Schnelle und lebensrettende Verwundetenversorgung: Bundeswehr beschafft weitere mobile Rettungsstationen

Die medizinische Versorgung verwundeter Soldatinnen und Soldaten ist der Kernauftrag des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Die Präsidentin des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), Annette Lehnigk-Emden, beauftragte dazu am 13.07.2026 den Lieferanten Rheinmetall Project Solutions GmbH (RhPS) mit der Lieferung von 149 zusätzlichen mobilen Rettungsstationen.

Bei den Rettungsstationen handelt es sich um ein Teilprojekt des Großvorhabens Modulare Sanitätseinrichtungen (MSE). Bei den MSE handelt es sich um containerbasierte, mobile Behandlungseinrichtungen. Sie werden maßgeblich dazu beitragen, dass verwundete Soldaten und Soldatinnen über die gesamte Rettungskette hinweg die medizinische Versorgung bekommen, die sie benötigen.

Die neu bestellten Rettungsstationen sind ein Teil der MSE und bilden die NATO-Behandlungsebene 1 ab. Diese Ebene folgt direkt auf die Selbst- und Kameradenhilfe und hat ihren Schwerpunkt in der notfallmedizinischen Versorgung. Konkret bedeutet das Aufrechterhaltung und Sicherung der Vitalfunktionen sowie die Vorbereitung bzw. Stabilisierung für den Weitertransport. Zudem besteht die Möglichkeit, erste notfallchirurgische Eingriffe (z.B. chirurgische Wundbehandlung) vorzunehmen. Somit werden die neuen Stationen die erste Anlaufstelle für verwundete Soldatinnen und Soldaten. Die dort vorgenommene Akutversorgung ist für die Rettung von Menschenleben von entscheidender Bedeutung, wie der aktuelle Krieg in der Ukraine zeigt.

Jede mobile Rettungsstation besteht aus zwei Containern, einem Verbindungselement sowie der dafür erforderlichen Transportkomponente. Sämtliche notwendigen medizinischen Geräte werden in der Rettungsstation mitgeführt. Daher kann die Rettungsstation mitsamt ihrem Personal innerhalb kürzester Zeit transportiert, aufgebaut, betrieben, wieder abgebaut und an den nächsten Einsatzort verbracht werden. Somit kann der Sanitätsdienst den kämpfenden Truppen unmittelbar folgen.

Bei der neuen Bestellung handelt es sich um einen Abruf aus dem 2024 geschlossenen Rahmenvertrag zwischen dem BAAINBw und der Firma RhPS. Mit Vertragsschluss wurden bereits 16 Rettungsstationen fest beauftragt. Nun wurde der Abruf von weiteren 149 Rettungsstationen gebilligt. 112 dieser Stationen sind ballistisch – also gegen den Beschuss aus Handwaffen und gegen Splitterwirkung – geschützt.

Der neue Abruf ist ein Meilenstein der Regeneration der Rettungsstationen der Bundeswehr. Die jetzt im Einsatz befindlichen Stationen wurden Anfang der 2000er Jahre beschafft. Sie werden nun bis zum Ende des Jahres 2029 nach und nach durch die neuen Stationen ersetzt. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags hatte den Rahmenvertragsabruf am 08. Juli 2026 gebilligt.

Quelle: PIZ BAAINBW Bildrechte: Rheinmetall AG | RH-Internal

Neue Ausgabe: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung 3/2026

30 Jahre Kommando Spezialkräfte: In der neuen Ausgabe der „Militärgeschichte“ geht es um die Aufstellung des KSK 1996. Nur wenige Jahre später wurde der Afghanistaneinsatz beschlossen – dieser Einsatz, der vor beinahe 25 Jahren begann, ist ebenfalls Thema der Ausgabe. Weitere Beiträge widmen sich dem Boxerkrieg in China, der Schlacht um Kiew von 1941 und der „Starfighter“-Krise.

Das Kommando Spezialkräfte

Die Geschichte des Kommandos Spezialkräfte begann vor 30 Jahren, oder? Offiziell in Dienst gestellt wurde es am 20. September 1996. Doch erste Überlegungen, dass die Bundeswehr eigene Spezialkräfte benötigt und wie diese aussehen sollten, gab es bereits wesentlich früher, wie Martin Rink in seinem Beitrag aufzeigt. Diese Vorgeschichte reicht sogar über das Jahr 1994 hinaus, das allgemein als Startschuss für den Aufbau des KSK gilt. Damals gelang es aufgrund fehlender Kräfte nicht, deutsche Staatsbürger aus dem von Bürgerkrieg zerrissenen Ruanda zu evakuieren. Es war deutlich geworden, dass die Bundeswehr ein neues Aufgabenspektrum abdecken musste. Zugleich stellte sich die Frage, wie denn der Soldat, der diesem neuen Kommando angehörte, aussehen sollte: Wollte man einen Kämpfer à la John J. Rambo, einen smarten Offizier im Stil eines James Bond oder war ein völlig anderer Typ gefordert und erwünscht?

25 Jahre Afghanistaneinsatz

Angehörige des KSK waren dann auch unter den ersten Kräften, die nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 in Afghanistan zum Einsatz kamen – ein Einsatz, der wohl zu den prägendsten der bisherigen Bundeswehrgeschichte gehört. Über 20 Jahre waren dort Tausende Soldatinnen und Soldaten im Einsatz – sie machten Erfahrungen mit Kampf und Verlust und mussten am Ende mit ansehen, wie das Land nach dem Abzug wieder in die Hände der Taliban fiel. Wie konnte es dazu kommen und was war überhaupt das ursprüngliche Ziel dieses Einsatzes gewesen?Warum die Bundesregierung im Dezember 2001 entschied, sich an dem Kampfeinsatz zu beteiligen, untersucht Philipp Münch in seinem Beitrag. Dabei macht er deutlich, dass politische Überlegungen zur außenpolitischen Stellung Deutschlands eine tragende Rolle spielten.

Der „Starfighter“ – eine gefährliche Affäre?

Pannen, Pech und praktische Fehler führten zu einer der tragischsten Unfallserien der Bundeswehrgeschichte. Der „Starfighter“ war für die Bundeswehr in den 1960er-Jahren beschafft worden, um unter anderem die deutsche nukleare Teilhabe im NATO-Bündnis abzusichern. Doch alsbald entwickelte er sich zum „Witwenmacher“. Zwischen 1964 und 1966 kam es zu mehr als 40 Totalausfällen. Dass den im „Starfighter“ verbauten Schleudersitzen daher eine besondere Bedeutung zufiel, zeichnet Heiner Möllers in seinem Beitrag für unsere Rubrik „Militärgeschichte im Bild“ nach.

Das Boxerprotokoll

Einem bislang in der Forschung eher unterbelichteten Thema widmet sich der Beitrag von Martin Schulz, der sich mit dem Boxerprotokoll von 1901 befasst. Das um die Jahrhundertwende politisch schwache China stand unter dem Druck ausländischer westlicher Mächte, die sich Einflusszonen im Fernen Osten sichern wollten. Dagegen formierte sich in China die sogenannte Boxerbewegung; der Widerstand weitete sich zu einem Krieg aus. Doch die nur rudimentär bewaffneten Boxer hatten keine Chance gegen die modern ausgerüsteten internationalen Truppen. Als Ergebnis der militärischen Auseinandersetzung musste die chinesische Seite dem Boxerprotokoll zustimmen, das eine politische Demütigung war und harte wirtschaftliche Sanktionen beinhaltete.

Die Schlacht um Kiew

Kiew war in der Geschichte schon mehrfach Schauplatz entscheidender militärischer Kämpfe. Zuletzt versuchten die russischen Truppen bei ihrem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022, die ukrainische Hauptstadt mit einem schnellen Vorstoß einzunehmen – und scheiterten. Auch im Zweiten Weltkrieg spielte Kiew eine zentrale Rolle, wie Chris Helmecke aufzeigt: Die Stadt war zentraler Streitpunkt zwischen Adolf Hitler und der militärischen Führung darüber, wie der Krieg im Osten weitergeführt werden sollte. Sollte es gen Moskau gehen, um das politische Zentrum der Sowjetunion einzunehmen, oder war die südliche Region mit ihren kriegswichtigen Ressourcen das strategisch sinnvollere Ziel? Im Spätsommer 1941 wurde die ukrainische Metropole schließlich zum Schauplatz einer der größten Kesselschlachten der Geschichte und auch zum Tatort der wohl bekanntesten einzelnen Massenerschießung von Jüdinnen und Juden in Babyn Jar. Damit gehört sie zu den zentralen Orten nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.

Die Ausgabe finden Sie kostenlos zum Download auf unserer Website.

Quelle: Pressestelle ZMSBw/Bildrechte: SKA/IMZBw