6.600 Kilometer, 16 Tage und ein Iltis, der einfach weiterfährt
Team Iltis 183 blickt auf eine außergewöhnliche European 5000 zurück
Im Vorfeld hatten wir uns gefragt, was unser fast 40 Jahre alter Iltis wohl auf einer mehr als 6.000 Kilometer langen Rallye durch 9 Ländern (Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich, Andorra, Spanien, Belgien, Luxemburg) mit den Herausforderungen der Alpen, den Pyrenäen mit seinen zahlreichen Pässen und der spanischen Wüste leisten würde.
Nach 16 Tagen und 6.600 Kilometern können wir sagen: Der Iltis hat uns nicht enttäuscht.
Aber er hat uns einiges abverlangt.
Was als Abenteuer durch Europa begann, wurde für uns zeitweise zu einer echten Material- und Instandsetzungsschlacht – mit Werkzeug, Improvisation, technischer Unterstützung, Ersatzteilen und jeder Menge Teamgeist.
Von Bad Aibling über die Alpen
Gestartet sind wir südöstlich von München in Bad Aibling. Von dort führte die Strecke zunächst durch Österreich und Italien (Südtirol), weiter durch die Schweiz und über die Südalpen Frankreichs nach Spanien.

Immer wieder ging es über spektakuläre Hochalpenstraßen und zahlreiche Alpenpässe. Höhepunkte waren die Fahrten über die Großglockner-Hochalpenstraße (2.504 m), den Col de l’Iseran, der mit 2.764 m der höchste überfahrbare Gebirgspass der Alpen ist.
Für Mensch und Maschine waren die langen Steigungen, die vielen Kehren und die teilweise extremen Abfahrten eine Herausforderung.
Die technische Belastung verteilt sich über die Route asymmetrisch: während die erste Hälfte (Alpen, Zentralmassiv) die Bremsen und die Thermik fordert, beansprucht die zweite Hälfte (Spanien, Pyrenäen) primär die Filterstruktur, das Fahrwerk und die Reifen durch Staub und raues Terrain.
Die erste Reparatur noch vor dem Start
Unsere erste technische Überraschung erwartete uns bereits auf dem Anmarsch nach Bad Aibling.
Die Lichtmaschine fiel aus.
Zum Glück hatten wir vorgesorgt und eine Ersatzlichtmaschine dabei. Also hieß es: Werkzeug raus, alte Lichtmaschine raus, Ersatzteil rein – und weiter.
Damit war das erste Problem gelöst.
Allerdings blieb es nicht dabei. Bei der Kontrolle (Technischer Dienst) stellten wir fest, dass eine Druckleitung unseres Turbodiesels einen Haarriss hatte und Diesel austrat.
Also suchten wir uns in Thüringen einen Instandsetzungsbetrieb für Landmaschinen. Ein Altgeselle konnte die Leitung kurzerhand löten und damit das Leck schließen.
Eine klassische Feldinstandsetzung – nur eben mitten in Deutschland.
Hinterhofwerkstatt statt Vertragswerkstatt
Nach den vielen Alpenstraßen machten sich in den Südalpen plötzlich starke Geräusche am linken Hinterrad bemerkbar.
Unser erster Verdacht: Radlager.
Eine französische Hinterhofwerkstatt brachte schließlich die Erleichterung – und gleichzeitig die nächste Herausforderung.
Es war nicht das Radlager.
Es waren, in Anführungszeichen, „nur“ die Spurstangenköpfe.
Einer davon war komplett ausgetrocknet und ausgeschlagen.
Das Problem: Ersatzteile waren nicht kurzfristig verfügbar.
Also wurde improvisiert.
Mit Rödeldraht wurde das Ganze zunächst provisorisch gesichert. Anschließend legten wir rund 300 Kilometer zurück, während wir parallel aus Deutschland die genaue Artikelnummer des benötigten Ersatzteils organisierten.

Es wird improvisiert
Und dann kam der vielleicht schönste Moment einer Ersatzteilsuche während einer Rallye:
Nîmes. Autoteilehändler. Telefonische Bestellung.
Das benötigte Teil war eigentlich für einen Porsche 911 vorgesehen – passte aber auch für unseren Iltis.
Um 16 Uhr bestellt, am nächsten Tag um 07:30 Uhr war das Ersatzteil da.
Nun musste es nur noch eingebaut werden.
Die alten, festgerosteten Verbindungen ließen sich natürlich nicht freiwillig lösen. Also kam durch einen versierten Schrauber „Hardy“, der die Rallye begleitete, Bunsenbrenner und Flex zum Einsatz.
Altes Teil raus, neues Teil rein – und weiter ging es.
Und dann kam die Kupplung
Am nächsten Tag erwischte es uns erneut.
Mitten im Kreisverkehr versagte plötzlich die Kupplung komplett.
Da war zunächst einmal Schluss und wir informierten Hardy.
Gemeinsam mit Hardy gingen wir auf Fehlersuche. Die Kupplung selbst war grundsätzlich in Ordnung. Mit Hilfe einer Endoskop Kamera deutete alles darauf hin, dass sich ein Fremdkörper im Kupplungsbereich befand – vermutlich ein abgebrochenes Teil.
Nur: Wie bekommt man einen Fremdkörper aus einem geschlossenen Kupplungssystem, wenn man nicht mal eben eine Werkstatt mit Hebebühne und Ersatzteilen zur Verfügung hat?
Die Lösung war ebenso ungewöhnlich wie erfolgreich.
Der Tipp von Hardy war, bei getretener Kupplung und eingelegtem vierten Gang den Iltis rückwärts zu schieben.
Und tatsächlich:
Der Fremdkörper veränderte seine Postion. Plötzlich ließ sich die Kupplung wieder ganz normal bedienen – butterweich.
Also hieß es erneut:
Weiterfahren!
Die Kupplung wird zum Dauerproblem
Ganz ausgestanden war die Sache allerdings nicht.
Auf der zweiten Hälfte der Rallye machte uns die Kupplung immer wieder Probleme. Bis sie schließlich am vorletzten Tag endgültig deutlich nachließ.
Erster und zweiter Gang ließen sich nicht mehr einlegen.
Also blieb nur eine Lösung:
Im Geländegang anfahren und direkt in den dritten Gang schalten.
Und hier zeigte sich wieder, was in dem alten Iltis steckt.
Der Turbodiesel nahm es erstaunlich gelassen hin und brachte uns trotzdem weiter.
Cabrio am Mittelmeer und Wüste in Spanien
Nach den Strapazen der Alpen führte unsere Strecke aus Südfrankreich heraus am Mittelmeer entlang.
Bei Temperaturen um die 30 Grad konnten wir den Iltis als Cabrio genießen.
Und plötzlich wurde aus dem alten Bundeswehrfahrzeug ein echter Hingucker.
Ob an Tankstellen, in Ortschaften oder auf den Straßen: Unser Iltis zog immer wieder interessierte Blicke auf sich. Ein fast 40 Jahre altes ehemaliges Militärfahrzeug, offen unterwegs am Mittelmeer – so etwas sieht man schließlich nicht jeden Tag.
Von Frankreich ging es weiter nach Spanien.
Auch die Fahrt durch die spanische Wüstenlandschaft war ein besonderes Erlebnis. Staub, Hitze, Weite und unser Iltis mittendrin – genau für solche Momente war das Fahrzeug gebaut worden.
Anschließend ging es über die Pyrenäen wieder Richtung Norden.
Bretagne, Normandie und der Endspurt
Über Frankreich führte die Route schließlich weiter in die Bretagne und Normandie.
Nach 16 Tagen, unzähligen Pässen, Hitze, Wüste, Küstenstraßen und einigen unfreiwilligen Instandsetzungen näherten wir uns dem Ziel.
Und tatsächlich:
Der Iltis erreichte das Ziel in Bernkastel-Kues.
Damit war die European 5000 für uns offiziell beendet.
Aber noch nicht die Fahrt.
Am selben Tag lagen noch einmal rund 600 Kilometer bis nach Hause vor uns.
Also hieß es: einsteigen, Motor starten und weiter Richtung Nordosten.
Und auch diese letzte Etappe hat unser Iltis geschafft.
6.600 Kilometer für den guten Zweck
Bei all dem Abenteuer, der Technik und den vielen Erlebnissen gab es für uns während der gesamten Rallye noch einen weiteren wichtigen Antrieb:
Wir wollten mit unserer Teilnahme etwas für den guten Zweck bewegen.
Wie bereits im Vorfeld angekündigt, haben wir unsere Rallye genutzt, um auf die Arbeit der NCL-Stiftung aufmerksam zu machen und Spenden für die Erforschung der seltenen Kinder-Demenz NCL (Neuronale Ceroid-Lipofuszinose) zu sammeln.
Und das Ergebnis macht uns sehr stolz:
Bis heute sind rund 1.700 Euro an Spenden zusammengekommen.
Dafür möchten wir uns bei allen Unterstützern ganz herzlich bedanken!
Doch die Spendenaktion läuft noch weiter. Bis zum Ende des Monats September besteht weiterhin die Möglichkeit, unser Charity-Projekt zu unterstützen.
Wer sich noch beteiligen möchte, kann hier direkt spenden:
Zur Spendenseite der NCL-Stiftung – Team Iltis 183
Jeder Beitrag hilft dabei, die Forschung zu dieser seltenen Erkrankung zu unterstützen und den betroffenen Kindern und ihren Familien eine Perspektive zu geben.
1.700 Euro sind für uns ein großartiges Zwischenergebnis – aber vielleicht schaffen wir gemeinsam bis Ende September noch die nächste Marke.
Was bleibt?
6.600 Kilometer.
16 Tage Teamgeist.
Unzählige Eindrücke bei halboffenen oder offenen Fahrten mit dem Iltis
100 Rallye-Teilnehmer.
Zahlreiche Alpenpässe bei bestem Wetter mit engen Kehren und Steigungen größer 14 %.
Frankreich, Spanien, Pyrenäen, Bretagne und Normandie.
Und jede Menge technische Herausforderungen.
Was uns besonders beeindruckt hat: Der Iltis ist trotz seines Alters immer wieder mit einfachen Mitteln zurück auf die Straße gebracht worden.
Lichtmaschine wechseln.
Dieselleitung löten.
Spurstangenkopf sichern und anschließend ersetzen.
Festgerostete Verbindungen mit Wärme und Kraft lösen.
Eine Kupplung durch Improvisation wieder zum Funktionieren bringen.
Vieles davon erinnert an eine Zeit, in der Instandsetzung noch stärker von mechanischem Verständnis, Improvisationsfähigkeit und handwerklichem Können geprägt war.
Und genau deshalb war diese Rallye für uns auch ein kleines Stück praktische Geschichte.
Der Iltis hat auf dieser Reise nicht nur Europa gesehen.
Er hat erneut bewiesen, dass Robustheit, einfache Konstruktion und Reparierbarkeit auch nach Jahrzehnten noch einen Wert haben.
Vielleicht war die European 5000 deshalb nicht nur eine Rallye.
Vielleicht war sie auch ein kleiner Praxistest für die Frage, die wir uns bereits im Vorfeld gestellt hatten:
Brauchen wir irgendwann einen „Iltis 2.0“ – ein modernes Fahrzeug, das die Möglichkeiten heutiger Technik mit der Robustheit, Einfachheit und Instandsetzbarkeit des alten Iltis verbindet?
Unser Iltis hat jedenfalls seine Antwort gegeben:
Er fährt.
Und wenn er muss, dann fährt er auch noch ein Stück weiter.
Team Iltis 183
Carsten Brammer & Volker Zarth





