Zwei Mitglieder des Blauen Bundes starten mit einem ehemaligen Bundeswehr-Fahrzeug bei der European 5000
Was haben ein ehemaliges Bundeswehr-Fahrzeug aus der Zeit des Kalten Krieges, zwei Mitglieder des Blauen Bundes, mehrere tausend Kilometer durch Europa und die Unterstützung einer Stiftung für die Erforschung einer seltenen Kinder-Demenz gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Auf den zweiten Blick eine ganze Menge.
Im September gehen Carsten Brammer, Oberstleutnant d.R., und Volker Zarth, Oberstabsfeldwebel a.D., als Team Iltis 183 bei der European 5000 an den Start. Ihr Rallyefahrzeug ist dabei kein moderner SUV und schon gar kein Hightech-Rennwagen, sondern ein Fahrzeug, das viele Mitglieder des Blauen Bundes noch aus ihrer aktiven Dienstzeit kennen dürften: Der VW Iltis, Typ 183. Und genau das macht diese Rallye für uns zu etwas Besonderem.

Ein Fahrzeug aus einer anderen Zeit
Der Iltis wurde Ende der 1970er-Jahre für die Bundeswehr eingeführt und war bis in die 1990er-Jahre hinein ein wichtiger Bestandteil der Fahrzeugflotte. Entwickelt für die Anforderungen der damaligen Landes- und Bündnisverteidigung, war der Iltis konsequent auf Robustheit, Geländegängigkeit und Instandsetzbarkeit unter schwierigen Bedingungen ausgelegt. Elektronische Steuergeräte und umfangreiche Sensortechnik waren nicht erforderlich. Stattdessen dominierten mechanische Lösungen, robuste Komponenten und eine Konstruktion, die auch unter Bedingungen funktionieren sollte, unter denen eine Werkstatt mit umfangreicher Infrastruktur nicht zur Verfügung stand. Besonders interessant aus Sicht der Instandsetzung: Viele Komponenten waren konstruktiv einfach gehalten und teilweise zwischen Vorder- und Hinterachse identisch oder austauschbar. Das reduzierte die Ersatzteilvielfalt und erleichterte die Feldinstandsetzung.
Genau diese Philosophie passt zu dem, was den Bereich Logistik und Instandsetzung bis heute auszeichnet: Ein Fahrzeug muss nicht nur funktionieren – es muss auch unter den Bedingungen instand gesetzt werden können, unter denen es eingesetzt wird.

Vom Dornröschenschlaf auf die Rallyestrecke
Unser Iltis hat selbst bereits eine kleine Geschichte hinter sich. Von 2004 bis 2021 stand das Fahrzeug still, bevor es in einer Garage wiederentdeckt wurde. Für Carsten Brammer war schnell klar: Dieser Iltis gehört nicht ins Museum – er gehört zurück ins Gelände. Mit viel persönlichem Engagement wurde das Fahrzeug restauriert und wieder fahrbereit gemacht. Nun bekommt der Iltis erneut Auslauf – allerdings nicht im militärischen Einsatz, sondern auf einer ganz besonderen Mission durch Europa. Die Rücksitze weichen der Rallyeausrüstung und aus dem ehemaligen Dienstfahrzeug wird wieder ein Expeditionsfahrzeug. Mit zwei Besatzungsmitgliedern, möglichst wenig elektronischem Komfort und viel mechanischer Technik geht es auf die Strecke.
Zwei Instandsetzer – eine gemeinsame Geschichte
Team Iltis 183 besteht aus Carsten Brammer und Volker Zarth, beide sind dem Blauen Bund seit vielen Jahren eng verbunden.
Carsten Brammer ist Oberstleutnant d.R. und als beorderter Reservist im Bundesministerium der Verteidigung als Referent bei SK II 6 tätig. Im zivilen Berufsleben ist er Niederlassungsleiter West der Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL).
Volker Zarth ist Oberstabsfeldwebel a.D. und war über viele Jahre Mitarbeiter der HIL. Mehr als 25 Jahre engagierte er sich zudem im Vorstand des Blauen Bundes. Darüber hinaus war Volker maßgeblich am Aufbau der Koordinierungsstelle der Technischen Schule des Heeres (TSH) in Aachen beteiligt und engagierte sich beim Helpdesk-Einsatz vor Ort.
Damit treffen bei dieser Rallye nicht nur zwei Rallyefahrer aufeinander, sondern zwei Menschen mit einer gemeinsamen beruflichen und kameradschaftlichen Vergangenheit – und mit einer besonderen Verbindung zu Technik, Logistik und Instandsetzung.
Alte Technik auf neuen Wegen
Natürlich kann ein fast 50 Jahre altes Fahrzeug nicht mit einem modernen Fahrzeug hinsichtlich Komfort, Assistenzsystemen oder elektronischer Vernetzung konkurrieren. Aber genau darin liegt der Reiz. Der Iltis zeigt eindrucksvoll, welche Möglichkeiten eine konsequent auf Robustheit, Einfachheit, Modularität und Reparierbarkeit ausgelegte Konstruktion bietet. Und vielleicht ist das mehr als nur nostalgisch. Angesichts der Erfahrungen moderner Konflikte und der zunehmenden Bedeutung von Resilienz, Durchhaltefähigkeit und dezentraler Instandsetzung lohnt es sich durchaus, einen Blick zurückzuwerfen.
Wie viel Elektronik braucht ein Fahrzeug tatsächlich? Wie abhängig darf ein militärisches Fahrzeug von Diagnosegeräten, spezieller Infrastruktur und komplexen Lieferketten sein? Und wie wichtig ist es, dass ein Fahrzeug auch mit begrenzten Mitteln und durch geschultes Personal vor Ort instand gesetzt werden kann?
Iltis 2.0?
Vielleicht steckt in der Philosophie des Iltis auch ein kleiner Denkanstoß für die Zukunft.
Natürlich wird ein modernes Gefechtsfahrzeug nicht einfach durch die Technik der 1970er-Jahre ersetzt werden können. Vernetzung, Schutz, Sensorik und moderne Antriebstechnik sind heute unverzichtbar. Aber vielleicht könnte man beides miteinander verbinden: Die Robustheit und Reparierbarkeit des Iltis mit den Möglichkeiten moderner Technik.
Ein Fahrzeug, das geländegängig, modular, möglichst wartungsarm und vor allem auch unter widrigen Bedingungen instandsetzbar ist. Ein „Iltis 2.0“ – nicht als nostalgische Rückkehr, sondern als Denkanstoß für ein resilienteres Fahrzeugkonzept der Zukunft.
Die European 5000 bietet uns dabei die Möglichkeit, die Fähigkeiten unseres alten Iltis erneut unter Beweis zu stellen – nicht auf einem Übungsplatz, sondern auf tausenden Kilometern durch Europa.
Rallye für einen guten Zweck
Bei aller Technik und allem Abenteuer steht für uns jedoch ein anderer Gedanke im Mittelpunkt. Wir möchten die Rallye nutzen, um auf die Arbeit der NCL-Stiftung aufmerksam zu machen und Spenden für die Erforschung der seltenen Kinder-Demenz NCL (Neuronale Ceroid-Lipofuszinose) zu sammeln. Die Erkrankung verändert das Leben betroffener Kinder und ihrer Familien dramatisch. Die Erforschung dieser seltenen Erkrankung ist deshalb auf Aufmerksamkeit und Unterstützung angewiesen.
Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele Mitglieder und Freunde des Blauen Bundes unser Charity-Projekt unterstützen.
Jede Spende hilft.
Mehr Informationen zur NCL-Stiftung:
Direkt zu unserer Spende:
Zur Spendenseite der NCL-Stiftung
Eine Reise mit vielen Facetten
Wenn sich im September der Iltis auf den Weg durch Europa macht, nehmen wir deshalb mehr mit als nur Werkzeug, Ersatzteile und Rallyeausrüstung.
Wir nehmen ein Stück Bundeswehr- und Instandsetzungsgeschichte mit.
Wir nehmen die Kameradschaft des Blauen Bundes mit.
Und wir nehmen die Hoffnung mit, mit unserem Abenteuer etwas für einen guten Zweck beitragen zu können.
Vielleicht beweist der alte Iltis auf seiner Reise nicht nur, dass gute Konstruktionen auch nach Jahrzehnten noch funktionieren. Vielleicht erinnert er uns auch daran, dass manchmal ein Blick zurück notwendig ist, um Ideen für die Zukunft zu entwickeln.
Autoren/Bildrechte: OTL d.R. Carsten Brammer und OStFw a.D. Volker Zarth

