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Taktische Mobilität in allen drei Dimensionen

Taktische Beweglichkeit im militärischen Kontext bezieht sich auf die Fähigkeit der Truppe, sich schnell, flexibel und effektiv zu bewegen und zu operieren, um sich im Sinne des Eigenschutzes gegnerischen Bedrohungen zu entziehen oder selbst vorteilhafte Positionen einzunehmen. Dies umfasst sowohl die individuelle Beweglichkeit des Einzelschützen als auch die der Trupps, Gruppen oder Einheiten.

Der Mammoth von Defenture bildet die Basis für das neue Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug 2 (AGF2) des Kommando Spezialkräfte. Hier als Herstellerfahrzeug auf den DALO Days 2025, ausgestattet mit einer Version der Dillon Aero Minigun sowie am Heck dem System ROSY und Schützendetektionssystem PILAR V. ©AF

Die taktische Beweglichkeit wird durch eine Kombination aus (Kraftfahr-)Ausbildung, taktischer Planung sowie Ausrüstung – hier vor allem durch wendige und noch bemannte Fahrzeuge – sichergestellt. Für bestimmte Einheiten weisen diese Fahrzeuge neben der Wendigkeit auch eine entsprechende Schnelligkeit und/oder Luftverladbarkeit/Luftverlastbarkeit auf. Bei der taktischen Beweglichkeit wird zwischen der leichten Infanterie/Spezialkräften, den Mittleren Kräften sowie den Schweren Kräften unterschieden.

Eine Rolle bei den Fahrzeugen spielen neben der Geländegängigkeit und Geschwindigkeit auch die Fähigkeitsforderungen nach Schutz, Nutzlast, Größe und Gewicht. Diese stehen oft in Konkurrenz zueinander. Über allem steht die Forderung der Auftragserfüllung: Sie ermöglicht es der Truppe, ihre taktischen Aufgaben effektiv zu erfüllen, indem sie sich schnell anpassen und reagieren kann. Dazu sollen die Plattformen eine möglichst hohe Flexibilität bieten.

Taktische Landbeweglichkeit

Die deutschen Spezialkräfte, hier vor allem das Kommando Spezialkräfte, warten auf den Zulauf des Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeuges 2 (AGF2). Hersteller ist der niederländische Off-Road- und Spezialkräftefahrzeughersteller Defenture. Im April 2024 erfolgte die Übergabe der vier Nachweismuster zur sogenannten integrierten Nachweisführung (Erprobung). Das AGF2 basiert auf dem Mammoth von Defenture. Es wird das AGF Serval von Rheinmetall ersetzen und die zukünftige Mobilitäts- und Feuerunterstützungsplattform für die Kommandosoldaten sein. Mit dem Unterstützungsfahrzeug Kommando Spezialkräfte (UFK) wird es eine Unterstützungsvariante geben.

Laut dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) bietet die Neun-Tonnen-Plattform des AGF2 eine Nutzlast von 3,5 Tonnen. Bis zu 80 Fahrzeuge sind angedacht. Laut BAAINBw handelt es sich um ein „offen gestaltetes Fahrzeugsystem mit integriertem Minenschutz, welches je nach Bedrohungslage mit ballistischen Schutzkomponenten ergänzt werden kann“.

Mitte 2025 gab es eine durch Defenture auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken durchgeführte Veranstaltung zur abschließenden Integration der Ausstattung. Dazu gehören unter anderem eine multifunktionale Tarnbeleuchtung von Diederich Engineering Systems (DES). Neben IR-Scheinwerfern umfasst diese auch die Tarn-Brems- und Schlussleuchten. Die motorisierte Drehringlafette von Sima Innovation kann unterschiedlichste Maschinengewehre (bis Kaliber .50 BMG) sowie Granatmaschinenwaffen aufnehmen. Angedacht ist zudem die Nutzung der Maschinenkanone P20 (M621) im Kaliber 20 x 102 mm von KNDS France. Neben dieser Hauptbewaffnung verfügt das Fahrzeug über eine Kommandanten- und Hecklafette, die MG5s aufnehmen können.

Zum Eigenschutz verfügt das AGF2 über das Schnellnebelsystem ROSY (Rapid Obscuring System) 40 mm von Rheinmetall. Es nutzt drei einreihige Werfer, die in Richtung drei, sechs und neun Uhr zeigen sowie kleinere Varianten mit Frontausrichtung. Dieses wird ergänzt durch das akustische Schützendetektionssystem PILAR V von Metravib Defence. Zuletzt gab es eine Anpassung beim modularen Mastsystem. Der bisher vorgesehene Zippermast ZM_10-060 der Zippermast GmbH soll durch einen etwas schwereren, größeren, aber auch stabileren Mast der Firma Will-Burt ersetzt werden. Dieser kann sowohl die leichten als auch schweren Sensorlasten sicher tragen.

Das Mastsystem soll ein breites Portfolio an Aufklärungs- und Beobachtungssensoren, Effektoren und anderen Nutzlasten aufnehmen können. So wurde in der Vergangenheit die Nutzung des Wirkmittels 90 von Dynamit Nobel Defence (DND) vom Mast aus in Betracht gezogen. Zur Kommunikation werden neben einer Intercom-Anlage diverse Funkgeräte eingerüstet. Die auf Fotos zu erkennende UHF-Tacsat-Antenne AV2091 Egg Beater lässt das L3Harris AN/PRC-117G vermuten. Ein weiteres Funkgerät an Bord dürfte das AN/PRC-160 sein, ebenfalls von L3Harris.

Aktueller Designstand des leichten Luftlandefahrzeugs Tahr in der Frontansicht. ©FTS

Neben dem AGF2 werden die Spezialkräfte die Fahrzeugfamilie leichter, luftlandefähiger Einsatz-/Gefechtsfahrzeuge (le LL EGF) sowie luftlandefähiger Unterstützungsfahrzeuge (le LL UstgFzg) erhalten. Diese wurden im Oktober 2025 durch den Haushaltsausschuss gebilligt, und Ende Oktober wurde ein mehrjähriger Rahmenvertrag für bis zu 200 Fahrzeuge unterschrieben. In der Bundeswehr werden die Fahrzeuge den Namen Tahr tragen. Dieser bezieht sich auf den Himalaya-Tahr, ein ziegenartiges Tier aus dem Himalaya. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um hochmobile, geländegängige, ungeschützte 4×4-Fahrzeuge in der 3,2-Tonnen-Klasse mit offenem Aufbau. Der Tahr stellt eine neu eingeführte Fahrzeugklasse innerhalb der Bundeswehr dar.

Das EGF soll drei Soldaten Platz bieten und per Lafette Waffen bis zum Kaliber .50 BMG nutzen können, unter anderem das bereits auf dem AGF Serval und Airbus H145M LUH SOF genutzte Maschinengewehr hohe Kadenz MG6 (Dillon Aero M134D Minigun). Das UstgFzg ist vor allem für den Materialtransport vorgesehen und bietet nur zwei Sitzplätze. Außerdem wird es leichter bewaffnet sein. Über einen Rahmenvertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren können bis zu 150 EGF und 50 UstgFzg abgerufen werden. Lieferant ist die FTS Flensburg Technology Systems GmbH (FTS). Dabei handelt es sich um ein Joint Venture zwischen Israel Aerospace Industries (IAI) und der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG).

Als Basis der Fahrzeuge dient die IAI ELTA All-Terrain-Fahrzeug-Z-Familie – genauer die ZD-Version mit einer entsprechenden neuen Käfig-Variante. Die Nutzlast soll bei 1,5 Tonnen liegen. Entwickelt, um den spezifischen operativen Anforderungen des Kommandos Spezialkräfte (KSK) gerecht zu werden, ist der Tahr eine leichte 4×4-Plattform, die extreme Geländegängigkeit, schnelle Beschleunigung und außergewöhnliche Stabilität vereint, so FTS bei der Vorstellung. Das Fahrzeugsystem habe sich bereits im Einsatz bei der IDF (Israel Defense Forces) bewährt und biete überlegene Mobilität und Vielseitigkeit für unterschiedliche Einsatzprofile.

Im Rahmen dieses strategischen Projekts wird FTS vom Standort Flensburg aus die langfristige logistische Versorgung sicherstellen und so ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft gewährleisten. Über Deutschland hinaus wird der Tahr auch weiteren internationalen Partnern angeboten, die ein robustes, kampferprobtes Spezialfahrzeug suchen. Die kompletten Fahrzeuge werden im neuen Werk 3 von FFG in Flensburg hergestellt. Erstmals in Deutschland wurde das Konzept auf dem NATO MilEng (Military Engineering) Industry Day 2025 an der Pionierschule in Ingolstadt der Öffentlichkeit gezeigt. Auch auf der Enforce Tac 2026 wird es durch FTS ausgestellt.

Für die Luftlandekräfte sowie anteilig auch für die Spezialkräfte ist der offene Caracal 4×4 von Rheinmetall im Zulauf. Das Fahrzeug basiert auf dem Mercedes-Benz G-Modell mit einem modularen Aufbausystem von  Armoured Car Systems (ACS), das nach dem Lego-Prinzip funktioniert, um eine hohe Flexibilität zu ermöglichen und die Anwendbarkeit des Fahrzeugs zu maximieren. Diese Modularität erlaubt den schnellen Austausch von Aufbauten und die Anpassung an unterschiedliche Rollen wie Transport, Sanitätsdienst oder Führungsunterstützung. Der Aufbau basiert auf einem Gitterrohrrahmen aus Aluminium.

Offen ist noch die Nachfolgeregelung für den Waffenträger Wiesel. Mit dem potenziellen Nachfolger beschäftigen sich die zuständigen Stellen mittlerweile bereits zehn Jahre. Mit dem Abbruch oder der Unterbrechung des Programms Luftbeweglicher Waffenträger (LuWa) auf der Zielgerade scheint der Ausgang offen. Es war beabsichtigt, 89 Fahrzeuge zu beschaffen. Diese teilten sich in 56 LuWa Maschinenkanone, 24 LuWa Panzerabwehr sowie neun LuWa Fahrschule auf. Hinzu kamen die Vorserienfahrzeuge. Die Maschinenkanone sollte ursprünglich das Kaliber 25 mm haben und die Version Panzerabwehr mit MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem) ausgestattet sein. Später wurde die Bordkanone Mauser BK 27 mm vorgegeben.

Mögliches Konzept für einen Nachfolger des Waffenträgers Wiesel: der LuWa-Turm auf einer 6×6-Mobilitätsplattform. ©ACS

Zunächst wurde ein Gesamtsystemdemonstrator Luftbeweglicher Waffenträger (GSD LuWa) durch die IABG entwickelt. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren die Firmen ACS sowie Valhalla Turrets aus Slowenien. Am Ende sollte eine abgespeckte Version, ohne geteiltes Kettenlaufwerk, Hybridantrieb etc. beschafft werden. Doch das Angebot der Rheinmetall Electronics GmbH (RME) als Original Equipment Manufacturer (OEM) lag wohl deutlich über dem, was das Heer bereit war zu zahlen. Es wurde vom Abbruch des Projektes berichtet.

Ein Sprecher des BAAINBw stellt jedoch klar, dass das Projekt LuWa nicht abgebrochen wurde und es sich um ein laufendes Vergabeverfahren handele. Aus dem Amt für Heeresentwicklung ist zu hören, man würde das Projekt aufgrund der zu hohen Kosten gerne abrechen, liegt hier aber nicht auf einer Linie mit dem BAAINBw. Wie es letztendlich ausgeht, ist völlig offen, da nach dem Sondervermögen in einigen Bereichen die Kosten ja kein Hindernis mehr darzustellen scheinen. Aber es gäbe auch Alternativen.

So zeichnete sich die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH bereits bei der letzten Nutzungsdauerverlängerung (NDV) des Wiesel 1 bis 2030 aus. Die Studie von FFG hat weitaus umfassender in den bestehenden Konstruktionsstand eingegriffen, als die aktuelle NDV umfasst. So wurde zum Beispiel das Laufwerk auf fünf Laufrollen verlängert und das Schutzniveau gesteigert. Auch Länge und Dach wurden erhöht und ein neuer Motor geplant. Aber dies war damals nur ein Konzept, nicht bis zu Ende entwickelt und getestet. Zudem ist die Bewaffnung, zumindest beim Wiesel 1 MK, nicht mehr zeitgemäß.

Dennoch wäre wohl die naheliegendste Lösung, dieses FFG-Konzept wieder aufzunehmen und mit dem entwickelten LuWa-Turm zu verbinden. Eine andere Alternative wäre eine Radlösung, zum Beispiel auf Basis des ACS Enok oder Rheinmetall Serval als 4×4 oder 6×6-Plattform. Die Integration der Panzerabwehrbewaffnung MELLS ist bereits mehrfach auf leichten 4×4-Fahrzeugen realisiert und gezeigt worden. Der unbemannte Valhalla-Turm benötigt sicherlich eher ein 6×6-Fahrzeug, aber auch hier gibt es entsprechende Optionen.

Auch ein völlig unbemanntes System – Umnanned Ground Vehicle (UGV) – wäre denkbar. Damit könnte zudem die Größe reduziert und den ohnehin bestehenden Nachwuchs- und Personalproblemen der Streitkräfte Rechnung getragen werden. Optionen unterschiedlichster Natur gibt es auf dem Weltmarkt ausreichend, man muss nur einmal ergebnisoffen nach rechts und links schauen. Oder bereit sein, einfach mehr Geld auszugeben.

Das Combat Boat 90 Next Generation von Saab führt mehrere Detailverbesserungen ein. Es soll wendiger als der Vorgänger sein und Stealth-Eigenschaften haben. ©Saab

Zu Wasser

Für die Fortbewegung auf oder über Wasser laufen derzeit parallel eine ganze Reihe an Projekten. Dazu gehören die neuen Schlauch- oder Einsatzboote mittlerer Reichweite – auch RHIB (Rigid Hull Inflatable Boat) genannt – für das Kommando Spezialkräfte Marine (KSM), die sogenannten Combat Boats für KSM und Seebataillon, die Einsatzboote für die neuen Fregatten F126, der Wunsch nach River-Rhine-Booten und weitere Vorhaben. Ebenfalls Mitte Oktober 2025 billigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung der Einsatzboote mittlerer Reichweite.  Es werden zunächst neun Boote als Festbestellung sowie zwei Optionen mit insgesamt 17 Boote beauftragt.

Die Auslieferung soll 2027 beginnen. Lieferant wird die Yachtwerft Meyer GmbH beziehungsweise deren Mutterfirma sein, der französische Spezialist Zodiac. Damit werden die bisherigen RHIB 1010 ersetzt, die 2026 ihr Nutzungsende erreichen. Um die entstehende Lücke zu schließen, werden zudem vier Elf-Meter-NSWRIB-Boote des US-amerikanischen Herstellers United States Marine Inc. als Übergangslösung beschafft. Diese Boote werden vollständig über Foreign Military Sales (FMS) erworben und entsprechen exakt den Booten, die auch bei den U.S. Navy SEALs im Einsatz sind.

Sowohl für das KSM als auch für das Seebataillon sollen sogenannte Combat Boats beschafft werden. Offiziell gibt es mit Saab aus Schweden und Marine Alutech Oy aus Finnland zwei Anbieter. Saab bietet das Combat Boat 90 (CB90; schwedische Bezeichnung Stridsbåt 90 H) an, Marine Alutech das Watercat M18 AMC. Über beide Boote wurde bereits viel berichtet. Zuletzt hatte 2025 die litauische Marine zwei Watercat-M18-Boote beschafft, und Schweden bestellte in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 23 CB90 Next Generation.

Eine Entscheidung wird in der ersten Jahreshälfte 2026 erwartet. Unklar ist noch, ob es ein gemeinsames Projekt für KSM und Seebataillon geben wird oder jeweils ein eigenes. Sollten es zwei getrennte Projekte werden, wäre es ein Unding, zwei unterschiedliche Bootstypen zu beschaffen – auch wenn die Anforderungen der beiden Nutzergruppen sicherlich nicht zu 100 Prozent identisch sind.

Ein weiteres Projekt sind die Einsatzboote für die neuen Fregatten F126 (Niedersachsen-Klasse). Im Raum stehen sechs Schiffe mit einer entsprechenden Anzahl an Einsatzbooten. Diese dienen allen Missionen, die von den Fregatten aus durchgeführt werden – einschließlich der Einsätze eingeschiffter Spezial- und spezialisierter Kräfte. Auch hier bestehen derzeit einige Unsicherheiten.

Die Fregatten weisen bereits erhebliche Projektverzögerungen auf. Auftragnehmer ist (noch) die niederländische Damen Shipyards Group, die bislang auch für das Projekt der Einsatzboote verantwortlich zeichnet. Im Herbst 2025 wurde jedoch erstmals bekannt, dass der Auftraggeber unzufrieden ist und das Fregattenprogramm von Damen an Naval Vessels Lürssen (NVL) – demnächst wohl Teil von Rheinmetall – übertragen werden soll.

Schon länger besteht zudem ein Bedarf an sogenannten River-Rhine-Booten. Auch hier dienen die Boote der Special Warfare Crews (SWC) als Vorbild. Diese sind die Unterstützungskräfte der U.S. Navy SEALs. Kein deutsches Programm, aber dennoch von Interesse, sind die neuen niederländischen Next Generation Landing Crafts (Landungsboote) für das Korps Mariniers, die spezialisierten Kräfte der niederländischen Marine. Diese Boote werden auch als Littoral Assault Craft (LAC) bezeichnet und ersetzen die bisherigen Landing Craft Vehicle Personnel (LCVPs). Die Indienststellung ist zwischen 2026 und 2028 vorgesehen.

Das LAC wurde von Marine Alutech Oy entwickelt, um die neue Doktrin des Marinekorps – bekannt als Force Design – zu unterstützen. Dieses Konzept konzentriert sich auf die gleichzeitige Landung von Marinesoldaten und deren Ausrüstung von amphibischen Transportschiffen, die weiter vor der Küste positioniert sind. Das neue Boot bietet Schutz in feindlichen Umgebungen, ist schneller, kann größere Entfernungen zurücklegen und länger auf See operieren als die derzeitigen Boote, so das Korps Mariniers. Der Lieferant Marine Alutech Oy steht auch im Rennen um die deutschen Combat Boats.

Das neue LAC für das Korps Mariniers der Niederlande. ©Marine Alutech

In der Luft

Zur der taktischen Luftfortbewegung stehen den deutschen Kräften die Transportflugzeuge Airbus A400M, Lockheed Martin C-130J-30 Super Hercules, die Transporthubschrauber NH90 (NH90 TTH für das Heer und NH90 Sea Lion für die Marine), die CH-53 sowie der H145M LUH SOF (Light Utility Helicopter Special Operations Forces) zur Verfügung. Zukünftig wird die CH-53 durch die Boeing CH-47 Chinook Block II ersetzt. Diese wird das neue Arbeitstier sein und von der Luftwaffe betrieben, wobei das Heer als Hauptnutzer gilt — dabei vor allem die Spezialkräfte.

Die taktische Feuerunterstützung erfolgt derzeit durch den Kampfhubschrauber Tiger, zukünftig durch den H145M LKH (Leichter Kampfhubschrauber) beziehungsweise bereits jetzt den H145M LUH SOF mit dem MG6 als Bewaffnung. Der H145M LKH soll den auslaufenden Kampfhubschrauber Tiger als Übergangslösung unterstützen beziehungsweise ersetzen. Es sollen bis zu 82 Exemplare geliefert werden. Diese Brückenlösung soll dem Heer mehr Zeit verschaffen, um eine vollwertige Ersatzlösung für den Tiger zu finden. Ob diese dann künftig bemannt oder unbemannt sein wird, ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall hat sich die Bundeswehr gegen den Tiger Mk3 ausgesprochen.

Der H145M LKH ist kein vollwertiger Kampfhubschrauber und damit nicht mit einem Tiger oder dem Boeing AH-64 Apache zu vergleichen. Er wird jedoch eine hochmobile taktische Feuerunterstützung bieten, mit den logischen Einschränkungen bei Reichweite, (Waffen)-Nutzlast und Durchsetzungsfähigkeit. Alle bestellten Hubschrauber werden mit dem Waffen-Managementsystem HForce von Airbus ausgestattet. Dies ermöglicht eine flexible und schnelle Einbindung von Sensoren und Effektoren. HForce ist auf dem H145M bereits in anderen Ländern im Einsatz.

Als mögliche Bewaffnung nennt die Bundeswehr 70-mm-Raketen (gelenkt/ungelenkt), Spike-Panzerabwehrlenkflugkörper, Maschinengewehre und Kanonen. Zukünftig sollen auch Luft-Luft-Lenkflugkörper integriert werden. Der H145M LKH soll in unterschiedlichsten Rollen einsetzbar sein, unter anderem als Kampfhubschrauber, zur Ausbildung sowie für Spezialkräfte (SOF). Der Hubschrauber wird sowohl beim Heer als auch bei der Luftwaffe zum Einsatz kommen. Das Abfluggewicht beträgt etwa 3,8 Tonnen, die Einsatzdauer wird mit 3:54 Stunden angegeben, und der H145M LKH kann zwei plus acht Personen aufnehmen.

Acht Passagiere sind jedoch nur realisierbar, wenn keine weiteren Waffen oder Sensoren integriert sind. Zum Vergleich: Der H145M LUH SOF kann maximal vier vollständig ausgerüstete Kommandosoldaten aufnehmen, zusätzlich zur Zweimannbesatzung. Wird ein MG6 zur Feuerunterstützung eingebaut, reduziert sich die Anzahl der Passagiere im „hinteren Kampfraum“ auf einen Doorgunner. Bei der Vorstellung wurde der Hubschrauber mit den Worten gepriesen: „Seine Vorzüge sind eine größere Waffenwirkung, verbesserte Optronik und vor allem eine hochtechnisierte Digitalisierung sowie die Fähigkeit zur Vernetzung mit Drohnen (Manned-Unmanned Teaming).“ Der Zulauf soll bereits 2026 beginnen.

Neben dem H145M LKH zur taktischen Feuerunterstützung haben mehrere europäische Spezialkräfte unbestätigten Informationen zufolge großes Interesse an einem leichten Kampfflugzeug, auch in Deutschland. Schaut man sich innerhalb der NATO um, stechen vor allem zwei Kandidaten hervor. So wird die portugiesische Luftwaffe (FAP) Erstkunde für die Embraer A-29N Super Tucano nach NATO-Standard. Die erste Auslieferung des leichten Kampfflugzeugs ist ab Ende 2025 geplant. Das auf der Paris Air Show 2025 gezeigte Flugzeug erregt auch bei europäischen Streitkräften großes Interesse.

Ein Embraer A-29N Super Tucano auf der Paris Air Show 2025. ©AF

Die Embraer EMB 314 Super Tucano – auch als ALX oder A-29 bezeichnet – ist ein leichtes Aufstandsbekämpfungsflugzeug (Counterinsurgency, COIN) und Luftnahunterstützungsflugzeug (Close Air Support, CAS) des brasilianischen Herstellers Embraer. Es gibt mittlerweile zahlreiche Varianten und Nutzerstaaten. Unter anderem wird die A-29 bei US-amerikanischen Spezialkräften genutzt. Neben dem Kampfeinsatz kann sie auch als Ausbildungs- und Trainingsflugzeug eingesetzt werden. Sie ist als Ein- und Zweisitzer verfügbar.

Als Zweisitzer kann die Arbeitsbelastung des Piloten verringert werden, indem der hintere Sitz einen Waffenoffizier aufnimmt. Dieser bedient dann den EO/IR-Aufklärungspod sowie Laser-Entfernungsmesser und -Designator. Die A-29 hat eine Länge von 11,38 und eine Spannweite von 11,14 Metern. In der bewaffneten Variante sind zwei Maschinengewehre Kaliber .50 BMG fest in den Flügeln verbaut. Hinzu kommen insgesamt fünf Hardpoints zur Aufnahme weiterer Pods oder Waffen.

Laut Hersteller sind in die Super Tucano bereits folgende Systeme/Waffen integriert: SUU-25-Flare-Launcher, ein Siebenfach-Werfer für 70-mm-Raketen, die 500-lb-Bombe Mk 82, die 250-lb-Bombe Mk 81 und die lasergelenkte Bombe GBU-58, 750-lb-Bombe M117, konventionelle und lasergelenkte APKWS-Raketen (Advanced Precision Kill Weapon System), 500-lb-INS/GPS-Bomben GBU-12/Griffin/Lizard IV, SUU-20 Übungsbomben-Dispenser, ein 320-Liter-Zusatztank, ein logistischer Pod zum Nachversorgen der Truppe am Boden sowie unter der Nase ein EO/IR-HD-Sensor und Designator (zum Beispel MX-10/15 von L3Harris Wescam).

Das Konzept Sky Warden basiert auf einem Agrarflugzeug, ist für raue Einsatzumgebungen konzipiert, benötigt wenig Personal und Infrastruktur und kann bis an die Zähne bewaffnet werden. ©L3H

Ein Konkurrent ist die OA-1K Skyraider II, auch Sky Warden genannt — ein ISR/Strike-Flugzeug. Es wird unter anderem vom U.S. Air Force Special Operations Command (AFSOC) und vom U.S. Special Operations Command (USSOCOM) eingesetzt. Dort wird es als sehr kosteneffizientes, bemanntes Flugzeug mit zuverlässiger Leistung, unabhängig vom Einsatzort, bezeichnet. Lieferant ist L3Harris. Zudem passen L3Harris und Israel Aerospace Industries (IAI) die Plattform an israelische Anforderungen an. Das Flugzeug wird dann als Blue Sky Warden bezeichnet. IAI wird das Missionssystem und weitere Software beisteuern und zudem als Sensorintegrator fungieren.

Die Maschine basiert auf der robusten und zuverlässigen Air Tractor AT-802U-Plattform, einem Agrarflugzeug. Diese Plattform ermöglicht kurze Start- und Landestrecken sowie einen äußerst geringen Platzbedarf. Der Air Tractor AT-802U wurde für den Einsatz unter rauen Bedingungen entwickelt und gebaut. Sky Warden wurde für ISR-Einsätze konzipiert. Die einsatzerprobte, offene Systemarchitektur sorgt für hohe Flexibilität. Laut Anbieter überzeugt es zudem mit hoher Ausdauer und Nutzlast: sechs Stunden Verweildauer bei einem Kampfradius von 200 nautischen Meilen und einer flexiblen Kampfbeladung von 6.000 Pfund.

Eine entsprechende nationalisierte und NATO-übergreifende, robuste Suite von Funkgeräten und Datenverbindungen bietet eine flexible und sichere Kommunikation innerhalb (LOS) und außerhalb der Sichtlinie (BLOS). Dank der Einbindung unterschiedlicher EO/IR-, ISR- und weiterer Sensoren hat die Crew stets ein umfassendes Situationsbewusstsein über die Umgebung und das Gefechtsgeschehen. Aufgrund der Basis einer Agrarplattform ist diese Lösung laut Herstellerangaben erschwinglich und nachhaltig; sie bietet niedrige Produktions- und Betriebskosten, unterstützt durch ein etabliertes globales Wartungsnetzwerk.

Mögliche Bestückung des Sky Warden. ©L3H

Laut USSOCOM hat das System bereits mehr als 1,3 Millionen Stunden ISR- und Strike-Unterstützung für Spezialkräfte erbracht. Sky Warden kann in weniger als sechs Stunden zerlegt und innerhalb von zwölf Stunden wieder einsatzbereit gemacht werden, was einen schnellen Transport für Kriseneinsätze und andere Missionen ermöglicht. Das Bodenpersonal kann an abgelegenen Orten die benötigte Unterstützung zu einem Bruchteil der Kosten und mit geringerem logistischem Aufwand als bei anderen Plattformen anbieten. Auch der Material- und Personalaufwand für den Betrieb ist deutlich geringer als bei anderen Flugzeugen oder Hubschraubern.

Verglichen mit der Embraer EMB 314 Super Tucano bietet Sky Warden bis zu zehn Hardpoints zur Aufnahme von Pods, Sensoren oder Waffen: zwei unter der Rumpfunterseite und je vier unter den Flügeln. Zum Waffenarsenal gehören unter anderem AGM-114 Hellfire-Raketen, GBU-12 Paveway II-Bomben, AGM-176 Griffin-Standoff-Raketen, GBU-39 Small Diameter Bombs sowie gelenkte AGR-20-70-mm-Raketen und APKWS-Varianten. Neben APKWS können auch Hydra-70-Raketen und eine Vielzahl weiterer gelenkter und ungelenkter 70-mm-Raketen eingesetzt werden.

Beide zuvor beschriebenen Flugzeuge bieten eine kostengünstige Feuerunterstützung aus der Luft. Gerade auch an geografisch isolierten Orten, bei denen die Spezialeinheiten an schwierigen Einsatzorten ansonsten auf sich gestellt sind. Hinzu kommen die langen Verweildauern von bis zu acht Stunden. Hubschrauber und Kampfflugzeuge müssen schneller und häufiger zum Tanken das Einsatzgebiet verlassen und stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Zudem können die Plattformen mit einem sehr geringen Fußabdruck an Material und Personal betrieben werden, benötigen weniger technische und raumtechnische Voraussetzungen. Gerade im Vergleich zu einem Kampfhubschrauber Tiger, NH90 oder sogar Eurofighter.

Erstveröffentlichung in Soldat & Technik, 24.01.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: André Forkert

Wehrfähigkeit: Wie mehr Resilienz in den Lieferketten entsteht

Seltene Erden, Halbleiter, Hightech-Komponenten: Militärische Leistungsfähigkeit hängt heute stärker denn je von internationalen Lieferketten ab. Ein Ausfall oder politisch motivierter Lieferstopp kann die Einsatzfähigkeit massiv gefährden. Welche Strategien zur Absicherung, Diversifizierung und Lokalisierung von Lieferketten sind zu identifizieren, trifft genau den Nerv der aktuellen geopolitischen Debatte.

Noch vor zwei Jahrzehnten galt die Globalisierung als Garant für Effizienz, niedrige Preise und vor allem für eine stabile Versorgung. Heute hat sich das Bild grundlegend gewandelt.

Lieferketten als Sicherheitsrisiko

In globalen Lieferketten treten zunehmend strategische Abhängigkeiten zutage, die selbst starke Volkswirtschaften verletzlich erscheinen lassen. Der Ukraine-Krieg, Spannungen in der Taiwanstraße, Embargos gegen Hightech-Exporte und die wachsende Rivalität zwischen China und dem Westen zeigen, wie schnell zivile und militärische Lieferketten politisiert werden können.

Für die Verteidigungsindustrie hat diese Entwicklung dramatische Folgen. Moderne Waffensysteme basieren auf Komponenten, deren Wertschöpfung über zahlreiche Länder verteilt ist: Mikroelektronik aus Taiwan, Spezialmetalle aus China, optische Präzisionsteile aus Japan, Hochleistungssoftware aus den USA. Die Liste ist lang. Fällt nur ein Glied dieser Kette aus, drohen Produktionsstopps, Verzögerungen oder teure Neuentwicklungen. Und anders als in zivilen Branchen ist der Schaden nicht nur wirtschaftlicher, sondern vor allem auch sicherheitspolitischer Art.

Streitkräfte müssen ihre Lieferketten resilienter und transparenter gestalten, um für den Ernstfall wehrfähig zu sein. ©Pixabay

Kritische Abhängigkeiten

Kaum ein Bereich zeigt beispielsweise die Verwundbarkeit der Verteidigungsindustrie so deutlich wie der Markt für „Seltene Erden“. Rund 90 Prozent der weltweiten Raffinierungskapazitäten liegen in China. Ohne diese Stoffe funktionieren keine Hochleistungsmagnete in Radar- oder Antriebssystemen, keine Sensoren, keine präzisen Steuerungseinheiten. Halbleiter sind ein weiterer neuralgischer Punkt. Ein Großteil der modernsten Chips kommt aus Taiwan, einer Region, die geopolitisch im Zentrum globaler Spannungen steht.

Besonders kritisch ist, dass viele militärische Hightech-Komponenten aus Nischenmärkten stammen, in denen nur wenige Unternehmen weltweit über entsprechende Expertise verfügen. Dadurch genügt oft ein einzelnes Ereignis – eine Naturkatastrophe, ein Brand oder eine politische Krise –, um die komplette Versorgung lahmzulegen. Solche Engpässe führen dazu, dass Streitkräfte ihre Einsatzfähigkeit nur eingeschränkt oder verzögert herstellen können, weil sie auf die Lieferung von Ersatzteilen, Modernisierungskomponenten oder neuen Systemen warten müssen.

Regeln militärischer Lieferketten

Während zivile Märkte in Engpässen häufig auf Alternativen ausweichen können, ist diese Option im militärischen Umfeld stark begrenzt. Die Zertifizierung neuer Lieferanten dauert oft Monate bis Jahre. Spezielle Bauteile lassen sich nicht einfach substituieren, da Sicherheit, Zuverlässigkeit und Interoperabilität höchste Priorität haben. Zudem müssen Produktionskapazitäten im Ernstfall schnell skalierbar sein.

Dies ist ein Anspruch, der in globalen, Just-in-Time-orientierten Lieferketten häufig nicht erfüllt wird. Militärische Versorgungsketten benötigen deshalb ein anderes Sicherheitsniveau: Redundanzen statt Minimalbestände, strategische Vorräte statt Lean-Logistik, langfristige Verträge statt kurzfristiger Ausschreibungen. Die Erkenntnis setzt sich zunehmend durch, dass Resilienz kein Kostenfaktor ist, sondern eine Voraussetzung für Verteidigungsfähigkeit. Dafür bieten sich folgende Strategien an:

Strategische Diversifizierung

Eine zentrale Maßnahme zur Erhöhung der Lieferkettenresilienz ist die Diversifizierung von Bezugsquellen. Gerade bei kritischen Rohstoffen bedeutet das, alternative Partner auch außerhalb geopolitischer Risikozonen zu erschließen. Staaten wie Australien, Kanada oder skandinavische Länder investieren massiv in den Ausbau ihrer Förder- und Raffineriekapazitäten für „Seltene Erden“ und andere strategische Materialien.

Diversifizierung bedeutet jedoch nicht nur geografische Streuung. Sie umfasst auch technologische Alternativen. So arbeiten Industrie, Hochschulen und außeruniversitäre Institute intensiv an Ersatzmaterialien oder daran, den Einsatz seltener Rohstoffe zu minimieren. Halbleiterindustrie, Wehrtechnik und Maschinenbau arbeiten gemeinsam an neuen Designs, die weniger anfällig für einzelne Lieferantenengpässe sind.

Lokalisierung und Re-Shoring

Ein entscheidender Trend der letzten Jahre ist die Rückverlagerung kritischer Produktion in die eigenen Wirtschaftsblöcke. Beispielsweise investieren die USA Milliarden in lokale Chipfabriken, Europa folgt mit ambitionierten Programmen wie dem „EU Chips Act“. Ziel ist es, Hochtechnologie wieder kontrollierbar zu machen und Fähigkeiten aufzubauen, die bisher global verteilt waren.

Auch in der Verteidigungsindustrie steigt der Druck, zentrale Komponenten national oder zumindest im Verbund mit verlässlichen Partnern zu produzieren. Lokalisierung ermöglicht nicht nur kürzere Lieferwege und bessere Qualitätskontrolle, sondern reduziert auch die Gefahr politischer Erpressbarkeit. Für Unternehmen bedeutet das massive Investitionen, aber auch langfristige Planungssicherheit und technologische Souveränität.

Redundanzen statt Minimalbestände, strategische Vorräte statt Lean-Logistik, langfristige Verträge statt kurzfristiger Ausschreibungen – Lieferketten-Resilienz ist heute eine entscheidende strategische Ressource. Soldaten vom Luftumschlagzug im Lufttransportgeschwader 61, in Penzing schlagen Material um. Stabsunteroffizier Vanessa K. überwacht im Luftumschlagzug des LTG 61, dass auch die richtige Fracht an den richtigen Bestimmungsort gelangt. ©Bundeswehr/Andrea Bienert

Transparenz als Schlüsselfaktor

Zu den größten Herausforderungen bei der Etablierung moderner Lieferketten gehört der Mangel an Transparenz. Viele Unternehmen wissen zwar, von wem sie ihre Waren beziehen, aber nicht, wo deren Zulieferer einkaufen. Spätestens auf der dritten oder vierten Wertschöpfungsstufe endet die Sichtbarkeit. Genau dort verstecken sich jedoch häufig die größten Risiken.

Digitale Tools wie Supply-Chain-Monitoring, blockchain-gestützte Dokumentation und automatisierte Risikoanalysen schaffen erstmals die Möglichkeit, Lieferketten bis in die tiefste Ebene zu verfolgen. Diese Transparenz ist entscheidend, um Schwachstellen zu erkennen, bevor sie sich in kritische Ausfälle verwandeln. Echtzeitdaten ermöglichen Prognosen, Szenarien und schnelle Gegenmaßnahmen – ein Vorteil, der im militärischen Kontext über Einsatzfähigkeit oder Stillstand entscheidet.

Lagerhaltung neu gedacht

Die jahrzehntelange Fixierung auf Just-in-Time-Produktion hat zwar Kosten eingespart, aber gleichzeitig die Verwundbarkeit erhöht. Für sicherheitsrelevante Bereiche ist dieser Ansatz überholt. Viele Staaten kehren deshalb zu strategischen Vorräten zurück. Dies betrifft nicht nur Rohstoffe, sondern auch Elektronikkomponenten, Ersatzteile und Softwarelizenzen.

Moderne Lagerhaltung ist jedoch nicht mit ineffizienter Überbevorratung zu verwechseln. Intelligente Bestandsplanung nutzt Modelle, die politische Risiken, Nachfragevolatilität und Lieferzeiten integrieren. Dadurch entstehen Sicherheitsnetze, die im Ernstfall entscheidende Wochen oder Monate überbrücken können.

IT-Sicherheit in der Lieferkette

Lieferketten sind nicht nur physisch, sondern zunehmend auch digital gefährdet. Angriffe auf Zulieferer, Manipulation von Software-Updates oder Industriespionage gehören mittlerweile zu den häufigsten Bedrohungen. Verteidigungsprojekte sind dabei besonders attraktiv für Angreifer, da ein einziger erfolgreicher Angriff den Zugriff auf Tausende Komponenten oder vertrauliche Konstruktionsdaten ermöglichen kann.

Eine resiliente Lieferkette braucht daher zwingend ein robustes IT-Sicherheitsökosystem. Das heißt unter anderem eine durchgehende Verschlüsselung, Zero-Trust-Architekturen, kontinuierliche Überprüfung von Drittparteien und Schutzmechanismen für Softwarelieferketten. Denn eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes digitales Glied.

Kooperation statt Insellösungen

Kein Land und kein Unternehmen können die Komplexität moderner Lieferketten allein beherrschen. Resilienz entsteht durch die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und internationalen Partnern. Gemeinsame Standards, transparentere Kommunikation und abgestimmte Strategien ermöglichen es, Krisen früh zu erkennen und gemeinsam zu reagieren.

Gerade im Verteidigungssektor können starke Kooperationen zum entscheidenden Vorteil werden. Gemeinsame Beschaffungsprogramme, geteilte Produktionskapazitäten und gegenseitige Garantien reduzieren die Risiken einzelner Staaten und stärken gleichzeitig die strategische Unabhängigkeit des gesamten Bündnisses.

Resilienz als Fundament moderner Wehrfähigkeit

Die militärische Überlegenheit von morgen entscheidet sich nicht allein auf dem Gefechtsfeld, sondern auch in Fabrikhallen, Laboren und entlang globaler Handelsrouten. Resiliente Lieferketten sind das Rückgrat jeder funktionierenden Verteidigung. Sie sichern die Verfügbarkeit kritischer Komponenten, ermöglichen schnelle Reaktionsfähigkeit und schützen vor politischer Erpressbarkeit.

Die geopolitische Lage macht deutlich, dass Abhängigkeiten und Risiken zwar nicht vollständig beseitigt werden können, sich aber intelligent managen, streuen und absichern lassen. Diversifizierung, Lokalisierung, Transparenz, IT-Sicherheit und strategische Kooperationen bilden das Fundament einer modernen Sicherheits- und Industriepolitik. Wer diese Elemente konsequent umsetzt, macht seine Lieferketten nicht nur widerstandsfähiger, sondern erhöht die Handlungsfähigkeit seines Landes in Krisenzeiten.

Erstveröffentlichung in Europäische Sicherheit & Technik, 25.02.2026, www.esut.de

Autor: Otto Geißler

Ohne Vorhalteverträge keine Verlässlichkeit – Erst Logistik macht Abschreckung glaubwürdig

Bei der nunmehr omnipräsenten Debatte um unsere Verteidigungsfähigkeit liegt der Fokus oft allein auf der Ausstattung: Über wie viele Panzer, Fregatten, Kampfjets und welche Munitionsbestände verfügen wir?

Militärhistoriker kennen jedoch unzählige Zitate führender Generäle, welche die herausgehobene Bedeutung der Logistik in Konflikten verdeutlichen. „In war, amateurs talk strategy; professionals talk logistics“ (auf Deutsch: „Im Krieg sprechen Amateure über Strategie, Profis über Logistik.“) ist wohl eines der bekanntesten. Insbesondere in Deutschland müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, dass unsere Rolle in den Verteidigungsplänen der NATO deutlich über die eines bloßen Truppenstellers hinausgeht.

 Vom Appell zur Umsetzung

Deutschland ist die „Drehscheibe“ der NATO im Herzen Europas – und somit der Knotenpunkt, durch den der Großteil der NATO-Truppen im Falle einer Konfrontation an der Ostflanke verlegt und versorgt werden muss. Während die mediale Aufmerksamkeit bereits auf dem logistischen Kraftakt der Verlegung liegt, wird die Komplexität der darauffolgenden Dauerversorgung noch immer weitgehend ausgeblendet.

Das ist fatal, denn die härteste Währung der Abschreckung ist nicht allein der einsatzbereite Großverband an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt, sondern die Fähigkeit, diese einzelnen Verbände über Wochen und Monate hinweg zu versorgen, Verwundete und Gefallene zurückzuführen, ausgefallenes Material abzuschieben, sowie personelle und materielle Ausfälle aufzufüllen.

Der Operationsplan Deutschland ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

 Was jetzt zu tun ist

Während die Logistik zu Zeiten des Internationalen Krisenmanagements (IKM) größtenteils planbar war und zyklisch verlief, haben wir diesen Luxus im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung nicht mehr. Hier zählen Masse, Geschwindigkeit und die unerbittliche Logik der Geografie.

Deutschland muss in die Lage versetzt werden, auch dieser logistischen Schlüsselrolle gerecht zu werden. Und dies nicht nur im formellen „Friedenszustand“, sondern auch im Spannungs-, Krisen- und Verteidigungsfall. Angesichts der offensichtlichen Bedeutung Deutschlands für die NATO sind wir bereits jetzt Ziel hybrider Angriffe auf kritische Infrastruktur, Rüstungsindustrie und Schienenwege. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass im Ernstfall die gesamte logistische Kette „Factory to Foxhole“ Ziel intensivierter hybrider sowie kinetischer Angriffe sein wird – obwohl Deutschland Hunderte Kilometer vom potenziellen Frontverlauf entfernt liegt.

 Arbeitsagenda für die Allianz

Genau diese „Tyrannei der Entfernung“ erfordert für die Bundeswehr neue Ansätze: nämlich die Skalierung und vollumfassende Integration der zivilgewerblichen Leistungserbringung in den militärlogistischen Wirkverbund bis in das Einsatzgebiet hinein. Dies ist zwingend, da die verfügbaren logistischen Kräfte der Bundeswehr auf den letzten 100 Kilometern bis zur Front konzentriert sein werden, um die Versorgung im direkten Einsatzgebiet zu gewährleisten.

Der Operationsplan Deutschland (OPLAN DE) sieht explizit einen integrierten logistischen Wirkverbund aus fünf Säulen vor: den eigenen Fähigkeiten der Bundeswehr, gesamtstaatlichen Leistungen, gewerblichen Leistungen, multinationaler Kooperation (NATO) und den Vorsorge- und Arbeitssicherstellungsgesetzen.

 Säulen des logistischen Wirkverbunds

Der Weg hin zur zwingend notwendigen zivilgewerblichen Leistungserbringung bereitet mir derzeit am meisten Sorgen.

Es ist mitnichten so, als hätte die Bundeswehr keine Erfahrung in der Integration zivilgewerblicher Partner. Jedoch sind die Größenordnungen, für die wir nun planen müssen, gänzlich andere. Es wäre geboten, von einer neuen Dimension der zivil-militärischen Lastenteilung zu sprechen, die es zu finanzieren, zu etablieren und – zu guter Letzt – zu beüben gilt. Hier gibt es eine Vielzahl von Problemfeldern:

Erstens hat die Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten der „Friedensdividende“ aus Kostengründen davon abgesehen, Verträge für haushaltsmittelbindende Leistungen zu schließen, die „nur eventuell“ abgerufen werden müssten. Spätestens 2026 müssen wir hier eine fundamentale Kehrtwende vollziehen. Alles, was wir nicht vertraglich festgehalten und umfassend geübt haben, wird am „Tag X“ entweder nicht verfügbar sein oder nicht funktionieren.

Zweitens sind die derzeitigen vertragsrechtlichen Voraussetzungen für „Vorhalteleistungen“ in einem wettbewerbsorientierten Markt unternehmerisch unattraktiv. Das geltende Vergaberecht erweist sich oft als Hindernis, da es primär den niedrigsten Preis belohnt. Hinzu kommt das Zögern der öffentlichen Hand, marktübliche Gegebenheiten wie Leerfahrten auch tatsächlich zu vergüten. Sie wirken sich negativ auf die Attraktivität der Bundeswehr als Vertragspartner für zivile Speditionen aus – und damit auf deren Verlässlichkeit im Ernstfall. Da Planbarkeit und die verlässliche Leistungserbringung oberste Priorität für den Erfolg der „Drehscheibe Deutschland“ darstellen, sollten diese Faktoren bei Ausschreibungsausgestaltung entsprechend gewichtet werden.

Drittens fand in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche Verlagerung von Kapazitäten ins europäische Ausland statt – sowohl als Folge als auch zur Kompensation des innerdeutschen Fahrermangels. Bereits 2022 waren rund ein Viertel der in Deutschland tätigen Berufskraftfahrer Ausländer ohne deutschen Pass. Im Bündnisfall bedeutet dies, dass potenziell 25 Prozent unserer logistischen Kapazitäten wegfallen könnten, da diese Fahrer in ihren Heimatländern (oft NATO-Staaten wie Polen, Bulgarien und Rumänien) der dortigen Wehrpflicht unterliegen.

Diese Probleme sind zwar erkannt, nun aber müssen sie zwingend adressiert werden. Das BMVg sowie das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBW) stehen vor einer kulturellen und kommunikativen Herkulesaufgabe. Die deutsche Logistikbranche ist bereit, ihren Beitrag zu leisten, fordert aber verständlicherweise ein Entgegenkommen der Amtsseite sowie verbindliche Vorgaben und finanzielle Planungssicherheit.

Uns muss klar sein: Die Ausweitung der zivilgewerblichen-militärischen Lastenteilung im Bereich der Logistik ist alternativlos. Wir können nicht erst in der Krise an die Tür der Transportunternehmen klopfen. Vorhalteverträge sind derzeit der einzige Weg, den Drahtseilakt zwischen finanzieller Sicherheit für die Unternehmen, Verlässlichkeit für die Streitkräfte und der Möglichkeit des gemeinsamen Übens zu meistern.

Dies erfordert eine neue Art von Pragmatismus aller Beteiligten – um sicherzustellen, dass Deutschland seiner wohl wichtigsten Verpflichtung in der Verteidigungsplanung der NATO, nämlich der, als logistische Drehscheibe im Herzen Europas auch vollumfänglich nachkommen kann.

 Vom Appell zur Umsetzung

Damit diese Allianz mehr ist als ein Appell, braucht sie eine klare Arbeitsagenda: standardisierte Vorhalteverträge, wiederkehrende Übungen in realistischen Größenordnungen und vor allem belastbare Schnittstellen zwischen militärischer Planung und ziviler Disposition. Ein gemeinsames Lagebild über verfügbare Transportmittel, kritische Engpässe und Prioritäten – digital, aktuell und krisenfest – ist dabei kein „nice to have“, sondern die Voraussetzung, um Geschwindigkeit und Masse im Ernstfall überhaupt organisieren zu können.

Abschreckung wirkt nur, wenn sie glaubwürdig durchgehalten werden kann. Genau daran entscheidet sich die „Drehscheibe Deutschland“: nicht am ersten Tag der Verlegung, sondern an Tag 30, Tag 60 und Tag 120 der Dauerversorgung. Wer diese Durchhaltefähigkeit vertraglich vorbereitet, praktisch beübt und politisch absichert, stärkt nicht nur die Bundeswehr, sondern die Handlungsfähigkeit des gesamten Bündnisses. Logistik ist damit keine Unterstützungsfunktion – sie ist ein zentraler Teil der Abschreckung.

Natürlich lässt sich die Komplexität dieses Systems nicht auf wenigen Seiten erschöpfend behandeln. Doch dieser Text soll ein Weckruf sein: Amtsseite und Industrie müssen aufeinander zugehen. Nur durch eine pragmatische Allianz zwischen Bundeswehr und Logistikwirtschaft erreichen wir die nötige Kriegstauglichkeit und Aufwuchsfähigkeit. Sie ist die Basis, um unsere Freiheit und Demokratie im Ernstfall erfolgreich zu verteidigen.

Erstveröffentlichung in Europäische Sicherheit und Technik, 06.02.2026, www.esut.de

Autor: Kerstin Vieregge, MdB, Vizepräsidentin GSP und Obfrau der CDU/CSU Fraktion im Verteidigungsausschuss und Berichterstatterin für das Operative Führungskommando & OPLAN Deutschland

Bild: ©Bundeswehr/Sauder

Verteidigungsfähigkeit Deutschlands – Leitthema der Informationsveranstaltung des „blauer Bund e.V.“

Wie steht es um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands unter neuen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen? Dieser Leitfrage widmete sich die Informationsveranstaltung des blauen Bundes (bB) in der Lucius-D.-Clay-Kaserne in Osterholz-Scharmbeck.

Der Präsident des bB, GenMaj Jochen Deuer, begrüßte die Anwesenden der Veranstaltung zu einem außergewöhnlichen Zeitpunkt, findet die Veranstaltung doch traditionell im November eines Jahres statt. Der Ruf des Herrn Ministers Boris Pistorius im Herbst 2025 hatte die Verschiebung verursacht, erklärte der Präsident. Und trotz Verschiebung ließen sich rund 170 Besucher aller TSK/OrgBer aus Logistik und Rüstung sowie Vertreter der zivilen Logistik und Wehrindustrie, diese Gelegenheit nicht entgehen.

Der Präsident des Blauer Bund e.V., GenMaj Jochen Deuer, begrüßt die Teilnehmenden der Informationsveranstaltung in Garlstedt. ©Bundeswehr/Jana Grünberg
Rund 170 Besucher nutzten die Informationsveranstaltung des blauer Bund e.V. um sich weiterzubilden und zu informieren. ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Mitgliederversammlung bB

Zuvor wurde jedoch in der Mitgliederversammlung des bB ein Blick auf die zurückliegende Zeit im Verein seit November 2024 geworfen und über die Pläne für die Zukunft berichtet.

Der Präsident: „Mit rund 1.100 Mitgliedern stagniert unsere Mitgliederzahl auf hohem Niveau.“

GenMaj Deuer führte die Attraktivität des bB auf die ansprechenden Vereinspublikationen, den attraktiven Webauftritt und die Informationsveranstaltung – als Zugpferd – zurück. Besonders das ansprechende Corporate Design und das MAGAZIN bB seien hervorzuheben. Auch die Mitarbeit des bB innerhalb des „Beirat für Reservistenangelegenheiten“ sehe er als wichtig an, um im Sinne der Reservisten im Verein mitgestalten zu können.

Während die Suche nach einem Redakteur/Redakteurin erfolgreich war, und Frau Dr. Melanie Rohe vom Vorstand bereits mit dieser Aufgabe betraut wurde und nun von der Versammlung bestätigt wurde, gilt es, den unerwarteten Wegfall des Schatzmeisters noch zu kompensieren.

Hier sendet der Vorstand den Appell an jedes einzelne Mitglied: „Ein Verein lebt davon, sich einzubringen!“

 Die Informationsveranstaltung

Die folgenden sieben Einzelvorträge mit der Leitfrage „Wie steht es um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands unter neuen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen?“ waren geprägt von erfreulicher Offenheit und höchst aktuell. An der Vielzahl der gestellten Fragen konnte man das große Interesse des Publikums an den Inhalten gut ablesen.

Den Aufschlag machte Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Rüstungsdirektor und AL Rü im BMVg, zu einer strategischen Standortbestimmung zur Nationalen Sicherheit und Verteidigung.

Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Rüstungsdirektor und AL Rü im BMVg zu einer strategischen Standortbestimmung zur Nationalen Sicherheit und Verteidigung. ©Bundeswehr/Jana Grünberg

„Rüsten (wir uns) in einer Welt des Umbruchs. Nur wer glaubhaft kriegstüchtig ist, kann auch abschrecken.“ Dies überschrieb den ersten Teil seiner Ausführungen, in denen er den ungewohnten Blick von der Arktis auf den Globus warf. Dort träfen Interessengebiete Russlands und der NATO überlappend aufeinander. Wer seinen Blick auf die nationale eigene Scholle beschränke, mache sich angreifbar, orderte er ein. Mit dem Blick auf Europa, als Sammlung von Mittelmächten, forderte er mehr Einigkeit. Auch zeitlich ordnete er das Geschehen ein, von den IKM Einsätzen, wie aus seinem eigenen Erleben in Afghanistan, bis zum heutigen Krieg in der Ukraine.

Als Rüstungsdirektor frage ich mich: „Rüsten wir das Richtige richtig?“

Mit dem Schwerpunkt auf der Bündnisverteidigung müssten – vom Einsatz her gedacht – die Pläne zur Verteidigung die erforderlichen Kräfte bestimmen und die Streitkräfteplanung und Strukturen folgen. Dabei gelte es keine Zeit zu verlieren und die bereitgestellten Finanzen in Kriegstüchtigkeit zu verwandeln.

„So gelingt glaubhafte Abschreckung. Wir sind da auf einem guten Weg!“ endete er.

Im Anschluss erläuterte Oberst i.G. Dirk Harder, Branch Head Logistics and Medical im International Military Staff NATO, Logistics and Resources Division, die aktuelle Entwicklung bei der NATO.

Oberst i.G. Dirk Harder, International Military Staff NATO, ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Er zeigte auf, dass Logistik ein gewichtiges Thema in der NATO sei, über das aktuell auch der Generalsekretär mit den Regierungschefs spreche. Dies sei nicht verwunderlich, da logistische Fähigkeiten einen entscheidenden Teil zur Abschreckung beitrügen. Der „Logistics Aktions Plan“ der NATO zu Reinforcement and Sustainment (RSN) sei erstellt.

„Das Tempo der Logistik ist entscheidend. Für die Länder ist Host Nation Support für einen Aufmarsch keine Frage des ob, sondern des wie?“ machte Oberst Harder klar. 

Die Vorbereitung auf dem Sektor der Gesundheitsversorgung würden in ähnlicher Weise folgen, gab er bekannt.

Danach trug Oberstleutnant Christian Pingel, von der NSPA, zu den Möglichkeiten der logistischen Unterstützung durch die Rüstungsagentur der NATO vor.

Oberstleutnant Christian Pingel, von der NSPA, ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Er stellte dar, dass die NSPA mit bis zu 70.000 Vertragspartnern die Lücken in der militärischen Logistik schließen könne und dies in vielen Ländern Europas aktuell so sattfinde. Die Leistungen orientierten sich stark nach den Anforderungen der Kunden und umfassten eine große Bandbreite.

Das Spektrum des zeitlichen Vorlaufs reiche von: „Start nächste Woche bis, dafür brauchen wir dann schon ein Jahr, zum Beispiel für ein komplettes Feldlager“.

Die „Contractors“ der NSPA würden zur notwendigen Unterstützung der Logistik jedoch eher in der 3. und 4. Ebene eingesetzt, also nicht am „scharfen Ende“.

Gesellschaftsabend

Netzwerke festigen und erweitern ist ein wichtiges Ziel des bB, welches während des Gesellschaftsabends mühelos erreichbar war. Die traditionelle Sammlung für das Soldatenhilfswerk ergab die Summe von 1.290 Euro, die vom bB auf 1.500 Euro aufgestockt wurde. Zehn Mitglieder wurden für ihre 25-jährige Treue zum bB vor Ort geehrt. Weitere Jubilare werden die Urkunde von den Vorsitzenden ihrer Kameradschaft erhalten.

    Die Ehrung für 25jährige Treue zum bB durch den Präsidenten, (oben v.l.n.r.) Oberst i.G. Mario Karnstedt, Oberst i.G. Boris Junk, Oberst d.R. Ulrich Otto, Oberstleutnant Michael Rudolf Koch, Oberst Christoph Hermann Schladt, (unten v.l.n.r.) Oberstleutnant Thomas Altmann, Oberstleutnant Hendrik Hilgendorff, Oberstleutnant Daniel Ridderbusch, Oberstleutnant Ralf Kauthe, Oberstleutnant a.D. Matthias Weigmann, ©Bundeswehr/Roman Schlosser

Die Informationsveranstaltung Tag 2

Den Start in den zweiten Tag vollzog Oberst i.G. Boris Junk, Referatsleitern im BMVg SK V 2, zum militärischen Anteil der Gesamtverteidigung, also dem Operationsplan (OPLAN) Deutschland.

Den OPLAN Deutschland stellte Oberst i.G. Boris Junk, Referatsleiter SK V 2 im BMVg, vor, ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Der Experte aus dem Ministerium machte deutlich, dass eine Bedrohung für die NATO gegeben sei, selbst wenn keine Indikatoren für konkrete Vorbereitungen vorlägen. Das Potential sei vorhanden. Der Nationale Sicherheitsrat sei eine Stärkung der Verteidigung gegen die existierende hybride Bedrohung. Der Kernauftrag der Bundeswehr zur Landes- und Bündnisverteidigung sei nur gesamtstaatlich (gesamtgesellschaftlich) umsetzbar.

Der vorgestellte OPLAN Deutschland dürfe nicht als allumfassender Plan zur Gesamtverteidigung verstanden werden, sondern umfasse den militärischen Anteil in Deutschland und die Unterstützung der Streitkräfte von ziviler Seite. Beispielsweise wäre der Schutz kritischer Infrastruktur durch militärische Kräfte nur dann berücksichtigt, wenn diese militärisch bedeutsam sein.
Die komplementäre Planung der zivilen Seite zur Gesamtverteidigung wachse gerade auf.

„Rechnen sie mit verstärkter Übungstätigkeit im Land, besonders für den Aufmarsch in der Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe!“

Darauffolgend führte Oberst i.G. Stefan Frankenberger, Chef des Stabes der HSchDiv, zur Lage der Heimatschutzdivision aus.

Oberst i.G. Stefan Frankenberger, Chef des Stabes der HSchDiv, zur Heimatschutzdivision, ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Die Heimatschutzdivision mit ihren 6 Regimentern, in denen jeweils eine Kompanie als Ausbildungskompanie aktiv ist, leiste einen wichtigen Beitrag für den OPLAN Deutschland, erklärte Oberst Frankenberger.

Dieser Beitrag gliedere sich in Schutz und Sicherung, Unterstützung des Aufmarschs durch Deutschland und Amts-/Katastrophenhilfe.

Im Fokus der Division bei Ausbildung und Ausstattung stünden derzeit die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Wach- und Sicherungsaufgaben, Drohnenaufklärung und -abwehr (C-sUAS) und die Führungsfähigkeit.

Es sei vorgesehen, die Ausbildung von Wehrpflichtigen durchzuführen und verbunden damit auch die Ausbildung zum Offizier der Reserve als ROA SaZ02 mit Qualifikation Sicherungszugführer zu ermöglichen.

Weiterhin sei ein schnelles Reaktionselement (SRE C-sUAS) zur Drohnenabwehr aktuell in Vorbereitung. Der Wirkbetrieb solle noch in diesem Jahr liegen.

BrigGen Stephan Kurjahn, Kommandeur der TSH, erläuterte die Ideen für Logistische Ausbildungseinrichtungen in Krise und Krieg.

BrigGen Stephan Kurjahn, Kommandeur der TSH, zur Schule in Krise und Krieg, ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Der Kommandeur aus Aachen zeigte zunächst die vorherrschenden Rahmenbedingungen an der TSH auf. Zum einen bestimmten die Zuläufe neuer Systeme – beim gleichzeitigen Verbleib des bereits eingeführten Geräts – zum anderen der höhere Bedarf an Ausbildung durch den Aufwuchs der Streitkräfte – und damit auch der Instandhaltungskräfte – die künftige Auftragslage.

Auch sei das Lehrgangsgebäude in seiner Vielfalt und die Diversität der fachlich zuständigen Stellen außergewöhnlich.

Die Überprüfung des aktuellen Auftrags und dessen Durchführung, an den Bedarfen von LV/BV böten jedoch Möglichkeiten der Verbesserung.

„Wir haben rund 270 Lehrgänge untersucht. Davon bleiben in Krise und Krieg noch weniger als 170 relevant. Die Pläne haben wir im Schreibtisch!“

Durch das Reduzieren auf das Nötigste sowie der Bündelung von Kräften könne aus eigenen Ressourcen die Kapazität dafür um den Faktor 4 gesteigert werden, erklärte der Kommandeur.

Logistische Ausbildungseinrichtungen in Krise und Krieg, darüber berichtete BrigGen Holger Draber, Kommandeur der Logistikschule der Bundeswehr.

BrigGen Holger Draber, Kommandeur der Logistikschule der Bundeswehr zur Schule in Krise und Krieg, ©Bundeswehr/Jana Grünberg

Der Gastgeber ordnete die möglichen Umstellungen an seiner Schule zunächst im allgemein militärischen Kontext ein.

„Eine Anpassung, die wir bereits angestoßen haben, ist es ein War Gaming Logistics aufzusetzen.“, gab er bekannt.

Bei der stärkeren Digitalisierung in der Ausbildung seien der Einsatz von Drohnen, die Anwendung von KI und der 3D-Druck voranzutreiben. Mit moderner Ausbildungstechnologie sei ein ortsunabhängiges Ausbilden in virtuellen Trainingsumgebungen möglich, so General Draber.

Die Teilhabe an und das Auswerten von Übungen – beispielsweise Steadfast Dart 2026 – habe großen Wert, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Trotz multinationaler Einbindung im Rahmen des Bündnisses habe ein Nationales Element zur Unterstützung (NSE) seine Berechtigung. Die Ausbildung des Personals eines solchen NSE HQ (Hauptquartier) sei am Anteil JSTC der LogSchBw sinnvoll durchzuführen.

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich der Präsident im bB GenMaj Jochen Deuer bei allen Mitwirkenden und warb bereits jetzt für die Informationsveranstaltung im Herbst 2026 in Aachen, die am 19./20.11.26 stattfinden soll.

Impressionen von der Informationsveranstaltung im Februar 2026 (©Bundeswehr/Jana Grünberg)

   

Autor: Oberstleutnant Roman Schlosser

 

Heimatschützer trainieren Sicherung der Infrastruktur

Die Heimatschutzkompanie Sachsen trainiert ein Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung. Über einen Bahnhof verlegt die Bundeswehr eigene und alliierte Truppen in Richtung Ostflanke. Die Kompanie erhält den Auftrag, eine Verladerampe für Panzer zu sichern.

Um auf diesen Ernstfall vorbereitet zu sein, üben die Soldatinnen und Soldaten des Heimatschutzregiments 5 regelmäßig, dieses Mal auf dem Truppenübungsplatz Lehnin.

Soldatinnen und Soldaten der Heimatschutzkompanie Sachsen trainieren auf einem Gelände in Lehnin den Gebäudekampf

„Klare Kommunikation“, ruft Oberstleutnant Bernd B. bei der Befehlsausgabe in die Formation. Der Kompaniechef zeigt mit einem Stock auf den Geländesandkasten. Das ist ein Modell des Geländes, nachgebaut aus natürlichen Materialien. Die Truppe ist fokussiert, ihre Motivation ist hoch. Mithilfe des Sandkastens gibt der Chef die Übungslage und den Auftrag durch. Der hat es in sich: Das Gelände ist weitläufig und umfasst mehrere Gebäude, Waggons, eine Verladerampe und ein angrenzendes Waldstück. „Unser Ziel ist es, das Objekt zu sichern und die Sabotage der Verladung zu verhindern“, erläutert der Kompaniechef die Anforderung an seine Einheit. Dabei übt die Kompanie vielseitige Fähigkeiten, etwa Wach- und Sicherungsaufgaben. Zur Ausbildung gehören auch Aufträge im Zusammenhang mit der Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe, über die sich die NATO Bündnistruppen von West nach Ost bewegen. Darüber hinaus soll den Soldaten vermittelt werden, feindbesetzte Gebäude zu nehmen, um sie anschließend zu sichern. Das erfordert intensives Training und Erfahrung.

Hohe Ausbildungsstandards

Zur Heimatschutzkompanie Sachsen gehören Reservistinnen und Reservisten aller Dienstgrade bis zum Oberstleutnant. Die meisten von ihnen wohnen in Sachsen und sind mit Land und Leuten vertraut. Ihr Hauptauftrag ist es, die aktive Truppe im Wach- und Sicherungsdienst für militärische Anlagen und Infrastruktur zu unterstützen und zu stärken. „Wir adaptieren bei den Aufgaben im Heimatschutz die
Ausbildungsstandards des Heeres“, sagt Oberstleutnant B. Die Heimatschützer müssten sich auf Zivilisten, auf Störer, aber auch auf subversive Kräfte, einen militärischen Gegner einstellen. Denkbar seien Agenten, die militärische Objekte ausspähen oder Brandsätze legen. Es könnten aber auch professionelle Sabotagetrupps sein, die mit Handwaffen und Sprengmitteln ausgestattet sind. Um auf solche unterschiedlichen Akteure eingestellt zu sein, sind die Ausbildungsstandards entsprechend hoch. Wie wird das erreicht?

In Sachen Ausbildung hat sich im Heimatschutz seit der Unterstellung unter das Heer viel getan. „Wir haben einen klaren Ausbildungsauftrag“, sagt der Chef. Das sei vorher nicht der Fall gewesen. Personell, materiell und was die Ausrüstung betreffe, sei jetzt eine ganz andere Dynamik im Heimatschutz zu verzeichnen. „Ich habe nun die Ausbilder, um mit drei Zügen ausbilden zu können. Wir können vom Einzelschützen bis zum Offizier weiterbilden. Durch den Neuen Wehrdienst wird Personal hinzukommen. Und wir haben einen Ausbilder, der die Drohnenbedienung unterrichtet. So können wir auch Reservisten aus anderen Kompanien ausbilden“, zählt der Kompaniechef auf.

Im Auge des Sturms

Zurück in der Lage. Nach den Vorbereitungsmaßnahmen beziehen die Kräfte die Ausgangsstellung, um ein feindbesetztes Gebäude zu nehmen. Ein Trupp mit vier Männern positioniert sich hinter einem Waggon. Ein kurzes Signal an ihre Kameraden, die sich wenige Meter hinter ihnen befinden, und sie stürmen mit dem Gewehr G36 aus der Deckung. Mit schnellen Schritten geht es in Richtung Gebäudewand. Ein Soldat sichert nach oben ab, einer richtet sein G36 nach links, ein anderer nach rechts. Der vierte Kamerad konzentriert sich auf das Gebäude  geradeaus. An einem Fenster, der möglichen Einbruchstelle, positioniert sich der Trupp und dringt in das Gebäude ein.

Der erfolgreiche Kampf in und um Gebäude verlangt höchste Konzentration und praktisches Können. In Lehnin lernen die Reservistendienstleistenden auch die Annäherung an ein Gebäude.

Im Haus riegelt ein Soldat einen Flur ab, ein anderer arbeitet sich eine Treppe hoch. Während die Soldaten ins erste Geschoss vordringen, rücken weitere Trupps in das Gebäude nach. An dieser Stelle unterbricht der Leitende die Übung und versammelt die Soldaten um sich. Die unverzügliche
Manöverkritik der Ausbilder ist wertvoll: Sie verdeutlicht den Wert klarer Kommunikation und vermittelt Grundsätze wie die Aufstellung und Bewegung des Trupps im Raum. So gelingt es, Schritt für Schritt die Mängel abzustellen.

Gefährliches Nadelöhr

Schnell wird deutlich: Das richtige Nehmen eines Gebäudes ist die Königsdisziplin – selbst unter anfänglich einfachen Bedingungen. Man merkt: Je besser die Soldatinnen und Soldaten einzeln und in ihrem Zusammenwirken werden, desto komplexer wird das Szenario gestaltet: Wie ist die Lage im Gebäude? Sind unbeteiligte Personen oder ausschließlich Feindkräfte im Haus? Überall könnten Sprengfallen lauern.

An diesem Tag setzen die Soldatinnen und Soldaten nun zum vierten Mal an, um das Gebäude zu nehmen. Aus den Fenstern blitzen die Läufe von Sturmgewehren, das Gebäude ist definitiv feindbesetzt. Ein Trupp nähert sich. Die Reservisten, die sich im Haus gegenüber verschanzt haben, müssen den Feind am Fenster niederhalten, also mit Feuer in die Deckung zwingen. „Handgranate!“, ertönt es. Auf der freien Fläche zwischen Bahnwaggon und Hauswand gibt es keine Deckung. Das Ausbildungsgerät Duellsimulator (AGDUS)  eines Soldaten blinkt. Mit dem System lassen
sich, ähnlich wie beim Spiel Laser Tag, Treffer simulieren. Beintreffer. Die Nebenleute reagieren sofort.

Einer packt den Verwundeten und zieht ihn hinter den Eisenbahnwaggon. Ein anderer feuert auf den Feind am Fenster im ersten Stockwerk. Während ein dritter Kamerad die Erstversorgung vornimmt, rücken weitere Kräfte des Alpha-Zugs nach. Im Haus müssen sie die Treppe überwinden. Dazu riegeln sie zunächst die Gänge ab. Der Treppenaufstieg ist ein gefährliches Nadelöhr. Hier sind gute Kommunikation,  Koordination, schnelles Handeln und vor allem Mut gefragt. Das Gefecht ist kurz, intensiv und erfolgreich für den Alpha-Zug.

Im Gebäude können die Soldatinnen und Soldaten praktisch nachvollziehen, wie anstrengend es ist, sich Raum für Raum und Etage für Etage im feindbesetzten Gebäude vorzuarbeiten

Mit Beharrlichkeit und Motivation

Oberstleutnant B. lässt anschließend am Sandkasten zur Auswertung antreten. „Die Treppe war nicht abgeriegelt. Vorher habt ihr das Erdgeschoss nicht genommen und der Feind muss entwaffnet sein“, lauten die Kritikpunkte. Auch die Gruppen- und Zugführer bekommen ein Feedback. Denn während der Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz übt auch das Führungspersonal in seinen Funktionen.

Oberstleutnant B. erinnert an den Dreiklang Kräfte, Raum und Zeit: „Wir sind ein verstärkter Zug, wir kennen unsere Gebäude, haben Raumkenntnis, und sind in einem Verhältnis zum Feind, wo wir angreifen können. Das Gebäude zu nehmen, geht daher schneller. Wenn wir länger brauchen, verzögert sich auch die Verladung. Das darf nicht passieren.“ Die Kritik zeigt, dass die Aufgabe sehr komplex ist. Das Zusammenspiel der Trupps muss funktionieren. Der Zugführer ist wie ein Dirigent, der in einem Orchester die einzelnen Instrumente zum Einsatz bringt. Alle müssen ihr Instrument beherrschen und ihre Rollen kennen.

Ein letzter Durchgang. Der Kompaniechef lässt den Sturm des Gebäudes wiederholen. Dieses Mal leisten die Feinddarsteller größeren Widerstand. Mehr AGDUS-Geräte piepen. „Wenn ich den Schwierigkeitsgrad erhöhe, ist es ein Stück besser als vorher“, freut sich der Kompaniechef abschließend. Tatsächlich brauchen die Reservistinnen und Reservisten diesmal deutlich weniger Zeit, um das Gebäude zu sichern, werden insgesamt flüssiger in ihren Bewegungen.

Das Resümee: Der Ausbildungstag war für alle intensiv und hat deutliche Fortschritte und wertvolle Erkenntnisse mit sich gebracht.

Erstveröffentlichung auf der Webseite der Bundeswehr, www.bundeswehr.de

Datum: 21.01.2026

Bilder: © Bundeswehr/Benjamin Vorhölter

Privilegierte Partnerschaft vereinbart

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH), Malteser Hilfsdienst e.V. (MHD) und Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr beabsichtigen Verträge zur Regelung mitwirkender Unterstützung

Mit der Unterzeichnung und Feststellung der Privilegierten Partnerschaft am 6. März 2026 in Berlin im Rahmen der Sanitätsübung MEDIC QUADRIGA 2026 vereinbaren der Zentrale Sanitätsdient der Bundeswehr, die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. und der Malteser Hilfsdienst e.V., im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Grundlagen zur Vertiefung einer wechselseitigen Unterstützung auszugestalten.

Zwar ermächtigt das „Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere Hilfsgemeinschaften“ (DRK-Gesetz) von 2008 sowohl die JUH als auch den MHD zur Unterstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Jedoch wurde die Organisation dieser mitwirkenden Unterstützung der JUH und des MHD für den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr bisher weder hinreichend konkret ausformuliert, noch in Art und Umfang benannt. Ein erster Schritt in diese Richtung ist nun getan.

Die Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Ressourcen des Sanitätsdienstes der Bundeswehr im Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung nicht ausreichen werden. Damit ist eine langfristige unterstützende Mitwirkung durch JUH und MHD notwendig und besonders wertvoll.

Mit der Privilegierten Partnerschaft ist zugleich die Absicht verbunden, öffentlich-rechtliche Verträge zwischen dem BMVg, der JUH und dem MHD abzuschließen. Darin sollen die Grundzüge der mitwirkenden Unterstützung vereinbart werden. So werden beispielsweise Verwendungsauftrag und Verhaltensregeln, die für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JUH und des MHD zur Unterstützung des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr gelten, vorab festgelegt und bilden so eine verlässliche Grundlage.

„Die aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen machen deutlich: Landes- und Bündnisverteidigung sind eine gesamtstaatliche Aufgabe“, sagt Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr. „Deswegen ist eine funktionierende und belastbare zivil-militärische Zusammenarbeit mit den Johannitern und den Maltesern als Deutschlands größten zivilen Hilfsorganisationen notwendiger denn je. Die Verlässlichkeit ziviler Unterstützung ist in einem militärischen Verteidigungsszenario ein entscheidender Erfolgsfaktor.“

Die Einsatzkräfte von JUH und MHD werden keine militärischen Uniformen tragen und keine Berechtigung zum Führen einer Waffe besitzen. Zusätzlich zu ihrer Einsatzkleidung werden sie aber zum Tragen des Schutzabzeichens (Rotes Kreuz) und eines Ausweises gemäß Genfer Konvention berechtigt sein. Die Entwürfe für den Verwendungsauftrag und die Verhaltensregeln befinden sich derzeit bereits in Abstimmung.

Oliver Meermann, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe sagt: „Wir begrüßen, dass mit der Privilegierten Partnerschaft nun die Grundlage dafür geschaffen wurde, unsere Unterstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr konkret auszugestalten. In unsicheren Zeiten benötigen wir als Hilfsorganisation sowie für unsere Einsatzkräfte verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und klare Regelungen zu Ausbildung, Ausstattung und Haftung. Nur so können wir unsere Unterstützung der Bundeswehr schnellstmöglich auf den Weg bringen und im Ernstfall schnell handeln.“

Albrecht Prinz von Croy, Vizepräsident des Malteser Hilfsdienstes, lobt das gemeinsame Engagement, hat aber auch klare Forderungen: „Die sanitätsdienstliche Zusammenarbeit und Unterstützung der Bundeswehr ist wichtig. Wir nehmen die Verantwortung, die damit verbunden ist, gerne wahr. Wir freuen uns, dass sich auch die Johanniter-Unfall-Hilfe mit uns gemeinsam engagiert. Es ist ganz wichtig, dass ein möglicher Einsatz für unsere Einsatzkräfte grundsätzlich freiwillig erfolgt! Deshalb muss schon jetzt die Freistellung durch die Arbeitgeber analog zu THW und FW durch den Gesetzgeber zügig geregelt werden. Ein Einsatz der Malteser für und mit der Bundeswehr – egal ob im In- oder Ausland – erfordert noch abschließende Regelungen im Hinblick auf disziplinarrechtliche Unterstellungsverhältnisse und auch im Hinblick auf die Fürsorge unserer eingesetzten Helferinnen und Helfer. Diese dürfen nicht schlechter gestellt sein als unsere Soldatinnen und Soldaten“.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit mehr als 33.000 Beschäftigten, rund 44.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 1,2 Millionen Fördermitgliedern eine der großen Hilfsorganisationen in Deutschland und zugleich ein bedeutendes Unternehmen der Sozialwirtschaft. Die Johanniter engagieren sich in den Bereichen Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung und Pflege von alten und kranken Menschen, Fahrdienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hospizarbeit und anderen Hilfeleistungen im karitativen Bereich sowie in der humanitären Hilfe im Ausland.

Der Malteser Hilfsdienst e.V.

Der Malteser Hilfsdienst e.V. hat seine Wurzeln im katholischen geistlichen Ritterorden der Malteser. Der MHD beschäftigt zur Aufgabenerfüllung 55.000 ehrenamtliche und 40.000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seine Satzungszwecke sind die Ausbildung und der Einsatz in Erster Hilfe, im Sanitäts- und Rettungsdienst, im Zivil- und Katastrophenschutz sowie in der Notfall- und Katastrophenhilfe.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr ist ein militärischer Fachdienst, der grundlegend und in jedem Handeln zuerst der Menschlichkeit verpflichtet ist. Mit rund 25.000 Frauen und Männern sichert der Sanitätsdienst der Bundeswehr die medizinische Versorgung aller Soldatinnen und Soldaten. Im Inland wie im weltweiten Einsatz haben die Sanitätskräfte den Auftrag, die Gesundheit der Bundeswehrangehörigen zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen.

Quelle/Bildrechte: Unterstützungskommando der Bundeswehr Presse- und Informationszentrum

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  • Abgeschlossenes Studium im Bereich Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen oder vergleichbare Qualifikation.
  • Mehrjährige Expertise im technischen Vertrieb oder in verwandten Bereichen mit Fokus auf komplexe Produkte, vorzugsweise im Sektor Militär und
  • Sie verfügen idealerweise über fundierte Kenntnisse in den Bereichen ABC-Schutz (Dekontamination) und mobile Wasserversorgung sowie über ein gutes Verständnis der relevanten militärischen und zivilen
  • Ausgeprägt technisches Know-how und Begeisterungsfähigkeit für komplexe
  • Überzeugende Kommunikationsfähigkeit und ein ausgeprägtes
  • Kompetenz, komplexe Systeme in zielgruppenorientierten Präsentationen verständlich darzustellen und deren Nutzen zu vermitteln.
  • Verhandlungssichere Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und
  • Ausgeprägtes Organisationstalent zur Strukturierung und Priorisierung von Aufgaben in einem dynamischen

Unser Kärcher WOW-Paket:

  • Damit Sie in eine abgesicherte WOW-Zukunft blicken können, zahlen wir für alle Mitarbeitenden einen jährlichen Beitrag in die betriebliche Altersvorsorge ein, den Sie zusätzlich durch individuelle Eigenbeiträge erhöhen können.
  • Kleine Traum-Erfüll-Hilfen: jährliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Jubiläumszuwendungen für alle, die lang in unserem Team bleiben, Zielprämien und weitere Sonderzahlungen.
  • Genug Zeit, um Familie, Freund*innen und die Welt zu sehen: Bis zu 32 Tage An Heiligabend und Silvester haben Sie frei.
  • Den Alltag flexibel gestalten: Gleitzeit und die Möglichkeit, im Home-Office zu
  • WOW = Job + Familie: Wir unterstützen Sie beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit, bei der Betreuung von Kindern und Angehörigen – auch mit Zuschüssen zu den Betreuungskosten und vielen weiteren Möglichkeiten.

Also: Wanna WOW with us?

Laden Sie einfach Ihren Lebenslauf online hoch und hinterlassen Sie Ihre Kontaktinfos. Wir freuen uns darauf, Sie von Ihrer persönlichen WOW-Seite kennenzulernen! Wir begrüßen die Bewerbung von Menschen mit Behinderung deren

Integration uns ein besonderes Anliegen ist.

Together towards a clean world.

Andreas Benhof | Head of Kärcher Talent Acquisition andreas.benhof@karcher.com

Kärcher Futuretech GmbH – TECHNICAL SALES MANAGER (M/W/D) MOBILE CATERING SYSTEMS

Das werden Ihre WOW-Momente:

  • Dank Ihrer fundierten Fachkenntnisse in den Bereichen professionelle Küchenausstattung und mobile Verpflegung sowie Ihrer ausgeprägten Kommunikationsfähigkeit bieten Sie internationalen Kunden eine qualifizierte Beratung und sind für die Vertriebskolleginnen eine wichtige Ansprechperson bei technischen
  • Sie analysieren präzise die spezifischen Kundenanforderungen und technischen Spezifikationen für die Angebotserstellung und leiten technische Angebotsprojekte bei komplexen internationalen Ausschreibungen.
  • Sie erstellen und koordinieren kundenorientierte und überzeugende Vermarktungsunterlagen im Rahmen von Ausschreibungen und zur Produktvermarktung.
  • Sie übernehmen die professionelle Präsentation unserer innovativen Lösungen sowie das dynamische Vorführen unserer Produktpalette inklusive Kochen auf internationalen Kundenterminen, renommierten Messen und branchenrelevanten Veranstaltungen.
  • Sie übernehmen Verantwortung im Rahmen der Projektrealisierung von internationalen Aufträgen.

Es wäre WOW, wenn Sie das hier mitbringen:

  • Abgeschlossenes Studium im Bereich Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen oder vergleichbare Qualifikation.
  • Mehrjährige Expertise im technischen Vertrieb oder in verwandten Bereichen mit Fokus auf komplexe Produkte, vorzugsweise im Sektor Militär und
  • Idealerweise verfügen Sie über fundierte Kenntnisse der relevanten Anforderungen im Bereich der Lebensmittelverarbeitung sowie über weitreichende praktische Kochkenntnisse und ein gutes Verständnis der relevanten militärischen und zivilen Anforderungen.
  • Ausgeprägt technisches Know-how und Begeisterungsfähigkeit für komplexe
  • Überzeugende Kommunikationsfähigkeit und ein ausgeprägtes
  • Kompetenz, komplexe Systeme in zielgruppenorientierten Präsentationen verständlich darzustellen und deren Nutzen zu vermitteln.
  • Verhandlungssichere Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift sowie ein ausgeprägtes

Unser Kärcher WOW-Paket:

  • Damit Sie in eine abgesicherte WOW-Zukunft blicken können, zahlen wir für alle Mitarbeitenden einen jährlichen Beitrag in die betriebliche Altersvorsorge ein, den Sie zusätzlich durch individuelle Eigenbeiträge erhöhen können.
  • Kleine Traum-Erfüll-Hilfen: jährliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Jubiläumszuwendungen für alle, die lang in unserem Team bleiben, Zielprämien und weitere Sonderzahlungen.
  • Genug Zeit, um Familie, Freund*innen und die Welt zu sehen: Bis zu 32 Tage An Heiligabend und Silvester haben Sie frei.
  • Den Alltag flexibel gestalten: Gleitzeit und die Möglichkeit, im Home-Office zu
  • WOW = Job + Familie: Wir unterstützen Sie beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit, bei der Betreuung von Kindern und Angehörigen – auch mit Zuschüssen zu den Betreuungskosten und vielen weiteren Möglichkeiten.

Also: Wanna WOW with us?

Laden Sie einfach Ihren Lebenslauf online hoch und hinterlassen Sie Ihre Kontaktinfos. Wir freuen uns darauf, Sie von Ihrer persönlichen WOW-Seite kennenzulernen! Wir begrüßen die Bewerbung von Menschen mit Behinderung, deren

Integration uns ein besonderes Anliegen ist.

Together towards a clean world.

Andreas Benhof | Head of Kärcher Talent Acquisition andreas.benhof@karcher.com