MEDIC QUADRIGA 2026 – Stresstest für die Rettungskette nach Deutschland

Eingebunden in den Übungscluster QUADRIGA 2026 führte das Unterstützungskommando der Bundeswehr vom 16. Februar bis 20. März mit MEDIC QUADRIGA 2026 die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch. Ziel der Übung war es, die Einsatzbereitschaft und Reaktionsfähigkeit der Bundeswehr im Rahmen der Bündnisverteidigung weiter zu stärken und gleichzeitig die enge Zusammenarbeit mit zivilen Akteuren im Gesundheitswesen zu erproben und zu vertiefen.

Neben der schnellen Verlegefähigkeit der Sanitätskräfte an die NATO-Ostflanke nach Litauen wurde die Funktionsfähigkeit der gesamten medizinischen Rettungskette von der Erstversorgung Verwundeter im Einsatzgebiet bis zur weiterführenden Behandlung in Deutschland trainiert. Schwerpunkt der Übung war der erstmalige Betrieb einer zivil-militärischen medizinischen Taskforce für Steuerung, Transport und Behandlung von Patienten. Rund 1.000 Soldatinnen und Soldaten nahmen an MEDIC QUADRIGA 2026 teil.

Die Bundeswehr und zivile Hilfsorganisationen betreiben den temporären Aufnahmepunkt der Medical Task Force auf dem Flughafen BER in Schönefeld während der Übung Medic Quadriga 2026 im Rahmen der Übungsserie Quadriga 2026, ©Bundeswehr/Christopher Preloznik

Dem Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr in Koblenz kam die Aufgabe zu, ein Sanitätsbataillon als Übungsverband zusammenzuziehen und nach Litauen zu verlegen. Mit Straßenmärschen und Fähre wurden binnen weniger Tage ein Luftlanderettungszentrum, ein Forward Surgical Element und diverse geschützte Rettungsfahrzeuge nach Litauen gebracht. Mit diesen Mitteln ist der Sanitätsdienst in der Lage, dem dynamischen Frontgeschehen der Kampftruppe zu folgen und die Rettungskette jederzeit aufrecht zu erhalten.

„Nur was man in ruhigen Zeiten übt und trainiert, beherrscht man auch im Spannungs- und Verteidigungsfall“, betonte Verteidigungsminister Boris Pistorius am 6. März 2026 bei seinem Besuch der Übung in Berlin. Die medizinische Versorgung Verwundeter im Kriegsfall sei ein Beitrag zur Gesundheitsversorgung als gesamtstaatliche Verantwortung. Dazu gehöre auch die Rehabilitation von Soldatinnen und Soldaten, die in den Einsätzen verwundet werden. „Zurück in den Dienst“ laute das Motto, das zugleich ein Signal an die eingesetzten Kräfte sei.

Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht den Aufnahmepunkt der Medical Task Force auf dem Flughafen BER in Schönefeld während der Übung Medic Quadriga 2026 im Rahmen der Übungsserie Quadriga 2026, ©Bundeswehr/Christopher Preloznik

Medical Task Force übt am Flughafen Berlin Brandenburg

Im Mittelpunkt der Übung stand ein Verteilerpunkt im ExpoCenterAirport am Flughafen Berlin Brandenburg (BER): der Übungshub Berlin. Hier wurden die Aufnahme, die medizinische Priorisierung und die Weiterverteilung von Patientinnen und Patienten in geeignete zivile Behandlungseinrichtungen geübt. Die Verwundeten, dargestellt von rund 200 Soldatinnen und Soldaten, kamen am Übungsgelände neben dem Flughafen BER an. In einem Ernstfall der Landes- und Bündnisverteidigung könnten es bis zu 1.000 Verwundete täglich sein. Neben Lufttransport würden in der Krise auch Busse, Züge und Schiffe nach Deutschland eingesetzt. Am Hub hatten 250 zivile Unterstützerinnen und Unterstützer mit der Bundeswehr eine Medical Task Force (MTF) eingerichtet.

Diese bestand aus ehrenamtlichen Einsatzkräften und Fahrzeugen aus Brandenburg, mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und den Johannitern. Koordiniert wurde die MTF durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das den Zivilschutz in der Bundesrepublik organisiert.

Die Medical Task Force bestand aus ehrenamtlichen Einsatzkräften und Fahrzeugen aus Brandenburg, mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und den Johannitern, ©Bundeswehr

Trainiert wurden vor allem die Abläufe zwischen den verschiedenen Akteuren: Nach Sichtung der Verwundeten übergab das MTF-Personal diese an die Kolleginnen und Kollegen der Hilfsorganisationen, die in langen Kolonnen vor dem Übungshub bereitstanden. Auch Hubschrauber der deutschen Luftrettung DRF und der ADAC-Luftrettung waren für schwerstverletzte Verwundete im Einsatz. Die letzte Station der Übung war der Transport mit Blaulicht in zivile Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Berlin und Brandenburg. Hierfür waren neun Kliniken in das Übungsgeschehen integriert und auf die militärischen Patientinnen und Patienten vorbereitet.

„Gesundheitsversorgung nur gesamtstaatlich“

„Menschen“, sagt der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, „sind das Wertvollste, was wir haben, die wichtigste Ressource der Streitkräfte. Ihre Gesundheit zu sichern, ist im Hinblick auf die Durchhaltefähigkeit Deutschlands in Krise und Krieg unabdingbar.“ Bei MEDIC QUADRIGA 2026 werde zugleich unter Beweis gestellt, dass die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr nur gesamtstaatlich bewältigt werden könne. „Wir haben während der Übung festgestellt, wie außergewöhnlich gut das funktioniert“, betont Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann und fährt fort: „Wir haben in dieser Übung bewiesen, wir können es!“

Um die gute Zusammenarbeit weiter zu vertiefen, unterzeichnete er gemeinsam mit dem Bundesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, Oliver Meermann, und dem Vizepräsidenten des Malteser Hilfsdienstes, Albrecht Prinz von Croy, eine Kooperationsvereinbarung zur „Privilegierten Partnerschaft“ mit den Johannitern und Maltesern. Ziel dieser Partnerschaft ist es, die mitwirkende Unterstützung der Johanniter und Malteser für den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr in öffentlich-rechtlichen Verträgen zukünftig konkret auszuformulieren.

(v.l.) Oliver Meermann, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfallhilfe, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, Befehshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr und Albrecht Prinz von Croy, Vizepräsident des Malteser Hilfsdienstes, unterzeichneten am 06.03.2026 die Feststellung der Privilegierten Partnerschaft, ©Bundeswehr

Die Übung MEDIC QUADRIGA 2026 wird wichtige Erkenntnisse liefern, um die Schnittstellen der Rettungskette der Bundeswehr zur zivilen Seite für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter zu optimieren. Doch auch jetzt schon haben die entscheidenden Prozesse gut funktioniert. Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann ist überzeugt: „Bei einer Verschlechterung der sicherheitspolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten hätten wir sofort vom Übungs- in den Einsatzmodus wechseln können. Wir sind für den scharfen sanitätsdienstlichen Einsatz gerüstet.“

Erstveröffentlichung im Presseportal, 20.03.2026, www.presseportal.de

Autor: Unterstützungskommando der Bundeswehr, Presse- und Informationszentrum

Wichtiger Schritt zur Reorganisation der Bundeswehr: Unterstützungskommando ist einsatzbereit

Als wichtiger Schritt zur Reorganisation der Bundeswehr erreichte das Unterstützungskommando der Bundeswehr in Bonn im April 2025 seine volle Befähigung zur Wahrnehmung des Auftrags. Aus Streitkräftebasis in Bonn und Zentralem Sanitätsdienst in Koblenz sowie dem Planungsamt in Berlin und weiteren Dienststellen des bisherigen Territorialen Führungskommandos entstand der Unterstützungsbereich. Mit einem Umfang von rund 55.000 Dienstposten ist er der zweitgrößte Organisationsbereich der Bundeswehr.

Unter Führung des Unterstützungskommandos der Bundeswehr bündelt der Unterstützungsbereich operationsentscheidende Fähigkeiten bei Logistik, ABC-Abwehr und Feldjägerwesen für die Durchhalte- und Überlebensfähigkeiten und damit die Resilienz der Streitkräfte. Der Unterstützungsbereich steht auch für die grundlegende Lebens- und Funktionsfähigkeit der kompletten Bundeswehr und hat im gesamtstaatlichen Zusammenwirken über das Verteidigungsressort hinaus eine besondere Bedeutung.

Ferner ist das Unterstützungskommando der Bundeswehr die zentrale Steuerungsinstanz für die Gesundheitsversorgung sowie den Fachdienst Sanität in der Bundeswehr. Die Einbindung des Sanitätsdienstes in den Unterstützungsbereich erfolgte mit der Auf- und Unterstellung des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr als Fachkommando ebenfalls im April 2025.

Mit den unterstellten und in ihrer Fachlichkeit gestärkten Fähigkeits- und Fachkommandos ermöglicht der Unterstützungsbereich passgenau Lösungen aus einer Hand in den immer und überall von den Streitkräften benötigten unterstützenden Fähigkeiten. Nur aus der Bündelung begrenzter Ressourcen lassen sich maximale Synergien erschließen. Im Ergebnis lässt sich daraus für die Streitkräfte maximale Effektivität bei größtmöglicher Effizienz im Rahmen des absehbar Vorhandenen gewinnen.

Die fachliche Eigenständigkeit der Fähigkeits- und Fachkommandos für Logistik, ABC-Abwehr, Feldjägerwesen und Sanitätsdienst ist der Schlüssel zum Erfolg, um jede Fähigkeit für sich und aus einer Hand geschlossen zu entwickeln und einheitlich ausgebildete und ausgestattete, interoperable, einsatzbereite Kräfte zu gewinnen.

Generalleutnant Gerald Funke verantwortet als erster Befehlshaber die Führung des Unterstützungskommandos der Bundeswehr. Als sein Stellvertreter und zugleich Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr fungiert Generaloberstabsarzt Dr. med. Ralf Hoffmann.

Für dem neuen Befehlshaber bleibt die weitere Ausrichtung des Unterstützungsbereichs auf die Landes- und Bündnisverteidigung „handlungsleitend“. Dabei stelle das Jahr 2029 in bedrohungsbewertender Hinsicht ein wichtiges Zwischenziel dar. Das enthebe den Unterstützungsbereich aber nicht von der Verpflichtung, jederzeit mit der vorhandenen Ausrüstung und Ausstattung einsatzfähig zu sein und sich kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Quelle: PIZ UstgKdoBw/Bildrechte: Bundeswehr