Bundeswehrübung „Tapferer Schweppermann 2025“ – Stärke, Präzision und gelebte Partnerschaft in der Oberpfalz

Mit der Feldeinsatzübung „Tapferer Schweppermann 2025“ hat das Logistikbataillon 472 aus Kümmersbruck eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass logistische Leistungsfähigkeit, militärische Planung und gesellschaftliche Verwurzelung Hand in Hand gehen können. Über zwei Wochen hinweg wurde in der Oberpfalz ein komplexes Szenario erprobt, das die Einsatzbereitschaft und Flexibilität moderner Logistikverbände unter realitätsnahen Bedingungen auf die Probe stellte.

Rund 700 Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen Verbänden nahmen an der Übung teil, unterstützt von zivilen Kräften und der regionalen Bevölkerung. Ziel war es, die logistischen Abläufe in einem fiktiven Krisenszenario zu trainieren – von der Materialverteilung, der Instandsetzung und dem Transport über die Versorgung verwundeter Kameradinnen und Kameraden bis hin zur Sicherstellung moderner Kommunikations- und Führungseinrichtungen.

Ein Jahr der Vorbereitung – Organisation in höchster Komplexität

Bereits die Vorbereitung auf die Übung „Tapferer Schweppermann 2025“ stellte alle Beteiligten vor Herausforderungen. Im Frühjahr 2024 begannen die Planungen, die sich über mehr als zwölf Monate erstreckten und die Klärung einer Vielzahl von logistischen, organisatorischen und auch bürokratischen Herausforderungen umfassten.

„Eine Übung dieser Größenordnung ist keine Selbstverständlichkeit“, betonte Oberstleutnant Martin Hillebrandt, Kommandeur des Logistikbataillons 472. Im Schwerpunkt lagen die Vorbereitungen darin, unterschiedlichste Akteure – militärisch wie zivil – aufeinander abzustimmen, Genehmigungen einzuholen, Infrastruktur vorzubereiten um die hohe Qualität der Ausbildung sicherzustellen.

Der Planungsstab unter Führung des stellvertretenden Kommandeurs des Logistikbataillons 472 arbeitete monatelang in enger Abstimmung mit der Bundeswehrverwaltung, den kommunalen Vertretungen und den zuständigen Sicherheitsbehörden. Die organisatorische Komplexität war beträchtlich, da neben der logistischen Planung Sicherheitskonzepte erstellt, Transport- und Versorgungswege festgelegt sowie technische Infrastrukturen vorbereitet werden mussten.

Feldbetten stehen für die Nacht auf einem zivilen Bauernhof bereit

Die Vorbereitungsphase diente hierbei nicht nur der Strukturierung der Übung, sondern auch der Abstimmung aller Beteiligten auf gemeinsame Ziele und Prozesse. Sie bildete die Grundlage für den späteren Erfolg und stellte sicher, dass sowohl militärische Effizienz als auch zivile Rücksichtnahme miteinander vereinbar blieben.

Verlässliche Partner – Die Oberpfalz als Fundament des Erfolges

Ein wesentliches Element des Erfolges war die hervorragende Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden, den Patengemeinden des Bataillons und der Bevölkerung der Oberpfalz. Kümmersbruck, Amberg und die umliegenden Gemeinden zeigten sich als zuverlässige Partner und als engagierte Gastgeber.

Die lokale Bevölkerung begegnete der Bundeswehr mit Offenheit und Unterstützung. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger leisteten durch Bereitstellung von Flächen logistische Hilfestellungen oder durch organisatorische Mithilfe einen wertvollen Beitrag.

Umdenken: Der Einsatz im zivilen Umfeld erfordert Improvisationstalent

Informationsveranstaltungen, Einbindung der Kommunen in die Planung sowie der kontinuierliche Austausch zwischen Militär und Zivilgesellschaft sorgten für ein hohes Maß an Transparenz und gegenseitigem Vertrauen. So wurde die Feldeinsatzübung auch zu einem Symbol gelebter zivil-militärischer Partnerschaft – einer Partnerschaft, die weit über die Dauer der Übung hinaus Bestand haben wird.

Drei Säulen der Struktur – Rahmenleitgruppe, übende Truppe und Schiedsrichterorganisation

Ein zentraler Erfolgsfaktor war die klare organisatorische Trennung zwischen der Rahmenleitgruppe, der übenden Truppe und der Schiedsrichterorganisation. Diese Aufteilung ermöglichte nicht nur eine saubere Steuerung der Abläufe, sondern auch eine objektive Bewertung der Ergebnisse.

Ein Gefechtsstand der Stabs- und Versorgungskompanie vom Logistikbataillon 472 steht im Gelände eines zivilen Bauhofes

Die Rahmenleitgruppe koordinierte die übergeordneten Planungs- und Steuerungsvorgänge und stellte sicher, dass das Übungsszenario den beabsichtigten Zielen entsprach. Die übende Truppe wiederum agierte unabhängig und reagierte anlassbezogen auf die anstehenden Lagen, ähnlich wie in einem echten Einsatz.

Besonders hervorzuheben ist die Rolle der Schiedsrichterorganisation: Sie beobachtete, bewertete und dokumentierte die Abläufe neutral und unabhängig. Unterstützt wurde sie dabei von verbandsfremden Experten aus dem Bereich der Logistik und der Sanität.

Gerade dieser Aspekt war entscheidend um eine realistische, ungeschönte Bestandsaufnahme des Ausbildungsstandes aufzuzeigen.

Drohnen – Ein relevanter Akteur im militärischen Umfeld

Ein Schwerpunkt der Übung lag auf dem Einsatz von Drohnen. Sie sind unter anderen ein essentieller Teil der Aufklärung zur Überwachung von Einsatzräumen und zur Erfassung von Lageveränderungen in Echtzeit. Erkenntnisse aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigen allerdings, dass Drohnen längst mehr sind als bloße Aufklärungsinstrumente. So wurden Drohnen im Rahmen der Übung auch als feindliche Wirkmittel eingesetzt, um die zweckmäßige Reaktion der Truppe zu üben. Insbesondere durch die vorhandene optische und thermische Sensorik konnte die Effizienz der Tarnung von Gefechtsständen und Fahrzeugen bewertet, die Truppe sensibilisiert und Mängel behoben werden.

Allerdings zeigte sich auch: Der Umgang mit dieser neuen Technologie will geübt sein. Sowohl die technische Handhabung als auch die taktische Integration erfordern regelmäßiges Training. Die Erkenntnis aus der Übung lautet daher eindeutig: Der Umgang mit Drohnentechnologie muss systematisch in die Ausbildung integriert werden.

Präsenz zeigen – Abschreckung und Vertrauen zugleich

Neben den militärischen Zielsetzungen diente die Übung auch einem gesellschaftlich-politischen Zweck: Sie sollte Präsenz zeigen – in der Region, in der Bevölkerung und gegenüber potenziellen Gegnern.

Ein Soldat vom Logistikbataillon 472 sichert die Umgebung nach dem Bezug des Einsatzraumes

In Zeiten globaler Unsicherheiten und wachsender geopolitischer Spannungen ist es für die Bundeswehr wichtiger denn je, die eigene Einsatzbereitschaft sichtbar zu machen. Die Feldeinsatzübung „Tapfere Schweppermann 2025“ war daher auch ein Signal an die Bürgerinnen und Bürger, dass ihre Streitkräfte handlungsfähig sind. Durch die sichtbare Darstellung logistischer und taktischer Abläufe wurde verdeutlicht, dass die mobilen Logistiktruppen der Basislogistik in der Lage sind, auf komplexe Lagen schnell und entschlossen zu reagieren.

Fazit – Ein Meilenstein für die militärische Logistik und die Region

Mit der Übung „Tapferer Schweppermann 2025“ hat das Logistikbataillon 472 Maßstäbe gesetzt. Die Übung demonstrierte nicht nur die Leistungsfähigkeit moderner logistischer Kräfte, sondern auch die enge Verzahnung von militärischem Können, technischer Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung der Bundeswehr.

Ein Lkw 15t mil gl Multi 2 vom Logistikbataillon 472 erreicht nach einem Fahrzeugmarsch die Nachschubkompanie

Die intensive Vorbereitung, die hervorragende Zusammenarbeit mit den Behörden und Gemeinden der Oberpfalz sowie die klare organisatorische Trennung zwischen Planern, Übenden und Bewertenden schufen die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf und aussagekräftige Ergebnisse.

Zugleich zeigte die Übung, dass bereits heute die militärische Logistik zunehmend digital, vernetzt und technologisch anspruchsvoll ist.

Die Feldeinsatzübung „Tapferere Schweppermann 2025“ steht damit sinnbildlich für die mobilen Logistiktruppen Basislogistik, die bereit sind, die Lehren aus der Vergangenheit umzusetzen, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen und entschlossen den wachsenden Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.

Dieser Artikel wurde bereitgestellt vom Logistikkommando der Bundeswehr

Autor: Hauptfeldwebel Christoph Vietzke

Bilder: ©Bundeswehr/Susanne Hähnel 

DOLL: Schwerlastfahrzeuge für die Streitkräfte von heute und morgen

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine investiert Europa verstärkt in Verteidigung. Auch Deutschland beschafft moderne Panzer, Artillerie- und Schützenfahrzeuge. Um sie sicher und schnell an ihren Einsatzort zu verlegen, sind zuverlässige Transportlösungen entscheidend – robust, schnell verfügbar und in angemessener Stückzahl.

Genau auf solche Transportlösungen ist die Firma DOLL Fahrzeugbau u. a. spezialisiert. Das Unternehmen aus dem Schwarzwald ist der führende Anbieter militärischer Schwerlastfahrzeuge für den Transport von Panzern und schweren Kampffahrzeugen in der Klasse 70t plus. Trailer von DOLL sind bei NATO-Streitkräften weltweit im Einsatz, u. a. in Deutschland, Großbritannien, Litauen und Kanada. Ihr Rückgrat: eine hochstabile Rahmenkonstruktion aus langlebigem Feinkornstahl, der klimatischen Extremen von Arktis bis Wüste standhält.

Der DOLL 4-Achs-Sattelanhänger 30t ist teleskopierbar und kann so eine Vielzahl verschiedener Geräte und Fahrzeuge transportieren

Eine Stärke des Spezialfahrzeugbauers sind besonders robuste Achstechnologien. „Wir entwickeln unsere Achsen selbst, weil wir wissen, dass im Einsatz selbst kleine Details über Sicherheit und Ausfall entscheiden“, betont DOLL-Geschäftsführer Markus Ehl. Im harten militärischen Offroad-Einsatz hat sich DOLLs robuste Pendelachse bewährt. Diese gleicht Geländeunebenheiten hydraulisch aus. Ein maximaler Federweg von 600 Millimetern erlaubt es, selbst tiefe Bodenwellen zu überfahren. Zusätzlich misst ein spezieller Sensor die Querbeschleunigung in Kurvenfahrten. Droht ein Übersteuern oder Kippen, bremst das System automatisch ab.

„Wir entwickeln unsere Produkte ständig weiter, um den sich verändernden Anforderungen moderner Streitkräfte gerecht zu werden“, sagt Ehl. 35 Ingenieure arbeiten kontinuierlich an neuen Lösungen, auch basierend auf Einsatzerfahrungen. In Afghanistan beispielsweise rissen improvisierte Sprengsätze (IEDs) teils ganze Pendelarme ab. Austretendes Hydrauliköl führte zu Druckverlust im gesamten Hydrauliksystem und beeinträchtigte somit die Lenkung. Heute lassen sich die Achsen bei Bedarf einzeln vom Hydrauliksystem entkoppeln. So bleiben die Trailer auch nach schweren Treffern einsatzfähig.

Zuverlässigkeit im Einsatz bedeutet auch, dass Soldaten ihre Fahrzeuge in jeder Situation sicher bedienen können, ob bei Dunkelheit oder im Gefecht. DOLL stattet seine Schwerlastfahrzeuge deshalb mit intuitiv bedienbaren Assistenzsystemen aus. Das hochmoderne Steuerungssystem „DOLL control“ ermöglicht die Überwachung und Steuerung sämtlicher Trailerfunktionen. Ein 7-Zoll-Farbdisplay zeigt alle wichtigen Daten zu Reifendruck, Gewicht und Lastverteilung an. Zudem lassen sich alle Auflieger-Funktionen über die Funkfernbedienung „DOLL connect“ steuern. Der Fahrer kann vom Fahrersitz aus in die Lenkung eingreifen oder das Fahrniveau einstellen. Nach dem manuellen Nachlenken reicht ebenfalls ein Knopfdruck auf der Fernbedienung, um die Achsen wieder einzuspuren. Das automatische Einspursystem „DOLL EEP“ passt die Spur des Anhängers eigenständig an die Zugmaschine an. Und schließlich reguliert ein hydraulisch gesteuerter Schwanenhals den Druck auf die Zugmaschine beim Überfahren von Kuppen oder Steigungen. So behält die Zugmaschine stets eine gleichmäßige Traktion.

Der Sattelanhänger 70 t DOLL tera S8P im Gebirge

Weil viele Streitkräfte ihre Beschaffungsprozesse beschleunigen, gewinnt neben Qualität auch schnelle Verfügbarkeit an Bedeutung. DOLL kann liefern: „Dank unseres starken Partnernetzwerks in Deutschland und Europa können wir die Produktion bei Bedarf schnell hochfahren“, erläutert Ehl. „Und durch Simultaneous Engineering gelingt uns ein besonders schneller Übergang von der Entwicklung in die Fertigung.“ Ein Beweis für die Liefertreue: der im Juni 2022 unterzeichnete Rahmenvertrag mit dem BAAINBw über 249 Sattelanhänger mit 70 Tonnen Nutzlast (SaAnh 70t mil). Das erste Los von 31 Fahrzeugen wurde schon im Oktober 2023 an die Bundeswehr übergeben – drei Monate früher als vereinbart.

Zum Konzept von DOLL gehört außerdem ein umfassender Service über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge. Dazu zählen Training und ein „Train-the-Trainer“-Programm, Ersatzteilversorgung und Obsoleszenzmanagement. DOLL bietet die Materialerhaltungsstufen MES 1 bis 4 – auf Wunsch auch im Ausland oder Krisengebieten.

Über DOLL Fahrzeugbau

Die DOLL Fahrzeugbau GmbH mit Hauptsitz in Oppenau im Schwarzwald ist einer der führenden europäischen Hersteller von Transportfahrzeugen für die Bereiche Defence, Schwertransport, Airport Equipment und Holztransport. Zum Hauptsitz addieren sich die Tochtergesellschaften DOLL Airport Equipment in Oppenau, DOLL America in New Jersey, DOLL TimTech in Mildenau und DOLL France in Paris. Des Weiteren bietet DOLL Schulungen und Trainings, technischen Support, Reparatur- und Refurbishmentarbeiten, mobilen Service sowie 24-Stunden-Ersatzteilservice an. Gebrauchtfahrzeuge runden das Servicespektrum ab. Das im Jahr 1878 gegründete Traditionsunternehmen beschäftigt heute zirka 420 Mitarbeitende und baut rund 1.000 Fahrzeuge pro Jahr.

DOLL Hauptsitz in Oppenau

Pressekontakt

Christoph Ernst

möller pr

Telefon: +49 (0)221 80 10 87-82

Email: ce@moeller-pr.de

www.moeller-pr.de

 

Bilder: ©DOLL Fahrzeugbau

Informationsveranstaltung am 26. und 27.02.2026 an der Logistikschule in Garlstedt

Am 26. und 27. Februar wird die ursprünglich im November letzten Jahres geplante Mitgliederversammlung und Informationsveranstaltung an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt durchgeführt.

Schwerpunkt wird die „Verteidigungsfähigkeit Deutschlands unter neuen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen“ sein. In diesem Rahmen werden wir u.a. eine sicherheitspolitische Standortbestimmung, die gemeinsame Europäische Rüstungspolitik, die Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie, die Logistische Unterstützung durch die NSPA, den Operationsplan Deutschland sowie die Heimatschutzdivision thematisieren. Die Logistischen Ausbildungseinrichtungen in Krise und Krieg sollen in diesem Zusammenhang ebenfalls dargestellt werden.

Für alle Themenbereiche konnten Referenten gewonnen werden, die zu den neuesten Entwicklungen vortragen und für vertiefende Diskussionen zur Verfügung stehen werden. Natürlich soll es auch in diesem Jahr wieder ausreichend Zeit und Gelegenheit zum „Netzwerken“ geben.

Die Einladung zur Informationsveranstaltung mit der Möglichkeit zur digitalen Anmeldung wird mit gesonderter Mail an die Mitglieder versandt.

Ort und Zeit

Zeit: 26. Februar 2026 bis 27. Februar 2026
Ort: Logschule der Bundeswehr
Lucius-D.-Clay-Kaserne
Bremerhavener Heerstr. 10
27711 Osterholz-Scharmbeck

#267: Logistik und Militär: Die große Chance der Transformation der Bundeswehrlogistik

Generalmajor Jochen Deuer, der Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, führt ein Gespräch mit dem Host der Bundesvereinigung Logistik (BVL) – Boris Felgendreher – über die große Chance der Transformation der Bundeswehrlogistik.

Unter anderem geht es dabei um folgende Themen:

Bedeutungszuwachs der Militärlogistik
– Logistik wurde schon vor der Zeitenwende wichtiger, durch größere Materialmengen noch stärker.
– Rückblick auf 2014 (Krim) als eigentlicher Beginn des Umdenkens.
– 2022 als Beschleuniger: mehr Aufmerksamkeit, mehr Mittel, stärkere öffentliche Debatte.

Aufgaben des Logistikkommandos
– Dreistufiges logistisches System: Deutschland → Verlegeweg → Einsatzgebiet.
– Verantwortung für Depots, Materialfluss, Folgeversorgung, Ausbildung (Logistikschule) und Kraftfahrwesen (Y-Kennzeichen).
– Logistikschule: Ausbildung von Logistikern, auch mit Simulation/VR-Technik.

Rolle der Logistik im modernen Militär
– Logistik begrenzt militärische Operationen – Ressourcen bestimmen, was möglich ist.
– Unterschiede zwischen Auslandseinsätzen und Landes-/Bündnisverteidigung: v. a. Mengen steigen massiv.
– Beispiel: Eine Division kann pro Tag rund 1.000 Tonnen Munition benötigen.

Kombination militärischer und ziviler Kräfte
– 17.000 Personen im Logistikkommando (inkl. 4.500 Zivilbeschäftigten).
– Militär alleine wird Anforderungen nicht stemmen können.
– Industrie bleibt unverzichtbar – in Deutschland, unterwegs (Coupling Bridge) und im Einsatzland.

Übungen & Vorbereitung auf den Ernstfall
– Grundbetrieb trainiert das „blaue“ logistische Kerngeschäft; Übungen simulieren den Ernstfall.
– Großübung „Wave Blue“ in Litauen mit vollständigem Durchspielen aller Übergabepunkte.

Aktueller Stand zivile–militärische Zusammenarbeit
– 90 % der Transporte im Grundbetrieb laufen über zivile Logistikunternehmen.
– Enge Zusammenarbeit mit Inhouse-Gesellschaften (HIL, BW Fuhrparkservice).
– Funktionierende Routinen im Schwerlasttransport und Tagesgeschäft.

Zentrale Herausforderungen & Ausbau-Bedarf
– Wertehaltende Lagerung: deutlich mehr Material, Notwendigkeit professioneller externer Lagerkapazitäten.
– Transportkapazitäten: Deutschland als logistische Drehscheibe benötigt massiven Kapazitätsausbau.
– Rast- und Sammelräume als neues Element (z. B. Vertrag mit Rheinmetall).
– Große Infrastrukturbedarfe in Deutschland (z. B. Häfen wie Bremerhaven).

Digitalisierung & Innovation
– SAP-basierte Steuerung, Umstieg auf S4/HANA geplant.
– Softwarelösungen wie JADET oder DART BW für Planung und Erkundung.
– Interesse an bodengebundenen, autonom fahrenden Logistikdrohnen.
– Smart Warehousing und Automatisierung gewinnen an Bedeutung; Beispiel: automatisiertes Ersatzteillager mit Hensoldt.

Chancen für die Wirtschaft / Zugang zur Bundeswehr
– Teilnahme an Foren: CPM-Forum, CPM LogNet, „Zukunftsorientierung Kooperation Logistik“.
– Neues Beschaffungs- und Planungsgesetz erleichtert Zugang, auch für kleinere Firmen.
– Startups besonders interessant in Bereichen wie Sensorik, Automatisierung, Drohnen.
– Wichtig: Leistungsfähigkeit, Verlässlichkeit, Sicherheitsbewusstsein (Cyber, hybride Bedrohungen).

Anforderungen an Dienstleister
– Robustheit, Ausfallsicherheit, Bewusstsein für Risiken (Cyberangriffe, hybride Bedrohungen).
– Transparenz und vertrauensvolle Zusammenarbeit – Leistungsversagen ist im Ernstfall nicht tolerierbar.

Hier geht es zum Podcast:

#267: Logistik und Militär: Die große Chance der Transformation der Bundeswehrlogistik – Die BVL: Das Logistik-Netzwerk für Fach- und Führungskräfte

Erstveröffentlichung auf der Internetseite der Bundesvereinigung Logistik (BVL), 04.12.2025, www.bvl.de

Titel: Logistik und Militär: Die große Chance der Transformation der Bundeswehrlogistik

Moderator: Boris Felgendreher

Bild: BVL

 

Neuer Wehrdienst für Deutschland beschlossen

Sinnstiftend, attraktiv, digital: Mit dem Neuen Wehrdienst reagiert Deutschland auf die veränderte sicherheitspolitische Lage und die Anforderungen an die Landes- und Bündnisverteidigung. Die Wiedereinführung der Wehrerfassung und der Wehrüberwachung sorgen für eine personell starke Reserve.

Neuer Wehrdienst – Regierung schafft rechtliche Grundlage

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat mit einer einfachgesetzlichen Änderung – das heißt ohne Änderung des Grundgesetzes – ein neues Wehrdienstmodell und die dafür dringend erforderlichen Strukturen und Kapazitäten geschaffen. Hierfür wurde in den Fachabteilungen des BMVg ein Gesetzentwurf erarbeitet, der nach der Ressortabstimmung und Verbändebeteiligung am 27. August 2025 im Kabinett für die Einleitung des parlamentarischen Gesetzgebungsverfahrens beschlossen wurde. Im Besonderen enthält der Gesetzentwurf zahlreiche Maßnahmen für einen attraktiven und sinnstiften Wehrdienst sowie die Wiederaufnahme von Wehrerfassung und Wehrüberwachung.

Pistorius Rede zum neuen Wehrdienst, ©picture alliance/Flashpic

Im Rahmen dieses Gesetzgebungsverfahrens erhielten die Fraktionen die Möglichkeit, Änderungen einzubringen, die in gemeinsamen Gesprächen erörtert wurden. Dies betont das demokratische Verständnis. Die Einigung auf Ebene der Regierungsfraktionen aus CDU/CSU und SPD markierte den nächsten Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Der Bundestag hatte sodann am 5. Dezember 2025 über den Gesetzentwurf abgestimmt. Am 19. Dezember hatte das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes den Bundesrat passiert und soll nun zum 1. Januar 2026 in Kraft treten.

Modern, freiwillig und mit einer starken Reserve

Das Gesetz sieht vor, dass mit Einführung des Neuen Wehrdienstes zahlreiche attraktivitätssteigernde Maßnahmen vorgenommen werden. So tritt beispielsweise bereits ab einem Jahr Verpflichtungszeit anstelle des bislang „Freiwilligen Wehrdienstes als besonderes staatsbürgerliches Engagement“ der Status einer Soldatin beziehungsweise eines Soldaten auf Zeit, was zu besoldungs- und versorgungsrechtlichen Verbesserungen führt. Aber auch bei geringeren Verpflichtungszeiten erhalten die Soldatinnen und Soldaten bereits eine höhere Besoldung als bisher – vorgesehen sind mindestens 2.600 Euro Einstiegsgehalt. Mit dem Neuen Wehrdienst wird die Reserve gestärkt, weil jeder neue Wehrdienstleistende nach Ende der aktiven Dienstzeit in die Reserve beordert wird. Und während ihrer Dienstzeit stärken die neuen Wehrdienstleistenden aber auch die aktive Truppe, gerade im Bereich der Mannschaften. Der Neue Wehrdienst eröffnet die Möglichkeit, schon mit kurzen Verpflichtungszeiten ab sechs Monaten einen eigenen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands zu leisten.

Wie lange er oder sie Wehrdienst leisten möchte, kann jeder und jede für sich selbst entscheiden. Möglich sind als Freiwillig Wehrdienstleistender von sechs bis zu elf Monate als besonderes staatsbürgerliches Engagement, monatlich abgestuft, beziehungsweise als Soldatin oder Soldat auf Zeit ab zwölf Monaten. Bei entsprechender Eignung sind Verpflichtungszeiten als Soldatin oder Soldat auf Zeit bis zu 25 Jahren möglich. Je nach Bildungsgrad, Qualifizierung, Eignung oder Bedarf ist es unabhängig davon möglich, die Laufbahn zu wechseln und später sogar Berufssoldatin oder Berufssoldat zu werden. Das Gesetz sieht weiterhin vor, die Wehrerfassung zu modernisieren. Sie wird an das aktuelle Melderecht angepasst. Die Aufgabe der Wehrerfassungsbehörden geht von den Meldebehörden auf die Bundeswehrverwaltung über. Dies bedeutet eine Entlastung für die Meldebehörden der Länder.

Bereitschaftserklärung für Männer Pflicht

Im Zuge der Wehrerfassung wird es eine für Männer verpflichtende Befragung über deren Bereitschaft und Fähigkeit zur Ableistung des Wehrdienstes, die sogenannte Bereitschaftserklärung, geben. Alle jungen Menschen erhalten nach ihrem 18. Geburtstag einen Brief mit einem QR-Code zugesandt, der zu einem Onlinefragebogen führt. Junge Männer sind verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen. Für Personen anderen Geschlechts ist die Beantwortung der Fragen freiwillig, da sie nicht der Wehrpflicht unterliegen.

In dem Fragebogen werden persönliche Daten, Verfügbarkeit, Bildungsabschlüsse und sonstige Qualifikationen sowie die Bereitschaft zu einer Wehrdienstleistung abgefragt. Nach dem Gesetz über den Neuen Wehrdienst werden die wehrpflichtigen Männer ab Geburtsjahr 2008 einer verpflichtenden Musterung unterzogen. Aufgrund der derzeit im Aufbau befindlichen Musterungskapazitäten werden die Musterungen schrittweise erfolgen und nach und nach auf den gesamten Jahrgang 2008 ausgeweitet. Bis dahin werden diejenigen, die sich bereit erklären Wehrdienst zu leisten, nach Auswertung des Fragebogens und wenn sie für den Dienst in den Streitkräften geeignet erscheinen, zu einem Assessment eingeladen.

Durch Assessment und Musterung wird festgestellt: Ist die Person geeignet und tauglich? Ist sie verfügbar? Wo könnte sie am sinnvollsten eingesetzt werden? Und passt sie zum Bedarf der Streitkräfte? Es ist zudem vorgesehen, dass eine erneute verpflichtende Befragung der Wehrpflichtigen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. Dadurch werden die Angaben aktualisiert. Das alles geschieht mit der Absicht, ein besseres Lagebild über Eignung und Qualifikation der Wehrpflichtigen zu erhalten.

Neue Bedrohungslage – Neuer Wehrdienst

Angesichts der massiv verschärften Bedrohungslage in Europa infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine richtet sich die Bundeswehr noch konsequenter auf die Landes- und Bündnisverteidigung aus und schafft dafür die erforderlichen Strukturen. Der Neue Wehrdienst stellt ein zentrales Element dieser Entwicklung dar.

Reserve und „Bedarfswehrpflicht“

Bereits in Friedenszeiten muss die Bundeswehr dafür sorgen, dass sie im Ernstfall schnell wachsen kann. Dafür muss sie unbedingt wissen, wen sie heranziehen kann und wie geeignet der- oder diejenige ist. Auf der Grundlage des Gesetzes wird es der Bundeswehr ermöglicht, effektiver und zielgerichtet das Potenzial der zur Verfügung stehenden jungen Menschen sowie der künftigen Reservistinnen und Reservisten zu erfassen. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, bei einer möglichen Reaktivierung der verpflichtenden Einberufung unmittelbar auf einen belastbaren Datenbestand und bestehende administrative Strukturen zurückgreifen zu können. Die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte soll dadurch deutlich verbessert werden.

Der Neue Wehrdienst wird ein freiwilliger Dienst sein. Vorgesehen ist aber, einen Korridor der Aufwuchszahlen für aktive Soldatinnen und Soldaten sowie nicht aktive Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr bis 2035 gesetzlich festzuhalten. Dabei geht es also um den gesamten Personalstand der Bundeswehr. Diese aktuellen Zahlen müssen halbjährlich dem Bundestag berichtet werden. Wird dieser Aufwuchskorridor angesichts der gesetzten Zielvorgaben nicht eingehalten, werden Regierung und Parlament im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens festlegen, welche Maßnahmen zum Erreichen dieser Ziele ergriffen werden müssen. Dass können zum Beispiel über den Fragebogen hinausgehende verpflichtende Elemente sein. Einen Automatismus für verpflichtende Elemente, oder – wie diskutiert – für ein Losverfahren ist im aktuellen Gesetz nicht enthalten.

Fragen und Antworten zum neuen Wehrdienst finden Sie über folgenden Link:

https://www.bmvg.de/de/neuer-wehrdienst#section-5987018

Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Bundesministeriums der Verteidigung, 05.12.2025, www.bmvg.de

Titel: Neuer Wehrdienst für Deutschland beschlossen

 

Umschlagsystem Crayler für PzBrig 45

Die Panzerbrigade 45 in Litauen setzt das Umschlagsystem Feldladegerät FLG 140 Crayler für leichte,
mittlere und mechanisierte Kräfte ein. Das FLG Crayler ist bereits seit Jahren bei der Bundeswehr in Nutzung und aus der Logistikkette des Sanitätsdienstes und der Division Schnelle Kräfte nicht mehr wegzudenken.
Mit den deutschen Panzergrenadieren der PzBrig 45 kommt dieser Stapler nun auch im Baltikum bei der neu aufgestellten „Litauenbrigade“ zum Einsatz.

In einer umfangreichen Vergleichserprobung mit anderen Umschlagsystemen wurde der Crayler ausgewählt, um am Schützenpanzer Puma den An- und Abbau der Schutzmodule schnell und präzise durchführen zu können. Als Alleinstellungsmerkmal unter den logistischen Umschlagsystemen ist im Falle des Crayler das System Mensch/Maschine entkoppelt. Dies ermöglicht dem Bediener genau dort zu stehen wo er den besten Blick hat. Ein unschätzbarer Vorteil bei der Montage und Demontage der Schutzmodule, der zum Teil auf engstem Raum stattfinden muss.

Das Feldladegerät Crayler hier beim Entladen von Munition
Foto: Bundeswehr / Blauer Bund

Crayler kann natürlich auch Materialumschlag

Dem Pragmatismus der Truppe geschuldet ist die zusätzliche Nutzung des Staplers in seiner ureigenen Funktion, dem Umschlag von Versorgungsgütern. Der kompakte Crayler kann durch nahezu alle Transportfahrzeuge mitgeführt werden – auf der Pritsche, in einem Container oder per Fahrzeuganhänger – so dass der Materialumschlag im gesamten Verantwortungsbereich des Bataillons beziehungsweise der Brigade durchgeführt werden kann. Die außergewöhnlich hohe Geländegängigkeit kombiniert mit den kompakten Abmessungen ermöglicht es, das Material bis in die Kompanie- und Zugebene anzuliefern.

Die Geländegängigkeit des Crayler kann durch Einsatz eines Gurtbandlaufwerks (GBL) noch einmal gesteigert werden. Die Kettenlaufwerke mit endlosen Gummiketten ersetzen jeweils ein Rad und werden als Bausatz zur Montage durch die Truppe geliefert. Aber nicht nur die Mobilität und Geländegängigkeit, auch die Nutzlast steigt durch die Anwendung der GBL. Die Nutzung von GBL erhöht generell die Mobilität im schweren Gelände und reduziert gleichzeitig den Bodendruck, was wiederum den Einsatz auf weichen Böden, Schlamm und Schnee ermöglicht.

Zuerst erschienen in Soldat&Technik am 05. Mai 2025

Autor: André Forkert

Bildquelle Beitragsbild: Bundeswehr / Kai Karsten Kupferschmitt

Arrow 4 – Luftwaffe setzt weiter auf israelische Raketenabwehr

Die Bundeswehr plant bereits den nächsten Sprung in der Luftverteidigung: Mit dem israelischen Abwehrsystem Arrow 4 soll Deutschland künftig auch die letzte Lücke des Luftraums verteidigen können. Arrow 4 soll nach Angaben von Generalleutnant Lutz Kohlhaus – der die Absicht der Luftwaffe heute in Berlin verkündete – in Höhen oberhalb des Patriot-Systems, aber unterhalb von Arrow 3 zum Einsatz kommen.

Generalleutnant Lutz Kohlhaus verkündete heute in Berlin die Absicht der deutschen Luftwaffe, Arrow 4 aus Israel zu beschaffen.
Bild: CPM / Navid Linnemann / Blauer Bund

Auf dem heute begonnenen Ground Based Air Defence (GBAD) Summit in Berlin gab der stellvertretende Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Lutz Kohlhaus, bekannt, dass die Bundeswehr bereits jetzt plane, das israelische Raketenabwehrsystem Arrow 4 zu beschaffen. Das ist nur folgerichtig, da das gegenwärtig von den USA und Israel entwickelte System dieselben Radare und Abschussgeräte wie das von Deutschland beschaffte Luftverteidigungssystem Arrow 3 nutzt.

Technologische Weiterentwicklung – Arrow 4

Das Arrow-4-System wird eine Weiterentwicklung der bewährten Arrow-Serie von Israel Aerospace Industries dar. Es wird seit vergangenem Jahr von Israel und den USA entwickelt, um nicht nur den aktuellen, sondern auch zukünftigen Bedrohungen durch Hyperschallraketen effektiv begegnen zu können. Für die israelischen Entwickler stehen iranische Langstreckenraketen im Fokus, doch auch eine potenzielle Bedrohung aus Russland soll durch Arrow 4 bekämpft werden können. Mit verbesserten Sensoren, erhöhter Reichweite und einer optimierten Zielverfolgung soll Arrow 4 eine robuste Fähigkeit zur Abwehr von Angriffen in großer Höhe und über weite Distanzen bieten. Arrow 4 wird zudem mit Winglets ausgestattet sein, die es dem Abfangflugkörper ermöglichen, im Flug Manöver durchzuführen. Diese sind beispielsweise notwendig, wenn auch die Bedrohung selbst eine Manövrierfähigkeit im Flug besitzt.

Der Arrow 4 Interceptor erhöht erneut die Fähigkeiten des israelischen Raketenabwehrsystems.
Bild: IAI / Blauer Bund

Integration in die Bundeswehrstruktur

Beim GBAD Summit von CPM sprach Generalleutnant Kohlhaus von seiner kürzlich erfolgten Israel-Reise: „Wir haben dort gesehen, dass auch Israel sich einem Mengenproblem stellen muss. Auch dort sind die Lenkflugkörper gerade der leistungsfähigen Systeme Arrow 3, Arrow 2 begrenzt.“

Das von Israel genutzte Luftverteidigungssystem Arrow 2 solle nach seinen Angaben durch den Nachfolger Arrow 4 ersetzt werden. „Wir haben uns entschieden“, erklärte Generalleutnant Kohlhaus, „Arrow 4 zu beschaffen, das ist eine offizielle Luftwaffenforderung.“

Neben dem Vorteil, dass dieser Lenkflugkörper mit den gleichen Radar- und Startgeräten verschossen werden kann wie Arrow 3, betrachtet Kohlhaus es auch als „kostengünstige Erweiterung“ der eigenen Fähigkeiten. Wörtlich sagte er: „Damit ist die Bundeswehr künftig in der Lage – beginnend mit der Heeresflugabwehr bis zu Arrow 3 – das gesamte Höhenspektrum abzudecken.“

Start einer Arrow 3 in Israel
Bild: IAI / Blauer Bund

Stärkung der Luftverteidigungskapazitäten insgesamt

Die geforderte Beschaffung von Arrow 4 reiht sich ein in eine umfassende Modernisierung der deutschen Luftverteidigung. Angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch ballistische Raketen und andere Luftangriffe – wie sie in der Ukraine tagtäglich zu beobachten ist – wird die Fähigkeit der bodengebundenen Luftverteidigung immer bedeutender. Arrow 4 und Arrow 3 sollen bestehende bzw. gerade ankommende Systeme wie Patriot und IRIS-T SLM.

„Das heißt nicht“, dämpfte Generalleutnant Kohlhaus den eigenen Enthusiasmus, „dass wir genug von allem haben. Natürlich nicht: Wir haben zu wenig von allem, aber das gesamte Höhenspektrum ist dann abdeckbar.“

Zuerst erschienen in CPM Defence-Network am 07. Mai 2025

Autor: Navid Linnemann

Vorrat, Nachschub, Versorgung – General Breuer besichtigt Bundeswehrdepot

„Haben ist besser als brauchen“ heißt es in der Truppe – insbesondere, wenn ausreichendes Material Mangelware ist. Diese Weisheit hat sich auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, zu Herzen genommen. Er besuchte jetzt das Bundeswehrdepot West in Mechernich, einem jener Depots, welche die Truppe mit einem Vorrat an Ersatzteilen und Munition versorgen.

„Kriegstüchtigkeit wird auch in unseren Vorratslagern erreicht“, stellte General Breuer heute auf einem seiner Social-Media-Kanäle fest. Zuvor hatte der deutsche Generalinspekteur sich im Rahmen einer Dienstaufsicht im Depot West in Mechernich die materiellen Reserven der Streitkräfte angesehen.

General Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, besuchte das Materialdepot West der Bundeswehr.
Foto: Bundeswehr / Blauer Bund

„Die Ausrüstungsbestände füllen sich zunehmend“, freute sich General Breuer. „Auch hier kommt die Zeitenwende an.“ Versorgung und Logistik sind elementare Bestandteile des neu aufgestellten Unterstützungsbereichs, der für ein Funktionieren der Truppe unverzichtbar ist.

Insgesamt verfügt die Bundeswehr über vier Depots für Material und vier Depots für Munition – jeweils eins pro Himmelsrichtung. Jedes Depot verfügt über untergeordnete Materiallager, die über ganz Deutschland verteilt sind. Über 1,2 Millionen verschiedene Artikel werden von den Depots bevorratet und verwaltet. Für einen Vorrat an besonderen Materialien wie Sanitätsmaterial oder ABC-Material gibt es gesonderte Lager.

Logistikdrehscheibe im Westen – Bundeswehrdepot Mechernich

 Das vom Generalinspekteur besuchte Bundeswehrdepot Mechernich (NRW) ist einer der wichtigsten Logistikstandorte der Bundeswehr in Westdeutschland. Es gehört zum Logistikkommando der Bundeswehr und übernimmt zentrale Aufgaben in der Versorgung, Lagerung und Instandhaltung von Material für die Streitkräfte. Das Depot, zu dem fünf Materiallager in anderen Städten gehören, spielt eine Schlüsselrolle bei der logistischen Unterstützung von Einsätzen im In- und Ausland.

Blick in ein Materialdepot der Bundeswehr.
Foto: Bundeswehr / Anne Weinrich / Blauer Bund

In dem großflächigen Areal werden unter anderem Ersatzteile, Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeugkomponenten auf Vorrat gelagert und für den Weitertransport vorbereitet. Darüber hinaus ist das Depot auch für die Rücknahme und Aufarbeitung von Material nach Auslandseinsätzen zuständig.

Zuerst erschienen in Defence-Network am 02. Mai 2025

Autor: Navid Linnemann

Der Nahe Osten am Scheideweg

Es klingt wie ein Märchen aus Tausend-und-eine-Nacht: Nach einem der gefährlichsten Kriege der jüngeren Geschichte des Nahen Osten nun buchstäblich über Nacht die Ankündigung einer Waffenruhe! Was als „Drecksarbeit“ (so Bundeskanzler Merz) für die westliche Welt durch Israel und die USA begann, soll nun ganz plötzlich die Chance für einen Frieden bringen. Und das nur Stunden, nachdem Iran noch eine Raketensalve auf die US-Luftwaffenbasis in Katar abgefeuert hatte – allerdings mit Ankündigung, so dass die Geschosse abgefangen werden konnten. Das reichte offensichtlich den Machthabern in Teheran als Gesichtswahrung, und US-Präsident Donald Trump konnte den bisher größten Erfolg seiner Amtszeit verkünden.

„Der 12-Tage-Krieg hätte Jahre dauern können und den ganzen Nahen Osten zerstören können, aber es passierte nicht, und das wird es niemals.“ Und er lobte beide Seiten für das „Durchhalten, den Mut und die Intelligenz“ und wünschte Wohlergehen für Israel, Iran, den Nahen Osten, die USA und die Welt.

Und auch die Netanjahu-Regierung äußerte sich positiv. Man habe alle Kriegsziele erreicht. Die Machthaber in Teheran ließen ebenfalls ihre Zustimmung verkünden. Dass dann über die vereinbarte Frist hinaus noch einmal iranische Raketen in Israel einschlugen und man in Jerusalem ebenfalls weitere Angriffe ankündigte, führte zu der Mahnung Trumps, „Der Waffenstillstand ist nun in Kraft – Bitte verletzt ihn nicht!“

Nun gilt es, Taten folgen zu lassen und den Waffenstillstand konsequent umzusetzen. Noch ist es zwar zu früh, eine vollständige Bilanz zu ziehen. Aber man kann dennoch feststellen, dass die Welt an einem hoch gefährlichen Flächenbrand vorbeigeschrammt ist, der sowohl militärisch wie auch wirtschaftlich verheerende Folgen hätte haben können.

Ist damit alles gut?

Eine nüchterne Betrachtung zeigt, dass auch Israel keineswegs alle Kriegsziele erreicht hat. In Hintergrundgesprächen wurde dort noch am Montag darauf verwiesen, man habe bislang 50 Prozent der Raketen-Startrampen vernichtet. Die ganze Nacht feuerte der Iran denn auch noch weiter. Auch die Frage, wo das hoch angereicherte Uran tatsächlich abgeblieben ist, ist noch nicht beantwortet. Konnte es noch rechtzeitig vor dem US-Angriff abtransportiert werden?

Einig sind sich die Experten, dass aber die Produktionsanlagen für die Herstellung von Sprengköpfen zerstört worden sind. Damit dürfte Irans Fähigkeit, Atommacht zu werden, tatsächlich um Jahre zurückgeworfen worden sein.

Grundsätzlich jedoch, und das ist der eigentliche Erfolg, könnte dieser Waffenstillstand die Tür öffnen für das, was sowohl die USA wie auch die Europäer unbedingt wollen: der Diplomatie eine Chance zu geben.

Die Angriffe Israels und dann der USA trafen den Iran zu einer Zeit seiner wohl größten Schwäche. Wirtschaftlich stark angeschlagen und als Machtfaktor in der Region fast aller seiner Verbündeten beraubt, blieben nur noch das Atomprogramm und das Raketenarsenal. Nachdem dies nun weitgehend zerstört und dazu die operativen Führungseliten zu Hunderten ausgeschaltet wurden, sahen die Ayatollahs offenbar keinen Ausweg mehr, den Krieg fortzuführen. Auch aus Russland kam außer warmen Worten offenbar wenig handfeste Unterstützung.

Nun allerdings kommt die tatsächliche Herausforderung: aus einem fragilen Waffenstillstand einen Weg zum Frieden zu finden. Und hier steht das entscheidende Fragezeichen im Raum: Ist Teheran wirklich bereit, auf sein militärisches Atomprogramm endgültig zu verzichten?

Es war bisher das Symbol für den Anspruch, sowohl in der Region wie in der eigenen Bevölkerung ernst genommen zu werden. Das ist die ganz praktische Frage. Darüber hinaus gehört es aber auch zur Staatsdoktrin der religiösen Fanatiker in Teheran, dem großen Satan USA und dem kleinen Satan Israel die Stirn zu bieten und den Zionistenstaat von der Landkarte zu tilgen. Ohne die Bombe ist dieser Traum ausgeträumt. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Abkehr davon mit dem gegenwärtigen Regime möglich ist.

Weder Israel noch die USA wollten offiziell einen „Regime Change“ zum Kriegsziel machen. Sie hoffen darauf, dass dies aus der iranischen Bevölkerung heraus geschehen würde. Experten auch in Israel verweisen allerdings auf den großen Repressionsapparat, über den die Mullahs verfügen.

Dennoch: Nicht nur der Iran, der ganze Nahe Osten steht jetzt an einem Scheideweg. Gelingt eine Annäherung, könnte es tatsächlich zu einer ganz grundsätzlichen Änderung der Situation in der Region kommen. Dafür müssen erst einmal die Waffen schweigen – jetzt!

Erstveröffentlichung in Europäische Sicherheit & Technik, 24. Juni 2025, www.esut.de

Titel: Der Nahe Osten am Scheideweg

Autor: Werner Sonne

Bild: Werner Sonne

Melanie Rohe durfte selbst Hand anlegen – und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen Quelle: HIL GmbH, Blauer Bund

Über den Tellerrand schauen: Zu Besuch in der Instandhaltung

Dr. Melanie Rohe, stellvertretende Projektleiterin des zukünftigen Systems Schützenpanzer Rad im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, tauschte ihren Arbeitsplatz für ein paar Tage, um neue Eindrücke zu sammeln: Es ging zur Heeresinstandsetzungslogistik, kurz HIL GmbH, in Hammelburg.

Schwerpunkt des Besuchs: Instandhaltungen am Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug Boxer  – dem „Mutterschiff“ der Infanterie. Melanie Rohe begleitete Mitarbeitende der HIL GmbH, die sich um die Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen und Geräten der Bundeswehr kümmern, bei der täglichen Arbeit. Die Referentin aus der Abteilung Kampf im BAAINBw wollte damit noch tiefer in die Technik einsteigen – um so noch umfangreichere Fachkenntnisse in ihr Projektmanagement einfließen lassen zu können.

„Aus meiner Sicht gehört mehr zum Projektmanagement, als die Dokumentenlage zu prüfen, einzelne Prozesse zu überwachen und die Nachweisführung sicherzustellen. Wenn ich für die Beschaffung eines Fahrzeugs mitverantwortlich bin, muss ich das System im Ganzen verstehen und auch einen Einblick in die Fristen- und Instandsetzungsarbeiten bekommen“, betont Rohe. Insbesondere die Einführung des „Common Drive Module“ sei ein wichtiger Aspekt, weil dieses neue Standard-Fahrmodul ebenfalls Teil des Schützenpanzers Rad sein wird. Es hat beispielsweise eine höhere Traglast, neue Reifen und ein verändertes Fahrwerk. „Bunte computergenerierte Bilder reichen mir für den Informationsgewinn – zum Beispiel über die Unterschiede der beiden Fahrmodule – nicht aus.“

Selbst Hand anlegen

So wurde zum Beispiel die Trennung des Fahr- und Missionsmoduls durchgeführt, das Triebwerk gezogen, die Schnelltrennkupplung zwischen dem Triebwerk und Verteilergetriebe gelöst, die Reifen demontiert sowie die Bremsen geprüft und gereinigt. „Ich hatte überhaupt keine Vorstellung, wie groß der Aufwand von Instandhaltungsarbeiten am GTK ist. Der Umfang ist wesentlich zeitintensiver als bei bisher eingeführten Radsystemen, wie zum Beispiel beim Allschutz-Transport-Fahrzeug Dingo. Neben dem Schrauben habe ich auch einen Einblick in die administrativen Aufgaben der Fahrzeuginstandsetzung bekommen“, berichtet die Referentin.

Melanie Rohe durfte selbst Hand anlegen – und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen Quelle: HIL GmbH, Blauer Bund
Melanie Rohe durfte selbst Hand anlegen – und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen
Quelle: HIL GmbH, Blauer Bund

Ergänzend zu den Schraubertätigkeiten wurde auch eine Eingangsprüfung des GTK Boxer durchgeführt. Diese umfasst zum Beispiel den einwandfreien Zustand des Fahrzeugs, die Dichtigkeit und die Funktionsprüfung aller Teilsysteme. „Besser bekannt als ZDF – Zustand, Dichtigkeit, Funktion“, so Rohe. Mithilfe der Eingangsprüfung werden eventuelle Schäden identifiziert und der Instandsetzungsaufwand definiert. Nach der Eingangsprüfung startet gleichzeitig auch die Ersatzteilbeschaffung, um das Fahrzeug wieder schnellstmöglich einsatzfähig zu machen und dann der Truppe zur Verfügung zu stellen.

„Der Einblick in die Instandhaltung war sehr informativ, spannend und am Ende des Tages natürlich auch körperlich anstrengend. Besonders beeindruckt hat mich nicht nur die fachliche Kompetenz der Mitarbeitenden vor Ort, sondern auch die freundliche und kollegiale Einweisung in das Tagesgeschäft“, resümiert Melanie Rohe. Und eines sei sicher, sagt sie: Das sei nicht ihr letzter Besuch gewesen.

Text: PIZ AIN