Das Technisch-Logistische Management – Dienstleister im Hauptprozess Rüstung/Logistik

Stellt man einem KI-Chatbot die Frage „Was ist Technisch-Logistisches Management (TLM) in der Bundeswehr?“, so erhält man diese oder ähnliche Antworten:

„Das Technisch-Logistische Management (TLM) in der Bundeswehr bezieht sich auf die Planung, Durchführung und Kontrolle von logistischen Prozessen, die für den Betrieb und die Instandhaltung von militärischen Systemen und Ausrüstungen erforderlich sind. Es umfasst die Beschaffung, Lagerung, Wartung und den Transport von Material und Ressourcen. Ein wichtiger Aspekt ist die Integration von technischen und logistischen Anforderungen, um die Effizienz und Effektivität der militärischen Einsätze zu maximieren. Dies beinhaltet auch die Analyse von Daten und die Anwendung moderner Technologien, um logistische Abläufe zu optimieren. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu gewährleisten und gleichzeitig Ressourcen effizient zu nutzen.“

Dies ist grundsätzlich bereits sehr nah an der realen Lage. Der im Chatbot aufgeführte Aspekt einer Maximierung von Effektivität und Effizienz militärischer Einsätze – diese Reihenfolge scheint angesichts der geopolitischen Lage angemessener – beschreibt das Ziel sämtlicher Managementtätigkeiten im Management. Für ein besseres Verständnis der Anforderungen an das TLM empfiehlt sich ein Blick in das Prozessmodell der Bundeswehr, in welchem die Aufgaben des Technisch-Logistischen Managements abgebildet sind: Zusammengefasst ist es eine Managementtätigkeit zur Herstellung und Aufrechterhaltung der Einsatz- und Versorgungsreife. Es soll die zuverlässige Verfügbarkeit von Produkten für den operativen Einsatz jederzeit gewährleisten, eine ressourcenoptimierte und wirtschaftliche Nutzung ermöglichen und Informationen für die Weiterentwicklung der Produkte liefern.

Arbeitsvorgänge im Hauptprozessanteil Logistik

Daraus wurden Aufgabenfelder abgeleitet. Diese stellen in ihrer Gesamtheit ein umfassendes Prozessmodell für Daten und Informationen zur Verfügung. Dies belegt den Dienstleistungscharakter von TLM gegenüber den anderen Geschäftsprozessen in den Hauptprozessen Logistik und Rüstung. Technisch-Logistisches Management bezieht Lagebilder über die Einsatzfähigkeit von Produkten mit ein und liefert die Datenbasis für führungsrelevante logistische Entscheidungen. Warum ist das wichtig?

Kriegstauglichkeit

Die Bundeswehr muss einsatzbereit, muss kriegstauglich sein. Alle militärischen Systeme müssen im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung effektiv und zuverlässig funktionieren. Das bedeutet, dass sie in einem Zustand sind, der einen sofortigen Einsatz ohne erforderliche umfangreiche Vorbereitungen oder Reparaturen ermöglicht. Vorhersehbare Ausfälle im Einsatz gilt es weitestgehend zu vermeiden. Ebenso entscheidend für die Kriegstauglichkeit ist die Bereitstellung von Informationen über logistische Ressourcen wie Ersatzteile, Treibstoff und Munition. Ein darauf basierendes, gut organisiertes logistisches System stellt sicher, dass diese Ressourcen schnell und effizient an die Einsatzorte gelangen.

Der Einsatz moderner Technologien, wie zum Beispiel digitale Systeme zur Überwachung und Analyse von Ausrüstungszuständen, kann die Kriegstauglichkeit erheblich verbessern. Sie ermöglichen eine prädiktive Wartung und eine bessere Planung der logistischen Unterstützung.

Durch Logistic-Support-Analysis über den gesamten Lebensweg des Produktes werden im Technisch-Logistischen Management beeinträchtigende Risiken identifiziert und vermieden, bevor Auswirkungen auf die Kriegstauglichkeit spürbar werden. Dies umfasst auch die Entwicklung von Strategien zur Risikominderung durch ein strukturiertes Obsoleszenz-Management.

Die Gewährleistung der Kriegstauglichkeit ist ein komplexer und fortlaufender Prozess, der insbesondere aus logistischer Sicht eine enge Zusammenarbeit verschiedenster Akteure und eine sorgfältige Planung erfordert. Für diese Sorgfalt liefert das TLM die benötigten Informationen und stellt dazu erforderliche Standards bereit. Doch wie macht Technisch-Logistisches Management das?

Aufgabenfelder im Technisch-Logistischen Management

Stammdatenpflege

Planung, Durchführung und Überwachung von Rüstungsprojekten erfordern Daten. Diese Stammdaten ermöglichen die zweckbestimmte Nutzung der eingeführten Produkte bis zum Ende ihrer Nutzungsdauer. Stammdaten sind essenziell für die Durchführung sämtlicher logistischer Prozesse. Zu diesen Stammdaten gehören technische Dokumentationen, Materialinformationen, Herstellerinformationen, Stücklisten, für die Instandhaltung erforderliche Daten, wie zum Beispiel technische Strukturen, Instandhaltungsanleitungen und vieles mehr. Eine sorgfältige Pflege dieser Stammdaten ist wichtig, um jene Qualität der Informationen sicherzustellen, die zur Erfüllung der logistischen Aufgaben erforderlich ist. Denn ungenaue oder veraltete Daten können zu Fehlentscheidungen, ineffizienten Prozessen und erhöhten Kosten führen. Zentrale Datenbanken erleichtern den Zugriff und die Aktualisierung der Informationen. Dies ermöglicht eine konsistente Datenbasis für alle Produktlebenszyklus, die Single Source of Truth.

Aufgabenfelder TLM

Daten sind das neue Gold. Nur mit guten, also validen und aktuellen Daten können KI-Systeme trainiert und angewendet werden. Dazu müssen Stammdaten regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, um Änderungen in den Projekten, neuen Erkenntnissen zu Technologien oder Marktbedingungen Rechnung zu tragen. Die Bundeswehr hat zum Erreichen des Ziels einer hohen Datenqualität eine umfassende Organisation eingeführt, die sich ausschließlich um Datenqualität kümmert: die Data Governance Organisation der Bundeswehr. Diese macht im Rahmen eines reaktiven Datenmanagements Vorgaben zur Überprüfung der Qualität der genutzten Stammdaten. Im Hauptprozess Logistik wird dies mithilfe spezieller Tools und der Umsetzung von Datenqualitätsregeln (DQ-Regeln) praktiziert und lässt sich mit dem Motto „Finde den Fehler“ umschreiben. Mit Einführung der Tools und Workflows eines aktiven Datenmanagements sollen Stammdaten künftig schon vor ihrer Nutzung in Prozessen durch möglichst automatisierte Ableitungen und Validierungen qualitätsgesichert werden. Hier heißt das Motto „Fehler vermeiden“ mit dem Ziel, die Datenqualität signifikant zu steigern. Aufgrund der Bedeutung der Datenpflege ist hierfür besonders geschultes Personal zwingend erforderlich. Nur so können dauerhaft spezifische gesetzliche und regulatorische Anforderungen eingehalten werden. Mit der Data Governance der Bundeswehr wird so für die Nutzung von Waffensystemen ein datenzentrierter Ansatz etabliert (Änderung Mindset). Dessen Komplexität wird anhand der genutzten Datenqualitätsdimensionen für DQ-Regeln deutlich.

Die Arbeitsschritte des Technisch-Logistischen Managements tragen dazu bei, qualitätsgesicherte Daten und Informationen unter anderem für alle logistischen Prozesse bereitzustellen, um deren prozessualen Ablauf zu ermöglichen beziehungsweise zu unterstützen und somit insbesondere Prozessabbrüche sowie Prozesshemmnisse zu verhindern. Dies beschreibt den Dienstleistungscharakter gegenüber anderen Geschäftsprozessen am treffendsten.

Hier die Schritte, die im Technisch-Logistischen Management exemplarisch dazu beitragen, im Produktlebenszyklus aktuelle und gute Daten bereitzustellen.

Katalogisierung

Katalogisierung ermöglicht die Identifizierung eines Produkts nach einheitlichen Standards und die Ansprechbarkeit innerhalb von IT-Systemen. Alle relevanten Informationen über Produkte werden im Rahmen der Katalogisierung systematisch erfasst und in Datenbanken verwaltet. Dabei gilt es, NATO-Standards zu berücksichtigen und einzuhalten. Dies ermöglicht auch, dass Informationen nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für viele internationale Nutzende deutscher militärischer Produkte leicht zugänglich und durchsuchbar sind. Durch eindeutige Identifizierbarkeit von Material können die richtigen Teile zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitgestellt werden. Dies ist entscheidend für die Planung und Durchführung von logistischen Prozessen im internationalen Umfeld, insbesondere in kritischen Situationen. Durch das standardisierte System der NATO-Kodifizierung werden Interoperabilität und Versorgungssicherheit erhöht. Darauf aufbauende Versorgungsartikelkonzepte legen fest, welche Erzeugnisse unterschiedlicher Hersteller in ihren formalen, technischen und stofflichen Merkmalen übereinstimmen und bündeln diese. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kosteneinsparungen durch höhere Bestellmengen, Verringerung der Anzahl an tatsächlich zu bewirtschaftendem Material und Beschleunigung der Instandhaltungsprozesse durch schnellere Verfügbarkeit von Ersatz- und Austauschteilen (ET/AT).

Die Integration der Katalogisierungsergebnisse in moderne IT-Systeme ermöglicht eine bedarfsgerechte Bestandsüberwachung und -verwaltung durch automatisierte Systeme auf der Grundlage dieses Ordnungssystems. Katalogisierung trägt also dazu bei, die Effizienz und Transparenz in der Verwaltung logistischer Ressourcen zu erhöhen. Sie bietet eine Basis für fundierte Entscheidungen in der Logistik.

Produktbeobachtung

Die Produktbeobachtung in Rüstungsprojekten erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus von militärischen Waffensystemen und Ausrüstung. Sie umfasst die systematische Überwachung und Analyse von Produkten in der Entwicklung, vor allem aber in der Nutzungsphase, um sicherzustellen, dass sie den definierten Anforderungen und Standards entsprechen.

Dazu wird die Qualität der Produkte regelmäßig überprüft, um Zuverlässigkeit und Langlebigkeit sicherzustellen. Dies ist besonders wichtig in einsatzentscheidenden und sicherheitskritischen Bereichen. Sensordaten und Messwerte werden erhoben und analysiert. Schwächen oder Einschränkungen in der Nutzung werden durch Beanstandungsmeldungen gesammelt, ausgewertet und durch die Projektleitung Produktänderungen und -verbesserungen daraus abgeleitet – zukünftig idealerweise mit KI-Unterstützung.

Datenqualitätsdimension im Datenmanagement Logistik

Produktänderungen/-verbesserungen

Werden aus der Produktbeobachtung heraus Erkenntnisse deutlich, die eine Anpassung des bestehenden Produktes notwendig oder sinnvoll erscheinen lassen, sind diese Forderungen hinsichtlich technischer und wirtschaftlicher Auswirkungen zu bewerten und kostengünstige Lösungen zu verfolgen. Zu den TLM-Aufgaben der Projektleitung im Rahmen einer Produktänderung gehören dann das Erarbeiten von Änderungsforderungen und Änderungsgenehmigungen, das Erfassen und Planen der Leistungen von entwicklungstechnischer Betreuung, die Planung der integrierten Nachweisführung und die Durchführung der Einsatzprüfung. Ziel ist die zeitgerechte und einsatzreife Bereitstellung der geänderten Produkte, einschließlich der zugehörigen geänderten Materialgrundlagen, technischen Objekte und technischen Dokumentationen beziehungsweise Regelungen. Bei Bedarf ist erneut eine Katalogisierung bei der Katalogisierungsstelle für die geänderten Produkte zu erwirken. Im Gegensatz zur Produktänderung hat die Produktverbesserung einen Fähigkeitsaufwuchs und/oder eine technische Verbesserung eines bereits eingeführten Produkts zum Ziel. Sie wird daher wie ein neues Beschaffungsvorhaben bearbeitet. Die Produktverbesserung wirkt sich in operationeller, logistischer, technischer oder wirtschaftlicher Hinsicht aus. Die TLM-Aufgaben sind wie bei einem neuen Produkt von Beginn an zu durchlaufen.

Planung und Steuerung produktbezogener Ressourcen

Der Erhalt der Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft des Produktes in der Nutzungsphase ist eine der wesentlichen Aufgaben der Nutzungssteuerung. Dazu sind alle benötigten Maßnahmen so früh und detailliert wie möglich zu planen, um die notwendigen Ressourcen, wie zum Beispiel Ersatz- und Austauschteile, Instandhaltungskapazitäten, Infrastruktur und qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen und zielgerichtet nutzen zu können. Zur Planung und Steuerung dieser produktbezogenen Ressourcen nutzt die Bundeswehr im Rahmen der Nutzungssteuerung von Waffensystemen die „produktbezogene Fachplanung”. Diese berücksichtigt die Bedarfshistorie und die zukünftig beabsichtigte Nutzungsintensität, um strategisch den Bedarf an Ersatz- und Austauschteilen, und Dienstleistungen zu ermitteln. Daraus werden Haushaltsmittelbedarfe abgeleitet und die entsprechende Umsetzung initiiert. In diesem Sinne stellt TLM einen Teil der Planungsgrundlage für die Finanzierung von Waffensystemen in der Nutzungsphase zur Verfügung.

Konfigurationsmanagement

Durch Produktänderungen und -verbesserungen können neue Varianten eines Waffensystems entstehen. Im TLM sorgt das Konfigurationsmanagement als systematischer Ablauf dann dafür, dass die Integrität und Konsistenz von Produkten und Systemen während ihres gesamten Lebenszyklus´ gewährleistet sind. Alle Änderungen oder Versionen werden produkt- und stückbezogen dokumentiert. Dies ermöglicht eine klare Nachverfolgbarkeit und hilft, den Überblick über die aktuellen technischen Fähigkeiten der Systeme zu behalten. Sind Änderungen an einem System nötig, werden diese kontrolliert und genehmigt, um sicherzustellen, dass sie den festgelegten Anforderungen. Regelmäßige Überprüfungen bezwecken, dass die Systeme den Qualitätsstandards entsprechen und ordnungsgemäß funktionieren. Durch Änderungen oder durch ungünstige Konfigurationen, zum Beispiel Software-Inkompatibilitäten, erwartbare Risiken werden frühzeitig identifiziert, bewertet und geeignete Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen. Das Konfigurationsmanagement stellt dadurch sicher, dass alle Teile eines Systems zusammenarbeiten und Änderungen in einem Bereich keine unbeabsichtigten Auswirkungen haben.

Insgesamt trägt das Konfigurationsmanagement im Technisch-Logistischen Management also dazu bei, die Effizienz, Zuverlässigkeit und Sicherheit von Produkten und damit die Einsatzfähigkeit für die Streitkräfte zu erhöhen.

Zusammenfassung

Daten sind die Zukunft. Daten ermöglichen innovative Anwendungen. Daten stellen Prozesse sicher. Das Technisch-Logistische Management stellt Prozesse und Tools bereit, um diese Daten umfassend und qualitativ hochwertig zu erzeugen, zu analysieren und zu nutzen. Es bietet die Grundlage für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, des Machine Learning, des Digitalen Zwillings oder einfach nur der Prognose von Material- und Instandhaltungsbedarfen. Technisch-Logistisches Management als Geschäftsprozess ist Dienstleister für die Projektleitungen und Nutzenden bei der Einführung, bei der Nutzung und bei der Ausphasung von Waffensystemen. Auch wenn es prozessbezogen nicht unbedingt im Rampenlicht steht, bereitet es doch die Basis für alle logistischen Prozesse und deren reibungslosen Ablauf. Insofern trägt Technisch-Logistisches Management zur Erhöhung der Verfügbarkeit von Waffensystemen und damit direkt zur Steigerung der Einsatzbereitschaft und Kriegstauglichkeit der Bundeswehr bei. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Erstveröffentlichung in Europäische Sicherheit & Technik, 23.09.2025, www.esut.de

Titel: Das Technisch-Logistische Management – Dienstleister im Hauptprozess Rüstung/Logistik

Autor: Oberstleutnant Oliver Erhardt

Bilder: ©Bundeswehr