Blauer Bund Fieber Messen vor der Ausbildung

Gemeinsam: So ist Ausbildung in der Pandemie möglich

Nach dem ersten Shutdown im vergangenen Jahr hatte die Logistikschule der Bundeswehr ihren Ausbildungsbetrieb wiederaufgenommen. Die Ausbildung und die Rahmenbedingungen mussten angepasst werden, um den Ausbildungsauftrag trotz Pandemie und damit einhergehender strenger Regeln zu erfüllen.

Bild: Das Fiebermessen gehört zur täglichen Routine. Alle Schulangehörigen und Trainingsteilnehmer prüfen morgens ihre Temperatur. (Bundeswehr/Petra Reiter)

Die Logistikschule der Bundeswehr, als Teil der Streitkräftebasis, ist die zentrale Ausbildungseinrichtung für Logistik, kraftfahrtechnische und einsatzvorbereitende Ausbildung. Trotz der seit etwa einem Jahr anhaltenden Pandemie findet der Ausbildungsbetrieb weiter statt.

Wie ist Unterricht unter Einhaltung der Abstandsregeln und nach Maßgabe der Hygienevorschriften möglich? Viele Lehrgänge wurden angepasst, um Präsenzzeiten zu reduzieren. „So können circa zehn Prozent der Trainingsteilnehmenden von Zuhause lernen“, lobt der Schulkommandeur, Brigadegeneral Boris Nannt.

Mobile Hörsäle

Neben der Halbierung der Lehrgangsstärken fand sich eine weitere Lösung in der Anmietung von insgesamt acht mobilen Hörsälen. In den sogenannten Containerhörsälen, kurz: CHS, haben 25 Lehrgangsteilnehmende plus Ausbilder Platz. Auch hier wird, wie in allen anderen Gebäuden und Bereichen der Kaserne, jeden Morgen Fieber gemessen und immer Mund-Nasen-Bedeckung getragen. Stabsunteroffizier Frank Feigls Lehrgang findet in einem dieser CHS statt. Für ihn sei das okay, immerhin sei diese Zeit eine Besondere. Die hier getroffenen Maßnahmen hält er für angemessen. Er erzählt kurz aus der Praxis: „Gerade klagte ein Kamerad über leichtes Halskratzen. Er musste direkt zur Abstrichentnahme in den Sanitätsbereich und bis zum Testergebnis zur Isolation auf seine Stube.“ Dort wurde der Soldat mit Notwendigem versorgt und entsprechend betreut.

Bild: Diese Soldaten werden in einem der Containerhörsäle unterrichtet. Die Container wurden nach und nach in der Kaserne auf Parkflächen aufgestellt. (Bundeswehr/Brian Melzer)

Aus der Praxis

Die Corona-Maßnahmen und -Regeln machen am Kasernenzaun nicht halt. „Social Distancing schlägt auch hier in der Kaserne mit voller Kraft zu“, erzählt Lehrgangsteilnehmer Feigl. Er sei allein auf einer Zweimannstube untergebracht. Die habe den Vorteil, in Ruhe lernen zu können. Allerdings fehle ihm der Austausch mit anderen Kameraden. „Wenn wir mit mehreren Leuten lernen, können wir den Leistungsschwächeren gemeinsam abholen. Das geht nun nicht.“ Auch hier in der Lucius D. Clay-Kaserne gelten die verschärften Kontaktregeln. Eine Stube ist hierbei einem Haushalt gleichgestellt. „Die Geselligkeit unter Kameraden fehlt“, bedauert der Stabsunteroffizier.

Bild: Strikte Regel in der Kaserne: Alle Betreuungseinrichtungen sind geschlossen. Keine Sportmöglichkeiten. Der Fokus liegt auf dem Kern der Ausbildung. (Bundeswehr/Anne Kirschner)

Auftrag erfüllen – überall

„Die Ausbildung soll im Kern stattfinden, das ist unser Auftrag“, so Brigadegeneral Nannt. Das gilt natürlich auch für die Außenstellen. So wird auch in Putlos die Pipelinepionierausbildung mit reduzierter Hörsaalstärke und unter Beachtung aller Abstands- und Hygieneregeln durchgeführt. Für die dort vorherrschende praktische und körperlich anstrengende Ausbildung an Material und Gerät eine weitere Herausforderung, die es mit gemeinsamen Anstrengungen zu bewältigen gilt. Für die in Plön stattfindende Feldkochausbildung galten auch schon vor der Pandemie restriktive Hygienevorgaben für die Verarbeitung von Lebensmitteln sowie die Zubereitung und Aufbewahrung von Speisen und Lebensmitteln. Doch wie an allen Standorten der LogSBw verleihen die zusätzlichen Pandemie-Auflagen der Kochausbildung eine zusätzliche „Würze“. Für Übungen im Logistischen Übungszentrum und multinationale Trainings im Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre wurden extra Hygienekonzepte geschrieben, um auch dort Übungen und Trainingsmaßnahmen zu ermöglichen. Nur so konnten beispielsweise Zentrale Ausbildungen für Logistik, kurz: ZALog, oder die multinationale Übung Steadfast Jupiter Jackal im vergangenen Jahr durchgeführt werden.

Bild: Heißer Dampf und wenig Platz. Für die Feldköche sind die pandemiebedingten, zusätzlichen Regeln eine besondere Herausforderung. (Bundeswehr/Brian Melzer)

Corona-Digitalisierungsschub

Einige Ausbilder sind kreativ geworden, um ihre Schüler im Homeschooling zu motivieren. Sie bieten neben Videokonferenzen beispielsweise an der Logistikschule der Bundeswehr erstellte Lernvideos oder spielerische Lernzielkontrollen an. „Wir müssen neue Wege gehen und einfach ausprobieren“ nennt es Brigadegeneral Nannt.

Grundsätzlich lässt sich wohl eines feststellen: Die Pandemie und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen haben einen Stein ins Rollen gebracht, der die Digitalisierung und Modernisierung der Ausbildung an der Logistikschule der Bundeswehr bereits beeinflusst hat und auch künftig noch stärker beeinflussen wird.

Bild: Das ist Hannah. Sie ist Hauptfigur des ersten Erklärvideos „Made by Logistikschule der Bundeswehr“. Hannah erklärt das Lagerlogistiksystem für Materialbewirtschafter. (Bundeswehr)

„Wir sind kein Gallisches Dorf.“

„Bislang sind wir ganz gut durch diese fordernde Zeit gekommen“, dankt Nannt in einer seiner monatlichen Videobotschaften seiner Truppe. Damit das so bleibt, werden die Maßnahmen immer wieder angepasst. „Wir sind kein Gallisches Dorf und daher sind stringente, sehr rigide Hygienevorschriften unabdingbar.“ Der Faktor Disziplin sei ganz wichtig und so appelliert er wann und wo er kann: „Haltet Abstand und achtet aufeinander!“
„Es wird noch ein weiter Weg in dieser Pandemie sein. Wenn wir ihn gemeinsam gehen, erreichen wir auch unser Ausbildungsziel.“

Bild: Der Schulkommandeur schaut sich regelmäßig die Ausbildungen seiner Schule an und gibt, wie hier, den Fahnenjunkern Tipps und Ratschläge mit auf den Weg. Dabei appelliert er an die Kameradschaft und das Einhalten der Abstandsregeln. (Bundeswehr/Petra Reiter)

Autor: Kathleen Riediger, LogSBw

Blauer Bund Wappen des Landeskommandos Baden-Würtemberg

Landeskommando Baden-Württemberg unterstützt während der COVID-19 Pandemie

Sachstand zur Unterstützung durch die Bundeswehr im Rahmen der Bekämpfung der COVID-19 Pandemie in Baden-Württemberg

Anfangs März 2021 gab der Kommandeur Landeskommando Baden-Württemberg und zugleich Standortältester Stuttgart die Amtshilfeinformation Nr. 8, Stand: 03. März 2021 heraus. Sie gibt einen sehr guten und zusammenfassenden Überblick über den Einsatz der Bundeswehr  in Baden-Württemberg. Im Folgenden ist sie als Auszug abgedruckt.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Schreiben möchte ich Sie über den aktuellen Sachstand zur Amtshilfe und Unterstützung durch die Bundeswehr im Rahmen der Bekämpfung der COVID-19 Pandemie in Baden-Württemberg informieren.

Seit März 2020 wurden 356 Amtshilfeanträge gebilligt. Aktuell sind 97 Hilfeleistungsanträge in der Durchführung mit rund 1500 Soldatinnen und Soldaten. Der Aufgabenschwerpunkt liegt momentan bei der Schnelltestung von Besuchern, Mitarbeitern und weiterem externen Personal in Alten- und Pflegeheimen. Derzeit werden hier insgesamt 450 Einrichtungen durch 479 Soldatinnen und Soldaten in Baden-Württemberg unterstützt. Absicht ist es, dass die eingesetzten Kräfte zeitnah von zivilem Personal aus dem Auftrag herausgelöst werden.

In 31 von 38 Gesundheitsämtern unterstützt die Bundeswehr bei der Kontaktpersonennachverfolgung aktuell mit 464 Soldatinnen und Soldaten. Die diesbezüglichen Amtshilfeanträge sind in der Regel gebilligt bis zum 16.04.2021. Es wird darauf ankommen, mit Blick auf die Entwicklung der 7-Tage-Inzidenzen sowie die verfügbaren Ressourcen aus allen Bereichen rechtzeitig gemeinsam zu bewerten, inwieweit Verlängerungen – ggf. unter Anpassung des geforderten Personalumfangs – erforderlich sein werden.

Darüber hinaus werden Alten- und Pflegeheime sowie Kliniken logistisch und medizinisch unterstützt. Dafür sind derzeit 8 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt. Entsprechender Bedarf tritt meist sehr kurzfristig auf. Des Weiteren unterstützen aktuell rund 220 Soldatinnen und Soldaten beim Betrieb in 5 von 9 Zentralen Impfzentren und 23 von 50 Kreisimpfzentren.

Zum zweiten Quartal 2021 wird eine umfangreiche Impfstofflieferung deutschlandweit und damit auch für unser Bundesland erwartet. Bei der daraus resultierenden Auslastung der Impfzentren mit Betriebszeiten von Montag bis Sonntag, 06:00 bis 22:00 Uhr, wären dann in einem 2-SchichtBetrieb bis zu 507 Kräfte in diesem Auftrag gebunden. Dieser Umfang an Unterstützungsleistungen kann ohne weitere gravierende Einschnitte im Grundbetrieb, die sich auch auf Einsatzverpflichtungen auswirken, allein von den aktiven, in Baden-Württemberg stationierten Truppenteilen nicht mehr durchhaltefähig bewältigt werden. Daher kamen erstmals auch Reservisten aus den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien des Landeskommandos Baden-Württemberg sowie Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bayern zum Einsatz.

Ich sehe es als unsere gemeinsame Aufgabe an, die weitere Entwicklung der Pandemie kontinuierlich zu bewerten und auf Grundlage einer einheitlichen Lagebeurteilung sowie der gewachsenen vertrauensvollen Zusammenarbeit die weiteren Unterstützungsmaßnahmen der Bundeswehr in Baden-Württemberg als Teil einer gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung mit Augenmaß im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips permanent nachzujustieren, solange es einen entsprechenden Bedarf gibt.

Ich werde Sie weiter anlassbezogen informieren und bin Ihnen dankbar, wenn Sie diese Lageinformation in Ihren Zuständigkeitsbereichen zur Verfügung stellen und auch den Verantwortlichen in den Landkreisen und kreisfreien Städten dieses Schreiben zur Kenntnis geben.

Mit freundlichen Grüßen

Köhring, Oberst

Text: Landeskommando Baden-Württemberg

Abbildung: Bundeswehr