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Symbolbild: Das Bild zeigt ein deutsches PAT-RIOT-System während einer Übung, bei der Neubeschaffung wird auf Sattelzüge zurückgegriffen. Blauer Bund

Bundeswehr erhält neue PATRIOT-Luftverteidigungssysteme

Die Bundeswehr beschafft insgesamt vier neue Flugabwehrraketensysteme des Typs PATRIOT. Ein entsprechender Vertrag wurde gestern im Beschaffungsamt der Bundeswehr mit dem Hersteller Raytheon geschlossen. Zuvor hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages das Vorhaben gebilligt. Der Kauf dieser Waffensysteme dient in Teilen gleichzeitig der Wiederbeschaffung der an die Ukraine abgegebenen Feuereinheiten.

„Es wird nicht nur das an die Ukraine abgegebene Material in kürzester Zeit ersetzt, die neuen PATRIOT-Systeme gehören zur aktuellsten Version des bewährten Luft- und Raketenabwehrsystems“, betont der verantwortliche Projektleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw. Vom Angebotseingang im BAAINBw über die parlamentarische Billigung hin zur Unterzeichnung wurden weniger als zehn Monate benötigt.

Symbolbild: Das Bild zeigt ein deutsches PAT-RIOT-System während einer Übung, bei der Neubeschaffung wird auf Sattelzüge zurückgegriffen. Blauer Bund
Symbolbild: Das Bild zeigt ein deutsches PAT-RIOT-System während einer Übung, bei der Neubeschaffung wird auf Sattelzüge zurückgegriffen – ©Bundeswehr/Lars Koch

Jede der Feuereinheiten besteht aus einem Gefechtsstand, den Startgeräten zum Verschuss der PATRIOT-Lenkflugkörper sowie den Radargeräten und weiterem Material. Der Vertrag beinhaltet neben weiteren Unterstützungsleistungen auch die zugehörigen Ersatzteile.

PATRIOT, die Kurzbezeichnung steht für „Phased Array Tracking Radar for Intercept on Target“, zählt zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt. Das Waffensystem wird derzeit von acht europäischen Staaten zur Abwehr von gegnerischen Marschflugkörpern, ballistischen Raketen sowie feindlichen Drohnen und Flugzeugen eingesetzt. Auf eine Entfernung von etwa 100 Kilometern und bis in Höhen von 30 Kilometern können die Abwehrraketen in einer gedachten Kuppel um die Stellung Ziele treffen – abhängig vom eingesetzten Lenkflugkörper.

Text: PIZ AIN

Australian Defence Force's Boxer Combat Reconnaissance vehicles bilden die Basis fuer den "Schwerer Waffenträger Infanterie" der Bundeswehr. Blauer Bund

Schwerer Waffenträger Infanterie löst Wiesel ab: Beschaffungsvertrag mit Australien unterzeichnet

Koblenz/Berlin/Canberra. In einer digitalen „signing ceremony“ wurde am 21.03.2024 die Beschaffung von insgesamt 123 neuen „Schweren Waffenträgern Infanterie“ (sWaTrg Inf) vereinbart. Nach Billigung durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am Vortag konnte der sogenannte Government-to-Government-Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der australischen Regierung geschlossen werden.

Zur Lieferung der gepanzerten Fahrzeuge wird Australien einen entsprechenden Produktionsvertrag mit dem Hersteller Rheinmetall Defence Australia (RDA) abschließen. Die Boxer-Fahrzeuge sWaTrg Inf werden von RDA unter Nutzung der Produktionskapazitäten am „Military Vehicle Centre of Excellence“ in Redbank, Queensland, hergestellt.

Einen weiteren Unterstützungsvertrag wird zwischen dem Beschaffungsamt der Bundeswehr und Rheinmetall Landsysteme (RLS) geschlossen, der zur Unterstützung in der Nutzung dient und eine Verfügbarkeitsgarantie beinhaltet.

Das Vertragswerk für den schweren Waffenträger wird eingerahmt durch einen Vier-Parteien-Vertrag, der verschiedene Themen zwischen allen Beteiligten regelt, darunter auch die Gewährleistung. Finanziert wird das Vorhaben aus dem Sondervermögen Bundeswehr.

Diese Initiative verkörpert das beeindruckende Niveau der Zusammenarbeit und Innovation mit der australischen Regierung als engem Sicherheitspartner. Der Government-to-Government-Vertrag ermöglicht Deutschland die schnellstmögliche Beschaffung von marktverfügbarem Material bei voller Forderungserfüllung zum Einstieg in die Mittleren Kräfte des Heeres.

Ein Australian Army Boxer Combat Reconnaissance Vehicle bei der Übung Talisman Sabre 23. © Australian Gouvernment, Department of Defence Blauer Bund
Ein Australian Army Boxer Combat Reconnaissance Vehicle bei der Übung Talisman Sabre 23. © Australian Gouvernment, Department of Defence

Das Vorhaben wird auf Basis der australischen Boxer-Variante „Combat Reconnaissance Vehicle – RECON II“ realisiert, die dort im eigenen Projekt „LAND 400 Phase 2“ entwickelt wurde. Dieses System besteht aus einem Boxer-Fahrmodul und einem spezifischen Missionsmodul mit bemanntem Turm. Die Grundkonfiguration des Fahrzeugs ermöglicht die kurzfristige Bereitstellung einer weiteren Variante in der BOXER Produktfamilie und die mittelfristige Versorgung über das bestehende logistische System der Bundeswehr. Zusätzliche Ausbildungen können außerdem deutlich reduziert werden. Gleichzeitig gewährleistet der Kauf marktverfügbarer Fahrzeuge in Australien die schnellstmögliche Ausrüstung der Mittleren Kräfte des Heeres.

Der Radpanzer dient, als Nachfolgesystem des Waffenträgers Wiesel 1, der direkten taktischen Feuerunterstützung und weitreichenden Panzerabwehr für die Infanterieverbände der Bundeswehr.

Er vereint die Fähigkeiten von bisher zwei Wiesel 1-Varianten sowie der zum Munitionstransport eingesetzten Zusatzfahrzeuge in einer Plattform und stellt einen idealen Mix aus hoher Verfügbarkeit, Schutz und Modularität dar. Das Waffensystem ermöglicht zudem kurzfristig von anderen Nationen unabhängige Schritte in Richtung Mittlerer Kräfte und damit die mittelfristig dringend gebotene Interoperabilität mit Verbündeten.

Australian Defence Force's Boxer Combat Reconnaissance vehicles bilden die Basis fuer den "Schwerer Waffenträger Infanterie" der Bundeswehr. Blauer Bund
Australian Defence Force’s Boxer Combat Reconnaissance vehicles bilden die Basis für den „Schweren Waffenträger Infanterie“ der Bundeswehr. © Australian Gouvernment, Department of Defence

Ein erstes Referenzfahrzeug soll noch in diesem Halbjahr zu Nachweiszwecken zur Verfügung stehen. Insgesamt werden 123 schwere Waffenträger an Deutschland geliefert werden. Die ersten 19 Serienfahrzeuge werden ab 2025 erwartet. Bis 2030 sollen die restlichen 103 Fahrzeuge zulaufen.

Text: PIZ AIN

Für die Bundeswehr wird das Skyranger 30-System mit einem Boxer realisiert. ©Rheinmetall Electronics GmbH Blauer Bund

Mobile Flugabwehr: Bundeswehr beschafft neue „Flak-Panzer“

Mit der Beschaffung des Flugabwehrkanonenpanzers, kurz „Flak-Panzer“, des Typs Skyranger 30 schließt die Bundeswehr eine Fähigkeitslücke im Bereich der mobilen Abwehr unbemannter Luftfahrzeugsysteme (Counter-Unmanned Aircraft System, C-UAS). Ein entsprechender Vertrag wurde Ende Februar 2024 im Beschaffungsamt der Bundeswehr mit der Firma Rheinmetall Electronics GmbH unterzeichnet. In der Vorwoche hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages das Vorhaben gebilligt.

Die Präsidentin des BAAINBw und Vertreter der Firma Rheinmetall Electronics GmbH unterzeichneten am 27. Februar den Beschaffungsvertrag für 19 neue Flak-Panzer. Blauer Bund
Die Präsidentin des BAAINBw und Vertreter der Firma Rheinmetall Electronics GmbH unterzeichneten am 27. Februar den Beschaffungsvertrag für 19 neue
Flak-Panzer. ©Bundeswehr/Dirk Bannert

Der nun geschlossene Vertrag sieht die Beschaffung eines Prototyps sowie von 18 Serienfahrzeugen des neuen Flak-Panzers vor. Die Lieferung des Prototyps soll bereits Ende 2024 erfolgen. Die Seriengeräte werden nach erfolgreicher Qualifikation ab Anfang 2026 erwartet. Zusätzlich besteht die Option für die Beschaffung 30 weiterer Systeme. Basis wird das gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug Boxer sein, auf dem die Komponenten zur Flugabwehr installiert werden.

Das Teilsystem des Luftverteidigungssystems im Nah- und Nächstbereichsschutz wird zunächst mit einer Maschinenkanone im Kaliber 30 Millimeter und dem Lenkflugkörper Stinger ausgestattet. Später soll außerdem ein weiterer Lenkflugkörper ergänzt werden, um die Abwehrfähigkeit gegen Angriffe aus der Luft zu verstärken. Der neue Panzer ist so aufgebaut, dass er ohne großen Aufwand mit bereits bestehenden Komponenten der Luftverteidigung kombiniert und in deren Einheiten komplett integriert werden kann.

Für die Bundeswehr wird das Skyranger 30-System mit einem Boxer realisiert. ©Rheinmetall Electronics GmbH Blauer Bund
Für die Bundeswehr wird das Skyranger 30-System mit einem Boxer realisiert. ©Rheinmetall Electronics GmbH

Mit der Beschaffung des Skyranger 30 wird langfristig die Lücke, die durch die Ausmusterung des Flugabwehrkanonenpanzers Gepard entstanden war, geschlossen.

Text: PIZ AIN

Eine Visualisierung zeigt das geplante Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz. Blauer Bund

Neues Luftverteidigungssystem für mittlere Distanzen

Um eine Fähigkeitslücke in der bodengebundenen Luftverteidigung zu schließen, beauftragte das Beschaffungsamt der Bundeswehr Ende Januar 2024 die Arbeitsgemeinschaft Nah- und Nächstbereichsschutz mit einem entsprechenden Entwicklungsauftrag. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Unternehmen Rheinmetall Electronics, Diehl Defence und Hensoldt Sensors.

Aufgrund eines Vertragswertes über 25 Millionen Euro wurde das Vorhaben zuvor durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gebilligt.

Das Vorhaben „Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz“, kurz LVS NNbS, soll den Schutz von bewegten Truppen der Landstreitkräfte gegen Angriffe aus der Luft sicherstellen. Zusätzlich ist es auch für den sogenannten Raumschutz, wie zum Beispiel kritische Infrastruktur geeignet.

Eine Visualisierung zeigt das geplante Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz. Blauer Bund
Eine Visualisierung zeigt das geplante Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz. – ©ARGE NNbS GbR

Kern des nun beauftragten Entwicklungsvorhabens ist die Optimierung der Luftverteidigung bis zu 40 km Reichweite sowie die Entwicklung von hochmobilen Komponenten. Diese sollen die Fähigkeit besitzen, Landstreitkräften im Gefecht folgen zu können um diese vor Angriffen aus der Luft zu schützen. Der Fokus liegt auf der Modularität und der Vernetzung auch zu anderen Luftverteidigungssystemen der NATO.

Neben der Einbindung von bereits in anderen Teilstreitkräften eingesetzter Waffensysteme, sollen später auch schnell verfügbare Einzelkomponenten in das Gesamtsystem NNbS eingebunden werden können. Das erhöht die Wirksamkeit der nationalen und internationalen Luftverteidigung signifikant.

Nach derzeitiger Planung sollen die Prototypen ab 2027 qualifiziert werden, um die Serienproduktion ab 2028 zu ermöglichen.

Text: PIZ AIN

Zwei Jahre nach der Zeitenwende in der Deutschen Sicherheitspolitik-Bestandsaufnahme der Folgen für Gesellschaft und Bundeswehr

4. April 2024 | 17:30 – 20:00 Uhr | Bonn

Am 27. Februar 2022 hatte Bundeskanzler Olaf Scholz als Reaktion auf die brutale und völkerrechtswidrige Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine die „Zeitenwende“ ausgerufen. Putins Krieg gegen die Ukraine markiert das Ende regelbasierter Sicherheits- und Friedenspolitik mit vielfältigen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und fordert die demokratischen Staaten heraus. Doch die NATO steht zusammen, stellt die Bündnis- und Landesverteidigung wieder in den Mittelpunkt, verstärkt den Schutz ihrer Ostgrenze und unterstützt die Ukraine auch mit der Lieferung von Kriegswaffen. Die Bundesregierung hat auf die wachsenden Bedrohungen von innen und außen reagiert und erstmals eine Nationale Sicherheitsstrategie erarbeitet. Regierung und Bundestag haben beschlossen, die Bundeswehr mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro besser auszurüsten. Viele Weichen sind bereits gestellt, umfangreiche Beschaffungen eingeleitet, die Struktur der Streitkräfte angepasst. Kritisch zu bewerten sind jedoch unter anderem die Personalgewinnung und die langfristige finanzielle Ausstattung der Bundeswehr.

Um Abschreckung und Verteidigung zu gewährleisten, werden aber auch umfangreiche Maßnahmen im Rahmen der Zivilverteidigung und des Katastrophenschutzes notwendig sein. Die komplexe Sicherheitslage erfordert eine breite gesellschaftliche Debatte über die zukünftige europäische Friedens- und Sicherheitspolitik, über die neue nationale Sicherheitsstrategie, aber auch über Auftrag, Ausrüstung und Struktur der Streitkräfte.

Im Rahmen der Veranstaltung wollen wir mit unseren Expertinnen und Experten und mit Ihnen über die Zeitenwende, ihre Folgen für Gesellschaft und Bundeswehr und den weiteren Handlungsbedarf diskutieren.

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Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.