoskop IPLEX RT dient zur Inspektion und Beurteilung des Innenraums von Waffenrohren in dem Kaliber 4,6mm bis 35mm, ohne das zu untersuchende Objekt zu beschädigen.

Videoendoskop IPLEX RT

Eingesetzt wird es im Bereich der technischen Materialprüfungen und Instandhaltungsarbeiten an infanteristischen Waffensystemen. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Bewertung von Waffenrohren. Aus technischer Sicht hat das Videoendoskop IPLEX RT gegenüber den veralteten starren, glasoptischen Endoskopen den gravierenden Vorteil, dass es digital und kaliberübergreifend anzuwenden ist und die Möglichkeiten einer reproduzierbaren und zielgenauen Inspektion bietet.

Hauptgerät:

Das Hauptgerät ist über ein Universalkabel fest mit der Bedieneinheit verbunden. Über den Griff kann das System tragbar, eigenständig stehend oder über das im Hauptgerät eingelassenes Gewinde, mit einem gerätespezifischen Stativ befestigt, eingesetzt werden. Ein Trageriemen dient zum Tragen am Körper.

Für gute Sichtbarkeit und Bilddarstellung verfügt das Hauptgerät über einen 6,5-Zoll Monitor. Ein weiterer Vorteil ist der netzunabhängige Einsatz. Hierfür ist auf der Rückseite ein Batteriefach zur Aufnahme für einen Lithium-Ionen-Akku vorhanden. Für den Netzbetrieb wird das Hauptgerät mittels eines Netzteils an eine Stromquelle angeschlossen.

Zusätzlich kann ein USB-Stick zur Speicherung von Bildern, in JPEG-Format und Videomaterial in MPEG-Format eingesetzt werden.

Hauptgerät Vorderseite

 

Hauptgerät Rückseite

Bedieneinheit:

Die ergonomisch gestaltete Bedieneinheit ist über das Universalkabel fest mit dem Hauptgerät und dem Einführungsteil verbunden. Ein schneller Zugriff auf alle benötigten Menübefehle ist über Tasten, Hebel oder Joystick möglich. Im oberen Bereich befinden sich Bedienelemente für den Betrieb des Systems. Die Helligkeit des Monitors kann in 10 Stufen eingestellt werden, ein Hebel zur Einstellung des Zooms dient zur Vergrößerung des angezeigten Bildes. Die Darstellung kann maximal den fünffachen Wert der ursprünglichen Größe anzeigen. Über einen Joystick ist es möglich, das Objektiv am Ende des Einführungsteils kontrolliert zu bewegen.

Durch Betätigung verschiedener Bedienknöpfe können Bilder vergrößert, eingefroren oder als Ganzes auf dem 6,5“ LCD-Monitor angezeigt, sowie kurze Videosequenzen aufgezeichnet werden.

Bedieneinheit

Einführungsteil:

Das Einführungsteil besteht aus einem speziell verarbeiteten Wolfram-Außengeflecht und ist mit der Bedieneinheit fest verbunden. Auf seiner Länge von zwei Metern sind weiße und orangene Markierungen als Längenindex angebracht.

Der vordere Bereich des Einführungsteils ist beweglich (Winkeltrieb) und kann mit dem Joystick der Bedieneinheit gesteuert werden.

Einführungsteil mit Aufnahme für Objektiv

Objektiv:

Zur Verfügung stehen zwei Objektive, sie ermöglichen unterschiedliche Begutachtungen. Für eine lineare Betrachtung, im Rohrinneren, dient ein Objektiv zur Vorwärtsansicht. Im Rahmen einer Betrachtung z.B. einer Gasabnahmebohrung, wird das Objektiv mit Seitenansicht eingesetzt.

Objektive für Vorwärtsansicht und Seitenansicht

Einsatz:

Durch das Videoendoskop IPLEX RT ist das Prüfpersonal befähigt, Bildmaterial des zu prüfenden Geräts zu erstellen, zu dokumentieren und bei fortschreitendem Verschleiß als Referenz zu nutzen. Darüber hinaus kann das erstellte Bildmaterial auch zur Kommunikation, zum Zweck des Erfahrungsaustausches und in der Ausbildung zweckdienlich eingesetzt werden. Das Übertragen auf nicht systemgebundene Darstellungsmedien (z.B. Beamer oder externe Monitore) ist möglich.

Wesentliche Vorteile sind Möglichkeiten eines netz-, ortsunabhängigem und ergonomischem Arbeiten bei gleichzeitig hoher Betrachtungsqualität. So können Waffenrohrinnenbetrachtungen in einer sehr guten Qualität durchgeführt werden.

Betrachtungsbeispiele:

Durch eine gerades Objektiv ist die Betrachtung nach vorne gegeben. Hierdurch wird der Gesamteindruck des Rohrinneren bei hoher Licht- und Bildqualität ermöglicht. Aufbauchungen können somit gut erkannt werden.

Waffenrohr MG3 (Polygonrohr mit Rohraufbauchung)
Waffenrohr Gewehr G95k mit Objektiv gerade (hier leichte Auswaschungen im Bereich der Gasabnahmebohrung)

Durch ein Objektiv mit Seitenansicht können seitliche Schäden wie z.B. Feldausbrüche, Ausbröckelungen oder Abplatzungen aber auch Auswaschungen der Gasabnahmebohrungen bei Gasdruckladern erkannt und Dokumentiert werden. 

Waffenrohr MG5 (hier seitliche Ausbröckelungen / Auswaschungen)

 Ausstattung und Verpackung:

Verpackung

Ausstattung

Fazit:

Die neue Verpackung sowie der Beladungsplan ermöglichen eine übersichtliche und einfache Verstauung, einen sicheren Transport sowie einen schnellen und unkomplizierten Einsatz. Bedingt durch den vorhandenen Lithium-Ionen-Akku ist die Möglichkeit gegeben für einen autarken und mobilen Betrieb. Im Vergleich zu Endoskop alt wird auch ein besseres Verstaukonzept erzielt. Mit einem Gesamtgewicht von 12Kg und den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten gegenüber Endoskop alt, wurde hier zielführend und zukunftsorientiert eine Beschaffung durchgeführt. Die Nutzer von SKB und Heer haben mit dieser Prüfausstattung auf lange Sicht eine qualifizierte- und materialoptimierende Prüfausstattung die auch an Neusystemen, wie SPz PUMA, genutzt werden können.

Die Sicherheit der Schützen und Bediener von Waffen und infanteristischen Waffensystemen ist stark optimiert, ja fast perfektioniert worden.

Videoendoskop IPLEX RT (neu)
Endoskop alt mit Verpackung und Transportmittel

Autoren und Bilder: AusbZTLS, Ber Techn/Log, Dez W, OStFw Boyn, Hptm Habakuk, Hptm Knur

Zuwachs für die militärische Fahrzeugfamilie

Die Bundeswehr erhält über 500 neue LKWs vom Typ „WLS (Wechselladersystem)“. Der dazugehörige Vertrag zur Herstellung und Lieferung wurde am 18. Juni 2020 im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz unterschrieben. Vertragspartner ist die Firma Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV). Insgesamt kann das BAAINBw auf Grundlage des geschlossenen Vertrages bis zu 4.000 Fahrzeuge beschaffen. In einer ersten Tranche sollen 540 Wechselladersysteme der Zuladungsklasse 15 Tonnen zulaufen. „Mit diesem Vertrag knüpft das BAAINBw an die Erfolgsgeschichte der ungeschützten Transportfahrzeuge‚ UTF mil an.“, so OTL Bischof , der zuständige Projektleiter beim BAAINBw. Die Fahrzeuge sind hochmobil, geländegängig und allradgetrieben, können Ladungen von bis zu 15 Tonnen transportieren und sind mit der bewährten Wechselladerpritsche des schon eingeführten Systems MULTI ausgestattet. Dank dieser Wechselladereinrichtung kann das Be- und Entladen von Versorgungsgütern ohne weitere Unterstützung durch Umschlagmittel wie Krane oder Gabelstapler erfolgen.

Bild: WLS „Wechselladersystem“ geschützt, ungeschützt

Die Fahrerhäuser, die je nach Bedrohungslage in einer geschützten (umgangssprachlich: gepanzerten) oder ungeschützten (also ungepanzerten) Variante wechselweise aufgesetzt werden können, sind als 3-Mann-Fahrerhaus ausgeführt und nach den neuesten ergonomischen Erkenntnissen ausgestattet. In der geschützten Variante bieten sie den Insassen Schutz gegen Sprengstoffanschläge, Beschuss mit Handfeuerwaffen sowie die Wirkung von ABC-Waffen. Das Volumen des Vertrages von über 350 Millionen Euro beinhaltet neben der Lieferung der Fahrzeuge und des Zubehörs auch die Schulung des technischen Personals der Bundeswehr.

 

Copyright und Bilder: Bundeswehr/BAAINBw

Unterzeichnung „Standardisierter Instandhaltungsleistungsvertrag“ (SILV) für den NH90

Nach einer nunmehr dreijährigen Vorbereitungszeit, die sich von den ersten Planungen, über den Durchlauf des europäischen Vergabeverfahrens bis zur parlamentarischen Billigung des Vertrages erstreckt, ist der „Standardisierte Instandhaltungsleistungsvertrag“ (SILV) am 28.08.2019 für die Hubschrauber NH90 der Bundeswehr unterzeichnet worden.

Dem SILV liegt ein leistungsbasierter Ansatz (Performance Based Logistics, PBL) zugrunde, bei dem der Hauptauftragnehmer Airbus Helicopers Deutschland GmbH (AHD) zusammen mit der Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW) über eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren periodische, Flugstunden-basierte, kalendarische und bedarfsabhängige Instandhaltungsmaßnahmen, gemäß der technischer Dokumentation, an den Standorten Donauwörth und Dresden ausführen wird. Kernelement des SILV sind standardisierte Inspektionspakete, die für jeden Hubschrauber in einer fest vorgegebenen Durchlaufzeit und zu einem Paketpreis erbracht werden. Durch diese Standardisierung soll der Grad an Industrialisierung gegenüber den bestehenden Instandhaltungsverträgen erhöht werden. Alle für die Leistungserbringung erforderlichen Ressourcen bei AHD und EFW werden exklusiv dem SILV zugeordnet.

Diese Vorgaben verbunden mit einer zwölfmonatigen Vorausplanung und einer vereinbarten Grundlast an jährlichen Inspektionspaketen führen für beide Vertragspartner zu einer höheren zeitlichen, operationellen und finanziellen Planungssicherheit. Eine mit Personal der Firmen AHD und EFW sowie des Projektteams NH90 im BAAINBw gemeinsam besetzte Stelle wird alle Leistungen beider Vertragspartner steuern und koordinieren, damit eine möglichst reibungslose Leistungserbringung in den Bereichen der Instandhaltungsplanung, des Materialmanagements, der Betriebsführung und der technischen Unterstützung erreicht wird.

Hans-Peter Diedrich, Projektleiter NH90 im BAAINBw sagte: „Mit dem SILV verfügen wir nunmehr über geeignete Mittel, um den positiven Trend bei der Verfügbarkeit der NH90-Flotte der Bundeswehr weiter auszubauen und auf dem notwendigen Niveau zu stabilisieren.“

 

Quelle:

BUNDESAMT FÜR AUSRÜSTUNG, INFORMATIONSTECHNIK UND NUTZUNG DER BUNDESWEHR
PRESSE- UND INFORMATIONSZENTRUM

Anwenderforum Rüstung und Nutzung Rü.Net 2019: VJTF 2023 – Herausforderungen, Chancen und Risiken

Das Anwenderforum Rüstung u. Nutzung (Rü.Net) in enger inhaltlicher Abstimmung mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) geht am 04. und 05. September in Vallendar bei Koblenz in die Wiederholung.

Nach Absprache mit dem BAAINBw wurde über diese Hochwertveranstaltung das Label „VJTF 2023 -Herausforderungen, Chancen u. Risiken“ gesetzt. Als Keynotespeaker sind bereits Generalmajor Gert Friedrich Nultsch, militärischer Vizepräsident des Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung in der Bundeswehr und der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, Wolfgang Hellmich (MdB), bekannt.

Vorrangige Themen werden sein:

  • System Panzergrenadier
  • Bewegliche Unterbringung im Einsatz
  • Sicherstellung von Transport- und Unterstützungsaufgaben im Bereich des Heeres und der Streitkräftebasis
  • Digitalisierung Meldewesen Materielle Einsatzbereitschaft
  • Optimierung Ersatzteil/Austauschteil Versorgung
  • Aufbau 30 Tage Einsatzvorrat
  • Zulassungproblematik EMAR/DEMAR

Die Rü.Net wird durch ein exklusives Plenum eröffnet. Neben den erwähnten Vortragenden wird auch ein Vertreter des Stabes VJTF (BAAINBw) eine Keynote halten. Im Schwerpunkt werden die Abteilungen „Kampf“, „Landunterstützung“, „Luft“ und „Technische, logistische und wirtschaftliche Querschnittsaufgaben“ vertreten sein. Am zweiten Tag wird in Fachpanels umgegliedert. Chairmen der Abteilungen Kampf/Landunterstützung und Luft werden hier durch das anspruchsvolle Programm führen.

Weitere Informationen und die Anmeldemodalitäten zu dieser Veranstaltung finden Sie hier.

Die Logistik hinter Trident Juncture 2018

Ohne Logistik fliegt nichts, schwimmt nichts, fährt nichts. Der Erfolg der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 (TRJE 2018) hing somit maßgeblich von dieser Unterstützungsleistung ab. Das Logistikkommando der Bundeswehr (LogKdoBw), insbesondere mit den Kräften der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis aber auch des Logistikzentrums der Bundeswehr (LogZBw) und der Logistikschule der Bundeswehr (LogSBw) haben einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Etwa 50.000 Soldatinnen und Soldaten beteiligten sich 2018 an der größten gemeinsame NATO-Übung seit dem Ende des Kalten Krieges. Mit allen 29 NATO-Staaten sowie Finnland und Schweden war es darüber hinaus das umfassendste Manöver in diesem Zeitraum. Die Bundeswehr war mit etwa 8.500 Soldaten, 4.000 Fahrzeugen und 750 Containern der zweitgrößte Truppensteller im Übungsland Norwegen. Kern war eine Volltruppenübung im Zeitraum vom 25. Oktober bis zum 7. November 2018. Das Ziel war es, neben der Zertifizierung der NATO Response Force Hauptquartiere, die strategische Verlegung einer Kampftruppenbrigade sowie die Interoperabilität zwischen den teilnehmenden Kräften der NRF 2019 und besonders der „Very High Readiness Joint Task Force 2019“ zu üben. Nie zuvor in der Geschichte der Bundeswehr wurde Personal und Material in einer solchen Größenordnung bei einer NATO-Übung außerhalb Deutschlands eingesetzt.

Mehrere Fahrzeuge vom Typ Hägglund BV 206 vom Gebirgsjägerbataillon 232 werden im Rahmen der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 in RØROS/NORWEGEN entladen
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Die Aufgabe der Logistik der Streitkräftebasis (SKB) war dabei die strategische Verlegung der deutschen Kräfte, deren anschließende Versorgung sowie die Versorgung verbündeter Einheiten und Verbände. Bereits im September waren die Logistiker der SKB vor Ort in Norwegen. Sie organisierten und betrieben u.a. einen Teil des Hafens in Fredrikstad, südlich von Oslo. Gleichzeitig wurde der Ort für die Unterbringung der Logistiktruppen und die Koordination der logistischen Leistungen in einer Zeltstadt nahe des Flughafens Gardermoen, nördlich von Oslo, erkundet und anschließend übernommen. Damit stellten sie die Aufnahme von Personal und Material in Norwegen sicher.

In der Nacht vom 5. auf den 6. September verließ das erste Roll-on-Roll-off-Schiff (RoRo), die ARK GERMANIA, den Verladehafen in Emden. Über 200 Fahrzeuge, darunter Sattelzugmaschinen, Dingos und Straßentankwagen sowie Container und einige das Material begleitende Soldaten waren an Bord. Hierzu waren im Vorfeld umfassende Transportplanungen durch das LogZBw in Wilhelmshaven notwendig.

Das Roll on Roll off-Schiff im Hafen von Emden. Innerhalb kürzester Zeit werden die Fahrzeuge auf dem Schiff verstaut.
Quelle: Bundeswehr/Christoph Vietzke

Der Verlegeplan

 Über Straße, Schiene, per Luft- und per Seetransport erreichten Personal und Material ihren Bestimmungsort. Das Joint Logistic Support Group Headquarter (JLSG HQ) des Joint Forces Command NEAPEL (JFC NP) hat in Verbindung mit der Host Nation Vorgaben für die Verlegung der multinational zusammengesetzten übenden Truppe festgelegt. Auf dieser Basis erstellte das LogKdoBw im Auftrag des Einsatzführungskommandos und mit allen beteiligten Organisationsbereichen der Bundeswehr einen nationalen Verlegeplan, den das LogZBw im engen Zusammenwirken mit den Truppenstellern umgesetzt hat. Der Verlegeplan umfasste u.a. die Festlegung des Beladehafens (Seaport of Embarcation (SPOE)) in Deutschland sowie die Entscheidung darüber, auf welchen Wegen Fahrzeuge und Container vom Heimatstandort an den Zielort in Norwegen gelangen. Ob dies im Eisenbahn- oder Straßentransport, per Spedition oder auf eigener Achse erfolgte, hing u.a. von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und zeitlichen Vorgaben ab. Der effiziente Ablauf bei TRJE 2018 war das Ergebnis der engen Zusammenarbeit des LogZBw mit den jeweiligen Truppenstellern, dem Kommando Territoriale Aufgaben, den Landesbehörden und der gewerblichen Wirtschaft.

Im SPOE mussten die jeweiligen Transportdokumente überprüft und das Material anschließend durch den Zoll überprüft werden. Auch hier ist stets eine enge Abstimmung mit der Schiffsagentur, der Hafengesellschaft und den verantwortlichen Zollbeamten notwendig. Unterstützt wurde das LogZBw im Seehafen durch die mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis. Das Logistikbataillon 161 aus dem niedersächsischen Delmenhorst verfügt hierfür über eine Hafenumschlagkompanie. Deren Aufgabe ist es, die Be- und Entladung von militärischem Klein-, Großgerät und Containern auf bzw. vom Schiff sowie die Hafenorganisation sicherzustellen. Für TRJE 2018 war diese Kompanie drei Monate in Emden und im Entladehafen in Fredrikstad im Einsatz.

Die Fahrzeuge werden sicher am Boden verzurrt. Beim sogenannten Laschen werden die Spanngurte am Fahrzeug und am Schiff befestigt.
Quelle: Bundeswehr/Christoph Vietzke

Die Verlegung über den Seeweg

Am 5. September 2019 begann der Seetransport von Fahrzeugen und Containern nach Norwegen. Hierfür nutzte die Bundeswehr den zusammen mit Dänemark geschlossenen Kooperationsvertrag mit der Reederei Det Forenede Dampskibs-Selskab (DFDS), auf Deutsch: Die Vereinigte Dampfschiff-Gesellschaft. Mit vier RoRo-Schiffen, die insgesamt 13 Verlegungen durchführten, wurden alle Fahrzeuge und Container in den Zielhafen (Seaport of Debarkation – SPOD) nach Fredrikstad transportiert. Diese Verschiffung des gesamten Materials dauerte etwa sechs Wochen. An Bord übernahm jeweils ein sogenannter „Supercargo“ die Verantwortung für das Be- und Entladen des Materials. Der Supercargo war in diesem Fall ein reservedienstleistender Stabsoffizier, welcher berufliche Erfahrungen als Schifffahrtskapitän bzw. Lotse mitbrachte. Er vertrat während der Verlegung die Interessen der Bundeswehr in ihrer Eigenschaft als Befrachter und überwachte die Einhaltung der im Chartervertrag festgelegten Bedingungen. Zudem ist ein Supercargo Ansprechpartner der Schiffscrew in bundeswehrspezifischen Angelegenheiten.

Die Soldaten der Hafenumschlagkompanie vom Logistikbataillon 161 entladen den Kampfpanzer Leopard 2 der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) vom dänischen Roll on Roll off-Schiff Ark Germania.
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Eintreffen im Übungsraum

Mit der Aufnahme des Materials im Hafen von Fredrikstad und des Personals am Flughafen in Gardermoen begann in Norwegen die Weiterverlegung in den Übungsraum. Es erfolgte eine logistische Zwischenversorgung mit Kraftstoff und Verpflegung und die Weiterverlegung der Truppenteile in den jeweiligen Übungsraum. Eine enge Verbindung zwischen militärischer Hafen- bzw. Flughafenorganisation, den zuständigen lokalen Stellen, zivilen Vertragspartnern, und Behörden ist dabei unverzichtbar, um den reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Die Fahrzeuge und Container wurden, wie zuvor in Emden, von den Soldaten der 6. Kompanie vom Schiff gelöscht und auf einer Staufläche abgestellt. Dabei wurde bereits die Marschordnung der darauffolgenden Verlegung berücksichtigt. Im Einsatzgebiet angekommen, erfolgte der abschließende logistische Prozessschritt der Integration der multinationalen Verbände zu einer homogenen Streitkraft. Um diesen Prozess ab der Ankunft in der Host Nation Norwegen bewältigen zu können, bedurfte es einer intensiven Koordination durch das JLSG HQ. Das JLSG HQ ist ein multinationaler Stab, der im Falle der Übung TRJE 2018 aus 145 Soldatinnen und Soldaten aus insgesamt zwölf Nationen bestand. Den Kern dieses JLSG HQ bildeten dabei Soldaten des Joint Force Command NEAPEL und des 1. Deutsch/Niederländischen Korps aus Münster. Die Aufgabe des JLSG HQ ist es, ein umfassendes und einheitliches logistisches Lagebild aufzubauen und logistische Leistungen zu koordinieren. Darüber hinaus bewältigte das JLSG HQ unter der Führung von Brigadegeneral Darko Pintaric (Kroatien) die komplexe Aufgabe der Organisation der Hin- und Rückverlegung. Zur Umsetzung der Aufgaben beim Aufmarsch in Norwegen verfügte die JLSG über logistische Truppen. Hierzu gehörten zwei RSOM-Bataillone und weitere spezialisierte Einheiten. Deutschland hat der JLSG sowohl national geführte logistische Truppen auf Zusammenarbeit angewiesen, als auch Logistikkräfte unmittelbar unterstellt.

Norwegische Feldjäger begleiten die Fahrzeugkolonne nach der Entladung durch die Hafenumschlagkompanie des Logistikbataillon 161 im Rahmen der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 im Hafen von Fredrikstad /Norwegen
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Versorgung vor Ort 

Die Versorgung der insgesamt etwa 8.800 deutschen Soldatinnen und Soldaten wurde vom Unterstützungsverband Deutsche Kräfte (UstgVbd DEU Kr) in Gardermoen sichergestellt. Dieser wiederum wurde durch ein Führungselement vom Kommando SKB geführt. Den größten Teil des Verbandes machten die etwa 800 Logistiker im LogBtl UstgVbd aus, das seinerseits überwiegend aus Angehörigen des LogBtl 172 bestand, die von Angehörigen weiterer Verbände der mobilen Logistiktruppen der SKB ergänzt wurden. Nahezu täglich sorgten sie für den Umschlag von Containern und Materiallieferungen. Neben Instandsetzungs- und Transportleistungen sowie Ersatzteilen, Kraftstoff, Verpflegung und Wasser stellte der Verband auch Waren des täglichen Bedarfs wie Zahnbürsten, Schokolade oder Duschgel – insgesamt mehr als 100 verschiedene Artikel für die deutschen Soldaten aber auch verbündete Kräfte bereit. Insgesamt wurden in Versorgungstransporten etwa 1,1 Mio. Liter Kraftstoff und 1.000 Paletten Wasserflaschen von Gardermoen nach Rena (180 km nördlich Oslo) und in die umliegenden Einsatzorte transportiert.

Die Soldaten verwalten die Lagerung von Verpflegung, Wasser und Waren des täglichen Bedarfs im Camp des deutschen National Support Element (NSE)
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

So wurde in Gardermoen eine der wichtigsten logistischen Schaltzentralen, die Basis Einsatzzentrale Logistik des logistischen Unterstützungsverbandes für die deutschen Soldaten in Norwegen betrieben. Der Luftumschlagszug des LogBtl 171 war ebenfalls dem LogBtl UstgVbd zugeordnet und in Gardermoen eingesetzt. Dieser war für die Passagierabfertigung der über den Flughafen Gardermoen ein- und ausreisenden Übungsteilnehmer aller beteiligten Nationen verantwortlich. Während der Volltruppenübung unterstützte der Verband die im Gefecht befindliche deutsche VJTF-Brigade. Die dauerhafte Unterstützung mit Schwerlasttransporten war ebenfalls Aufgaben dieses Verbandes.

Die Soldaten vom Gebirgsjägerbataillon 232 betanken ein Fahrzeug vom Typ Waffenträger Wiesel TOW am zentralen Betankungspunkt.
Quelle: Bundeswehr/ Carsten Vennemann

Folgerungen

 Die Übung TRJE 2018 war eine logistische Herausforderung. In einem umfassenden Ansatz wurden die logistischen Abläufe und Verfahren im Rahmen einer Übung, in der die Bündnisverteidigung im Vordergrund stand, erstmalig erprobt. Die hier gesammelten Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung der logistischen Konzepte für deutsche Beiträge zur Bündnisverteidigung ein.

Eine erste wesentliche Erkenntnis ist, dass für die logistische Bewältigung eines Einsatzes der VJTF/NRF eine eng aufeinander abgestimmte und präzise ineinandergreifende logistische Führungsorganisation erforderlich ist. Das Verständnis der klaren Abgrenzung der Verantwortung des Kontingentführers als dem Führer im Einsatz von der Basis Einsatzzentrale Logistik als zentrales Koordinierungs- und Steuerungselement für die logistische Leistungserbringung ist weiterzuentwickeln.

Die gelungene Verlegung großer Truppenteile unter Übungsbedingungen, die kontinuierliche logistische Unterstützung der übenden Truppe vor Ort sowie die gute Zusammenarbeit mit den multinationalen Partnern hat die derzeitige Ausbildung und Weiterbildung des logistischen Personals sowohl hinsichtlich seiner konzeptionellen Ansätze als auch hinsichtlich der neuen Ausrichtung der Ausbildung auf Landes- und Bündnisverteidigung bestätigt. Die frühzeitigen Koordinierungsbesprechungen mit den Movement Control Teams, verantwortlich für die Durchführung von Personal- und Materialtransporten, und den NATO-Partnern, haben sich bewährt. Sie waren ein Schlüssel zum Erfolg und trugen zu einem nahezu reibungslosen Deployment und Re-Deployment bei. Insgesamt hat das LogBtl 161 1.819 Container, 7.805 Rad- und 169 Kettenkraftfahrzeuge umgeschlagen und dabei in der Summe 47 Schiffe be- und entladen bzw. andere Nationen dabei unterstützt. Der internationale Erfahrungsaustausch führte auch auf dieser Ebene zu einer einheitlichen Sichtweise und bildet eine wertvolle Basis für zukünftige Übungen und Einsätze.

Es wurden aber auch Verbesserungs- und Weiterentwicklungspotenziale, und dies nicht nur in der Logistik, erkannt. So hat der Aufmarsch des deutschen Kräftedispositivs gezeigt, dass in einem Szenario der Bündnisverteidigung bereits in frühen Phasen (Phasen „Mount“ und „Deploy“) ein „Aufmarschführendes Kommando“ erforderlich ist. Die Zusammenziehung der Kräfte an den Aufkommensorten, die Verlegung von dort zu den jeweiligen See- und Flughäfen sowie die dann anschließende strategische Verlegung in den Einsatz- bzw. Übungsraum bringt bereits Aufgaben mit sich, die für die vergangenen und gegenwärtigen Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht im gleichen Maße erbracht werden mussten. Das Ziel einer abgestimmten Verlegung großer Mengen an Personal und Material binnen kurzer Zeit sowie die Gewährleistung einer jederzeitigen Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen der Bedrohungslage oder auf andere Herausforderungen erfordern eine einheitliche operative Führung der verlegenden Truppe bereits in diesen frühen Phasen.

TRJE 2018 hat gezeigt, dass sich multinationale Ansätze in der Logistik in Ergänzung zu nationalen Versorgungsprozessen bewähren. Hier ist zuvorderst die Kooperation in der JLSG zu nennen, die anteilig ausgewählten Unterstützungsleistungen in den Bereichen Umschlag, Transport sowie Kraftstoffbereitstellung für das gesamte multinationale Übungskontingent koordiniert und sichergestellt hat.

Abgestellte Straßentankwagen (STW) stehen am Betankungspunkt und Betriebsstoffumschlagplatz, betrieben durch den Nachschubzug Kraftstoff der 1. Kompanie des Logistikbataillons 172, im Camp des deutschen National Support Element (NSE).
Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow

Vollständig national erfolgte hingegen die Versorgung der übenden Truppe mit Ersatzteilen. Hierfür konnte ein ambivalentes Fazit gezogen werden. Auch wenn sich die Verfahren und Prinzipien als leistungsfähig und tragfähig erwiesen haben, hat die Übung den hohen und vielfältigen Ersatzteilbedarf deutlich gemacht, den ein Kontingent dieser Größenordnung verursacht. Um den zum Teil schwer prognostizierbaren Bedarf zu decken, wurde durch LogKdoBw in Ergänzung zu den Ersatzteillagern vor Ort eine robuste und leistungsfähige Verbindung zwischen Einsatz- bzw. Übungsraum und Deutschland etabliert. Damit jedoch diese Verfahren volle Wirksamkeit entfalten und der im Einsatzfall, gegebenenfalls im Gefecht stehenden Truppe, Ersatzteile in kurzer Frist zur Verfügung gestellt werden können, ist die Logistik auf vorhandene Lagerbestände in der Zentrallogistik angewiesen. Der zentral in der Bundeswehr zu lagernde Bestand an Ersatzteilen ist den Forderungen für die Versorgung der Truppe in einem Landes- und Bündnisverteidigungs-Szenario anzupassen. Dies ist ein weiterer Anknüpfungspunkt für die Weiterentwicklung und Optimierung der logistischen Basis Inland als Rückgrat einer Operation eines Einsatzes im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung.

Insgesamt war TRJE 2018 – auch aus logistischer Sicht – ein voller Erfolg. Die logistischen Kräfte aus unterschiedlichen Verbänden der mobilen Logistiktruppen der Streitkräftebasis sind zu einem gemeinsamen Verband zusammengewachsen. Hierauf aufbauend wird das LogBtl UstgVbd auch die bevorstehenden Aufgaben für VJTF 2019 erfolgreich bewältigen können. Die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten waren eindrucksvoll und die Fähigkeit des logistischen Systems, Operationen dieser Größenordnung zu unterstützen, wurde nachhaltig unter Beweis gestellt.

 

Autor: Logistikkommando der Bundeswehr

 

PESCO – Network of LogHubs in Europe and Support to Operations

Anmerkung der Redaktion: Über die Kick-off Veranstaltung zu PESCO in Zypern berichteten wir bereits in unserem Newsletter April 2019. Link

  1. Einordnung

Das Projekt „Network of LogHubs in Europe and Support to Operations“ ist eines der priorisierten Projekte der ständigen strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) der Europäischen Union. Mit 15 teilnehmenden Staaten ist es nach „Military Mobility“ zweitgrößtes der zurzeit 34 Projekte. Es stammt aus der ersten PESCO-Welle vom März 2018 und stellt eine Synopse von ursprünglich drei unterschiedlichen Vorschlägen aus Deutschland, Frankreich und Zypern dar. Diese drei Nationen haben seither gemeinsam die Koordinierung des ambitionierten Vorhabens übernommen. Die Projektteilnehmer wollen, gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen sowie der Ägide von PESCO, ihre logistischen Fähigkeiten weiterentwickeln, Verfahren abstimmen und zusammen Wege finden, um den logistischen Herausforderungen der Zukunft besser gerecht zu werden. Es soll zudem auch der europäische Pfeiler innerhalb der Nato im Bereich der Logistik gestärkt und vor allem praktischer Nutzen gezogen werden. Leistungsstarke zumeist bilaterale logistische Zusammenarbeit existiert natürlich auch schon heute, gleichwohl beabsichtigen die beteiligten Nationen, diese Schritt für Schritt auf eine permanentere und strukturiertere Grundlage zu stellen. Die multinationale Abstimmung im Projekt verläuft derzeit vielversprechend. Zwei Drittel der Länder haben bei den letzten Expertengesprächen im Februar 2019 die Bereitstellung eines eigenen logistischen Beitrags angekündigt. Darüber hinaus plant die überwiegende Zahl der Teilnehmer ebenfalls die Nutzung von Leistungen der Partner und entsprechender Infrastruktur ein. Damit sind gute Voraussetzungen für die anstehenden Gespräche, Ende Juni 2019 in Frankreich, geschaffen.

 

Abbildung 1 – Verlegung © Bundeswehr/Marco Dorow

  1. Zielsetzung

Das Projektziel besteht in der Einrichtung eines europäischen Logistiknetzwerkes durch die gemeinsame Nutzung logistischer Einrichtungen oder auch Knoten (LogHubs) und in der gleichzeitigen Erweiterung der logistischen Kooperation der Partnernationen insgesamt. In einer schrittweisen Umsetzung soll ein Netzwerk aus verbindlich gesicherten logistischen Leistungen entstehen, welches im Zielzustand eine effiziente, verlässliche und für den Einsatz robuste logistische Unterstützung für die teilnehmenden Nationen gewährleistet. Die Komplementarität des Vorgehens im Rahmen des nordatlantischen Bündnisses und der Europäischen Union – Stichworte „single set of forces“, „Enablement of SACEUR‘s AOR“ – ist angelegt und ermöglicht dabei auch die Unterstützung betont ressortgemeinsamer Ansätze. Keine der beteiligten Nationen kann und wird es sich leisten können, Doppelstrukturen aufzubauen. Im Visier ist das gesamte Aufgabenspektrum, also die Unterstützung von Einsätzen, einsatzgleichen Verpflichtungen im Rahmen von EU sowie NATO, Assurance Maßnahmen und Übungen, genauso wie der multi- oder bi-nationale Grundbetrieb.

Abbildung 2 – Projektübersicht © Bundeswehr/LogKdoBw

Was bedeutet das nun konkret? Es geht im Kern darum, wie zukünftig mehr Vorteile aus gemeinsamer Nutzung von stationärer Infrastruktur und strategischen Verlegerouten gewonnen werden können, um:

  • Kräfte zeitgerecht gemäß den Vorgaben zu verlegen,
  • die Unterstützung bereits verlegter Kräfte zu verbessern und
  • Kräfte im Transit besser zu unterstützen.

Ein besonders geeignetes Anwendungsgebiet sind die Rotationen der VJTF und EUBG. Versorgungsgüter, Fahrzeuge und Gerät von Einheiten und Verbänden, insbesondere in multinationaler Einsatzgliederung, können in den Stand-by Phasen zentral in LogHubs gelagert, gewartet und für den Weitertransport bereitgehalten werden. Gleichzeitig können die strategischen Transportträger priorisiert und optimal beladen werden, um mehr Material in kürzerer Zeit in ein Einsatz- oder Übungsgebiet zu verlegen. Durch zukünftig vorgesehene Vorausstationierung werden die logistische Leistungserbringung multinational besser abgesprochen, Lasten geteilt, Verantwortlichkeiten frühzeitig festgelegt und insbesondere vorgegebene Verlegezeiten zweckmäßig eingehalten. Zur Verdeutlichung und Verwendung bei der multinationalen Gremienarbeit hat das Logistikkommando der Bundeswehr Daten der VJTF 2019, NRF- und EUBG-Rotationen unter signifikanter deutscher Beteiligung sowie Leistungsdaten der Übung TRIDENT JUNCTURE 2018 dezidiert ausgewertet und Vignetten logistischer Anforderungen modelliert. Dies ermöglicht, insbesondere bei der Beschreibung der Leistungsparameter des deutschen LogHubs, eine praxisnahe und nachvollziehbare Herleitung und schafft auch die Voraussetzungen für einen belastbaren militärischen Ratschlag für den deutschen Projektbeitrag.

Abbildung 3 – Torpedoverladung © Bundeswehr/Hermann

In den angesprochenen Anwendungsfällen bei Stand-by Verpflichtungen geht es zumeist um Landoperationen und Landsysteme. Eine dahingehende Reduzierung des Projekts greift aber viel zu kurz. In den Einrichtungen des Netzwerkes im Mittelmeerraum können beispielsweise Lenkflugkörper und Torpedos der Marinen der Partnernationen gelagert werden. Ein aufwendiger Luft- oder Seetransport entfällt und auch ein sehr kurzfristiger Auftrags- oder Missionswechsel seegehender Einheiten kann rasch unterstützt werden. Fristen und Wartungsarbeiten werden, ebenso wie bei der oben skizzierten Vorausstationierung, durch mobile Instandsetzungskommandos vorgenommen, wobei die erforderliche Infrastruktur in den jeweiligen LogHubs bereitzustellen sein wird. Weiterhin stehen Transporte aller Art in die Einsatzgebiete bzw. Aufkommensorte einsatzgleicher Verpflichtungen sowie Unterstützungs-leistungen im Zuge humanitärer Krisenlagen im Fokus. Der gemeinsam koordinierte strategische Transport aus den Hubs des Netzwerks in ein Einsatzgebiet trägt absehbar zur Verringerung der Kosten für die beteiligten Nationen bei. Weil es bei Logistik immer auch um Planung und Antizipation geht und es im Interesse der Nationen ist, die Anzahl der Unbekannten oder der Planungsannahmen in der Entwicklung von logistischen Plänen und Konzepten möglichst gering zu halten, sind dies Ansätze, die absehbar Mehrwert generieren und die Zielrichtung von PESCO deutlich unterstreichen.

  1. Was beschreibt einen LogHub im Sinne des Projekts?

Dieser Fragestellung hatte sich Deutschland bereits in einem ersten, rein nationalen ministeriellen Konzept angenommen, welches es nun mit den Projektnationen fortzuentwickeln und in das zu etablierende Netzwerk einzuweben gilt. Ein LogHub, bereits in gemeinsamer Definition der Projektteilnehmer, ist eine nationale logistische Einrichtung, die als Teil eines Netzwerks dauerhaft oder zeitlich begrenzt logistische Leistungen für andere teilnehmende Nationen anbietet bzw. erbringt, um logistische Bedarfe und Forderungen zu decken. Ein solcher Hub kann dabei durch multinationale Elemente temporär verstärkt werden.

Abbildung 4 – Was beschreibt einen LogHub © Bundeswehr/LogKdoBw

Die Elemente Lagerung, Transport, Umschlag und Materialerhaltung stellen die Grundfunktionalitäten dar, wobei nicht alle LogHubs jede Funktionalität werden bieten können oder müssen. Jedwedes Angebot der Nationen ist willkommen, um zunächst allen Nationen die sichtbare Beteiligung im Projekt zu ermöglichen, Erfahrungen und Erkenntnisse zu verdichten und somit die Hubs und das Netzwerk sukzessive bedarfsoptimiert und gemeinsam auszugestalten. Es wird durchaus möglich sein, dass einzelne Nationen auch Angebote über die beschriebenen Grundfunktionalitäten hinaus einbringen. Die LogHubs werden unter Hoheit der bereitstellenden Nation verbleiben, temporäre personelle Entsendungen der jeweiligen Nutzer sind wie angesprochen möglich. Die Örtlichkeiten orientieren sich an den Handlungsmöglichkeiten und dem Willen der jeweiligen Nation. Bewährte nationale logistische Systeme und ihre jeweiligen Prozesse werden beibehalten. An der robusten Folgeversorgung von Kräften im Einsatz wird nicht herumexperimentiert. Dieses sehen im Übrigen alle Projektteilnehmer so. Gleichwohl wird untersucht, IT-gestützte Verfahren und Web-Applikationen der Bedarfsträger und Anbietenden zweckmäßig zusammenzubringen sowie zu vernetzen, um insbesondere die Planung und Koordinierung logistischer Leistungserbringung der Projektnationen zu erleichtern.

  1. Multinationale Projektarbeit

Expertentreffen

Die ersten Expertengespräche Ende September 2018 in Berlin markierten den multinationalen Start des Projekts. Im Zuge dieser Auftaktveranstaltung konnte wesentlicher Informationsbedarf der Teilnehmer gedeckt und insbesondere der Netzwerkgedanke der LogHubs vermittelt werden. Die Einigung auf die gemeinsame Definition eines LogHubs war beispielsweise ein Ergebnis. Die aktive Teilnahme hochrangiger Vertreter des Militärstabes der Europäischen Union (EU MS) sowie der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) hat sich besonders bewährt und wird beibehalten.

Die Nationen deuteten bereits in Berlin an, sich aktiv einbringen zu wollen und logistische Dienstleistungen bereitzustellen, gleichwohl waren wenige Teilnehmer schon zu diesem Zeitpunkt mandatiert, konkrete Angebote abzugeben. Unabhängig von einem eigenen sichtbaren Beitrag, hat die Masse der Teilnehmer die Möglichkeiten und Chancen auch als Nutzer des Netzwerks erkannt, ein entscheidender Aspekt, wenn das Prinzip von Angebot und Nachfrage und die Erwartung eines lernenden Systems verwirklicht werden soll.

Abbildung 5 – Gruppenbild Expertengespräche © Bundeswehr/Schöne

Nachdem beim „Kickoff“ in Deutschland somit ein gemeinsames Projektverständnis erarbeitet und ein erster Zeitplan der Projektarbeit identifiziert worden ist, konnte bei den folgenden Gesprächen im Februar 2019 auf Zypern daran nahtlos angeknüpft werden. Die Tagung erbrachte zahlreiche Willenserklärungen der beteiligten Nationen hinsichtlich der Etablierung eigener LogHubs, so dass bereits jetzt deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmer mit logistischen Knotenpunkten im Netzwerk vertreten sein will. Darüber hinaus konnte mit Litauen der fünfzehnte aktive Teilnehmerstaat im Projekt begrüßt werden. Weitere und möglichst sichtbare Beiträge der beteiligten Länder, also zusätzliche Flaggenstöcke in der Welt der LogHubs in Europa, sind für die nächsten Gespräche in Paris angekündigt.

Arbeitspakete

Herzstück der Projektarbeit sind zurzeit sieben Arbeitspakete, die in einem multinationalen Ansatz gemeinsam bestritten werden. Die bereits in Berlin identifizierten Handlungsstränge sind in Limassol inhaltlich abgegrenzt und mit Zeitlinien verklammert worden. Damit liegen synchronisierte Meilensteine für die weitere Projektarbeit vor, deren Erreichbarkeit überprüfbar ist und darüber hinaus das jeweilige Engagement nachvollziehbar werden lässt. Die projektkoordinierenden Nationen übernehmen dabei Moderatorenaufgaben und haben jeweils zunächst eine erste Gestaltungschance. Eine detaillierte Vorstellung der einzelnen Pakete ist jetzt und hier entbehrlich. Worum geht es aber kurz und knapp bei den einzelnen Enden, die im Sinne der zu Beginn dargestellten Zielsetzung zusammengebunden werden sollen? Die Projektsteuerung beinhaltet zuvorderst das Management des Vorhabens und die Erstellung und Fortschreibung des Projektplans sowie die kontinuierliche Identifizierung von Regelungsbedarf.

 

Abbildung 6 – Multinationale Arbeitspakete © Bundeswehr/LogKdoBw

Darüber hinaus sind die Bezugspunkte und Abhängigkeiten zu anderen Projekten, wie z.B. „Military Mobility“ und mehreren EDA-Vorhaben, z.B. in den Bereichen Zollwesen, Gefahrgut und Grenzübertritte, kontinuierlich zu begleiten. Insgesamt gilt es in diesem Paket weiter aufmerksam und vernetzt zu bleiben, um bei den zahlreichen Initiativen und Projekten den Überblick zu behalten, Mehrarbeit weiter zu vermeiden und Chancen sowie Risiken frühzeitig zu erkennen. Im Aufgabenbereich Konzept sowie beim Thema Management werden Grundlagen, Einordnung und insbesondere die fähigkeitsorientierte Ausgestaltung der LogHubs und des Netzwerkes erarbeitet. Das Konzept wird letztendlich das gemeinsame Erklärstück und Referenzdokument bilden. Hier werden die Anknüpfpunkte für die etwaigen Verfahrensbeschreibungen und die IT-Werkzeuge der Durchführung der logistischen Leistungserbringung abzubilden sein. Ferner steht die Entwicklung eines Fähigkeitskataloges des Netzwerkes an, also was steht an logistischen Leistungen wo und wann zur Verfügung und spiegelt so die Beiträge der einzelnen Nationen wieder. Die durch Frankreich federführend übernommenen Pakete fokussieren auf Themenfelder im strategischen Transport. Zypern hat sich der Thematik der Finanzausstattung angenommen und betrachtet dabei solche Projektanteile, für die gegebenenfalls gemeinschaftlich bereitgestellte Finanzmittel eingesetzt werden können.

  1. Deutscher Beitrag

Als koordinierende Nation wird Deutschland seiner besonderen Verantwortung gerecht, indem es den deutschen LogHub in Pfungstadt/Hessen sowie darüber hinaus einen nationalen Zugangspunkt in Form eines Stabselements am Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven etabliert. Das sind Voraussetzungen, um Konzept, Narrativ und Vorleistung weiter glaubhaft präsentieren und so andere Nationen als Nutzer und/ oder Leistungserbringer gewinnen bzw. bestärken zu können.

Für das Leistungsspektrum und den Ertüchtigungsbedarf des DEU LogHubs gibt es keine Blaupause. Hier waren Logistikkommando der Bundeswehr und Logistikzentrum der Bundeswehr im engen Schulterschluss gefordert, tragfähige konzeptionelle Sollvorgaben zu erarbeiten, die Leistungsspektrum und Anforderungen quantifiziert beschreiben, um somit die planerischen Grundlagen für die Aufstellung des DEU LogHub zu legen.

Abbildung 7 – Aufwuchs deutscher Beitrag (c)Bundeswehr/LogKdoBw

Den vorgesehenen deutschen Beitrag kennzeichnet die Bereitstellung logistischer Leistungen in zwei Stufen: Ab 2020 werden Leistungen im Rahmen der Verlegung von Material in Einsatzgebiete, Übungsräume und im Zuge Einsatzgleicher Verpflichtungen sowie ab 2024 die Zwischenlagerung und Vorausstationierung von Material, insbesondere im Rahmen von Stand-by Verpflichtungen angeboten. Damit ist auch das Angebot an die Partnernationen verbunden, den Zugangspunkt in Wilhelmshaven für eigene Managementaufgaben im Netzwerk zu nutzen, sollte die Fähigkeit national noch nicht aufgebaut sein. Das sogenannte Joint Coordination Center kann so in die Lage versetzt werden, zunächst als Portal des deutschen LogHubs, so dann in multinationaler Perspektive, als möglicher „Trusted Agent“ des gemeinsamen Fähigkeitskataloges, in eine herausfordernde Aufgabe hineinzuwachsen. In diesem Themenbereich stehen zeitnah weitere Abstimmungen der teilnehmenden Länder an.

Abbildung 8 – Materiallager © Bundeswehr/R. Alpers

Durch das Erweitern des Auftrags des Bundeswehrdepots Süd am Standort Pfungstadt werden die dargestellten Funktionalitäten des deutschen LogHubs schrittweise aufgebaut und multinational zur Verfügung gestellt. Hierzu wird die Dienststelle mit Personal verstärkt, in den nächsten Jahren infrastrukturell in signifikantem Maß ertüchtigt und mit zusätzlichen Fähigkeiten ausgestattet, insbesondere für den multinationalen Materialumschlag.

Neben den unmittelbar mit dem deutschen LogHub verknüpften Ressourcen, werden auch die mittelbaren Bedarfe, konkret die Notwendigkeit zur Einrichtung von Kompensationslagerflächen, nicht aus dem Blick verloren. Die sich durch absehbare multinationale Verdrängungseffekte im bestehenden Materiallager Pfungstadt einstellenden Auswirkungen auf die ortsfesten logistischen Einrichtungen (oIE) der Bundeswehr, wurden untersucht und bei den Ableitungen für die zukünftige Ausrichtung „olE 2019+“ mitberücksichtigt.

  1. Schlussbetrachtung

Die Liste der am Projekt teilnehmenden Nationen ist lang und weitere Interessenten, welche die Projektschritte aufmerksam beobachten, sind vorhanden. Die reine Zahl der Partner allein, macht die Projektarbeit komplex, aber im besten Sinne interessant und gerade bezüglich des vielbeschworenen 360Grad Ansatzes umso glaubwürdiger. Nationen haben natürlich eigene Interessen, unterschiedliche Ressourcenlagen und spezielle logistische Bedarfe. Hinzu treten die jeweiligen nationalen logistischen Systeme mit ihren Verfahren und IT-Tools. Das alles unter einen Hut bzw. auf einen hohen gemeinsamen Nenner zu bringen ist nicht einfach, hat aber besonderen Reiz. Gleiches gilt für das Format PESCO, welches aufgrund der bindenden Verpflichtungen für die teilnehmenden Nationen eine andere Qualität und Verbindlichkeit als frühere Kooperationsformen hat. Drei Linien leiten die eigene Projektarbeit: Zunächst steht die Entwicklung von Fähigkeiten, die universell einsetzbar sind und das logistische System unabhängig von der Operation oder dem Einsatzort verbessern, im Vordergrund. Die Überzeugung, dass eine Duplizierung von Anstrengungen nicht zielführend ist, sondern, dass die Projektergebnisse Vorteile bieten müssen und so letztendlich zur Zielerreichung aller beteiligten Nationen beitragen, ist eine weitere Maxime. Schließlich muss das, was in der Projektarbeit verabschiedet wird, am Ende des Tages den Kräften im und für den Einsatz nutzen. Wenn das Netzwerk seine Zielstruktur eingenommen hat, kann es das verbindende Element als integraler Teil der Transportkette zwischen den entsendenden Nationen in jedwedes Einsatzgebiet darstellen – quasi von der strategischen Verlegung zur „Reception“.

Abbildung 9 – Das Netzwerk (schematisch) © Bundeswehr/LogKdoBw

Bis dahin steht allen Beteiligten am Projekt noch einiges an Engagement, Kompromissbereitschaft und vor allem Arbeit bevor. Auch hier gilt: „Miteinander reden hilft“ und genau dafür bildet dieses Projekt einer permanenten und strukturierten Zusammenarbeit in Europa einen fruchtbaren Boden und sehr ansprechende Perspektiven.

Autoren:

  • Oberst i.G. Henning Weeke, Fregattenkapitän
  • Frank Hallmann; Logistikkommando der Bundeswehr

Abbildungen: Bundeswehr

Der neue Customer Produkt Management (CPM) 2018 aus Sicht des Projektelements Logistik

Der neue Customer Produkt Management (CPM) 2018 aus Sicht des Projektelements Logistik und die Auswirkungen auf das Ausbildungszentrum Technik/Landsysteme (AusbZTLS)

1.  Änderungen zwischen CPM (nov.) und CPM 2018

Am 6. Juni 2018 wurde der neue CPM erlassen. Damit ist er nach dem Verfahren zur Entwicklung und Beschaffung von Wehrmaterial (EBMat), das bis zum Jahr 2001 galt, das vierte Verfahren, das zum Ziel hat, die Rüstung schneller und effektiver zu gestalten. Schon im Vorwort vom CPM (nov.) aus dem Jahr 2013 hieß es, dass sich „der …CPM grundsätzlich bewährt“[1] hat. Jedoch ist er in der konkreten Umsetzung “charakterisiert durch fehlendes Fähigkeitsmanagement, einen langwierigen Abstimmungs- und Entscheidungsprozess, zunehmende Beschaffungskosten, zersplitterte Verantwortlichkeiten und Kompetenzbereiche und daraus resultierend intransparente Prozesse und schwerfällige Kommunikationsstrukturen, immer noch zu langsam“[2]. Generell setzte der CPM (nov.) auf klare Verantwortlichkeiten, verbunden mit eindeutigen Entscheidungskompetenzen, einem weitgehenden Verzicht auf Mitzeichnungen und reduzierten Schnittstellen. Wesentlicher Schritt war die Einrichtung des Planungsamtes als einziger Bedarfsträger und der integrierten Projektteams (IPT), in denen alle Beteiligten an einem Tisch zusammenarbeiten und gemeinsam das Projekt voranbringen.

Der CPM 2018 bleibt auf dieser Linie und bringt Ergänzungen. Diese resultieren aus der Agenda Rüstung und nehmen die bisherigen Vereinfachungen, die durch Erlasse geregelt waren, in den CPM als Abweichungen vom Basisverfahren auf. Im Einzelnen sind das:

  • das Verfahren zur Beschaffung handelsüblicher IT-Technik,
  • das vereinfachte Verfahren für Beschaffungen bis 500.000,- €,
  • Sofortinitiativen für den Einsatz und
  • multinationale Projekte.

Zusätzlich wird die neue Schnittstelle durch die Errichtung des Organisationsbereichs (OrgBereich) Cyber- und Informationsraum abgebildet. Eine weitere wesentliche Änderung ist, dass die vorher eher nebenbei erwähnten Projektelemente alle ein eigenes Kapitel bekommen haben. In diesen werden konkrete Vorgaben für die Einbringung in das jeweilige CPM-Dokument gemacht.

2.    Projektelement Logistik

In den folgenden Ausführungen wird auf das Projektelement Logistik eingegangen, da dieses wie bisher auch das Hauptaugenmerk des Ausbildungszentrums Technik Landsysteme (AusbZTLS) ist. Allen Projektelementen gemeinsam ist, dass die Forderungen schon in das CPM-Dokument Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung (FFF) einzubringen sind. Im Kapitel Verfahrensübergreifende Anteile ist erwähnt, dass wesentliche Forderungen an die Logistik unter Beteiligung der fachlich zuständigen Stellen einzubringen sind. Für Landsysteme des Heeres wird dies durch das Amt für Heeresentwicklung (AHEntwg) mit den Bevollmächtigten Vertretern des Heeres (BV H) erarbeitet. Dies erfolgt amtsintern und bezüglich technisch-logistischer Forderungen wird das jeweilige CPM – Dokument an den Bereich Technik / Logistik des AusbZTLS zur Mitprüfung weitergeleitet. Dort ist die Fachexpertise gebündelt, um die technisch-logistische Beratung der jeweiligen BV aller OrgBereiche zu leisten. Für andere Landsysteme wird das AusbZTLS durch die BV der anderen OrgBereiche entsprechend beteiligt.

Weiterhin ist eine wesentliche neue Forderung, dass die nach dem CPM beschafften Lösungen alle „bruchfrei im Logistischen System der Bundeswehr (LogSysBw)“[3] abzubilden sind. Die Umsetzung ist in einem zum LogSysBw kompatiblen Projektbezogenem Logistischen Konzept (PLK) festzuhalten und fortzuschreiben. Außerdem wird auf weitere Regelungen zum Beispiel der Bereichsweisung „Ausplanung und Ausgestaltung des Projektelements Logistik verwiesen, in denen ergänzende Hinweise und Verfahren für das BAAINBw beschrieben sind.

Schon in den ersten Schritten in einem Projekt sind Forderungen an die Logistik zwingend aufzunehmen, um die Rahmenbedingungen festzulegen. Dies beginnt mit den Forderungen des Bedarfsträgers, der diese im Priorisierten Forderungskatalog festlegen muss. So kann es zum Beispiel erforderlich sein, um die Einsatzfähigkeit im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung sicherzustellen, dass die Instandsetzung eines Systems so weit vorn wie möglich sicherzustellen ist. Diese Forderungen haben Auswirkungen auf die auszuwählenden Lösungen und erhebliche Konsequenzen beim Abschätzen eines realistischen Finanzrahmens für die Beschaffung. Und somit werden schon in der Analysephase I erhebliche Auswirkungen auf den späteren Lebensweg des Produkts festgelegt. Umso wichtiger ist es, hier durch den Bedarfsträger realistische Forderungen aufzustellen, die später auch funktionieren können.

Für die Analysephase 2 ist explizit gefordert, dass bei der Erarbeitung der Lösungsvorschläge die jeweiligen Lösungswege unter Berücksichtigung der Logistik zu erarbeiten sind. Hier können auch die ersten Logistic Support Analysis beauftragt werden, um so Risiken und mögliche Kostentreiber früh zu identifizieren. Konkret heißt das, dass jeder Lösungsvorschlag mit einem eigenen PLK betrachtet werden muss. Bei dem Projekt HUSAR wurde dieses beispielsweise durchgeführt. Die Folgekosten bei Ankauf einer ausländischen Lösung nur mit Firmeninstandsetzung können eben deutlich anders sein als bei einer nationalen Lösung mit militärischer Instandsetzung. Daher ist es richtig, schon so früh die PLK zu erarbeiten und zu vergleichen.

In der Realisierungsphase ist das PLK fortzuschreiben und zu verfeinern. Im Rahmen der Integrierten Nachweisführung ist für die technisch-logistische Einsatzprüfung auf die Fachexpertise der technischen bzw. logistischen Schulen / Zentren der OrgBereiche und / oder anderer geeigneter Einrichtungen zurückzugreifen. Dies erfolgt durch die bzw. den jeweiligen BV OrgBereich im Rahmen des IPT.

Bild 1 (IPT)

Insgesamt ist festzustellen, dass der Anteil Logistik im CPM 2018 deutlich an Gewicht gewonnen hat und damit die Erfahrungen aus den Rüstungsprojekten der letzten Jahre eingeflossen sind. Dem Projektleiter (PL) und den BV der OrgBereiche werden zahlreiche Regelungen und Hilfen angeboten, um qualifizierte Aussagen zu treffen.

3.    Möglichkeiten des AusbZTLS bei der Zuarbeit im Projektelement Logistik / Projektbezogenen Logistischen Konzept

In der Analysephase Teil 1 wird durch das AusbZTLS die fachliche Kompetenz über den BV des künftigen Nutzers eingebunden. Auch im IPT bei den Entscheidungen zur Logistik wirkt das AusbZTLS beratend mit. Wohlgemerkt, beratend – die Entscheidungen werden durch die jeweiligen Verantwortlichen im IPT getroffen.

Bild 2 (CPM)

Es ist sinnvoll, bei der Erstellung des CPM – Dokuments FFF, das AusbZTLS in folgende Zuarbeiten einzubeziehen:

  • Beschreibung der Funktionalen Forderung mit dem SOLL-Nutzungsprofil entlang des Projektelements Logistik,
  • Forderung an die Verfügbarkeit der Fähigkeit,
  • Im Rahmen der Kostenabschätzung: Einbeziehen der technisch-logistischen Anforderungen aus den Projektelementen,
  • Zuarbeit beim Risikoabschätzung/-management,
  • Einbringen und Bewerten der logistischen Forderungen im Priorisierten Forderungskatalog.

Durch die Einbindung des AusbZTLS kann hier schon darauf hingewiesen werden, welche anderen Folgen bei einer bestimmten Entscheidung des PL berücksichtigt werden müssen. Wenn man sich beispielsweise für eine rein industrielle Instandsetzung entscheidet, bedeutet das im Umkehrschluss, dass eine größere Umlaufreserve vorzuhalten ist, da sich die Verfügbarkeit des Produkts reduziert. Ebenso sind dann Haushaltsmittel für das Halten der Fachexpertise in den Firmen vorzuhalten, damit auch nach einer mehrjährigen Nutzung u.a. bei technischen Problemen beraten werden kann oder Ausbildungen zum Beispiel nach Produktänderungen für die Truppe durchgeführt werden können.

In der Analysephase Teil 2 wird das Projektelement Logistik fortgeschrieben, ggf. verfeinert und für jeden Lösungsvorschlag ein PLK erstellt. Beim Erstellen der PLK hat das AusbZTLS einen erheblichen Anteil. Besonders wichtig ist die Umsetzung der „strategischen“ Entscheidung des PL in die Verfeinerungen eines PLK, um alle logistischen Punkte anzusprechen und zu bewerten. Durch die Einbindung der fachlich zuständigen Stellen durch den PL erfolgt somit die Bewertung der Lösungsvorschläge im Kontext von technisch – wirtschaftlichen und technisch – logistischen Abhängigkeiten. Das AusbZTLS kann bei den Lösungsvorschlägen Aussagen zur Nutzung unter den Aspekten Logistik, Personal und Ausbildung von Instandsetzungspersonal sowie der Infrastruktur aus logistischer Sicht beitragen. Hier können auch organisatorische Maßnahmen (z.B. Anpassung der Sollorganisation, neue Identifizierungsnummern im Tätigkeitsinformationsverfahren (TIV-Id)) einfließen. Damit ist die Basis für eine funktionierende Logistik gelegt.

Die Realisierungsphase erfordert vom AusbZTLS die Mitarbeit in den Gremien, die der Erstellung und Finalisierung aller produktspezifischen Konzepte dienen. Durch ständige Anpassung des PLK an die Änderungen, die sich im Rahmen der Realisierung ergeben, bleibt es aktuell und ermöglicht auch zukünftig eine Abschätzung der notwendigen Mittel zur Erreichung der Einsatzreife. Weiterhin können in amtsseitigen Untersuchungen auch schon einige Konzepte des jeweiligen Lösungsvorschlags früh betrachtet und bewertet werden, damit spätere, kostentreibende Änderungen vermieden werden. Die Umsetzung der Maßnahmen in den jeweiligen OrgBereichen der künftigen Nutzer wird durch die zuständigen BV veranlasst und überwacht. So ist die in der Regelung geforderte Einbindung der fachlich zuständigen Stellen durch den PL gewährleistet.

Im Rahmen der Integrierten Nachweisführung plant der PL die Prüfung einsatzwichtiger Funktionen unter Berücksichtigung des SOLL-Nutzungsprofils. Dazu dienen einerseits Leistungsnachweise des Herstellers, aber auch Untersuchungen an den Wehrtechnischen Dienststellen. Die Prüfung einsatzwichtiger Funktionen wird durch den künftigen Nutzer durchgeführt. Dazu gehören einerseits eine taktische Einsatzprüfung, aber auch eine technisch – logistische Einsatzprüfung. Die integrierte Nachweisführung bedarf einer genauen Planung und Vorbereitung. Hier unterstützt das AusbZTLS von der Ausgestaltung des Prüfprogramms bis zum Benennen der Voraussetzungen für die technisch – logistische Einsatzprüfung.

Für Landsysteme ist dies der Kernauftrag des Bereichs Technik / Logistik des AusbZTLS. Hier werden bei der Einsatzprüfung die logistischen Forderungen der FFF sowie die Verfeinerungen der Auswahlentscheidung bzw. des PLK mit dem gelieferten Produkt verglichen.

Die Prüfpunkte sind im Einzelnen:

  • Konstruktion und Prüfbarkeit,
  • Sonderwerkzeug, Meß- und Prüfmittel,
  • Ersatzteile,
  • Verpackung / Konservierung,
  • Hüllen und Transportcontainer,
  • Infrastruktur,
  • Instandsetzung– und Prüfanweisungen (dargestellt in der Interaktiven Elektronischen Technischen Dokumentation (IETD)) und
  • Darstellung in Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien (SASPF) und Softwarepflege und –änderung (SWPÄ).

Mit den Ergebnissen der Nachweisführung wird dem jeweiligen Inspekteur bzw. Präsidenten eine Empfehlung zur Übernahme des Produkts ausgesprochen. Dies ist unter anderem für den PL die Voraussetzungen zum Erteilen einer Genehmigung zur Nutzung und dient dem Feststellen der Einsatzreife.

Auch in der Nutzungsphase ist das AusbZTLS weiter in der Projekt- / Produktarbeit eingebunden. Die zu leistenden beratenden Tätigkeiten sind:

  • Koordinieren/Weiterführen der Bearbeitung der Projektelemente,
  • Maßnahmen zum Erhalt der Einsatzreife auch bei PÄ / PV und
  • Koordinieren der IHF-Maßnahmen in Abstimmung mit den BV.

Wie in allen anderen Fällen erfolgt die Einbindung durch die jeweiligen BV. Die dafür notwendigen Fachleute hält der Bereich Technik / Logistik vor, um auch bei schon lang eingeführten Produkten eine qualifizierte Bewertung abgeben zu können. Ist eine militärische Instandsetzung und somit eine Ausbildungsdurchführung am AusbZTLS vorhanden, sind auch im Bereich Lehre / Ausbildung Kenner der Produkte, die ebenfalls hinzugezogen werden. Durch diese Beratung hat der PL ein von der Firma unabhängiges Instrument zur technischen Bewertung.

4.    Zusammenfassung

Im neuen CPM wird die Bedeutung der Projektelemente deutlich stärker hervorgehoben. Der PL ist aufgefordert, zeitgerecht und sehr früh die fachlich zuständigen Stellen einzubinden und in die Projektarbeit zu integrieren. Dieses erfordert auch eine gründliche Planung der jeweiligen Arbeitsschritte. Aber bei einer entsprechenden Umsetzung wird die Logistik dann auch nicht mehr der „Bremsklotz“ und „Kostentreiber“ sein, als der sie oft empfunden wird.

Bei der frühzeitigen Berücksichtigung aller Voraussetzungen wird dann das Ziel aller Rüster erreicht werden: Der Truppe zum richtigen Zeitpunkt das benötigte Gerät einsatzreif zur Verfügung zu stellen.

Autor: Oberstleutnant Dipl.-Ing. Jörg-Peter Meier, Dezernatsleiter FüFä/Aufkl/EloKa am AusbZTLS, Ber Techn/Log

[1] CPM (nov.) vom 12.11.12

[2] CPM (nov.) vom 12.11.12

[3] A-1500/3, S. 71

Bedarfsfall BwFPS – Das 555-Tage-Projekt

Bedarfsfall BwFPS – das ist die Übernahme der Logistik an BwFuhrparkService (BwFPS)-Fahrzeugen, -Gerät und Anhängern durch die Bundeswehr, wenn die zivile Industrie diese Arbeiten nicht mehr durchführen kann. Normalerweise sind alle Geräte, die durch die BwFPS GmbH an die Bundeswehr vermietet werden, im „Full Service“ – die gesamten logistischen Aufgaben werden direkt durch die BwFPS GmbH gesteuertund durch Vertragspartner im In- und Ausland durchgeführt. Aber was ist in Krisen- und Kriegsgebieten oder im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung, wenn der Rückgriff auf Vertragspartner nicht gegeben ist? Dann muss die Bundeswehr die Logistik wieder eigenständig durchführen können. Dieser sogenannte Bedarfsfall wurde als Rückfallposition bei der Gründung der BwFPS im Vertrag niedergeschrieben, aber nicht umgesetzt.

Das änderte sich schlagartig mit der Ausplanung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) 2019. Bei den Planungen der Landmobilität stellte das BMVg frühzeitig fest, dass jedes vierte Fahrzeug oder mitgeführte Gerät vom Dienstleister BwFPS GmbH stammt. Daraufhin wurde die Projektleitung BwFPS im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) beauftragt, die Rückfallposition auszuplanen und umzusetzen.

Damit begannen die Herausforderungen: Es gab keinerlei logistische Erfahrung im Umgang mit den Fahrzeugen, hier im Schwerpunkt mit Lastkraftwagen. Auf eine logistische Einsatzuntersuchung wurde nach der Einführung verzichtet, da das zunächst nicht notwendig erschien. Nach den Fahrzeugplanungen der VJTF-Truppenteile wurden vorrangig die Lkw hümS (Lastkraftwagen handelsüblich mit Sonderausstattung) für den Einsatz ausgeplant. Aufgrund der kurzen Zeitvorgaben (Beginn der Planungen Oktober 2016 und Abschluss aller Maßnahmen bis Mitte 2018) konnten nur die zahlenmäßig größten Lkw hümS Berücksichtigung finden.

Folgende Fahrzeuge wurden ausgeplant:

  • Mercedes-Benz „Axor“
  • „Atego“ U5000/U5023
  • „Greenliner“ G280/G300
  • Iveco „Trakker“
  • Scania Sattelzugmaschine
  • die Anhänger von Schmitz-Cargobull und Fliegl.

Zuerst wurde durch das Logistikkommando der Bundeswehr die Instandhaltungsstufe 3 und 24 Stunden Verweildauer innerhalb des logistischen Prozesses festgelegt. Mit dieser Vorgabe wurden die Lkw hümS und Anhänger an das Ausbildungszentrum Technik Landsysteme (AusbZ TLS) in Aachen gesteuert und eine Einsatzuntersuchung durchgeführt. Das Ergebnis mündete ineinen Bericht, der im Schwerpunkt festlegte, dass die Tätigkeiten innerhalb der 24 Stunden in der Instandhaltungsstufe 3 durchzuführen sind und die dazu benötigten Werkzeuge und Sonderwerkzeuge, Mess- und Prüfmittel, Ersatzteile und einen Vorschlag für die Ausbildung der Instandhaltung beinhaltete. Die Untersuchung dauerte fünf Monate und wurde nur durch die schnelle und zügige Zuarbeit der BwFPS ermöglicht. Hier sind vor allem die schnelle Bereitstellung der Werkstatthandbücher und die speziellen Mess- und Prüfgeräte hervorzuheben.

Eine sofortige, unkomplizierte Investition von rund 100 000 Euro wurde getätigt. Ein Projektleiter im BAAINBw hätte hier Wochen oder gar Monate benötigt, diese Investition aufgrund der Rahmenbedingungen des jährlichen Haushalts zu stemmen. Im Sommer 2017 sollten die ersten Lehrgänge an den BwFPS-Fahrzeugen (LKW hümS) starten. Eine Durchführung ist aber nur mit der Bereitstellung der notwendigen Werkzeuge, Sonderwerkzeuge und so weiter möglich. Das gesamte Ausbildungsequipment hatte einen Wert von rund einer Million Euro. Die BwFPS zögerte nicht und löste die Bestellung aus, damit das Ziel „Ausbildungsbeginn nach der Lehrgangspause 2017“ am AusbZ TLS gehalten werden konnte.

Ein Projektleiter im BAAINBw hätte diese Summe mindestens zwei Jahre zuvor im Haushalt anmelden müssen. Damals war das Projekt im BAAINBw jedoch noch gänzlich unbekannt.
Wir befinden uns mittlerweile im Juni 2017:
Das Ausbildungsmaterial ist bereitgestellt worden und die Ausbilder bereiten sich auf die Ausbildung vor. Zwischenzeitlich wurden sie bei den Firmen Mercedes-Benz, Scania und Iveco geschult. Auch diese Kosten wurden durch die BwFPS vorfinanziert. Gleichzeitig wurden die Planungen für die Leistungsbeschreibung der Werkstattausstattung mobile Instandhaltung Bedarfsfall BwFPS (WSA mobIH Bed BwFPS) begonnen.

Lagercontainer mit Ladekran

Hierzu dienten zwei ausgesonderte Container, in denen das notwendige Equipment zur Instandhaltung der Fahrzeuge und Geräte montiert wurde.
Die Planungen auf der Basis von nur zwei Containern ging glücklicherweise auf, trotz integrierter eigener Stromversorgung, Druckluft und Kran. Die Leistungsbeschreibung für die WSA mobIH Bed BwFPS wurde innerhalb von einer Woche im August 2017 durch zwei Stabsoffiziere schriftlich fixiert und der BwFPS zur Ausschreibung an die Vertragspartner zur Verfügung gestellt. Natürlich wurden notwendige Vorarbeiten durch die logistische Einsatzprüfung geleistet.

Zudem wurde auf dem seit fünf Jahre laufenden Projekt der Erneuerung der Werkstattwagen 1 und 2 seitens der Bundeswehr aufgebaut. Große Mitzeichnungsgänge der Leistungsbeschreibung WSA mobIH Bed BwFPS konnten ausbleiben, weil die Bevollmächtigten der TSK/OrgBereiche regelmäßig über den Fortschritt informiert oder direkt in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden wurden.

Die Ausschreibung ist sehr zügig durch die BwFPS erfolgt und bereits im Dezember 2017 konnte der Vertrag mit der Firma zur Herstellung von zehn Systemen der WSA mobIH Bed BwFPS, bestehend aus jeweils zwei Containern, gezeichnet werden. Noch im selben Monat wurde die Startbesprechung zum Projekt mit der Herstellerfirma durchgeführt und im Februar 2018 die finale Containerlösung abgezeichnet. Ende April 2018 konnte bei der Leistungsschau der BwFPS am Stammsitz in Troisdorf der Prototyp zum ersten Mal einem breiteren Publikum vorgestellt werden. Alle Beteiligten waren anwesend und konnten neben den Fahrzeugen und Geräten der BwFPS auch den Prototyp der WSA mobIH Bed BwFPS kennenlernen. Die hier geäußerte, zum Teil auch berechtigte Kritik wurde aufgenommen, zusammengefasst und mit der Herstellerfirma besprochen.
Mitte Juli wurde die erste und Ende August 2018 die letzte WSA mobIH Bed BwFPS mit einer feierlichen Zeremonie an das Logistikbataillon 172 übergeben. Nur zwei Tage nach dieser Übergabe wurden die Systeme für den Transport nach Norwegen zu „Trident Juncture“ 2018 für den Schiffstransport vorbereitet und versandt.
Derzeit läuft noch das Projekt der „24 Stunden“- Bereitstellung der Ersatzteile. Ein erster Erfolg ist die Bereitstellung der Container „Baugruppe Rad“. In zwei Containern, die bei der unterstützenden Einheit implementiert wurden, sind alle gängigen Räder eingelagert. Der Abruf wird über SASPF mit dem entsprechenden IH-Auftrag möglich. Weiterhin ist die Ausschreibung für die Container „Ersatzteile“ noch in vollem Gange. Wegen der hohen Vielfalt der Fahrzeuge und Anhänger werden für die unterstützenden Einheiten jeweils vier Container mit 650 verschiedenen Ersatzteilen (insgesamt 2550) bereitgestellt. Damit ist eine schnelle Verfügbarkeit gewährleistet.

Die BwFPS war zeitlich und personell sehr stark in die Prozesse eingebunden. Erst nach Auslieferung des gesamten Equipments, hierzu gehörten auch noch die Bereitstellung der allgemeinen Mess- und Prüfmittel für die Schirrmeister, Hauptuntersuchungs-Adapter für die Prüforganisation der Bundeswehr sowie die Anpassung der Ausbildungsausstattung des AusbZ TLS, konnten die monatlichen Mietpreise festgelegt werden. Ebenfalls erst Ende des Jahres 2018 wurde die Gesamtrechnung seitens der Bundeswehr beglichen. Der Schwerpunkt bei allen Beteiligten lag bei einer zeitgerechten Bereitstellung. Dieses Projekt war ein Novum in der Bundeswehr.

Wie der Titel schon andeutet, wurde dieses aufwändige Projekt innerhalb von nur 555 Tagen (von der Beauftragung der Projektleiter BwFPS im BAAINBw bis zur Auslieferung der ersten WSA mobIH Bed BwFPS) vollumfänglich umgesetzt.

Dies wurde nur möglich, weil allen Beteiligten das Ziel bekannt war und die Investitionssumme durch die BwFPS vorerst getragen wurde. Mit mehr Freiheiten für die Projektleitung im BAAINBw könnte die materielle Ausstattung der Bundeswehr wesentlich schneller, effektiver und effizienter durchgeführt werden. Es muss nicht immer ein Projekt aus dem Bereich „komplexe Dienstleistungen“ der Taktgeber sein.

Einer kleinen schlagkräftigen Mannschaft aus Soldaten und Mitarbeitern der BwFPS haben wir den schnellen Erfolg zu verdanken. Kurze Wege, kompetente Ansprechpartner und regelmäßige Besprechungen – ohne Mangelverwaltung – haben diesem Projekt den Erfolg gesichert.

Autor:

Oberstleutnant Sirko Bednarski
BAAINBw E3.2
Projektleitung BwFPS


Einen weiteren Artikel zu diesem Thema aus der Sicht des Ausbildungszentrums Technik Landsysteme (AusbZ TSL) finden sie hier.