Startseite

Praxisnaher Service für Verteidigungstechnologien mit umfassender Betreuung über den gesamten Lebenszyklus

Ihr leistungsfähiger Systemintegrator für Hydraulik, Pneumatik, Schmiertechnik und Rohrsysteme sowie Mechanikservice an wehrtechnischen Geräten.

„Vogel Gruppe“ ist die Dachmarke der Industrie-Hydraulik Vogel & Partner GmbH mit den Tochterunternehmen Vogel Druckluft-Technik GmbH und Wetzel Zylinderservice GmbH. Seit 1990 sind wir ISO-9001 zertifizierter Vertriebs- und Servicepartner für Industrie und Handwerk und bieten Produkte und Services rund um Hydraulik, Pneumatik, Schmiertechnik, Rohrsysteme, Druckluft sowie Fluidtechnischen Anlagenbau in Kooperation mit unseren Hauptvertriebspartnern Parker Hannifin, SKF und Festo.

Ein Netzwerk von 11 Standorten mit über 110 Kollegen bestehend aus einem umfassenden Spektrum hochwertiger Produkte, unser technisches Know-How und unsere umfassende Branchenkenntnis garantieren Ihnen, dass Sie auch morgen auf einen leistungsstarken Partner bauen können. Da die Probleme der Fluidtechnik nicht immer mit Standardbauteilen abgedeckt werden können, bieten wir Ihnen neben unseren namhaften Vertragspartnern auch Produkte anderer Hersteller an und garantieren Ihnen damit für jeden Fall eine optimale Beratung.

Einsatzfähige Rohrleitungssysteme für Öl, Luft oder Fett aus geeigneten Werkstoffen als Einzel- oder Serienfertigung sowie montagefertige Kits. ©Vogel-Gruppe

Für Projekte im Verteidigungsbereich setzt die Vogel Gruppe auf ein Qualitätsmanagement, das auf ISO 9001:2015 basiert und um die für militärische Anwendungen relevanten Anforderungen aus AQAP 2110/2113/2130/2131 erweitert wurde. Damit stellen wir sicher, dass Entwicklung, Fertigung und Dokumentation den Erwartungen von Auftraggebern und Behörden entsprechen.

Unsere Schwerpunkte liegen in der Bereitstellung von normgerechten Schlauchleitungen (nach VG 95922-2, VG 95924-1, VG 95924-2 und VG 95938), Transport- und Prüfsystemen sowie Werkzeug- und Montagesätzen, die speziell für militärische Anwendungen entwickelt und zugelassen sind. Viele unserer Produkte verfügen über NATO-Stocknummern (NSN) und werden in enger Abstimmung mit Beschaffungsämtern wie dem BAAINBw eingesetzt.

Wir erledigen für Sie die Herstellung von Spezialwerkzeug, die mechanische Reparatur von Bundeswehr-Material, das Beschriften und Signieren von Material, die Durchführung von AIT-Kennzeichnungen für die Bundeswehr sowie die Beratung der öffentlichen Auftraggeber vor Ort. Schadgerätelager sind vorhanden. Zu unseren Vertragspartnern zählen die NSPA, das BAAINBw sowie weitere Bundeswehr-Dienststellen. Durch die Kooperation mit den Produktweltmarktführern Parker Hannifin, Festo und SKF verstärken wir dieses Portfolio als zertifizierte Vertriebspartner erheblich.

NATO-konforme Schlauchleitungen für Hydraulik- und Pneumatikanwendungen nach VG genormt, druckgeprüft und dokumentiert. ©Vogel-Gruppe

Als Partner von Parker Hannifin bieten wir zusätzlich Zugriff auf einen der weltweit führenden Anbieter von Motion- und Control-Technologien mit einem breiten Spektrum an Lösungen für Hydraulik, Pneumatik, Filtration, Korrosionsschutz, Elektrifizierung und Condition Monitoring. Mit Produktions- und Entwicklungsstandorten weltweit sowie einer langen Historie in der Belieferung der Verteidigungsindustrie bietet Parker Technologien, die heute in nahezu allen NATO-Ländern im Einsatz sind.

Unsere Zusammenarbeit mit SKF Lubrication ermöglicht uns und unseren Kunden einen uneingeschränkten Zugriff auf alle modernen Schmiertechniklösungen, genauso wie Lösungen im Bereich pneumatischer und elektrischer Automatisierungslösungen unserer Festo-Experten.

Neben einem mobilen Service inkl. Wartung und Reparatur, auf Wunsch auch vor Ort, bieten wir Ihnen u.a. Full-Service-Verträge für eine Vielzahl unserer Systemlösungen an. Von einbaufertigen Modulen über Spezialanfertigungen liefern wir Ihnen unsere Produkte weltweit. Unser Störungsdienst sorgt innerhalb Deutschlands dafür, dass Ihre Anlagen einwandfrei betrieben werden können. Gerne unterstützen wir Sie auch bei der Überprüfung der Konformität Ihrer Anlagen, Maschinen und Systeme bzgl. BetrSichV und DGUV. Wir werden auch in Zukunft unser Produkt- und Dienstleistungsportfolio kontinuierlich erweitern, um den Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden.

Weitere Informationen zu unseren Produkten und Dienstleistungen im wehrtechnischen Bereich erhalten Sie unter:

Industrie-Hydraulik Vogel & Partner GmbH
Laugkfeld 21
01968 Senftenberg

Tel.: 0800 770 90 90
info@vogel-gruppe.de
https://www.vogel-gruppe.de/branchenloesungen/wehrtechnik-defence

Ihr direkter Ansprechpartner für Wehrtechnik:
Herr Matthias Vogel
Geschäftsführung
m.vogel@vogel-gruppe.de

NATO-Annahmen über sowjetische Angriffsplanungen im Norden Skandinaviens

Im Jahr 1968 herrschte zwischen NATO und Warschauer Pakt der Kalte Krieg. Der sowjetischen Aufklärung war nicht verborgen geblieben, dass die Flugplätze in Nordnorwegen eine viel größere Kapazität hatten, als für die Luftwaffe des Landes erforderlich war.

Um die Basen ihrer Atom-U-Boote im Murmansk-Fjord und die Flugplätze der strategischen Bomber auf der Kola-Halbinsel vor Luftangriffen der NATO zu schützen, würde daher die Sowjetunion zu Beginn eines Krieges oder präemptiv versuchen, die norwegische Atlantikküste und die norwegischen Flugplätze in eigene Hände zu bekommen. Die realen damaligen sowjetischen Planungen kennen wir auch heute nicht. Aber wir haben heute Zugang zu den nach Ende des (ersten) Ost-West-Konflikts veröffentlichten Feindlagebeurteilungen der NATO darüber. Die hier abgebildete Karte zeigt die Annahme des Allied Command Europe Mobile Force Anfang 1968.

Die Allied Mobile Force (AMF) war ein 1960 in Dienst gestellter multinationaler mobiler Eingreifverband der NATO. Dessen Analysten entwarfen auf einer Karte mögliche Angriffsoptionen der Sowjets auf Nordnorwegen, in Varianten mit und ohne dabei Gebiete der neutralen Staaten Finnland und Schweden zu besetzen.

Der angenommene Vormarsch der Sowjets

Die Karte zeigt zu Lande vier angenommene Vormärsche der Sowjets durch zwei Divisionen. Eine sowjetische Mot. Schützendivision (MSD) ist zu diesem Zeitpunkt ungefähr 14.500 Mann stark. Der von der 341. MSD auszuführende Hauptstoß im Süden (A) zielte über das finnische Rovaniemi und das schwedische Kiruna auf den norwegischen Hafen Narvik und sollte damit den Raum nördlich davon abschneiden. Den wiederum sollten weitere Angriffe (B, C und D) dieser Division und der 45. MSD fächerartig besetzen. Die Optionen B, C und D hätten ohne Verletzung der Neutralität Schwedens realisiert werden können, D auch ohne Finnlands Gebiet zu queren. Das Besetzen dieses weiten Raumes war keine einfache Aufgabe, denn abgesehen von der gut ausgebauten Straße zwischen Kiruna und Narvik und der an der Grenze bei Kirkenes beginnenden Europastraße E6 hemmte die von Seen und deren Zuflüssen geprägte Landschaft die Bewegungsmöglichkeiten der Angreifer, wie die Wehrmacht schon 1941 bis 1944 hatte erfahren müssen. Aufgrund der brettflachen Landschaft in der Finnmark und Lappland war Luftherrschaft eine zwingende Voraussetzung für die sowjetischen Angriffsbewegungen. Luft- und Seeanlandungen sollten die genannten Angriffsziele schon in den ersten Stunden des Krieges nehmen – und bis zum Eintreffen der Hauptkräfte zu Lande halten. Sollten Luftlandungen auf norwegischen und ggf. auch schwedischen Flugplätze nicht erfolgreich sein, hatten die Sowjets deren Verminung aus der Luft vorgesehen.

Angriffsszenarien in Nordnorwegen, 1968, ©Bundeswehr/Daniela Heinecke

Amerikanische Analyse aus den 1980ern

Eine weitere, amerikanische Analyse aus den früheren 1980er Jahren ähnelt grundsätzlich der aus dem Jahr 1968, zeigt aber Änderungen in Details, auch in den weiterhin angenommenen vier taktischen Angriffskeilen der Sowjets: Der nördlichste Vormarsch war über die Europastraße E6 von der Grenze bei Kirkenes bis Lakselv und bis zu dem nahen großen Flugplatz Banak geplant. Die südlich anschließende Vormarschachse verlief durch Finnisch-Lappland über Inari zur norwegischen Stadt Karasjok. Der dritte Angriffskeil sollte über das finnische Sodankylä und das norwegische Skibotn-Tal Tromsø erreichen. Der südlichste taktische Stoß sollte wie 1968 angenommen über Kemijärvi, Rovaniemi und Kiruna auf Narvik zielen. Die von amerikanischen Analysten befürchtete Überquerung des im Winter zugefrorenen Bottnischen Meerbusens durch sowjetische Panzerkolonnen verwiesen die mit dem Gelände und den Wetterbedingungen vertrauten Skandinavier ins Reich der Fantasie.

„Gibraltar des Nordens“

Die Eroberung der Hauptstädte Finnlands, Schwedens und Norwegens waren laut amerikanischer Bewertung Anfang der 1980er Jahre nicht Ziel der Angriffe. Wichtiger waren die Åland-Inseln. Das „Gibraltar des Nordens“ hätte den Sowjets als ideales Sprungbrett zur Landung an der schwedischen Küste gedient. Das neutrale Schweden sahen sowjetische Operationsplaner nicht nur als Durchmarschgebiet, sondernmaßen vor allem dessen Luftwaffe eine hohe Schlagkraft bei, die es auszuschalten galt. NATO-Analysten nahmen daher an, dass noch vor der eigentlichen sowjetischen Offensive so genannte Speznaz-Teams mit U-Booten an Schwedens Küste angelandet werden, die nicht nur die Flugplätze angreifen, sondern den Überraschungseffekt nutzend Piloten in ihren Wohnungen töten sollten.

Erstveröffentlichung im Intranet der Bundeswehr (YNSIDE), 10.03.2026

Autor: Oberstleutnant Dr. Klaus Storkmann, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Scipio Appia – Logistisches Lagebild und Entscheidungsunterstützung

Scipio Appia ist eine digitale Mittelschicht zwischen ERP, NATO-Systemen und Gefechtsfeld, die logistische Ebenen 1 und 2 in ein durchgängiges Lagebild integriert.

Die Fähigkeit moderner Streitkräfte, Operationen erfolgreich durchzuführen, hängt unmittelbar von der Leistungsfähigkeit ihrer Logistik ab. Im Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung
entscheidet nicht allein die Verfügbarkeit von Waffensystemen über die Einsatzbereitschaft, sondern vor allem die Fähigkeit, Munition, Ersatzteile, Treibstoff und Instandsetzung rechtzeitig
zur kämpfenden Truppe zu bringen.

Das logistische System der Bundeswehr bildet hierfür den strukturellen Rahmen. Während auf strategischer Ebene zentrale, nationale IT Systeme wie SASPF oder NATO-Systeme wie LOGFAS die Planung und Verwaltung logistischer Ressourcen unterstützen, entsteht auf den taktischen Ebenen der Logistik, insbesondere logistische Ebenen (LogE) 1 und 2, eine strukturelle Fähigkeitslücke.

Die LogE 1 und 2 sind geprägt durch hohe Dynamik, kurze Entscheidungszyklen und häufig wechselnde Organisationsstrukturen der (Groß-) Verbände im Einsatz. In Verbänden, etwa auf
Brigade- oder Bataillonsebene, müssen logistische Bedarfe, verfügbare Bestände und Transportkapazitäten kontinuierlich abgestimmt werden. Gleichzeitig bleiben die eingesetzten
IT-Systeme primär auf strategische Prozesse ausgelegt und sind für die operative Realität auf Gefechtsfeldebene nicht geeignet.

Das Resultat ist ein fragmentiertes Lagebild. Informationen über Bedarfe, Bestände oder Transportbewegungen werden über heterogene Kanäle wie Funk, Excel Tabellen, Sitaware Chat oder mündliche Abstimmung kommuniziert. Ein durchgängiges logistisches Lagebild (RLP) über alle Ebenen hinweg existiert nicht. In der Folge muss händisch und über Drehstuhl-Schnittstellen Information zusammengeführt und ausgewertet werden. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren und der Prozess ist nur bedingt bis nicht kriegstauglich.

Recognized Logistic Picture (RLP): Das RLP zeigt die Einsatzbereitschaft eigener Einheiten (I, III, V, PAX) sowie laufende (grün) und vorgeschlagene (rot) Nachschubmissionen an, ©Scipio

Logistische Kräfte sind heute selbst Teil des Gefechtsfelds und müssen ihre Operationen schneller, verteilter und resilienter durchführen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die digitale Unterstützung logistischer Prozesse entscheidend an Bedeutung. Hier setzt Scipio Appia an. Appia ist ein logistisches Entscheidungs- und Führungssystem für die LogE 1 und 2 mit der
Brigade als Endnutzer im Schwerpunkt. Sie wurde speziell für den Zweck entwickelt, die bestehende Fähigkeitslücke zwischen SASPF, LOGFAS auf strategischer Ebene und der operativen Realität auf Brigadeebene komplementär zu schließen.

Technisch fungiert Appia als digitale Integrations- und Abstraktionsschicht zwischen bestehenden Systemen. Daten aus ERP-Systemen (bspw. SASPF), LOGFAS oder C2/C4I können über Schnittstellen bi-direktional integriert und in einem RLP zusammengeführt werden. Das System ermöglicht dadurch erstmals eine kontinuierliche, taktisch nutzbare Darstellung logistischer Informationen: Bedarfe von Einheiten, verfügbare Bestände, Prioritäten, Transportmittel und Versorgungskorridore & -routen können in Echtzeit zusammengeführt und für Planungs- und Führungsentscheidungen genutzt werden.

Appia ist spezifisch für die Anforderungen der Umgebung LogE 1 und 2 entwickelt. Das System kann auf einem Feldserver im Brigadegefechtsstand gehostet und via gehärtete Tablets/Laptops
bedient werden. Dabei sind die Funktionen unabhängig der Netzverbindung nutzbar, damit die Brigade offline in “congested” als auch “contested” Umgebungen handlungsfähig ist.

Mithilfe von KI ermöglicht Appia eine dynamische Planung und Steuerung von Nachschubbewegungen sowie die Optimierung logistischer Transportketten zwischen Depots, Versorgungspunkten im Einsatzgebiet und den versorgten Truppenteilen. Dadurch können Versorgungszeiten verkürzt, Transportkapazitäten effizienter eingesetzt und logistische Entscheidungen frühzeitig in den militärischen Führungsprozess eingebunden werden.

Appia ist seit Beginn der Entwicklung als multinationale, interoperable Plattform konzipiert. In multinationalen Operationen können unterschiedliche nationale Appia-Instanzen über eine
gemeinsame Daten- und Entscheidungsstruktur miteinander verbunden werden. Damit unterstützt Appia nicht nur nationale logistische Prozesse, sondern auch die Interoperabilität innerhalb von NATO-Verbänden, komplementär zu LOGFAS.

Im Kontext der digitalen Transformation der Streitkräfte und der zunehmenden Vernetzung militärischer Systeme stellt Appia somit einen neuen Ansatz für logistische Führung dar: ein durchgängiges Recognized Logistics Picture, das strategische Planungssysteme mit der operativen Realität des Gefechtsfelds verbindet.

Damit adressiert Appia eine zentrale Voraussetzung moderner Operationsführung: die Fähigkeit, logistische Informationen effizient, verlässlich und entscheidungsrelevant verfügbar zu machen und damit die Einsatzbereitschaft der Truppe zu erhöhen.

Scipio Networks GmbH | Julie-Wolfthorn-Straße 1 | 10115 Berlin

Autor: Tim Birkhofer

Veranstaltung BVL: Forum Ersatzteillogistik 22. – 23. Juni 2026

Forum Ersatzteillogistik 2026

Das Forum Ersatzteillogistik (FEL) 2026 ist der zentrale Treffpunkt für Fach- und Führungskräfte, die das Ersatzteilmanagement zukunftsfähig gestalten wollen. Am 22. und 23. Juni 2026 bringt die Veranstaltung im PARKS in Nürnberg Expertinnen und Experten aus Industrie, Handel und Dienstleistung zusammen und fördert den branchenübergreifenden Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Hochkarätige Fachvorträge zu vielfältig relevanten Themen, praxisnahe Einblicke und engagierte Diskussionen beleuchten aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze entlang der Ersatzteillogistik. Begleitend dazu bietet die Fachausstellung Raum für persönliche Gespräche mit kompetenten Ansprechpartnern und neue Impulse für die Umsetzung innovativer Ideen. Bereits am Vorabend lädt ein Networking-Abend im PARKS im Nürnberger Stadtpark zum Austausch in entspannter Atmosphäre ein.

Details zum Programm, zu Speakern und zu den Schwerpunktthemen folgen zeitnah. Hier gibt es alle weiteren Informationen – von der Anfahrtsskizze bis zur Teilnahmeoption: https://www.bvl.de/fel

Impressionen vom Forum Ersatzteillogistik 2025

 

MEDIC QUADRIGA 2026 – Stresstest für die Rettungskette nach Deutschland

Eingebunden in den Übungscluster QUADRIGA 2026 führte das Unterstützungskommando der Bundeswehr vom 16. Februar bis 20. März mit MEDIC QUADRIGA 2026 die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch. Ziel der Übung war es, die Einsatzbereitschaft und Reaktionsfähigkeit der Bundeswehr im Rahmen der Bündnisverteidigung weiter zu stärken und gleichzeitig die enge Zusammenarbeit mit zivilen Akteuren im Gesundheitswesen zu erproben und zu vertiefen.

Neben der schnellen Verlegefähigkeit der Sanitätskräfte an die NATO-Ostflanke nach Litauen wurde die Funktionsfähigkeit der gesamten medizinischen Rettungskette von der Erstversorgung Verwundeter im Einsatzgebiet bis zur weiterführenden Behandlung in Deutschland trainiert. Schwerpunkt der Übung war der erstmalige Betrieb einer zivil-militärischen medizinischen Taskforce für Steuerung, Transport und Behandlung von Patienten. Rund 1.000 Soldatinnen und Soldaten nahmen an MEDIC QUADRIGA 2026 teil.

Die Bundeswehr und zivile Hilfsorganisationen betreiben den temporären Aufnahmepunkt der Medical Task Force auf dem Flughafen BER in Schönefeld während der Übung Medic Quadriga 2026 im Rahmen der Übungsserie Quadriga 2026, ©Bundeswehr/Christopher Preloznik

Dem Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr in Koblenz kam die Aufgabe zu, ein Sanitätsbataillon als Übungsverband zusammenzuziehen und nach Litauen zu verlegen. Mit Straßenmärschen und Fähre wurden binnen weniger Tage ein Luftlanderettungszentrum, ein Forward Surgical Element und diverse geschützte Rettungsfahrzeuge nach Litauen gebracht. Mit diesen Mitteln ist der Sanitätsdienst in der Lage, dem dynamischen Frontgeschehen der Kampftruppe zu folgen und die Rettungskette jederzeit aufrecht zu erhalten.

„Nur was man in ruhigen Zeiten übt und trainiert, beherrscht man auch im Spannungs- und Verteidigungsfall“, betonte Verteidigungsminister Boris Pistorius am 6. März 2026 bei seinem Besuch der Übung in Berlin. Die medizinische Versorgung Verwundeter im Kriegsfall sei ein Beitrag zur Gesundheitsversorgung als gesamtstaatliche Verantwortung. Dazu gehöre auch die Rehabilitation von Soldatinnen und Soldaten, die in den Einsätzen verwundet werden. „Zurück in den Dienst“ laute das Motto, das zugleich ein Signal an die eingesetzten Kräfte sei.

Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht den Aufnahmepunkt der Medical Task Force auf dem Flughafen BER in Schönefeld während der Übung Medic Quadriga 2026 im Rahmen der Übungsserie Quadriga 2026, ©Bundeswehr/Christopher Preloznik

Medical Task Force übt am Flughafen Berlin Brandenburg

Im Mittelpunkt der Übung stand ein Verteilerpunkt im ExpoCenterAirport am Flughafen Berlin Brandenburg (BER): der Übungshub Berlin. Hier wurden die Aufnahme, die medizinische Priorisierung und die Weiterverteilung von Patientinnen und Patienten in geeignete zivile Behandlungseinrichtungen geübt. Die Verwundeten, dargestellt von rund 200 Soldatinnen und Soldaten, kamen am Übungsgelände neben dem Flughafen BER an. In einem Ernstfall der Landes- und Bündnisverteidigung könnten es bis zu 1.000 Verwundete täglich sein. Neben Lufttransport würden in der Krise auch Busse, Züge und Schiffe nach Deutschland eingesetzt. Am Hub hatten 250 zivile Unterstützerinnen und Unterstützer mit der Bundeswehr eine Medical Task Force (MTF) eingerichtet.

Diese bestand aus ehrenamtlichen Einsatzkräften und Fahrzeugen aus Brandenburg, mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und den Johannitern. Koordiniert wurde die MTF durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das den Zivilschutz in der Bundesrepublik organisiert.

Die Medical Task Force bestand aus ehrenamtlichen Einsatzkräften und Fahrzeugen aus Brandenburg, mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und den Johannitern, ©Bundeswehr

Trainiert wurden vor allem die Abläufe zwischen den verschiedenen Akteuren: Nach Sichtung der Verwundeten übergab das MTF-Personal diese an die Kolleginnen und Kollegen der Hilfsorganisationen, die in langen Kolonnen vor dem Übungshub bereitstanden. Auch Hubschrauber der deutschen Luftrettung DRF und der ADAC-Luftrettung waren für schwerstverletzte Verwundete im Einsatz. Die letzte Station der Übung war der Transport mit Blaulicht in zivile Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Berlin und Brandenburg. Hierfür waren neun Kliniken in das Übungsgeschehen integriert und auf die militärischen Patientinnen und Patienten vorbereitet.

„Gesundheitsversorgung nur gesamtstaatlich“

„Menschen“, sagt der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, „sind das Wertvollste, was wir haben, die wichtigste Ressource der Streitkräfte. Ihre Gesundheit zu sichern, ist im Hinblick auf die Durchhaltefähigkeit Deutschlands in Krise und Krieg unabdingbar.“ Bei MEDIC QUADRIGA 2026 werde zugleich unter Beweis gestellt, dass die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr nur gesamtstaatlich bewältigt werden könne. „Wir haben während der Übung festgestellt, wie außergewöhnlich gut das funktioniert“, betont Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann und fährt fort: „Wir haben in dieser Übung bewiesen, wir können es!“

Um die gute Zusammenarbeit weiter zu vertiefen, unterzeichnete er gemeinsam mit dem Bundesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, Oliver Meermann, und dem Vizepräsidenten des Malteser Hilfsdienstes, Albrecht Prinz von Croy, eine Kooperationsvereinbarung zur „Privilegierten Partnerschaft“ mit den Johannitern und Maltesern. Ziel dieser Partnerschaft ist es, die mitwirkende Unterstützung der Johanniter und Malteser für den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr in öffentlich-rechtlichen Verträgen zukünftig konkret auszuformulieren.

(v.l.) Oliver Meermann, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfallhilfe, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, Befehshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr und Albrecht Prinz von Croy, Vizepräsident des Malteser Hilfsdienstes, unterzeichneten am 06.03.2026 die Feststellung der Privilegierten Partnerschaft, ©Bundeswehr

Die Übung MEDIC QUADRIGA 2026 wird wichtige Erkenntnisse liefern, um die Schnittstellen der Rettungskette der Bundeswehr zur zivilen Seite für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter zu optimieren. Doch auch jetzt schon haben die entscheidenden Prozesse gut funktioniert. Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann ist überzeugt: „Bei einer Verschlechterung der sicherheitspolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten hätten wir sofort vom Übungs- in den Einsatzmodus wechseln können. Wir sind für den scharfen sanitätsdienstlichen Einsatz gerüstet.“

Erstveröffentlichung im Presseportal, 20.03.2026, www.presseportal.de

Autor: Unterstützungskommando der Bundeswehr, Presse- und Informationszentrum

Neues Luftlandefahrzeug für die leichten Kräfte

Mit den Einsatzsystemen Luftlandeplattformen reagiert das Heer auf die gewachsene Bedeutung der leichten Kräfte. Das neue Luftlandefahrzeug soll Wolf, Mungo und Wiesel ablösen, logistische Vielfalt reduzieren und zugleich Mobilität, Schutz und Feuerkraft der Truppe steigern.

Moderne Luftlandekräfte müssen ihre Aufträge in unterschiedlichsten Operationsarten und taktischen Szenarien erfüllen. Von militärischen Evakuierungsoperationen über Einsätze im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung bis hin zu Spezialkräfteoperationen. Dafür benötigen sie lufttransportfähige, hochgeländegängige Fahrzeuge, die alle wesentlichen Fähigkeiten bereitstellen und die Durchhaltefähigkeit der Kräfte erhöhen.

Von der Fahrzeugvielfalt zur einheitlichen Plattform

Derzeit stehen in diesem Bereich sehr unterschiedliche Systeme im Dienst: vom „Luftlande-Wolf“ über den Mungo Einsatz Spezialisierte Kräfte (ESK) und Mungo Mehrzweck (MZ) bis hin zu Wiesel 1 und Wiesel 2. Die Vielfalt an Plattformen bringt erhebliche logistische Herausforderungen mit sich, erzeugt einen hohen Ausbildungsaufwand und bindet personelle Ressourcen. Folglich ist größtmögliche logistische Gleichheit ein wesentlicher Treiber im Projekt „Luftlandeplattform“.

Nachts im Versteck: Ein getarntes Einsatzsystem Luftlandeplattform bezieht Stellung im anspruchsvollen Gelände, die Besatzung beobachtet den Raum

Zwei Systeme – ein gemeinsames Konzept

Nach zwei intensiven Studien wurde deutlich, welche Forderungen sich mit einem gemeinsamen System abbilden lassen und wo unterschiedliche Lösungen erforderlich sind. Eine Konsequenz war die Aufteilung des Projektes Luftlandeplattformen in zwei Teile.

Der luftbewegliche Waffenträger wird die Fähigkeiten der bisherigen Wiesel-1-Varianten Maschinenkanone und Panzerabwehr ablösen und weiter steigern. Die Einsatzsysteme Luftlandeplattformen decken, ergänzen und verbessern zugleich die Fähigkeiten der übrigen Mobilitätsträger, etwa des „LL-Wolf“, der Mungo-Varianten oder der beweglichen Befehlsstelle auf Basis des Wiesel 2.

Die uneingeschränkte Lufttransportfähigkeit ist dabei eine nicht verhandelbare Grundforderung; alle weiteren Fähigkeiten ordnen sich diesem Primat unter. Der in den vergangenen Jahren stetig gestiegene Schutzbedarf wird berücksichtigt, ohne sich allein auf passive Schutzmaßnahmen zu stützen. Vielmehr soll im Verbund von Mobilität und Wirkung ein adäquates Schutzniveau erreicht werden.

Für die Einsatzsysteme Luftlandeplattformen bedeutet das: Alle Fahrzeuge verfügen über einen grundlegenden, fest verbauten Schutz, auf dem die übrige Struktur aufbaut. Das Schutzniveau kann durch adaptive, modulare Schutzelemente erhöht werden, erreicht jedoch keinen ganzheitlichen rundumgeschützten Zustand. Zunächst werden nur Fahrzeuge für die nationale Krisenvorsorge mit solchen Modulen ausgestattet.

Dies reduziert Infrastrukturbedarf und Bewirtschaftungsaufwand, senkt Beschaffungskosten und erhöht zugleich die Anpassungsfähigkeit an konkrete Einsatzbedingungen. Einheiten und Verbände können ihre Fahrzeuge materiell vergleichsweise einfach an wechselnde Aufträge anpassen.

Heckansicht des Einsatzsystems Luftlandeplattform in der Konfiguration Long Range Reconnaissance Patrol mit aufgenommenem E-Krad

Wenige Varianten, viele Rollen

Dieser Ansatz spiegelt den Grundgedanken des Projektes wider: Es soll nur wenige Fahrzeugvarianten geben, die durch unterschiedliche Rollen viele Fähigkeiten abdecken. Ziel ist, flexibel auf wechselnde Aufträge reagieren zu können, ohne die Truppe durch eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme zu belasten. Künftige Fähigkeiten lassen sich so schneller integrieren, bestehende anpassen und entfallene Funktionen entfernen, ohne jedes Mal die komplette Flotte umrüsten zu müssen.

Das Prinzip ist nicht völlig neu. Bereits beim Boxer wurde die Idee eines Grundfahrzeugs mit aufgesetzten Missionsmodulen umgesetzt. Für die Einsatzsysteme Luftlandeplattformen wurde das Konzept allerdings weiter detailliert und auf die spezifischen Bedürfnisse der Luftlandekräfte zugeschnitten. Einheitliche Versorgungspakete mit weitgehend gleichen Ersatzteilen sind ein Beispiel für diese Ausrichtung; die Interoperabilität mit den niederländischen Luftlandekräften ist ein weiteres.

Ein wichtiger Treiber für Modularität und vielseitige Nutzungsmöglichkeiten ist der Kernauftrag der Luftlandekräfte: die Durchführung von Luftlandeoperationen. In einem solchen Einsatz ist selten sichergestellt, dass alle Fahrzeuge zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind. Deshalb muss es zwingend möglich sein, die vorhandenen Varianten je nach Prioritätenlage für unterschiedliche Fähigkeiten einzusetzen.

Führungsmittel im „Rucksack“

Der Gedanke der Modularität setzt sich auch im Führungsmittelkonzept fort. Fest im Fahrzeug verbaute Funkgeräte ließen sich bei einem Rollenwechsel nur mit erheblichem administrativen und technischen Aufwand anpassen; verloren gegangene Führungsmittel müssten aufwendig nachverfolgt werden.

Deshalb wird eine ohnehin benötigte „Rucksacklösung“ genutzt. Im abgesessenen Einsatz verwendete Führungsmittel können über einfache Schnittstellen an das Fahrzeug angebunden werden. Dadurch steigt die Reichweite, die Spannungsversorgung ist gesichert und die vernetzte Anbindung bleibt erhalten. Zugleich wurde darauf geachtet, dass jedes Besatzungsmitglied auf die Führungsmittel zugreifen und diese bedienen kann.

Offenes Fahrzeug, flexible Bewaffnung

Frühzeitig stand fest und wurde von den Hauptnutzerbereichen deutlich eingefordert, dass es sich um ein offenes Fahrzeug handeln muss. Die Besatzung soll sich verteidigen können und aufgesessen Aufträge erfüllen. Auf Dachelemente wird deshalb verzichtet, um das Anbringen von Drehringen zu ermöglichen. Ausführungen mit entsprechenden Lafetten sind vorgesehen; zusätzliche Bewaffnungen wurden frühzeitig beantragt.

Jedes Fahrzeug ist grundsätzlich mit einer Beifahrerlafette nutzbar und überwiegend auch so ausgestattet. Die Hauptbewaffnung kann in einem Drehring aufgenommen werden. Dafür stehen Oberlafetten für unterschiedliche schwere Waffen zur Verfügung. Über eine NATO-einheitliche Schnittstelle lassen sich zudem Waffensysteme von Partnernationen integrieren. Zusätzlich kann in einem Winkel von 120 Grad versetzt eine weitere Oberlafette, etwa für ein Lenkflugkörpersystem wie Eurospike, aufgesetzt werden.

Die Beifahrerbewaffnung basiert auf einem ähnlichen Prinzip, ist aber auf zwei Waffenarten begrenzt. Ihr Wirkbereich kann auf- wie abgesessen genutzt werden. Ein vollumfänglicher Witterungsschutz lässt sich unter diesen Rahmenbedingungen kaum realisieren und wird von den Nutzern auch nicht priorisiert. Für die auf das Tragen von Schutzwesten optimierten ergonomischen Sitze steht allerdings eine Sitzheizung zur Verfügung.

Der Beifahrer kann darüber hinaus zusätzliche Aufgaben übernehmen. Über ein Beifahrerhandgas ist er in der Lage, das Fahrzeug zu beschleunigen oder abzubremsen. So kann die Besatzung Gefahrenzonen rasch verlassen und weitere Ausfälle vermeiden.

Ein Soldat nutzt ein E-Krad zur beweglichen Aufklärung, während im Hintergrund ein Einsatzsystem Luftlandeplattform den Vorstoß in schwierigem Gelände unterstützt

Mobilität, Durchhaltefähigkeit und Ausblick

Das Fahrzeug kann mit Flugkraftstoff F-34 (Kerosin) betrieben werden. Fällt eine Komponente aus, lässt sich ein herstellerseitig programmierter Notlauf umgehen, sodass der Fahrbetrieb fortgesetzt werden kann. Die Mobilität soll damit möglichst jederzeit sichergestellt bleiben. Alle Fahrzeuge sind für den Betrieb mit Nachtsichtgeräten optimiert; auch Störungen oder Betriebszustände der Achssperren können unter eingeschränkten Sichtbedingungen angezeigt werden.

Zur Erhöhung der Durchhaltefähigkeit kann eine hohe Nutzlast mitgeführt werden, die auf erweiterbaren, hoch belastbaren Ladeflächen verstaut wird. Auf der Heckklappe lassen sich beispielsweise ein Krad oder andere sperrige Güter transportieren. Neben der Option, Anhänger anzukuppeln, kann eine Seilwinde am Heck und an der Front angebracht werden. In Verbindung mit weiterem Zubehör wird die Fähigkeit zur Selbstbergung deutlich verbessert.

Traktionshilfen, Reservekanister, variable Zurrpunkte und zusätzliche Staumöglichkeiten, Anschlüsse für verschiedene elektrische Verbraucher und Erzeuger, multispektrale Tarnausstattung sowie moderne Wirkmittelwerfer runden das System ab und erweitern die Einsatzmöglichkeiten. Die Forderungslage misst der Mobilität insgesamt einen hohen Stellenwert bei; abgebildet in hohem Beschleunigungsvermögen, gut kontrollierbarer Manövrierfähigkeit bei hohem Gesamtgewicht abseits fester Wege und einer gesteigerten Reichweite.

Darüber hinaus erscheinen weitere Entlastungen und Fähigkeitsanpassungen realistisch: etwa die Einbindung elektrischer Kräder, die Adaption nivellierbarer Systeme zur Sensorikanbindung, die Integration neuer Wirkmittel oder die Aufnahme zukünftiger Führungsmittel.

Mit den Einsatzsystemen Luftlandeplattformen werden die Luftlandekräfte künftig über Fahrzeuge verfügen, die ihre Auftragserfüllung durchhaltefähig, wehrhaft und effizient unterstützen ohne die Truppe zusätzlich durch aufwendige Logistik oder eine Vielzahl unterschiedlicher Ausbildungsgänge zu belasten.

Erstveröffentlichung in Europäische Sicherheit & Technik, 19.02.2026, www.esut.de

Autor: Oberstabsfeldwebel René Medici, Amt für Heeresentwicklung 

Bilder: ©Bundeswehr

Symposium „Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen“ 2025 in Mannheim

Vom 11. bis 13. November 2025 fand nun zum fünften Mal das Symposium „Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen“ am BiZBw (Bildungszentrum der Bundeswehr) in Mannheim statt. Schirmherr der Veranstaltung war wie in den vorherigen Jahren der Abteilungsleiter Kampf im BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Infrastruktur und Nutzung der Bundeswehr).

Die Veranstaltung war auch dieses Mal mit 112 Teilnehmern und Vortragenden aus verschiedenen Bereichen der Bundeswehr, den Ämtern, Bundeswehr-Dienststellen und der Truppe, aber auch relevanten Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten, wieder gut besucht.

Ein Gruppenfoto der Teilnehmer des Symposiums in Mannheim

Brigadegeneral Wind wies in seiner Eröffnungsrede auf die zukünftigen Herausforderungen, vor denen das Heer steht, hin. Sowohl die Anzahl der Vorhaben als auch die Komplexität der Systeme nimmt zu. Er zeigte dies an zahlreichen Beispielen.

Standardisierung sei eine Möglichkeit, wie diesen Herausforderungen begegnet werden kann. Die NGVA (NATO Generic Vehicle Architecture) ist eine Standardisierung für die NATO, um zukünftige militärische Fahrzeuge besser vernetzen zu können und bietet Datenmodelle für über 30 Subsysteme (z. B. Navigation, Automatic Weapon, Laser Range Finder u. a.).

Digitalisierung war ein, wenn nicht das bestimmende Thema des Symposiums. Sie ermöglicht in unterschiedlichen technischen Bereichen präzises Zustandsmonitoring z. B. durch Digitale Zwillinge, die auf physikbasierten Modellen oder KI-gestützten datenbasierten Ansätzen fußen. Sowohl Systemveränderungen als auch virtuelle Sensorgrößen werden mithilfe daten- und modellbasierter Methoden abgeleitet, wodurch zusätzliche Einblicke ohne Hardware-Nachrüstung geschaffen werden. Durch solche Methoden ist eine frühzeitige Fehlererkennung, eine optimierte Wartung und verlässliche Lebensdauerprognose, aber auch die Erfassung und Bewertung sich ändernder Rahmenbedingungen, z. B. im Einsatzszenarien, möglich. Herausforderungen bestehen in der Datenqualität und -zugänglichkeit, der Parametrierung und Validierung der Modelle, der Echtzeitfähigkeit, der Integration in bestehende Fahrzeug- und IT-Architekturen sowie einer möglichst weitgehenden Automatisierung dieser Prozesse.

Daten und Informationen sind das neue Gold für den Aufbau, die Nutzung und den Betrieb moderner Landsysteme und für einen Digitalen Zwilling entscheidend. Aspekte zu Nutzungsrechten, zu Datenmodellen, zur Datenerfassung, -übertragung und -speicherung u.a. in der pCloud sowie der Analyse und Darstellung müssen bewältigt werden. Der Vortrag der IABG gab einen Einblick in die aktuelle Umsetzung eines Digitalen Zwillings im Rahmen einer Studie für das Systemzentrum Digitalisierung Dimension Land mit dem Bezugsobjekt Flugabwehr-Panzer (Skyranger 30). Er zeigte die Möglichkeiten, Mehrwerte und Herausforderungen für die Nutzung von Digitalen Zwillingen über alle Phasen des PBN (Projektbezogene Bedarfsdeckung und Nutzung), besonders der Nutzung auf.

Gefechtsfahrzeuge werden zukünftig ohnehin vermehrt auf softwarebasierte Fähigkeiten setzen. Dabei bietet die Unterstützung durch virtuelle Besatzungsmitglieder große Chancen zur Effizienzsteigerung, aber insbesondere auch um Missionen zukünftig zuverlässiger und materialschonender durchführen zu können. Das virtuelle Besatzungsmitglied übernimmt hierbei die Beobachtung sämtlicher im Fahrzeug eingerüsteter Sensoren und überträgt Bedrohungshinweise automatisiert an die Anzeigegeräte, orchestriert Algorithmen und Sensoren, um querschnittlich über die gesamte Missionsausstattung Fähigkeiten gesichert abzubilden und somit die Besatzung zu entlasten. Auch im Sinne der Materialerhaltung lassen sich drohende kritische Systemausfälle frühzeitig prädizieren und durch automatisierte Assistenzen gegebenenfalls vermeiden. Die permanente Systemüberwachung mit Informationsspeicherung liefert hierbei die Grundlage, um auch zukünftig u. a. KI-unterstützt Wartungsprozesse zu optimieren und so Zuverlässigkeit und Materialerhalt zu gewährleisten.

Die Sammlung von Felddaten kann hierbei sehr nützlich sein. Die Universität der Bundeswehr München führt zu diesem Zweck zusammen mit der Firma monalysis Kempten das Forschungsprojekt „Datenraum Nutzung“ durch. In diesem wird die Nutzung solcher Felddaten zur Berechnung der Restnutzungsdauer von Fahrzeugen – in diesem Fall am Beispiel des GTK BOXER – untersucht. Ziel ist es, auf diesem Wege zu einer zuverlässigkeitsorientierten Instandhaltung Funktionalitäten für HUMS (Health and Usage Monitoring Systems) zu erarbeiten und eine „Instandhaltung-by-stress“ zu ermöglichen. Hierfür kommt das Durability Transfer (DT) Verfahren zum Einsatz. Mit diesem Verfahren ist es möglich, Langzeitmessungen mit stark reduziertem Applikationsaufwand unter Verwendung autarker Messtechnik an Fahrzeugflotten vorzunehmen. Das DT-Verfahren leitet Beanspruchungs- und Lastzeitfolgen zuverlässig und kostengünstig ab, indem es einfach zu messende Referenzgrößen wie Beschleunigungen und CAN-Größen verwendet, um Zielgrößen wie Fahrwerkskräfte, mechanische Spannungen, Drehmomente, Drücke oder Temperaturen zu berechnen. Deep Learning Ansätze helfen dabei, den Zusammenhang zwischen den Lastgeschehen der Referenz- und Zielgrößen zu ermitteln. Das DT-Verfahren dient als Prognosewerkzeug und liefert die Restlebensdauer sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit. Durch die Anwendung in der Flotte kann fahrzeugspezifisch das tatsächlich in jedes einzelne Fahrzeug eingebrachte Last-, Beanspruchungs- und Nutzungsgeschehen dargestellt und bewertet werden, was Konstruktion, Wartung und Instandhaltung unterstützt. Die Validierung des Modells erfolgt durch Gegenüberstellung der berechneten Schädigungswerte mit denen aus Messungen ermittelten Werten sowie durch Verifikationen auf Bauteilebene, beispielsweise am Stoßdämpfer.

Am Beispiel des Schützenpanzers PUMA wurde auf das Thema Digitalisierung am Beispiel ausgewählter Bau- und Bedienteile eingegangen. Die zunehmende Digitalisierung fordert höhere Datenübertragungsraten. Lichtwellenleiter sind deshalb robust auszulegen. Die Software muss zwingend schon beim Hersteller „zu Ende“ programmiert werden. Einschränkungen bei der Produkthaftung, bei Nutzungs- und Urheberrechten müssen bestmöglich ausgeräumt werden. Der Software-Updateprozess muss frühzeitig in der Leistungsbeschreibung aufgenommen werden. Die abgeleitete Komplexität der technischen Platzstruktur und damit verbundenen Konfigurationsstanderfassung unter SASPF wurde veranschaulicht. Software-Stände aktualisieren sich teilweise in Windeseile. Software-Anpassungen finden bei gleicher Hardware, aber verschiedenen Varianten statt. Software auf Baugruppen oder jedweder Hardware in einem Waffensystem muss zukünftig als Ersatzteil verstanden werden.

Grundsätzlich gilt jedoch für sämtliche Fahrzeugsysteme, dass qualifizierte Subsysteme, z. B. IT-Gerät, zwar geeignet sein können, jedoch bei der Integration in ein Gesamtsystem neuen Herausforderungen unterliegen und diese zum Teil in Kombination überlagernd zum Tragen kommen. Es gilt, dies bei der Systemintegration zu berücksichtigen und geeignete Lösungen zu finden.

Das Kommando Heer stellte dar, unter welchen Rahmenbedingungen die militärische Instandhaltung gelingen muss und welcher Einfluss eine große Typen- und Variantenvielfalt hat. Neue Herausforderungen stellen sich bereits bei einer Diagnose und einer qualifizierten Eingangsprüfung dar, wenn vernetzte Systeme analysiert werden müssen, und setzen sich bei der Instandsetzung und der Wiederinbetriebnahme der Systeme fort. Im Ergebnis wurde festgehalten, dass sich die Materialerhaltung von mechanischen Tätigkeiten hin zu IT-Maßnahmen verlagert, was nicht nur den Werkzeugkasten des Instandsetzungssoldaten, sondern auch dessen Qualifikation zukünftig beeinflussen wird.

Gelegenheit zum persönlichen Austausch bot neben Gesprächen bei Kaffee und Tee in den Pausen wieder ein gemeinsames Essen am Mittwochabend.

Das Symposium endete am letzten Tag u. a. mit einer Live-Schaltung nach Australien, wo die Fertigung des Schweren Waffenträgers Infanterie bzw. Heavy Weapon Carrier von der deutschen amtlichen Qualitätssicherung des BAAINBw begleitet wird. Über einen G2G-Contract (Government to Government Vertrag) wird dieser als marktverfügbares Produkt für die Bundesrepublik Deutschland beschafft. Die Beweggründe sind neben der Marktverfügbarkeit die Nutzung bestehender Ressourcen im Management- sowie Produktionsbereich. Aufgrund der hohen Auftragslage in Deutschland werden die Kapazitäten und Kompetenzen in Australien genutzt, um zeitgerecht das Material der Truppe zur Verfügung zu stellen.

Programm des Symposiums „Zuverlässigkeit und Materialerhaltbarkeit von Landsystemen“ im November 2025

Das nächste Symposium wird vom 10.-12. November 2026 an der Artillerieschule in Idar-Oberstein stattfinden. Die Teilnehmer der letzten Jahre werden mit einem Hinweis per E-Mail informiert, sobald das Programm entworfen und die Anmeldung möglich ist. Das wird voraussichtlich Ende Sommer 2026 sein. Interessierte, die bisher nicht an dem Symposium teilgenommen haben und auch informiert werden möchten, senden bitte eine E-Mail an BiZBwSymposiumLand@bundeswehr.org.

Autor: Jörg Biemann, Bildungszentrum Bundeswehr in Mannheim

Bilder: ©BiZBw

Anforderungen an den Einsatz von Drohnen und Loitering Munition im Heer

Aktuelle Konflikte und Kriege werden zunehmend durch Unbemannte Systeme (UxS) sowie Loitering Munition (LM) geprägt (UxS ist eine übergreifende Bezeichnung für unbemannte Plattformen in allen Dimensionen: Land, Luft oder Wasser). Dies zeigt sich vor allem im Krieg Russlands gegen die Ukraine, bei der eine Mehrheit der Ausfälle und aller verwundeten und gefallenen Soldaten durch eben jene Systeme verursacht und taktische Erfolge auf beiden Seiten erzielt werden.

Mit der Operation „Spider Web“, bei der bewaffnete small Unmanned Aircraft Systems (sUAS, ≤ 25kg) durch bemannte Kräfte tief ins russische Hinterland verbracht wurden, errangen die ukrainischen Streitkräfte einen spektakulären Erfolg. Diese spezielle Taktik ist so alt wie das Trojanische Pferd – die hierfür eingesetzten Sensoren und Effektoren sind es jedoch nicht. In den vergangenen zehn Jahren haben unbemannte Dual-use-Produkte eine enorme technologische Entwicklung vollzogen. Hierdurch können beispielsweise einfache wie günstige bewaffnete sUAS mittlerweile strategische Langstreckenbomber mit einem erheblichen finanziellen Wert und langen Entwicklungs- wie Bauzeiten zerstören, noch bevor diese zum Einsatz kommen.

Diese nicht mehr ganz so neuen unbemannten Mittel der Kriegsführung haben also eine deutliche Relevanz. Jedoch haben weder UxS noch LM die Kriegsführung von Landstreitkräften revolutioniert. Vielmehr wird diese vor allem technologisch getriebene Entwicklung als Evolution verstanden, bei der UxS/LM als ein unterstützendes Mittel einen zusätzlichen Baustein in der Operation verbundener (bemannter) Kräfte darstellen.

Für die Beantwortung der zentralen Frage dieses Artikels – Welche Anforderungen werden an den Einsatz von UxS/LM im Heer gestellt? – ist es wichtig, einen begrenzenden Rahmen aufzustellen. Auch wenn die technologische Innovation bei UxS/LM rasant ist, wird für die Beantwortung der zentralen Frage davon ausgegangen, dass UxS/LM weder heute, noch in den kommenden 15 Jahren in der Lage sein werden, ganz ohne bemannte Kräfte vor Ort Raum zu nehmen und zu halten und damit die Kernkompetenz von Landstreitkräften abzubilden.

Bevor die Anforderungen an UxS/LM dargestellt werden, wird zunächst der Gefechtsraum der Zukunft (bis 2040) umschrieben. Dies soll dem Leser einen Eindruck vermitteln wie Landstreitkräfte in den kommenden 15 Jahren kämpfen werden und welche Rolle UxS/LM hierbei einnehmen. Diesem Gefechtsbild folgend werden anschließend entlang der Trends der Heeresentwicklung die Anforderungen für den Einsatz von UxS/LM hergeleitet. Abschließend werden hieraus wesentliche Folgerungen in einem Fazit zusammengefasst.

Gefechtsraum der Zukunft (bis 2040)

Bereits heute werden Operationen von Landstreitkräften durch Fähigkeiten dominiert, welche eine hohe Abstandsfähigkeit als gemeinsames Element aufweisen. Dies sind in der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) vor allem Sensoren und Effektoren der Luftverteidigung, des elektromagnetischen Kampfes sowie Aufklärungs- und Wirkungsverbünde (AWV) großer Reichweite, wie sie durch die Heeresaufklärungstruppe, die Artillerietruppe oder die Heeresflieger auf Divisions- und Korpsebene abgebildet werden.

Zusammenfassend tragen diese Fähigkeiten unter dem Begriff Anti-Access/Area-Denial (A2AD) zu einem operativen Effekt bei, der dem Gegner den Zugang zu einem Raum verwehrt beziehungsweise erschwert, indem eine Konzentration von Kräften ohne frühzeitige Aufklärung und Bekämpfung nicht mehr möglich ist. Der Gefechtsraum der Zukunft wird demzufolge nahezu transparent. Zukünftig wird das Ringen um diesen operativen Effekt die Operationen von Landstreitkräften bestimmen. Wer als erstes die A2AD-Fähigkeiten des jeweils anderen anhaltend niederringen kann, wird erfolgreich die Voraussetzungen für eine hochbewegliche Operation verbundener Kräfte auf der Ebene von Großverbänden schaffen.

Bild 1: Der Gefechtsraum der Zukunft ist nahezu transparent. © Bundeswehr/Terberger

Landstreitkräfte bringen hierbei ihre oben genannten Fähigkeiten auf der Divisions- und Korpsebene mittels des Targeting Prozesses auf der operativen und damit multidimensionalen Ebene ein. Zukünftig wird der AWV auf Divisions- und Korpsebene durch neue unbemannte Sensoren und Effektoren deutlich mehr Fähigkeiten in den Targeting-Prozess einbringen können und die Geometrie des Gefechtsfeldes auf allen taktischen Führungsebenen verändern, indem sie zu einer deutlich erweiterten Abstandsfähigkeit beitragen.

Auch auf der Ebene der Kampfbrigaden und darunter werden UxS/LM künftig dazu beitragen, einen gleichwertigen Gegner bereits auf Abstand und ohne Sichtkontakt abzunutzen, um das direkte Duell weitestgehend zu vermeiden bzw. hinauszuzögern. Zusammenfassend kann hieraus abgeleitet werden, dass der Erstkontakt mit einem gleichwertigen Gegner zukünftig weitestgehend unbemannt erfolgen wird.

Die eingesetzten bemannten Kräfte sollen von der Ausführung einfacher, monotoner und gefährlicher Aufträge („dull, dirty and dangerous jobs“) durch den Einsatz von Unmanned Ground Systems (UGS) und UAS entlastet werden. Darüber hinaus sollen sie bei der Versorgung mit Gütern (Munition, Betriebsstoff, Verpflegung und Materialtransport) sowie beim Transport von Verwundeten auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden.

Anforderungen von UxS und LM

Im folgenden Abschnitt werden entlang der Trends der Heeresentwicklung die Anforderungen an UxS/LM hergeleitet.

Robustheit: Durch den Einsatz von Mitteln des elektromagnetischen Kampfes durch gegnerische Kräfte kann die Verbindung zwischen Bediener und UxS/LM gestört oder unterbrochen werden. In Abhängigkeit von der Fähigkeit des Gegners, das elektromagnetische Umfeld (EMU) zu seinen Gunsten zu formen und damit eigenen Kräften die Nutzung des EMU zu verwehren oder einzuschränken, steigt der Bedarf an hochautomatisierten Funktionalitäten der UxS/LM.

Die Erhöhung des Schutzes bedeutet eine Erhöhung der Durchsetzungsfähigkeit eigener Systeme, gerade im Hinblick auf gegnerische A2/AD Maßnahmen. UxS/LM müssen in Abhängigkeit zum Auftrag bzw. zur Größe des Systems skalierbar geschützt sowie gegen einen elektromagnetischen Puls (EMP) gehärtet, die Navigations-Systeme resilient sowie GNSS (Global Navigation Satellite System) unabhängig ausgelegt, die Führungsanbindung verschlüsselt und störungsresilient ausgeplant sein.

Einfachheit (Betrieb, Wartung und Instandsetzung): In Bezug auf die Bedienung von UxS/LM muss auf die Standardisierung einer einheitlichen Ergonomie sowie der Benutzeroberfläche der Bodenkontrollstation hingewirkt werden. Die Bedienung muss intuitiv sein, um den Ausbildungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Umfangreiche Nachschulungen bei Systemupdates oder separate Lehrgänge für die Erstausbildung an verschiedenen Systemen sind möglichst zu vermeiden. Vielmehr muss eine Typeneinweisung möglichst dezentral im Verband erfolgen.

Um die logistischen Anforderungen möglichst gering zu halten, gilt es, die Bandbreite der in die Streitkräfte eingeführten Plattformen möglichst gering zu halten, um so eine zu große Vielfalt und Komplexität an instand zuhaltenden UxS zu verhindern und die Versorgbarkeit einzelner Module bzw. Instandhaltung auch unter Gefechtsbedingungen sicher gewährleisten zu können. Nur so kann gewährleistet werden, dass bereits beschaffte Systeme den Innovationszyklen im Gefechtsraum folgen können und damit effektiv und für Truppe verfügbar bleiben.

Autarkie: Die Bundeswehr muss Eigentümer der Systeme sein. Bei Innovation von Hard- sowie Software und in Bezug auf die anfallenden Daten muss die Bundeswehr unabhängig von den ursprünglichen Herstellern den Weiterentwicklungszyklen schnell folgen können. Hierfür bedarf es maximaler Flexibilität und der Vermeidung von herstellergebundenen Insellösungen. Die Bundeswehr muss bspw. selbst bestimmen dürfen, welche Anwendungen im Rahmen einer offenen Systemarchitektur auf UxS/LM aufgespielt werden oder welche Gefechtsköpfe samt Zünder verwendet werden, ohne dafür gleich ein komplett neues System beschaffen zu müssen.

Abstandsfähigkeit: Wie bereits bei der Umschreibung des Gefechtsfelds der Zukunft dargestellt, kommt der Abstandsfähigkeit zukünftig eine Schlüsselrolle zu. Mit dem Einsatz von UxS/LM im Rahmen eines AWV muss es grundsätzlich möglich sein, die Aufklärungsreichweiten und -dichten zu vergrößern und die Präzision und Wirkungsreichweite, insbesondere gegen bewegliche Ziele, zu erhöhen, um den Kampf auf Abstand zu führen und damit Wirkung in der Tiefe (WidT) zu ermöglichen.

Bild 2: Gesamtsystem PD-100 Black Hornet: zwei UAS, eine Bodenkontrollstation sowie ein Auswertemonitor. © Bundeswehr/Neumann

Hierbei entstehen auf den unterschiedlichen taktischen Führungsebenen in Bezug auf zu erzielende Reichweiten (Siehe Grafik 1) ungleiche Anforderungen für Sicht- und Datenverbindungen. Je größer die Reichweite, desto häufiger wird es keine direkte Sicht- oder Datenverbindung (Line of Sight (LOS)) geben können. Teilweise kann die Sicht- und Datenverbindung durch Hindernisse temporär unterbrochen werden (Non-Line-of-Sight, NLOS). Hier müssen UxS/LM durch Automatisierung einsatzfähig bleiben. Bei großen Reichweiten außerhalb einer dauerhaften direkten Sicht- und Datenverbindung wird indirekte Funkkommunikation mittels Repeater, Satellit oder ähnlichem sichergestellt (Beyond Line of Sight, BLOS).

Automatisierung: Der Einsatz von UxS/LM bedingt sowohl in der Steuerung der Systeme als auch in der Verarbeitung der Sensordaten den vermehrten Einsatz spezialisierter und effizienter Softwareunterstützung zur Automatisierung. Ob die Automatisierung durch den Einsatz von klassischen Algorithmen und Verfahren der Datenanalyse erfolgt oder durch die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI), deren Modell zum Beispiel durch maschinelles Lernen erstellt wurde, ist in Abhängigkeit von den Eingangsdaten und den benötigten Ausgangsdaten zu entscheiden.

Um dem erhöhten Datenaufkommen Rechnung tragen zu können und den Einsatz von UxS/LM auch in einem umkämpften EMU zu gewährleisten, muss die Datenreduktion bzw. Auswertung/Klassifizierung von Sensordatensätzen bereits auf dem UxS/LM, also nah an der Datenquelle, erfolgen (Edge-Computing). Es sind nur Daten oder Informationen zu übertragen, die für die Weiterverarbeitung beziehungsweise für die Bewertung des Lagebildes zwingend erforderlich sind (zum Beispiel vorausgewertetes Standbild/Videosequenz).

Gleiches gilt für die Steuerung und Überwachung der UxS/LM. Hier sind soweit möglich standardisierte Schnittstellen und Datenformate zu nutzen. Um zukünftig mehrere UxS/LM durch einen Bediener gleichzeitig im Schwarmeinsatz bedienen beziehungsweise kontrollieren zu lassen, um beispielsweise die A2AD-Fähigkeiten eines gleichwertigen Gegners zu übersättigen, bedarf es insgesamt hochautomatisierter Systeme. Jedoch bleibt der Mensch auch zukünftig verantwortlich, einzelne Systeme oder einen Schwarm von UxS/LM in bestimmten rechtlichen sowie operativen Grenzen zum Einsatz zu bringen.

Virtualisierung: Um den Einsatz von Algorithmen oder KI verantworten zu können, bedarf es einer digitalen Simulation. Eingesetzte KI-Software muss den Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit genügen sowie für den Einsatz zertifiziert und freigegeben sein. Ein selbstständiges Weiterlernen auf dem UxS/LM ist somit ausgeschlossen und aufgrund der beschränkten Rechenleistung sowie der verfügbaren Energie nicht effizient. Entwicklung, Anlernen, Überprüfung und Zertifizierung von KI-Software sind zeit-, daten- und rechenintensiv. Daher ist ein möglichst breiter Einsatz einer KI-Software auf den genutzten UxS/LM anzustreben. Zudem sollten umfangreiche Teile der praktischen Ausbildung der Bediener von UxS/LM digital simuliert werden.

Vernetzung: Jedes UxS/LM muss in der Lage sein, sich aufwandsarm und „on demand“ in den Informations- und Kommunikationsverbund Land (IuKVbuLa) zu integrieren. UxS tragen als Relais dazu bei, den IuKVbuLa flächendeckender und resilienter auszubringen (Netzverdichtung und Reichweitenerhöhung).

Bild 3: Subsysteme einer Loitering Munition. © AMDC/Seitschek

Agilität: UxS müssen mit der operativen Geschwindigkeit der Truppengattungen, die sie zum Einsatz bringen, schritthalten können. Daher werden bisher vorwiegend UAS und LM im bodennahen Luftraum zum Einsatz gebracht. UGS zur unmittelbaren Kampfunterstützung müssen so konzipiert sein, dass sie bspw. den Panzertruppen selbstständig in der geforderten Geschwindigkeit und Geländegängigkeit folgen können.

Interoperabilität: Bereits bei Beschaffung von UxS/LM ist auf eine internationale Standardisierung zu achten, um den Einsatz dieser Systeme im Rahmen von LV/BV aber auch im Internationalen Krisenmanagement (IKM) zusammen mit Bündnispartnern handhabbar zu machen. Eine isolierte Integration in ein nationales Mesh-Netzwerk führt schnell zu einer unklaren Lage und ggf. zum Abschuss durch bspw. Counter-UAS/Counter-LM Systeme verbündeter Partner. Standardisierte Schnittstellen und Datenformate sind international abzustimmen.

Kaltstartfähigkeit: Die Ukraine setzt derzeit weit mehr als 1.000 UAS/LM verschiedener Kategorien pro Tag ein. Nicht alle Systeme sind Hightech-Systeme zur Durchführung komplexer Missionen, die Wirkung in der Tiefe des Gegners erzielen. Quantität und damit Masse wird vor allem durch Lowtech und damit auch Lowcost Systeme erzielt. Hieraus lässt sich ableiten, dass es einer Mischung aus High- und Lowtech-Systemen bedarf.

Nimmt man den täglichen Verbrauch der ukrainischen Streitkräfte als Maß, wird schnell klar, dass selbst bei einem Vorrat für nur 30 Gefechtstage eine niedrige fünfstellige Anzahl an sUAS/LM ständig in den Beständen der Bundeswehr allein für das Heer vorgehalten werden muss. Darüber hinaus muss die Industrie in der Lage sein, die Produktion im Sinne einer Kaltstartfähigkeit ebenso schnell auszuweiten.

Da im Verteidigungsfall zu erwarten ist, dass es zu Engpässen bei dem Zukauf von zum Beispiel Batterien oder Motoren für LMS seitens der Industrie kommt, müssen diese über entsprechende Vorräte im Vorhinein verfügen. Hierfür bedarf es entsprechender Vorhalteverträge mit der Bundeswehr, um Sicherheiten für die Industrie zu schaffen. Fest verbunden mit der Forderung zu Quantität ist eine Grundbefähigung zum Fliegen von sUAS/LM aller Soldaten des Feldheeres. Andernfalls kann das Feldheer die Masse der Systeme in einem Verteidigungsfall gar nicht zum Einsatz bringen.

Fazit

Die Rolle von UxS/LM auf dem Gefechtsfeld der Zukunft und die daran geknüpften Anforderungen zeigen ein vielfältiges und komplexes Bild. Um diesem umfangreichen wie auch vielfältigen Bedarf Herr zu werden, bedarf es einer Familie verschiedener UxS/LM für unterschiedliche Zwecke in allen Dimensionen. Hierbei ist dem modularen Plattformgedanken verstärkt Rechnung zu tragen, vergleichbar mit dem MOSA (Modular Open System Approach) Prinzip der U.S. Army. Zwar gilt es nun schnell zu sein und markverfügbares Material zu beschaffen.

Jedoch ist im gleichen Maße auch darauf zu achten, dass das Feldheer nicht mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme überlastet wird: Ausbildung, Betrieb, Wartung und Instandhaltung sowie Integration in den IuKVbuLa sind an Standards auszurichten. Wesentlich für das Erreichen dieses übergeordneten Ziels ist die Definition von Schnittstellen und Datenformaten im Rahmen einer offenen Architektur, um eine modulare Konzeption von UxS/LM entlang einzelner Subsysteme des UxS/LM zu entwickeln (Bild 3).

Erstveröffentlichung im Hardthöhenkurier, 13.01.2026, www.hardthoehenkurier.de

Autor: Oberstleutnant Bernd Terberger