Taktische Mobilität in allen drei Dimensionen

Taktische Beweglichkeit im militärischen Kontext bezieht sich auf die Fähigkeit der Truppe, sich schnell, flexibel und effektiv zu bewegen und zu operieren, um sich im Sinne des Eigenschutzes gegnerischen Bedrohungen zu entziehen oder selbst vorteilhafte Positionen einzunehmen. Dies umfasst sowohl die individuelle Beweglichkeit des Einzelschützen als auch die der Trupps, Gruppen oder Einheiten.

Der Mammoth von Defenture bildet die Basis für das neue Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug 2 (AGF2) des Kommando Spezialkräfte. Hier als Herstellerfahrzeug auf den DALO Days 2025, ausgestattet mit einer Version der Dillon Aero Minigun sowie am Heck dem System ROSY und Schützendetektionssystem PILAR V. ©AF

Die taktische Beweglichkeit wird durch eine Kombination aus (Kraftfahr-)Ausbildung, taktischer Planung sowie Ausrüstung – hier vor allem durch wendige und noch bemannte Fahrzeuge – sichergestellt. Für bestimmte Einheiten weisen diese Fahrzeuge neben der Wendigkeit auch eine entsprechende Schnelligkeit und/oder Luftverladbarkeit/Luftverlastbarkeit auf. Bei der taktischen Beweglichkeit wird zwischen der leichten Infanterie/Spezialkräften, den Mittleren Kräften sowie den Schweren Kräften unterschieden.

Eine Rolle bei den Fahrzeugen spielen neben der Geländegängigkeit und Geschwindigkeit auch die Fähigkeitsforderungen nach Schutz, Nutzlast, Größe und Gewicht. Diese stehen oft in Konkurrenz zueinander. Über allem steht die Forderung der Auftragserfüllung: Sie ermöglicht es der Truppe, ihre taktischen Aufgaben effektiv zu erfüllen, indem sie sich schnell anpassen und reagieren kann. Dazu sollen die Plattformen eine möglichst hohe Flexibilität bieten.

Taktische Landbeweglichkeit

Die deutschen Spezialkräfte, hier vor allem das Kommando Spezialkräfte, warten auf den Zulauf des Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeuges 2 (AGF2). Hersteller ist der niederländische Off-Road- und Spezialkräftefahrzeughersteller Defenture. Im April 2024 erfolgte die Übergabe der vier Nachweismuster zur sogenannten integrierten Nachweisführung (Erprobung). Das AGF2 basiert auf dem Mammoth von Defenture. Es wird das AGF Serval von Rheinmetall ersetzen und die zukünftige Mobilitäts- und Feuerunterstützungsplattform für die Kommandosoldaten sein. Mit dem Unterstützungsfahrzeug Kommando Spezialkräfte (UFK) wird es eine Unterstützungsvariante geben.

Laut dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) bietet die Neun-Tonnen-Plattform des AGF2 eine Nutzlast von 3,5 Tonnen. Bis zu 80 Fahrzeuge sind angedacht. Laut BAAINBw handelt es sich um ein „offen gestaltetes Fahrzeugsystem mit integriertem Minenschutz, welches je nach Bedrohungslage mit ballistischen Schutzkomponenten ergänzt werden kann“.

Mitte 2025 gab es eine durch Defenture auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken durchgeführte Veranstaltung zur abschließenden Integration der Ausstattung. Dazu gehören unter anderem eine multifunktionale Tarnbeleuchtung von Diederich Engineering Systems (DES). Neben IR-Scheinwerfern umfasst diese auch die Tarn-Brems- und Schlussleuchten. Die motorisierte Drehringlafette von Sima Innovation kann unterschiedlichste Maschinengewehre (bis Kaliber .50 BMG) sowie Granatmaschinenwaffen aufnehmen. Angedacht ist zudem die Nutzung der Maschinenkanone P20 (M621) im Kaliber 20 x 102 mm von KNDS France. Neben dieser Hauptbewaffnung verfügt das Fahrzeug über eine Kommandanten- und Hecklafette, die MG5s aufnehmen können.

Zum Eigenschutz verfügt das AGF2 über das Schnellnebelsystem ROSY (Rapid Obscuring System) 40 mm von Rheinmetall. Es nutzt drei einreihige Werfer, die in Richtung drei, sechs und neun Uhr zeigen sowie kleinere Varianten mit Frontausrichtung. Dieses wird ergänzt durch das akustische Schützendetektionssystem PILAR V von Metravib Defence. Zuletzt gab es eine Anpassung beim modularen Mastsystem. Der bisher vorgesehene Zippermast ZM_10-060 der Zippermast GmbH soll durch einen etwas schwereren, größeren, aber auch stabileren Mast der Firma Will-Burt ersetzt werden. Dieser kann sowohl die leichten als auch schweren Sensorlasten sicher tragen.

Das Mastsystem soll ein breites Portfolio an Aufklärungs- und Beobachtungssensoren, Effektoren und anderen Nutzlasten aufnehmen können. So wurde in der Vergangenheit die Nutzung des Wirkmittels 90 von Dynamit Nobel Defence (DND) vom Mast aus in Betracht gezogen. Zur Kommunikation werden neben einer Intercom-Anlage diverse Funkgeräte eingerüstet. Die auf Fotos zu erkennende UHF-Tacsat-Antenne AV2091 Egg Beater lässt das L3Harris AN/PRC-117G vermuten. Ein weiteres Funkgerät an Bord dürfte das AN/PRC-160 sein, ebenfalls von L3Harris.

Aktueller Designstand des leichten Luftlandefahrzeugs Tahr in der Frontansicht. ©FTS

Neben dem AGF2 werden die Spezialkräfte die Fahrzeugfamilie leichter, luftlandefähiger Einsatz-/Gefechtsfahrzeuge (le LL EGF) sowie luftlandefähiger Unterstützungsfahrzeuge (le LL UstgFzg) erhalten. Diese wurden im Oktober 2025 durch den Haushaltsausschuss gebilligt, und Ende Oktober wurde ein mehrjähriger Rahmenvertrag für bis zu 200 Fahrzeuge unterschrieben. In der Bundeswehr werden die Fahrzeuge den Namen Tahr tragen. Dieser bezieht sich auf den Himalaya-Tahr, ein ziegenartiges Tier aus dem Himalaya. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um hochmobile, geländegängige, ungeschützte 4×4-Fahrzeuge in der 3,2-Tonnen-Klasse mit offenem Aufbau. Der Tahr stellt eine neu eingeführte Fahrzeugklasse innerhalb der Bundeswehr dar.

Das EGF soll drei Soldaten Platz bieten und per Lafette Waffen bis zum Kaliber .50 BMG nutzen können, unter anderem das bereits auf dem AGF Serval und Airbus H145M LUH SOF genutzte Maschinengewehr hohe Kadenz MG6 (Dillon Aero M134D Minigun). Das UstgFzg ist vor allem für den Materialtransport vorgesehen und bietet nur zwei Sitzplätze. Außerdem wird es leichter bewaffnet sein. Über einen Rahmenvertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren können bis zu 150 EGF und 50 UstgFzg abgerufen werden. Lieferant ist die FTS Flensburg Technology Systems GmbH (FTS). Dabei handelt es sich um ein Joint Venture zwischen Israel Aerospace Industries (IAI) und der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG).

Als Basis der Fahrzeuge dient die IAI ELTA All-Terrain-Fahrzeug-Z-Familie – genauer die ZD-Version mit einer entsprechenden neuen Käfig-Variante. Die Nutzlast soll bei 1,5 Tonnen liegen. Entwickelt, um den spezifischen operativen Anforderungen des Kommandos Spezialkräfte (KSK) gerecht zu werden, ist der Tahr eine leichte 4×4-Plattform, die extreme Geländegängigkeit, schnelle Beschleunigung und außergewöhnliche Stabilität vereint, so FTS bei der Vorstellung. Das Fahrzeugsystem habe sich bereits im Einsatz bei der IDF (Israel Defense Forces) bewährt und biete überlegene Mobilität und Vielseitigkeit für unterschiedliche Einsatzprofile.

Im Rahmen dieses strategischen Projekts wird FTS vom Standort Flensburg aus die langfristige logistische Versorgung sicherstellen und so ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft gewährleisten. Über Deutschland hinaus wird der Tahr auch weiteren internationalen Partnern angeboten, die ein robustes, kampferprobtes Spezialfahrzeug suchen. Die kompletten Fahrzeuge werden im neuen Werk 3 von FFG in Flensburg hergestellt. Erstmals in Deutschland wurde das Konzept auf dem NATO MilEng (Military Engineering) Industry Day 2025 an der Pionierschule in Ingolstadt der Öffentlichkeit gezeigt. Auch auf der Enforce Tac 2026 wird es durch FTS ausgestellt.

Für die Luftlandekräfte sowie anteilig auch für die Spezialkräfte ist der offene Caracal 4×4 von Rheinmetall im Zulauf. Das Fahrzeug basiert auf dem Mercedes-Benz G-Modell mit einem modularen Aufbausystem von  Armoured Car Systems (ACS), das nach dem Lego-Prinzip funktioniert, um eine hohe Flexibilität zu ermöglichen und die Anwendbarkeit des Fahrzeugs zu maximieren. Diese Modularität erlaubt den schnellen Austausch von Aufbauten und die Anpassung an unterschiedliche Rollen wie Transport, Sanitätsdienst oder Führungsunterstützung. Der Aufbau basiert auf einem Gitterrohrrahmen aus Aluminium.

Offen ist noch die Nachfolgeregelung für den Waffenträger Wiesel. Mit dem potenziellen Nachfolger beschäftigen sich die zuständigen Stellen mittlerweile bereits zehn Jahre. Mit dem Abbruch oder der Unterbrechung des Programms Luftbeweglicher Waffenträger (LuWa) auf der Zielgerade scheint der Ausgang offen. Es war beabsichtigt, 89 Fahrzeuge zu beschaffen. Diese teilten sich in 56 LuWa Maschinenkanone, 24 LuWa Panzerabwehr sowie neun LuWa Fahrschule auf. Hinzu kamen die Vorserienfahrzeuge. Die Maschinenkanone sollte ursprünglich das Kaliber 25 mm haben und die Version Panzerabwehr mit MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem) ausgestattet sein. Später wurde die Bordkanone Mauser BK 27 mm vorgegeben.

Mögliches Konzept für einen Nachfolger des Waffenträgers Wiesel: der LuWa-Turm auf einer 6×6-Mobilitätsplattform. ©ACS

Zunächst wurde ein Gesamtsystemdemonstrator Luftbeweglicher Waffenträger (GSD LuWa) durch die IABG entwickelt. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren die Firmen ACS sowie Valhalla Turrets aus Slowenien. Am Ende sollte eine abgespeckte Version, ohne geteiltes Kettenlaufwerk, Hybridantrieb etc. beschafft werden. Doch das Angebot der Rheinmetall Electronics GmbH (RME) als Original Equipment Manufacturer (OEM) lag wohl deutlich über dem, was das Heer bereit war zu zahlen. Es wurde vom Abbruch des Projektes berichtet.

Ein Sprecher des BAAINBw stellt jedoch klar, dass das Projekt LuWa nicht abgebrochen wurde und es sich um ein laufendes Vergabeverfahren handele. Aus dem Amt für Heeresentwicklung ist zu hören, man würde das Projekt aufgrund der zu hohen Kosten gerne abrechen, liegt hier aber nicht auf einer Linie mit dem BAAINBw. Wie es letztendlich ausgeht, ist völlig offen, da nach dem Sondervermögen in einigen Bereichen die Kosten ja kein Hindernis mehr darzustellen scheinen. Aber es gäbe auch Alternativen.

So zeichnete sich die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH bereits bei der letzten Nutzungsdauerverlängerung (NDV) des Wiesel 1 bis 2030 aus. Die Studie von FFG hat weitaus umfassender in den bestehenden Konstruktionsstand eingegriffen, als die aktuelle NDV umfasst. So wurde zum Beispiel das Laufwerk auf fünf Laufrollen verlängert und das Schutzniveau gesteigert. Auch Länge und Dach wurden erhöht und ein neuer Motor geplant. Aber dies war damals nur ein Konzept, nicht bis zu Ende entwickelt und getestet. Zudem ist die Bewaffnung, zumindest beim Wiesel 1 MK, nicht mehr zeitgemäß.

Dennoch wäre wohl die naheliegendste Lösung, dieses FFG-Konzept wieder aufzunehmen und mit dem entwickelten LuWa-Turm zu verbinden. Eine andere Alternative wäre eine Radlösung, zum Beispiel auf Basis des ACS Enok oder Rheinmetall Serval als 4×4 oder 6×6-Plattform. Die Integration der Panzerabwehrbewaffnung MELLS ist bereits mehrfach auf leichten 4×4-Fahrzeugen realisiert und gezeigt worden. Der unbemannte Valhalla-Turm benötigt sicherlich eher ein 6×6-Fahrzeug, aber auch hier gibt es entsprechende Optionen.

Auch ein völlig unbemanntes System – Umnanned Ground Vehicle (UGV) – wäre denkbar. Damit könnte zudem die Größe reduziert und den ohnehin bestehenden Nachwuchs- und Personalproblemen der Streitkräfte Rechnung getragen werden. Optionen unterschiedlichster Natur gibt es auf dem Weltmarkt ausreichend, man muss nur einmal ergebnisoffen nach rechts und links schauen. Oder bereit sein, einfach mehr Geld auszugeben.

Das Combat Boat 90 Next Generation von Saab führt mehrere Detailverbesserungen ein. Es soll wendiger als der Vorgänger sein und Stealth-Eigenschaften haben. ©Saab

Zu Wasser

Für die Fortbewegung auf oder über Wasser laufen derzeit parallel eine ganze Reihe an Projekten. Dazu gehören die neuen Schlauch- oder Einsatzboote mittlerer Reichweite – auch RHIB (Rigid Hull Inflatable Boat) genannt – für das Kommando Spezialkräfte Marine (KSM), die sogenannten Combat Boats für KSM und Seebataillon, die Einsatzboote für die neuen Fregatten F126, der Wunsch nach River-Rhine-Booten und weitere Vorhaben. Ebenfalls Mitte Oktober 2025 billigte der Haushaltsausschuss die Beschaffung der Einsatzboote mittlerer Reichweite.  Es werden zunächst neun Boote als Festbestellung sowie zwei Optionen mit insgesamt 17 Boote beauftragt.

Die Auslieferung soll 2027 beginnen. Lieferant wird die Yachtwerft Meyer GmbH beziehungsweise deren Mutterfirma sein, der französische Spezialist Zodiac. Damit werden die bisherigen RHIB 1010 ersetzt, die 2026 ihr Nutzungsende erreichen. Um die entstehende Lücke zu schließen, werden zudem vier Elf-Meter-NSWRIB-Boote des US-amerikanischen Herstellers United States Marine Inc. als Übergangslösung beschafft. Diese Boote werden vollständig über Foreign Military Sales (FMS) erworben und entsprechen exakt den Booten, die auch bei den U.S. Navy SEALs im Einsatz sind.

Sowohl für das KSM als auch für das Seebataillon sollen sogenannte Combat Boats beschafft werden. Offiziell gibt es mit Saab aus Schweden und Marine Alutech Oy aus Finnland zwei Anbieter. Saab bietet das Combat Boat 90 (CB90; schwedische Bezeichnung Stridsbåt 90 H) an, Marine Alutech das Watercat M18 AMC. Über beide Boote wurde bereits viel berichtet. Zuletzt hatte 2025 die litauische Marine zwei Watercat-M18-Boote beschafft, und Schweden bestellte in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 23 CB90 Next Generation.

Eine Entscheidung wird in der ersten Jahreshälfte 2026 erwartet. Unklar ist noch, ob es ein gemeinsames Projekt für KSM und Seebataillon geben wird oder jeweils ein eigenes. Sollten es zwei getrennte Projekte werden, wäre es ein Unding, zwei unterschiedliche Bootstypen zu beschaffen – auch wenn die Anforderungen der beiden Nutzergruppen sicherlich nicht zu 100 Prozent identisch sind.

Ein weiteres Projekt sind die Einsatzboote für die neuen Fregatten F126 (Niedersachsen-Klasse). Im Raum stehen sechs Schiffe mit einer entsprechenden Anzahl an Einsatzbooten. Diese dienen allen Missionen, die von den Fregatten aus durchgeführt werden – einschließlich der Einsätze eingeschiffter Spezial- und spezialisierter Kräfte. Auch hier bestehen derzeit einige Unsicherheiten.

Die Fregatten weisen bereits erhebliche Projektverzögerungen auf. Auftragnehmer ist (noch) die niederländische Damen Shipyards Group, die bislang auch für das Projekt der Einsatzboote verantwortlich zeichnet. Im Herbst 2025 wurde jedoch erstmals bekannt, dass der Auftraggeber unzufrieden ist und das Fregattenprogramm von Damen an Naval Vessels Lürssen (NVL) – demnächst wohl Teil von Rheinmetall – übertragen werden soll.

Schon länger besteht zudem ein Bedarf an sogenannten River-Rhine-Booten. Auch hier dienen die Boote der Special Warfare Crews (SWC) als Vorbild. Diese sind die Unterstützungskräfte der U.S. Navy SEALs. Kein deutsches Programm, aber dennoch von Interesse, sind die neuen niederländischen Next Generation Landing Crafts (Landungsboote) für das Korps Mariniers, die spezialisierten Kräfte der niederländischen Marine. Diese Boote werden auch als Littoral Assault Craft (LAC) bezeichnet und ersetzen die bisherigen Landing Craft Vehicle Personnel (LCVPs). Die Indienststellung ist zwischen 2026 und 2028 vorgesehen.

Das LAC wurde von Marine Alutech Oy entwickelt, um die neue Doktrin des Marinekorps – bekannt als Force Design – zu unterstützen. Dieses Konzept konzentriert sich auf die gleichzeitige Landung von Marinesoldaten und deren Ausrüstung von amphibischen Transportschiffen, die weiter vor der Küste positioniert sind. Das neue Boot bietet Schutz in feindlichen Umgebungen, ist schneller, kann größere Entfernungen zurücklegen und länger auf See operieren als die derzeitigen Boote, so das Korps Mariniers. Der Lieferant Marine Alutech Oy steht auch im Rennen um die deutschen Combat Boats.

Das neue LAC für das Korps Mariniers der Niederlande. ©Marine Alutech

In der Luft

Zur der taktischen Luftfortbewegung stehen den deutschen Kräften die Transportflugzeuge Airbus A400M, Lockheed Martin C-130J-30 Super Hercules, die Transporthubschrauber NH90 (NH90 TTH für das Heer und NH90 Sea Lion für die Marine), die CH-53 sowie der H145M LUH SOF (Light Utility Helicopter Special Operations Forces) zur Verfügung. Zukünftig wird die CH-53 durch die Boeing CH-47 Chinook Block II ersetzt. Diese wird das neue Arbeitstier sein und von der Luftwaffe betrieben, wobei das Heer als Hauptnutzer gilt — dabei vor allem die Spezialkräfte.

Die taktische Feuerunterstützung erfolgt derzeit durch den Kampfhubschrauber Tiger, zukünftig durch den H145M LKH (Leichter Kampfhubschrauber) beziehungsweise bereits jetzt den H145M LUH SOF mit dem MG6 als Bewaffnung. Der H145M LKH soll den auslaufenden Kampfhubschrauber Tiger als Übergangslösung unterstützen beziehungsweise ersetzen. Es sollen bis zu 82 Exemplare geliefert werden. Diese Brückenlösung soll dem Heer mehr Zeit verschaffen, um eine vollwertige Ersatzlösung für den Tiger zu finden. Ob diese dann künftig bemannt oder unbemannt sein wird, ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall hat sich die Bundeswehr gegen den Tiger Mk3 ausgesprochen.

Der H145M LKH ist kein vollwertiger Kampfhubschrauber und damit nicht mit einem Tiger oder dem Boeing AH-64 Apache zu vergleichen. Er wird jedoch eine hochmobile taktische Feuerunterstützung bieten, mit den logischen Einschränkungen bei Reichweite, (Waffen)-Nutzlast und Durchsetzungsfähigkeit. Alle bestellten Hubschrauber werden mit dem Waffen-Managementsystem HForce von Airbus ausgestattet. Dies ermöglicht eine flexible und schnelle Einbindung von Sensoren und Effektoren. HForce ist auf dem H145M bereits in anderen Ländern im Einsatz.

Als mögliche Bewaffnung nennt die Bundeswehr 70-mm-Raketen (gelenkt/ungelenkt), Spike-Panzerabwehrlenkflugkörper, Maschinengewehre und Kanonen. Zukünftig sollen auch Luft-Luft-Lenkflugkörper integriert werden. Der H145M LKH soll in unterschiedlichsten Rollen einsetzbar sein, unter anderem als Kampfhubschrauber, zur Ausbildung sowie für Spezialkräfte (SOF). Der Hubschrauber wird sowohl beim Heer als auch bei der Luftwaffe zum Einsatz kommen. Das Abfluggewicht beträgt etwa 3,8 Tonnen, die Einsatzdauer wird mit 3:54 Stunden angegeben, und der H145M LKH kann zwei plus acht Personen aufnehmen.

Acht Passagiere sind jedoch nur realisierbar, wenn keine weiteren Waffen oder Sensoren integriert sind. Zum Vergleich: Der H145M LUH SOF kann maximal vier vollständig ausgerüstete Kommandosoldaten aufnehmen, zusätzlich zur Zweimannbesatzung. Wird ein MG6 zur Feuerunterstützung eingebaut, reduziert sich die Anzahl der Passagiere im „hinteren Kampfraum“ auf einen Doorgunner. Bei der Vorstellung wurde der Hubschrauber mit den Worten gepriesen: „Seine Vorzüge sind eine größere Waffenwirkung, verbesserte Optronik und vor allem eine hochtechnisierte Digitalisierung sowie die Fähigkeit zur Vernetzung mit Drohnen (Manned-Unmanned Teaming).“ Der Zulauf soll bereits 2026 beginnen.

Neben dem H145M LKH zur taktischen Feuerunterstützung haben mehrere europäische Spezialkräfte unbestätigten Informationen zufolge großes Interesse an einem leichten Kampfflugzeug, auch in Deutschland. Schaut man sich innerhalb der NATO um, stechen vor allem zwei Kandidaten hervor. So wird die portugiesische Luftwaffe (FAP) Erstkunde für die Embraer A-29N Super Tucano nach NATO-Standard. Die erste Auslieferung des leichten Kampfflugzeugs ist ab Ende 2025 geplant. Das auf der Paris Air Show 2025 gezeigte Flugzeug erregt auch bei europäischen Streitkräften großes Interesse.

Ein Embraer A-29N Super Tucano auf der Paris Air Show 2025. ©AF

Die Embraer EMB 314 Super Tucano – auch als ALX oder A-29 bezeichnet – ist ein leichtes Aufstandsbekämpfungsflugzeug (Counterinsurgency, COIN) und Luftnahunterstützungsflugzeug (Close Air Support, CAS) des brasilianischen Herstellers Embraer. Es gibt mittlerweile zahlreiche Varianten und Nutzerstaaten. Unter anderem wird die A-29 bei US-amerikanischen Spezialkräften genutzt. Neben dem Kampfeinsatz kann sie auch als Ausbildungs- und Trainingsflugzeug eingesetzt werden. Sie ist als Ein- und Zweisitzer verfügbar.

Als Zweisitzer kann die Arbeitsbelastung des Piloten verringert werden, indem der hintere Sitz einen Waffenoffizier aufnimmt. Dieser bedient dann den EO/IR-Aufklärungspod sowie Laser-Entfernungsmesser und -Designator. Die A-29 hat eine Länge von 11,38 und eine Spannweite von 11,14 Metern. In der bewaffneten Variante sind zwei Maschinengewehre Kaliber .50 BMG fest in den Flügeln verbaut. Hinzu kommen insgesamt fünf Hardpoints zur Aufnahme weiterer Pods oder Waffen.

Laut Hersteller sind in die Super Tucano bereits folgende Systeme/Waffen integriert: SUU-25-Flare-Launcher, ein Siebenfach-Werfer für 70-mm-Raketen, die 500-lb-Bombe Mk 82, die 250-lb-Bombe Mk 81 und die lasergelenkte Bombe GBU-58, 750-lb-Bombe M117, konventionelle und lasergelenkte APKWS-Raketen (Advanced Precision Kill Weapon System), 500-lb-INS/GPS-Bomben GBU-12/Griffin/Lizard IV, SUU-20 Übungsbomben-Dispenser, ein 320-Liter-Zusatztank, ein logistischer Pod zum Nachversorgen der Truppe am Boden sowie unter der Nase ein EO/IR-HD-Sensor und Designator (zum Beispel MX-10/15 von L3Harris Wescam).

Das Konzept Sky Warden basiert auf einem Agrarflugzeug, ist für raue Einsatzumgebungen konzipiert, benötigt wenig Personal und Infrastruktur und kann bis an die Zähne bewaffnet werden. ©L3H

Ein Konkurrent ist die OA-1K Skyraider II, auch Sky Warden genannt — ein ISR/Strike-Flugzeug. Es wird unter anderem vom U.S. Air Force Special Operations Command (AFSOC) und vom U.S. Special Operations Command (USSOCOM) eingesetzt. Dort wird es als sehr kosteneffizientes, bemanntes Flugzeug mit zuverlässiger Leistung, unabhängig vom Einsatzort, bezeichnet. Lieferant ist L3Harris. Zudem passen L3Harris und Israel Aerospace Industries (IAI) die Plattform an israelische Anforderungen an. Das Flugzeug wird dann als Blue Sky Warden bezeichnet. IAI wird das Missionssystem und weitere Software beisteuern und zudem als Sensorintegrator fungieren.

Die Maschine basiert auf der robusten und zuverlässigen Air Tractor AT-802U-Plattform, einem Agrarflugzeug. Diese Plattform ermöglicht kurze Start- und Landestrecken sowie einen äußerst geringen Platzbedarf. Der Air Tractor AT-802U wurde für den Einsatz unter rauen Bedingungen entwickelt und gebaut. Sky Warden wurde für ISR-Einsätze konzipiert. Die einsatzerprobte, offene Systemarchitektur sorgt für hohe Flexibilität. Laut Anbieter überzeugt es zudem mit hoher Ausdauer und Nutzlast: sechs Stunden Verweildauer bei einem Kampfradius von 200 nautischen Meilen und einer flexiblen Kampfbeladung von 6.000 Pfund.

Eine entsprechende nationalisierte und NATO-übergreifende, robuste Suite von Funkgeräten und Datenverbindungen bietet eine flexible und sichere Kommunikation innerhalb (LOS) und außerhalb der Sichtlinie (BLOS). Dank der Einbindung unterschiedlicher EO/IR-, ISR- und weiterer Sensoren hat die Crew stets ein umfassendes Situationsbewusstsein über die Umgebung und das Gefechtsgeschehen. Aufgrund der Basis einer Agrarplattform ist diese Lösung laut Herstellerangaben erschwinglich und nachhaltig; sie bietet niedrige Produktions- und Betriebskosten, unterstützt durch ein etabliertes globales Wartungsnetzwerk.

Mögliche Bestückung des Sky Warden. ©L3H

Laut USSOCOM hat das System bereits mehr als 1,3 Millionen Stunden ISR- und Strike-Unterstützung für Spezialkräfte erbracht. Sky Warden kann in weniger als sechs Stunden zerlegt und innerhalb von zwölf Stunden wieder einsatzbereit gemacht werden, was einen schnellen Transport für Kriseneinsätze und andere Missionen ermöglicht. Das Bodenpersonal kann an abgelegenen Orten die benötigte Unterstützung zu einem Bruchteil der Kosten und mit geringerem logistischem Aufwand als bei anderen Plattformen anbieten. Auch der Material- und Personalaufwand für den Betrieb ist deutlich geringer als bei anderen Flugzeugen oder Hubschraubern.

Verglichen mit der Embraer EMB 314 Super Tucano bietet Sky Warden bis zu zehn Hardpoints zur Aufnahme von Pods, Sensoren oder Waffen: zwei unter der Rumpfunterseite und je vier unter den Flügeln. Zum Waffenarsenal gehören unter anderem AGM-114 Hellfire-Raketen, GBU-12 Paveway II-Bomben, AGM-176 Griffin-Standoff-Raketen, GBU-39 Small Diameter Bombs sowie gelenkte AGR-20-70-mm-Raketen und APKWS-Varianten. Neben APKWS können auch Hydra-70-Raketen und eine Vielzahl weiterer gelenkter und ungelenkter 70-mm-Raketen eingesetzt werden.

Beide zuvor beschriebenen Flugzeuge bieten eine kostengünstige Feuerunterstützung aus der Luft. Gerade auch an geografisch isolierten Orten, bei denen die Spezialeinheiten an schwierigen Einsatzorten ansonsten auf sich gestellt sind. Hinzu kommen die langen Verweildauern von bis zu acht Stunden. Hubschrauber und Kampfflugzeuge müssen schneller und häufiger zum Tanken das Einsatzgebiet verlassen und stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Zudem können die Plattformen mit einem sehr geringen Fußabdruck an Material und Personal betrieben werden, benötigen weniger technische und raumtechnische Voraussetzungen. Gerade im Vergleich zu einem Kampfhubschrauber Tiger, NH90 oder sogar Eurofighter.

Erstveröffentlichung in Soldat & Technik, 24.01.2026, www.soldat-und-technik.de

Autor: André Forkert