Das Technisch-Logistische Management – Dienstleister im Hauptprozess Rüstung/Logistik

Stellt man einem KI-Chatbot die Frage „Was ist Technisch-Logistisches Management (TLM) in der Bundeswehr?“, so erhält man diese oder ähnliche Antworten:

„Das Technisch-Logistische Management (TLM) in der Bundeswehr bezieht sich auf die Planung, Durchführung und Kontrolle von logistischen Prozessen, die für den Betrieb und die Instandhaltung von militärischen Systemen und Ausrüstungen erforderlich sind. Es umfasst die Beschaffung, Lagerung, Wartung und den Transport von Material und Ressourcen. Ein wichtiger Aspekt ist die Integration von technischen und logistischen Anforderungen, um die Effizienz und Effektivität der militärischen Einsätze zu maximieren. Dies beinhaltet auch die Analyse von Daten und die Anwendung moderner Technologien, um logistische Abläufe zu optimieren. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu gewährleisten und gleichzeitig Ressourcen effizient zu nutzen.“

Dies ist grundsätzlich bereits sehr nah an der realen Lage. Der im Chatbot aufgeführte Aspekt einer Maximierung von Effektivität und Effizienz militärischer Einsätze – diese Reihenfolge scheint angesichts der geopolitischen Lage angemessener – beschreibt das Ziel sämtlicher Managementtätigkeiten im Management. Für ein besseres Verständnis der Anforderungen an das TLM empfiehlt sich ein Blick in das Prozessmodell der Bundeswehr, in welchem die Aufgaben des Technisch-Logistischen Managements abgebildet sind: Zusammengefasst ist es eine Managementtätigkeit zur Herstellung und Aufrechterhaltung der Einsatz- und Versorgungsreife. Es soll die zuverlässige Verfügbarkeit von Produkten für den operativen Einsatz jederzeit gewährleisten, eine ressourcenoptimierte und wirtschaftliche Nutzung ermöglichen und Informationen für die Weiterentwicklung der Produkte liefern.

Arbeitsvorgänge im Hauptprozessanteil Logistik

Daraus wurden Aufgabenfelder abgeleitet. Diese stellen in ihrer Gesamtheit ein umfassendes Prozessmodell für Daten und Informationen zur Verfügung. Dies belegt den Dienstleistungscharakter von TLM gegenüber den anderen Geschäftsprozessen in den Hauptprozessen Logistik und Rüstung. Technisch-Logistisches Management bezieht Lagebilder über die Einsatzfähigkeit von Produkten mit ein und liefert die Datenbasis für führungsrelevante logistische Entscheidungen. Warum ist das wichtig?

Kriegstauglichkeit

Die Bundeswehr muss einsatzbereit, muss kriegstauglich sein. Alle militärischen Systeme müssen im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung effektiv und zuverlässig funktionieren. Das bedeutet, dass sie in einem Zustand sind, der einen sofortigen Einsatz ohne erforderliche umfangreiche Vorbereitungen oder Reparaturen ermöglicht. Vorhersehbare Ausfälle im Einsatz gilt es weitestgehend zu vermeiden. Ebenso entscheidend für die Kriegstauglichkeit ist die Bereitstellung von Informationen über logistische Ressourcen wie Ersatzteile, Treibstoff und Munition. Ein darauf basierendes, gut organisiertes logistisches System stellt sicher, dass diese Ressourcen schnell und effizient an die Einsatzorte gelangen.

Der Einsatz moderner Technologien, wie zum Beispiel digitale Systeme zur Überwachung und Analyse von Ausrüstungszuständen, kann die Kriegstauglichkeit erheblich verbessern. Sie ermöglichen eine prädiktive Wartung und eine bessere Planung der logistischen Unterstützung.

Durch Logistic-Support-Analysis über den gesamten Lebensweg des Produktes werden im Technisch-Logistischen Management beeinträchtigende Risiken identifiziert und vermieden, bevor Auswirkungen auf die Kriegstauglichkeit spürbar werden. Dies umfasst auch die Entwicklung von Strategien zur Risikominderung durch ein strukturiertes Obsoleszenz-Management.

Die Gewährleistung der Kriegstauglichkeit ist ein komplexer und fortlaufender Prozess, der insbesondere aus logistischer Sicht eine enge Zusammenarbeit verschiedenster Akteure und eine sorgfältige Planung erfordert. Für diese Sorgfalt liefert das TLM die benötigten Informationen und stellt dazu erforderliche Standards bereit. Doch wie macht Technisch-Logistisches Management das?

Aufgabenfelder im Technisch-Logistischen Management

Stammdatenpflege

Planung, Durchführung und Überwachung von Rüstungsprojekten erfordern Daten. Diese Stammdaten ermöglichen die zweckbestimmte Nutzung der eingeführten Produkte bis zum Ende ihrer Nutzungsdauer. Stammdaten sind essenziell für die Durchführung sämtlicher logistischer Prozesse. Zu diesen Stammdaten gehören technische Dokumentationen, Materialinformationen, Herstellerinformationen, Stücklisten, für die Instandhaltung erforderliche Daten, wie zum Beispiel technische Strukturen, Instandhaltungsanleitungen und vieles mehr. Eine sorgfältige Pflege dieser Stammdaten ist wichtig, um jene Qualität der Informationen sicherzustellen, die zur Erfüllung der logistischen Aufgaben erforderlich ist. Denn ungenaue oder veraltete Daten können zu Fehlentscheidungen, ineffizienten Prozessen und erhöhten Kosten führen. Zentrale Datenbanken erleichtern den Zugriff und die Aktualisierung der Informationen. Dies ermöglicht eine konsistente Datenbasis für alle Produktlebenszyklus, die Single Source of Truth.

Aufgabenfelder TLM

Daten sind das neue Gold. Nur mit guten, also validen und aktuellen Daten können KI-Systeme trainiert und angewendet werden. Dazu müssen Stammdaten regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, um Änderungen in den Projekten, neuen Erkenntnissen zu Technologien oder Marktbedingungen Rechnung zu tragen. Die Bundeswehr hat zum Erreichen des Ziels einer hohen Datenqualität eine umfassende Organisation eingeführt, die sich ausschließlich um Datenqualität kümmert: die Data Governance Organisation der Bundeswehr. Diese macht im Rahmen eines reaktiven Datenmanagements Vorgaben zur Überprüfung der Qualität der genutzten Stammdaten. Im Hauptprozess Logistik wird dies mithilfe spezieller Tools und der Umsetzung von Datenqualitätsregeln (DQ-Regeln) praktiziert und lässt sich mit dem Motto „Finde den Fehler“ umschreiben. Mit Einführung der Tools und Workflows eines aktiven Datenmanagements sollen Stammdaten künftig schon vor ihrer Nutzung in Prozessen durch möglichst automatisierte Ableitungen und Validierungen qualitätsgesichert werden. Hier heißt das Motto „Fehler vermeiden“ mit dem Ziel, die Datenqualität signifikant zu steigern. Aufgrund der Bedeutung der Datenpflege ist hierfür besonders geschultes Personal zwingend erforderlich. Nur so können dauerhaft spezifische gesetzliche und regulatorische Anforderungen eingehalten werden. Mit der Data Governance der Bundeswehr wird so für die Nutzung von Waffensystemen ein datenzentrierter Ansatz etabliert (Änderung Mindset). Dessen Komplexität wird anhand der genutzten Datenqualitätsdimensionen für DQ-Regeln deutlich.

Die Arbeitsschritte des Technisch-Logistischen Managements tragen dazu bei, qualitätsgesicherte Daten und Informationen unter anderem für alle logistischen Prozesse bereitzustellen, um deren prozessualen Ablauf zu ermöglichen beziehungsweise zu unterstützen und somit insbesondere Prozessabbrüche sowie Prozesshemmnisse zu verhindern. Dies beschreibt den Dienstleistungscharakter gegenüber anderen Geschäftsprozessen am treffendsten.

Hier die Schritte, die im Technisch-Logistischen Management exemplarisch dazu beitragen, im Produktlebenszyklus aktuelle und gute Daten bereitzustellen.

Katalogisierung

Katalogisierung ermöglicht die Identifizierung eines Produkts nach einheitlichen Standards und die Ansprechbarkeit innerhalb von IT-Systemen. Alle relevanten Informationen über Produkte werden im Rahmen der Katalogisierung systematisch erfasst und in Datenbanken verwaltet. Dabei gilt es, NATO-Standards zu berücksichtigen und einzuhalten. Dies ermöglicht auch, dass Informationen nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für viele internationale Nutzende deutscher militärischer Produkte leicht zugänglich und durchsuchbar sind. Durch eindeutige Identifizierbarkeit von Material können die richtigen Teile zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitgestellt werden. Dies ist entscheidend für die Planung und Durchführung von logistischen Prozessen im internationalen Umfeld, insbesondere in kritischen Situationen. Durch das standardisierte System der NATO-Kodifizierung werden Interoperabilität und Versorgungssicherheit erhöht. Darauf aufbauende Versorgungsartikelkonzepte legen fest, welche Erzeugnisse unterschiedlicher Hersteller in ihren formalen, technischen und stofflichen Merkmalen übereinstimmen und bündeln diese. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kosteneinsparungen durch höhere Bestellmengen, Verringerung der Anzahl an tatsächlich zu bewirtschaftendem Material und Beschleunigung der Instandhaltungsprozesse durch schnellere Verfügbarkeit von Ersatz- und Austauschteilen (ET/AT).

Die Integration der Katalogisierungsergebnisse in moderne IT-Systeme ermöglicht eine bedarfsgerechte Bestandsüberwachung und -verwaltung durch automatisierte Systeme auf der Grundlage dieses Ordnungssystems. Katalogisierung trägt also dazu bei, die Effizienz und Transparenz in der Verwaltung logistischer Ressourcen zu erhöhen. Sie bietet eine Basis für fundierte Entscheidungen in der Logistik.

Produktbeobachtung

Die Produktbeobachtung in Rüstungsprojekten erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus von militärischen Waffensystemen und Ausrüstung. Sie umfasst die systematische Überwachung und Analyse von Produkten in der Entwicklung, vor allem aber in der Nutzungsphase, um sicherzustellen, dass sie den definierten Anforderungen und Standards entsprechen.

Dazu wird die Qualität der Produkte regelmäßig überprüft, um Zuverlässigkeit und Langlebigkeit sicherzustellen. Dies ist besonders wichtig in einsatzentscheidenden und sicherheitskritischen Bereichen. Sensordaten und Messwerte werden erhoben und analysiert. Schwächen oder Einschränkungen in der Nutzung werden durch Beanstandungsmeldungen gesammelt, ausgewertet und durch die Projektleitung Produktänderungen und -verbesserungen daraus abgeleitet – zukünftig idealerweise mit KI-Unterstützung.

Datenqualitätsdimension im Datenmanagement Logistik

Produktänderungen/-verbesserungen

Werden aus der Produktbeobachtung heraus Erkenntnisse deutlich, die eine Anpassung des bestehenden Produktes notwendig oder sinnvoll erscheinen lassen, sind diese Forderungen hinsichtlich technischer und wirtschaftlicher Auswirkungen zu bewerten und kostengünstige Lösungen zu verfolgen. Zu den TLM-Aufgaben der Projektleitung im Rahmen einer Produktänderung gehören dann das Erarbeiten von Änderungsforderungen und Änderungsgenehmigungen, das Erfassen und Planen der Leistungen von entwicklungstechnischer Betreuung, die Planung der integrierten Nachweisführung und die Durchführung der Einsatzprüfung. Ziel ist die zeitgerechte und einsatzreife Bereitstellung der geänderten Produkte, einschließlich der zugehörigen geänderten Materialgrundlagen, technischen Objekte und technischen Dokumentationen beziehungsweise Regelungen. Bei Bedarf ist erneut eine Katalogisierung bei der Katalogisierungsstelle für die geänderten Produkte zu erwirken. Im Gegensatz zur Produktänderung hat die Produktverbesserung einen Fähigkeitsaufwuchs und/oder eine technische Verbesserung eines bereits eingeführten Produkts zum Ziel. Sie wird daher wie ein neues Beschaffungsvorhaben bearbeitet. Die Produktverbesserung wirkt sich in operationeller, logistischer, technischer oder wirtschaftlicher Hinsicht aus. Die TLM-Aufgaben sind wie bei einem neuen Produkt von Beginn an zu durchlaufen.

Planung und Steuerung produktbezogener Ressourcen

Der Erhalt der Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft des Produktes in der Nutzungsphase ist eine der wesentlichen Aufgaben der Nutzungssteuerung. Dazu sind alle benötigten Maßnahmen so früh und detailliert wie möglich zu planen, um die notwendigen Ressourcen, wie zum Beispiel Ersatz- und Austauschteile, Instandhaltungskapazitäten, Infrastruktur und qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen und zielgerichtet nutzen zu können. Zur Planung und Steuerung dieser produktbezogenen Ressourcen nutzt die Bundeswehr im Rahmen der Nutzungssteuerung von Waffensystemen die „produktbezogene Fachplanung”. Diese berücksichtigt die Bedarfshistorie und die zukünftig beabsichtigte Nutzungsintensität, um strategisch den Bedarf an Ersatz- und Austauschteilen, und Dienstleistungen zu ermitteln. Daraus werden Haushaltsmittelbedarfe abgeleitet und die entsprechende Umsetzung initiiert. In diesem Sinne stellt TLM einen Teil der Planungsgrundlage für die Finanzierung von Waffensystemen in der Nutzungsphase zur Verfügung.

Konfigurationsmanagement

Durch Produktänderungen und -verbesserungen können neue Varianten eines Waffensystems entstehen. Im TLM sorgt das Konfigurationsmanagement als systematischer Ablauf dann dafür, dass die Integrität und Konsistenz von Produkten und Systemen während ihres gesamten Lebenszyklus´ gewährleistet sind. Alle Änderungen oder Versionen werden produkt- und stückbezogen dokumentiert. Dies ermöglicht eine klare Nachverfolgbarkeit und hilft, den Überblick über die aktuellen technischen Fähigkeiten der Systeme zu behalten. Sind Änderungen an einem System nötig, werden diese kontrolliert und genehmigt, um sicherzustellen, dass sie den festgelegten Anforderungen. Regelmäßige Überprüfungen bezwecken, dass die Systeme den Qualitätsstandards entsprechen und ordnungsgemäß funktionieren. Durch Änderungen oder durch ungünstige Konfigurationen, zum Beispiel Software-Inkompatibilitäten, erwartbare Risiken werden frühzeitig identifiziert, bewertet und geeignete Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen. Das Konfigurationsmanagement stellt dadurch sicher, dass alle Teile eines Systems zusammenarbeiten und Änderungen in einem Bereich keine unbeabsichtigten Auswirkungen haben.

Insgesamt trägt das Konfigurationsmanagement im Technisch-Logistischen Management also dazu bei, die Effizienz, Zuverlässigkeit und Sicherheit von Produkten und damit die Einsatzfähigkeit für die Streitkräfte zu erhöhen.

Zusammenfassung

Daten sind die Zukunft. Daten ermöglichen innovative Anwendungen. Daten stellen Prozesse sicher. Das Technisch-Logistische Management stellt Prozesse und Tools bereit, um diese Daten umfassend und qualitativ hochwertig zu erzeugen, zu analysieren und zu nutzen. Es bietet die Grundlage für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, des Machine Learning, des Digitalen Zwillings oder einfach nur der Prognose von Material- und Instandhaltungsbedarfen. Technisch-Logistisches Management als Geschäftsprozess ist Dienstleister für die Projektleitungen und Nutzenden bei der Einführung, bei der Nutzung und bei der Ausphasung von Waffensystemen. Auch wenn es prozessbezogen nicht unbedingt im Rampenlicht steht, bereitet es doch die Basis für alle logistischen Prozesse und deren reibungslosen Ablauf. Insofern trägt Technisch-Logistisches Management zur Erhöhung der Verfügbarkeit von Waffensystemen und damit direkt zur Steigerung der Einsatzbereitschaft und Kriegstauglichkeit der Bundeswehr bei. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Erstveröffentlichung in Europäische Sicherheit & Technik, 23.09.2025, www.esut.de

Titel: Das Technisch-Logistische Management – Dienstleister im Hauptprozess Rüstung/Logistik

Autor: Oberstleutnant Oliver Erhardt

Bilder: ©Bundeswehr

QUADRIGA 2025: Größte Übung des Jahres – der Unterstützungsbereich macht es möglich

Die jährlich stattfindende Übung Quadriga ist eine der größten multinationalen Übungen Europas im Jahr 2025. Soldatinnen und Soldaten der Marine, des Heeres, der Luftwaffe, des Cyber- und Informationsraums sowie des Unterstützungsbereichs übten dieses Jahr gemeinsam in Deutschland, Litauen, Finnland und auf der Ostsee.

Über 2.000 der rund 8.000 deutschen Kräfte stammten aus dem Unterstützungsbereich der Bundeswehr. Mit Logistik, Sanitätsdienst, Pipelinepionieren, ABC-Abwehrkräften und Feldjägern schufen sie die Grundlagen, die eine solche Großübung überhaupt erst ermöglichten. Die Gesamtunterstützung des Bereichs zeigte sich dabei in quasi allen Teilübungen von Quadriga 2025. Denn ohne die Unterstützer geht nichts.

Unterstützer in Aktion – Beitrag zu einer erfolgreichen Großübung 

Jede vierte Soldatin oder Soldat bei Quadriga 2025 stammte aus dem Unterstützungsbereich. Dabei trainierten sie vor allem in den kombinierten Logistikübungen Brave Blue und Safety Fuel, unterstützten aber auch Teilübungen des Heeres und der Marine.

Absolut zentral am Erfolg von Quadriga war das Logistikzentrum des Unterstützungsbereich: Es plante und koordinierte alle Märsche über Land, See und Luft und war somit der „Taktgeber“ für die Verlegung aller Kräfte in den Übungsraum. Knotenpunkt war dabei der vom Logistikbataillon 163 RSOM („Reception, Staging, Onward Movement“) betriebene Hafenumschlag in Rostock und Klaipėda. Eine in der NATO einzigartige Fähigkeit, welche den Unterstützungsbereich der Bundeswehr auszeichnet.

Rein personell leistete das Logistikregiment 1 mit rund 1.750 Soldatinnen und Soldaten, 850 Fahrzeugen und 350 Anhängern den größten Beitrag aus dem Unterstützungsbereich. Während der Teilübung Brave Blue setzen seine Bataillone 161 und 171 ein sogenanntes „Logistisches Netzwerk im Einsatzland“ in Litauen auf, welches die Heereskräfte der Teilübung Grand Eagle mit Munition, Verpflegung, Ersatzteilen und Betriebsstoffen versorgte.

Drohnenaufnahme. Im Vordergrund zwei Spähwagen Fennek vor einem Tanklaster. Zwei Soldaten knien auf den Fenneks und betanken sie. Im Hintergrund warten weitere Fahrzeuge.  ©Bundeswehr/PIZ Ustg

Über Litauen hinaus waren die Logistikbataillone 172 und 472 mit Erkundungskommandos in die Übung Brave Blue eingebunden. Ihr Auftrag war, alternative Einsatzräume zu erkunden, die genutzt werden könnten, wenn der Verlauf eines heißen Konflikts dies fordert. Auch Litauens Nachbarland Lettland steuerten die Erkundungstrupps an, denn für die Bundeswehrlogistik ist das gesamte Baltikum mögliches Einsatzgebiet.

Bei der Teilübung Safety Fuel sorgte das Spezialpionierregiment 164 mit ungarischen Alliierten für die Spritversorgung, indem sie gemeinsam ein mobiles Feldtanklager aufbauten und betrieben. Darüber hinaus übten sie die Wasseraufbereitung.

Pipelinepioniere des Spezialpionierregiments 164 beim Aufbau des Feldtanklagers, ©Bundeswehr/Katharina Waier

ABC-Abwehrkräfte und Feldjäger leisteten Brandschutz und militärpolizeiliche Unterstützung und fungierten als Überteilnehmer.

Sanitätsdienst übt auf hoher See

Doch nicht nur die Logistiker, sondern auch der Sanitätsdienst macht die jährliche Großübung möglich. Gemeinsam mit der Marine führte er die Übung Role2Sea 2025 durch. Dabei übten Ärztinnen, Notfallsanitäter und anderes Fachpersonal der Bundeswehrkrankenhäuser die durchgängige Rettungskette von Verwundeten an Bord auf See bis an Land in zivile Krankenhäuser. Simuliert wurde ein Unfall auf dem Minenjagdboot „Pegnitz“ mit rund 30 Verwundeten.

An einer Übungspuppe nehmen Soldatinnen und Soldaten des Sanitätswesens im Schockraum eine Operation vor. Bei Quadriga 2025 üben sie unter anderem die Role 1 und Role 2 in der Rettungskette. ©Bundeswehr/Susanne Hähnel

Im iMERZ (integriertes Marineeinsatzrettungszentrum) einer Behandlungseinrichtung der Role 2 erfolgte die chirurgische Akutversorgung, die intensivmedizinische Überwachung sowie die Überwachung und Pflege der Patientinnen und Patienten nach Operationen. Danach wurden „verwundete“ Personen mit dem Medevac zur weiteren medizinischen Versorgung von See aufs Land in zivile Krankenhäuser gebracht. Das erfolgt teils auch per Lufttransport mit Hubschraubern.

Aber auch auf sandigem Boden trainierten Role 2-Kräfte des Sanitätsregiments 1 – ebenfalls verstärkt durch Ergänzungspersonal aus den Kliniken der Bundeswehr – in Litauen Seite an Seite mit Einsatzstaffeln der Sanitätszentren Erfurt und Köln die Abläufe in der Rettungskette. Dabei unterstützten sie die Heeresübung Grand Eagle auch mit Real Life Support.

Die Möglichmacher der Bundeswehr

Die Unterstützerinnen und Unterstützer stellen mit ihren hochspezialisierten Fähigkeiten sicher, dass die kämpfende Truppe verlegen, kämpfen und durchhalten kann. Ob es darum geht die schnelle und reibungslose Verlegung zu planen, Verwundete zu versorgen, oder den Nachschub an Treibstoff, Material oder Trinkwasser sicherzustellen: Funktionierende Unterstützung legt die Grundlage für glaubhafte Abschreckung – gerade im Bündnisgebiet und in Zusammenarbeit mit multinationalen Partnern der NATO und EU.

Dass Deutschland damit die NATO-Ostflanke stärkt, die Einsatzbereitschaft seiner Streitkräfte erhöht und die gesamtstaatliche Abschreckung nachhaltig unterstützt, ist daher auch dem essentiellen Beitrag des Unterstützungsbereichs zu verdanken.

Erstveröffentlichung in YNSIDE, 22.09.2025

Autor: Jonas Kellner 

Umschlagsystem Crayler für PzBrig 45

Die Panzerbrigade 45 in Litauen setzt das Umschlagsystem Feldladegerät FLG 140 Crayler für leichte,
mittlere und mechanisierte Kräfte ein. Das FLG Crayler ist bereits seit Jahren bei der Bundeswehr in Nutzung und aus der Logistikkette des Sanitätsdienstes und der Division Schnelle Kräfte nicht mehr wegzudenken.
Mit den deutschen Panzergrenadieren der PzBrig 45 kommt dieser Stapler nun auch im Baltikum bei der neu aufgestellten „Litauenbrigade“ zum Einsatz.

In einer umfangreichen Vergleichserprobung mit anderen Umschlagsystemen wurde der Crayler ausgewählt, um am Schützenpanzer Puma den An- und Abbau der Schutzmodule schnell und präzise durchführen zu können. Als Alleinstellungsmerkmal unter den logistischen Umschlagsystemen ist im Falle des Crayler das System Mensch/Maschine entkoppelt. Dies ermöglicht dem Bediener genau dort zu stehen wo er den besten Blick hat. Ein unschätzbarer Vorteil bei der Montage und Demontage der Schutzmodule, der zum Teil auf engstem Raum stattfinden muss.

Das Feldladegerät Crayler hier beim Entladen von Munition
Foto: Bundeswehr / Blauer Bund

Crayler kann natürlich auch Materialumschlag

Dem Pragmatismus der Truppe geschuldet ist die zusätzliche Nutzung des Staplers in seiner ureigenen Funktion, dem Umschlag von Versorgungsgütern. Der kompakte Crayler kann durch nahezu alle Transportfahrzeuge mitgeführt werden – auf der Pritsche, in einem Container oder per Fahrzeuganhänger – so dass der Materialumschlag im gesamten Verantwortungsbereich des Bataillons beziehungsweise der Brigade durchgeführt werden kann. Die außergewöhnlich hohe Geländegängigkeit kombiniert mit den kompakten Abmessungen ermöglicht es, das Material bis in die Kompanie- und Zugebene anzuliefern.

Die Geländegängigkeit des Crayler kann durch Einsatz eines Gurtbandlaufwerks (GBL) noch einmal gesteigert werden. Die Kettenlaufwerke mit endlosen Gummiketten ersetzen jeweils ein Rad und werden als Bausatz zur Montage durch die Truppe geliefert. Aber nicht nur die Mobilität und Geländegängigkeit, auch die Nutzlast steigt durch die Anwendung der GBL. Die Nutzung von GBL erhöht generell die Mobilität im schweren Gelände und reduziert gleichzeitig den Bodendruck, was wiederum den Einsatz auf weichen Böden, Schlamm und Schnee ermöglicht.

Zuerst erschienen in Soldat&Technik am 05. Mai 2025

Autor: André Forkert

Bildquelle Beitragsbild: Bundeswehr / Kai Karsten Kupferschmitt

Vorrat, Nachschub, Versorgung – General Breuer besichtigt Bundeswehrdepot

„Haben ist besser als brauchen“ heißt es in der Truppe – insbesondere, wenn ausreichendes Material Mangelware ist. Diese Weisheit hat sich auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, zu Herzen genommen. Er besuchte jetzt das Bundeswehrdepot West in Mechernich, einem jener Depots, welche die Truppe mit einem Vorrat an Ersatzteilen und Munition versorgen.

„Kriegstüchtigkeit wird auch in unseren Vorratslagern erreicht“, stellte General Breuer heute auf einem seiner Social-Media-Kanäle fest. Zuvor hatte der deutsche Generalinspekteur sich im Rahmen einer Dienstaufsicht im Depot West in Mechernich die materiellen Reserven der Streitkräfte angesehen.

General Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, besuchte das Materialdepot West der Bundeswehr.
Foto: Bundeswehr / Blauer Bund

„Die Ausrüstungsbestände füllen sich zunehmend“, freute sich General Breuer. „Auch hier kommt die Zeitenwende an.“ Versorgung und Logistik sind elementare Bestandteile des neu aufgestellten Unterstützungsbereichs, der für ein Funktionieren der Truppe unverzichtbar ist.

Insgesamt verfügt die Bundeswehr über vier Depots für Material und vier Depots für Munition – jeweils eins pro Himmelsrichtung. Jedes Depot verfügt über untergeordnete Materiallager, die über ganz Deutschland verteilt sind. Über 1,2 Millionen verschiedene Artikel werden von den Depots bevorratet und verwaltet. Für einen Vorrat an besonderen Materialien wie Sanitätsmaterial oder ABC-Material gibt es gesonderte Lager.

Logistikdrehscheibe im Westen – Bundeswehrdepot Mechernich

 Das vom Generalinspekteur besuchte Bundeswehrdepot Mechernich (NRW) ist einer der wichtigsten Logistikstandorte der Bundeswehr in Westdeutschland. Es gehört zum Logistikkommando der Bundeswehr und übernimmt zentrale Aufgaben in der Versorgung, Lagerung und Instandhaltung von Material für die Streitkräfte. Das Depot, zu dem fünf Materiallager in anderen Städten gehören, spielt eine Schlüsselrolle bei der logistischen Unterstützung von Einsätzen im In- und Ausland.

Blick in ein Materialdepot der Bundeswehr.
Foto: Bundeswehr / Anne Weinrich / Blauer Bund

In dem großflächigen Areal werden unter anderem Ersatzteile, Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeugkomponenten auf Vorrat gelagert und für den Weitertransport vorbereitet. Darüber hinaus ist das Depot auch für die Rücknahme und Aufarbeitung von Material nach Auslandseinsätzen zuständig.

Zuerst erschienen in Defence-Network am 02. Mai 2025

Autor: Navid Linnemann

25.000 Gäste erwartet – Logistikschule der Bundeswehr öffnet am Tag der Bundeswehr ihre Tore

Ein Tag ganz im Zeichen der Streitkräfte: Bereits zum zehnten Mal lädt die Truppe am 28. Juni 2025 zum Tag der Bundeswehr. Zehn Standorte öffnen bundesweit ihre Tore und präsentieren die ganze Vielfalt der Streitkräfte.

Die Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt (Osterholz-Scharmbeck) ist einer dieser Kasernen. An der größten Ausbildungseinrichtung der Streitkräfte können Bürgerinnen und Bürger Logistik hautnah erleben. Das Spektrum wird um alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr erweitert. So werden sich auch Heer, Luftwaffe, Marine und der Cyber- und Informationsraum präsentieren. Neben jeder Menge Informationen können die Gäste bei interaktiven Aktionen mitmachen oder dynamische Live-Shows verfolgen.

Auch Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz stellen sich an diesem Tag in der Lucius D. Clay-Kaserne vor. Auf dem Übungsgelände zeigen unterschiedlichste Fahrzeuge, was sie können. Das Mitfahren in verschieden Fahrzeugen wird, wie sonst beim Tag der offenen Tür in Garlstedt üblich, möglich sein. Aber auch in der Luft wird einiges zu beobachten sein, wenn etwa der A400M, Tornados oder Eurofighter den Himmel streifen.
Ein Bühnenprogramm und zahlreiche Informations- und Mitmachstände runden den Tag ab. Für das leibliche Wohl ist natürlich ist ebenso gesorgt.

Auch wenn die Tore an diesem Tag geöffnet sind, wird es am Eingang Kontrollen geben, damit keine gefährlichen Gegenstände mitgeführt werden. Haustiere dürfen ebenfalls nicht mit und müssen zuhause bleiben. Ausnahmen gibt es ausschließlich für Assistenzhunde.
Das Parken auf dem Kasernengelände ist an diesem Tag aufgrund der Größe des Events leider nicht möglich. Hierzu wurden im näheren Umfeld der Kaserne Parkflächen für Pkw, Motorräder etc. angemietet von welchen man mit Bundeswehrbussen kostenlos zwischen den Parkflächen und der Kaserne sowie zurück geshuttled wird.

Darüber hinaus wird ein ziviler kostenloser Busshuttle ab 08:00 Uhr zwischen dem Bahnhof Osterholz-Scharmbeck und der Kaserne Gäste zum Veranstaltungsgelände und zurück befördern.

Alle wichtigen Informationen, Antworten auf häufige Fragen und die am Tag geltenden Sicherheitshinweise sind auf der Internetseite Tag der Bundeswehr in Osterholz-Scharmbeck zu finden.

Tagesaktuelle Information gibt’s es über den eigens hierfür eingerichteten WhatsApp-Kanal Tag der Bundeswehr Osterholz-Scharmbeck

der über den QR-Code (siehe Abbildung) abonniert werden kann.

 

Text: Kathleen Maderthoner/Bundeswehr
Bilder: LogSBw/Bundeswehr

Wichtiger Schritt zur Reorganisation der Bundeswehr: Unterstützungskommando ist einsatzbereit

Als wichtiger Schritt zur Reorganisation der Bundeswehr erreichte das Unterstützungskommando der Bundeswehr in Bonn im April 2025 seine volle Befähigung zur Wahrnehmung des Auftrags. Aus Streitkräftebasis in Bonn und Zentralem Sanitätsdienst in Koblenz sowie dem Planungsamt in Berlin und weiteren Dienststellen des bisherigen Territorialen Führungskommandos entstand der Unterstützungsbereich. Mit einem Umfang von rund 55.000 Dienstposten ist er der zweitgrößte Organisationsbereich der Bundeswehr.

Unter Führung des Unterstützungskommandos der Bundeswehr bündelt der Unterstützungsbereich operationsentscheidende Fähigkeiten bei Logistik, ABC-Abwehr und Feldjägerwesen für die Durchhalte- und Überlebensfähigkeiten und damit die Resilienz der Streitkräfte. Der Unterstützungsbereich steht auch für die grundlegende Lebens- und Funktionsfähigkeit der kompletten Bundeswehr und hat im gesamtstaatlichen Zusammenwirken über das Verteidigungsressort hinaus eine besondere Bedeutung.

Ferner ist das Unterstützungskommando der Bundeswehr die zentrale Steuerungsinstanz für die Gesundheitsversorgung sowie den Fachdienst Sanität in der Bundeswehr. Die Einbindung des Sanitätsdienstes in den Unterstützungsbereich erfolgte mit der Auf- und Unterstellung des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr als Fachkommando ebenfalls im April 2025.

Mit den unterstellten und in ihrer Fachlichkeit gestärkten Fähigkeits- und Fachkommandos ermöglicht der Unterstützungsbereich passgenau Lösungen aus einer Hand in den immer und überall von den Streitkräften benötigten unterstützenden Fähigkeiten. Nur aus der Bündelung begrenzter Ressourcen lassen sich maximale Synergien erschließen. Im Ergebnis lässt sich daraus für die Streitkräfte maximale Effektivität bei größtmöglicher Effizienz im Rahmen des absehbar Vorhandenen gewinnen.

Die fachliche Eigenständigkeit der Fähigkeits- und Fachkommandos für Logistik, ABC-Abwehr, Feldjägerwesen und Sanitätsdienst ist der Schlüssel zum Erfolg, um jede Fähigkeit für sich und aus einer Hand geschlossen zu entwickeln und einheitlich ausgebildete und ausgestattete, interoperable, einsatzbereite Kräfte zu gewinnen.

Generalleutnant Gerald Funke verantwortet als erster Befehlshaber die Führung des Unterstützungskommandos der Bundeswehr. Als sein Stellvertreter und zugleich Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr fungiert Generaloberstabsarzt Dr. med. Ralf Hoffmann.

Für dem neuen Befehlshaber bleibt die weitere Ausrichtung des Unterstützungsbereichs auf die Landes- und Bündnisverteidigung „handlungsleitend“. Dabei stelle das Jahr 2029 in bedrohungsbewertender Hinsicht ein wichtiges Zwischenziel dar. Das enthebe den Unterstützungsbereich aber nicht von der Verpflichtung, jederzeit mit der vorhandenen Ausrüstung und Ausstattung einsatzfähig zu sein und sich kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Quelle: PIZ UstgKdoBw/Bildrechte: Bundeswehr

Das Logistikkommando der Bundeswehr: Eine Schlüsselfähigkeit des neuen Unterstützungsbereichs

Am 29. April 2025 wird der neue Unterstützungsbereich der Bundeswehr in Bonn offiziell in Dienst gestellt, nachdem bereits zum 1. April die volle Einsatzfähigkeit erreicht worden war. Mit der Aufstellung des neuen Unterstützungsbereichs wird der besonderen Herausforderung der Verteilung knapper Schlüsselfähigkeiten in der Bundeswehr Rechnung getragen.

Eine dieser Schlüsselfähigkeiten ist die Logistik. Sie wird durch das Logistikkommando der Bundeswehr in Erfurt in den Unterstützungsbereich eingebracht. Es verfügt über rund 16.000 Dienstposten und damit über ein Drittel des gesamten Personals im Unterstützungsbereich.

Das Logistikkommando der Bundeswehr stellt mit seinen Fähigkeiten und Kräften alle Leistungen der Basislogistik in Deutschland sowie aus Deutschland heraus sicher. Die mobilen Logistiktruppen bilden hierfür ein Netzwerk im Einsatzgebiet und sind in der Lage, alle Einsatzkräfte der Bundeswehr mit Ersatzteilen, Munition, Kraftstoff, Marketenderwaren und Feldpost zu versorgen sowie Instandsetzungsarbeiten durchzuführen. Die Güter werden zu Land, Luft und See umgeschlagen, in den logistischen Einrichtungen gelagert und den Einsatzlogistiken zugeführt.

Eine Leistung des Logistikzentrums der Bundeswehr:
Verschiedene Fahrzeuge, darunter vorne vom Typ BV 206 S Hägglunds der Gebirgsjägerbrigade 23,
stehen für die Verladung im Hafen von Emden für die Übung Nordic Response im Rahmen der Übungsreihe QUADRIGA am 16.02.2024 bereit.
Bildrechte: Bundeswehr/Susanne Hähnel

Im Einsatzgebiet setzen die mobilen Logistiktruppen der Basislogistik eigenes Schadmaterial instand. Sie sind darüber hinaus mit dem Spezialpionierregiment 164 in Husum in der Lage, Feldlager sowie Feldtanklager einzurichten und zu betreiben. Das Spezialpionierregiment 164 verfügt zudem über die Fähigkeiten, Pipelinesysteme instand zu setzen, Brunnen zu bohren und Wasser aufzubereiten. Die Leistungen der mobilen Logistiktruppen der Basislogistik im Einsatz werden durch die Logistikregimenter koordiniert. Dabei werden die Leistungen Dritter, zum Beispiel gewerblicher Dienstleister und Verbündeter, aktiv im Einsatz eingebunden.

Der Kommandeur des Logistikkommandos, Generalmajor Jochen Deuer, ist zugleich der General Bundeswehrlogistik. Er trägt unterhalb des Bundesministeriums der Verteidigung die übergreifende Verantwortung für die Steuerung, Koordination und Weiterentwicklung des logistischen Systems in der gesamten Bundeswehr.

Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben sind dem Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr das Logistikzentrum der Bundeswehr, die Logistikschule der Bundeswehr, das Zentrum für Kraftfahrwesen der Bundeswehr und die mobilen Logistiktruppen mit zwei Regimentern und acht Bataillonen unterstellt.

Quelle: PIZ UstgKdoBw

Melanie Rohe durfte selbst Hand anlegen – und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen Quelle: HIL GmbH, Blauer Bund

Über den Tellerrand schauen: Zu Besuch in der Instandhaltung

Dr. Melanie Rohe, stellvertretende Projektleiterin des zukünftigen Systems Schützenpanzer Rad im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, tauschte ihren Arbeitsplatz für ein paar Tage, um neue Eindrücke zu sammeln: Es ging zur Heeresinstandsetzungslogistik, kurz HIL GmbH, in Hammelburg.

Schwerpunkt des Besuchs: Instandhaltungen am Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug Boxer  – dem „Mutterschiff“ der Infanterie. Melanie Rohe begleitete Mitarbeitende der HIL GmbH, die sich um die Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen und Geräten der Bundeswehr kümmern, bei der täglichen Arbeit. Die Referentin aus der Abteilung Kampf im BAAINBw wollte damit noch tiefer in die Technik einsteigen – um so noch umfangreichere Fachkenntnisse in ihr Projektmanagement einfließen lassen zu können.

„Aus meiner Sicht gehört mehr zum Projektmanagement, als die Dokumentenlage zu prüfen, einzelne Prozesse zu überwachen und die Nachweisführung sicherzustellen. Wenn ich für die Beschaffung eines Fahrzeugs mitverantwortlich bin, muss ich das System im Ganzen verstehen und auch einen Einblick in die Fristen- und Instandsetzungsarbeiten bekommen“, betont Rohe. Insbesondere die Einführung des „Common Drive Module“ sei ein wichtiger Aspekt, weil dieses neue Standard-Fahrmodul ebenfalls Teil des Schützenpanzers Rad sein wird. Es hat beispielsweise eine höhere Traglast, neue Reifen und ein verändertes Fahrwerk. „Bunte computergenerierte Bilder reichen mir für den Informationsgewinn – zum Beispiel über die Unterschiede der beiden Fahrmodule – nicht aus.“

Selbst Hand anlegen

So wurde zum Beispiel die Trennung des Fahr- und Missionsmoduls durchgeführt, das Triebwerk gezogen, die Schnelltrennkupplung zwischen dem Triebwerk und Verteilergetriebe gelöst, die Reifen demontiert sowie die Bremsen geprüft und gereinigt. „Ich hatte überhaupt keine Vorstellung, wie groß der Aufwand von Instandhaltungsarbeiten am GTK ist. Der Umfang ist wesentlich zeitintensiver als bei bisher eingeführten Radsystemen, wie zum Beispiel beim Allschutz-Transport-Fahrzeug Dingo. Neben dem Schrauben habe ich auch einen Einblick in die administrativen Aufgaben der Fahrzeuginstandsetzung bekommen“, berichtet die Referentin.

Melanie Rohe durfte selbst Hand anlegen – und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen Quelle: HIL GmbH, Blauer Bund
Melanie Rohe durfte selbst Hand anlegen – und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen
Quelle: HIL GmbH, Blauer Bund

Ergänzend zu den Schraubertätigkeiten wurde auch eine Eingangsprüfung des GTK Boxer durchgeführt. Diese umfasst zum Beispiel den einwandfreien Zustand des Fahrzeugs, die Dichtigkeit und die Funktionsprüfung aller Teilsysteme. „Besser bekannt als ZDF – Zustand, Dichtigkeit, Funktion“, so Rohe. Mithilfe der Eingangsprüfung werden eventuelle Schäden identifiziert und der Instandsetzungsaufwand definiert. Nach der Eingangsprüfung startet gleichzeitig auch die Ersatzteilbeschaffung, um das Fahrzeug wieder schnellstmöglich einsatzfähig zu machen und dann der Truppe zur Verfügung zu stellen.

„Der Einblick in die Instandhaltung war sehr informativ, spannend und am Ende des Tages natürlich auch körperlich anstrengend. Besonders beeindruckt hat mich nicht nur die fachliche Kompetenz der Mitarbeitenden vor Ort, sondern auch die freundliche und kollegiale Einweisung in das Tagesgeschäft“, resümiert Melanie Rohe. Und eines sei sicher, sagt sie: Das sei nicht ihr letzter Besuch gewesen.

Text: PIZ AIN

Das Interesse an Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen ist groß. Über 120 Teilnehmende kamen nach Mannheim zum Symposium. Blauer Bund

Symposium „Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen“

Vom 5. bis 6. November 2024 fand zum vierten Mal das Symposium „Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen“ am Bildungszentrum der Bundeswehr statt. Unter dem Motto „Die Bundeswehr auf dem Weg zur Verbesserung der Kriegstüchtigkeit“ versammelten sich über 130 Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen der Bundeswehr, Ämtern, Dienststellen und relevanten Unternehmen, um aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde, wie bereits im Vorjahr, von Brigadegeneral Schmidt, dem Abteilungsleiter Kampf im BAAINBw, und Direktor WTD 41, Simon, eröffnet.

Ein Blick auf die Herausforderungen

In seiner Eröffnungsrede wies Brigadegeneral Schmidt auf die wachsenden Herausforderungen im Beschaffungswesen hin. Der Personalkörper des Beschaffungsamtes wächst nicht im gleichen Maße wie die Anzahl der Beschaffungsprojekte, insbesondere der 25-Millionen-Euro-Vorlagen. Dies führt zu einem Mangel an Experten an neuralgischen Positionen, was die Effizienz der Beschaffungsprozesse beeinträchtigt. Der Ukraine-Konflikt hat zudem zusätzliche Begehrlichkeiten geschaffen, wie etwa eine rasche Ersatzteilversorgung auf Zuruf. Eine weitere Herausforderung stellt die D-LBO dar, die durch die Vielzahl unterschiedlicher Funkgeräteausstattungen in den verschiedenen Fahrzeugen entsteht.

Waffensysteme und ihre Eignung

Die Wehrtechnische Dienststelle für landgebundene Fahrzeugsysteme, Pionier- und Truppentechnik, stellte klar, dass Waffensysteme nach der DIN-Vorschrift Reifegradanalyse betrachtet werden müssen. Diese Analyse ist jedoch keine allumfassende Lösung. Auch marktverfügbare Fahrzeugsysteme müssen ihre Eignung unter militärischen Bedingungen nachweisen. Ein Mindestuntersuchungsintervall von 4000km auf Teststrecken sollte nicht weiter unterschritten werden, wenn verlässliche Aussagen über die Einsatzbereitschaft erwartet werden.

Prognosetool PRADA und Kaltstartfähigkeit

Das Planungsamt der Bundeswehr präsentierte das Prognosetool PRADA, das zeigt, dass mit ausreichend großen Datenmengen Ausfallwahrscheinlichkeiten von Systemen gut vorausgesagt werden können. Am Beispiel der Panzerbrigade 45 wurden Ideen vorgestellt, wie die Herstellung der Einsatzbereitschaft („Kaltstartfähigkeit“) auch auf deutsche Verbände angewandt werden könnte. Notwendige Voraussetzungen müssen jedoch erfüllt sein, um diese Konzepte erfolgreich umzusetzen.

AG Zuverlässigkeit und Leitfaden

Aus der Erkenntnis, dass Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit im CPM (Customer Product Management) zu wenig Berücksichtigung fanden, entstand die AG Zuverlässigkeit. Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, einen anwendbaren Leitfaden zu erstellen, der bald veröffentlicht werden soll. Dieser Leitfaden wird – inzwischen bei der Beschaffungsvariante nach den Regeln der „Projektbezogene Bedarfsdeckung und Nutzung“ (PBN) – dazu beitragen, die Standards für die Zuverlässigkeit von Waffensystemen zu erhöhen und die Materialerhaltbarkeit zu verbessern.

3D-Druck als Lösung

Eine vielversprechende Möglichkeit zur raschen Ersatzteilbeschaffung ist der 3D-Druck. Dieser ist bereits in die Bundeswehr eingeführt und funktioniert sowohl für Kunststoffe als auch Metalle. Über 4000 Teile wurden bereits erfolgreich gedruckt. Im Rahmen des Symposiums konnte ein entsprechender Drucker live beim Druck in Augenschein genommen werden, was die Möglichkeiten dieser Technologie eindrucksvoll demonstrierte.

Herausforderungen bei der Instandsetzung

Für die Baugruppe Rad gibt es zur Zeit nur zwei Bundeswehr-Standorte, die Radbaugruppen instandsetzen können. Einerseits sollen Radbaugruppen sofort verfügbar sein, andererseits dürfen sie nicht überlagert sein. Die Instandsetzung einer Radbaugruppe ist nicht nur abhängig vom Schaden, sondern auch vom Herstellungsdatum des Reifens und ggf. des Notlaufelementes. In einem scharfen Einsatz ist zu erwarten, dass neue Radbaugruppen angefordert werden, ohne dass ein Schadteil zurückgesandt wird. So ähnlich sieht es bei neu eingeführten Projekten aus: Ein hoher Bedarf wird sehr plötzlich gefordert. Zudem ist eine solche Baugruppe relativ komplex aufgebaut und die Bewirtschaftung geschieht dezentral. Es könnte zu nicht abgestimmter Ersatzteilbeschaffung über verschiedenste Kanäle kommen. Da die Rohmaterialien aus verschiedenen Orten der Welt kommen, kann es unter Umständen viele Monate dauern, bis eine Radbaugruppe geliefert werden kann. Bereits die Covid-Krise hat zu Preiserhöhungen und Lieferketten-Abrissen geführt.

Single-Fuel-Policy

Zur Kriegstüchtigkeit unserer Fahrzeugflotte gehört auch die Umsetzung der Single-Fuel-Policy. Teilweise sind Fahrzeuge oder Bauteile jedoch dafür nur bedingt tauglich. Hier besteht Verbesserungspotential bei der Härtung entsprechender Baugruppen, insbesondere der Einspritzausrüstung. Das Konzept „Landmobilität der Bundeswehr“ liefert noch keine klare Handlungsgrundlage zur Nutzung von F-63 für zukünftige Systeme.

Das Interesse an Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen ist groß. Über 120 Teilnehmende kamen nach Mannheim zum Symposium. Blauer Bund
Das Interesse an Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen ist groß. Über 130 Teilnehmende kamen nach Mannheim zum Symposium. © Bundeswehr, BiZBw

Zulassungswesen

Alle gesetzlichen Vorgaben müssen dennoch weiterhin erfüllt werden; insbesondere bei der Zulassung. Einem Fahrzeug, das den wesentlichen Anforderungen der StVZO nicht entspricht, kann grundsätzlich keine Ausnahmegenehmigung nach § 70 erteilt werden. Dennoch sei zu bemerken, dass das ZKfWBw bisher noch jedes Fahrzeug bis zur Zulassung begleitet hat.

Beispiel Kampfpanzer Leopard

Am Beispiel Kampfpanzer Leopard 2 wurde eindrucksvoll dargestellt, dass es ohne Versorgungsreife keine Einsatzbereitschaft gibt. Wehrmaterial unterliegt ständigen Änderungen, welche die Versorgung nicht vereinfachen. Es stellt sich die Frage, wann der K-Stand festgelegt werden sollte. Es gibt Argumente, die eine möglichst frühe K-Standsfestlegung sinnvoll erscheinen lassen und es gibt Argumente dagegen.

Cybersicherheit

Die Idee eines auch gegen Cyberangriffe resilienten digitalen Versorgungssystems wurde vorgestellt. Der Grundgedanke ist Dezentralisierung: Sämtliche Daten des Versorgungssystems könnten in der Form einer Blockchain in mehreren Knotenpunkten vorhanden sein, die sich im permanenten Informationsaustausch befinden, so dass bei Ausfall eines Knotenpunktes, das Gesamtsystem und die Informationen erhalten bleiben.

Main Ground Combat System (MGCS)

Beim MGCS sollen bereits in der Planung logistischen Vereinfachungen Rechnung getragen werden. Es soll keine hochkomplexe multifunktionale Plattform, sondern ein Systemverbund dreier Plattformen jeweils mit eigenen Funktionen geben. Fahrwerke und Wannen sollen für alle drei Plattformen gleich sein.

Zusammenfassung

Direktor Simon resümierte, dass sich das Thema „hohe Variantenvielfalt“ wie ein roter Faden durch das gesamte Symposium gezogen hat. Selbst vermeintlich gleiche Fahrzeuge, wie z. B. GTK Boxer, unterscheiden sich schon deshalb, nur weil sie in unterschiedlichen Ländern gefertigt werden.

Völlig im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen verschiedene Fahrzeuge baugleiche Baugruppen hatten. Das war bei der Beschaffung bereits so eingeplant. Obwohl es ein Projektelement Logistik gibt, scheint dieses zu wenig beachtet. Probleme entstehen, wenn neue Systeme zwar beschafft, aber die Vorgaben an die Logistik zu ungenau sind. Der Griff zu marktverfügbaren Produkten ist selten die Lösung und führt meist zu anderen Problemen. Die Herausforderungen zum Betrieb bestehender Systeme ist noch nicht gemeistert und schon werden weitere neue Systeme beschafft. Moderne Systeme können mit herkömmlichen Mitteln gar nicht mehr getestet werden, insbesondere dann nicht, wenn Sollwerte unbekannt sind.

Wieder einmal bot das Symposium die Plattform für einen gelungenen Austausch zwischen Bundeswehr und Industrie.

Save the date

Das nächste Symposium findet vom 11.-13. November 2025 statt. Wenn Sie über das Programm der kommenden Veranstaltungen informiert werden möchten, schicken Sie eine E-Mail an

BiZBwSymposiumLand@bundeswehr.org

Text: Jörg Biemann, Wissenschaftlicher Direktor am BiZBw