Lieferketten – der unterschätzte Engpass der deutschen Rüstungsindustrie

Die europäische Rüstungsindustrie erlebt gerade einen historischen Boom. Milliarden fließen in neue Systeme, Fertigungslinien und Programme – die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Doch während überall über Kapazitäten, Technologien und Fachkräfte gesprochen wird, bleibt ein kritischer Erfolgsfaktor erstaunlich leise: die Lieferkette.

Wer heute über Produktionssteigerung redet, sollte nicht nur auf Maschinenparks und die eigenen Kapazitäten schauen. Sondern auf Fähigkeiten der Lieferanten. Denn Geschwindigkeit entsteht nicht nur an der eigenen Werkbank – sondern in der Art, wie Unternehmen in der Lieferkette zusammenarbeiten.

Der Engpass sitzt tiefer, als viele denken. Nicht OEMs oder die großen Systemhäuser bremsen den Hochlauf. Sie haben oft ausreichende Ressourcen, stabile Prozesse und das notwendige Wissen. Der Flaschenhals liegt tiefer – bei den hochspezialisierten Betrieben in den unteren Lieferstufen.

Diese kleinen, oft familiengeführten Betriebe sind das Rückgrat der Industrie. Sie fertigen Anbauteile wie Halterungen, Verbindungselemente oder hochpräzise optische Komponenten – unersetzlich, aber oft unsichtbar.  Was früher unkritisch war – bspw. eine Dichtung für den Antrieb – wird plötzlich zum Engpass. Hinzu kommt, dass viele dieser kleinen Betriebe über Jahrzehnte gewachsenes Spezialwissen und individuelle Fertigungsprozesse besitzen, die sich nicht kurzfristig replizieren lassen. Der Aufbau einer „Second Source“ – also eines alternativen Lieferanten – ist oft weder technisch noch wirtschaftlich kurzfristig möglich. Die Kombination aus Abhängigkeit, Know-how-Monopol und fehlender Skalierbarkeit macht diese Unternehmen zu kritischen, aber schwer ersetzbaren Gliedern der industriellen Kette. Wenn ein einziges dieser Betriebe seine Kapazität nicht erweitern kann oder an Qualitätsgrenzen stößt, steht die Fertigung still.

Bergepanzer Büffel zieht MB873 Triebwerk des Leopard 2 Kampfpanzers, ©Bundeswehr/Marco Dorow

Das ist kein Vorwurf, sondern Realität. Jahrzehntelang waren diese Strukturen auf Kleinserien und Prototypen ausgelegt. Niemand musste an Skalierung oder Massenproduktion denken. Doch jetzt steht die Branche an einem Wendepunkt – und genau diese Unternehmen entscheiden, ob aus Tempoansagen auch tatsächlich Lieferung wird.

Kooperation statt Kettenreaktion. Noch immer wird Lieferanten-Management vielerorts als reine Einkaufsdisziplin verstanden. Dabei geht es längst um etwas anderes, um Transparenz und um klare Führung in komplexen Netzwerken.

Die entscheidende Frage lautet: Arbeiten wir mit unseren Partnern – oder nur über sie?

Damit wird deutlich, das eigentliche Problem liegt weniger in der industriellen Leistungsbereitschaft, sondern in der fehlenden systematischen Steuerung und Entwicklung der Lieferantenstrukturen – insbesondere in den unteren Ebenen der Wertschöpfungskette.

Wer seine Lieferkette nur verwaltet, verliert Geschwindigkeit. Wer sie aktiv gestaltet, gewinnt Handlungsfreiheit.
Denn Lieferfähigkeit entsteht nicht durch Druck, sondern durch Kooperation – durch gemeinsames Denken in Kapazitäten, Prozessen und Innovationen.

Modernes Lieferanten-Management ist kein bürokratisches Kontrollsystem, sondern ein Wachstums- und Befähigungsprogramm der gesamten Lieferkette. Fünf Handlungsfelder zeigen, wie das gelingen kann:

  • Kapazitätsaufbau und Redundanzmanagement: Ausbau zusätzlicher Produktionskapazitäten gemeinsam mit Schlüsselzulieferern über alle Stufen hinweg. Gleichzeitig müssen Redundanzen geschaffen werden, um Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu verringern.
  • Qualifizierung und Entwicklungsprogramme: Besonders die unteren Lieferstufen benötigen gezielte Unterstützung. Technische Schulungen, Reifegradmodelle, Co-Investitionen und langfristige Entwicklungsvereinbarungen helfen, hochspezialisierte Kleinstunternehmen auf das notwendige Qualitäts- und Prozessniveau zu heben. Die Automobilindustrie hat mit ähnlichen Programmen beim Übergang zur Elektromobilität entscheidende Erfolge erzielt.
  • Transparenz und Echtzeitsteuerung: Aufbau digitaler Plattformen zur Erfassung und Überwachung von Lieferständen, Risiken, Qualitätskennzahlen und Kapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nur wer seine Lieferantenlandschaft datenbasiert kennt, kann sie effektiv steuern.
  • Kooperative Wertschöpfung und Anreizsysteme: Entwicklung langfristiger Partnerschaften durch gemeinsame Entwicklungsinitiativen, Technologie-Partnerschaften und leistungsorientierte Anreizmodelle (z. B. Bonus-Malus-Systeme). Kooperation ersetzt kurzfristiges Einkaufsdenken.
  • Institutionalisierte Governance: Verankerung des Lieferanten-Managements, nicht nur in der Einkaufsstrategie, sondern auch in der strategischen Unternehmensführung – mit klaren Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten, regelmäßigen Audits und Berichtspflichten über alle Hierarchien hinweg.
Überprüfung des Ausstattungssatzes eines Fahrzeugs auf Vollzähligkeit in einer Halle auf dem Gelände des Materiallagers Zeithain, ©Bundeswehr/Jana Neumann

Die Rüstungsindustrie steht an einem entscheidenden Punkt. Sie kann weiter im Modus der Einzeloptimierung verharren – oder sie nutzt die Zeitenwende, um ihre industrielle Basis gemeinsam neu zu gestalten. Das bedeutet: weniger Silodenken, mehr Zusammenarbeit. Weniger Absicherung, mehr Transparenz und Klarheit.
Die größten Potenziale liegen nicht in neuen Technologien, sondern in neuen Verbindungen.

Wer Kooperation als strategische Fähigkeit versteht, wird Tempo, Qualität und Zuverlässigkeit dauerhaft sichern.
Denn am Ende entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht an der Spitze der Lieferkette – sondern an ihrem Fundament. Lieferfähigkeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Transparenz und gemeinsamem Gestaltungswillen.

Erstveröffentlichung in hartpunkt – Monitor für Defence und Sicherheitspolitik, 16. Oktober 2025, www.hartpunkt.de

Autor: Tobias Bock

 

DOLL: Schwerlastfahrzeuge für die Streitkräfte von heute und morgen

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine investiert Europa verstärkt in Verteidigung. Auch Deutschland beschafft moderne Panzer, Artillerie- und Schützenfahrzeuge. Um sie sicher und schnell an ihren Einsatzort zu verlegen, sind zuverlässige Transportlösungen entscheidend – robust, schnell verfügbar und in angemessener Stückzahl.

Genau auf solche Transportlösungen ist die Firma DOLL Fahrzeugbau u. a. spezialisiert. Das Unternehmen aus dem Schwarzwald ist der führende Anbieter militärischer Schwerlastfahrzeuge für den Transport von Panzern und schweren Kampffahrzeugen in der Klasse 70t plus. Trailer von DOLL sind bei NATO-Streitkräften weltweit im Einsatz, u. a. in Deutschland, Großbritannien, Litauen und Kanada. Ihr Rückgrat: eine hochstabile Rahmenkonstruktion aus langlebigem Feinkornstahl, der klimatischen Extremen von Arktis bis Wüste standhält.

Der DOLL 4-Achs-Sattelanhänger 30t ist teleskopierbar und kann so eine Vielzahl verschiedener Geräte und Fahrzeuge transportieren

Eine Stärke des Spezialfahrzeugbauers sind besonders robuste Achstechnologien. „Wir entwickeln unsere Achsen selbst, weil wir wissen, dass im Einsatz selbst kleine Details über Sicherheit und Ausfall entscheiden“, betont DOLL-Geschäftsführer Markus Ehl. Im harten militärischen Offroad-Einsatz hat sich DOLLs robuste Pendelachse bewährt. Diese gleicht Geländeunebenheiten hydraulisch aus. Ein maximaler Federweg von 600 Millimetern erlaubt es, selbst tiefe Bodenwellen zu überfahren. Zusätzlich misst ein spezieller Sensor die Querbeschleunigung in Kurvenfahrten. Droht ein Übersteuern oder Kippen, bremst das System automatisch ab.

„Wir entwickeln unsere Produkte ständig weiter, um den sich verändernden Anforderungen moderner Streitkräfte gerecht zu werden“, sagt Ehl. 35 Ingenieure arbeiten kontinuierlich an neuen Lösungen, auch basierend auf Einsatzerfahrungen. In Afghanistan beispielsweise rissen improvisierte Sprengsätze (IEDs) teils ganze Pendelarme ab. Austretendes Hydrauliköl führte zu Druckverlust im gesamten Hydrauliksystem und beeinträchtigte somit die Lenkung. Heute lassen sich die Achsen bei Bedarf einzeln vom Hydrauliksystem entkoppeln. So bleiben die Trailer auch nach schweren Treffern einsatzfähig.

Zuverlässigkeit im Einsatz bedeutet auch, dass Soldaten ihre Fahrzeuge in jeder Situation sicher bedienen können, ob bei Dunkelheit oder im Gefecht. DOLL stattet seine Schwerlastfahrzeuge deshalb mit intuitiv bedienbaren Assistenzsystemen aus. Das hochmoderne Steuerungssystem „DOLL control“ ermöglicht die Überwachung und Steuerung sämtlicher Trailerfunktionen. Ein 7-Zoll-Farbdisplay zeigt alle wichtigen Daten zu Reifendruck, Gewicht und Lastverteilung an. Zudem lassen sich alle Auflieger-Funktionen über die Funkfernbedienung „DOLL connect“ steuern. Der Fahrer kann vom Fahrersitz aus in die Lenkung eingreifen oder das Fahrniveau einstellen. Nach dem manuellen Nachlenken reicht ebenfalls ein Knopfdruck auf der Fernbedienung, um die Achsen wieder einzuspuren. Das automatische Einspursystem „DOLL EEP“ passt die Spur des Anhängers eigenständig an die Zugmaschine an. Und schließlich reguliert ein hydraulisch gesteuerter Schwanenhals den Druck auf die Zugmaschine beim Überfahren von Kuppen oder Steigungen. So behält die Zugmaschine stets eine gleichmäßige Traktion.

Der Sattelanhänger 70 t DOLL tera S8P im Gebirge

Weil viele Streitkräfte ihre Beschaffungsprozesse beschleunigen, gewinnt neben Qualität auch schnelle Verfügbarkeit an Bedeutung. DOLL kann liefern: „Dank unseres starken Partnernetzwerks in Deutschland und Europa können wir die Produktion bei Bedarf schnell hochfahren“, erläutert Ehl. „Und durch Simultaneous Engineering gelingt uns ein besonders schneller Übergang von der Entwicklung in die Fertigung.“ Ein Beweis für die Liefertreue: der im Juni 2022 unterzeichnete Rahmenvertrag mit dem BAAINBw über 249 Sattelanhänger mit 70 Tonnen Nutzlast (SaAnh 70t mil). Das erste Los von 31 Fahrzeugen wurde schon im Oktober 2023 an die Bundeswehr übergeben – drei Monate früher als vereinbart.

Zum Konzept von DOLL gehört außerdem ein umfassender Service über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge. Dazu zählen Training und ein „Train-the-Trainer“-Programm, Ersatzteilversorgung und Obsoleszenzmanagement. DOLL bietet die Materialerhaltungsstufen MES 1 bis 4 – auf Wunsch auch im Ausland oder Krisengebieten.

Über DOLL Fahrzeugbau

Die DOLL Fahrzeugbau GmbH mit Hauptsitz in Oppenau im Schwarzwald ist einer der führenden europäischen Hersteller von Transportfahrzeugen für die Bereiche Defence, Schwertransport, Airport Equipment und Holztransport. Zum Hauptsitz addieren sich die Tochtergesellschaften DOLL Airport Equipment in Oppenau, DOLL America in New Jersey, DOLL TimTech in Mildenau und DOLL France in Paris. Des Weiteren bietet DOLL Schulungen und Trainings, technischen Support, Reparatur- und Refurbishmentarbeiten, mobilen Service sowie 24-Stunden-Ersatzteilservice an. Gebrauchtfahrzeuge runden das Servicespektrum ab. Das im Jahr 1878 gegründete Traditionsunternehmen beschäftigt heute zirka 420 Mitarbeitende und baut rund 1.000 Fahrzeuge pro Jahr.

DOLL Hauptsitz in Oppenau

Pressekontakt

Christoph Ernst

möller pr

Telefon: +49 (0)221 80 10 87-82

Email: ce@moeller-pr.de

www.moeller-pr.de

 

Bilder: ©DOLL Fahrzeugbau